Zeitzeugen aus Oldisleben und Umgebung

“1984 wurden in Mosambik acht DDR-Helfer ermordet, darunter auch Thüringer. Manfred Grunewald lässt die Erinnerung daran nicht los”. Die westdeutsche Thüringer Allgemeine(Funke-Medienkonzern Essen/NRW) bringt am 28. Dezember 2019 einen großen Beitrag zum Thema – doch die wichtigsten Basisfakten fehlen. Immerhin spielten der BND, Helmut Schmidt(SPD), Willy Brandt(SPD) eine sehr wichtige Rolle…(Mosambik-Dossier 1) Unter Ramelow und LINKE-Bildungsminister Holter alles Unterrichtsstoff an den Thüringer Schulen?

Mosambik-Dossier 2. Die ermordeten DDR-Entwicklungshelfer, das Kriegsbündnis NATO, der BND: http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2020/01/03/mosambik-dossier-2-die-ermordeten-ddr-entwicklungshelfer-das-kriegsbuendnis-nato-der-bnd/

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Renamo-Terrorist, Ausriß Makwakwa-Dossier von Ex-Renamo-Führer Paulo Oliveira.

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Wie Südafrika und NATO-Staaten, NATO-Geheimdienste die Renamo fast durchweg mit sowjetischen Waffenmarken, darunter aus internationalen Lizenzproduktionen, ausrüsteten…

MDR-Lebensretter am 6.2. 2020 – warum fehlen beim Thema Mosambik die wichtigsten, brisantesten Fakten, warum bringt der zwangsfinanzierte öffentlich-rechtliche Sender nicht die ganze Wahrheit? Jene nicht näher bezeichneten “Söldner”, “Rebellen”, die das Attentat auf die DDR-Entwicklungshelfer verüben, werden von NATO-Staaten wie der BRD, dem westdeutschen Geheimdienst BND finanziert, bewaffnet, trainiert, instruiert:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2020/02/06/mdr-lebensretter-am-6-2-2020-warum-fehlen-beim-thema-mosambik-die-wichtigsten-brisantesten-fakten-warum-bringt-der-zwangsfinanzierte-oeffentlich-rechtliche-sender-nicht-die-ganze-wahrheit-jene-n/

-GruneRenamo1

 

Terroristen westlicher Geheimdienste, laut Faktenlage. Figuren wie diese stoppten Erntegut-LKW, schlugen die unbewaffneten Fahrer, Beifahrer tot, fackelten die mit dringend in den Städten benötigten Nahrungsmitteln(Mais, Gemüse etc.) beladenen Laster ab. Foto in Unango aufgenommen 1984 von Manfred Grunewald, Frauenprießnitz/Thüringen

Westliche Ölinteressen und der kalte/heiße Krieg. Gerd Bonk, ostdeutscher Geophysiker, Mosambik-Experte. (Mosambik-Dossier 3):http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2020/01/10/westliche-oelinteressen-und-der-kalteheisse-krieg-gert-bonk-ostdeutscher-geophysiker-mosambik-experte-mosambik-dossier-3/

Ensi1

 

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Peter Ensikat, “in den achtziger Jahren der meistgespielte Theater-und Kabarettautor der DDR”, über BND und Verfassungsschutz. “Ich verlange die Offenlegung der geheimen, nicht legalen Machenschaften von Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst und die Entlassung der dort Beschäftigten in die Produktion. Wer darüber lachen wird? Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst”. Aus dem Ensikat-Buch “Ab jetzt geb´ich nichts mehr zu. Nachrichten aus der neuen Ostprovinz”. Knaur, 1996.

Terror gegen Thüringer:

TA:https://www.thueringer-allgemeine.de/leben/in-mosambik-ermordete-thueringer-ich-will-wissen-warum-id228007437.html

OTZ:https://www.otz.de/leben/in-mosambik-ermordete-thueringer-ich-will-wissen-warum-id228007437.html

TLZ:https://www.tlz.de/leben/in-mosambik-ermordete-thueringer-ich-will-wissen-warum-id228007437.html

https://www.otz.de/leben/vermischtes/ueberfall-in-mosambik-bis-heute-ungeklaert-id220570879.html

Was im MDR-Beitrag alles fehlt/verkorkst dargestellt wird:https://www.mdr.de/zeitreise/stoebern/damals/artikel71820.html

https://drittewelt.de/afrika/ddr-in-afrika-toedliches-attentat-in-mosambik/

Zuschauerbrief: “Hallo, habe den Beitrag aufgenommen,weil mich
auch für diese Region interessiere.
Ich kann Dir eine Kopie schicken.

Allerdings finde ich die Sendung tendenziös einseitig, weil meiner Meinung nach die Ausmaße des Terrors der RENAMO die u.a. auch vom BND und in den achzigern von der CSU unterstützt worden sind, zu kurz weg kommt.

Bleibt immer die Frage – wem nützt es ?
Die Entwicklungshelfer wurden danach abgezogen,
dass konnte kaum im Interesse der Regierung in Mosambik sein.”

Moz1

Ausriß, Manfred Grunewald – Frauenprießnitz.

GirrbachFR

“Girrbach, Bernd: Von bundesdeutschem Boden den Terror in Mosambik geplant, in : Frankfurter Rundschau, 4.10. 1989, S.18 (Dokumentation)”

Die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Aktion:

“Die schon zu Zeiten der Regierung Helmut Schmidts begonnene und unter Helmut Kohl noch einmal forcierte Destabilisierung Mozambiques wurde von vier BND-Präsidenten in unterschiedlicher Intensität geleistet: Gerhard Wessel und Klaus Kinkel haben sie zwar mit initiiert; als jedoch der Strauß-Intimus Eberhard Blum 1983 ins Amt kam, versuchte der BND, die RENAMO auch politisch salonfähig zu machen und steigerte die logistische Hilfe. Und unter Hans-Georg Wieck nahm die Hilfe für die südostafrikanischen Terroristen noch einmal größere Ausmaße an.” Zitiert aus: Erich Schmidt-Eenbohm, “Der BND – die unheimliche Macht im Staate”. Econ-Verlag. 

Wie die Süddeutsche Zeitung Klaus Kinkel würdigt:https://www.sueddeutsche.de/politik/klaus-kinkel-nachruf-fdp-1.4355260…Ein rechtschaffener Mann…er war ein ehrlicher, aufgeräumter Mensch…

GrunewaldPorträt

Bob-Dylan-Song “Mozambique”(1976), anklicken:https://www.youtube.com/watch?v=4K_YPW-_Vnk.

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https://www.youtube.com/watch?v=-BLXrTp8AD4

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 https://www.youtube.com/watch?v=90WD_ats6eE.

Bob Dylan in Erfurt 2019 – sang er das Lied?

