Zeitzeugen aus Oldisleben und Umgebung

Frank Schöbel(“Reise ins Ehebett”) – er trat sogar mal im Weimarischen Hof von Oldisleben auf…DDR-Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Kurt Starke im Website-Interview: „Im Grunde genommen, hatte sich in der DDR ein Verhältnis zwischen den Geschlechtern herausgebildet, das mit westlichen Maßstäben nicht meßbar und von marktwirtschaftlich Sozialisierten nicht nachvollziehbar ist.“

“Reise ins Ehebett”:

https://www.youtube.com/watch?v=0aez3IKd1Ko

Schöbel6

 

Ausriß.https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Sch%C3%B6bel

“Reise ins Ehebett ist ein deutscher Musikfilm der DEFA von Joachim Hasler aus dem Jahr 1966. Es war der erste Film, in dem der Sänger Frank Schöbel als Schauspieler auftrat.” Wikipedia

Lieb mich so, wie dein Herz es mag”:

https://www.youtube.com/watch?v=OJE0Ahio92M

“Abends in der Stadt”:

https://www.youtube.com/watch?v=A-45lFooHQo

“Wie ein Stern”:

https://www.youtube.com/watch?v=nh-7sVdOQ0A

“Gold in deinen Augen”:

https://www.youtube.com/watch?v=VNj2OKEHDe8

“Nicht schummeln, Liebling”:

https://www.youtube.com/watch?v=JwkheB6iIS0

“Baby, du bist o.k”:

https://www.youtube.com/watch?v=RKADeVSVAjY&list=OLAK5uy_nvD6-GowZ6Br42YA26Yse6DRvcQ_4QozQ&index=2&t=0s

https://www.youtube.com/watch?v=OgEOagsShwg

https://www.youtube.com/watch?v=2gTWoFayY_Y

“Die besten Songs”:https://www.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nvD6-GowZ6Br42YA26Yse6DRvcQ_4QozQ

“Ein Kessel Buntes”. Karl Schlücke, kreativer Kopf der berühmten DDR-Unterhaltungssendung, kommt aus Oldisleben/Thüringen. “…seit 1980 trägt er die politische und künstlerische Verantwortung für die Konzipierung dieses 120minütigen Programms, das original über den Bildschirm geht.” FFdabei:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/12/22/ein-kessel-buntes-karl-schluecke-kreativer-kopf-der-beruehmten-ddr-unterhaltungssendung-kommt-aus-oldislebenthueringen-seit-1980-traegt-er-die-politische-und-kuenstlerische-verantwortung/

Schöbel2

Ausriß.

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/01/03/peter-glaeser-caesar-aus-leipzig-virtuos-auf-der-gitarre-wie-jimi-hendrix-hochpopulaer-sogar-als-karnevalsmusiker-etwa-beim-legendaeren-baufasching-in-der-parkgaststaette-markkleeberg/

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Ausriß.

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/11/28/geraer-seniorenverband-2017-und-kulturelle-kolonisierung-ostdeutschlands-warum-u-a-mdr-thueringen-nur-wenig-deutschsprachige-musik-sendet/

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Ausriß.

http://www.hart-brasilientexte.de/2018/03/09/manfred-krug-defa-film-der-kinnhaken-von-1962-krug-als-ddr-grenzer-von-der-kampfgruppe-in-berlinder-westen-hat-eine-herrliche-fassade-und-wenn-man-jung-ist-kann-man-darauf-reinfallen-k/

Manfred Krug – DEFA-Film “Der Kinnhaken” von 1962. Krug als DDR-Grenzer von der Kampfgruppe in Berlin:”Der Westen hat eine herrliche Fassade – und wenn man jung ist, kann man darauf reinfallen.” Krug-Klassiker “Der Kinnhaken” als DVD bei Amazon – wann lief er zuletzt in der ARD, im MDR?

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Ausriß.

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Ausriß.

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Ausriß.

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Ausriß.

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Ausriß.

Westdeutsche Tageszeitung DIE WELT am 27.2. 2018 mit populärem DDR-Lied “Unsere Heimat”:

UnsereHeimatWELT18

Ausriß.

MDR 2018 über die Presseberichterstattung zu Ostdeutschland, über das kulturelle Erbe aus DDR-Zeiten: 

…Mehr an Kultur spiegelt sich nicht wider

“Kultur” ist dagegen ein Schlagwort, das nur in etwa jedem 15. Artikel im Zusammenhang mit Ostdeutschland enthalten ist. Auffällig ist diese Zahl vor allem, weil die neuen Länder (ohne Berlin) mit 2,4 Orchestern und Theatern pro 100.000 Einwohner gegenüber nur 0,9 Orchestern und Theatern pro Einwohner in den alten Bundesländern eine etwa zweieinhalbfache Kulturdichte haben…

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/01/12/thueringen-nach-dem-anschluss-von-1990-ost-pastorin-christine-lieberknecht-und-die-rolle-der-west-cdu-eine-ihrer-ersten-aufgaben-war-die-umgestaltung-des-bildungssystems-wikipedia-ueber-lieberk/

Deutschsprachige Musik in den letzten Jahren vor allem in Ostdeutschland auf einmal wieder erstaunlich populär. Gibt es dafür politische, soziokulturelle Gründe(Ostalgie, Pegida, AfD)?

VogelMentalität18

 

Niedersachse Vogel/CDU, Ex-Ministerpräsident von Thüringen –  und Fehleinschätzungen über Ostdeutsche, Thüringer. Ausriß TA.

Buschfunk und die DDR-Musik:https://verlag.buschfunk.com/.

“Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei seit nunmehr 28 Jahren auf Kunst und Künstlern aus ostdeutschen Landschaften.”https://verlag.buschfunk.com/kuenstler.

