Zeitzeugen aus Oldisleben und Umgebung

Bad Frankenhausen – das Kindersanatorium “Helmut Just”. Ein Erlebnisbericht von 1957 plus Fotoserie. Bad Frankenhausen größter Kinderkurort der DDR – der Absturz nach dem Anschluß von 1990, die Kompetenz neuer lokaler Autoritäten. Bad Frankenhausen im Hitler-Kapitalismus, im nachfolgenden Kalten Krieg. Parallelfall Sülzhayn.

Mein Aufenthalt im Kindersanatorium „Helmut Just“

in Bad Frankenhausen, im Frühsommer 1957.

Gute Erholung im kleinen Kyffhäusergebirge am großen Thüringer Wald

Bearbeitung: Januar 2018 Kontaktpartner: christoph@janecke.name

Zu diesem Bericht gibt es einige Bilder – bitte hier klicken.

Die Einladung zum Verreisen kam wieder von der Sozialversicherungskasse. Sie kam, weil ich angeblich zu dünn und recht lang gewachsen sei und außerdem in dem elterlichen Geschäftshaushalt ständig die „beißende Ammoniak-Luft“ von der Lichtpausen-Entwicklung einatmen muss. Die SVK hatte vom Arzt aus der Kinder- und Jugendfürsorgestelle in der Babelsberger Karl-Liebknecht-Straße 113 den Bescheid über die Zweckmäßigkeit einer solchen Kur für mich bekommen.

Eine sechswöchige Erholungskur im Kindersanatorium „Helmut Just“, im Solbad

Bad Frankenhausen am Südhang des Kyffhäuser-Gebirges, das in der Diamantenen Aue liegt. Das also steht für mich ganz oben auf dem Plan. Das hört sich doch sehr gut an. Ein Teil der Zeit wird in den großen Sommerferien liegen, so versäume ich nicht zu viel vom Unterrichtsstoff in der Schule. Wäre es aber anders, würde ich das ebenfalls „aushalten“.

http://www.frankenhausen.info/baufirmen.htm

http://archiv.sachsen.de/archiv/bestand.jsp?guid=d9057cd9-e51f-4981-bccf-23b7517e818d

http://www.literaturland-thueringen.de/artikel/christa-und-gerhard-wolf-in-bad-frankenhausenkyffhaeuser/station-2-hermann-hetrich-heim-und-das-ehemalige-wohnhaus-der-familie-ihlenfeld/

http://www.literaturland-thueringen.de/personen/christa-wolf/

Trauerfeier für Helmut Just – Der Augenzeuge – Video:

http://www.progress-film.de/der-augenzeuge-1953-03.html

Viele Helmut-Just-Straßen in ganz Ostdeutschland.
FrankenhausenKinderheim1

Das bis 1990 berühmte Kindersanatorium von Bad Frankenhausen – was die neuen Machthaber, offiziell als kompetent gepriesenen neuen Autoritäten damit machten…Parallelfall Sülzhayn:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2018/05/22/suelzhaynthueringen-der-vor-1990-beruehmte-angesehene-kurort-die-nach-1990-von-den-neuen-machthabern-weitgehend-plattgemachte-struktur-der-sanatorien-und-pflegeheime-das-heutige-ferien-hotel-v/

…Fotoalbum des Kindersanatoriums “Prof.Dr.Ibrahim” in Bad Frankenhausen…

https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/K2LNEQUEB23CEICHEIUBM6J2W2FEQT6T

Ellrich/Thüringen – die bewegte Geschichte. KZ, DDR-Grenzort…Fotoserie:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/09/05/ellrichthueringen-die-bewegte-geschichte-kz-ddr-grenzort-fotoserie/

FrankenhausenKinderheim2

Das berühmte Kindersanatorium von Bad Frankenhausen 2018 – was neue Machthaber und Politmarionetten nach dem Anschluß von 1990 aus dem Schmuckstück der Stadt machten…Bewohner Bad Frankenhausens sagten, durch die Kinder des Helmut-Just-Heims und die vielen Kurgäste kam zu DDR-Zeiten viel Leben in die Stadt – heute wirke sie dagegen vergleichsweise oft wie tot.

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2018/01/26/bad-frankenhausen-das-kindersanatorium-helmut-just-ein-erlebnisbericht-von-1957-bad-frankenhausen-groesster-kinderkurort-der-ddr-der-absturz-nach-dem-anschluss-von-1990/

FrankenhausenKinderheim3

Das Kinderheim-Schwimmbad 2018. Anwohner der Thomas-Müntzer-Straße erinnern sich gerne daran, wie sie als Kinder zu DDR-Zeiten durch den Zaun krochen und sich ebenfalls dort im Wasser tummelten. Heute steht ein Hintertor des Geländes offen – jedermann kann hinein.

FrankenhausenKinderheim4

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2015/07/22/das-doerfer-sterben-muss-aufhoeren-axel-schneider-zu-den-resultaten-des-machtwechsels-von-1990-der-verlust-der-identitaet-des-zusammengehoerigkeitsgefuehls-und-damit-der-bereitschaft-sich/

 

FrankenhausenKinderheim6

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/12/21/wie-auch-in-thueringen-krankenhaeuser-funktionieren-der-arzt-die-geldmaschine-der-spiegel-2017/

 

FrankenhausenKinderheim7

 

Antje Hochwind – SPD-Landrätin im Kyffhäuserkreis, Wiederwahl-Kandidatin 2018 trotz bemerkenswerter SPD-Kyffhäuserkreis-Resultate bei der Bundestagswahl 2017. Wie die Hochwind-SPD im Kyffhäuserkreis bewertet wird, wen die Partei (noch) vertritt…”Tiefensee soll Landes-SPD führen”:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2018/01/16/antje-hochwind-spd-landraetin-im-kyffhaeuserkreis-wiederwahl-kandidatin-2018-trotz-bemerkenswerter-spd-kyffhaeuserkreis-resultate-bei-der-bundestagswahl-2017/

Hochwind3

“Wenn demnächst der oder die neue Erste Beigeordnete von Landrätin Antje Hochwind (SPD) die Arbeit aufnimmt, dann wird er oder sie dafür wohl mit mindestens 6455 Euro im Monat entlohnt.” TA 2012

“Es sieht im Moment ziemlich düster aus für unsere SPD”. Thüringer SPD-Chef Wolfgang Tiefensee am 11.3. 2018 in Weimar.

“Rohrkrepierer” Martin Schulz/SPD:” In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nie eintreten.” youtube, 2017. Das GroKo-Gruselkabinett, die Schulz-Leute im Kyffhäuserkreis. Unvergessen ist, wie deutsche Staatsmedien und ihre Funktionäre just Martin Schulz 2017 als SPD-Spitzenkandidaten bejubelten, einen bemerkenswerten Schulz-Personenkult zu starten versuchten.Das aufschlußreiche Schulz-Video – wie die SPD tickt:https://www.youtube.com/watch?time_continue=58&v=CFzfEPUb3C4

HJJugendFührer

Ausriß.“Jugend dient dem Führer. Alle Zehnjährigen in die HJ”. In den Schulen hatten die Kinder und Jugendlichen damals zu beten: »Schütze Gott mit starker Hand / unser Volk und Vaterland / Laß auf unsres Führers Pfaden / leuchten deine Huld und Gnaden.« Und in einem Hitler gewidmeten evangelischen Schulgebet hieß es : »Weck im Herzen uns aufs Neue / deutscher Ahnen Kraft und Treue / und so laß uns stark und rein / deine deutschen Kinder sein.«

Wie die CDU tickt: 

KohlNSVerbrecher18

 

“Kohl spendete NS-Verbrechern…Kohl hielt den Generaloberst der Waffen-SS für einen anständigen Mann. Dabei hatten dessen Einheiten Kriegsverbrechen begangen. Noch als Kanzler zeigte Kohl Verständnis für die Waffen-SS.” Ausriß DER SPIEGEL 2018.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Frankenhausen/Kyffh%C3%A4user

Bodo Ramelow/LINKE und die Wertvorstellungen seiner Koalitionspartner SPD und GRÜNE. Wer in Deutschland stockreaktionär ist – und wer nicht:http://www.hart-brasilientexte.de/2014/12/05/bodo-ramelow-und-die-wertvorstellungen-seiner-spd-partner/

Immer noch keine Huppert-Ehrungen, kein Huppert-Denkmal in Bad Frankenhausen – was ist da passiert?

Dr. Ulrich Hahnemann, Direktor des Regionalmuseums in Bad Frankenhausen: “Prof. Ing. Sigmund Israel Huppert – ein jüdischer Hochschuldozent zwischen Lehre und Antisemitismus in den Jahren 1902 – 1931?. Die aufsehenerregenden Leistungen des langjährigen Technikum-Direktors – Schüler aus aller Welt, sogar aus China:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2008/08/12/prof-ing-sigmund-israel-huppert-%E2%80%93-ein-judischer-hochschuldozent-zwischen-lehre-und-antisemitismus-in-den-jahren-1902-%E2%80%93-1931/

HahnemannHuppert

 

“…Interessant ist, dass der einstige Kampfflieger Max L. nicht den berühmtesten jüdischen Bürger Bad Frankenhausens erwähnt hat, den Luftfahrtpionier Sigmund Israel Huppert. Der hatte 1902 das dortige private Kyffhäuser-Technikum als Direktor übernommen und zu Weltruhm geführt. Luftfahrtgeschichte schrieb Huppert, indem er 1908 Deutschlands ersten Studiengang für Flugzeugbau nebst Flugbetrieb startete und Propellermaschinen mitentwickelte. Studenten aus aller Welt kamen zu ihm, sogar aus dem fernen China. 

EMIGRATION Am Technikum widerstand Huppert jahrelang heftigen antisemitischen Anfeindungen, bis ihn die 1931 gewählte NSDAP-Landesregierung Thüringens aus dem Amt drängte – er konnte noch rechtzeitig nach Schweden emigrieren. 1945 starb er in Stockholm. Hitlers Reichsluftfahrtministerium nutzte Hupperts Pionierarbeit maximal – nicht wenige große Namen von Militär und Rüstung wirkten nach seiner Emigration im Technikum.

Ulrich Hahnemann ist Direktor des Regionalmuseums in Bad Frankenhausen, und er hat eine Biografie über Sigmund Huppert geschrieben. Besonders verweist Hahnemann auf »die beiden Steinhoffs«. Einer, Johannes Steinhoff, wurde hochdekorierter Nazi-Jagdflieger, nach 1945 Bundeswehrgeneral, Vorsitzender des NATO-Militärausschusses. Den anderen, Ernst Steinhoff, machten die Nazis nach Hupperts Abgang zum Chef der Luftfahrttechnikabteilung. Die Amerikaner setzten ihn nach 1945 auf einen Chefposten im Air-Force-Raketenentwicklungszentrum.

Ein weiterer Technikum-Absolvent, Bernhard Hohmann, arbeitete gar als »Chief« in den US-Raumfahrtprogrammen, darunter an den Mondlandefähren, mit. »Viele weltbekannte Flugzeug- und Raketenkonstrukteure bauten auf dem Lebenswerk des Juden Huppert auf«, sagt sein Biograf Hahnemann.

Auf das Kyffhäuser-Technikum ist man in Bad Frankenhausen bis heute stolz. Dass es ein Jude war, der es groß gemacht hatte, haben die meisten vergessen. Und das Vergessen ist nicht einmal die schlimmste Form, mit dem Erbe umzugehen.”

FrankenhausenBundestagswahl17

Bad Frankenhausen am Kyffhäuser – 2017.

 

Ankunft und Begrüßung

Nach langer Busfahrt, denn das kleine Kyffhäuser-Gebirge liegt zwischen dem Harz und dem thüringischen Mittelgebirge, kommen wir in Bad Frankenhausen an. Der Bus bringt uns direkt bis vor das Heim in der Thomas-Müntzer-Straße. Am Treppenaufgang zum Haus stehen kräftige Fliederbüsche, die vor einiger Zeit noch süß-aromatisch geduftet haben sollen. Wir kennen das.

Das Kurhaus ist ein riesiges Gebäude. Etwa 100 Kinder können sich hier in jedem Sechs-Wochen- Durchgang erholen und jene, die ernsthaft krank sind, sollen auch möglichst wieder gesund werden. Das Haus steht am „Weinberg“. Wein sehen wir momentan nicht so recht, vielleicht wird er gerade deshalb auch noch Fliederberg genannt. Direkt rechts neben dem Grundstück (wenn man von der Straße aus auf den Hang sieht) befindet sich der „Schlachtberg“. Keine schöne Bezeichnung. Der Berg erhielt diesen Namen zum Gedenken an die kurzen, grausigen Kämpfe am Ende des Bauernkrieges 1524/25.

Gleich nach dem Aussteigen aus dem Bus werden wir freundlich von der Leiterin des Sanatoriums begrüßt. Es ist Frau Ruth Liesegang. Sie schaut bereits auf eine Reihe von Jahren ihres Leitens dieses Sanatoriums zurück. Man kann also sagen, alles ist ihr hier sehr vertraut, nur wir sind für sie im Moment neu. Nun werden wir nach Altersstufen in Gruppen aufgeteilt.

Zu unserer Gruppe gehören neben der Erzieherin, die wir ja zuerst nennen möchten, 26 Jungen. Zu den größeren, aber eben besonders zu den längeren, gehöre auch ich. Ich bin elfeinhalb Jahre alt und habe etwa die gleiche Größe wie unsere nette Erzieherin, Fräulein Jödicke, die aber auch Regina heißt. Die Erzieherinnen tragen eine Art Berufsbekleidung: Wir sehen sie stets mit weißen, gestärkten Schürzen in Haus, Hof und Garten – beim Wandern aber nicht. Acht Erzieherinnen sind im Sanatoriums-Heim tätig, zwei Krankenschwestern und ein Arzt. In meiner Gruppe sehen die Jungen allerdings nicht besonders krank oder schwächlich aus. Alles fröhliche Kumpel – so ist mein Eindruck.

Einige Worte zum Haus und zur Kur

Seit 1818 wird diese Art von Heilkunst in Frankenhausen schon gepflegt. In diesem Sanatorium aber noch nicht solange, denn es ist bedeutend jünger. Das erste Kurheim für Kinder richtete Frau Minna Hankel im Jahre 1879 an der Wipper ein, an dem kleinen Flüsschen, das sich seinen Weg durch Frankenhausen bahnt. Der Minna Hankel zu Ehren trägt eine Straße ihren Namen. Der Bau „unseres“ Erholungsheimes wurde vom Gewerkschaftsbund der Angestellten unter dem Vorsitz des Herrn Hermann Hedrich (* 1853 bis † 1927) in Auftrag gegeben und in den Jahren 1926 und 1927 errichtet. So schnell ging das damals. Und im gleichen Jahr 1927 verlieh man der Stadt auch den Titel „Bad Frankenhausen“. In jener Zeit leitete dieser Herr Hedrich in Hamburg eine große Krankenkasse für weibliche Angestellte. Das Haus ist also seinem Bemühen und seinen Geldquellen zu verdanken. Der Architekt des Hauses war der Leipziger Herr Georg Wünschmann (er lebte von 1868 bis 1937). Errichtet hat das Gebäude die „MIMA“, das war die Mitteldeutsche Massiv-Sparbau GmbH aus Frankenhausen, unter der Führung des Herrn Carl Boettger, der zum Bau noch weitere Auftragnehmer einbezog. Das Bauwerk besteht im Wesentlichen aus dem heimischen Muschelkalksandstein. Meeresmuscheln in höheren Mittelgebirgslagen! – wer hätte das als Laie schon gedacht? Ein Haus aus versteinerten Schnecken und doch kein Schneckenhaus. Ja, ich würde gern auch ein Architekt oder Bauingenieur werden und solche schönen Bauten entwerfen.

So, nun wissen wir es: Das von Natur aus schneeweiße Gebäude ist gerade 30 Jahre jung, kein großes Alter für ein Haus. Und gut gepflegt ist es. Deshalb sieht es ja außen genauso wie innen auch noch ziemlich neu aus.

Im Jahre 1929 erhielt das Kurhaus, das „Hermann-Hedrich-Heim“, wie es hieß, eine eigene Solewasserleitung für die Kuranwendungen gelegt. Herr Hedrich brachte auch die Oberin (die Vorsteherin, die Leiterin) für das Haus aus Hamburg mit und außerdem die ersten betreuenden Krankenschwestern. In den folgenden Jahren erholten sich deshalb hier auch besonders viele kranke und schwache Kinder aus dem Hamburger Gebiet. Im Jahre 1935 erfolgte dann links am Haus der Anbau einer Salzwasser-Badehalle.

Als leider schon bald im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) erste Bomben auf Bad Frankenhausen abgeworfen wurden, schloss man das Erholungsheim. Es wurde wohl erst 1949 wieder eröffnet.

Vor wenigen Jahren bekam das Sanatorium einen anderen Namen, obwohl der Herr Hedrich, der ja das Heim bauen ließ, ein sehr gutherziger und großzügig-sozial denkender Mensch war, wie man hört. Doch diese Geschichte ist mit Makeln behaftet: Der Herr Hedrich war weder ein Arbeiter, noch ein Bauer und auch kein sozialistischer Soldat und um nun das Sole-Fass zum Überlaufen zu bringen, hatte er auch noch hoch im Norden gelebt – wir wollen es hier besser aktuell-politisch benennen: er lebte in Hamburg, also eher im Westen. So musste das Gebäude gründlich entmakelt und neu benamst werden.

Das Sanatorium heißt deshalb jetzt „Helmut Just“. Dieser Helmut Just hat allerdings mit dem Gebäude nichts zu tun. Er war wohl auch noch nie in Bad Frankenhausen zu Besuch. Das Hedrich-Heim erhielt diesen neuen Namen als Denkmal, zur Erinnerung an ihn, denn Just war ein ganz junger DDR-Berliner Grenzpolizist. In Berlin am 02. Juli 1933 geboren – er war also gerade nur ein Jahrzehnt älter als die Ältesten von uns. Er hatte den Beruf eines Malers gelernt und diente anschließend in Berlin bei der Grenzpolizei. Bei diesem Dienst wurde er am 30. Dezember 1952 bei kurzem Schusswechsel von der Kugel eines illegalen Grenzgängers tödlich getroffen. Er war noch nicht einmal 20 Jahre alt. Diese Geschichte ist für seine Familie und auch für uns furchtbar traurig. Es hätte genauso schlecht auch umgekehrt geschehen können, denn das Überschreiten der DDR-Grenze ohne eine staatliche Genehmigung ist streng untersagt. Es ist unter Lebensgefahr verboten, sich auszusuchen, wo man gerne wohnen möchte oder wohin man reisen will. Die meisten der republikflüchtigen Bürger besitzen aber wohl keine Waffen und bei uns kann man auch keine im Laden kaufen. Das ist gut so – wenn es auch nicht immer hilft.

Wir hatten gerade noch im Mai vor dem Ende des Schuljahres die Schul-Wandzeitung unter dem Motto fertig gestellt: „Wir steh’n im Kampfe Tag und Nacht – der Grenzschutz unser Land bewacht“. Es gibt immer wieder schreckliche Nachrichten über schlimme Vorkommnisse. – Dieser neue Ehrenname für das prächtige Gebäude hat Herrn Hedrich im fernen Westen aber nicht gewurmt, denn erstens weilt er nicht mehr unter den Lebenden und auch sonst hätte ihm eine Aufregung nichts genutzt, denn er hätte gar nichts dagegen tun können „gestürzt“ zu werden.

Doch nun zurück in unsere 1957-er Gegenwart

Wir wohnen in freundlichen hellen Zimmern. Das gesamte Haus ist sehr sauber, gepflegt und es riecht überall ein wenig ähnlich wie in der Schwimmhalle. Aber es ist kein Chlor. Einen ganz treffenden Geruchsvergleich habe ich nicht. Das macht die Sole ohne „h“, der Salzwassergeruch, der von den Behandlungsräumen, die im Keller liegen, auch nach oben dringt.

Bald nach der Ankunft werden wir gemessen, gewogen und ärztlich beäugt.

Die medizinische Behandlung für uns alle bezieht sich im Wesentlichen auf das Baden in den großen Holzwannen, die mit dem warmen, fünfprozentigen Salzwasser gefüllt sind. Es ist also ein halbstündiges Herumliegen oder Aalen, dabei die Seele baumeln lassen, dösen oder auch mal etwas schwatzen. Zweimal in der Woche. Das ist das Wesentliche der Kur für mich.

Je nachdem, was der Arzt des Heimes so für günstig hält, bekommen andere Kinder auch noch zusätzliche Einzelbehandlungen, zum Beispiel Hautbehandlungen, weitere Inhalationen oder auch die künstliche Höhensonne, die wieder ganz anders riecht: nach Ozon, dem besonderen Höhensauerstoff, der mit drei „O“ geschrieben wird.

Aber es gibt auch einen Raum, in dem zweiprozentige Sole in der Raumluft vernebelt wird. Darin halten sich vorwiegend die Kinder auf, die mit erkrankten Lungen oder Bronchien anreisten. So ähnlich wie die Kapuziner-Mönche sehen sie in den weißen Igelitumhängen inmitten des „Waschküchennebels“ aus und atmen und atmen eine halbe Stunde lang tief durch. Alle Bronchien-Verästelungen und auch die Lungenflügel mit den kleinen Lungenbläschen nehmen den heilsamen Sole-Nebel auf, der dort mit seiner guten, heilenden Wirkung beginnt.

Salzig ist das Wasser deshalb, weil darin viel Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, aber auch Fluoride, Sulfate und Chloride gelöst sind. Alles also, was sich so im Frankenhäuser Untergrund an Salzablagerungen befindet.

Die ganze Welt scheint inzwischen davon zu wissen, denn sogar der amerikanische Elvis Presley singt das italienische Lied: „O sole mio“. Der Elvis ist, wie wir wissen, noch nicht so sehr lange in den USA beheimatet, denn seine Vorfahren, die Familie Pressler / Preßler, die wohl in Thüringen lebte, war nach Nordamerika, ausgewandert – aber weit vor der Gründung der DDR – deshalb war es auch gestattet und er ist kein Republikflüchtiger.

Vom Grundwasser wird der Gips, das Anhydrit, aufgeweicht und es werden diese wertvollen Salze einfach aus dem Gebirge ausgewaschen. Dabei entstehen im Berg natürlich große Hohlräume. Deshalb stürzen auch obere Schichten des Gebirges von Zeit zu Zeit ein. Wohin das führen kann, sehen wir beispielsweise an der Oberkirche „Unserer lieben Frauen am Berge“, die schon schräger steht, als der „Schiefe Turm zu Pisa“ – aber trotzdem noch immer nicht ganz so berühmt ist. Wer soll das verstehen? Diese Kirche wurde wohl im Jahr 1385 gebaut. 56 Meter hoch ist sie – aber wegen der zunehmenden Schrägstellung wird das natürlich weniger. Wenn das so weiter geht mit „dem-sich-Verneigen“ und sie das bald nicht mehr aushält…, wird sie wohl ihre längste Zeit hinter sich haben, wenn man sie nicht rettet. Von 1385 bis 1539 war es eine katholische Kirche mit lateinisch dargebrachter Liturgie, doch dann wurde plötzlich evangelisch gepredigt und das Volk konnte tatsächlich in deutsch-thüringischer Art verstehen, was der gute Pastor so mitzuteilen hatte.