GeraCIABNDCIANSAStasi

Gera. Wann wird endlich ein Bundesbeauftragter für die BND-und CIA-Unterlagen ernannt– im Kontext der feindlichen Übernahme? Dann könnten auch Manfred Grunewald und die vielen anderen betroffenen Thüringer hoffen, daß mehr Hintergründe des Mosambik-Falles ans Licht kommen.(“Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute”. Daniela Dahn)

gebrocheneWort

“Es gilt das gebrochene Wort”. Ausriß(DIE WELT)

Kurios – in dem Beitrag der Thüringer Allgemeinen werden Fragen gestellt, die längst beantwortet sind, darunter von Geheimdienstexperten wie Schmidt-Eenbohm. 

“War dies das eigentliche Ziel des Anschlags? Wenn ja, wer waren die Auftraggeber? Antworten darauf gibt es bis heute nicht”.

“2007…kam Manfred Grunewald auf den Gedanken, selbst Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Gera zu erstatten. `Es waren`, sagt er, `schließlich meine Kollegen. Und ich will wissen, warum sie, die nur friedliche Hilfe leisteten, sterben mussten.`Im Auftrag der Staatsanwaltschaft wurde er vom Landeskriminalamt Thüringen befragt. Doch aufgeklärt wurde wieder nichts.”

Warum der Fall kein Thema bei Plasberg, Anne Will, Maischberger, Riverboat ist…

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/05/05/rainer-grajek-in-riesa-einst-ddr-entwicklungshelfer-in-mosambik/

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/12/15/stasi-weiter-grosses-thema-in-thueringen-medien-vor-weihnachten-2019-was-der-bnd-in-der-ddr-in-mosambik-anrichtete-faellt-indessen-offenbar-unter-die-zensur-nach-wie-vor-keine-bnd-akten-behoerd/

BND in der DDR:

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/05/18/bnd-spitzel-bnd-im-in-der-ddr-auch-30-jahre-nach-der-feindlichen-uebernahme-duerfen-ostdeutsche-nicht-erfahren-von-welchen-spitzeln-westlicher-geheimdienste-sie-damals-ausgehorcht-beschattet-wurde/

US-Protest 1983 bei Kanzleramtschef Waldemar Schreckenberger in Bonn – gegen die Aktivitäten des BND in Mosambik:”Auch sei es nicht hinnehmbar , daß in Bonn Politiker empfangen würden, die in den USA als `faschistisch` eingestuft seien.”

Der Einsatz der Mosambik-Kindersoldaten von 1978 bis 1992 fiel in die Amtszeit von Willy Brandt als SPD-Parteivorsitzender und als Präsident der Sozialistischen Internationale. (Bringt Ihr Lieblingsmedium was darüber?)

AfD-Pegida, ostdeutsche Systemkritiker als Schwerpunkt deutscher/westlicher Geheimdienste, besonders im Wahlkampf 2019. Die BND-Trilogie des ostdeutschen Bestsellerautors Hartmut Mechtel: 1. Der unsichtbare Zweite” (GLAUSER / Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur) 2. “Das Netz der Schatten” 3. “Die Spitze des Kreises”. BND & Kindersoldaten in Mosambik – warum die ostdeutschen Kirchen dazu schweigen:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/02/16/afd-pegida-ostdeutsche-systemkritiker-als-schwerpunkt-deutscherwestlicher-geheimdienste-besonders-im-wahlkampf-2019-die-bnd-trilogie-des-ostdeutschen-bestsellerautors-hartmut-mechtel-1-der-unsi/

Schmidt-Eenboom 2012: “Die BND-Position in Pretoria gewann mit den Entkolonialisierungsprozessen im Süden Afrikas und mit den Stellvertreterkriegen in der Region an Bedeutung. Wenn auch in weit geringerem Maße als die beiden Supermächte oder Südafrika, so griff doch auch der BND in diese Stellvertreterkriege ein, nicht nur in Angola, sondern auch in Mosambik. Durch die Unterstützung der RENAMO (Resistencia National Mocambiquana) sollte der sozialistische Staat destabilisiert werden, um nicht als Modell für die Region Südafrika wirken zu können.

Die westdeutsche Hilfe für die Terroristen begann Mitte der 70er-Jahre, als Angehörige der RENAMO an einer bayerischen Polizeischule in Augsburg ausgebildet wurden. Anschließend, ab 1983 forciert, erfolgte die Lieferung von Waffen und Fernmeldegerät – bezahlt vom BND, geliefert durch Südafrika. In den Jahren 1988 und 1989 steuerte auch die BND-Residentur in Kenias Hauptstadt Nairobi Unterstützungsmaßnahmen. Sie vermittelte hochrangige Kontakte zwischen RENAMO-Führern und der Leitung des BND.”

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Wie verklausuliert das die westdeutsche Thüringer Allgemeine in ihrem Text? “Die regierende Frelimo-Partei wurde von gegnerischen Renamo-Gruppen  bekämpft, armiert vor allem von der damals in Südafrika herrschenden Apartheid-Regierung”.

Und von wem bitte noch? Wer es wissen will, stöbert ein bißchen u.a. bei Schmidt-Eeenbohm – und wird rasch fündig, versteht sofort, warum solche Fakten nicht in der westdeutschen Thüringer Allgemeinen stehen können. Denn es ist der Geheimdienst der Brüder und Schwestern, gegründet von einem berüchtigten, nie bestraften Nazi-Kriegsverbrecher – dem Thüringer Reinhard Gehlen aus Erfurt. Schmidt-Eenbohm nennt die unterstützten Killer, Attentäter, Vergewaltiger ausdrücklich “Terroristen”.

Wie Kriegsverbrecher Gehlen und die spätere SPD-Ikone Helmut Schmidt an der Ostfront gegen die Zivilbevölkerung vorgingen – die Parallelen zum Mosambik-Fall:

 SPD-Idol Helmut Schmidt, die Opfer des Faschismus…

Deutschlandradio Kultur – Helmut Schmidt im Angriffskrieg gegen Bewohner eines anderen Landes, Kriegsverbrechen gegen Frauen und Kinder:

 

Meyer: Herr Orlac, was ist denn Ihr Eindruck, wie sehr beschäftigt das Helmut Schmidt, dass er da als Batteriechef der Wehrmacht im Krieg getötet hat, auch die Frauen und Kinder in den Dörfern, die er beschossen hat?”

Warum Schmidt eine SPD-Ikone ist…http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/01/28/leningrad-blockade-ueber-eine-million-tote-thueringen-medien-verschweigen-dass-spd-ikone-helmut-schmidt-an-dem-kriegsverbrechen-beteiligt-war-liegts-am-thueringen-wahlkampf-2019/

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Bemerkenswert, daß sich die Regierung von Niedersachse Ramelow in der ersten Amtszeit – trotz behaupteter Ostdeutschen-Interessenvertretung – des brisanten Mosambik-Falles  nicht annimmt. Was ist da los hinter den Kulissen? Immerhin geht es womöglich auch um die Frage von Entschädigungszahlungen an Hinterbliebene…

Interessant, daß sich in der Thüringer Politik nach 1990 niemand dafür interessierte, was es mit den etwa 600000 getöteten/ermordeten Kindern von Mosambik auf sich hat. Mancher gibt sich doch so kinderfreundlich, ausländerfreundlich:

Berghof-Foundation, Berlin 2000:”Der Krieg zwischen RENAMO und FAM breitete sich in alle Provinzen aus und forderte bis zu seinem Ende 1992 ungefähr 1.1oo.000 Tote, darunter ca. 600.00 Kinder.