Buschfunk über Frank Schöbel:

Alle Künstler |  Portrait
Weihnachten in Familie
Bild: 1

Frank Schöbel

Geboren in Leipzig an einem Dezembertag, ist er wohl der DDR- Schlagerstar
schlechthin, welcher sein musikalisches Können und seine Vielfalt als Künstler mit einer Natürlichkeit und einem besonderen Verhältnis zum Publikum über Jahrzehnte überzeugend verbindet. 

Irgendwann im Jahre 1993 kam BuschFunk die Idee, die Familie Schöbel für ein zweites Weihnachtsalbum gewinnen zu wollen. Der grüne Klassiker „Weihnachten in Familie“ konnte in der Ausstattung ostdeutscher Haushalten durchaus mit Waschmaschine und Kühlschrank mithalten. 
Die Überredung gelang und damit auch zwei höchst erfolgreiche Tournee und ein Album „Fröhliche Weihnachten in Familie“ (1994), welches bis heute das meistverkaufte Album des Musikverlages geblieben ist. 

Inzwischen gab es neue Projekte mit Frank Schöbel, der inzwischen auch wieder mit Söhnen Töchtern (Dominique) und Chris Doerck auftritt. 

So entstand ein Solo-Weihnchtsalbum und – anknüpfend an schöne Kindheitserinnerungen – das Kinderweihnachtsalbum “Komm wir malen eine Tanne”( 2013). 

Buschfunk – Ostrock:

https://konsum.buschfunk.com/musik/ostrock.html

Thüringer Allgemeine, Jan. 2019, Samuel Rösch:

Was macht Sie zur Stimme Deutschlands?
Ich war im Finale der einzige Kandidat, der auf Deutsch gesungen hat. Ich denke beim deutschen Publikum war das ein Vorteil für mich. Und vielleicht war ich auch der Sänger, der die meisten Emotionen transportieren konnte, der die Zuschauer mit seiner Musik am meisten angesprochen hat.
Sie sind nach Charley Ann Schmutzler der zweite The-Voice-of-Germany-Sieger aus Ostdeutschland. Bedeutet Ihnen dieses Detail etwas?
Ich bin 1994 geboren und habe Ost- und Westdeutschland nicht mehr erlebt. Ich identifiziere mich eher mit meiner Heimat, dem Erzgebirge. Von daher bin ich stolz darauf, ein The-Voice-Sieger aus dem Erzgebirge zu sein. 
Was bedeutet es Ihnen, auf Deutsch zu singen?
Auf Deutsch kann ich mehr Emotionen in die Songs packen, weil es meine Muttersprache ist und ich so auch wirklich verstehe, was ich singe. In der Show hat man gesehen, dass mein Englisch nicht so gut ist. Ich verstehe schon einiges, aber es fällt mir schwer, Gefühle in einer Fremdsprache zu transportieren.
Sie schreiben auch eigene Songs. Welche Themen möchten Sie mit Ihrer Musik ansprechen?
Ich möchte Themen ansprechen, die mich bewegen und ich hoffe, dass ich so auch meine Zuhörer bewegen kann. Ich und meine Bandkollegen kommen aus der christlichen Musikszene. Somit haben wir oft den Glauben thematisiert. Doch wir versuchen auch Themen anzusprechen, die darüber hinausgehen: Wo komm ich her? Wo geh ich hin? Fragen, die sich jeder stellt, die jeden betreffen. TA
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Goethe-Institut:

“Deutsche Popmusik ist so beliebt und erfolgreich wie noch nie. Songs von Jan Delay und Andreas Bourani laufen Tag für Tag im Radio, die Lieder von Seeed und Marteria werden ständig unter Freunden geteilt. Auch in den Charts stehen deutsche Produktionen regelmäßig ganz oben. Es ist normal geworden, auf Deutsch zu singen. Die Bands versuchen nicht mehr, den angloamerikanischen Pop zu imitieren. Sie musizieren ganz selbstverständlich in ihrer eigenen Sprache. Neue und etablierte Künstlerinnen und Künstler inspirieren sich gegenseitig und sorgen damit für eine enorme Vielfalt im deutschen Pop.

GEFÜHL UND ALLTAG

Deutsch ist angesagt. Jugendliche hören am liebsten Musik in ihrer eigenen Sprache. Hier finden sie ihren Alltag und ihre Wünsche wieder – und lernen sich dabei auch selbst kennen. Die Musikerinnen und Musiker sprechen ihre Sprache, besonders wenn es um das Thema Liebe geht.”

Musiktrends im Radio 2018: Deutsche Musik erfolgreich wie nie“. Radioszene

Charts: Deutschsprachige Musik dominiert erste drei Quartale 2018. Radioszene

Veröffentlicht am 23. Okt. 2018 von  unter Musik

Knapp drei Monate vor Abschluss des Musikjahres zeigt sich: Der Trend zur deutschen Sprache geht weiter. In den ersten drei Quartalen waren deutschsprachige Produktionen für beinahe zwei Drittel der 100 erfolgreichsten Alben zuständig; in der Top 10 landen sogar neun deutschsprachige Werke. Dies belegt eine Sonderauswertung der Offiziellen Deutschen Charts, ermittelt von GfK Entertainment.

Bislang beliebtestes Album in 2018 bleibt Helene Fischers selbstbetitelter Longseller, der schon 2017 abräumte. Dahinter folgen die Rockband Frei.Wild(„Rivalen und Rebellen“), der HipHopper Gzuz („Wolke 7“) sowie mit Ed Sheeran(„÷“) der einzige englischsprachige Interpret in der Top 10. Vorherrschende Genres sind Schlager/Volksmusik und HipHop, die acht der Top 10-Positionen unter sich ausmachen.