Außer dieser Oberkirche gibt es noch die junge, erst 1703 erbaute Unterkirche und wieder ein Stückchen weiter südlich, die Altstädter Kirche, die dem Heiligen Petrus geweiht wurde. Dieses Gebäude gilt als das zurzeit älteste Haus von Bad Frankenhausen.

Der Tagesablauf

Für sechs Wochen dürfen wir hier sein. Da möchte man die Tage schon schön einteilen und auch manches Wissenswerte notieren (falls man es nicht behalten kann). Die Last des Einteilens nimmt uns die Heimleitung beziehungsweise nehmen uns die Erzieherinnen ab und das geht etwa so:

Um 7.00 Uhr tut man so, als müsse man uns wecken. Für die meisten ist die Nacht schon vorher vorbei. Wir stehen nach dem Wecken mehr oder weniger flink auf, waschen uns, räumen ein wenig Krimskrams fort, machen die Betten so, dass es zum Zimmerdurchgang möglichst nur ein gelächeltes Lob gibt.

Nach dem Frühstück gehen wir entweder zu den Kur-Behandlungen oder auf eine Wanderung, schreiten zum Spielen im Freien oder bleiben auch mal im Haus.

Im Anschluss an die schmackhafte Mittagsmahlzeit um 12.00 Uhr, ist dann eine Mittagsruhe angesagt.

Um 14.30 gibt es für uns eine kleine Vesper mit Milchkafé und einem Stückchen Kuchen. Ich finde, dieses Wort „Vesper“ das wir zu Hause gar nicht benutzen, hört sich schon so richtig nach „knabbern“ an. Bestimmt vespern Mäuse auch ständig – wenn sie etwas haben. An Festtagen werden die Erzieherinnen vielleicht auch mal richtigen Kaffee von Bohnen trinken, falls sie nicht den guten grusinischen Tee bevorzugen, der früher in Georgien wuchs.

Bis 18.00 Uhr haben wir dann erneut Freizeit für Spaziergänge oder Spiele. Nach dem Abendessen, dem Waschen und Zähneputzen wartet bereits wieder das kuschelige Bett auf jeden von uns. Bis 20.00 Uhr, also bis zum Beginn der Nachtruhe, können wir noch Erfahrungen über den zu Ende gehenden Tag austauschen oder Fräulein Jödicke liest uns eine spannende Geschichte vor oder es wird ein Abendlied gesungen. So schnell ist ein Tag vorbei.

Nach kurzer Zeit merken wir: Wir Jungs vertragen uns eigentlich alle recht gut miteinander.

Unsere Wanderungen und Spaziergänge – Natur und Kultur (was wir so sahen und lernten)

Wir Kinder zwischen 6 und 14 Jahren sind in vier Altersgruppen eingeteilt. Jede Gruppe hat einen Gruppenraum für sich. Neben dem guten Essen und den Spielen (Regen kommt kaum mal vor) gehen wir viel in der Umgebung spazieren. Dabei erzählt uns unsere Erzieherin auch manches. So lernen wir viel Neues kennen, denn Fräulein Jödicke weiß sehr viel.

Eine recht weite Wanderung von etwa 9 Kilometern war es bis zum Kyffhäuserdenkmal. Interessantes begegnete uns: versteinertes Holz, also verkieselte Baumstümpfe und Stämme, links am Straßenrand, am Chausseestein 1.44 zum Beispiel. Diese steinernen Hölzer sollen schon 300 Millionen Jahre alt sein, in einer Zeit gelebt haben, als es noch keine Menschen gab. Das sieht man ihnen nicht an – sie sehen ziemlich frisch aus. Die längsten Stämme sind etwa 15 m lang und besitzen einen Umfang von mehr als 3 m. Vor dem ersten Besichtigen mussten sie damals allerdings wegen der Erdüberdeckung und des darauf stehenden Unterholzes erst einmal gefunden und freigelegt werden. Aus solchen Stammrollen wurde auch der wegweisende Obelisk zusammengesetzt, der an der Wegegabelung zum Kyffhäuserberg steht. Aus Stammrollen – also aus Abschnitten zusammengesetzt – deshalb, weil ein Gesamtstück, weil solch ein Baumstamm aus Stein für die heutigen Auto-Kräne viel zu schwer ist. Ja früher, bei den ägyptischen Pyramiden zum Beispiel, da ging den Arbeitern so’was leichter von der Hand.

Vorbei gingen wir am Ententeich, im Moment ohne Enten, aber mit einer guten Aussicht zum nahen Kulpenberg, der 473 m hoch ist. Beim Aufstieg zum Kyffhäuser-Denkmal besichtigten wir die ruinösen Reste der Reichsburg Kyffhausen aus dem 11. Jahrhundert, mit Unterburg, Mittelburg und Oberburg. Von der Oberburg besteht noch die Ruine des Bergfrieds (Wohn-Veste und Aussichtsturm). Das ist der Barbarossa-Turm aus rotem Sandstein, der zu seiner Zeit aber mit

35 m mehr als doppelt so hoch war, wie die heutigen Reste. Diese damals feste Burganlage hatte eine Ausdehnung von etwa 600 x 60 Metern und befindet sich in 457 Metern über dem Meeresspiegel. Man hätte auf dieser Fläche also auch ein kleineres Dorf unterbringen können. Alles ist sehr gut anzuschauen. Von oben hat man die Möglichkeit eines ausgezeichneten Rundblicks. Zum Süden über die Wälder, in nördlicher Richtung über die Goldene Aue mit den eingestreuten Ortschaften bis hinüber zum Harz. Den Brocken können wir deutlich erkennen.

Auf dem Gelände der Burg gibt es auch einen Brunnen zur Wasserversorgung – dieser war eine Grundvoraussetzung dafür, dort überhaupt eine Burg zu bauen. Es handelt sich um einen Kesselbrunnen der 176 m senkrecht nach unten durch den roten Sandstein „gegraben“ wurde, bis man auf Wasser stieß. Das Wasser wurde mit einem Eimer am Seil, aufgewickelt auf einer Windenrolle, hochgekurbelt. Man sagte uns, dass dieser der tiefste Burgbrunnen auf der gesamten Erde sei. Man darf die lange Zeit vom Loslassen eines Steinchens bis zu dessen Aufklatschen staunend abwartend verfolgen. Ich weiß ja nicht – dann wird die Brunnenröhre wohl bald voll sein und kein Wasser mehr fließen können?

Dann stärkten wir uns erst einmal am mitgenommenen Proviant.

Das Kyffhäuser-Denkmal ist rund 81 Meter hoch. Man baute es von 1890 bis 1896. Vor dem Denkmal sitzt der steinerne Staufer-Kaiser Friedrich I, „Barbarossa“, also der Kaiser „Rotbart“ (er lebte von 1122 bis 1190). Als Reiterstandbild sehen wir auch den Hohenzollern-Kaiser Wilhelm I. (1797 bis 1888), der in Berlin, Babelsberg und Potsdam (also direkt bei mir zu Hause) lebte, aber sogar hier verewigt wurde. Beide Kaiser lebten somit vor der Errichtung des Denkmals, hatten also selber nicht viel davon.

Wir erklommen die 366 Stufen des Denkmals bis zur Aussichtsplattform. Wären wir täglich nur eine Stufe vorgerückt, dann hätten wir in einem Jahr immer noch hier gestanden. Soviel Zeit haben wir aber nicht, denn zurück nach Bad Frankenhausen fuhr dann bald unser Bus. –

An einem anderen Tag: Auf dem Weg in Richtung Rottleben gehen wir am Ende der Thomas-Müntzer-Straße am Stadtpark vorbei und nach einem Schlenker in die Rottleber oder Rottlebener Straße immer weiter geradeaus, dann durch die Wiesen, um zur Barbarossahöhle zu gelangen. Das ist eine Anhydrit-Höhlenanlage, hat also auch schon wieder etwas mit Gips und altem Kaiser zu tun. Man stieß auf die Hohlräume am 20. Dezember 1865 bei der Suche nach Kupferschiefer.Diese Entdeckung war wie ein riesiges Weihnachtsgeschenk. Die natürlichen Höhlenräume bieten ihre An- und Einblicke nun schon seit 1866 „dem staunenden Publikum“. Die Menschen dürfen sie also seit rund 90 Jahren besuchen. Etwa 800 Meter der Höhle werden von den Besuchern in einer Stunde durchlaufen und sie lauschen dabei den Erklärungen des Personals, denn allein dürfen Besucher hier nicht herumstrolchen – und vielleicht dabei verlorengehen. Diese Höhle zählt zu den größten Gipsgesteinshöhlen von Europa und ist die eine von nur zwei Anhydrit-Schauhöhlen auf unseremeuropäischen Kontinent. Die Höhle hat Naturräume, die bis zu 30 m hoch sind. Die Höhlenausdehnung beträgt ungefähr 25.000 Quadratmeter, hat kristallklare Seen und von der Decke herabhängende „Anhydritlappen“ aus Stein (die „Gerberei“)und ganz natürlich entstandene „Sonderformen“ an Gestein, wie Schlangen oder kuglige Gebilde aussehend.

Die Barbarossa-Höhle erinnert an die Legende um den Stauferkaiser Friedrich I, für den man hier einen Thron und einen Tisch aus dem Höhlengestein aufgeschichtet hat, damit es für ihn so richtig gemütlich ist. Denn in dieser Höhle, „seinem Schloss“, soll der alte Rotbärtige wohnen und ruhen, solange die schwarzen Raben noch um den Kyffhäuser-Berg fliegen, wird uns erzählt. (Wir aber haben draußen vor allem Sperlinge, die Singspatzen beobachtet). Abend wird ihm in der Höhle jedoch das Licht abgeschaltet.

In Wirklichkeit, so richtig wissenschaftlich, sagen andere, ist der alte Kaiser gar nicht hier, sondern auf einem Kreuzzug nach Palästina, nach „Kleinasien“, beim Baden am 10. Juni 1190 in dem Fluss Saleph ertrunken, denn stille Wasser sind manchmal tief. Seinen 69. Geburtstag hatte er vorher auf jener Reise gefeiert. Der 70. wäre bestimmt noch prächtiger begangen geworden, wenn nicht … ja, und so wurde nichts mehr daraus. Sein toter Körper aber wurde gerettet und sein Gedärm im Ort Tarsos bestattet, das Muskelfleisch in Antiochia und seine Knochen in Tyrus. So hatte viele ein Andenken an ihn und er sitzt hier nur in unseren Gedanken. Zu seinem Gedenken. Wie es auch gewesen sein mag – wir alle haben schwimmen gelernt und unser Leben ist ja nicht so sehr gefährdet wie das eines ritterlichen alten Kaisers. Und unser Leben mit seiner Gesundheit wird wohl auch immer besser, weil wir hier im Sanatorium sein dürfen.

Das Sole-Freibad in Bad Frankenhausen wurde in den Jahren 1936 bis 1938 von der „MIMAS“, also auch wieder von der Mitteldeutschen Massiv-Sparbau-GmbH, errichtet. „MIMAS baut alles für Sie!“, so hieß es damals in der Reklame, ähnlich wie heute in der sozialistischen Werbung: „Der KONSUM hat alles“. Der leicht erscheinende Sprungturm hat eine Schwindel erregende Höhe. Sprungbretter sind in 1, 3, 5 und 10 m Höhe über der Wasseroberfläche montiert. Das Becken sieht bestimmt von oben sehr klein aus. Das Schwimmbad wird auch mit Salzwasser aus dem Gebirge gespeist und ist deswegen recht kalt. Man fühlt sich fast wie am Meer. Nur musste das Becken wohl schon mehr als einmal erneuert oder zumindest abgedichtet werden, weil wegen der Hohlräume durch Auslaugung und der Verwerfungszone der Erdkruste, Risse und damit Undichtigkeiten entstehen. Klar ist: Wenn das Becken leer läuft, darf man nicht springen, dann kann man auch nicht schwimmen.

Einige Stadtrundgänge unternehmen wir. Die Ziele werden von Fräulein Jödicke hübsch aufgeteilt, damit für die nächsten Tage immer noch was Neues übrig bleibt, denn Bad Frankenhausen ist ja kleiner als beispielsweise Berlin. Das Heimatmuseum im früheren Schloss ist unser heutiges Ziel.

Wir besichtigten schon einen Betrieb der Knopfherstellung. Davon gibt es eine ganze Menge, die meisten davon sind sehr kleine Familienbetriebe.

Die Herstellung von Natur-Perlmuttknöpfen ist in Frankenhausen etwa seit dem Jahr 1700 angesiedelt. 1831 gründete dann der Herr August Zierfuß die erste größere Knopffabrik.

Viele Perlmutt-Reststücken (Stanzabfälle) von Muschelschalen, die von der Knopfherstellung übrig geblieben sind, sehen wir. Der glänzende Abfall liegt zur Befestigung auf vielen Wegen. Seit langer Zeit sind viele Schuhe darüber hinweg gelaufen oder auch geschurrt, vielleicht geschlurft. Trotzdem sind die harten Perlmutt-Oberflächen, die die Muscheltieregefertigt haben, völlig blank. Bei unseren Spaziergängen durch die Umgebung von Bad Frankenhausen denke ich deshalbimmer wieder an das Märchen der Grimm-Brüder von Hänsel und Gretel (die wohl eigentlich nach ihrer Geburtsurkundeamtlich Johannes und Margarete hießen) und dabei auch an den Besuch unserer Familie in der Berliner Staatsoper vor sechs Jahren, wo wir dieses Märchen sahen und die Musik von Herrn Engelbert Humperdinck dazu hörten. Den Text der Oper kannten wir ja sowieso schon fast auswendig, so dass wir selbst die gesungenen Worte gut verstanden.

Die weißen Kieselsteine, die Hänsel auf dem Waldweg ausgestreut hatte, schimmerten im Mondenschein wie neu geschlagene Batzen und wiesen den Kindern den Weg aus dem tiefen Walde hinaus, zurück zu ihres Vaters Haus“, schrieben die beiden Grimm-Brüder uns auf.

Hier, für Bad Frankenhausen, müsste das Märchen nur ein wenig umgeschrieben werden – etwa in der Art: „Die Perlmuttstückchen, die der gute Junge auf dem Weg durch den Wald vorsorglich ausgestreut hatte, glänzten im Sonnenschein, wie auch in des Mondes Licht hell in allen Farben und halfen Grete und Hans, den Rückweg aus dem Wald zu finden.“

Aber die Familie Grimm lebte eben nicht hier und deshalb erzählten sie uns auch ‘was von Batzen.

Von diesen Perlmutt-Abfällen habe ich einige eingesammelt und sie werden dann zu Hause in einem Bilderrahmen hängen oder ich werde diese ins Fotoalbum einkleben – noch viel schöner zur Erinnerung, als ein bloß gekauftes Andenken.

Auf den Spaziergängen durch den Wald kommt mir in den Sinn:

Auf den besonnten Wegen, gleißt der Glimmer uns entgegen“.

Zugegeben, es wäre nur eine zu kurze Zeile für ein prächtiges Lobgedicht auf die Stadt

Bad Frankenhausen und ihre Umgebung.

Wir sehen und hören hier so viel Interessantes, dass jeder Tag wie ein Feiertag scheint. Ich meine, Verschiedenes werde ich nie wieder vergessen können und wollen.

Ein sehr trauriges Thema: Die Bauernkriege fanden in den Jahren 1524 und 1525 statt. Etwa 70.000 bis 100.00 Menschen verloren in den Kämpfen ihr Leben. An dem uns benachbarten Schlachtberg tobte der letzte große aber kurze Kampf, die wohl entscheidende Schlacht der Bauernkriege am 25. Mai 1525. Die Bauern unterlagen dabei, auch, weil die Fürstenheere den vereinbarten Waffenstillstand brachen, sagt man. Die Bauern und Arbeiter hatten außerdem keine solch gute Aus-Rüstung, Aus-Bildung und keine so strenge geordnete Führung wie die fürstlichen Landsknechte (Soldaten). Das bedeutet: Die Bauern rückten im Wesentlichen mit ihren landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten, mit Hacken, Äxten und Mistgabeln als Waffen an, kannten aber überhaupt nicht die fürchterliche Wirkung von Feuerwaffen, beispielsweise die der Kanonen. Zwar kamen sie kampfesmutig vom Berg herab, wollten aber angesichts der Übermacht des Gegners schnell in Richtung Stadt flüchten. Die Flucht wurde ihnen jedoch vereitelt, der Weg ihnen abgeschnitten. Unter den Bauern richteten die Landsknechte ein grauenvolles Gemetzel an. Es gab in kürzester Zeit etwa 6.300 Tote. Die im Kampf unerfahrenen Bauern hatten ihre schwachen Kräfte völlig überschätzt. Ein Weg zwischen dem Schlachtberg und der Stadt wird seit dieser Zeit „die Blutrinne“ genannt.

Der radikale Bauernführer und Pastor Thomas Müntzer (* 1489 bis † 1525) hatte sich für Rechte der Bauern, für deren besseres Los in der feudalen Leibeigenschaft, für die Versorgung von Obdachlosen und für die Einrichtung von Armenspeisungen eingesetzt – für sehr soziale irdische Vorhaben. Er rief die unterdrückten Bauern zum Kampf gegen den Adel auf, ohne aber zu erkennen, dass sie gegen das Berufsheer der Landsknechte eben keinerlei militärische Siegeschancen hatten, sondern einfach nur geopfert würden. Thomas Müntzer wurde als Aufrührer in Frankenhausen gefangen. Wenig später folterte man ihn im Keller der Wasserburg Heldrungen und am 27. Mai 1525 enthauptete der Henker den gerade erst 35-jährigen. Wir verehren Thomas Müntzer heute noch sehr. Eine Gedenktafel hängt für ihn in der Stadt.

Vor knapp zwei Jahren (vom 03. August bis zum 16. Dezember 1955) stellte die DEFA in meinem Heimatort, also in den Babelsberger Studios, den Film „Thomas Müntzer“ her. In den Studios entstanden sämtliche Innenaufnahmen und auch das Organisatorische wurde dort erledigt. Die Regie führte Herr Martin Hellberg, der im thüringischen Bad Berka wohnt. Für die künstlichen Film-Bauten wie Schänke und Bauernhaus usw., also für die Kulissen, war Herr Otto Erdmann der Chef. Die Außenaufnahmen für den Film wurden in Magdeburg, Quedlinburg, in Allstedt, in der Stadt Bad Frankenhausen und am Frankenhäuser Schlachtberg (also direkt neben unserem schönen Erholungsheim) gedreht.

Die Zeit für die Aufnahmen im Raum Bad Frankenhausen dauerte vom 25. August bis zum 15. September. Die Kinder des Sanatoriums konnten vom 8. bis 12. September 1955 das Filmen am Schlachtberg beobachten (aber damals war ich ja nicht dabei).

Weiter voran ging es mit der Filmherstellung anschließend in der Ruine der Rothenburg/Kyffhausen und am Rennsteig bei Saalfeld. Ferner entstanden Aufnahmen in Mühlhausen, in Kapellendorf bei Weimar, in Meißen, bei Trebbin im Bezirk Potsdam (einer sehr beliebten Gegend für DEFA-Film-Teile), in der Nähe von/und in Meißen, im Schloss Heldrungen mit Schlossverlies und Folterkammer sowie zum Schluss in Gorma auf dem Richtplatz, wo im Film alles endete.

Dr. Martin Luther, auch ein Theologe aber auch Mönch, der genauso die Ausbeutung und Unterdrückung der Leibeigenen erkannte, sah jedoch früher die Unterlegenheit der Bauern, riet vom bewaffneten Kampf mit unsäglichen Verlusten ab und mahnte zum Gehorsam gegen die Herrschenden. Er lehnte grundsätzlich kriegerische Gewalt ab. Der Kampf war nicht sein Thema, er wollte (nur) Reformen und die hauptsächlich in der Kirche. Er selbst war ja auch von einem Fürsten geschützt worden (von Friedrich dem Weisen), der ihn auf die Wartburg „entführen“ ließ. Als sein Mahnen und Warnen nichts fruchtete, rief er sogar dazu auf, strengstens gegen die Aufständischen vorzugehen, gegen die Bauern, die sich trotzdem, nur mit Spaten, Sense und Morgenstern ausgerüstet, gegen die gut bewaffneten Feudalherren erhoben. So waren diese beiden Pastoren sehr unterschiedlich in den Bauernkrieg und dessen blutigen Verlauf maßgeblich verstrickt. Beide sahen für das Volk Wege zu einem jeweils vertretbar erscheinenden Ziel und doch war keiner der beiden ohne Schuld an diesem Ausgang der Aufstände. So etwas trat nicht erstmalig auf. Vieles wiederholt sich in der Geschichte.

An Martin Luther soll (deshalb) in der DDR jetzt nicht so sehr gedacht werden, bloß höchstens für den kleineren Teil seines Bemühens um die deutsche Sprache, eine einheitliche Grammatik und Rechtschreibung, die er zusammenstellte, nachdem er dem Volk „aufs Maul“ geschaut hatte. Solche Sachen wie: dass auch er das erste große weit über 1.000 Seiten dicke Buch, die Bibel, aus der griechischen und lateinischen Sprache in die deutsche Sprache übersetzte, damit man auch im Volk lesen lernen konnte und die Leute in der Kirche nicht immer mehr oder weniger interessiert zuhören mussten, was der Pastor da so unverstehbar gelehrt lateinisch vorlas, das spielt natürlich keine große Rolle. Bei diesen Arbeiten erfand er viele Worte, die es vorher in der deutschen Sprache gar nicht gab und führte auch neue volkstümliche Redewendungen ein. Aber man spricht davon, dass sein Vater (eigentlich wohl mit Namen „Luder“), der Chef einer Mansfeldischen Kupfergewinnungsstätte war, womit der Sohn Dr. Martin Luther also einer Ausbeuterfamilie entstammte – das weiß ich aus der Schule. Er selber war auf der Kanzel und in der Schreibstube ein eher dicklicher Mönch, der Müntzer dagegen ein schneidiger Kämpfer für den Frieden der Arbeiter und Bauern. Dazu fällt mir das Lied „Die Glocken stürmten vom Bernwardsturm“ ein, die einige große Teilerfolge der Bauern besingen, um sich selber Mut zu machen:

Text: Börries von Münchhausen Melodie: Hans Wendelmuth

Die Glocken stürmten vom Bernwardsturm, der Regen durchrauschte die Straßen.