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“Ramelow kritisiert Ost-Desinteresse der Bundesregierung”. TA, 30. 12. 2019. “Mit Blick auf den 30. Jahrestag der deutschen Einheit im kommenden Jahr müsse sich die Bundesregierung überlegen, “ob sie bloß einen Festakt oder ob sie wirklich eine gesamtdeutsche Politik will”. Dazu gehöre seiner Ansicht nach auch, positive Errungenschaften der DDR im Bildungs- und Gesundheitswesen zu würdigen.”(Siehe Mosambik…)

Wenn Ramelow tatsächlich ein Linker sei und sich für Ost-Interessen stark mache, ist aus der ostdeutschen Mosambik-Szene zu hören, könnte er sich ja mal die BND-Akten zu Mosambik kommen lassen und sich des Falles der ermordeten Ostdeutschen annehmen. Andernfalls handelte es sich bei solchen Ramelow-Äußerungen lediglich um Linkspopulismus. Und Sahra Wagenknecht aus Jena – wieso schweigt die zu der Sache?http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/07/25/wie-die-ramelow-linke-in-thueringen-tickt-johanna-scheringer-wright-landtagsabgeordnete-in-thueringen-2017/

Die ermordeten Thüringer:

…Monika Smardz, die Leiterin der Viehzuchtabteilung, hatte an diesem Tag Haushaltstag. Am Morgen in Lichinga sah sie die Opfer zum letzten Mal: den Bauingenieur Manfred Lindner, den Meister Klaus Einicke, die Mechanisatoren Helmut Liepe, Hans-Jürgen Michel und Hans-Dieter Wagner, den Fachmann für Beregnung und Rodung Günter Skibbe, den Brigadier für Feldwirtschaft Uwe Wriedt und ihren Ehemann Wolfgang Smardz. Etwa 10 Kilometer vor Unango wurde die Kolonne beschossen und zum Halten gebracht, die meisten der DDR-Bürger und fünf mosambikanischen Begleitkräfte starben durch Kopfschüsse aus nächster Nähe. Auch einer der beiden in der ADN-Meldung erwähnten Verletzten erlag seinen schweren Verletzungen…

…Wolfgang Smardz, aus Frauenprißnitz bei Jena
Stellvertretender Chef der Staatsfarm
Uwe Wriedt, Anklam
Spezialist der Pfanzenproduktion
Günter Skibbe, Rockensußra bei Sondershausen
Rodungen
Manfred Lindner, Erfurt
Bauing.
Klaus Einecke, 
Agromechanisator, Zimmermann
Helmut Liepe, Zeppernick bei Köthen
Ing. für Landtechnik
H.-D. Wagner, Kyhna bei Delitzsch
Mähdrescherfahrer
H.-J. Michel, Senftenberg
Werkstattmeister

zitiert nach: Allgemeiner Anzeiger Eisenach…

Warum hat der westdeutsche BND der Renamo nicht befohlen, auf keinen Fall auf Deutsche(“Brüder und Schwestern”) zu schießen, Deutsche zu ermorden? In keiner einzigen Landtagssitzung von Thüringen(Sachsen, Sachsen-Anhalt etc.) wurde der Fall debattiert – trotz seiner offensichtlichen deutsch-deutschen Brisanz. Was ist da passiert hinter den Kulissen? Sogar die Ostbeauftragten kehren das heikle Thema unter den Tisch.

Bodo Ramelow/LINKE und die Wertvorstellungen seiner Koalitionspartner:http://www.hart-brasilientexte.de/2014/12/05/bodo-ramelow-und-die-wertvorstellungen-seiner-spd-partner/

Das “Dossier Makwakwa” – Paulo Oliveira, einstiger Führer der Terrororganisation Renamo, packt aus. Viele interessante Details über die enge Kooperation mit NATO-Staaten wie Westdeutschland, mit dem BND, mit Südafrika. Mosambik-Dossier 8:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2020/02/15/das-dossier-makwakwa-paulo-oliveira-einstiger-fuehrer-der-terrororganisation-renamo-packt-aus-viele-interessante-details-ueber-die-enge-kooperation-mit-nato-staaten-wie-westdeutschland-mit-d/

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Macht sowas ein Rechtsstaat – oder ein Unrechtsstaat?

Bundeskanzler Helmut Schmidt(SPD), Amtsnachfolger Helmut Kohl(CDU), Willy Brandt(SPD), Außenminister Joseph Fischer(GRÜNE) und die Kindersoldaten in Mosambik. Die fehlende Aufarbeitung des Themas nach 1990 in Ostdeutschland – das beredte Schweigen von CDUSPDGRÜNEN in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt…

“Die schon zu Zeiten der Regierung Helmut Schmidts begonnene und unter Helmut Kohl noch einmal forcierte Destabilisierung Mozambiques wurde von vier BND-Präsidenten in unterschiedlicher Intensität geleistet: Gerhard Wessel und Klaus Kinkel haben sie zwar mit initiiert; als jedoch der Strauß-Intimus Eberhard Blum 1983 ins Amt kam, versuchte der BND, die RENAMO auch politisch salonfähig zu machen und steigerte die logistische Hilfe. Und unter Hans-Georg Wieck nahm die Hilfe für die südostafrikanischen Terroristen noch einmal größere Ausmaße an.” Zitiert aus: Erich Schmidt-Eenbohm, “Der BND – die unheimliche Macht im Staate”. Econ-Verlag. 

http://www.hart-brasilientexte.de/2019/09/01/hat-sich-ex-geheimdienstkoordinator-steinmeier-in-polen-offiziell-dafuer-entschuldigt-dass-hitler-offizier-helmut-schmidt-beteiligt-am-kriegsverbrechen-von-leningrad-weiterhin-spd-ikone-spd-idol-i/

Der Einsatz der Kindersoldaten von 1978 bis 1992 fiel in die Amtszeit von Willy Brandt als SPD-Parteivorsitzender und als Präsident der Sozialistischen Internationale.http://www.hart-brasilientexte.de/2017/10/08/willy-brandtspd-todestag-8-oktober-1992-was-in-den-offiziellen-wuerdigungen-stets-fehlt/

–Von 1964 bis 1987 war Brandt SPD-Parteivorsitzender und von 1976 bis 1992 Präsident der Sozialistischen Internationale. Wkipedia

In Erfurt erinnern u.a. der Willy-Brandt-Platz an die Rolle von Brandt im Mosambik-Skandal. Mosambik und Brandts Demokratie-Begriff(“Wir wollen mehr Demokratie wagen”):

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“Willy Brandt ans Fenster”(1970). Im Jahr vor dem Erfurter Treffen hatte Willy Brandt das Kulturabkommen sowie das Wissenschafts-und Technologieabkommen mit der nazistisch-antisemitisch orientierten Folterdiktatur Brasiliens unterzeichnet.  http://www.brandtschool.de/

Bei Agitprop-Events zu Willy Brandt, darunter in Erfurt,  wird dessen bemerkenswerte Haltung etwa zur Folterdiktatur Brasiliens stets verschwiegen, was Bände spricht. SPD Thüringen – auf wen sie sich beruft. “Willy Brandt ans Fenster”. Bisher keinerlei Distanzierung – keinerlei Positionierung von SPD und Grünen Thüringens zu heiklen Willy-Brandt-Fakten.