Bundesverband Musikindustrie:

Deutschsprachige Alben stehen weiterhin oben in der Gunst der hiesigen Fans: 7 der Top-10-Longplayer stammen von heimischen Künstlerinnen und Künstlern, meistverkauftes Album 2017 IST „HELENE FISCHER“…Musik mit deutschen Texten war hierzulande auch im vergangenen Jahr besonders populär: Von den zehn erfolgreichsten Alben 2017 sind sieben deutschsprachig. Damit bleibt die Begeisterung für Musik „Made in Germany“ knapp unter dem bisherigen Allzeithoch von 2015 (8 Alben). Blickt man auf die Top 100 der Offiziellen Deutschen Album-Charts, ist der Anteil nationaler Longplay-Produktionen 2017 mit 68,5 Prozent (Abb. 24) beinahe identisch geblieben…

Die große Beliebtheit deutschsprachiger Künstlerinnen und Künstler zeigen Jahr für Jahr die Album-Charts. Daher bleibt die Hoffnung, dass die Musikplaner im Hörfunk häufiger auch Domestic Repertoire eine Chance geben. Ein wichtiges neues Argument insbesondere an die Adresse der öffentlich-rechtlichen Sender ist in diesem Zusammenhang das Playlisting: Die zunehmende Zahl internationaler Künstlerinnen und Künstler im offiziellen Single-Ranking hängt wohl auch mit den global abrufbaren kuratierten Vorschlägen der Streaming-Dienste zusammen. Denn weltweit ist englischsprachige Musik die gelernte Sprache der Popkultur und deshalb mehr Hörerinnen und Hörern vermittelbar. 

 

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind hier aufgefordert, ihrer sich letztlich aus dem Kulturauftrag ergebenden Aufgabe nachzukommen, Flächen zu bieten und zu schaffen, die den Hörerinnen und Hörern, Zuschauerinnen und Zuschauern auch Domestic Repertoire vorstellen und nahebringen.

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Dr. Mathias Giloth, Geschäftsführer GfK Entertainment: „Wir blicken auf ein spannendes Musikjahr zurück und freuen uns über die anhaltend große Begeisterung für Musik „Made in Germany“. Der Wunsch, die Offiziellen Deutschen Jahrescharts bereits zu Beginn der Adventszeit zu veröffentlichen, kam in den vergangenen Jahren immer wieder auf. So liefern die Jahrescharts dann Orientierung, wann sie benötigt werden – und das ist für viele Fans, Künstler, Musikschaffende und Medien eben meist schon vor Weihnachten.“

“Singen Sie Deutsch! – Die Top 100″ Radio Eins RBB:https://www.radioeins.de/musik/die-100-besten/singen-sie-deutsch/singen-sie-deutsch—-die-top-100-.html.

City, Karat, Nina Hagen(Farbfilm), Keimzeit, Manfred Krug.

“Acht Eimer Hühnerherzen – Eisenhüttenstadt”:https://www.youtube.com/watch?time_continue=147&v=tHp1KXMDhaI.

Helene Fischer – würde die etwa beim russischen Nationalfeiertag in Moskau auf dem Roten Platz  bei der berühmten stundenlangen Show mitten unter den anderen russischen Sängerinnen in ihrer Heimatsprache auftreten, würde wohl kaum jemand auf diem Idee kommen, daß sie heute in Deutschland lebt und nicht mehr in Sibirien oder sonstwo in Rußland.

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Moskau, Roter Platz. Nicht wenige populäre russische Sängerinnen erinnern aus Deutschland Zugereiste an Helene Fischer. 

Reinhard Lakomy: “Alles Stasi außer Mutti”. …Und alles warn nur die andern, und das Leben ist jetzt tutti, tittentutti, tittenfrutti, alles Stasi, außer Mutti, selber war man nur der Karren, niemals war man Pferd, so bleibt man stets unversehrt…”Keine ahnung warum, aber beim diesem Lied muß ich immer an die Frau Merkel denken.?” Lakomy-Hörer. “Sollten sich mal Leute wie Gauck anhören und die ganzen Möchtegernwiderständler. Dann lieber in der grausamen Stasi-Diktatur leben, als in der noch grausameren Stasiverfolgten-Diktatur!?” Feindliche Übernahme 1990:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/01/21/reinhard-lakomy-alles-stasi-ausser-mutti/.

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Fritz Vilmar(Hrsg.) Zehn Jahre Vereinigungspolitik, Kritische Bilanz und humane Alternativen (mit Beiträgen zur Kolonialisierung der Ex-DDR), trafo- Verlag Berlin

Der Wahlbetrug  (Ralph Hartmann) Zeitschrift Ossietzky 2010

»Jetzt geht es weiter … Gott sei Dank«, versicherte Rainer Eppelmann vor kurzem dem deutschen Außenminister Guido Westerwelle in dessen Amtssitz am Werderschen Markt. Was meinte er wohl damit, der Ex-Pfarrer? Er will doch nicht etwa da weitermachen, wo er 1989 aufhörte, nämlich »Schwerter zu Pflugscharen« umschmieden? Nein, der Außenamtschef muß sich nicht ängstigen. Eppelmann hat ja längst seinen Talar an den Nagel gehängt und kämpft mit teuflischer Freude als Chef der »Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur« gegen den nunmehr vor 20 Jahren verblichenen zweiten deutschen Staat. Die »Es-Geht-Weiter«-Drohung stieß er bei der Eröffnung der Ausstellung »Die heile Welt der Diktatur?« aus, die anhand ausgewählter Fotos die DDR so zeigt, wie Eppelmann und seine Auftraggeber sie zu sehen wünschen. Der Drohruf bestätigte, was längst bekannt ist. Er war ein wenig länger, richtete sich auch an die anwesenden Presseleute und lautete wörtlich: »Sie mögen sagen: ›365 Tage hat jetzt eine Fete die andere gejagt. Gott sei Dank ist das vorbei.‹ Und nun mögen Sie stöhnen: ›Um Gottes Willen, jetzt geht es weiter.‹ Da sage ich: Gott sei Dank.«

