Zeitzeugen aus Oldisleben und Umgebung

Frank Schöbel(“Reise ins Ehebett”) – er trat sogar mal im Weimarischen Hof von Oldisleben auf…DDR-Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Kurt Starke im Website-Interview: „Im Grunde genommen, hatte sich in der DDR ein Verhältnis zwischen den Geschlechtern herausgebildet, das mit westlichen Maßstäben nicht meßbar und von marktwirtschaftlich Sozialisierten nicht nachvollziehbar ist.“

“Reise ins Ehebett”:

https://www.youtube.com/watch?v=0aez3IKd1Ko

Schöbel6

 

Ausriß.https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Sch%C3%B6bel

“Reise ins Ehebett ist ein deutscher Musikfilm der DEFA von Joachim Hasler aus dem Jahr 1966. Es war der erste Film, in dem der Sänger Frank Schöbel als Schauspieler auftrat.” Wikipedia

Lieb mich so, wie dein Herz es mag”:

https://www.youtube.com/watch?v=OJE0Ahio92M

“Abends in der Stadt”:

https://www.youtube.com/watch?v=A-45lFooHQo

“Wie ein Stern”:

https://www.youtube.com/watch?v=nh-7sVdOQ0A

“Gold in deinen Augen”:

https://www.youtube.com/watch?v=VNj2OKEHDe8

“Nicht schummeln, Liebling”:

https://www.youtube.com/watch?v=JwkheB6iIS0

“Baby, du bist o.k”:

https://www.youtube.com/watch?v=RKADeVSVAjY&list=OLAK5uy_nvD6-GowZ6Br42YA26Yse6DRvcQ_4QozQ&index=2&t=0s

https://www.youtube.com/watch?v=OgEOagsShwg

https://www.youtube.com/watch?v=2gTWoFayY_Y

“Die besten Songs”:https://www.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nvD6-GowZ6Br42YA26Yse6DRvcQ_4QozQ

“Ein Kessel Buntes”. Karl Schlücke, kreativer Kopf der berühmten DDR-Unterhaltungssendung, kommt aus Oldisleben/Thüringen. “…seit 1980 trägt er die politische und künstlerische Verantwortung für die Konzipierung dieses 120minütigen Programms, das original über den Bildschirm geht.” FFdabei:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/12/22/ein-kessel-buntes-karl-schluecke-kreativer-kopf-der-beruehmten-ddr-unterhaltungssendung-kommt-aus-oldislebenthueringen-seit-1980-traegt-er-die-politische-und-kuenstlerische-verantwortung/

Schöbel2

Ausriß.

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/01/03/peter-glaeser-caesar-aus-leipzig-virtuos-auf-der-gitarre-wie-jimi-hendrix-hochpopulaer-sogar-als-karnevalsmusiker-etwa-beim-legendaeren-baufasching-in-der-parkgaststaette-markkleeberg/

Schöbel1

Ausriß.

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/11/28/geraer-seniorenverband-2017-und-kulturelle-kolonisierung-ostdeutschlands-warum-u-a-mdr-thueringen-nur-wenig-deutschsprachige-musik-sendet/

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Ausriß.

http://www.hart-brasilientexte.de/2018/03/09/manfred-krug-defa-film-der-kinnhaken-von-1962-krug-als-ddr-grenzer-von-der-kampfgruppe-in-berlinder-westen-hat-eine-herrliche-fassade-und-wenn-man-jung-ist-kann-man-darauf-reinfallen-k/

Manfred Krug – DEFA-Film “Der Kinnhaken” von 1962. Krug als DDR-Grenzer von der Kampfgruppe in Berlin:”Der Westen hat eine herrliche Fassade – und wenn man jung ist, kann man darauf reinfallen.” Krug-Klassiker “Der Kinnhaken” als DVD bei Amazon – wann lief er zuletzt in der ARD, im MDR?

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Ausriß.

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Ausriß.

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Ausriß.

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Ausriß.

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Ausriß.

Westdeutsche Tageszeitung DIE WELT am 27.2. 2018 mit populärem DDR-Lied “Unsere Heimat”:

UnsereHeimatWELT18

Ausriß.