…und in Berlin, ausgerechnet Unter den Linden:

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“He is a good German, a good European and a good citizen of the world”. Wahrheit oder Fake News?

Forum Willy Brandt in Berlin, Unter den Linden – immer noch keine Sonderausstellung zu Brandts engen Beziehungen zur Folterdiktatur Brasiliens: http://www.hart-brasilientexte.de/2014/03/26/forum-willy-brandt-berlin-immer-noch-keine-sonderausstellung-zur-engen-zusammenarbeit-brandts-mit-der-folterdiktatur-brasiliens-was-ist-da-passiert-%E2%80%9Dim-juni-1968-erklarte-ausenminister-will/

Westdeutschlands Kindersoldaten in Mosambik – ein besonders heikles Kapitel aus der Regierungszeit von Helmut Schmidt(SPD) und Helmut Kohl(CDU). Motto: Der Zweck heiligt die Mittel.  Staats-und Mainstreammedien sowie sogenannte Hilfs-und Menschenrechtsorganisationen unterschlagen die brisante Problematik permanent

Seit 1978 hat die RENAMO gemäß Faktenlage in Mosambik Zehntausende von Kindern zwangsrekrutiert, um sie im NATO-Stellvertreterkrieg gegen die FRELIMO-Regierung einzusetzen. Auf Geheimdienste spezialisierte Experten wie Erich Schmidt-Eenbohm und Jürgen Roth haben die politischen Hintergründe und besonders die wichtige Rolle des BND ausführlich und detailliert beschrieben und analysiert. Daß westdeutsche Steuerzahler u.a. über ihren Geheimdienst BND die Ausbildung, Bewaffnung, Camp-Unterbringung sowie die militärischen Einsätze dieser Kindersoldaten finanzierten, blieb erstaunlicherweise in der bundesdeutschen Öffentlichkeit fast ohne Echo, von nennenswerten Protesten durch Politiker, Menschenrechtsaktivisten, internationalen Hilfsorganisationen, gar Mainstreammedien ist nichts bekannt. Das Thema schien tabu, Zensurbarrieren waren offenbar enorm effizient, unüberwindbar. In den neunziger Jahren erschienen zwar Medienberichte über das schwierige Problem der Reintegration dieser Kindersoldaten in die Gesellschaft – doch siehe da, jeder Hinweis auf die westdeutsche Beteiligung an der Existenz des Problems fehlte. Absurd falsch wurde der Krieg gegen Mosambik als “Bürgerkrieg” eingestuft. Dies galt sogar für Berichte über einen internationalen Psychologen-und Ärztekongreß, der sich im Dezember 1996 in der Hauptstadt Maputo mit Konzepten und ersten Erfahrungen bei der Kindersoldaten-Reintegration befaßte. Gemäß einem deutschen Agenturbericht zählte immerhin sogar die Universität Hamburg zu den Veranstaltern, neben dem mosambikanischen Institut für Psychotraumatologie und der Uni Kapstadt.

Die RENAMO-Kindersoldaten wurden zum systematischen Verüben sadistischer Greueltaten selbst gegen eigene Familienangehörige gezwungen, aber auch generell zu Massakern an der Zivilbevölkerung – auf dem Kongreß wurden zahlreiche Fälle diskutiert. Massenhaft seien zudem Mädchen und Frauen vergewaltigt und zudem für jahrelangen sexuellen Mißbrauch auf die RENAMO-Basen verschleppt worden.

Terroranschläge mit vielen Toten verübte die RENAMO indessen auch gezielt gegen ausländische Entwicklungshelfer, darunter Deutsche aus der DDR. Beobachter des politischen Kontexts schlußfolgern daher mit anderen Worten: Auf Anweisung aus dem NATO-Mitgliedsland Westdeutschland, der Bonner Regierung und dessen Geheimdienst BND wurden in Mosambik zahlreiche Deutsche des anderen deutschen Staates(häufig als “Brüder und Schwestern” bezeichnet) im Stellvertreterkrieg von Mosambik gezielt ermordet oder verwundet. Eine Anweisung an die RENAMO-Terrorkommandos, keine Deutschen zu ermorden, nicht auf die als hochengagiert geltenden Deutschen zu schießen, existierte offenkundig nicht. 

18.November 1987 – Bundeskanzler Helmut Kohl/CDU überzeugt sich bei einem offiziellen Staatsbesuch in Maputo davon, daß die von westlichen Staaten, darunter dem BRD-Geheimdienst BND gesteuerten, finanzierten, militärisch ausgerüsteten RENAMO-Terroristen in SS-Manier ganze Arbeit geleistet haben, die DDR-Entwicklungsarbeit fast komplett zunichte gemacht wurde, die Frelimo-Regierung angesichts zerstörter Wirtschaft etc. vor der NATO kapituliert.

21.1. 1988 – nach Kohl vergewissert sich Franz-Josef Strauß bei einer offiziellen Visite, daß Mosambik plattgemacht ist, erfolgreich sturmreif geschossen wurde, übernommen werden kann.

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“Verhinderung der Aktivitäten von Ausländern(Kooperanten). Sie stellen die größte Gefahr dar, weil sie die Wirtschaft wiederaufbauen helfen”.

Indessen wurden weder SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt noch dessen CDU-Amtsnachfolger Helmut Kohl jemals auf ihre politische Verantwortung für diese barbarischen Menschenrechtsverletzungen angesprochen – in ihren Parteien gehört das Thema der Mosambik-Kindersoldaten bis heute zur langen Liste der absoluten Tabus. Ebenfalls bemerkenswert: Der westdeutsche Außenminister Joseph Fischer/GRÜNE reiste sogar in offizieller Mission nach Mosambik – schwieg indessen gemäß Quellenlage zur Kindersoldaten-Problematik, machte auch keine entsprechenden Geheimakten der Öffentlichkeit zugänglich. Bis heute ist daher sogar für die deutschen GRÜNEN das Thema tabu. Völlig bedeckt in dieser Frage halten sich zudem die ostdeutschen GRÜNEN – immerhin hatte die DDR über 16000 Mosambikaner ins Land geholt, beruflich ausgebildet und ihnen danach eine bezahlte Arbeit in DDR-Betrieben ermöglicht, darunter in Leipzig, Erfurt, Cottbus und vielen anderen DDR-Städten. Anstatt diese erfahrenen Fachkräfte im Land zu behalten, wurden sie nach der feindlichen Übernahme von 1990 (ausländerfeindlich)durch die Bundesregierung nach Mosambik ausgewiesen. Manche heirateten DDR-Frauen, haben mit ihnen Kinder, sind in Ostdeutschland geblieben, bildeten Vereine. 