Ja, es geht weiter: Nach dem Großen Gedenkjahr 2009 stehen neue Höhepunkte der SED-Diktatur-Aufarbeitung und der Würdigung deutscher Einheit bevor. Einem sind wir schon ganz nahe: dem 20. Jahrestag der »ersten freien und demokratischen Wahl« in der DDR. Eigenartigerweise ist im prall gefüllten Programmkalender der Stiftung keine Veranstaltung zu diesem historischen Jubiläum vorgesehen. Das überrascht. Sollte es dem Ex-Pfarrer etwa peinlich sein, daß sein damaliger Vorsitzender im »Demokratischen Aufbruch«, Wolfgang Schnur, kurz vor der Wahl als lang gedienter inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit aufflog? Oder befürchtet er, daß die in der europäischen Geschichte einmalige Einmischung der BRD in das Wahlgeschehen eines souveränen Nachbarstaates schlecht zu den Attributen »frei« und »demokratisch« paßt? Hält er es für ratsam, Gras darüber wachsen zu lassen, daß Heerscharen von bundesdeutschen Parteigrößen einschließlich Kohl und Brandt auf unzähligen Wahlkundgebungen in der DDR auftraten, zig Tonnen Propagandamaterial made in West-Germany das Land überschwemmten, Dutzende hauptamtliche Wahlkreisgeschäftsführer entsandt wurden, Millionen und Abermillionen Wahlkampfgelder gen Osten flossen, zehn Tage vor der Wahl der Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Dresden tagte? Und das alles, obwohl sich beide deutsche Staaten im Artikel 6 des Grundlagenvertrages feierlich und rechtsgültig zur Einhaltung des Grundsatzes verpflichtet hatten, »daß die Hoheitsgewalt jedes der beiden Staaten sich auf sein Staatsgebiet beschränkt. Sie respektieren die Unabhängigkeit und Selbständigkeit jedes der beiden Staaten in seinen inneren und äußeren Angelegenheiten.« Zu den »inneren Angelegenheiten« gehören eigentlich auch Wahlen.

Ich zitiere Zeitzeugen, die einer Affinität zum politischen System der DDR unverdächtig sind. Egon Bahr konstatierte, daß es die »schmutzigsten Wahlen (waren), die ich je in meinem Leben beobachtet habe«. Jens Reich, Mitbegründer des Neuen Forums, stellte fest: »Das Bonner Nilpferd ist in einer Massivität gekommen, daß man einfach hilflos war. Im Wahlkampf ist einfach der gesamte Apparatismus des Westens in den Osten gebracht worden. Dem hatten wir nichts entgegenzusetzen. Das waren in die DDR exportierte Westwahlen.« DieBlätter für deutsche und internationale Politik resümierten: »Was BRD-Politiker im DDR-Wahlkampf in der DDR … vorgeführt haben, übertrifft in vielen Beziehungen die Einmischungspraxis imperialistischer Vormächte gegenüber sog. Bananenrepubliken.«

All das eignet sich nicht so recht zur »Aufarbeitung der SED-Diktatur«. Doch welche Partnerinstitution springt bei der Würdigung der historischen Wahlen in die Bresche? Welche Konferenzen, Workshops, Symposien, Foren veranstalten sie zum Wahljubiläum? Was plant die Merkel-Westerwelle-Regierung? Wo bleibt der Staatsakt mit vorangehendem Gedenkgottesdienst? Wo findet das große Jubelgedenkvolksfest statt? Am Brandenburger Tor oder auf der freien Fläche im Herzen Berlins, wo einst der Palast der Republik stand, in dem die Wahlzentrale eingerichtet war?

Von alledem ist bisher nichts bekannt. Zwangsläufig drängt sich die Frage auf, ob Eppelmann mit seinen Bedenken nicht allein steht. Das hätte der Wahlsieger von 1990, die von Kohl in Westberlin aus der Taufe gehobene »Allianz für Deutschland«, nicht verdient. Freilich, der Wahlkampf hatte einen beispiellosen Vorzug: Die bundesdeutschen Wahlhelfer und -kämpfer haben nicht gelogen, sie haben nichts versprochen, was sie nicht gehalten haben. Die Hauptlosung der Allianz »Freiheit und Wohlstand« ist in Ost- wie schon immer in Westdeutschland Realität geworden. Kohl hat nicht gelogen, als er auf sechs Großkundgebungen stets mit den gleichen Worten ankündigte: »Wenn die Rahmenbedingungen gesetzt sind, wenn die notwendigen gesetzgeberischen Maßnahmen getroffen sind, dann werden nicht nur Hunderte, sondern Tausende von investitionsbereiten Unternehmern – von Großunternehmen bis hin zum Handwerk – aus der Bundesrepublik hierher kommen, und gemeinsam mit Ihnen werden wir hier in kurzer Zeit ein blühendes Land schaffen.« 

Der CSU-Vorsitzende und Bundesfinanzminister Theodor Waigel sagte nichts als die reine Wahrheit, als er den DDR-Wählern die in der BRD herrschende »soziale Verantwortung« anpries und »mit aller Klarheit« versicherte: »Was die SED hier und auch andere Kräfte schüren – vom kalten Kapitalismus und dieser nüchternen seelenlosen Gesellschaft von drüben – das ist nichts anderes als ein Horrorgemälde.« Und ist etwa der »Boom des DDR-Arbeitsmarktes«, den der SPD-Wirtschaftsexperte Frank Bogisch auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes in Aussicht stellte, ausgeblieben? Und war es nicht aufrichtig gemeint, als die Parteien der »Allianz für Deutschland« »eine Sicherung der Sparguthaben im Verhältnis 1:1« versprachen? 

Auch der lange Zeit beliebteste Deutsche, Hans-Dietrich Genscher, kann sich zufrieden zurücklehnen. Das von ihm angekündigte »deutsche Aufbauwunder« hat nach der Wahl begonnen. Es zieht sich zwar ein wenig in die Länge, aber nach jüngsten Schätzungen soll die Angleichung der ostdeutschen Wirtschaftsleistung an das Westniveau bereits 2059 erfolgen.