II: Und durch den Regen und durch den Sturm ertönte des Urhorns Blasen.:II

Das Büffelhorn, das so lange geruht, Veit Stoßberg nahm’s aus der Lade.

II: Das alte Horn, es schrie nach Blut und wimmerte „Gott Gnade“. :II

Ja, Gnade dir Gott, du Ritterschaft! Der Bauer stand auf im Lande,

II: Und tausendjährige Bauernkraft macht Schild und Schärpe zu Schande. :II

Die Klingsburg hoch am Berge lag, sie zogen hinauf in Waffen,

II: Auf rammte der Schmied mit einem Schlag – das Tor, das er fronend geschaffen. :II

Dem Ritter fuhr ein Schlag in’s Gesicht, ein Spaten zwischen die Rippen.

II: Er brachte das Schwert aus der Scheide nicht und nicht den Fluch von den Lippen.:II

Auf rauschte die Flamme mit aller Kraft, brach Balken, Bogen und Bande.

II: Ja, Gnade dir Gott, du Ritterschaft, der Bauer stand auf im Lande. :II

Solche Lieder üben wir „in unserer Bad Frankenhäuser Kulturzeit“ aber nicht. Fräulein Jödicke darf ja schließlich keinem kleinen kranken Kind andauernd ‘was von Blut und Bauernfolterei erzählen oder vielleicht das auch noch gar lieblich vorsingen. Wenn das Kind sich dann grämt und davon noch kränker würde, könnte wohl der Heimarzt gewiss nur ziemlich ratlos seinen Kopf schütteln, denn er käme ja bestimmt nicht von allein auf den Gedanken, woran das liegen könnte.

Nicht weit von uns, am Fuße des Schlachtberges als Teil der Oberburg, einer Burg der Franken, besichtigten wir den Hausmannsturm, aber leider nur von außen. Innen mag er noch viel interessanter sein, doch er ist verschlossen. Auf den meisten der Ansichtskarten ist er abgebildet.

Das schlimmste, was uns Fräulein Jödicke über den Turm erzählte, war, dass einmal beim Decken des Turmdaches ein Dachdecker abstürzte und sein Leben nicht mehr gerettet werden konnte.

(Ach nein, das bringe ich jetzt mit unserer eigenen Familiengeschichte durcheinander. Mein Urgroßonkel August Gericke war es, der als junger Zimmermann 1856 beim Bau des Flatow-Turmes im Babelsberger Schlosspark vom Dach abstürzte. Das ist aber eine ganz andere Geschichte, wenn sie sich auch ähnlich anhört).

Hier in Frankenhausen war es wohl damals so, dass der „Türmer“, also der Turmwächter- und Turmbewohner, nach einem Schuh seines lieben kleinen Kindes langte, der aus irgendeinem Grund auf das schräge Dach geraten war – wir wissen ja wie Kinder nun ‘mal so sind. Dabei verlor er, der Vater, wohl das Gleichgewicht und stürzte hinunter in die Tiefe. Wie unsagbar traurig. Hätte er doch besser vorher gründlich nachgedacht, sich vielleicht eine Angel gebastelt oder eine Harke mit Stiel- Verlängerung genommen. Oder nur den Schuh (allein) mit einer Stange hinunter geschubst und unten wieder eingesammelt. Aber nein, so tat er es nicht und deshalb zählte man in Frankenhausen ein armes Waisenkind mehr.

Aber wenn es am spannendsten ist oder sehr gräuslich wird, muss Fräulein Jödicke abbrechen, damit keiner von den anfälligen Kleineren vielleicht vor Schreck einen Asthmaanfall oder einen Hautausschlag bekommt.

Die echten Eingeborenen“ – ich schreibe das mal so ganz vorsichtig, weil ich beinahe „die echten Frankenhausener“ geschrieben hätte. Die richtige Benennung darf wohl ausschließlich „die Frankenhäuser“ sein, obwohl es sich ja tatsächlich nicht um die Häuser der Franken, sondern um die thüringischen Menschen selber handelt. Es ist wohl aber trotzdem so, dass die Alten, völlig echten, über sich lieber als „die Frankenhisser“ reden.

Mit den Bewohnern des Nachbarortes ist man da wie’s scheint nicht so streng genau zimperlich, denn im Stadtplan nennt man sie „Rottleber“ aber auf dem Straßenschild heißen sie „Rottlebener“. Mancher Nichtbetroffene mag das als gleichgültig, egal oder als spitzfindig ansehen. Aber ich habe beispielsweise noch nie eine Rott-Leber gegessen. Also, zurück zum Turm: die Frankenhäuser sagen zu diesem Turm in der thüringischen Sprache wohl „Husmannstorm“ oder so ähnlich. So gehen besonders alte Leute, die die Sprache pflegen, auch seltener „in oder auf den Hof des Hauses“, sondern „uffn Husplan nus“, wenn ich das richtig verstanden habe. Manches wird auch in verschiedenen Orten sowieso unterschiedlich gesprochen, dann wird es noch schwieriger. Ist ja klar: Wenn höhere Thüringer Berge dazwischen sind, sehen sich die Leute nicht oft und sprechen nur ihre eigene Sprache oder auch „de Sproch“. Deshalb lohnt es sich hier überhaupt nicht über eine „richtige“ Aussprache zu streiten. Andere Worte könnten wir gar nicht begreifen, aber unsere Erzieherinnen sprechen einfach so mit uns, dass wir alle sie gut verstehen können – egal aus welcher Gegend wir kamen. Auch das haben sie sehr gut gelernt.

Fräulein Jödicke erzählt uns auch etwas über andere natürliche Merkwürdigkeiten aus ihrer Heimat. Zum Beispiel über die Possenwiesen in der Nähe von Sondershausen, wohin wir jetzt nicht kommen. So besitzt sie zum Beispiel hart versteinerte Kerne von früheren echten kleinen Kopffüßern. Das waren wirbellose aber umschalte Weichtiere, Tiere aus der Gruppe der Ammoniten, die sie liebevoll „Ceratites nodosus“ nennt. Diese Versteinerungen stammen aus dem Erdzeitalter des Trias und die ehemaligen Tiere sind heute mindestens 240 Millionen Jahre alt. Unvorstellbar. Ihr Durchmesser kann durchaus bis zu 20 cm betragen. Erstaunlich, dass nicht alle in dieser langen Zeit von Interessenten weggesammelt worden sind? Nein, man findet sie erst wenn man einen Berghang glatt abschürft, mitten im Berg, also in der Tiefe, in einer ziemlich waagerechten Schicht, in einem „Leithorizont“, wie es heißt. Und nicht jeder Sammler kommt dort hin. Diese Tiere belebten damals die Fläche über dem Muschelkalk so zahlreich, dass man sie heute noch – aber eben inzwischen leider schon tot und versteinert – als eine „Leitschicht am Bodenhorizont” sehen kann. Manchmal liegen sie aber auch unter den „Lesesteinen“ (das Wort kommt von Aufsammeln, Auflesen) am Rain, also zwischen Acker und Weg. Nicht jeder erkennt sie, weil die lange Zeit sie mit einer dicken Schicht aus hartem Kalk ummantelt hat.

Unser freundliches Fräulein Jödicke erzählte heute – nur als weiteres Beispiel – auch von den „Bonifatiuspfennigen“. Gut, bezahlen kann man damit heute schlecht. Es sind in den Muschelkalk eingebettete versteinerte Scheibchen mit einem Riffelrand und mit sichtbarer Stern- oder auch Rad-Oberfläche, aus denen sich der Stängel einer Seelilie zusammensetzte. Ähnlich einer Münzrolle (in verkleinerter Form) sehen sie aus, jetzt gefunden, aber aus unvorstellbar lang zurückliegender Zeit stammend, als es noch keinen Menschen auf der Erde gab. Aber eine „Blüte“ dieser Seelilie aus diesem Muschelkalkmeer konnte Fräulein Jödicke uns nicht zeigen. Das hole ich zu Hause nach, vielleicht ist sie in Meyers Lexikon abgebildet. Gewiss sollte ich noch anmerken, dass die Seelilie mit ihrer „Blüte“ in Wirklichkeit ein Tier war. Einige „Pfennige“ der Münzrollen-Seelilie, von Fräulein Jödicke gespendet, bewahre ich „als ewiges Andenken“ in meiner Schatzkiste auf.

Ich wette, dass Fräulein Jödicke sehr viel mehr weiß, als sie zur Beschäftigung mit Kur-Kindern unbedingt braucht. Und das ist gut so.

Zur Halbzeit haben wir ein Bergfest und auch sportliche Wettkämpfe. Es macht Spaß, sie sind keine Leistungsprüfung. Zu meinem Glück ist überhaupt kein schwieriges Geräteturnen dabei.

Wieder Schreibstunde. Ich nehme heute die farbige Ansichtskarte mit dem Weinberg-Flieder-Panoramablick und den Gebäuden: Sanatorium, Hausmannsturm und Frankenburg, dahinter ein Stück vom Schlachtberg. In der Frankenburg hat unser Fräulein Jödicke einen Teil ihrer gewiss ganz schön schweren Ausbildung zur Kindergärtnerin gehabt, bevor sie die Arbeit als Erzieherin im Sanatorium aufnahm. Sie hat also sogar zwei Berufe und das will schon ‘was heißen.

Als Porto kleben wir auf eine Ansichtskarte eine 10-Pfennig-Marke. Der Brieftransport kostet 20 Pfennige oder 0,20 Mark. Wir haben zurzeit die blauen Marken mit den Arbeitern drauf und dem „Fünf-Jahresplan-Emblem“.

Weitere kulturelle Erlebnisse

Wir singen verschiedene Lieder. Schöne Volkslieder wie:

- „Kein schöner Land in dieser Zeit“, eine alte Volksweise, von W. v. Zuccamaglio

- „Im Frühtau zu Berge“, eine Musik aus Schweden, Text: Olof Thunman

- „Ich wandre ja so gerne“, von den Thüringern Herbert Roth und Karl Müller

- „Das Wandern ist des Müllers Lust“ von Carl Friedrich Zöllner und (diesmal) Wilhelm Müller

- „Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer“

- und weitere Lieder.

Diese Lieder kenne ich schon. Das macht alles recht leicht – man ist gleich voll mit drin. Natürlich kennt das Fräulein Jödicke noch viel mehr Lieder, auch Scherz- oder Tanzlieder, aber die kann ich nicht alle aufzählen. Sie muss ja auch für jedes Kindesalter und für die verschiedenen Jahreszeiten etwas anderes bereithalten.

Eine interessante Zauberveranstaltung ließ mich nicht in Ruhe – wie der Zauberkünstler das nur machte? Ich habe ganz genau aufgepasst und nicht gemerkt wie das ging (und dabei hat er noch so getan, als verriete er uns ganz kumpelhaft nun seine Tricks – aber auch das war eben bloß Trickserei.)

Und schon naht das Ende unserer Erholungszeit

Für das große Abschiedsfest haben die Kinder der Gruppen Beiträge eingeübt, die nun vorgetragen werden können. Wenn ich aber an den Abschied denke, ist mir gar nicht so festlich zumute. Es war doch eine sehr abwechslungsreiche Zeit. Wir haben viel gesehen, neues gelernt, was weitaus über einen normalen Schulunterricht hinausgeht. Die Jungen haben sich alle gut miteinander vertragen, so wie man es von unserer Schulklasse Daheim nicht durchweg kennt. Hier ist es immer ganz lustig und fröhlich – besonders vielleicht auch, weil wir in den Ferien sind, in einer anderen Gegend, zusammen mit anderen Leuten, die uns die Zeit recht schön gestalten – kein Alltag eben. Ja, alle Erwachsenen im Heim bemühen sich mit Erfolg, uns auch in der Woche Sonntage, viele Sonnentage zu bereiten.

Wie bei der Ankunft und bei der Halbzeit werden wir auch vor der Abfahrt gewogen. Trotz des guten Essens habe ich kaum messbar an Gewicht zugenommen (kleiner bin ich auch nicht geworden), sehe also ähnlich aus wie bei der Ankunft – aber das soll dann die „Nachkur“ noch im Selbstlauf verbessern. Ich fühle mich zumindest sehr wohl. Geist, Seele und Körper haben sich erholt. Das kann vom Arzt aber nicht so recht gemessen werden.

Beim Packen des Koffers wird einem nach sechs Wochen etwas schwermütig ums Herz, als das Inhaltsblatt verglichen und abgehakt wird, damit wir hier auch bloß nichts zurücklassen. Kein einziges Andenken an uns wird hier gebraucht – die nächsten Kinder kommen schon bald.

Ich dagegen nehme als Andenken viele Erinnerungen mit, die mich bestimmt lange begleiten werden: unser Gruppenbild, Ansichtskarten, einige Perlmuttabfälle, ein Stückchen vom Glimmer-Gestein aus dem Waldboden (vom versteinerten Holz konnte ich kein Stück ernten) und ein kleines Abziehbild mit der Ansicht der Stadt.

Vieles haben wir hier gesehen. Was für die Einwohner der Stadt Bad Frankenhausen das Alltägliche ist, was man möglicher Weise übersieht, scheint uns als etwas ganz Besonderes, Neues, Anregendes – was unsere Erinnerung an die schönen Tage lebhaft wach halten wird.

Wir fahren nun wieder, ich anfangs in etwas gedämpfter Stimmung. Unsere netten Erzieherinnen bekommen bald wieder andere Kinder, an die sie sich gewöhnen und von denen sie ganz schnell die Namen auswendig lernen müssen. Und auch denen werden sie wieder viel zeigen und erzählen, was diese dann mit nach Hause nehmen zu den Eltern, Verwandten, Schulkameraden – man, 100 Mann alle sechs Wochen, so muss Bad Frankenhausen ja bald weltberühmt werden.

Natürlich freuen wir uns aber auch schon auf unser Zuhause.

Vielen Dank für die erlebnisreichen Wochen, liebes Heimpersonal.

Vielen Dank besonders an Fräulein Jödicke und die anderen Erzieherinnen,

an Frau Liesegang und an die Damen in der Küche, an die Raumpflegerinnen,

den Hausmeister, die Schwestern und den Arzt!

Auf Wiedersehen, Diamantene und Goldene Aue, Gietenkopf und Kulpenberg.

Tschüss Hainleite, Windleite, Barbarossahöhle und Kyffhäuserdenkmal

sowie Stadt Bad Frankenhausen!

––––––––––––––––––

Stunden der Fahrzeit vergehen.

Als ich Daheim ankomme, ruft meine Mutti:

Junge, hast Du aber frische Farbe bekommen – und Du quasselst ja so, wie ein

Thüringer Wasserfall rauscht.“

Sehr viel später ergänze ich:

Für viele Kinder waren die Zeiten des Aufenthaltes im Sanatorium „ein Segen“, für das betreuende pädagogische und medizinische Personal oft eine Lebensaufgabe, an der viel Liebe und Herzblut hing. Eine große Leistung der Sozialversicherung des Landes in Verbindung mit dem staatlichen Gesundheitswesen der DDR. Von ihnen und mit den geschaffenen Werten vieler fleißiger Menschen, konnte auch dieser Aufenthalt ermöglicht werden. Ein Grund, dafür dankbar zu sein!

Einige Nachworte:

1992, bald nach der politischen Wende, dem Ende der DDR (Deutsche Demokratische Republik) und dem Beitritt ihrer Bevölkerung zur Bundesrepublik Deutschland, wurde das Kindersanatorium aufgelöst. Geschlossen. Die Anzahl von Kureinrichtungen im Land reduzierte man drastisch. Medizinisch-therapeutische Kinderbehandlung und vorsorgende Erholung in dem Maße, wie in der Vergangenheit betrieben, „rechne sich nicht“, besonders nicht, wenn man an Kurzsichtigkeit leidet.

Es blieb von den Erholungserfolgen offenbar nicht viel davon im Frankenhäuser Ortsgedächtnis lebendig. Zu wenig der Erinnerung an das Sanatorium. Das Stadtarchiv und das Museum in Bad Frankenhausen haben kaum nennenswertes Material über das Heim und seine Geschichte aufbewahrt oder aktiv zusammengetragen (eine Selbsteinschätzung seitens des von mir befragten Leiters dieser Einrichtungen); auch an einem schriftlichen Beitrag über das Leben im Erholungsheim war kein Interesse erkennbar. Kaum etwas aufgezeichnet, bewahrt und erhalten, was die Menschen damals bewegte, was jene geleistet und erreicht hatten. Gründe mag es dafür geben? Ein paar alte Ansichtskarten haben die Zeit vielleicht überstanden. Im Tourismus-Büro gibt es z. B. ebenfalls keine Kenntnis über Hermann Hedrich, den Bauherrn des Heimes, keine Erinnerungsblättchen, wie es viele andere Städte über besondere, verdiente Bürger oder Leistungen zur Information vorrätig halten. – Lediglich das leere Haus grüßt uns vom Berge.

Ende Oktober 2009 habe ich die Region erneut besucht, wanderte durch Bad Frankenhausen mit seinen neueren Sehenswürdigkeiten besuchte das Rundgemälde im Panorama-Museum, den Kurpark, das Kurmittelhaus, die Kyffhäusertherme, die Reha-Klinik der Rentenversicherung, ging nach Rottleben zur Barbarossahöhle und zur Burg Kyffhausen.

Mein schönes Sanatorium“ habe ich aufgesucht um es wiederzusehen, noch einmal durch die Räume zu gehen, um Erinnerungen aufzufrischen, „damit auch dieser Kreis in meinem Leben sich schließen möge“. Ich fand das Gelände leer und verschlossen, das Gebäude von Wildwuchs zugewachsen, vereinsamt, von Spuren des Vandalismus gezeichnet.

Ernüchterung und Wehmut breiten sich aus, immer wieder mit neuer Nahrung versorgt, denn genauso wie diesem Kindersanatorium ging es vielen Erholungs- und auch Kultureinrichtungen nach der damaligen politischen Wende, ebenso erging es Stätten von Aus- und Weiterbildung, die damals „blühten“. Benötigt Deutschland in diesen Zeiten keine jungen Fachleute mehr?

Die Zahlen des Arbeitsmarktes sprechen eine ganz andere Sprache.

Benötigt Deutschland keine (vorhandenen) Heimplätze für Übergangszeiten? Die Zahlen der Menschen, die aus Kriegs- und Hunger-Gebieten zu uns kommen, sagen uns etwas völlig anderes.

Mit dem Eintritt in sein Rentenalter, begann das hier schreibende, damalige Kur-Kind seine Lebenserinnerungen zu notieren. Dazu gehört auch der vorstehende kleine Bericht, der erst nach mehr als einem halben Jahrhundert entstand. Manches ist nach jener Zeitspanne in der Erinnerung etwas verblasst, anderes steht noch deutlich vor Augen. Der Autor denkt jedoch, dass er das Wesentliche hinreichend richtig wiedergegeben hat.

Die Suche nach der damaligen Heimleiterin Frau Liesegang und der Gruppenerzieherin Frau Regina Kolb, geborene Jödicke, hatte unerwartet schnelle Erfolge. Es entwickelte sich ein anregender Briefwechsel. Diese Korrespondenz war für den Schreiber dieser Zeilen eine wertvolle Erinnerungshilfe und wurde hier inhaltlich einbezogen. Auch dafür sei den beiden engagierten Pädagoginnen an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt.

Der sechswöchige Aufenthalt in Bad Frankenhausen war für ungezählte Kinder eine Zeit schöner Erlebnisse und guter Erholung. Wertvolle Erinnerungen, die ein Leben lang erhalten bleiben. Und mit dem frischen Aufleben dieser Gedanken an damals schließt sich nun der Kreis nach mehr als einem halben Jahrhundert.

Besucht doch Bad Frankenhausen auch einmal – es lohnt sich bestimmt!

Chris Janecke, Potsdam, im Mai 2016.

E-Mail-Anschrift: christoph@janecke.name

Nachsatz im Januar 2018:

Anfang des neuen Jahres erreichte mich die frohe Nachricht der bekannten Fotografin Andrea Schremmer, dass sie kürzlich einige Fotos in den verlassenen Räumen des stillgelegten Sanatoriums fertigen konnte, da sie den Grundstückszugang und auch das Gebäude völlig unverschlossen, gleichsam einladend vorfand. Das versetzt uns in die Lage die von ihr gestaltete Bildergalerie hier anzusehen.

Für Interessenten ist sie erreichbar unter Facebook Andrea Schremmer photography.

-Website rottenplaces:

“Seit 1992 ist das einstige Sanatorium geschlossen. Mehrere Versteigerungsversuche scheiterten, dann schlugen die BFB-Studios zu und erwarben den Komplex. Hierbei handelt es sich um ein etwa 18.000 Quadratmeter großes Areal mit denkmalgeschütztem Hauptgebäude.”

Helmut Just

Helmut Just (* 2. Juli 1933 in Berlin; † 30. Dezember 1952 ebenda) war ein Angehöriger der Deutschen Grenzpolizei (DGP) der DDR, der an der Sektorengrenze zu West-Berlin erschossen wurde. Am 5. Januar 1953 fand die Trauerfeier für Helmut Just in Form eines Staatsaktes statt. Postum erhielt er das Ehrenzeichen der Deutschen Volkspolizei. Nach der Aufbahrung auf dem Platz der Akademie fuhr der Leichenwagen zum Zentralfriedhof Friedrichsfelde, wo Just nahe der Grabanlage Pergolenweg der Gedenkstätte der Sozialisten beigesetzt wurde. An der Trauerveranstaltung nahmen etwa einhunderttausend Menschen teil.

Der Ost-Berliner Teil der Behmstraße wurde von 1960 bis 1993 nach Just benannt. Auch zahlreiche Straßen in anderen Städten erhielten seinen Namen. Im Gegensatz zu den nach Helmut Just benannten Institutionen wie Schulen, Wirtschaftsbetrieben, Sportstätten und Freizeiteinrichtungen blieben die Straßen von den zahlreichen Namensänderungen nach dem Ende der DDR zumeist verschont. Helmut Just wurde auf einem Denkmal und einem Gedenkstein in Berlin erwähnt, die alle nicht mehr existieren. Die Gedenktafel in der Behmstraße verschwand spurlos im Jahre 2001. Der mehrere Jahre versetzt gewesene Grabstein wurde im Frühjahr 2008 an seinen Standort zurückgebracht und markiert wieder das tatsächliche Grab Helmut Justs. Zitat rottenplaces

Westdeutsche Tageszeitung DIE WELT am 27.2. 2018 mit populärem DDR-Lied “Unsere Heimat”:

UnsereHeimatWELT18

 

Ausriß.