Ob sich die ostdeutsche Bürgerrechtsbewegung – mit ihrer speziellen Sicht auf die westdeutsche Demokratie – zur Wendezeit mit dem Thema der afrikanischen Kindersoldaten Westdeutschlands befaßt hat, ist nicht bekannt. 

Er war von 1998 bis 2005 Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und vom 1. Januar 1999 bis zum 30. Juni 1999 Präsident des Rats der Europäischen Union. Ein knappes Jahr nach der Bundestagswahl 2005 zog sich Fischer aus der aktiven Politik zurück. Wkipedia

Madgermanes werden in Mosambik rund 15.000 Mosambikaner genannt, die als Vertragsarbeiter aufgrund eines Staatsvertrages zwischen der DDR und Mosambik seit 1979 in der DDR arbeiteten.[1] Sie wurden nach der Wende in der DDR 1990 durch die Bundesrepublik nach Mosambik ausgewiesen. Der Ausdruck Madgermanes ist eine Verballhornung des Produkthinweises „Made in Germany“.[2]  Wikipedia

 

RamelFra13

AfD-Pegida, ostdeutsche Systemkritiker als Schwerpunkt deutscher/westlicher Geheimdienste, besonders im Wahlkampf 2019. Die BND-Trilogie des ostdeutschen Bestsellerautors Hartmut Mechtel: 1. Der unsichtbare Zweite” (GLAUSER / Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur) 2. “Das Netz der Schatten” 3. “Die Spitze des Kreises”. Georg-Danzer-Hit: “Wir werden alle überwacht”:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/02/16/afd-pegida-ostdeutsche-systemkritiker-als-schwerpunkt-deutscherwestlicher-geheimdienste-besonders-im-wahlkampf-2019-die-bnd-trilogie-des-ostdeutschen-bestsellerautors-hartmut-mechtel-1-der-unsi/

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Ausriß, Berghof-Foundation, Berlin 2000:”Der Krieg zwischen RENAMO und FAM breitete sich in alle Provinzen aus und forderte bis zu seinem Ende 1992 ungefähr 1.1oo.000 Tote, darunter ca. 600.00 Kinder. Weitere 250.000 von ihren Familien getrennte Kinder, 1.5 Millionen Flüchtlinge und 4 – 4,5 Millionen intern Vertriebene sowie die beinahe völlige Zerstörung von Infrastruktur und industriellen Einrichtungen waren die Folge.”

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Ausriß Berghof-Foundation.

https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Tag_gegen_den_Einsatz_von_Kindersoldaten

Viel Stoff für eine dolle ARD-Serie – mit Jörg Hartmann in der Hauptrolle?

Peter Scholl-Latour: “Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung”.

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Ausriß, Jörg Hartmann, TV-Serie Weissensee. Demnächst in einer großen ARD-Serie als BND-Topagent, der die  Killertruppe RENAMO beim sadistischen Ermorden von Zivilisten, ausländischen Entwicklungshelfern in Mosambik(rd. zwei Millionen zumeist sadistisch Getötete) unterstützt?

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Ex-Geheimdienst-Koordinator Steinmeier(SPD)  in Erfurt 2017 und die fehlende Positionierung zum Mosambik-Fall:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2017/12/05/deutscher-bundespraesident-steinmeierspd-am-5-12-2017-in-erfurt/

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Wikipedia und Mosambik – was alles fehlt:https://de.wikipedia.org/wiki/Mosambik

Westlicher Zynismus um Mocambique:
Erst massakrieren, dann „helfen“

Klaus Hart /Zeitschrift telegraph, Ostberlin

Schön, dass Deutschland, die USA und andere NATO-Staaten dem verarmten Mocambique in der jüngsten Überschwemmungskatastrophe beistanden, Hubschrauber und Helfer schickten, sich die Aktion womöglich ein paar Millionen kosten ließen. Der Grüne Joseph Fischer flog medienwirksam hin. Nur – dieselben Länder stürzten Mocambique zuvor mit Milliardenaufwand in die größte Katastrophe seiner Geschichte – etwa zwei Millionen Schwarze wurden massakriert, ermordet, verhungerten. Soweit bekannt, hat sich Außenminister Fischer dafür vor Ort in Maputo nicht entschuldigt. 

Deutschlands sogenannte Qualitätsmedien wissen, was sich gehört, halten zu Gnaden. Als die Mocambique-Hilfe seitenweise ausgeschlachtet wurde, musste den Lesern zwangsläufig ein bisschen Hintergrund über die jüngere Geschichte des betroffenen Landes, eines der ärmsten der Welt, vermittelt werden. Nach der Unabhängigkeit von 1975, hieß es fast unisono in den Blättern, in TV und Radio, sei die Frelimo – Regierung durch die Renamo in einen blutigen Bürgerkrieg verwickelt worden, die Rebellen habe Südafrika unterstützt. Und das war’s schon. Das wirklich Interessante, nämlich die deutsche Beteiligung am sogenannten Bürgerkrieg, wurde ausnahmslos verschwiegen. Weil dem Westen die in langen Kämpfen gegen die portugiesische Kolonialherrschaft errungene Unabhängigkeit nicht passt, wird im benachbarten Südafrika die Terrororganisation Renamo aus dem Boden gestampft, hochgerüstet, gut trainiert und in Methoden unterwiesen wie zuvor die lateinamerikanischen Todesschwadronen. 

„Erschlagen, Ersticken, lebendig verbrennen“
Schon 1978 überschreiten die Renamo – Killer die Grenze, zwangsrekrutierten auch zehntausende Kinder, die sogar Nachbarn und Verwandte überfallen und ermorden müssen. „Mein Vater wurde bei unserem Abschlusstest als lebendiges Ziel benutzt“, berichtet ein traumatisierter Kindersoldat. Rot-Kreuz-Mitarbeitern wurden von Renamo – Terroristen bei lebendigem Leib die Augen herausgerissen. Natürlich mag die Renamo auch Journalisten nicht, die gegen ideologische Leitlinien verstoßen – sogar ein italienischer TV-Reporter wird bestialisch ermordet. Selbst das US – State – Department bringt schließlich die Renamo – Methoden auf den Punkt: “Erschlagen, Ersticken, Verhungernlassen, lebendig verbrennen, Ertränken, Exekutieren mit Äxten und Messern.“ Fast jedes sechste Mädchen, so Amnesty International, wird vergewaltigt, ungezählte werden auf den Renamo – Basen jahrelang sexuell misshandelt. In der Ortschaft Massinga, heißt es im Jahresbericht für 1989, hätten Renamo – Rebellen sieben Männern die Hoden abgeschnitten, drei Frauen vergewaltigt und getötet, fünfzig weitere Bewohner entführt. Terror, der an Ruanda erinnert, nur dass dort weit weniger umkommen. Die DDR leistete dem unabhängigen Mocambique von Anfang an Entwicklungshilfe, an die zwanzigtausend Mosambikaner studierten in der DDR, lernten einen Beruf, arbeiteten in Betrieben. Im Generalplan der Killerorganisation Renamo von 1984 steht nicht nur, die Wirtschaft Mocambiques zu zerstören, sondern auch: “Verhinderung der Aktivitäten von Ausländern. Sie stellen die größte Gefahr dar, weil sie die Wirtschaft wiederaufbauen helfen.“ 