Nein, es hat keinen Wahlbetrug gegeben. Nur einige linke Kritikaster und nörgelnde Besserwisser behaupten, daß die Schicksalswahl vom 18. März 1990 von den größten Wahllügen seit der Weimarer Republik begleitet war. Diese Unverbesserlichen unterstellen gar, daß die Wahl angesichts rechtswidriger massiver Einmischung und angeblich nicht erfüllter Wahlversprechen weder »frei« noch »demokratisch« war. Leeres Geschwätz! Was »frei« und »demokratisch« ist, bestimmen nicht sie, sondern immer noch die Herrschenden und ihre Medien.

Es bleibt dabei: Die letzte Wahl der Volkskammer der DDR war ein Höhepunkt der friedlichen Revolution und ein Markstein auf dem Weg zur Wiedergewinnung der deutschen Einheit. Sie wird weiter gepriesen werden, aus triftigen Gründen nicht auf Volksfesten oder Staatsakten, aber ganz gewiß mit Jubiläumsbeiträgen in den Medien, in denen ihre kleinen Schönheitsfehler im goldenen Licht des Gedenkmarathons unsichtbar werden. Und Eppelmann, der Oberaufarbeiter der SED-Diktatur, kann unbesorgt jubeln: »Es geht weiter … Gott sei Dank.«

Hintergrund 2002 – “Die enterotisierte Gesellschaft. Ängste als größte Erotikkiller. Sinnliches Verhalten wird zunehmend verlernt”:

Ost-West-Vergleiche
Die enterotisierte Gesellschaft
Ängste als größte Erotikkiller -Sinnliches Verhalten wird zunehmend verlernt
von Klaus Hart
12/02

Was ist los mit den Deutschen? Mangel an Begehren, abnehmende Libido, so konstatieren Sexualwissenschaftler und Psychologen, ist Regel, nicht Ausnahme – man blicke nur in Gesichter, im Alltag, in der Freizeit. Rühr-mich-nicht-an-Ambiente selbst in Bars und Diskotheken – die schönste Sache der Welt kommt aus der Mode, besonders bei den vielen Singles, wird richtiggehend verlernt;  Flirten, köstliche Blickkontakte sowieso. Erinnert sich jemand, wie häufig man noch in den Siebzigern, Achtzigern Leute sah, die in aller Öffentlichkeit schmusten, herumknutschten? Die  Lust zu zweit schrumpfte inzwischen spürbar, Triebverlust bei gleichzeitiger sexueller Reizüberflutung via Medien und Internet wird ein Massenphänomen. Der Zauber ist ziemlich hin, Sexualität, Erotik werden trivialisiert, banalisiert, entwertet. Männer und Frauen, man spürt es, sind über ihre Rollen verunsichert. Zwanzig-bis Dreißigjährige schlafen seltener mit jemandem, den sie mögen, als Fünfzigjährige – das gabs sicher noch nie in diesem Land. Beispiele hat jeder genug, aus seiner Privatsphäre, dem Bekanntenkreis, dem Alltagserleben.Einst strömte Ostberlins Jugend zu Nina Hagen und Manfred Krug, Karat oder den Puhdys zum Schwoofen  in die Kongreßhalle am Alexanderplatz – seit der „Wende“ ist das vorbei, jetzt gibts dafür dort alle paar Wochen eine so genannte Erotikmesse, die neue westliche Wertvorstellungen über Sexualität, Sinnlichkeit propagiert;  alles banal und platt und kommerziell – das Gegenteil von denen der DDR.  Mit dem Segen der Kulturbehörden hängen zuvor tausende Farbposter überall in der Stadt, auch vor den Amtssitzen von Fischer, Schröder und Trittin.  Kindergartenkinder, Schüler, alte Frauen bleiben stehen, schauen sich die enormen nackten Brüste eines Models an, das ohne Höschen die Beine appellativ ganz, ganz weit aufspreizt. Aha, denken sich da schon die Minderjährigen, das ist heuzutage, in rot-grünen Zeiten,  also Erotik – sowas, denken sich die Mädchen, erwarten also die Jungen, die Männer von unsereinem, so ähnlich müßten wir aussehen, uns geben. Erotik – eine Ware. Auf manchen Postern im Osten  klebt auf den Schamhaaren ein weißer Zettel: “Atomkraftwerke zerstören die Umwelt – Pornographie zerstört die Seele“. Überall sehen wir Frauen, seltener Männer, in exhibitionistisch-verführerischen Posen, was ja angeblich Lust machen soll – oder könnte –  jemanden ebenso oder ähnlich zu verführen. Nur passiert eben genau das Gegenteil. Der Hamburger Sexualforscher Gunter Schmidt sagt, in den westlichen Industrieländern veröde geradezu die heterosexuelle Erotik – und auch sein ostdeutscher Kollege Kurt Starke aus Leipzig, Vorsitzender der Gesellschaft für Sexualwissenschaft, konstatiert, daß den Leuten  die Lust abhanden kommt – und ohne Lust, ohne Begehren gibts nun mal keine Erotik, verhält sich keiner verführerisch, erotisch eben.“Die Vermarktung des Sexuellen, die Vermarktung von weiblichen Körpern, die Entwertung des Menschen vor allen Dingen auch in der Werbung sind natürlich außerordentlich gefährlich für Lust“, sagt Starke zum Trend.  „Also insbesondere Frauenfleisch wird ja vermarktet, es wird alles sexualisiert. Und der Gegenprozeß ist die Entsinnlichung, die Desexualisierung. Das ist ne ganz eigenartige Geschichte – daß nämlich die ständige Präsenz des Sexuellen in der Öffentlichkeit das Maß an Sinnlichkeit einer Gesellschaft nicht erhöht, sondern senkt.“  Westjournalisten werden bis heute nicht müde,  just jene fehlende Kommerz-Präsenz des Sexuellen, die in der DDR fehlende Frauenvermarktung als schlagenden Beweis für damalige Lustfeindlichkeit, verordneten Puritanismus hinzustellen.Und heute? Was läuft im Kopf von Durchschnittsfrauen ab, die täglich, an Zeitungskiosken, Werbetafeln, im Fernsehen umzingelt sind von nackten Models,  in sogenannten verführerischen Posen? “Also, wenn man das beobachtet –  da steht dann ne einfache Frau – und sie sieht die tausend Frauen, die alle viel schöner aussehen – und viel nackter sind. Dann ist die klein, ein Nichts. Und das ist nicht gerade selbstbewußtseinsfördernd. Es wird  auch Begehren von Männern mißbraucht. Man kommt als Mann in ne ganz eigenartige Situation.“