FrankenhausenPanoramaTrommler

Ausriß, Die Trommler:”Nach der Annexion der DDR durch die BRD war die Zukunft des Panorama Museums ungewiss…”

VolkssturmGauzeitung1

Volkssturm:”Auf zur fanatischen Verteidigung der deutschen Heimaterde!”

Nazistisch-militaristische Literatur, als Folge des Politikwechsels von 1990 nunmehr auch in den Thüringer Buchgeschäften, darunter in Erfurt, und selbst in Supermärkten angeboten:

Aus dem Vorwort zur 15. (!) Auflage:

Wie heute in entsprechenden Werken  die Aktivitäten der Wehrmacht im Angriffskrieg interpretiert werden: 

Aus dem Vorwort zur 15. (!) Auflage:

soldatenvolkvaterland.jpg

Ausriß:”…tapfer und treu, wie deutsche Soldaten seit Jahrhunderten für Volk und Vaterland ihr Leben hingegeben haben.”  Buch nach dem Anschluß 1990 nun auch angeboten in den größten Buchhandlungen Ostdeutschlands,  von westdeutschem Verlag herausgegeben. Ein Buch dieses Inhalts zu DDR-Zeiten in DDR-Buchhandlungen – was wären die Reaktionen gewesen? Wer kämpfte dafür, daß derartige Bücher nach Mauerfall und Anschluß 1990 nun auch in Ostdeutschland überall angeboten werden? Aufschlußreich ist, daß in Ostdeutschland einstige sog. Bürgerrechtler an solcher Literatur  keinerlei Anstoß nehmen –  Parteien, Institutionen, NGO, Staatskirchen sowieso nicht. 

SPD-Parteiidol Helmut Schmidt, die Wertvorstellungen:

Helmut Schmidt(SPD) als Nazi-Offizier, Kriegsverbrechen: “Herr Orlac, was ist denn Ihr Eindruck, wie sehr beschäftigt das Helmut Schmidt, dass er da als Batteriechef der Wehrmacht im Krieg getötet hat, auch die Frauen und Kinder in den Dörfern, die er beschossen hat?”(Deutschlandradio Kultur)

SchmidtKriegsverbrechenPamperrien1

Ausriß. http://www.hart-brasilientexte.de/2015/09/04/helmut-schmidt-sabine-pamperrienhelmut-schmidt-und-der-scheisskrieg-die-biografie-1918-bis-1945/

Ausriß.

 

http://www.rottenplaces.de/main/entwicklung-fuer-kindersanatorium-helmut-just-gewuenscht-27177/

“Die ökonomisch-geographische Struktur des Kyffhäusergebietes”. Eine Studie von 1974. “…größter Kinderkurort in der DDR…”(Bad Frankenhausen). Als die Stadt noch lebendig, industrialisiert war – wer sie deindustrialisierte, vergleichsweise menschenleer machte. **

FrankenhausenKinderheim1

Das bis 1990 berühmte Kinderheim von Bad Frankenhausen – was die neuen Machthaber, neuen Autoritäten damit machten…

http://www.regionalmuseum-bfh.de/volkssolbad-max

http://www.regionalmuseum-bfh.de/kinderheilanstalt-max

Die ökonomisch-geographische Struktur des Kyffhäusergebietes /Studie von 1974

KyffhäusergebietOelkeStudie74

Ausriß. “…größter Kinderkurort in der DDR…”(Bad Frankenhausen). Die Aufgaben eines Bürgermeisters waren damals entsprechend komplexer, vielfältiger, anspruchsvoller als heute. Das berühmteste, schönste Kinderheim von Bad Frankenhausen wird von den neuen Machthabern und ihren regionalen Marionetten weiter ungenutzt, geschlossen gehalten. Gleiches gilt für das einstige Kinderheim in Rottleben. Wieso haben Landräte, Bürgermeister etc. nicht dafür gesorgt, daß die architektonischen Perlen wieder mit Leben erfüllt werden, statt zu vermodern, wer trägt die politische Verantwortung für diese unhaltbaren Zustände?

Verschiedene VEB waren in Bad Frankenhausen so effizient, daß sie fast ausschließlich für den Export in westliche Länder produzierten,  unerwünschte Konkurrenten westdeutscher Firmen waren. Dies betraf u.a. VEB, die hochwertige Textilien für den anspruchsvollen westdeutschen Markt herstellten. Ab 1990 ließ sich das Problem auch mit Hilfe lokaler, regionaler Mitläufer, Wendehälse und Parteien “bereinigen” – die Konkurrenzbetriebe wurden schlichtweg plattgemacht, beseitigt. Für diese und viele andere Treuhand-Verbrechen der Industrievernichtung bleiben auch in Thüringen weiterhin Reparationszahlungen aus. 

Rottleben/Thüringen. Seltenes Wandgemälde aus der frühen DDR-Zeit. Kinder und Ernte.

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http://www.immopool.de/immobilienangebot/044/Kyffhaeuserland/9385745/Seniorenwohnanlage.html

http://www.ansichtskarten-center.de/kyffhaeuserkreis-lkr-weitere/4731-rottleben-kinderheim

https://www.ebay.de/itm/52441687-Rottleben-Kinderheim-/312048432869

Die ökonomisch-geographische Struktur des Kyffhäusergebietes /Studie von 1974

 

  • “Rottleben, bei Sondershausen. Rittergut, 233 ha. 1923 Freiherr von Rüxleben.”

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Bad Frankenhausen/Thüringen 2018 – SPD-Bürgermeister Matthias Strejc gegen GroKo: “Es geht in den nächsten dreieinhalb Jahren alles weiter wie bisher, es wird keine Erneuerung der Partei geben.” Kommunalwahlen 2018 in Thüringen:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2018/03/05/bad-frankenhausen-2018-spd-buergermeister-matthias-strejc-gegen-groko-es-geht-in-den-naechsten-dreieinhalb-jahren-alles-weiter-wie-bisher-es-wird-keine-erneuerung-der-partei-geben/

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Restaurierung/Rettung geplant?

Erschießungen in Bad Frankenhausen 1945 nahe der Oberkirche – kurz vor dem Einrücken der US-Truppen. Wer gehörte zum Erschießungskommando, wer waren die Soldaten, die zusehen mußten? Für Bewohner der Stadtregion an der “Blutrinne” heute unverständlich, daß Einzelheiten dieser grauenhaften Geschehnisse weiter unbekannt sind, jene, die Kenntnisse darüber haben(müßten), weiter schweigen:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2016/09/12/erschiessungen-in-bad-frankenhausen-1945-kurz-vor-dem-einruecken-der-us-truppen-wer-gehoerte-zum-erschiessungskommando-wer-waren-die-soldaten-die-zusehen-mussten-fuer-bewohner-der-stadtregion-an/

Nazi-Offizier Helmut Schmidt und der Holocaust:http://www.hart-brasilientexte.de/2017/02/14/der-weg-in-den-holocaust-die-zeit-unterschlaegt-in-ihrer-publikation-von-2017-just-die-rolle-des-langjaehrigen-mitherausgebers-der-spd-ikone-helmut-schmidt-kein-einziges-kapitel-ist-schmidt-al/

Braune BRD – Beispiel Schleswig-Holstein:http://www.hart-brasilientexte.de/2017/01/19/braune-brd-beispiel-schleswig-holstein-die-braunen-jahrzehnte-im-kieler-landeshaus-wer-ungezaehlte-nachfolger-nach-seinem-bilde-formte-heute-mit-progressivem-maentelchen-in-allen-ebenen-der/

Nazizeit, evangelische Kirche und Evangelische Jungmädchen, Thüringer Zeitung: “Träumt nicht, rief Pfarrer Fischer uns zu! Ihr Evangelischen Jungmädchen, träumt nicht, seid stolz! Was die Gefallenen waren, das seid ihr, und keine andere Jugend nimmt euch diese Aufgabe ab: der Heilige Damm, an dem die Flut von Feigheit und Verwilderung bricht, der Heilige Damm, der Deutsche Seele und Art retten will!”(Bretleben, Hauteroda, Heldrungen, Oberheldrungen, “Cannawurf”, Reinsdorf, Griefstedt, Wiehe) **

JungmädchenKircheNazizeit

Griefstedt. “Um die Seele der Heimat der Kampf ergeht! Heil dem, der zur Kirche der Heimat steht!” Soweit bekannt, scheuen sich heute Pfarreien auch im Kyffhäuserkreis, die Predigttexte aus der Nazizeit herauszurücken. Gleiches gilt für Fotos, die evangelische Pfarrer mit Hakenkreuzbinde an von NSDAP-Fahnen gesäumten Altaren zeigen, teils mit SA-Uniform unter dem Talar.

Georg Pazderski: Bestürzung über Jörg Thadeusz

Berlin, 26. Januar 2018. Georg Pazderski, stellvertretender AfD-Bundessprecher, ist bestürzt über die Äußerungen des rbb-Moderators Jörg Thadeusz in der gestrigen Sendung von Maybrit Illner. Darin hatte Thadeusz alle AfD-Wähler pauschal als „Wendeverlierer“ verunglimpft:

„Die Art und Weise, mit der der Moderator pauschal sechs Millionen Deutsche als ‚Wendeverlierer’ beleidigt, nur weil sie eine ihm offenbar nicht genehme Partei gewählt haben, ist unerträglich.

Ganz abgesehen davon, dass die AfD Mitglieder und Wähler in allen Landesteilen und Schichten hat – gerade auch Mittelständler und leitende Angestellte – frage ich mich, ob der vom rbb beschäftigte Herr Thadeusz eigentlich weiß, dass sein Sender maßgeblich von den TV-Gebühren auch der Bürger getragen wird, die er frech herabwürdigt?

Hinzu kommt, dass es genau dieser arrogante Ton ist, den die vielen Menschen vor allem im Osten unseres Landes fast 30 Jahre nach der Wende in der DDR und der Wiedervereinigung nicht mehr ertragen können. Der Großteil unserer Landsleute von Rügen bis zum Thüringer Wald hat sich längst unter teils schweren Bedingungen eine neue Existenz aufgebaut.

Kein Deutscher – egal, ob er die AfD wählt oder eine andere Partei – braucht sich als ‚Wendeverlierer’ beschimpfen zu lassen. Ich fordere darum von Jörg Thadeusz eine unmissverständliche öffentliche Entschuldigung!“

Landratswahlen 2018 im Kyffhäuserkreis und das brisante Thema Umwelt-und Naturvernichtung, Politik gegen die öffentliche Gesundheit. Das Gülle-Trinkwasser im Kyffhäuserkreis 2017 – wie GRÜN unter Thüringens “Umweltministerin” Siegesmund, Landrätin Antje Hochwind/SPD und  Vize Raimund Scheja/CDU wirkt. Nie zuvor stank es im Kyffhäuserkreis so stark und so oft nach Scheiße von Schweinen. (Im Heldrunger Wasserschloß absolvierte ein bekannter Chor sein Konzert 2017 in penetrantem, barbarischem Güllegestank von nahen Agrarindustrieflächen).

“Grünes Kernthema” Trinkwasserqualität – die entsprechenden GRÜNEN-Erfolge in Thüringen unter “Umweltministerin” Siegesmund:

http://www.bild.de/politik/inland/die-gruenen/gruene-schmetterlinge-53988728.bild.html

Die Bürger werden eines Tages nicht nur die Worte und Taten der Politiker zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der Mehrheit.
Bertolt Brecht  (1898 – 1956)

NitratGülleKyffkreisTA17

Ausriß Thüringer Allgemeine. “Zu viel Nitrat im Trinkwasser. Brunnen im Landkreis belastet.” Politisch Verantwortliche weiter auf freiem Fuß… Gülle-Trinkwasser und “grüne Kernthemen”…

WWF zu Wertvorstellungen der Thüringer Ramelow-Regierung und ihrer “Umweltministerin” Siegesmund/GRÜNE:

“Nitratbrühe statt Grundwasser

10. August 2017

WWF-Regionalreport: Hälfte aller Grundwassermessstellen im Raum Leipzig über gesetzlichem Nitrat-Grenzwert. / Thüringen, Sachsen & Sachsen-Anhalt: Massiver Artenverlust im Drei-Länder-Eck.

Das Grundwasser in der Region Leipzig ist massiv mit Nitrat belastet. Das zeigt ein aktueller Report der Naturschutzorganisation WWF. In den vergangenen Jahren wurde der Nitratgrenzwert demnach an über 50 Prozent der Messstellen überschritten. Zusätzlich wurden oftmals problematische Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gemessen. Verursacher ist die intensive Landwirtschaft mit einem hohen, nahezu flächendeckenden Einsatz an Düngemitteln und Pestiziden. Doch nicht nur um das Wasser ist es dementsprechend schlecht bestellt: Auch die Artenvielfalt leidet. Typische Feld- und Wiesenvögel wie etwa Kiebitz und der Große Brachvogel sind in dem Drei-Länder-Eck aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Auch Feldhamster oder -hase sind kaum noch anzutreffen.” WWF zu Politikzielen und Politikresultaten nach 1990 u.a. der Ramelow-Regierung

Wasser: Kommission verklagt Deutschland vor dem Gerichtshof der EU wegen Gewässerverunreinigung durch Nitrat/Grüne Liga Thüringen

Brüssel, 28. April 2016

Deutschland wegen Wasserverschmutzung und Nitrat vor Gericht.

Die Europäische Kommission verklagt Deutschland vor dem Gerichtshof der EU, weil es versäumt hat, strengere Maßnahmen gegen die Gewässerverunreinigung durch Nitrat zu ergreifen. Nitrat ist für das Wachstum von Pflanzen von entscheidender Bedeutung und wird häufig als Düngemittel eingesetzt. Allerdings führen überhöhte Mengen zu starken Wasserverunreinigungen – mit entsprechenden Folgen für die menschliche Gesundheit, die Wirtschaft und die Umwelt. Der heutige Beschluss folgt auf eine mit Gründen versehene Stellungnahme, die den deutschen Behörden im Juli 2014 übermittelt wurde.

Die von Deutschland zuletzt im Jahr 2012 übermittelten Zahlen sowie mehrere Berichte deutscher Behörden aus jüngster Zeit zeigen eine wachsende Nitratverunreinigung des Grundwassers und der Oberflächengewässer, einschließlich der Ostsee.

Trotz dieser Entwicklungen hat Deutschland keine hinreichenden Zusatzmaßnahmen getroffen, um die Nitratverunreinigung wirksam zu bekämpfen und seine einschlägigen Rechtsvorschriften entsprechend den für Nitrat geltenden EU-Vorschriften zu überarbeiten (Richtlinie 91/676/EWG des Rates). Da die Kommission der Auffassung ist, dass die Verunreinigung der Gewässer durch Nitrat auch im Rahmen der laufenden Überarbeitung des nationalen Aktionsprogramms nicht ausreichend angegangen wird, hat sie beschlossen, Deutschland vor dem Gerichtshof der EU zu verklagen.

Hintergrund

Die Nitratrichtlinie (Richtlinie 91/676/EWG des Rates vom 12. Dezember 1991) hat zum Ziel, die Wasserqualität in Europa zu verbessern, indem die Verunreinigung von Grund- und Oberflächenwasser durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verhindert und der Einsatz beispielhafter landwirtschaftlicher Verfahren gefördert wird. Die Mitgliedstaaten müssen ihre Gewässer überwachen und jene bestimmen, die durch Verschmutzung bedroht sind. Des Weiteren müssen sie geeignete Aktionsprogramme einrichten, um derartige Verunreinigungen zu verhindern und zu verringern. Die Richtlinie stellt einen wesentlichen Bestandteil der Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG) dar und ist eines der Schlüsselinstrumente für den Schutz der Gewässer vor Belastungen durch die Landwirtschaft.

Überhöhte Nitratwerte können das Süßwasser und die Meeresumwelt schädigen, […]

“Wenn die Nitratbelastung im Grundwasser (Grafik Jahre 2013-2015) hoch ist, führt das auch zur Belastung des Trinkwassers. So bezieht Sondershausen sein Trinkwasser zum großen Teil aus der Ferne, weil das Grundwasser dort teils relativ stark belastet ist. Artern bezieht sein Trinkwasser aus einem Brunnen im benachbarten Bretleben, der in der belasteten Zone liegt. ” TA – Wie grüne Umweltpolitik in Ostdeutschland wirkt…

Noch kurz nach dem Anschluß von 1990 erklärten staatliche Wasserexperten im Kyffhäuserkreis, daß das Kaufen von Mineralwasser Unsinn sei – das beste Wasser komme nach wie vor aus dem Wasserhahn. Von interessierter Seite wurde indessen daraufhin die Trinkwasserqualität stark herabgesetzt – existierende Gesetze gegen politisch wirtschaftlich Verantwortliche wurden außer Kraft gesetzt…

Gesundheitsgefahr: Nitrat in Thüringer Grundwassers nimmt zu

Erfurt. Besonders die landwirtschaftlich geprägte Regionen in Thüringen sind betroffen. Es sind gefährliche Erkrankungen möglich.

14. Mai 2014 / 05:00 Uhr/Thüringer Allgemeine

Stellenweise wird unbedenkliche Konzentration um das Vierfache überschritten/Thüringen24

Nach aktuellen Zahlen des Ministeriums sind 35 Prozent der Grundwasserkörper in Thüringen wegen zu hoher Nitratkonzentration auffällig. Vereinzelt würden Konzentrationen von bis zu 200 Milligramm je Liter erreicht. Grundwasser kann schon mit mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter nicht mehr ohne Weiteres zur Trinkwassergewinnung genutzt werden.

“Immer mehr Thüringer erkranken an Krebs”:

Immer mehr Thüringer erkranken an Krebs

HerzinfarktOstWest2

Ausriß von 1999: “Die Zahl der tödlichen Herzinfarkte ist in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung in die Höhe geschnellt und liegt inzwischen höher als im Westen.”

“Ostdeutsche sterben deutlich häufiger an einem Herzinfarkt” – DER SPIEGEL 2016 zu den soziokulturellen Folgen des Anschlusses von 1990,  der von den neuen Machthabern betriebenen Gesundheits-und Umweltpolitik, darunter der Einführung zuvor nicht vorhandener Infarkt-Risikofaktoren(u.a. hoher Streß und hoher psychischer Druck in der Arbeitswelt, Angst vor Arbeitslosigkeit, Förderung von Gewalt und Kriminalität) : http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ostdeutsche-sterben-deutlich-haeufiger-an-einem-herzinfarkt-a-1074231.html

“In Ostdeutschland ist die Wahrscheinlichkeit, an Krebs, Herzleiden oder einer anderen Zivilisationskrankheit zu sterben, weit höher als in den westdeutschen Bundesländern.” DIE ZEIT 2014

Neue Ost-Umwelt und Gesundheit nach 1990
Vor der Wende war Ostdeutschlands Herzinfarktrate deutlich niedriger als im Westen – jetzt ist sie höher – und bei vielen Krankheiten gibt’s ebenfalls dank doch angeblich so positiv veränderter Umweltbedingungen, hervorragender Trittinscher Umweltpolitik eine „Ost-West-Angleichung“: Laut Uni-Klinikum München war bei einer Nach-Wende-Studie in Dresden festgestellt worden, daß „Kinder aus dem westdeutschen München deutlich häufiger unter Asthma, Allergien und Neurodermitis litten als die gleichaltrigen Schüler aus Ostdeutschland. Doch offensichtlich nimmt die Allergiehäufigkeit im Osten Deutschlands seit der Wiedervereinigung rasch zu und ist dabei, sich dem `Westniveau` anzugleichen.“

Viele Ostdeutsche haben nach dem Anschluß von 1990 ihre Gesundheit ruiniert. Sie wurden aus interessanten Berufen hoher Qualifikation entlassen, versuchten den Ausweg als Neu-Unternehmer, ackerten zu geringsten Gewinnspannen selbst als LKW-Fahrer 12 und mehr Stunden am Tag, gaben schließlich auf – entstandene Unternehmen wurden von westlichen Konkurrenten geschluckt.

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/krankenhaeuser-aerzte-operieren-ohne-medizinische-notwendigkeit-a-1176715.html

“Die Versorgung Deutschlands mit einwandfreiem Trinkwasser wird immer schwieriger. Seit vielen Jahren führt vor allem der Einsatz von zu viel Gülle und Mineraldünger auf den Feldern für eine hohe Nitratbelastung des Grundwassers.” DIE WELT

“In diesen Regionen ist das Grundwasser besonders belastet:

https://www.welt.de/wirtschaft/article167452318/In-diesen-Regionen-ist-das-Grundwasser-besonders-belastet.html

Westdeutsche Gülle-Trinkwasser-Standards nach 1990 auch in Ostdeutschland, darunter in Thüringen, zügig übernommen – die Ziele des Anschlusses:

“Besonders in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aber auch in einzelnen Regionen in Bayern müssen die Versorgungsunternehmen mittlerweile einen großen Aufwand betreiben, um aus Grundwasser gesundes Trinkwasser zu machen. An einzelnen Messstellen wurde nach Angaben des BDEW schon das Achtfache des zulässigen Grenzwerts gemessen.” DIE WELT

 

Laut westdeutscher “Thüringer Allgemeine”(Funke-Medienkonzern Essen/NRW) leben Ostdeutsche, darunter Thüringer, heute in einer “intakten Umwelt”. Das Blatt verschweigt die brutale Natur-und Umweltvernichtung nach dem Anschluß von 1990:”Bei allen Sorgen geht es den meisten Menschen heute gut. Sie haben Arbeit, leben in sanierten Wohnungen und in einer intakten Umwelt.” TA, 1. Juli 2015

Ivario: 

…VORSICHT BEI NITRAT IM WASSER FÜR BABYS! BLAUSUCHT DURCH ZU HOHE NITRATBELASTUNG MÖGLICH

 Besonders gefährdet sind jedoch vor allem Säuglinge unter sechs Monaten, wenn sich Nitrat im Wasser befindet.

Die Folge einer Nitratvergiftung kann Blausucht sein, die unter Umständen tödlich endet.

Entwickelt sich Nitrat als Folge natürlicher chemischer Prozesse zu Nitrit, kann die daraus resultierende Entstehung chemischer Verbindungen dazu führen, dass sich vor allem bei Babys im Alter von bis zu etwa drei Monaten der rote Blutfarbstoff verändert. Dies hat zur Folge, dass das Blut des Kindes nicht mehr ausreichend Sauerstoff transportieren kann, was bei Säuglingen tödlich ausgehen kann.