Massaker an DDR-Experten 
Also wurden auch die DDR-Entwicklungshelfer, darunter Eisenbahn-Reparaturkolonnen, unter Feuer genommen, und wann immer möglich, massakriert: Im Dezember 1984 überfallen Renamo – Killer im Norden Mocambiques einen Bus, ermorden gleich sieben Landwirtschaftsexperten der DDR. Doch die Terroristen haben es keineswegs nur auf Ostdeutsche abgesehen – schließlich arbeiten in dem Land sogar zahlreiche Chilenen wie Salvador Allendes Landwirtschaftsminister, die nach dem CIA-gestützten Pinochet-Militärputsch flüchten mussten. Also werden in dem Bus nicht nur DDR-Fachleute umgebracht, sondern auch die Kollegen aus Italien, Schweden, Portugal und Jugoslawien sowie zwei ausländische Priester gleich mit, Mosambikaner sowieso. Die DDR und andere Länder ziehen notgedrungen ihre Fachkräfte ab, die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur des Landes wird weitgehend vernichtet – wie von der Renamo und ihren Hintermännern beabsichtigt. Die sitzen auch in der alten BRD, wie der Ex-Bundeswehroffizier Erich Schmidt – Eenboom in seinem Buch „Der BND – die unheimliche Macht im Staate“ konstatiert, das bereits 1993 immerhin im angesehenen Econ-Verlag herauskommt. Eenbohm beschreibt eine makabre Szene: Im September 1991 drückt der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker bei einem Abendessen in Bonn dem mosambikanischen Präsidenten Joaquim Alberto Chissano „Anteilnahme am Schicksal Mocambiques“ aus. „Diese Worte“, so Eenboom, „galten dem Staatsoberhaupt eines Landes, dessen staatliche Existenz durch die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland im Zusammenwirken mit der CIA und der Republik Südafrika gezielt zunichtegemacht werden sollte. Durch die Unterstützung der Terrororganisation Renamo sollte der sozialistische Staat Mocambique destabilisiert werden, um nicht als Modell für andere Staaten im südlichen Afrika dienen zu können.“ Anders, als die Lohnschreiber der deutschen Gazetten und Sender dienstbeflissen nachbeten, handelte es sich eben damals keineswegs um einen „Bürgerkrieg“. Eenbohm fügt an, dass die deutsche Hilfe für die Terroristen bereits Mitte der 70er Jahre begann, als Renamo – Leute in einer Augsburger Polizeischule trainiert wurden.
Von-Weizsäcker-Fans wissen: Zu diesem Zeitpunkt war der spätere Bundespräsident noch Vize-Chef der CDU-CSU-Bundestagsfraktion. 

Renamo – Führung bei Strauß, Nato – Rogers, Kohls Afrika-Berater 
Auch der Frankfurter TV-Journalist Jürgen Roth beschrieb die westdeutsche Renamo – Hilfe ausführlich ebenso wie die der CIA: “Im März 1983 versammelte sich sogar der gesamte Renamo – Nationalrat in Köln, und, der Höhepunkt, im April 1988 fuhren die Verbrecher aus Mozambique – wieder einmal – in die Bayrische Staatskanzlei zu Franz-Josef Strauß. Alles ging top-secret vor sich, zu anrüchig waren die Repräsentanten der Renamo.“ Mit von der Partie ist danach immer Helmut Kohls Afrika-Berater, der Kieler Professor für politische Wissenschaften, Uni-Vizepräsident Werner Kaltefleiter. In Kiel, wo im soziologischen Seminar der Uni BND-Anwerbungen bekannt wurden, tagen die Kommandanten der Killertruppen öfters, sprechen laut Roth dort sogar mit dem ehemaligen Nato-Generalsekretär Bernard Rogers, oder dem Staatsekretär im Bundesverteidigungsministerium, Oberstleutnant a.D. Kurt Würzbach. Der Steuerzahler darf diese „Seminare“ auch noch fördern. In der Schweiz gibt es Treffen mit Bankern und Multis. Natürlich ist auch der Hochadel wie immer dabei: „Kaltefleiter verfasste darüber hinaus ein Empfehlungsschreiben für die Renamo – Delegation, gerichtet an das CSU-Mitglied Hans Graf Huyn. Er bat Huyn um die Vermittlung von Kontakten zu weiteren wichtigen Bundestagsabgeordneten. Erfolgreich.“ 

BND finanziert Waffen für die Terroristen
Roth zitiert in seinem Buch „Die Mitternachtsregierung“ auch den Renamo – Westeuropa – Sprecher Paulo Oliveira, der nach seinem Überlaufen Auskunft über Waffenlieferungen an die Terrororganisation gab, die der BND finanziert und Südafrika geliefert hatte: “Bei einer Sache, von der ich weiß, waren etwa eine Million Dollar im Spiel, die vom BND bereitgestellt worden waren, um Waffen zu kaufen.“ Wolfgang Richter, ab 1989 BND-Agent in Südamerika, wird als zuständiger Mann für logistische und finanzielle Hilfe genannt. Besonders bemerkenswert, dass laut Eenbohm die De-stabilisierung Mocambiques bereits unter Bundeskanzler Helmut Schmidt begann, der bekanntlich die deutschen Atomverträge zum Verkauf von AKW und Nukleartechnologie mit den Foltergenerälen der Militärdiktatur Brasiliens schloss. Kanzler Kohl habe die Destabilisierung noch einmal forciert, an der vier BND-Präsidenten teilgenommen hätten: Gerhard Wessel, Klaus Kinkel, Eberhard Blum, Hans-Georg Wieck. 

Solche Details hätte gewiss der Durchschnittsleser nicht nur aus den Hauptstadtmedien gerne vernommen, die, wohl wissend um die Brisanz, natürlich wie üblich kuschten. telegraph – Leser könnte eine Internet-Adresse interessieren, die auch die deutschen Renamo – Förderer auflistet. Anklickbar ist das leider portugiesisch abgefasste Dossier von Paulo Makwakwa. Der gehört zur Renamo – Spitze, steigt aber 1987 aus, nennt die Namen ausländischer Unterstützer: Unternehmen, reichlich US-Senatoren wie Jesse Helms und Robert Dole, selbstredend die deutsche Rechte inklusive BND, Verfassungsschutz und Konrad-Adenauer-Stiftung, Gerhard Löwenthal, Hans Graf Huyn und Hartmut Perschau. (http//:www.geocities.com/TheTropics/3206/dossier.htm) 

Folgt man den genannten Argumenten, wäre wohl reichlich Wiedergutmachung an Mocambique fällig. In der Hauptstadt Maputo erinnert man sich offenbar noch sehr gut an die DDR-Hilfe. Beim Empfang für den Grünen Joseph Fischer bringt Außenminister Leonardo Santos einen Toast auch auf den lieben Kollegen, Außenminister Oskar Fischer aus. Der amtierte bis 1990 gegenüber dem Palast der Republik im inzwischen natürlich weggerissenen DDR-Ministerium. 