MDR 2018 über die Presseberichterstattung zu Ostdeutschland, über das kulturelle Erbe aus DDR-Zeiten: 

…Mehr an Kultur spiegelt sich nicht wider

“Kultur” ist dagegen ein Schlagwort, das nur in etwa jedem 15. Artikel im Zusammenhang mit Ostdeutschland enthalten ist. Auffällig ist diese Zahl vor allem, weil die neuen Länder (ohne Berlin) mit 2,4 Orchestern und Theatern pro 100.000 Einwohner gegenüber nur 0,9 Orchestern und Theatern pro Einwohner in den alten Bundesländern eine etwa zweieinhalbfache Kulturdichte haben…

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/01/12/thueringen-nach-dem-anschluss-von-1990-ost-pastorin-christine-lieberknecht-und-die-rolle-der-west-cdu-eine-ihrer-ersten-aufgaben-war-die-umgestaltung-des-bildungssystems-wikipedia-ueber-lieberk/

Deutschsprachige Musik in den letzten Jahren vor allem in Ostdeutschland auf einmal wieder erstaunlich populär. Gibt es dafür politische, soziokulturelle Gründe(Ostalgie, Pegida, AfD)?

VogelMentalität18

 

Niedersachse Vogel/CDU, Ex-Ministerpräsident von Thüringen –  und Fehleinschätzungen über Ostdeutsche, Thüringer. Ausriß TA.

Buschfunk und die DDR-Musik:https://verlag.buschfunk.com/.

“Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei seit nunmehr 28 Jahren auf Kunst und Künstlern aus ostdeutschen Landschaften.”https://verlag.buschfunk.com/kuenstler.

Buschfunk über Frank Schöbel:

Alle Künstler |  Portrait
Weihnachten in Familie
Bild: 1

Frank Schöbel

Geboren in Leipzig an einem Dezembertag, ist er wohl der DDR- Schlagerstar
schlechthin, welcher sein musikalisches Können und seine Vielfalt als Künstler mit einer Natürlichkeit und einem besonderen Verhältnis zum Publikum über Jahrzehnte überzeugend verbindet. 

Irgendwann im Jahre 1993 kam BuschFunk die Idee, die Familie Schöbel für ein zweites Weihnachtsalbum gewinnen zu wollen. Der grüne Klassiker „Weihnachten in Familie“ konnte in der Ausstattung ostdeutscher Haushalten durchaus mit Waschmaschine und Kühlschrank mithalten. 
Die Überredung gelang und damit auch zwei höchst erfolgreiche Tournee und ein Album „Fröhliche Weihnachten in Familie“ (1994), welches bis heute das meistverkaufte Album des Musikverlages geblieben ist. 

Inzwischen gab es neue Projekte mit Frank Schöbel, der inzwischen auch wieder mit Söhnen Töchtern (Dominique) und Chris Doerck auftritt. 

So entstand ein Solo-Weihnchtsalbum und – anknüpfend an schöne Kindheitserinnerungen – das Kinderweihnachtsalbum “Komm wir malen eine Tanne”( 2013). 

Buschfunk – Ostrock:

https://konsum.buschfunk.com/musik/ostrock.html

Thüringer Allgemeine, Jan. 2019, Samuel Rösch:

Was macht Sie zur Stimme Deutschlands?
Ich war im Finale der einzige Kandidat, der auf Deutsch gesungen hat. Ich denke beim deutschen Publikum war das ein Vorteil für mich. Und vielleicht war ich auch der Sänger, der die meisten Emotionen transportieren konnte, der die Zuschauer mit seiner Musik am meisten angesprochen hat.
Sie sind nach Charley Ann Schmutzler der zweite The-Voice-of-Germany-Sieger aus Ostdeutschland. Bedeutet Ihnen dieses Detail etwas?
Ich bin 1994 geboren und habe Ost- und Westdeutschland nicht mehr erlebt. Ich identifiziere mich eher mit meiner Heimat, dem Erzgebirge. Von daher bin ich stolz darauf, ein The-Voice-Sieger aus dem Erzgebirge zu sein. 
Was bedeutet es Ihnen, auf Deutsch zu singen?
Auf Deutsch kann ich mehr Emotionen in die Songs packen, weil es meine Muttersprache ist und ich so auch wirklich verstehe, was ich singe. In der Show hat man gesehen, dass mein Englisch nicht so gut ist. Ich verstehe schon einiges, aber es fällt mir schwer, Gefühle in einer Fremdsprache zu transportieren.
Sie schreiben auch eigene Songs. Welche Themen möchten Sie mit Ihrer Musik ansprechen?
Ich möchte Themen ansprechen, die mich bewegen und ich hoffe, dass ich so auch meine Zuhörer bewegen kann. Ich und meine Bandkollegen kommen aus der christlichen Musikszene. Somit haben wir oft den Glauben thematisiert. Doch wir versuchen auch Themen anzusprechen, die darüber hinausgehen: Wo komm ich her? Wo geh ich hin? Fragen, die sich jeder stellt, die jeden betreffen. TA
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Goethe-Institut:

“Deutsche Popmusik ist so beliebt und erfolgreich wie noch nie. Songs von Jan Delay und Andreas Bourani laufen Tag für Tag im Radio, die Lieder von Seeed und Marteria werden ständig unter Freunden geteilt. Auch in den Charts stehen deutsche Produktionen regelmäßig ganz oben. Es ist normal geworden, auf Deutsch zu singen. Die Bands versuchen nicht mehr, den angloamerikanischen Pop zu imitieren. Sie musizieren ganz selbstverständlich in ihrer eigenen Sprache. Neue und etablierte Künstlerinnen und Künstler inspirieren sich gegenseitig und sorgen damit für eine enorme Vielfalt im deutschen Pop.

GEFÜHL UND ALLTAG

Deutsch ist angesagt. Jugendliche hören am liebsten Musik in ihrer eigenen Sprache. Hier finden sie ihren Alltag und ihre Wünsche wieder – und lernen sich dabei auch selbst kennen. Die Musikerinnen und Musiker sprechen ihre Sprache, besonders wenn es um das Thema Liebe geht.”

Musiktrends im Radio 2018: Deutsche Musik erfolgreich wie nie“. Radioszene

Charts: Deutschsprachige Musik dominiert erste drei Quartale 2018. Radioszene

Veröffentlicht am 23. Okt. 2018 von  unter Musik

Knapp drei Monate vor Abschluss des Musikjahres zeigt sich: Der Trend zur deutschen Sprache geht weiter. In den ersten drei Quartalen waren deutschsprachige Produktionen für beinahe zwei Drittel der 100 erfolgreichsten Alben zuständig; in der Top 10 landen sogar neun deutschsprachige Werke. Dies belegt eine Sonderauswertung der Offiziellen Deutschen Charts, ermittelt von GfK Entertainment.

Bislang beliebtestes Album in 2018 bleibt Helene Fischers selbstbetitelter Longseller, der schon 2017 abräumte. Dahinter folgen die Rockband Frei.Wild(„Rivalen und Rebellen“), der HipHopper Gzuz („Wolke 7“) sowie mit Ed Sheeran(„÷“) der einzige englischsprachige Interpret in der Top 10. Vorherrschende Genres sind Schlager/Volksmusik und HipHop, die acht der Top 10-Positionen unter sich ausmachen.

Bundesverband Musikindustrie:

Deutschsprachige Alben stehen weiterhin oben in der Gunst der hiesigen Fans: 7 der Top-10-Longplayer stammen von heimischen Künstlerinnen und Künstlern, meistverkauftes Album 2017 IST „HELENE FISCHER“…Musik mit deutschen Texten war hierzulande auch im vergangenen Jahr besonders populär: Von den zehn erfolgreichsten Alben 2017 sind sieben deutschsprachig. Damit bleibt die Begeisterung für Musik „Made in Germany“ knapp unter dem bisherigen Allzeithoch von 2015 (8 Alben). Blickt man auf die Top 100 der Offiziellen Deutschen Album-Charts, ist der Anteil nationaler Longplay-Produktionen 2017 mit 68,5 Prozent (Abb. 24) beinahe identisch geblieben…

Die große Beliebtheit deutschsprachiger Künstlerinnen und Künstler zeigen Jahr für Jahr die Album-Charts. Daher bleibt die Hoffnung, dass die Musikplaner im Hörfunk häufiger auch Domestic Repertoire eine Chance geben. Ein wichtiges neues Argument insbesondere an die Adresse der öffentlich-rechtlichen Sender ist in diesem Zusammenhang das Playlisting: Die zunehmende Zahl internationaler Künstlerinnen und Künstler im offiziellen Single-Ranking hängt wohl auch mit den global abrufbaren kuratierten Vorschlägen der Streaming-Dienste zusammen. Denn weltweit ist englischsprachige Musik die gelernte Sprache der Popkultur und deshalb mehr Hörerinnen und Hörern vermittelbar. 