Wikipedia: …

Gesundheitliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursache für gesundheitliche Risiken liegt in der Gefahr einer Reduktion des Nitrats zu Nitrit und der Bildung von krebserregenden Nitrosaminen. Eine solche Umwandlung findet zum einen im Darm durch entsprechende Bakterien statt, zum anderen können auch die Speicheldrüsen über den Blutweg angeschwemmtes Nitrat reduzieren.[3] Die Darmflora des Säuglings kann (wie die Darmflora eines Erwachsenen) Nitrit bildende Bakterien enthalten. Das entstehende Nitrit oxidiert das Hämoglobin zu Methämoglobin, welches der Säugling aufgrund seiner noch nicht ausgereiften Reduktionskapazität nicht wieder zu Hämoglobin rückreduzieren kann, so dass der Säugling von innen erstickt. Auch bei Wiederkäuernbesteht durch Nitratreduktion im Pansen eine akute Gefahr der Nitritbildung. Hier werden sogar Nitratkonzentrationen über 20 mg/l im Trinkwasser als schädlich betrachtet.

Nitrate in Trinkwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aktuelle Grenzwert für NO3? in Trinkwasser liegt laut der deutschen Trinkwasserverordnung bei 50 mg/l, nach der schweizerischen Gewässerschutzverordnung bei 25 mg/l.[4] In Österreich liegt der Grenzwert für Nitrat laut Trinkwasserverordnung ebenfalls bei 50 mg/l, allerdings ist hier die Bedingung [NO3?]/50 + [NO2?]/3 ? 1 einzuhalten (bei den Werten in den eckigen Klammern wird mit Konzentrationen in mg/l gerechnet).[5] Wässer, die diesen Grenzwert überschreiten, werden von Wasserversorgern oft mit nitratärmerem Wasser vermischt, um den Grenzwert einzuhalten. In jüngster Zeit wurden erste Wasseraufbereitungen mit Umkehrosmose oder Nanofiltration gebaut, um durch Teilentsalzung den Nitratwert im Trinkwasser abzusenken.

Nitrat selbst ist in den Größenordnungen der Grenzwerte vollkommen ungiftig. Gefahr besteht für Säuglinge und für Menschen mit entarteter Darmflora durch die mögliche Bildung von Nitrit. In der Hauptsache aber dienen die Grenzwerte für Nitrat als Indikatorwerte für eine allgemeine Belastung der Trinkwasserquellen mit stickstoffhaltigen organischen Verschmutzungen, die eingedämmt bleiben sollen (siehe Absatz zur Philosophie der Grenzwerte in der Trinkwasserverordnung). Im Jahr 2014 leitete die EU gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren wegen überhöhter Nitratwerte im Grundwasser ein. Ein weiteres Verfahren wird vorbereitet.[6]

Ende 2015 hat sich der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) für die Erarbeitung einer nationalen Stickstoffstrategie ausgesprochen, denn 27 % aller Grundwasserkörper seien aufgrund des zu hohen Nitratgehaltes in einem schlechten chemischen Zustand.[7]Nitrat in den Gärresten von Biogasanlagen können ebenfalls das Grundwasser belasten, wenn die ausgebrachten Mengen den Pflanzenbedarf übersteigen

FOCUS: …Besonders für Kinder und Schwangere kann die Aufnahme von zu viel Nitrat schlimme Folgen haben. Im Körper wird der Stoff zu Nitrit umgewandelt, das den Sauerstofftransport im Körper stoppt. Aber auch alle anderen sollten nicht zu viel von dem Stoff aufnehmen… Nitrat gelangt durch Düngemittel ins Grundwasser und kann im Körper zu einem Stoff umgewandelt werden, der möglicherweise Krebs verursacht.

Warum ist Nitrat so gefährlich?

Im Körper können durch Stoffwechselprozesse in Nitrosamine oder Nitrit entstehen. In geringen Mengen ist der Stoff für Erwachsene unbedenklich. Für Babys und Kinder kann er allerdings sehr gefährlich sein, weil er die roten Blutkörperchen angreift, die Sauerstoff durch den Körper transportieren. Nitrate können zudem die Jodaufnahme stören und in abgewandelter Form auch die Gefäße verstopfen…

“Eine Bündnisgrüne im Umweltministerium: Anja Siegesmund leitet das Ressort seit eineinhalb Jahren. Sie findet, dass grüne Politik bereits sichtbar ist.” Thüringer Allgemeine, August 2016.

–“Kaputtes Land. Wie Deutschlands Artenvielfalt zerstört wird.” DER SPIEGEL, Sept. 2017

Grüne in Thüringen – nur rd. 750 Mitglieder, derzeit unter der 5-Prozent-Hürde, aber zwei Ministerposten und ein Staatssekretär in der Ramelow-Regierung – wie die Pseudodemokratie funktioniert.

“Die Partei stehe schlecht da, rief er, vor allem auf dem Land. Sie sei zu fern von den Menschen, deren Stimme sie wollen. “Hören wir noch richtig zu?”, fragte er rhetorisch in den Saal. Zu oft kreisele die Partei in einer `grünen Blase` und verharre in alten Machtstrukturen.”   Thüringer Allgemeine über den Ex-Grünen-Landesvorsitzenden Rainer Wernicke auf dem Arnstädter Parteitag, November 2017. “Grünen-Chef provoziert Eklat  – und tritt ab.”

“In der Doppelspitze versuchte Göring-Eckardt einen ihrer Vertrauten durchzusetzen. Die Abgeordnete hat in den vergangenen 27 Jahren, in denen sie selbst für einige Zeit die Landespartei führte, eine beachtliche personale Machtbasis in dem sehr übersichtlichen Verband aufgebaut. Die beiden Minister, der Fraktionschef im Landtag und die meisten Abgeordneten haben ihr zumindest einen gewissen Teil ihrer Karrieren zu verdanken.”

WernickeGrüneThür17

Ausriß. Grünes “Kernthema” Wald:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2016/07/17/der-nach-1990-grauenhaft-deformiert-zerstoerte-wald-thueringens-der-verein-thueringer-ornithologen-nennt-die-vernichtungsmethoden-der-neuen-machthaber/

“Die Menschen in Altenburg interessieren sich nicht, ob sie alle 100 Meter eine Ladestation für ihr E-Auto finden, die interessiert es, ob überhaupt noch eine Bahn fährt”, sagte Wernicke der Deutschen Presse-Agentur. Dies ist als Seitenhieb auf Erben zu verstehen, die zuvor erklärt hatte, mit einem Elektro-Auto nach Arnstadt gekommen zu sein. Wernicke gab sich generell mit der Landesparteilinie frustriert. “Wir sprechen oft eine gehobene Sprache, die viele Menschen gar nicht verstehen.” Süddeutsche Zeitung

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“Der Jenaer Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt Denis Peisker beerbt Wernicke. Er konnte beim Parteitag am Samstag in einem zweiten Wahlgang 60 der 108 abgegebenen Delegiertenstimmen für sich gewinnen. Der 40-Jährige wird gemeinsam mit Stephanie Erben die neue Doppelspitze der Thüringer Grünen bilden.” insuedthueringen

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Ausriß.

Anti-Umwelt-Partei GRÜNE und Glyphosat: “Lindner: Glyphosat-Verlängerung war in Jamaika-Sondierungen nicht strittig – auch Grüne waren dafür”. /Epoch Times, Dez. 2017 **

„Umso mehr sind die Rücktrittsforderungen gegen Minister Schmidt nun besonders delikat“, sagte Lindner. Zum Alleingang Schmidts in Brüssel sagte der FDP-Chef: „Die Glyphosat-Entscheidung war ein bemerkenswerter Vorgang. Ich hätte erwartet, dass sich Union und SPD darüber abstimmen.“ Epoch Times

“Grünes Kernthema” Umweltschutz – was die GRÜNEN nach dem Anschluß von 1990 in Ostdeutschland erreichten:http://www.hart-brasilientexte.de/2015/05/22/die-populationen-der-schmetterlinge-sind-seit-1990-in-europa-deutschland-und-in-sachsen-stark-zurueckgegangen-die-verluste-liegen-zwischen-30-bis-50-prozent-offizielle-information-ueber-die-kon/

http://www.hart-brasilientexte.de/2013/04/23/das-altbekannte-bienenkiller-pestizid-welche-politisch-verantwortlichen-liesen-zu-das-es-soviele-nutzinsekten-vernichtete-greenpeace-mitteilung-auch-sog-umweltverbande-alibi-ngo-wusten-bestens/

Jeder kennt heute meist sogar persönlich Leute(auch im Kyffhäuserkreis), die nach dem Motto vorgehen:  “Grün” öffentlich daherreden, umweltfeindlich denken und handeln – die Resultate sprechen Bände.

Dr. Michael Stubbe 2012 – und jene, die Fakten-Vergleiche anstellen: http://www.hart-brasilientexte.de/2012/09/24/deutschlands-beachtliche-erfolge-im-neoliberalen-naturschutz-der-ruckgang-der-vogelbestande-ist-erschreckend-besonders-in-der-agrarlandschaft-artenexperte-dr-michael-stubbe-halle-schre/

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/01/16/windkraftwerke-bei-braunsroda-reinsdorf-in-thueringengehackte-version-wiederholt-aktualisiert-drei-weitere-wka-2016-hinzugebaut-folgen-fuer-natur-umwelt-heimat-nach-1990-sind-jedermann-gut-bek/

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/07/18/thueringer-deponien-verschwinden-unter-solarfeldern-wahrheit-oder-fake-news-westdeutsche-thueringer-allgemeinefunke-medienkonzern-essennordrhein-westfalen-am-18-juli-2017-was-gemaess-tenden/

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Ausriß.

Deutscher Bundespräsident Steinmeier/SPD am 5.12. 2017 in Erfurt:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/12/05/deutscher-bundespraesident-steinmeierspd-am-5-12-2017-in-erfurt/

 

 

“KATRIN GÖRING-ECKARDT

Social-Media-Spott für
die Bienen-Kümmerin

»Jede Biene soll wissen: Wir werden uns für sie einsetzen”. BILD 2017

GöringEckardtÖzdemir17Jamaika

 

Ausriß – hat Göring-Eckardt eine megastarke Basis in ihrem Heimatbundesland Thüringen?

11.01.2016 10:50

“Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!”

Katrin Göring-Eckardt.Nun, Frau Göring-Eckardt, wie gefällt Ihnen unser Land jetzt? Telepolis nach den rassistisch-fremdenfeindlichen Sexmob-Verbrechen von Köln und vielen anderen deutschen Städten.

Waldzerstörung in Thüringen nach dem Anschluß von 1990, Beispiel Kyffhäuserkreis, Possen, politisch Verantwortliche:”Kein Tier fühlt sich mehr wohl…ausbleibende Artenvielfalt. Leute, macht doch mal die Augen auf, in diesem Wald fühlt sich doch kein Tier mehr wohl oder kann sich groß verstecken…Ich kann nur eines sagen, die Wälder um Sondershausen waren in DDR-Zeiten dichter und nicht so zerstört wie gegenwärtig, darum muss für ein Teil des Waldes die Notbremse gezogen werden.” Thüringer Allgemeine 2017, Leserbrief 

“NEUER JOB FÜR EX-DDR-COACH

Stange wird Syrien-Trainer

Syrien hatte die Qualifikation für die WM 2018 nur knapp in der Relegation gegen Australien verpasst.” BILD, Febr. 2018. “Neue Aufgabe für Bernd Stange (69). Der ehemalige Nationaltrainer der DDR (1983-1988) übernimmt die Nationalelf Syriens. Dies bestätigte der Verband am Mittwoch.” 

DIE WELT: “Stange wird Mitte Februar in Damaskus erwartet…Syriens Traum von der ersten Teilnahme an einer Fußball-WM war erst in den Play-offs gegen Australien geplatzt. Syrien zwang die Socceroos im Rückspiel bis in die Verlängerung, schied nach der 1:2-Niederlage jedoch aus.”

Syrien – das große Wahlkampf-Tabu-Thema 2017: “Strandurlaub in Syrien”. PI. “Präsident Assad ruft seine Landsleute zurück, um Syrien wieder aufzubauen.” Der verlorene NATO-Stellvertreterkrieg gegen Syrien. Bundestagswahlkampf 2017 und Manipulationsmethoden der Mainstream-Medien. **

In Damaskus ist gerade die erste internationale Messe seit sechs Jahren zu Ende gegangen. 2,2 Millionen Besucher waren dort. Präsident Assad ruft seine Landsleute zurück, um Syrien wieder aufzubauen. CNN-Reporter Fred Pleitgen – Sohn des früheren WDR-Intendanten Fritz Pleitgen – berichtet über das Leben in der Stadt Latakia, in der die Menschen am Strand Urlaub machen und feiern (Video oben). Warum schicken wir die Syrer nicht nach Hause? Das Land ist in großen Teilen befriedet, der Asylgrund ist nicht mehr gegeben. Wieso wird jetzt auch noch der Familiennachzug der 390.000 genehmigt? PI

http://www.pi-news.net/video-strandurlaub-in-syrien/

Steffen Grimm, parteilos, Polizist – 2018 in Stichwahl zum neuen Bürgermeister von Sondershausen/Kyffhäuserkreis gewählt. CDU-Kandidat Schard unterlag. Entpolitisierung und niedrige Wahlbeteiligung…”Wir müssen forschen, dokumentieren und erinnern – auch weil die Lügner, Verschleierer, Relativierer und Schlussstrich-Befürworter weiter am Werk sind”. (Grimm-Buch: “Die SS-Totenkopfverbände im Konzentrationslager Buchenwald”) **

https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/ein-bescheuertes-land-a2415678.html?meistgelesen=1

http://artern.thueringer-allgemeine.de/web/artern/startseite/detail/-/specific/Steffen-Grimm-ist-neuer-Buergermeister-in-Sondershausen-395159185

Als größtes Problem für Steffen Grimm gilt unter Sondershäusern, daß  sein unterlegener Gegenkandidat Stefan Schard(Thüringer Mohring-CDU) just Hauptamtsleiter im Rathaus ist und über eine entsprechende Hausmacht unter Mitarbeitern verfügt – mit völlig anderen Werten, politischen Vorstellungen und Absichten als Grimm, wie der bisherige Kurs unter CDU-Bürgermeister Joachim Kreyer nahezu tagtäglich zeigte. Ob es in der jetzigen Rathaus-Mannschaft auch “Andersdenkende” gibt, so hieß es, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer abschätzen. Grimm stehe vor sehr komplizierten Personalentscheidungen.

Thüringer Allgemeine: Auch Stefan Schard war bereits bei Ihnen und hat gratuliert. Wie stellen Sie sich eine künftige Zusammenarbeit mit Ihrem ehemaligen Konkurrenten im Rathaus vor?
Für mich ist die Wahl jetzt Geschichte. Das Ergebnis steht fest. Es war von vornherein klar, dass nur einer das Rennen machen wird. Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass wir als Team zusammenarbeiten. Dass er seinen Job weiterhin so ausfüllt, wie er das bisher gemacht hat. Und ich würde gern auf ­seinen Erfahrungsschatz als Hauptamtsleiter zurückgreifen und ihn an meiner Seite wissen. Und mit ihm gern zusammenarbeiten. Mir liegt es fern, mich nach einem neuen Amtsleiter umzuschauen.
Im Stadtrat haben Sie keine Hausmacht. Keine Fraktion steht hinter Ihnen. Wie wollen Sie sich im Stadtrat durchsetzen?
Ich werde versuchen, die Fraktionen von meinen Ideen zu überzeugen. Am liebsten wäre es mir natürlich, wenn wir einen geeinten Stadtrat hätten, der wirklich nur zum Wohle der Sondershäuser Bürger entscheidet – unabhängig von parteiinternen Querelen oder Vorlieben. Das wird mir nicht gelingen, das weiß ich. Aber es wäre meine Vision.
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“Deutschland, ein Paradies für das Organisierte Verbrechen”. Berliner Tagesspiegel 2017.

“Leipziger Amtsgerichtspräsident entlarvt Kriminalstatistik 2017?:http://www.pi-news.net/2018/05/leipziger-amtsgerichtspraesident-entlarvt-kriminalstatistik-2017/

Wolting: „Sicherheit im öffentlichen Raum ist schlechter als je zuvor“. LVZ

http://www.lvz.de/Leipzig/Polizeiticker/Polizeiticker-Leipzig/Wolting-Sicherheit-im-oeffentlichen-Raum-ist-schlechter-als-je-zuvor

http://www.kyffhaeuser-nachrichten.de/news/news_lang.php?ArtNr=234807

KN:

Stichwahl am 29.04.2018 – vorläufiges Ergebnis Stand: 29.04.2018 19:34 Uhr
Erfassungsstand 23 von 23 Stimmbezirk/en
Wahlberechtigte 18 644
Wähler 7 894
Wahlbeteiligung 42,3 %
Ungültige Stimmen 65
Gültige Stimmen 7 829
hauptamtlich
Nr. Wahlvorschlag Stimmen % 

1 Schard, Stefan (CDU) 3 776 – 48,2 Prozent
2 Grimm, Steffen 4 053 – 51,8 Prozent(KN)

“Die SS-Totenkopfverbände im Konzentrationslager Buchenwald” – Autor Steffen Grimm

GrimmSteffenTotenkopf1

Ausriß.

https://www.amazon.de/Die-Ss-Totenkopfverb%C3%A4nde-im-Konzentrationslager-Buchenwald/dp/3842856458

–“Steffen Grimm wurde 1970 im thüringischen Sondershausen geboren. Nach Abschluss der polytechnischen Oberschule und einer anschließenden Berufsausbildung zum Elektromonteur in der DDR blieb er nach der politischen Wende 1989/90 in den alten Bundesländern und arbeitete hier in der freien Wirtschaft. Nachdem er den Wehrdienst absolviert hatte, ging er 1999, zunächst im mittleren Dienst, zur Thüringer Polizei. 2007 erhielt er hier die Möglichkeit zu einem Studium zum gehobenen Polizeidienst, in dessen Zusammenhang auch die vorliegende Studie entstand. Eigenes Interesse und bis dahin unzureichende Aufarbeitung des Themas, motivierten zur Studie und einer eindringlichen Recherche in den Archiven in Berlin, Weimar und Buchenwald. Der Autor lebt und arbeitet nach wie vor in Sondershausen / Thüringen.” amazon

AfD NRW 2017 – die hochbrisante Kleine Anfrage zu Nazis im Machtapparat des Bundeslandes nach 1945. Die Nazis/SS-Leute im BRD-Machtapparat:http://www.hart-brasilientexte.de/2017/10/07/afd-nrw-2017-die-hochbrisante-kleine-anfrage-zu-nazis-im-machtapparat-des-bundeslandes-nach-1945/

“Oh – das deutsche Fernsehen zeigt grade ukrainische Nazi-Soldaten mit SS-Runen und Hakenkreuz!…Nazis, die für eine gute Sache kämpfen…Wir nennen sie weiter Freiwilligenbataillone…Die Behauptung kommt in die erste Zeile, der Journalismus in den letzten Satz…TV-Kabarett “Die Anstalt”/ZDF zum aktuellen NATO-Stellvertreterkrieg in der Ukraine

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Ausriß.

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Ausriß.

“Wir müssen forschen, dokumentieren und erinnern – auch weil die Lügner, Verschleierer, Relativierer und Schlussstrich-Befürworter weiter am Werk sind”.

 

http://m.thueringer-allgemeine.de/web/mobil/politik/detail/-/specific/Achtungserfolg-mit-minimalem-Aufwand-430955280

OTZ:..Eine Wahlempfehlung zur Stichwahl am Sonntag wollen auch die Sondershäuser Linken nicht abgeben. Während sich die Stadtratsfraktion der Partei vor zwei Wochen für Babett Pfefferlein (Grüne) als Bürgermeisterin aussprach, äußert man sich nun vor der Entscheidung am Sonntag zu keinem der beiden Bewerber. „Die Sondershäuser sollten sich genau überlegen, ob sie sich für Weiterentwicklung oder Stillstand entscheiden möchten“, sagte Sigrid Rößner, Fraktionschefin der Linken im Stadtrat.

 Indes hatten sich bereits im Vorfeld des ersten Wahlgangs 20 Sondershäuser Unternehmer für den CDU-Kandidaten Stefan Schard als Bürgermeister ausgesprochen.
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Wie der Osten tickt. “Ofenfrische DDR-Brötchen” statt westlichem Backmischungs-Schrott. (September 2018, Kleinstadt in Thüringen) **

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http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2018/09/22/fuersten-prinzen-und-adelskult-in-thueringen-nach-dem-anschluss-von-1990-wohin-man-schaut-was-dahinter-steckt-in-der-winzig-kleinen-gruppe-des-hochadels-werden-rund-70-fuersten-prinzen-und-pr/

“Im Osten wachsen die Gettos”:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2018/05/31/im-osten-wachsen-die-gettos-superillu-mai-2018-neue-machthaber-deren-parteien-und-politmarionetten-kommen-bei-gesellschaftlicher-transformation-ostdeutschlands-weiter-gut-vorn-welche-politisch/

Hulda Wiesel – Auschwitzhäftling aus Oldisleben/Thüringen. In ihrem Heimatort existiert (aus inzwischen nachvollziehbaren Gründen) keinerlei Gedenken an die Verfolgte des Naziregimes, Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen sowie des “Arbeitserziehungslagers” Breitenau. “Hitlers willige Vollstrecker” in Oldisleben. **

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Auf Website-Anfrage übermittelte die Leitung des Archivs der Gedenkstätte Auschwitz im Oktober 2018 diese drei erhalten gebliebenen SS-Fotos.

Hulda Wiesel aus Oldisleben – Hintergrund:

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2018/08/03/hulda-wiesel-aus-oldisleben-verfolgte-des-naziregimes-ueberlebende-der-konzentrationslager-auschwitz-ravensbrueck-und-bergen-belsen-sowie-des-arbeitserziehungslagers-breitenau-1978-verstorben/

“Ich mußte das Blut der Erschossenen zusammenkehren” – KZ-Auschwitz-Häftling nahe Oldisleben.

“Ich war in Auschwitz, ich habe furchtbare Sachen erlebt. Ich mußte nach den Erschießungen an der Schwarzen Wand das Blut zusammenkehren.”

An der Schwarzen Wand wurden von der SS über 20000 Menschen ermordet.