kryptofaschistische Leitbilder, neue Sex-Erfahrungen von Ostdeutschen

Diese vorgestanzten Leitbilder von Erotik und Schönheit, die nachdenklichen Zeitgenossen sogar kryptofaschistisch vorkommen,  an die SS-Idealmenschen erinnern – diese aggressiv wie nie zuvor propagierten Leitbilder in einer  neoliberalen Gesellschaft sorgen heute für beträchtliche Ängste, für Leidensdruck. Nicht nur bei älteren, erwachsenen Frauen, sogar bei ganz jungen Mädchen. Mütter, denen sowas gottseidank in ihrer DDR-Jugend erspart blieb, fassen sich an den Kopf. Erika Maas zum Beispiel, aus Berlin.

“Ich kenns aus eigenen Erleben –  weil beispielsweise die Freundinnen von meinen Söhnen alle Angst haben, daß sie Idealen nicht entsprechen. Daß sie nicht schlank genug sind, daß der Busen zu klein ist, daß er zu groß ist, daß er nicht fest genug ist, daß der Bauch nicht flach genug ist, daß die Beine nicht schön lang sind, daß die Haare nicht so glänzen, wie man sichs vorstellt. Also all das, womit sie ja in den Medien und den Hochglanzzeitungen und in Filmen berieselt werden. Und deshalb eben nicht wie wir damals entspannt,  wollüstig,  erotisch im Bett liegen, sondern sich im Hinterkopf überlegen, wie muß ich mich jetzt hinräkeln, damit mein Rücken schön grade ist, daß mein Bauch wunderschön aussieht, meine Haare sich günstig um mein Gesicht schlängeln. Das sind doch alles Dinge, die einen fertigmachen. Der Trend geht doch dahin, daß sie sich ihre Lippen aufspritzen, die Brüste  verkleinern, vergrößern lassen – und das ist natürlich total unerotisch – du bist ja nicht mehr du selbst. Und auch das ist neu für uns aus dem Osten – heute empfinden ne Menge Leute Sexualität als schmutzig, weil sie  oft so eklig, dreckig,  brutal und so ordinär  unter die Leute gebracht wird. Daß eben das, was zwei da zusammen tun, überhaupt nicht als schön empfunden wird.“

Schon manche Siebzehnjährige meinen, daß einem da die Lust auf Sexualität vergehen kann: „Alles wird brutal und demütigend dargestellt.“ Sogar in den Jugendzeitschriften.

Sabine Bertram aus Berlin-Charlottenburg, Anfang zwanzig, freut sich aufs Studium, wirkt offen, natürlich, lebenslustig. Doch im Alltag, auf der Straße, fühlt sie sich hilf-und wehrlos, wenn ein Mann ganz nahe vorbeigeht, ihr „geile Titten“ und ähnlich Obszönes direkt ins Gesicht sagt. „Da denke ich, na super, danke, wie schön, wieder mal auf meine Oberweite reduziert zu werden. Das passiert mir wirklich einmal pro Tag – ich bin sogar schon betatscht worden . Lust auf Männer macht mir das nicht gerade.“Fünf Jahre früher hatte sie die noch reichlich, war neugierig auf die schönste, köstlichste Sache der Welt, bekam indessen schnell eine aufs Dach:“Ein paarmal sind Dinge absolut gegen meinen Willen passiert – ich wills nicht deutlicher ausdrücken – bin ich extrem sexistisch behandelt worden. Nach diesen Erlebnissen habe ich eine richtige Barriere, traue mich nicht mehr, denke, ich werde wieder verletzt. Diese schönen kleinen Signale, so wie früher, wenn mir einer gefiel, die sende ich schon lange nicht mehr aus.“ Sechs von zehn Mädchen, so ihre Erfahrung, könnten sich selbst nicht leiden – just wegen des Diktats der Leitbilder. Und blockten dann jeden noch so ehrlich gemeinten Annäherungsversuch ab, kämen überhaupt nicht auf die Idee, erotische Signale auszusenden. Kalkül:“Früher oder später würde der ja im Bett mitkriegen, wie furchtbar ich aussehe, ich womöglich noch ungeschminkt.“

Auch Ulrike Brandenburg, Sexualwissenschaftlerin am Universitätsklinikum Aachen, registriert gerade bei jungen Frauen zunehmende Angst vor Hingabe und Intimität:“Wir kriegen eine Höllenangst, wenn es darum geht, uns schutzlos und intim zu zeigen.“ Man fühle große emotionale Unsicherheit, leugne sie aber meistens weg.

Wir leben in einem freien Land, heißt es immer, nie sei die persönliche Freiheit größer gewesen als heute. Doch ausgerechnet für Lust und Erotik gilt das nicht, da trauen sich die Leute immer weniger, wie Professor Starke herausfand.