Auch Angola wurde wie Mocambique 1975 unabhängig – und schon begann ebenfalls ein sogenannter Bürgerkrieg, der keiner ist, kostete bereits über eine halbe Million Menschen das Leben, hindert das extrem rohstoffreiche Land an der Entwicklung. Die Parallelen zu Mocambique sind überdeutlich. 

Literatur: Jürgen Roth, Schmutzige Hände – Wie die westlichen Staaten mit der Drogenmafia kooperieren, Bertelsmann, 1999 

…Monika Smardz, die Leiterin der Viehzuchtabteilung, hatte an diesem Tag Haushaltstag. Am Morgen in Lichinga sah sie die Opfer zum letzten Mal: den Bauingenieur Manfred Lindner, den Meister Klaus Einicke, die Mechanisatoren Helmut Liepe, Hans-Jürgen Michel und Hans-Dieter Wagner, den Fachmann für Beregnung und Rodung Günter Skibbe, den Brigadier für Feldwirtschaft Uwe Wriedt und ihren Ehemann Wolfgang Smardz. Etwa 10 Kilometer vor Unango wurde die Kolonne beschossen und zum Halten gebracht, die meisten der DDR-Bürger und fünf mosambikanischen Begleitkräfte starben durch Kopfschüsse aus nächster Nähe. Auch einer der beiden in der ADN-Meldung erwähnten Verletzten erlag seinen schweren Verletzungen…

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Ausriß.

Kindersoldaten in Brasilien – strategischer Partner der Merkel-GroKo:http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/22/brasiliens-kindersoldaten-junge-kinder-mit-waffen-die-einfach-anderre-kinder-erschossen-haben-die-sie-gerade-mal-schief-angeschaut-habenlesermail/

bosshartmpikinder.JPGZeitungsausriß NZZ.

Morde und Alltag der Brasilianer – Medienfotos:  http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/05/brasiliens-zeitungen-eine-fundgrube-fur-medieninteressierte-kommunikations-und-kulturenforscher/

MosambikSchuch1

Inzwischen existieren zahlreiche “Studien”, “Untersuchungen”, Bücher aller Art, die auf eine Delegitimierung der DDR-Entwicklungshilfe für Mosambik zielen. Mosambik im pädagogischen Raum der DDR. Eine bildanalytische Studie zur “Schule der Freundschaft” in Staßfurt(54,99 Euro), von Jane Schuch, laut Klappentext “wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaften der Humbold-Universität zu Berlin steht dafür exemplarisch. Das Buch wurde 2013 vom Verlag “Springer VS” herausgegeben. Es ist auffällig stark von politisch-ideologischen-Leitlinien Westdeutschlands bestimmt. Das komplette Verschweigen des BND-Kontexts, der Rolle westdeutscher Regierungen beim Einsatz von Kindersoldaten in Mosambik weist auf die bemerkenswerte Staatsnähe von Autorin, Lektoren, wissenschaftlichen Betreuern, im Grunde der gesamten Humboldt-Universität hin. Für ein Buch, das sich just der Erziehung von Kindern und Jugendlichen mittels Entwicklungshilfe in einem stark unterentwickelten Land wie Mosambik widmet, erscheint besonders gravierend, die entsprechenden militärischen, politischen, propagandistischen Reaktionen Westdeutschlands auf diese DDR-Entwicklungshilfe nicht zu nennen. So heißt es in einer Fußnote auf Seite 22 lediglich:”Nach der Unabhängigkeit Mosambiks im Jahre 1975 transformierte die Befreiungsbewegung zur Staatspartei und erklärte den Marxismus-Lenininsmus als Verfassungsgrundlage. Im Gegenzug gründete sich u.a. mit Unterstützung von Südafrika und den USA die militärische Gegenbewegung RENAMO(Resistencia Nacional Mocambicana), was zu einem erbitterten Bürgerkrieg führte. der politisch und ökonomisch weitreichende Folgen hatte. Dieser konnte erst 1992 unter internationalem Druck beendet werden. Diese Ereignisse trugen dazu bei, dass Mosambik in den 1980er Jahren zu den zehn ärmsten Ländern der Welt gehörte…”

Die “Studie” von Jane Schuch vermerkt zwar, daß sich zeitweilig gleichzeitig bis zu 1200 DDR-Bürger in Mosambik aufhielten – daß  diese, darunter auch zahlreiche Lehrer und Ärzte aus der DDR, auf Anweisung aus der Bundesrepublik Deutschland als Terrorziele galten, mithin auf einer Todesliste standen, erfährt man nicht, was Bände spricht.  Just Lehrer, Erzieher der DDR in Mosambik, der “Schule der Freundschaft” in Staßfurt   entsprechend eng verbunden, hatten damit zu rechnen, auf Geheiß von NATO-Staaten wie den USA und der BRD auf zumeist sadistische Art ihr Leben zu verlieren – im historischen Kontext der beiden deutschen Staaten eine besonders hervorhebenswerte Tatsache – die in dem Buch der Humboldt-Universität indessen fehlt. Die eine Seite sorgte sich um das bessere Leben/Überleben von Kindern, die andere Seite sorgte u.a. gemäß den Angaben der Berghof-Foundation Berlin für den Tod von etwa 600000 Kindern – denn der Aggressionskrieg von westlicher Seite gegen Mosambik war ursächlich dafür.

Bemerkenswert – und nicht nur typisch für das Schuch-Buch – die offenbar panische Angst vor politisch unkorrekten soziokulturellen Besonderheiten in Mosambik, darunter der verbreiteten Polygamie:

Doch Gesetze sind eine Sache. Die Realität sieht oft anders aus, vor allem wenn es um „Kultur“ oder „Traditionen“ geht. Ein krasses Beispiel dafür ist die Polygamie, die in ländlichen Regionen weit verbreitet ist. Dort haben Männer bis zu zehn Frauen. „Die Leute rechtfertigen die Polygamie damit, dass sie zu unserer Kultur gehört. Aber wir haben ein neues Familiengesetz, das es Männern nicht mehr erlaubt, zwei oder drei Frauen zu heiraten“, sagt Palmira Velasco, die Präsidentin der Journalistinnenvereinigung. Tatsächlich regt sich mancherorts Widerstand. Viele Frauen aber, das Beispiel ihrer Väter und Mütter vor Augen, akzeptieren die Vielehe. „Vergessen wir nicht, dass wir lange in einem patriarchalischen System gelebt haben“, meint die Journalistin Acia Sales. Das lasse sich nicht so ohne weiteres von heute auf morgen umkrempeln.” Österreichische Zeitschrift “Südwind” 2007.