DDR-Musik…

Besinnung:

https://www.youtube.com/watch?v=giQgcfKphkk

Wer die Rose ehrt:

https://www.youtube.com/watch?v=PrXATVhM0ls

MDR 2018 über die Presseberichterstattung zu Ostdeutschland, das kulturelle Erbe aus DDR-Zeiten: 

…Mehr an Kultur spiegelt sich nicht wider

“Kultur” ist dagegen ein Schlagwort, das nur in etwa jedem 15. Artikel im Zusammenhang mit Ostdeutschland enthalten ist. Auffällig ist diese Zahl vor allem, weil die neuen Länder (ohne Berlin) mit 2,4 Orchestern und Theatern pro 100.000 Einwohner gegenüber nur 0,9 Orchestern und Theatern pro Einwohner in den alten Bundesländern eine etwa zweieinhalbfache Kulturdichte haben…

Apfeltraum:

https://www.youtube.com/watch?v=lND0xOUi_xk

Zwischen Liebe und Zorn:

https://www.youtube.com/watch?v=u6OA55lJDs0

Tanzen:

https://www.youtube.com/watch?v=sZqUcHCR8yI

Ketten werden knapper:

https://www.youtube.com/watch?v=n38k_Y97dIU

Gelber Mond:

https://www.youtube.com/watch?v=WwLroRQrdho

Sehnsucht:

https://www.youtube.com/watch?v=B-5mwhfkBTQ

Als ich fortging:

https://www.youtube.com/watch?v=xP36_nAc69U

Als ich wie ein Vogel war:

https://www.youtube.com/watch?v=GN61ltef4TM

Hintergrundtext – “Die kulturelle Kolonisierung der Ex-DDR”:http://www.telegraph.ostbuero.de/104/hart.htm

http://www.trend.infopartisan.net/trd0901/t310901.html

Gänselieschen:

https://www.youtube.com/watch?v=oIU2qLcGUcs

https://www.youtube.com/watch?v=-ZV9dMl1gO4

Baggerführer Willi:https://www.youtube.com/watch?v=nFMjX_1AUJI

 

 

So starb auch Neruda:

https://www.youtube.com/watch?v=TqgweajopU8

“Chilenisches Metall” (Renft):

https://www.youtube.com/watch?v=osjdCZXhVJY&list=PL83pHiMfxhArUQ4RYdoCvWFDA7gax-UZz&index=6

Lied zu den Anden:

https://www.youtube.com/watch?v=ybLcVvlFb4c

Gelbe Straßenbahnballade:

https://www.youtube.com/watch?v=x4JDnN-U0fs

http://www.renft.de/pages/texte/chilenisches-metall.php

“Geisel bewaffnete Pinochet”, Qualitätszeitung O Globo, Rio de Janeiro.

Gauck trifft Chiles Präsidentin Bachelet, die nach dem US-gestützten Militärputsch gegen den gewählten Staatschef Allende in die DDR ins Exil ging.

http://www.renft.de/

Klaus-Renft-Combo live in Sangerhausen:https://www.youtube.com/watch?v=7ZBF28pCij4

Auffällig viele Führungsposten im Kulturbetrieb Ostdeutschlands, darunter Dirigenten, Intendanten etc., dürfen nicht mehr mit Ostdeutschen besetzt werden, wie die Faktenlage zeigt.

Silly – “Der letzte Kunde”:https://www.youtube.com/watch?v=5JVwiLqUerM

“Paradiesvögel”:https://www.youtube.com/watch?v=LoWlrqgijTw

http://www.songtexte.com/songtext/silly/paradiesvogel-bcf215e.html

Kultureller Kolonialismus und DDR-Spitzenbands wie Silly…

Tamara Danz aus Breitungen/Thüringen: “Die erste Nachwendescheibe wurde wegen zu `ostlastiger Texte`abgelehnt.” TA, Dez. 2017

Elektra – “Tritt ein in den Dom”:https://www.youtube.com/watch?v=JCkMpU-Mvks

Lift – “Am Abend mancher Tage”:https://www.youtube.com/watch?v=aCCGvfQ6UkA

Abendstunde, stille Stunde:

https://www.youtube.com/watch?v=AT4LXci-YBs

Wind trägt alle Worte fort:

https://www.youtube.com/watch?v=JGfAt-qxLWI

Soldat vom Don:

https://www.youtube.com/watch?v=IpCX0-H6_gM

Liebeslied:

https://www.youtube.com/watch?v=xeRmkw-BtQ8

Sommernacht:

https://www.youtube.com/watch?v=5yjfl35X7yU

Wasser und Wein:

https://www.youtube.com/watch?v=ylVIbOeyxXk

Du falsche Schöne:

https://www.youtube.com/watch?v=YwcDtRALKIA

 

Haben die neuen Machthaber nach 1990 zugelassen, daß sich auf dem Gebiet der Ex-DDR neue Bands  musikalischer  Qualität von Renft, Lift, Elektra, Puhdys etc. entwickeln konnten – oder wurde dies im Zuge kultureller Kolonisierung systematisch verhindert?

Die starke, experimentierfreudige Jazz/Free-Jazz-Szene in der DDR – ob man beim MDR davon schon einmal etwas gehört hat? DIE ZEIT zum  Thema, vorschriftsmäßig zwar stupide  ideologisch bis zum Erbrechen überfrachtet, aber wenigstens mit ein paar Fakten:http://www.zeit.de/2013/49/free-jazz-ddr/komplettansicht

Man hat es fast vergessen: Die DDR war Weltmeister im Free Jazz.

 

http://bayonmusic.de/

http://www.stern-combo-meissen.com/

http://www.frank-schoebel.de/

http://www.thomas-natschinski.de/

http://verlag.buschfunk.com/

Hintergrundtext:

telegraph #104
DIE KULTURELLE KOLONISIERUNG DER EX – DDR 

Klaus Hart

Die vielseitige Musikbranche der neuen Länder könnte ein wichtiger regionaler Wirtschaftsfaktor sein – stattdessen regierte auch hier nach der Wende Plattmacherei. Nur noch ein Bruchteil der Bands und Sänger ist aktiv. Auch Vertriebschefs, Veranstalter und Musikexperten kritisieren fehlende Chancengleichheit auf dem deutsch-deutschen Musikmarkt nach der Wende, sehen zahllose geschäftsschädigende Behinderungen, dazu Vorurteile und Scheuklappen bei den Kulturprodukte vermittelnden öffentlich-rechtlichen Sendern.

Merkwürdig Widersprüchliches erlebt derzeit das ostdeutsche Musikbusiness. Bands wie City, Puhdys und Karat, die vor dem Mauerfall teilweise jahrelang wegen der vielen günstigen Angebote öfters im Westen tourten als zuhause, gingen dieses Konzertmarkts größtenteils verlustig. Und spielen dafür im Osten jetzt selbst in kleinsten Städten und Dörfern, füllen für nicht gerade satte Gagen bequem jede Freilichtbühne, werden gefeiert, sind gefragt. Reinhard Lakomy sorgt sogar zweimal am Tag mit seinen Kinderlieder-Programmen für einen ausverkauften Dresdner Kulturpalast, hat auch mit den Erwachsenen-Songs landauf, landab im Osten volle Häuser. Sein Buch „Es war doch nicht das letzte Mal“ ist ein richtiger Seller, erreicht noch im Startjahr 2000 die vierte Auflage. Doch die interessante Nach-Wende-CD „Die 6-Uhr-13-Bahn“, ärgert ihn, wurde überhaupt nicht im Radio gespielt, wenig besser sieht’s bei den größten Lakomy-Hits aus. Auch anderen, mit Konzerten erfolgreichen Bands, Schlagersängern wie Frank Schöbel brach der Rundfunk-Tantiemenmarkt fast völlig weg, suchen deren Fans nur zu oft vergeblich in den Läden nach den neuesten oder älteren Scheiben. Dort wird jetzt vor allem die übermächtige Konkurrenz deutscher und englischer Zunge angepriesen, von Madonna bis Maffay, für die nach gängiger Regel zehn bis fünfzehn Prozent des CD-Endpreises abfällt. Sie hat in den neuen Ländern auch den hochprofitablen Radiomarkt im Griff, verdient bei Öffentlich-Rechtlichen wie Privaten pro gesendete Titelminute über zwölf Mark. Da kommen für die Autoren, sogar solcher Oldie-Schnulzen wie „Der Junge mit der Mundharmonika“, hübsche Summen zustande, wie man selbst als Gelegenheitshörer leicht erfasst. Pech für die Ostmusik. Denn wer heute nicht ständig in den deutschen Radios und im TV präsent ist, gut vermarktet wird, Hörgewohnheiten schafft und bedient, kann seine Popularität schwerlich halten, verkauft keine Tonträger, wird zwangsläufig meist zum Ladenhüter. Denn von jedem gesendeten Titel geht – banale Tatsache – ein mehr oder weniger starker Kaufimpuls aus. Der erfreuliche Nebeneffekt fällt für all jene flach, die von den Selektoren nicht für gut, passend befunden werden. Ostbands und -sänger suchen dies mühselig durch möglichst viele Konzerte auszugleichen, haben von Jahr zu Jahr deutlich mehr Zuspruch. Nachfrage, Bedarf nach dem Ostprodukt Musik ist also da, nur wird sie, entgegen marktwirtschaftlicher Logik, weder zeitgemäß gefördert noch befriedigt. Nicht zufällig sprechen deshalb sogar Bands wie „City“ von Fremdbeherrschung, beobachtet Buschfunk-Chef Klaus Koch „kulturelle Kolonialisierung“.

An der Musik-Qualität kann’s nicht liegen – die ist im Musikgeschäft Weißgott nicht alleiniger Maßstab. Schließlich schoss Big-Brother-Christian mit „Es ist geil, ein Arschloch zu sein“ auf Platz Eins der Single-Charts, die TV-PR bekam ihm bestens. Von Container-Kollege Sladko setzte der Musikkonzern BMG an die 880 000 Singles ab. Andererseits, weiß der Ostdeutsche Jörg Stempel, Amiga-Label-Manager bei BMG, geben Plattenfirmen häufig Millionen für Neue Bands und Sänger aus, die sie für sehr gut und marktgerecht halten. Und dann floppen die trotzdem. Doch selbst die alten Hasen im Geschäft brauchen permanente, teure Imagepflege, sonst läufts nicht. Für das Maffay-Konzert im Juni in der Wuhlheide wurde deshalb schon ein halbes Jahr vorher Ostberlin mit Postern nebst Hinweis auf die neueste CD beklebt, Sponsoren bzw. Mitveranstalter wie das ZDF, BMG und zwei Berliner Privatradios ziehen beim Marketing an einem Strang, um einem deutschen Künstler zum Erfolg zu verhelfen, seine Tonträger an den Mann zu bringen. Die neuesten Grönemeyer- und Heinz-Rudolf-Kunze-CDs werden etwa in Berlin ebenfalls unübersehbar per Riesenposter beworben, in den Radios permanent vorgestellt. Doch als der im Osten nach wie vor sehr beliebte Sänger und Pianist Holger Biege für sein Januar-Konzert im Prenzlauer Berg die Promotion anlaufen lässt, sämtliche Berliner Blätter auch mit dicken Pressemappen versorgt, wird er allen Ernstes nicht mal wenigstens bei den täglichen Veranstaltungstipps erwähnt. „Die Berliner Zeitungen schneiden mich total“, sagt Biege zum telegraph nach seinem Auftritt vor trotzdem vollem Haus, „die Medien nehmen mich nicht wahr.“ Um aber wieder wie einst nicht nur vor Hunderten, sondern Tausenden spielen zu können, so wie mit Veronika Fischer 1979 gar im Palast der Republik, braucht er ebenso wie Maffay gerade die Medien als sensible, verständnisvolle Vermittler. Anders als Autos, Bier oder Waschmittel sind Produkte der Kulturindustrie nun einmal darauf angewiesen. Länder wie Großbritannien machen’s vor – da ist die Regierung stolz, dass die Musikexporte die der Stahlindustrie an Wert übertreffen.

Sonderfall Sachsen 
„Ostdeutschland hat die besser ausgebildeten, Westdeutschland die besser vermarkteten Künstler“, sagt Hansjoachim Seiferth, einer der führenden Musikproduzenten in den neuen Ländern, künstlerischer Leiter in der Schleizer Harmonika Lied-Text GmbH, 1990 gegründet. Der Autor, Regisseur und Redakteur arbeitet in Sachsen – da hat die Musikbranche des Ostens erstaunlicherweise ihre größte Nische, werden die alten Profis, neuen Talente, soweit es geht, eindeutig am meisten gepflegt und gefördert. Mit ziemlichem Rückenwind des öffentlich-rechtlichen MDR, der damit regional und überregional Quote macht. Seiferth hat vierunddreißig Jahre Unterhaltungserfahrung, produzierte über achthundert TV-Sendungen. Die Harmonika Agentur stellt zudem Live-Veranstaltungen jedes Genres auf die Beine, besetzt auch da jede nur mögliche, von den marktbeherrschenden Großveranstaltern der alten Bundesländer gelassene Nische. „Bis wir unsere materielle und finanzielle Basis für dieses Geschäft gesichert hatten“, so Seiferth, saßen die im Osten bereits fest im Sattel. „Das gewinnbringende Geschäft mit den Spitzenstars ist ausschließlich in der Hand der bekannten Westprofis. Die meisten Ostveranstalter haben keine gesicherte Basis, leben von der Hand in den Mund, können größere Verluste nicht mit, langem Atem` wegstecken.“ Musikvermarkter Harmonika, hat inzwischen jenen langen Atem, ist unübersehbar ein regionaler Wirtschaftsfaktor, bindet viele andere Unternehmen mit ein. Dennoch ist Seiferth unzufrieden, will den Durchbruch, raus aus dem Nischendasein, die reelle Bewertung seiner Künstler auf dem gesamtdeutschen Musikmarkt. „Wer fehlende Chancengleichheit für ostdeutsche Künstler kritisiert, hat Recht“, konstatiert er, „bis heute nehmen sowohl ARD und ZDF als auch die privaten Sender kaum Notiz von der mitteldeutschen Unterhaltungsszene, erfüllen die Medien ihre Vermittlerrolle schlecht oder gar nicht.“

„Vorauseilender Gehorsam oder Blödheit“
Seine Medienkritik wendet der Schleizer Musikproduzent natürlich nicht gegen MDR 1 Radio Sachsen – der ist ARD-weit Ausnahme von der Regel. Joachim Schlese, Leiter der Redaktion Musik und Unterhaltung, pflegt ganz Antitrend, kaum wie in anderen Sendern üblich, die populäre Tonkultur Kaliforniens oder Schottlands auch mittels reichlichem Tantiemenfluss, sondern mit siebzig, achtzig Prozent aller eingesetzten Titel die deutsche, vorrangig ostdeutsche, regionale. Nach gängiger Lesart müsste solche abwegige Auswahl Schleses Radio eigentlich im sächsischen Stationen-Ranking für immer auf einen der untersten Plätze verbannen. Falsch – Radio Sachsen ist seit Jahren unangefochten die Nummer Eins, bei solcher Quote kann Schlese keiner an den Karren fahren. Und je besser die Einschaltquote, umso höher sind die Werbeeinnahmen. Klar macht ihn das stolz und selbstbewusst: “Solange ich Musikchef bin, bleibt diese 70-30-Aufteilung, wir haben uns da von Anfang an nicht beirren lassen.“ In vielen Sendern sitzen Überflieger, Ex-DJs auf solchen Posten, schwankende Blätter im Wind, den die gewieften PR-Agenten der Musikkonzerne machen – Schlese dagegen ist Vollprofi. In Dresden wuchs er auf, hat an der Hochschule für Musik seinen Abschluss gemacht, das berühmte Dixieland-Festival, das Schlagerfestival entwickelt, gemanagt. „Ich habe Musikgeschichte im Blut“. Als Anfang der Neunziger scheinbar niemand mehr auf Ostprodukte, auch die kulturellen stand, nach allem griff, was neu und besser verpackt war, Interpreten und Bands inbegriffen, handelte Schlese „intuitiv“: “Die Leute aus der Unterhaltungsbranche, mit denen ich aufwuchs, sind gut – und deshalb spielen wir sie auch, ob Jiri Korn, Rote Gitarren aus Polen, unsere eigenen wie den Leipziger Frank Schöbel, Gabi Rückert, Uta Bresan, Lift, Elektra, Stern Meißen und die vielen anderen.“ Die liegen auch immer in der Hitparade ganz vorne, „in manchen Sendungen spielen wir neunzig Prozent Ostmusik, es gibt keine Stunde ohne Ost-Titel!“ Wo dann die Radio-Tantiemen vor allem hinfließen, welchen Künstlern damit die zumindest magere Existenz ermöglicht wird, weiß der Radiomann sehr wohl – schließlich haben öffentlich-rechtliche Sender den Programmauftrag, sich um die Regionalkultur zu kümmern. „Damit strahlen von Radio Sachsen selbstverständlich auch wirtschaftliche Impulse aus – wenn wir ausführlich über Musiker und deren Konzerte berichten, gehen mehr Leute hin, machen Veranstalter und Gastronomie mehr Umsatz, gibt’s mehr Steuereinnahmen für die Region, dient es dem Image Sachsens.“ Dies könnte ganz anders, gar nicht so positiv laufen, denn alles, weis er aus Erfahrung, hängt von den Leuten an der Senderspitze ab. In jedem Ost-Funkhaus sind die Personenkonstellationen anders: “Wenn der Musikchef aus Leipzig oder Dresden stammt, für Sachsen verantwortlich ist, hat der ein ganz anderes Gespür, Fingerspitzengefühl als einer, der aus Hamburg oder München kommt.“ Wer bestimmte Künstler eben nicht in seiner persönlichen musikalischen Biographie, in seinen Hörgewohnheiten hat, so sehen es viele gelernte Radiomacher des Ostens, entscheidet anders, wählt ganz andere Titel aus. Doch dann gibt’s auch noch die Wendehälse, peinliche bis lächerliche Figuren: „Ossis in Musikredaktionen“, so ein Profimoderator, „suchen manchmal dieselben Songs wie Westdeutsche heraus, aus Opportunismus, vorauseilendem Gehorsam, oder schlicht Blödheit.“

Und schon sind wir zwangsläufig bei den deutsch-deutschen Befindlichkeiten, heiß diskutiert. Schlese witzelt über jene „Neunmalklugen“ des von einem westdeutschen SPD-Intendanten geführten ORB, die wegen ihrer englisch dominierten Musikfarbe Radio Sachsen massenhaft brandenburgische Hörer zutrieben. In die Dresdner Redaktion flattern monatlich bis zu achttausend Briefe und Karten, sensationell viel, stets sind mehrere tausend aus Brandenburg dabei, sogar von Radio-Sachsen-Fangruppen. Eine regelrechte „Aktion MDR“ habe es gegeben – da sei gefordert worden, Antennen so aufzustellen, dass ganz Brandenburg Radio Sachsen empfangen könne. „Weil wir so viel deutschsprachige Musik bringen – die wollen die Leute hören, ob ostdeutsch oder nicht.“ Ganz schlimme Briefe seien sogar an Ministerpräsident Stolpe gegangen, ohne Resultat. Erst als Antenne Brandenburg gemäß letzter Media-Analyse weiter abstürzte, wurde man aufmerksam. „Ein bissel spät – denn wer uns bisher hörte, tut das auch künftig.“ Nur ist Radio Sachsen alleine gar nicht in der Lage, den Trend umzukehren – da müssten auch andere Rundfunksender, zumindest die öffentlich-rechtlichen, gemäß Programmauftrag mitziehen, der ostdeutschen Musikbranche etwas unter die Arme greifen.

Interne Musik-Absprachen zwischen Werbekonzernen und Sendern
Wenigstens der ORB schwenkt ein bisschen um. Wolfgang Martin, Musik-journalist, Ex-DT 64, Musikchef von Antenne Brandenburg, bestätigt die Abwanderung von ORB-Hörern zu Radio Sachsen, die mehr Deutsches, vor allem Schlager, bevorzugen. „Wenn die uns davonlaufen, muss man nachdenken, was wir falsch machen.“ Seit September 2000 ist eine Programmänderung in Kraft, Martin nennt es „back to the roots“. Der äußerst magere Zwanzig-Prozent-Anteil deutscher Titel wurde auf fünfunddreißig erhöht, etwa ein Viertel, ein Fünftel davon ist Ostmusik, meist im Nachtprogramm versteckt, immer noch längst kein Vergleich mit Radio Sachsen, aber wenigstens ein Anfang. Weshalb die Sender Berlin-Brandenburgs sich so hartnäckig an ihre hohe Quote englischer Songs klammern, liegt laut Insidern an der bekanntlich mit harten Bandagen kämpfenden Werbewirtschaft, ohne die alle Privatradios aufgeschmissen wären. Und auch den Öffentlich-Rechtlichen ist ihre Teilhabe am Werbekuchen immer wichtiger, der immerhin jährlich bei rund zwei Milliarden Mark liegt – aufs Fernsehen entfallen sogar über dreizehn Milliarden. „Die Werber wollen den deutsch-freien Sender“, kritisiert Joachim Neubauer, Vorstandsmitglied im Deutschen Musikverleger-Verband, „fünfundneunzig Prozent der Hörer verstehen kein Englisch, werden nur musikberieselt. Kommt dann eine deutschsprachige Werbebotschaft, wird die verstärkt wahrgenommen.“ Und darum geht’s ja. Neubauer zum telegraph: „Die Werbewirtschaft nimmt direkt Einfluss auf die Musikauswahl der Sender – das ergab meine Recherche. Die Redakteure werden das natürlich immer bestreiten.“ Radio-DJs hätten oft nur starre Richtlinien zu befolgen, wüssten gar nichts von den Abmachungen der Programmverantwortlichen. „Wer was anderes spielt, wird gefeuert – so einfach ist das.“ Bei den internen Absprachen zwischen Werbewirtschaft und Sender läuft es danach genauso wie heute bei Grundsatzentscheidungen der Machteliten in der hohen Politik – „nichts Schriftliches“. Man rede sich gewöhnlich mit Hörerumfragen, Publikumsgeschmack heraus. Sender, die mehr Englisches bringen, betonten andere Insider, werden auf der Stelle mit höheren Werbeeinnahmen belohnt. Der Begriff „deutschfreier Sender“ ist übrigens völlig normal und üblich in der Werbebranche.