“Angst ist der größte Lustkiller –  Angst ist der größte Erotikkiller. Diese latente Kriminalisierung von Erotik, die Tatsache, daß man dem anderen nur Schlechtes zutraut, vorwiegend den Männern, wirkt sich so aus, daß Männer verunsichert werden. Die haben wirklich Angst, sich mit dem anderen Geschlecht einzulassen,  haben Angst vorm ersten Mal, haben Berührungsängste,  Ängste zu versagen, Ängste, nicht so zu sein, wie das öffentliche Bild vom überlegenen Mann das darstellt – und da lassen sies dann ganz einfach.“

 Starke sieht das Hauptproblem  in den  „Grundlagen der Gesellschaft – wie Menschen sich in eine Gesellschaft einbringen können, wie sie diese gestalten können. Wenn Jugendliche wissen, ich werde ja garnicht gebraucht, ich kriege keine Lehrstelle, ich werde nicht gebraucht –  das ist doch wirklich das allerletzte. In einer Gesellschaft, wo nur  Sieger zählen, ist der Unterlegene nichts.“

Der spürt laut  Starke besonders im Osten Arbeitslosigkeit, Mobbing, Streß, berufliche Abwertung, die wachsende lusttötende Rolle des Geldes. Alles, was früher unbekannt war. Es gebe wieder viel mehr Hierarchien, man müsse sich mehr ducken. Und komme sich daher persönlich lieber nicht so nahe, weil man dadurch verletzlich werde –  etwas von sich zeigen könnte, das andere dann ausnutzen. Also lieber sehr selbstkontrolliert sein. Wie empfinden das junge Leute?

Eigene Erotik als Marktwert

Benjamin Walther, Student in Berlin: “Diese Belastung, die man im täglichen Alltagsstreß hat, diese Selbstvermarktung –  wie man seinen Marktwert aufbaut – ich denke, daß sich viele da ver-drehen, und im Endeffekt garnicht mehr wissen, wer sie selber sind. Dieser Trend in der Gesellschaft – alles immer schneller, mehr technokratisch – wie soll da noch Erotik aufkommen? Wieviele erotische Situationen ergeben sich in so einem  Alltag? So gut wie null. Die Leute sehen ihre Erotik, ihr Aussehen wie einen Marktwert an – und das ist enterotisierend.  Wenn Erotik als Marktwert gesehen wird, eine Frau sich nicht mehr wie selbstverständlich als erotisch, schön, attraktiv, begehrenswert empfindet,  sondern weiß, das ist heutzutage ein  Marktwert –  da blitzt du einfach nur knallhart ab, da prallste ab.“

Angst als Lust-und Erotikkiller –  das bestätigen alle, die ich befragte. Die Grundstimmung in der deutschen Gesellschaft habe natürlich Einfluß darauf, wie erotisch, wie lustvoll die Leute seien. Erika Maas:“Wenn du Angst vor Arbeitslosigkeit hast, wenn du arbeitslos bist, wenn du in nem Kreis von Leuten arbeitest, wo du Druck ausgesetzt bist, oder dich zu alt fühlst – und  heute fühlt man sich ja schon mit vierzig als alter Knochen. Das sind  Dinge, wo man über sich nachdenkt –  und findet sich nicht mehr  arbeitsmarktfähig – und eben auch  nicht mehr begehrenswert. Wie sollste denn ein Selbstwertgefühl entwickeln, wenn du an keiner Stelle in dieser Gesellschaft gebraucht wirst? Wenn Menschen sich selber infragestellen, sind sie natürlich verschlossen. Und wenn Leute keine Kinder mehr kriegen wollen, hat das mit der  Angst zu tun, nicht mehr alles im Griff zu haben.“

Clever und effizient und cool zu sein, und immer selbstkontrolliert – das wird heute belohnt. Sehr anstrengend, weil man dann nicht mehr echt, bestenfalls geheuchelt spontan sein kann. Deutliche, interessante erotische Signale aussenden, jemandem, den man mag, Lust und Begehren, Lust auf Verführen zu signalisieren – das passiert dann natürlich nicht mehr. Wer sich in den bewegendsten Situationen gelassen, scheinbar gefühllos verhält, cool eben, der wird dann auch so, analysiert Starke. Wer hats nicht schon erlebt? Die Parties immer langweiliger, nichts knistert und  prickelt, nichts passiert da mehr – in der Disco-Szene meist das gleiche. Bestenfalls manchmal grotesker, lächerlicher Narzißmus, wie auf der Love-Parade. Die Partnersuche – deshalb unerhört schwierig, meint nicht nur Starke. Männer, Frauen, soviele Singles, die gerne einen Partner hätten, gehen selbst in feurige Salsa-Discos, lassen sich aber nichts anmerken. Kommen alleine, tanzen ab, gehen alleine, manchmal jahrelang. Ganz extrem in der Technoszene.

Kunst des Verführens in Mißkredit

Professor Starke: “Man zeigt sich da, man präsentiert sich, großes Körperbewußtsein, sehr freier Umgang. Aber die Körper kommen nicht zueinander, sind eigentlich isolierte Wesen. Eine  ganz schwierige Geschichte, daß die Menschen, wohin man auch immer heutzutage geht, nicht sofort aufeinander fliegen. Daß es so schwer ist, so schwer geworden ist – selbst  bei einem per Annonce geplanten Rendezvous. Spontan sein, aber mit einer  inneren erotischen Kultur – das fällt  Menschen heute sehr schwer – und das ist auch nicht so ohne weiteres erlernbar. Die Kunst des Verführens ist in Mißkredit geraten. Und das ist ein Kulturverlust.“

Nur zu viele stimmen Starke  aus leidvoller eigener Erfahrung, von  Parties oder Festen, mit Jüngeren oder Älteren, zu.