 

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind hier aufgefordert, ihrer sich letztlich aus dem Kulturauftrag ergebenden Aufgabe nachzukommen, Flächen zu bieten und zu schaffen, die den Hörerinnen und Hörern, Zuschauerinnen und Zuschauern auch Domestic Repertoire vorstellen und nahebringen.

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Dr. Mathias Giloth, Geschäftsführer GfK Entertainment: „Wir blicken auf ein spannendes Musikjahr zurück und freuen uns über die anhaltend große Begeisterung für Musik „Made in Germany“. Der Wunsch, die Offiziellen Deutschen Jahrescharts bereits zu Beginn der Adventszeit zu veröffentlichen, kam in den vergangenen Jahren immer wieder auf. So liefern die Jahrescharts dann Orientierung, wann sie benötigt werden – und das ist für viele Fans, Künstler, Musikschaffende und Medien eben meist schon vor Weihnachten.“

“Singen Sie Deutsch! – Die Top 100″ Radio Eins RBB:https://www.radioeins.de/musik/die-100-besten/singen-sie-deutsch/singen-sie-deutsch—-die-top-100-.html.

City, Karat, Nina Hagen(Farbfilm), Keimzeit, Manfred Krug.

“Acht Eimer Hühnerherzen – Eisenhüttenstadt”:https://www.youtube.com/watch?time_continue=147&v=tHp1KXMDhaI.

Helene Fischer – würde die etwa beim russischen Nationalfeiertag in Moskau auf dem Roten Platz  bei der berühmten stundenlangen Show mitten unter den anderen russischen Sängerinnen in ihrer Heimatsprache auftreten, würde wohl kaum jemand auf diem Idee kommen, daß sie heute in Deutschland lebt und nicht mehr in Sibirien oder sonstwo in Rußland.

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Moskau, Roter Platz. Nicht wenige populäre russische Sängerinnen erinnern aus Deutschland Zugereiste an Helene Fischer. 

Reinhard Lakomy: “Alles Stasi außer Mutti”. …Und alles warn nur die andern, und das Leben ist jetzt tutti, tittentutti, tittenfrutti, alles Stasi, außer Mutti, selber war man nur der Karren, niemals war man Pferd, so bleibt man stets unversehrt…”Keine ahnung warum, aber beim diesem Lied muß ich immer an die Frau Merkel denken.?” Lakomy-Hörer. “Sollten sich mal Leute wie Gauck anhören und die ganzen Möchtegernwiderständler. Dann lieber in der grausamen Stasi-Diktatur leben, als in der noch grausameren Stasiverfolgten-Diktatur!?” Feindliche Übernahme 1990:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/01/21/reinhard-lakomy-alles-stasi-ausser-mutti/.

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Fritz Vilmar(Hrsg.) Zehn Jahre Vereinigungspolitik, Kritische Bilanz und humane Alternativen (mit Beiträgen zur Kolonialisierung der Ex-DDR), trafo- Verlag Berlin