„Die Leute wollen Osttitel“
Mögen die Dinge beim ORB so liegen oder nicht, bei neuerdings etwas höherem Deutsch-Anteil ist jedenfalls auch auf einmal mehr Platz für den eingangs erwähnten Holger Biege, der steigende Tantiemeneingänge registriert. Musikchef Martin wusste schon lange, dass die Brandenburger mehr davon wollen. “Die vollen Konzerte zeigen, dass das Bedürfnis nach Ostmusik groß ist – Lift, Elektra und Stern Meißen haben mit ihrem gemeinsamen, Sachsendreier‘ direkt einen Boom, Bands, die dichtmachten, starten deshalb wieder neu.“ Natürlich wollte die zuvor sture ORB-Senderspitze wissen, ob das regionale Publikum tatsächlich mehr Östliches hören will. „Wir machten gleich eine Wunschhit-Aktion und merkten“, so Martin, „die Leute wollen die Osttitel wirklich, die Reaktion auf mehr Ostmusik war durch die Bank positiv.“ „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys oder Karats „Sieben Brücken“ seien ja auch regelrechte Hymnen, würden sogar von Privatsendern gespielt. In den Antenne-Brandenburg-Oldie-Charts gebe es das Phänomen, dass immer DDR-Titel vorne seien, wochenlang beispielsweise die Puhdys, Karat oder Neumis Rockzirkus. Dabei sind die den Hörern zur Auswahl angebotenen Osttitel lediglich eine kleine Minderheit, werden linientreu natürlich meist anglo-amerikanische gestartet. Dass dennoch manche Gazetten, Magazine und Politiker gleich wieder von Ostalgie, Ostlastigkeit, rückwärtsgewandter DDR-Sehnsucht zetern, Oststars als „DDR-Altlasten“ runterwerten, tut Martin ebenso wie Schlese als lächerlich ab, man sollte das ganz sachlich sehen. Werfe jemand den Bayern vor, dass sie ihre Regionalbands mögen, oder den Nordrhein-Westfalen ihre Pflege der Karnevalscombos? Genauso verhalte es sich mit der Ostmusik, für zu viele Entscheider im oder aus dem Westen wie so manches ostwärts eine ästhetische Zumutung. „Vorbehalte, Vorurteile gegenüber Ostmusik sind bei West-Musikredakteuren sehr stark.“ Brandenburger Martin weiß, dass westdeutsche Musikredakteure, die man bewusst auf Toppositionen in Ostsendern hievte, natürlich eine völlig andere Sicht der Problematik haben. Er spielt unter anderem auf den Westberliner Peter Radszuhn an, Musikchef beim ORB-Radio Eins. “Der sieht das natürlich ganz anders.“ Bei sich selber Vorurteile abzubauen, sei nun mal sehr schwer. „Das kann ich gut nachvollziehen.“ Radio Eins liegt ziemlich weit hinten in der Hörergunst Berlin-Brandenburgs. “Da könnte man fragen, ob das an der Musikauswahl liegt“, lacht er. Radszuhn erwartungsgemäß: “Es gibt keine Zensur, aber es muss ins Programm passen.“ Man probiere, das Beste der Pop- und Rockmusik der letzten dreißig Jahre ins Programm zu bringen – aber die Puhdys laufen bei uns nicht, das ist nicht unser Sound. Marius Müller -Westernhagen auch nicht, der ist uns zu betulich geworden.“ Natürlich gebe man durch die Musikauswahl automatisch einen Kaufimpuls, forme Geschmack, Hörgewohnheiten. 
Auch der SFB weist Vorwürfe zurück, Ostmusik zu benachteiligen.

Auffällige Disproportionen bei Tantiemen
ORB- Antenne-Musikchef Martin ist die wirtschaftliche Dimension einseitiger Titelauswahl, die Wirkung in Heller und Pfennig sehr bewusst. „Westdeutsche Künstler verdienen in den Ostradios viel mehr an Tantiemen als die ostdeutschen, letztere aber eben sehr viel weniger in den Westradios.“ Dass die Wende Ersteren finanziell sozusagen einen warmen Regen ohne Ende brachte, weiß Arndt Bause, des Ostens erfolgreichster Schlagerkomponist, aus allererster Hand. Gäbe es in der DDR die Goldene Schallplatte, er hätte mindestens fünfzehn davon, gar nicht so wenige seiner rund 1300 Tanzmusiktitel wurden auch im Westen Hits. Schon zehn Jahre vor der Wende hat er ein Dauervisum und drei West-Limousinen, kennt drüben alle Großen des Musikbusiness persönlich und natürlich auch seine ebenso erfolgreichen Komponistenkollegen. Nach dem Mauerfall sagt ihm einer in München: “Junge, Bause, ich kriege jetzt immer jährlich Hunderttausende Mark mehr, weiß gar nicht, wo ich das verdient haben soll!“ Der geborene Leipziger kontert schlagfertig, ironisch: “Das ist eigentlich mein Geld, das ist aus den neuen Bundesländern, denn Du bist jetzt auf meinem Markt, wo ich kaum noch gespielt werde!“ Dabei kommt Bause immer noch vergleichsweise bestens über die Runden, Hits wie „Sing mei Sachse sing“ sind gerade in seiner Heimat schwerlich totzukriegen. Doch so viele andere Komponisten, Texter, Schlagersänger, alles Freischaffende wie er, hatten nach der Wende plötzlich keine Arbeitsstelle mehr, keine Anlaufstelle, überlebten den Tantiemenabfall beruflich nicht, hatten kein Anrecht auf Arbeitslosenunterstützung. Manchen gehe es existenziell richtig schlecht. „Da gibt’s viele tragische Fälle – Andreas Holms Frau hat glücklicherweise eine Bockwurstbude in Westberlin.“ Bauses ebenfalls hochmusikalische Tochter Inka, ausgebildete Schlagersängerin, hat’s aber im Westen gepackt, ist eine ganz, ganz große Ausnahme, moderiert eine TV-Sendung im Hessischen Rundfunk. „Damit verdient sie aber mehr als mit Singen – das macht die nebenbei, als Luxus.“ Auch Bause hatte nach der Wende Illusionen. „Mit dem Markt kann gar nichts passieren – ich kenne die wichtigen Leute drüben ja alle. Bis ich merkte – die wollen nichts von uns. Der Westen wollte nur unseren Markt von sechzehn Millionen CD-Käufern, aber nicht unsere Künstler, die Autoren gleich gar nicht.“ Symptomatisch ist für ihn der Umgang mit der einzigen DDR-Schallplattenfirma Amiga. Die Treuhand gab sie mit Hintersinn ausgerechnet an einen norddeutschen Autohändler. „Der hatte von Schallplatten überhaupt keine Ahnung, andere Absichten.“ Denn der Stammsitz war das schöne Reichstagspalais am Brandenburger Tor. Als man das dem Autohändler mitvermachte, war klar, man wollte es zurück. „Der Autohändler erhielt vier oder fünf Filet-Grundstücke in Berlin-Mitte geschenkt – für ihn war damit die Schallplattenfirma erledigt, so lief der Trick!“ Bause weiß von vielen solcher Deals, über die nie etwas veröffentlicht wurde. Danach hatte der Radio- und TV-Abwickler Mühlfenzl den verdeckten Auftrag, alle DDR-Schall- und Filmarchive an den Medienmogul Leo Kirch zu verkaufen. „Ein ganz mutiger Ossi bekam davon Wind, flog auf der Stelle nach Frankfurt/Main zum Bundeszentralarchiv, erklärte denen: “Wenn ihr nicht sofort alles beschlagnahmt, hat’s Kirch!“ Andernfalls müsste der ORB heute von ihm für jeden DDR-Film, jedes Musikdokument erst die Rechte teuer kaufen. Doch so leicht ist Bause nicht ganz aus dem Geschäft zu drängen, machte ein Kindermusical, das ein Fahrradhersteller sponsert, produziert andere Künstler, komponiert der Not gehorchend sogar Werbetitel, Volksmusik. „Ist nicht mein Niveau, sage ich Ihnen ehrlich.“ Als das MDR-Fernsehen letztes Jahr über vier Stunden ihm einen „Langen Sonnabend“ widmet, ist die Resonanz direkt überwältigend, mit Kauf -und Wirtschaftsimpulsen aller Art: Ein sächsischer Tiefkühlkost-Hersteller engagiert Bause prompt für eine Werbe-CD, klärt ihn auf, wie Marktbereinigung in anderen Branchen funktioniert. Ihm habe eine weit größere westdeutsche Firma für seine drei Produktionsstandorte fünfzehn Millionen Mark geboten, um sie nach dem Kauf sofort dichtzumachen. Aber weil das zweihundertsechsundachtzig Sachsen den Arbeitsplatz gekostet hätte, sagte Bauses neuer CD-Auftraggeber ab. Nach Reinhard Lakomys unerwartetem Bucherfolg brachte der Verlag „Das Neue Berlin“ jetzt ein von Bause verfasstes, spritzig-polemisches Insider-Werk, „Der Mann mit der goldenen Nase – über Hits und das ganz normale Leben“ heraus, Gisela Steineckert liefert darin die Gegenstandpunkte. Doch dass er ausgerechnet im wichtigsten öffentlich-rechtlichen Hauptstadtsender ausgebremst wird, noch zehn Jahre nach der deutschen Einheit, das bringt ihn hoch. Nachdem der SFB Ende letzten Jahres mal in einer Sendung drei Titel von ihm spielte, habe ein Abteilungsleiter bekundet, diese von der DDR-Regierung verordnete Musik nicht mehr im Sender hören zu wollen. “So was ist reine Dummheit – regierungsverordnete Musik machte ich nie. Der SFB tut so, als hätten die anderthalb Millionen Ostberliner keine musikalische Vergangenheit – wir werden ausgegrenzt, und das ist kriminell. Diese nicht unerhebliche Klientel muss berücksichtigt werden.“
Alles nur gekränkte Eitelkeit eines Ex-Privilegierten mit Künstlermarotten?

Musikvertrieb mit Hindernissen – „Medienmanipulation schlimmer denn je“
BMG-Manager Jörg Stempel, der mit seinem Amiga-Label seit 1994 für den Gütersloher Weltkonzern nach eigenen Angaben jährlich um die zehn Millionen Mark Umsatz einfährt, haut interessanterweise in die gleiche Kerbe. „Ostbands spielen wir nicht“, hört er ganz unverblümt bei seinen Promotion-Touren durch öffentlich-rechtliche Sender der Alt-Bundesländer, kriegt es sogar schriftlich. Und das immerhin sogar bei einer Gruppe wie City, die durch ihren Hit “Am Fenster“ noch vor den Puhdys im Westen am bekanntesten ist, als einzige Ost-Gruppe von BMG nicht nur Gold, sondern sogar Platin verliehen bekam. Stempel und sein Team stellen sich auf den Kopf, um brandneue Titel oder Ost-Oldies auf die sogenannte Playlist der Radios zu kriegen, vergeblich. Denn wer auf dieser Liste steht, wird zehnmal und mehr pro Woche gespielt, was natürlich, wie überall auf der Welt, Riesenauswirkungen auf die CD-Verkäufe hat. Wenn also ein Musikchef dem Promoter Stempel erklärt, dass er ihm den City-Titel erst gar nicht vorzuspielen brauche, heißt das mit anderen Worten: Bei anderen Künstlern werden die Verkäufe hochgetrieben, aber nicht bei denen aus dem Osten. Das ärgert Stempel schwarz, ist geschäftsschädigend für ihn und alle am Amiga-Label hängenden Ostkünstler gleich mit. Die sind deswegen zehn Jahre nach der Wende spürbar nicht gerade auf einem Stimmungshoch, ganz im Gegenteil. Hinzu kommt: “Wir haben kaum Geld, um richtig PR, Marketing zu machen!“ Das liegt an den Oberentscheidern in Stempels eigenem Hause. Und ohne knackiges Marketing, siehe oben, floppt heutzutage selbst beste Qualität. „`Ne Menge guter CDs mit richtig geiler Musik“, so der frühere Puhdys-Manager zum telegraph, „fällt deshalb einfach durch die Roste. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass die Ostbands auf dem Radiomarkt, der wichtige Kauf- und Geschäftsimpulse gibt, gegenüber vergleichbaren Rockbands aus dem Westen benachteiligt werden.“ Bitter, wenn Stempel mitansehen muss, wie neue CDs seines Labels wegen mangelnder PR ein Flop werden. 
Disponenten beobachten täglich die „Warenbewegungen“, fragen irgendwann bei ihm an: “Können wir die Ware vernichten?“ Mit zwanzig, dreißig Sängern, Gruppen ging ihm das so, Namen will er aus Fairness nicht nennen, weil der Misserfolg am „Markt“ nichts mit dem Wert der Musik zu tun habe. „Ohne Lobby, Beziehungen läuft im Westen nichts, das ist viel, viel schlimmer als damals im Osten mit Vitamin B, Connections.“ Jazzerin Uschi Brüning: “Der Westen bewegt sich in seinem eigenen Filz.“ Manche im Westen hätten die Grundeinstellung, so Stempel, Ostmusik sei hinterwäldlerisch, sowieso immer durch Stasi und Kulturministerium kontrolliert worden, die Texte – eine Art spezieller DDR-Poesie, für Westhörer gar nicht verständlich. „Alles fadenscheinig. Ich sehe in Deutschland definitiv keine Chancengleichheit für Künstler, Bands aus dem Osten, die werden überall behindert, Fußangeln vorne und hinten, geschäftsschädigend. Deshalb sind die meisten auch frustriert – zu Recht. Ganz anders als vor der Wende geben beispielsweise die Puhdys von hundert Konzerten nur noch an die acht im Westen, Karat und City eventuell fünf. Anderen geht’s genauso.“ Stempel weiß sehr gut, wie viele gute Musiker Brief- und Zeitungsausträger, Versicherungsvertreter, Steuerberater, Gelegenheitsjobber wurden. Über Presse, Rundfunk, Fernsehen weiß er zwangsläufig durch täglichen Kontakt mehr als genug, hat jede Menge Insiderinformationen. Und urteilt deshalb: “Die Medienmanipulation ist derzeit schlimmer denn je – ich werde nirgendwo mehr objektiv informiert, fühle mich wirklich auf übelste Art und Weise manipuliert.“
Andere Völker, andere Sitten und Geschmäcker in der globalisierten Welt, man wird ja mal vergleichen, über den Gartenzaun schauen dürfen. Stempels BMG hat beispielsweise in Brasilien, einem der führenden Musikmärkte, die größten nationalen Stars, wie Chico Buarque und Caetano Veloso, unter Vertrag, macht für die enorme PR. Einheimische Künstler halten bequem einen Marktanteil von etwa achtzig Prozent auch im Radio, jede mittlere Sambakapelle setzt mehr CDs um als etwa Madonna trotz Millionenmarketing auch am Zuckerhut. Doch die Alte Welt bewundert sie, macht den ganzen Kommerz-Kult ungebrochen mit, hält sie gar für den Inbegriff neuer weiblicher Erotik, die Sender, Gazetten und Illustrierten jubeln die Kalifornierin hoch – doch in Brasilien wird der US-Star von Anfang an gnadenlos verrissen, ausgelacht, selbst der brasilianische „Playboy“ nennt sie öde, plump, grob und langweilig, lässt kein gutes Haar an ihr, singen könne Madonna gleich gar nicht.

Buschfunk im leichten Aufwind – „kulturelle Kolonisierung“
Dr. Klaus Koch, Gründer, Chef der Buschfunk Musikverlag GmbH in Berlin, hat nicht Stempels Temperament, gilt als „pessimistischer Optimist“, eine durchaus treffende Beschreibung, und ist am Erfolg des 94er BMG-Amiga-Labels beteiligt. Denn Buschfunk existierte bereits seit Ende 1989, als außer Koch und ein paar anderen Versprengten wohl wirklich alle Welt, inbegriffen die BMG-Spitze, dachte, dass es mit der Ostmusik nie und nimmer mehr was werden würde. „Wissen Sie, was das für ein Gefühl war, drei Jahre nichts zu verdienen, grade mal die Benzinkosten, während andere mit dicken ABM-Geldern durch die Gegend liefen?“ Dann steckte auch noch sein Kompagnon auf, „wegen fehlender Gewinnaussichten“. Heute, elf Jahre später, läuft das Unternehmen stabil, hat fünf feste Mitarbeiter. „Mein Glück war, dass ich mir keinen Wessi reingeholt habe – weil das ja fast immer schiefging.“ Ostdeutschlands wichtigstes Label, dazu größter unabhängiger Musikvertrieb und Mailorder-Versand mit an die Zwanzigtausend stabilen Kunden, macht einen Jahresumsatz von über vier Millionen Mark, vertreibt auch Stempels Amiga-Scheiben mit, doch vorwiegend inzwischen Eigenproduktionen. „Bestimmte Handelsketten begriffen, dass wir Verkaufsfähiges haben – da kommt es dann auch zu einer vernünftigen Zusammenarbeit“. Konkurrenz? „Die Marktchancen sind so klein, dass da kaum noch jemand Platz hat.“ Koch organisierte außerdem über achthundert Konzerte, ganze Tourneeprogramme. Buschfunk ist nach wie vor für viele Ost-Künstler überlebenswichtig, die nach der Wende schlagartig überhaupt keinen Ansprechpartner mehr hatten. „Denn auf einmal“, erinnert sich Koch, “war alles westlastig, saßen in den Entscheidungsgremien Westdeutsche, die nicht wussten, was das da für Bands, Interpreten waren, ob und welchen Wert, Verkaufswert die haben. Da brachte man natürlich die Künstler aus der eigenen West-Biographie, die man kannte, rein ins Geschäft.“ Kein Hahn krähte damals nach Gerhard Schöne, keiner wollte ihn haben – und so produzierte, vertrieb eben Buschfunk 90/91 dessen erste, wider Erwarten gut verkaufte CD, danach weitere, erhielt prompt den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ und den „Leopold-Medienpreis“ – die Scheiben stehen alle bei Karstadt, Kaufhof, Saturn, Media-Markt. „Gerhard Schöne ist fast der einzige Ost-Künstler, der den Dresdner Kulturpalast füllt – aber weil er im Radio nicht vorkommt, denken viele, den gibt’s gar nicht mehr.“ Die Ostikone Gerhard Gundermann, Baggerfahrer, natürlich auf Kochs Label, ist leider verstorben, trat sogar zusammen mit Bob Dylan und Joan Baez auf. Die Engerling-Blues-Band hat auch nach der Wende noch Kultstatus, lässt sich von Buschfunk vermarkten. An die siebzig eigene CDs zählt der Katalog inzwischen, viele davon bekamen Preise, gehen an rund Zweitausendfünfhundert Läden in ganz Deutschland, dazu noch Konzertvideos und Liederbücher. Nach dem Beispiel des zwar hochgelobten, doch nicht im Radio gespielten Gerhard Schöne vorsichtig geworden, fragt man, welche Buschfunk-Künstler denn noch so in den Sendern des vereinigten Deutschlands keine, so gut wie keine Chancen haben. „Alle“, reagiert Koch trocken, „die Nischen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk werden immer kleiner, der gleicht sich den Privaten an. Ich habe mich damit abgefunden.“ Damit meint er auch jene von Reinhard Lakomy bei sich zuhause produzierte, natürlich von Buschfunk vertriebene Ost-Befindlichkeiten-CD mit Titeln wie „alles Stasi, außer Mutti“. Andere Künstler, wie Schöne, kommen wirklich bestenfalls mal beim MDR auf den Teller, der immerhin eine CD des Liedermachers zusammen mit Buschfunk produzierte. Doch ausgerechnet drei Spiele sind das „unmusikalische Standbein“ ,von einer Art DDR-Monopoly (Überholen ohne einzuholen, Es geht seinen Gang, Bau auf!) setzte die im Prenzlauer Berg beheimatete GmbH über Zweihundertfünfzigtausend Stück ab, wurde damit nebenbei auch erfolgreichster ostdeutscher Spielehersteller. Und bekam dadurch, so Idealist Koch, das Geld rein, um CDs zu produzieren, die sich nie rechnen würden. Dem gelernten Kulturwissenschaftler, früheren Leiter des Leipziger Studentenklubs „Moritzbastei“ geht’s um die Pflege einer „kulturellen Identität der Ostdeutschen“, um „poetisch engagierte deutschsprachige Musikkultur“. Daher weiß er auch sehr genau, wer sich überhaupt, und mit wie viel, noch so über Wasser hält im Osten. „Wir waren bestimmt das Liedermacher-reichste Land der Welt – doch von jeweils hundert sind höchstens fünf übriggeblieben.“ Ähnlich sind die Relationen bei den Rockbands, auch da wurde künstlerische Ost-Kompetenz reichlich plattgemacht. Von den wenigen „Großen“ abgesehen, liegen heute die Einkünfte der freiberuflichen Künstler im mittleren ostdeutschen Niveau, bei etwa Siebzigtausend Mark brutto, „meistens eher darunter als drüber“. Und oft geht’s nur weiter, weil der Lebenspartner einen festen Job hat. Wie beim Sport habe es früher ein relativ gutgespanntes Netz der Talentsuche gegeben – heute komme aus dem Osten, bei den paar Verlagen und Plattenfirmen, entsprechend wenig. „Wo soll denn, beispielsweise in Chemnitz, heute ein neues Talent hin, in welchen Club, um sich zu erproben, vor interessiertem Publikum die Wirkung zu testen?“ Auch da stellt sich die Frage der Ost-Förderung, wie bei der Ost-Musikbranche insgesamt.

„Dank“ an Erich Honecker
Wenn schon BMG-Stempel kaum Mittel für anständige PR bekommt, Buschfunk-Koch hat sie erst recht nicht, lebt schlecht und recht von fortdauernder Beliebtheit seiner Ost-Musiker. „Da bedanke ich mich immer bei Erich Honecker – obwohl er gar nichts dafür kann – aber der hat die Leute alle damals bekannt gemacht.“ Manche davon bewahrten realitätsfernen Eigensinn bis in die Marktwirtschaft hinein, erwarten wohl von Koch auch finanziell gelegentlich Unmögliches. „Ein Teil der Künstler hat ein sehr eigenes Naturell, hätte früher, wenn was nicht so klappte, die Platte nicht gleich im Laden war, sofort einen Ausreiseantrag gestellt. Heute verstehen die nicht, dass das nicht mehr so geht“, lacht Koch doppelbödig-ironisch. „Wenn man nicht allzu sehr aneckte, funktionierte die DDR für manche doch wunderbar als Biotop – der ist nun weg.“ Ganz natürlich, dass die „DDR-Überproduktion an Rockmusikern und Liedermachern“ habe abgebaut werden müssen – auch Stempel weiß, dass es um manche Schrott-Combo wirklich nicht schade ist. Den Buschfunk-Chef nervt ebenfalls, dass kulturelle Ostprodukte nur zu oft sofort als Ostalgie denunziert, abgewertet werden. „Der Westdeutsche macht sich keine Gedanken, dass er natürlich genau solche Gefühle hat, wenn er an seine Lords und Rattles, an seinen Heino denkt, seine Regionalbands pflegt.“ Spötteln zwar die Hauptstadtgazetten abwertend über Kochs Künstler, kommen die in der Presse von Rostock, Dresden oder Chemnitz weit besser weg, sitzen dort in den Redaktionen, wie viele Bands und Sänger bestätigen, offensichtlich mehr sensible Journalisten. Als Kulturwissenschaftler mit Doktorgrad reflektiert Koch natürlich über die “kulturelle Kolonisierung“, die bis in die feinsten Verästelungen hinein stattfinde. „Jeder mit normalem Blick erkennt, dass es genau so ist.“ Kein Geheimnis, und inzwischen durch Studien ausführlich belegt, dass auch im Kulturbereich der Ex-DDR rund die Hälfte der Führungspositionen nicht mehr von Ostdeutschen besetzt wird, allgemein der Prozentsatz westdeutscher Positionsinhaber um so höher ist, je höher man sich in den Führungshierarchien befindet. Schon 1991 stand immerhin sogar in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“: “Objektiv gesehen, läuft alles auf eine Kolonialisierung der Wirtschaft und Gesellschaft der ehemaligen DDR hinaus. Schon die an die neuen Bundesbürger herangetragenen Erwartungen, die westlichen Werte, Lebens- und Arbeitsstile schleunigst zu verinnerlichen, entspringt kolonialer Denkweise.“ Der Kolonisator, argumentiert Fritz Vilmar in seiner Wendebilanz, ist darauf angewiesen, die Geschichte der Kolonisierten verschwinden zu lassen.