Karin Belling etwa, Westberlinerin, hat viele Beispiele parat, stieß auf so einen scheinbar Coolen: “Dieser Mann möchte so gerne  jemanden kennenlernen, hätte jetzt mal die Gelegenheit bei zwei, drei Frauen, die er besonders gut findet. Doch er tut eben  cool, als hätte er keine  Problemen,  gar ne Freundin irgendwo, die er nur  nicht mitgebracht hat  Er unterhält sich total sachlich –  wenn es überhaupt soweit kommt. Häufig ist es ja so, daß nur noch geguckt wird, so indirekt, bloß aus Angst, näher auf jemanden zuzugehen. Die Jungs gehen erst mal ganz cool auf die Mädchen zu – aber dann entwickelt sich nicht mehr, die Berührungsängste sind einfach zu groß. Bei den Jungen totales Imponiergehabe,  Hahnenkampf, aber nichts dahinter. Wenns wirklich draufankommt, sind sie weg. Blasen sich eben nur auf. Getanzt wird ganz wenig, es passiert nichts mehr. Seit den Achtzigern geht es so bergab. . Wichtiger wurde Business, Erfolg zu haben – und ein Körperimage auf Kosten der Sinnlichkeit. Vorbei ist dieses Aufeinanderzugehen, sich aufeinander einlassen, gefühlsmäßig etwas riskieren. Das ist es – bloß nichts riskieren!“

Benjamin Walther, der Student, kennt die Clubs, die HipHop-Szene:

“Es sind jede Menge schöne Menschen unterwegs in den Clubs – aber erscheinen  unnahbar. Sie steigern sich in ein  High-Society-Feeling rein –  man ist  hip und darin geht man auf –  man braucht niemanden mehr. Die Leute ballern sich zu mit Ego-Drogen –  wie soll das erotische Stimmung fördern? So viele schöne Frauen, aber soviele unfähig, sich selbst zu genießen . Auch unfähig,  zu genießen, wie Männer sie anschauen. Wie viele Frauen sind denn noch fähig zur Zärtlichkeit –  nicht mehr selbstverständlich. Es existiert so wenig Liebe in der Gesellschaft.“

Enterotisierung im Osten – Nachwende-Kulturverluste

Selbst  im tiefsten Sachsen, im früheren Karl-Marx-Stadt,  kam offenbar dieser  Enterotisierungstrend an, klingt bei Befragten sehr viel Nostalgie durch. Sabine Saleck arbeitet täglich mit jungen Leuten, vergleicht mit ihrer Jugend, stellt gravierende Veränderungen fest:  “Was  Sex, Sinnlichkeit, Erotik der Ostdeutschen betrifft, hat die Wende vieles zerstört. Was ich beobachte, ist einfach traurig. Die Ostjugendlichen heute haben weniger Geschlechtsverkehr als wir damals. Sie spielen den coolen Typ, aber trauen sich nicht –  das ganze Verhältnis untereinander, die zwischenmenschlichen Beziehungen sind ja kälter geworden. Lächerlich, wie das in den  Discos heute abläuft –  da tanzen die Jungs für sich, die Mädchen für sich –  es ist grauenhaft. Da prickelt nichts mehr.  Die Mädchen  reden viel über andere, über diesen und jenen  süßen geilen Typ, gehen aber alleine nach Hause – wir hätten ihn uns geschnappt. Bei uns war das prickelnder. Daß, und wie  der Junge anders fühlt, die Erfahrung mußt du erst mal machen – die machen die jetzt alle nicht.“ Westdeutschen auch diese ganz speziellen Nachwende-Kulturverluste zu vermitteln – gewöhnlich so gut wie unmöglich.

Erika Maas in Berlin fällt auf, daß es für die Männer viel anstrengender geworden ist, ihnen viel mehr Abneigung, Ablehnung entgegenschlägt – und sie daher direkt Angst haben, erotisch eine Frau zu erobern.

“Wenn ich in Cafes bin oder unterwegs, empfinde ich sehr selten, daß Leute erotische Signale ausstrahlen –  eher sind die doch alle verschlossen. Eine freie Atmosphäre, wie man sie etwa  Italien erlebt, mit  Blickkontakt und Komplimenten – das findet ja leider hier nicht statt. In meinem Kollegen-und Freundeskreis sind  ne Menge Leute mit jener Flexibilität,  die heute Arbeitskräften abverlangt wird. Die arbeiten fürn halbes Jahr in Hamburg, dann zwei Jahre in Köln,  und dann vielleicht fürn halbes Jahr in  New York. Das sind Menschen, die ohne Sexualität und Erotik leben. Wenn du immerzu in ner fremden Stadt bist, immerzu unter  neuen Kollegen abchecken mußt,  wie du dich in diesen Kreisen zu bewegen hast, bleibt für Erotik und Sexualität weder Zeit noch Raum. Und  auch gar keine Offenheit. Und so viele Menschen gibts gar nicht auf der Welt, die für dich so spannend, so erotisierend, so vertraut sind, daß du bereit bist, dich zu öffnen. Das kann nicht klappen.“

Das Verrückte dabei  –  Professor Starke hats in Untersuchungen ermittelt:  So viele träumen in Wahrheit vom freien Ausleben erotischer Gefühle, möglichst romantisch, vom Verführen, vom Erobern oder Erobertwerden. Müssen wir diese neue enterotisierte Gesellschaft nun leider Gottes hinnehmen, gibts  keinen Ausweg? Starke sieht einen,  nimmt sich den modernen Kapitalismus  vor.

“Wir müssen aus dieser angstsozialisierten Gesellschaft, aus den angstsozialisierten Individuen freie Individuen machen. Sicherlich  muß man ständig  auch  dafür kämpfen, daß lust-und glücksverheißende Bedingungen geschaffen werden.  Zum Beispiel dafür,  daß Menschen gerne Kinder kriegen –  auch etwas sehr Lustvolles, Lebenszugewandtes. Wenn Menschen optimistisch in die Zukunft schauen –  ist auch die Erotik gesichert,  die Sinnlichkeit.  Dann geht diese Angst weg – und die Menschen können  sich fröhlich ineinander verlieben.“

 

Prof. Dr. Kurt Starke, führender Sexualwissenschaftler der DDR/Ostdeutschlands – und der völkerrechtswidrige Krieg gegen Jugoslawien:

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Ausriß:”Für Krieg gibt es keine guten Gründe”. Prof. Dr. Kurt Starke, Mai 1999.

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Dieser Beitrag wurde am Samstag, 12. Januar 2019 um 16:28 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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