Der Wahlbetrug  (Ralph Hartmann) Zeitschrift Ossietzky 2010

»Jetzt geht es weiter … Gott sei Dank«, versicherte Rainer Eppelmann vor kurzem dem deutschen Außenminister Guido Westerwelle in dessen Amtssitz am Werderschen Markt. Was meinte er wohl damit, der Ex-Pfarrer? Er will doch nicht etwa da weitermachen, wo er 1989 aufhörte, nämlich »Schwerter zu Pflugscharen« umschmieden? Nein, der Außenamtschef muß sich nicht ängstigen. Eppelmann hat ja längst seinen Talar an den Nagel gehängt und kämpft mit teuflischer Freude als Chef der »Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur« gegen den nunmehr vor 20 Jahren verblichenen zweiten deutschen Staat. Die »Es-Geht-Weiter«-Drohung stieß er bei der Eröffnung der Ausstellung »Die heile Welt der Diktatur?« aus, die anhand ausgewählter Fotos die DDR so zeigt, wie Eppelmann und seine Auftraggeber sie zu sehen wünschen. Der Drohruf bestätigte, was längst bekannt ist. Er war ein wenig länger, richtete sich auch an die anwesenden Presseleute und lautete wörtlich: »Sie mögen sagen: ›365 Tage hat jetzt eine Fete die andere gejagt. Gott sei Dank ist das vorbei.‹ Und nun mögen Sie stöhnen: ›Um Gottes Willen, jetzt geht es weiter.‹ Da sage ich: Gott sei Dank.«

Ja, es geht weiter: Nach dem Großen Gedenkjahr 2009 stehen neue Höhepunkte der SED-Diktatur-Aufarbeitung und der Würdigung deutscher Einheit bevor. Einem sind wir schon ganz nahe: dem 20. Jahrestag der »ersten freien und demokratischen Wahl« in der DDR. Eigenartigerweise ist im prall gefüllten Programmkalender der Stiftung keine Veranstaltung zu diesem historischen Jubiläum vorgesehen. Das überrascht. Sollte es dem Ex-Pfarrer etwa peinlich sein, daß sein damaliger Vorsitzender im »Demokratischen Aufbruch«, Wolfgang Schnur, kurz vor der Wahl als lang gedienter inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit aufflog? Oder befürchtet er, daß die in der europäischen Geschichte einmalige Einmischung der BRD in das Wahlgeschehen eines souveränen Nachbarstaates schlecht zu den Attributen »frei« und »demokratisch« paßt? Hält er es für ratsam, Gras darüber wachsen zu lassen, daß Heerscharen von bundesdeutschen Parteigrößen einschließlich Kohl und Brandt auf unzähligen Wahlkundgebungen in der DDR auftraten, zig Tonnen Propagandamaterial made in West-Germany das Land überschwemmten, Dutzende hauptamtliche Wahlkreisgeschäftsführer entsandt wurden, Millionen und Abermillionen Wahlkampfgelder gen Osten flossen, zehn Tage vor der Wahl der Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Dresden tagte? Und das alles, obwohl sich beide deutsche Staaten im Artikel 6 des Grundlagenvertrages feierlich und rechtsgültig zur Einhaltung des Grundsatzes verpflichtet hatten, »daß die Hoheitsgewalt jedes der beiden Staaten sich auf sein Staatsgebiet beschränkt. Sie respektieren die Unabhängigkeit und Selbständigkeit jedes der beiden Staaten in seinen inneren und äußeren Angelegenheiten.« Zu den »inneren Angelegenheiten« gehören eigentlich auch Wahlen.

Ich zitiere Zeitzeugen, die einer Affinität zum politischen System der DDR unverdächtig sind. Egon Bahr konstatierte, daß es die »schmutzigsten Wahlen (waren), die ich je in meinem Leben beobachtet habe«. Jens Reich, Mitbegründer des Neuen Forums, stellte fest: »Das Bonner Nilpferd ist in einer Massivität gekommen, daß man einfach hilflos war. Im Wahlkampf ist einfach der gesamte Apparatismus des Westens in den Osten gebracht worden. Dem hatten wir nichts entgegenzusetzen. Das waren in die DDR exportierte Westwahlen.« DieBlätter für deutsche und internationale Politik resümierten: »Was BRD-Politiker im DDR-Wahlkampf in der DDR … vorgeführt haben, übertrifft in vielen Beziehungen die Einmischungspraxis imperialistischer Vormächte gegenüber sog. Bananenrepubliken.«

All das eignet sich nicht so recht zur »Aufarbeitung der SED-Diktatur«. Doch welche Partnerinstitution springt bei der Würdigung der historischen Wahlen in die Bresche? Welche Konferenzen, Workshops, Symposien, Foren veranstalten sie zum Wahljubiläum? Was plant die Merkel-Westerwelle-Regierung? Wo bleibt der Staatsakt mit vorangehendem Gedenkgottesdienst? Wo findet das große Jubelgedenkvolksfest statt? Am Brandenburger Tor oder auf der freien Fläche im Herzen Berlins, wo einst der Palast der Republik stand, in dem die Wahlzentrale eingerichtet war?