City: „Fremdbeherrscht“
Was Buschfunk mit seinen vielen Aktivitäten an Umsätzen schafft, bringt City, oder besser, die K & P Music GmbH beinahe alleine. Das K steht für Sänger Toni Krahl, das P für den Gitarristen Fritz Puppel, der von Ökonomie und Finanzen offenkundig ebenso viel, oder mehr versteht als von Musik, womöglich intensiver als jeder andere Ost-Künstler gleich zu Wendezeiten strategisch völlig richtig Tricks und Kniffe der Marktwirtschaft studierte. „Sofort nach dem Mauerfall gründeten wir die erste unabhängige Plattenfirma der DDR neben Amiga, mit Agentur und Musikverlag, haben von den Großen auch Karat unter Vertrag, ein Joint Venture mit BMG. Der Konzern kaufte Geschäftsanteile von City, unser Mitgesellschafter ist Reinhard Mohn.“ In Gütersloh wird gepresst, vertrieben über Jörg Stempels BMG Berlin Musik GmbH, „ein Riesenvorteil“. Das rechnet sich für City – und Karat – dann ganz anders als zu DDR-Zeiten. Da wurde im Osten von der LP „Am Fenster“ zwar eine Million verkauft, doch wie bei sämtlichen anderen Bands ebenfalls üblich, erhielt City lediglich für die Studio-Produktion eine einmalige Überweisung von 1400 DDR-Mark. Den Hit „Am Fenster“ nennt Puppel „Fluch und Verpflichtung zugleich“, weil die Band im Westen eigentlich auf diesen Titel reduziert wird, das SFB-ORB-Jugendradio Fritz ihn per Hörerumfrage jetzt widerwillig zum „besten deutschsprachigen Popsong des zwanzigsten Jahrhunderts“ küren musste. Das Kuriose dabei: „Alte Bands wie City spielen wir gar nicht“, sagt Fritz-Musikredakteur Frank Menzel, Ex-DDR-Tontechniker, hatte, wie es sich gehört, pflichtbewusst auf Nena getippt. Zu den Bands im Osten seien die Leute doch damals nur hingegangen, „weil’s nichts anderes gab“. Menzel musste dann erleben, wie Joachim Witt im Finale mit seinem „Goldenen Reiter“ gegen Toni Krahl und Fritz Puppel unterlag. Dabei waren, und das spricht Bände über die Sender-Linie, unter den einhundertachtundzwanzig vorgegebenen Songs laut Menzel gerade mal sechs, acht Osttitel dabei. „Warum soll ich ne Karat-Nummer von 1999 spielen, die objektiv schlecht ist?“ Kommentar überflüssig. Entsprechend hart urteilt Puppel: „Das Hauptproblem sind tatsächlich die Medien, da sind wir fremdbeherrscht. Manche glauben, dass sie mehr Hörer erhaschen, wenn sie von sich streifen, irgendwas mit dem Osten zu tun zu haben, das ist so `ne psychologische Sache.“ Gerade die Öffentlich-Rechtlichen würden sich nur zu oft aus der Verantwortung stehlen, was für ihre „Local Heroes“, bekannte wie unbekannte, zu tun. „Wir leben in einer Medien-Marketing-Gesellschaft – also sind Dreh- und Angelpunkt unserer Branchenschwierigkeiten die Medien. „Musik müsse man nun mal hören. „Wenn Madonna nicht gespielt wird, kauft auch keiner ihre CDs.“ Doch selbst auf dem Veranstaltungsmarkt sieht er Benachteiligungen. “Wir werden oft nur als Quotenossis eingeladen, bei irgendwelchen Jahres- und Feiertagen, so wie am Brandenburger Tor zu Zehn Jahren Mauerfall. Spielen wir in Wiesbaden zusammen mit BAP, toben die Leute auch – aber selbst dort sind wir nur der Quotenossi“, lacht Puppel ironisch. Und vergisst nie zu betonen, dass City im Vergleich mit anderen Ostbands noch fein raus ist. Zu Udo Lindenbergs Rock-gegen-Rechts-Festival, City ist dabei, hatte man drei andere große Ost-Namen – Dirk Michaelis, Andrè Herzberg und Dirk Zöllner – erst zur Deutschland-Tournee eingeladen, dann aber vorher abserviert. Manager Raik Zöllner: “Die drei Highligen sind verheizt worden, zugunsten von Bands, von denen sich die Musikindustrie mehr Profit versprach.“ Seine Nach-Wende-Erfahrung: “Wenn man nicht verheimlicht, aus dem Osten zu kommen, ist man von vornherein in einer Schublade. Da kann man noch so trendy und soundtechnisch top sein – man hat das „O“ auf der Stirn, wird es nicht los.“ Um den Verdacht zu vermeiden, Ostdeutsches zu pushen, legten Ex-DDR-Redakteure ihren Chefs bestimmte Themen erst gar nicht mehr vor.

CITY BEI KANZLER SCHRÖDER: OST-FÖRDERUNG FÜR DIE MUSIKBRANCHE
Bei jeder sich bietenden Gelegenheit gehen Puppel und Krahl für die Ost-Musikbranche, deren marktfähige Produkte auf die Barrikaden, treten gezielt Kulturreferenten, Kultursenatoren auf die Füße, laden bei Westtourneen gezielt Spitzenleute ein, um auf die Probleme hinzuweisen. Und argumentieren keinen Deut anders als Bause, Biege oder Lakomy. Im Unterschied zu denen kommen sie als Ost-Vorzeigeband natürlich auch an den Kanzler heran, trugen Gerhard Schröder, für dessen SPD sie mal im Wahlkampf spielten, im Staatsratsgebäude das ganze leidige Thema ausführlichst vor. „Was ich Schröder da erklärte, wird er wohl eingesehen haben – nur steht es auf seiner Prioritätenliste vermutlich auf Platz 999.“ Ost-Förderung müsse auch Musikbranchen-Förderung sein, sonst würden Potenzen, Kapazitäten verschenkt, Künstler mit Marktwert demotiviert – doch gemacht werde bisher nichts, regiere das Taube-Ohren-Prinzip. Bestimmte Funktionsträger, manche, die sich als „Anwalt des Ostens“ verstehen, hätten da ein neues Betätigungsfeld, das sogar Imagegewinn verspricht. Auch Puppel weiß natürlich, wie sich Politiker, Regierende anderer Länder, ganze Staaten mit ihren nationalen, regionalen Musikanten schmücken. Politik soll auch Selbstwertgefühl, Bindung und Identifikation stärken – das leistet, wie man weiß, ebenso Kunst, Kultur, Musik, überall auf der Welt. Der Band-Gitarrist erinnert sich noch gut an eine Nach-Wende-Episode: City war zur MDR-Riverboat-Talkshow geladen, doch kein einziger Redakteur, „durch die Bank alle aus dem Westen“, hatte die leiseste Ahnung, geringste Idee von der Band, kannte sie gar nicht, „man behandelte uns wie Kabelträger. Das ist natürlich Kolonialstil“. Wie es in den Medien läuft, weiß Puppel nur zu gut, hörte über Ostmusik von einem Redakteur: “Wenn ich das spiele, fliege ich raus.“ City gibt’s 2002 dreißig Jahre – „fast ein Wunder, dass wir noch da sind.“

REGIONALMARKE PUHDYS – KEIN ENDE IN SICHT
So sehen es wohl auch die Puhdys, des Ostens Nummer Eins, nachdem sie sich immerhin ganz planmäßig nach zwanzig Jahren am 19.11.1989 aufgelöst hatten, nur noch junge Bands in eigenem Studio produzieren, vermarkten wollten. Doch Sänger Birr, „Maschine“, wurde selbst an der Tankstelle immer wieder von wildfremden Jugendlichen angesprochen: “Hey Alter, wann spielt ihr denn endlich mal, wir wollen die Puhdys wieder!“ Zum aller ersten Konzert in Dresden, erinnert sich ihr Ex-Manager Jörg Stempel, kamen über dreitausend Leute, „da waren die von den Socken“. Schon längst gehen die Jahresumsätze der Band-Firma in die Millionen. Birr ist heute weiter denn je von der Rockerrente entfernt, hat als einziger Ost-Rocker eine eigene Rundfunksendung, kennt deshalb das Radiogeschäft sogar bestens von innen, hat auch per Hörerkontakt das Ohr an der Masse. „Dass der DDR-Rock so populär wurde, hat man dem DDR-Rundfunk zu verdanken.“ Als ihn der Privatsender „Rockland Sachsen-Anhalt“ für „Maschines Rockfabrik“ engagierte, jeden Sonnabend von mittags zwölf bis sechs, „inzwischen richtig Kult“, legte er anfangs kaum Ostmusik auf. „Doch dann sagten die Hörer, wir wollen mehr davon, ich spürte die Rückbesinnung, die neue Ost-Befindlichkeit.“ Jetzt nimmt Birr in jede Sendestunde mindestens einen Song von Pankow, Silly, Transit und den anderen, „uns spiele ich auch jedes Mal.“ Und weiß gut, mit dieser Musikauswahl ebenfalls deutschlandweit die Ausnahme von der Regel zu sein. Dass Maffay im Osten viel, die Puhdys im Westen aber fast gar nicht gesendet werden, ist ihm natürlich auch längst aufgefallen. “Gerade bei unseren neuen Produkten gibt’s viele Probleme, weil die Sender sagen, das passe nicht in ihr Format rein. Und werden sich nicht umstimmen lassen.“ Aber resignieren dürfe man deshalb nicht. „Wir spielen deshalb viel live, fast jedes Wochenende.“ Birr stimmt City-Puppel zu, dass Ost-Gruppen Fehler bei der Eigenvermarktung machen, damit der eigenen Popularität schaden. Und mutmaßt nicht als einziger, dass es bei der noch unlängst so beliebten Berliner Band Pankow wohl daran lag, dass sie jetzt einging, nicht mehr genug Konzerte bekam. „Marketing hatte man im Osten damals nicht so kennen gelernt – manche Musiker haben immer noch nicht die richtige Nase dafür, obwohl es heute so überaus wichtig ist.“ Dafür gebe es doch Experten, mit guten Konzepten. Der absolute Wahnsinn, so Sänger und Musikredakteur Birr, was heute Plattenfirmen unternähmen, um einen einzigen Titel populär zu machen, da flössen Millionen. Die macht für neue Puhdys-Songs, trotz der Band-Kompetenz, die Berliner Waldbühne oder die Dortmunder Westfalenhalle zum Kochen zu bringen, aber eben niemand locker. „Es reicht leider nicht mehr aus, nur gute Musik abzuliefern. Wie heute Mädchen für Neue Bands ausgesucht, trainiert werden, ist schlimmer als Leistungssport.“ Da hat auch Harmonika-Musikproduzent Hansjoachim Seiferth seine einschlägigen Erfahrungen. „Ostdeutsche Komponisten, Autoren, Interpreten und Musikanten tun sich beim durchaus üblichen, alltäglichen Klinkenputzen äußerst schwer, handeln oft mit guten Produkten, aber in schlechter Verpackung.“ Das Management – hilflos, unprofessionell, und kritikabel schon das Auftreten. Manche dächten, alles müsse noch wie zu Zeiten der DDR-Konzert- und Gastspiel-Direktion ablaufen, wollten keinerlei Kompromisse machen, oder nur das schnelle Geld.

MAGERE GAGEN, NEBENJOBS
Lift-Sänger Werther Loose jedenfalls verbreitet, was Rückbesinnungs-Trends betrifft, noch mehr Optimismus als Birr von den Puhdys. Die Rundfunk-Tantiemen sind minimal, spielen kaum eine Rolle in der Band-Kalkulation, an CDs aus dem BMG-Katalog wurden nach der Wende etwa Fünfzigtausend abgesetzt, davor in Vinyl zehnmal so viel. Man lebt vom Live-Geschäft. „Jeder von uns hat jährlich über Achtzigtausend brutto, aber es wird von Jahr zu Jahr mehr.“ Um bei den mageren Gagen einen besseren Schnitt zu machen, macht Lift selber den Veranstalter, mietet Hallen, Freilichtbühnen an, produziert neue CDs ganz alleine, lässt sich jetzt von einem Chemnitzer Vertrieb vermarkten. „Die kennen uns, da ist Identifikation da, die tun wirklich was für uns.“ Fans, neue wie alte, kommen in größerer Zahl zu den Konzerten. Für 2001 sind schon mehr gebucht als im Vorjahr. Loose machte sich folgenden Reim: “Je mehr man auf die Ost-Kultur einprügelt, sie abwertet, um so mehr fühlt, sagt das Publikum: Nun grade. Da ist ein gewisser Stolz bei den Leuten.“ Erfahrungen mit den Medien hat Loose ebenfalls genug: “Selbst bei den Sendern, die deutsche Oldies spielen, liegt es an den Vorgaben, dass Osttitel so gut wie nie vorkommen. Auch in den Ost-Anstalten sitzen an den oberen Stellen eben doch meist West-Leute. “Lift, electra und Stern Meissen touren neuerdings mit ihrem „Sachsendreier“ durch die neuen Länder, die CD davon vertreibt Buschfunk. Bei einem Auftritt vor etwa zweitausend Menschen entfällt auf Looses Band an die siebentausend Mark. Die beiden anderen können von der Musik alleine schon nicht mehr leben, spielen, wie es Martin Schreyer von der einst so berühmten Stern-Meißen-Combo nennt, leider nur noch „just for fun“, wegen der ungünstigen Rahmenbedingungen. Im Westen durfte die Band nie spielen – das nützt ihr heutzutage gar nichts, bringt keineswegs etwa nennenswerte Rundfunktantiemen. “Selbst Musikredakteure mit weiterem Horizont müssen sich an die Befehlshierarchien halten, spielen, was vorgeschrieben wird. Im Business gibt’s für Ostbands keine Chancengleichheit.“ Schreyer hat ein Tonstudio, produzierte dort Gerhard Schöne, einmal auch Karat. Andere schlagen sich als Musiklehrer, Werbe-Jingle-Produzent, Studiomusiker durch, finanzielle Schwierigkeiten bleiben nicht aus. Kein Thema für Reinhard Lakomy. „Mir geht’s materiell besser als vorher, ich kann nicht klagen.“ Selbst im Berliner KaDeWe, freut er sich, erkennen ihn Ost-Verkäuferinnen sofort, wollen Autogramme, doch die Westberliner Kolleginnen daneben verstehen nur Bahnhof. Lakomys Mini-Unternehmung, an der neben seiner Frau, der Texterin und Kinderbuchautorin Monika Ehrhardt, der hinreißend spontanen, witzigen Bühnenpartnerin Carmen Hatschi noch an die fünf Leute beteiligt sind, bringt ihm Jahresumsätze bis zu einer halben Million, wegen der nach wie vor erfolgreichen Spezialstrecke Kindermusik will, nach einer in Halberstadt, demnächst bei Cottbus eine zweite Schule seinen Namen tragen.

GYSI UND BISKY GESCHÄFTSSCHÄDIGEND?
Auf den Mund war Lakomy noch nie gefallen, ist nach wie vor erfrischend direkt. „Im Osten veröden die Theater – da sind die froh, wenn wir kommen und es mal wieder voll ist.“ Die letzte Erwachsenen-CD mit Titeln wie „Alles Stasi außer Mutti“ werde wohl deshalb nicht gespielt, weil sie sehr politisch sei. „Kommt hinzu, dass wir bekanntermaßen mit Gregor Gysi, Lothar Bisky und seiner Familie sehr befreundet sind.“ Dabei habe das mit Politik gar nichts zu tun. „Was glauben Sie, wie oft ich dem Bisky sage, wie Scheiße ich seine Partei eigentlich finde inzwischen.“ Typen von ORB oder MDR werde er jedenfalls nicht in den Hintern kriechen, nur um ein paar Mark mehr zu verdienen. Bislang überweist ihm die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte/GEMA jährlich bis zu Dreißigtausend Mark – da verdient er am neuen Buch schon weit mehr, dessen überraschender Erfolg andere Ostmusik-Stars jetzt zum Nacheifern ermutigt. „Wir müssen was gegen die Entwertung unserer Biographien tun.“ Plattenlizenzen bringen bis zu viertausend Mark. Ohne Konzerte ginge es also gar nicht. „Im SFB wurden wir bei einer Sendung behandelt wie der letzte Dreck – unsere Künstler brauchen mehr Medienpräsenz, Auftritte im Westen, da muss endlich Gleichberechtigung her, der Osten hat nicht nur Spreewälder Gurken und Rotkäppchen-Sekt zu bieten. Die sind die Sieger, wir die Unterlegenen – und genauso behandeln sie uns.“ Für Lakomy ist nicht hinnehmbar, Platt-macherei, dass Top-Musiker mit eigentlich hohem Marktwert, Saxofonisten, Trompeter, ganze Tanzorchester „weg sind von der Bildfläche“, ein As wie Hubert Katzenbeier, für ihn einer der größten Posaunisten und Jazzer, heute in einer Rumpelband Umptata-Musik machen muss. „Das ist ein solcher Abstieg, unglaublich.“ Nur selten folgte auf jähen Absturz der Aufstieg: Peter „Bimbo“ Rasym, „einer der besten Bassisten, die hier rumlaufen“, hielt sich und seine Familie nach der Wende als Vorführ-Standverkäufer vor einem Westberliner Karstadt-Kaufhaus mühselig über Wasser, bis ihn die Puhdys holten, „er jetzt gute Kohle macht“. Inzwischen kennt Lakomy so ziemlich alle Großen von der anderen Seite persönlich, auch Liedermacher wie Konstantin Wecker. Er vermisst aber Solidarität. „Selbst Grönemeyer nennt es mies, dass wir so an die Wand gedrängt sind – aber alles nur Sprüche!“ Wenn es nach Lakomy ginge, könnten die Westkollegen ruhig mal bei ARD und ZDF reklamieren, wie man mit den Ostkünstlern umspringt.

UNBEKANNTE VOR-WENDE-MUSIKEXPORTE
Was den Marktwert des Ostprodukts Musik betrifft – nicht nur Karats „Sieben Brücken“ wechselten lange vor der Wende nach drüben, weil sich Plattenfirmen, Interpreten wie Maffay davon guten Gewinn versprachen. Es weiß nur keiner, abgesehen von Branchenexperten wie dem Urgestein Siegfried Trzoß, derzeit beim SFB-Radio 88,8 mit einer Sonntagssendung. Udo Jürgens singt Michael Hansen, Peter Alexander übernimmt Frank Schöbel, Peter Orloff was von Günter Geißler, viele andere bedienten sich ebenfalls im Osten, pressten es auf Platte. „Da kommen Hunderte Titel zusammen“, meint Trzoß, „nur wissen eben Westdeutsche nicht, dass sie da Ostlieder hören.“ Das häufige Argument, kein Mensch in den alten Bundesländern kenne Ostmusik und wolle sie auch nicht, ist damit jedenfalls hinfällig. Der altgediente Radiomann gibt die Worte eines ZDF-Musikmanagers wieder: “Wenn ich die Wahl habe zwischen Frank Schöbel und Roland Kaiser, weiß ich zwar, dass Schöbel besser singt, aber nur eine Million Zuschauer bringt, Kaiser dagegen zwölf Millionen.“ Und damit dem gesamtdeutschen ZDF mit besserer Quote auch letztlich höhere Werbeeinnahmen, dem Sänger satte Gagen, bessere CD-Umsätze, so einfach ist das. Dieter Thomas Heck, weiß Trzoß, holte Schöbel einmal in sein Programm, doch auf der CD zur Sendung war er dann nicht drauf, wirtschaftlich gesehen, eher ein Schaden für Image und Geschäft des Ost-Künstlers, dem Ähnliches bis heute widerfährt.

EX-THOMANER IM GLÜCK
Doch alle freuen sich über den Erfolg der Leipziger „Prinzen“, Ost-Zugpferde, hochmusikalische, virtuose Ex-Thomaner, ein Sonderfall in der Branche, eher Ausnahme von der Regel. So wie Kai Niemann aus Sangerhausen mit „Im Osten“. „Probleme mit der Medienvermittlung wie die gestandenen ostdeutschen Bands haben wir nicht“, so Prinzen-Frontmann Sebastian Krumbiegel zum telegraph, „kümmerten uns, putzten wirklich überall Klinken, hatten das Glück, die richtigen Leute zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu treffen – auch bei Rammstein hat das funktioniert.“ Er erwähnt vor allem Hans Blume, „unser Entdecker und Papa“, ehemals Hansa-Geschäftsführer im heutigen Berliner BMG-Büro Jörg Stempels. Vor der Wende nannte man sich „Die Herzbuben“ – laut Insider Arndt Bause bestand Blume nach dem Mauerfall aus PR-Gründen auf dem neuen Namen, verkaufte „Die Prinzen“ zunächst taktisch geschickt als brandneue Westberliner Erfindung, pushte sie phantastisch in allen Westradios, bis es lief wie geschmiert. Krumbiegel will das so nicht stehen lassen. „Vielmehr nervte mit der Zeit, dass auf uns immer als den Vorzeige-Ossis herumgeritten, der Erfolg grade mit der Ost-Herkunft erklärt wurde.“

Literatur: Fritz Vilmar(Hrsg.) Zehn Jahre Vereinigungspolitik, Kritische Bilanz und humane Alternativen (mit Beiträgen zur Kolonialisierung der Ex-DDR), trafo- Verlag Berlin
Erich Schmidt-Eenboom, Undercover – Wie der BND die deutschen Medien steuert, Knaur

Peter Gläser (“Cäsar”) aus Leipzig – virtuos auf der Gitarre wie Jimi Hendrix, hochpopulär sogar als Karnevalsmusiker etwa beim legendären DDR-Baufasching in der Parkgaststätte Markkleeberg:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/01/03/peter-glaeser-caesar-aus-leipzig-virtuos-auf-der-gitarre-wie-jimi-hendrix-hochpopulaer-sogar-als-karnevalsmusiker-etwa-beim-legendaeren-baufasching-in-der-parkgaststaette-markkleeberg/

Frank Schöbel(“Reise ins Ehebett”) – er trat sogar mal im Weimarischen Hof von Oldisleben auf:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/01/12/frank-schoebelreise-ins-ehebett-er-trat-sogar-mal-im-weimarischen-hof-von-oldisleben-auf/

Schöbel6

 

Ausriß.

Dieser Beitrag wurde am Freitag, 26. Januar 2018 um 17:01 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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