Von alledem ist bisher nichts bekannt. Zwangsläufig drängt sich die Frage auf, ob Eppelmann mit seinen Bedenken nicht allein steht. Das hätte der Wahlsieger von 1990, die von Kohl in Westberlin aus der Taufe gehobene »Allianz für Deutschland«, nicht verdient. Freilich, der Wahlkampf hatte einen beispiellosen Vorzug: Die bundesdeutschen Wahlhelfer und -kämpfer haben nicht gelogen, sie haben nichts versprochen, was sie nicht gehalten haben. Die Hauptlosung der Allianz »Freiheit und Wohlstand« ist in Ost- wie schon immer in Westdeutschland Realität geworden. Kohl hat nicht gelogen, als er auf sechs Großkundgebungen stets mit den gleichen Worten ankündigte: »Wenn die Rahmenbedingungen gesetzt sind, wenn die notwendigen gesetzgeberischen Maßnahmen getroffen sind, dann werden nicht nur Hunderte, sondern Tausende von investitionsbereiten Unternehmern – von Großunternehmen bis hin zum Handwerk – aus der Bundesrepublik hierher kommen, und gemeinsam mit Ihnen werden wir hier in kurzer Zeit ein blühendes Land schaffen.« 

Der CSU-Vorsitzende und Bundesfinanzminister Theodor Waigel sagte nichts als die reine Wahrheit, als er den DDR-Wählern die in der BRD herrschende »soziale Verantwortung« anpries und »mit aller Klarheit« versicherte: »Was die SED hier und auch andere Kräfte schüren – vom kalten Kapitalismus und dieser nüchternen seelenlosen Gesellschaft von drüben – das ist nichts anderes als ein Horrorgemälde.« Und ist etwa der »Boom des DDR-Arbeitsmarktes«, den der SPD-Wirtschaftsexperte Frank Bogisch auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes in Aussicht stellte, ausgeblieben? Und war es nicht aufrichtig gemeint, als die Parteien der »Allianz für Deutschland« »eine Sicherung der Sparguthaben im Verhältnis 1:1« versprachen? 

Auch der lange Zeit beliebteste Deutsche, Hans-Dietrich Genscher, kann sich zufrieden zurücklehnen. Das von ihm angekündigte »deutsche Aufbauwunder« hat nach der Wahl begonnen. Es zieht sich zwar ein wenig in die Länge, aber nach jüngsten Schätzungen soll die Angleichung der ostdeutschen Wirtschaftsleistung an das Westniveau bereits 2059 erfolgen.

Nein, es hat keinen Wahlbetrug gegeben. Nur einige linke Kritikaster und nörgelnde Besserwisser behaupten, daß die Schicksalswahl vom 18. März 1990 von den größten Wahllügen seit der Weimarer Republik begleitet war. Diese Unverbesserlichen unterstellen gar, daß die Wahl angesichts rechtswidriger massiver Einmischung und angeblich nicht erfüllter Wahlversprechen weder »frei« noch »demokratisch« war. Leeres Geschwätz! Was »frei« und »demokratisch« ist, bestimmen nicht sie, sondern immer noch die Herrschenden und ihre Medien.

Es bleibt dabei: Die letzte Wahl der Volkskammer der DDR war ein Höhepunkt der friedlichen Revolution und ein Markstein auf dem Weg zur Wiedergewinnung der deutschen Einheit. Sie wird weiter gepriesen werden, aus triftigen Gründen nicht auf Volksfesten oder Staatsakten, aber ganz gewiß mit Jubiläumsbeiträgen in den Medien, in denen ihre kleinen Schönheitsfehler im goldenen Licht des Gedenkmarathons unsichtbar werden. Und Eppelmann, der Oberaufarbeiter der SED-Diktatur, kann unbesorgt jubeln: »Es geht weiter … Gott sei Dank.«

 

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Dieser Beitrag wurde am Samstag, 12. Januar 2019 um 16:28 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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