Polygamie-Video – der soziokulturelle Hintergrund von Schülern der “Schule der Freundschaft” in Staßfurt:https://www.youtube.com/watch?v=wo45pM4XR4Q

http://elenabroad99.blogspot.com/2017/10/frauen-in-mosambik-ohne-mann-besser-dran.html

https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/mosambik-zwei-stimmen-einer-frau

In Maputo wurde von Bessergestellten, darunter Mitgliedern des Regierungsapparats berichtet, die in Polygamie mit über zwanzig Frauen lebten. 

Obwohl das Thema nicht nur unter den DDR-Entwicklungshelfern in Mosambik, sondern auch an der “Schule der Freundschaft” in Staßfurt ständig präsent war, fehlt es in der kuriosen Studie der Humboldt-Universität, aber auch in anderen Publikationen dieser Machart völlig. Bemerkenswert realitätsfremd wird zudem die Hygiene-Problematik von Mosambik behandelt. Ärzte und anderes medizinisches Personal waren damit selbst in der Hauptstadt Maputo stets konfrontiert –  es existiert eine Flut von Fällen, Beispielen, die natürlich auch an der Humboldt-Universität bekannt sind.

Nach dem Wegzug von Portugiesen nach 1976 zogen Mosambikaner in deren Appartementhäuser ein, hielten dort selbst in höhergelegenen Stockwerken, darunter auf Balkons, in Badezimmern Schlachttiere.

Ein DDR-Arzt wurde in Maputo von einem in Polygamie mit vier Frauen lebenden Mosambikaner immer wieder aufgefordert, die Kinderlosigkeit einer der vier zu beheben. Der Arzt diagnostizierte die Frau als völlig gesund, stellte indessen schließlich fest, daß es an den Modalitäten des Geschlechtsverkehrs lag: Der Mosambikaner schlief, was ihm nicht bewußt war, mit drei Frauen stets in deren fruchtbarer Phase, mit der vierten indessen in der unfruchtbaren. Also riet der DDR-Arzt einfach dazu, beim Geschlechtsverkehr die Reihenfolge der Partner zu verändern – und schon klappte es, wurde nun auch jene vierte schwanger, wurde der DDR-Arzt von dem Mosambikaner reich beschenkt. Der Mann hatte bereits eine beträchtliche Zahl von Kindern gezeugt – doch um deren Unterhalt, Ernährung, Kleidung etc. brauchte er sich wegen der geltenden eingewurzelten Traditionen nicht zu kümmern – dafür waren ausschließlich die Frauen verantwortlich und zuständig. Sie erledigten durchweg die schwere Feldarbeit, teilten sich die aufwendige Hausarbeit auf – während er sich bedienen ließ, seine Zeit häufig mit anderen ebenfalls polygam lebenden Männern verbrachte.

Als die FRELIMO-Regierung ein Anti-Polygamie-Theaterstück durchs Land schickte, stieß dies nicht einmal in der Hauptstadt beim weiblichen Publikum auf Zustimmung – sondern teils auf sehr scharfe Ablehnung. Zu den Gegenargumenten zählte: Bei Monogamie lastet alle Feld-und Hausarbeit auf einer einzigen Frau, jetzt wird die Last geteilt. Ein Leben in Monogamie verspricht Langeweile, Ödnis – da es ja zuhause dann keine Gleichgesinnten mehr gibt, mit denen man reden, plaudern, diskutieren kann.(Kurios – derartige Denkweisen findet man heute auch unter Migrantenfrauen in Ostdeutschland, darunter in Thüringen.)

Als die FRELIMO für mehrere Dutzend Frauen auf einem Landgut außerhalb von Maputo einen politischen Bildungskurs veranstaltet, äußern sich diese gleich bei der Ankunft sehr unzufrieden. Denn lediglich zwei Männer, die Kursleiter, waren vorhanden – natürlich viel zu wenig für ausreichenden Geschlechtsverkehr. Die  Frauen nahmen die Sache in die Hand, legten fest, welcher Mann an welchen Tagen mit welchen Kursteilnehmerinnen zu schlafen hatte, damit jede einigermaßen zu ihrem Recht kommen würde. Als die Sache nach Kursende publik wurde, drang die FRELIMO auf eine juristische Klärung der Schuldfrage, nahm fälschlicherweise an, die Initiative sei von den Männern ausgegangen – und mußte sich eines besseren belehren lassen.

Direkt skurril, daß dieser hochwichtige soziokulturelle Kontext in der “Studie” fehlt – zumal er in der Staßfurter Schule die entsprechend wichtige Rolle spielt. Nicht anders gehen heute u.a. deutsche Medien scheinheilig politisch korrekt mit hochproblematischen soziokulturellen Verhaltensweisen von Migranten um.

Nur wenige Schritte von der Universität entfernt, ebenfalls Unter den Linden, befindet sich das “Forum Willy Brandt Berlin” – auch SPD-Ikone Brandt, gerne als großer Entwicklungspolitiker gerühmt, kommt indessen wegen seiner politischen Verantwortung für die Lage in Mosambik – zu Zeiten des Einsatzes von RENAMO-Kindersoldaten gegen “Brüder und Schwestern” – in der Schuch-“Studie” nicht vor.

:http://www.hart-brasilientexte.de/2015/07/28/willy-brandt-und-lateinamerikanische-folterdiktatoren-die-kuriose-interpretation-des-forum-willy-brandt-berlin-unter-den-linden-in-lateinamerika-stellt-sich-der-si-praesident-an-die-seite-der/

Was im Schuch-Buch der Berliner Humboldt-Universität so bemerkenswert ausgespart wird, findet sich u.a. im Sammelband “Wir haben Spuren hinterlassen! Die DDR in Mosambik”, LIT Verlag Münster 2005, 608 Seiten, herausgegeben “mit Unterstützung des Koordinierungskreises Mosambik e.V. Bielefeld”.

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Ausriß.

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“Am 25. Juni – also am Nationalfeiertag – schießen sie in der Nähe von Maputo einen Reisebus zusammen. Der Fahrer behält die Nerven, er fährt und fährt mit dem Wrack direkt zum Krankenhaus in Maputo. 26 Tote!”.

–Die ostdeutschen Kirchen und das große Schweigen zu den BND-Kindersoldaten-Aktivitäten in Mosambik:

Zu den aufschlußreichsten Beiträgen in dem Sammelband zählen die beiden Texte der DDR-Kirchenvertreterinnen Almuth Berger und Renate Romberg. “Ich war seit 1986 Pastorin in der Berliner St.Bartholomäus-Gemeinde. Von der Landeskirche war ich zusätzlich beauftragt mit der Seelsorge für die Gemeinde der mosambikanischen Christen, die bei uns eine Heimat gefunden hatten und arbeitete mit in dem Mosambik-Arbeitskreis des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR”, so Almuth Berger. “Der Runde Tisch empfahl die Einsetzung eines/einer Ausländerbeauftragten und schlug mich dafür vor. So wurde ich am 1. März 1990 als Staatssekretärin und Ausländerbeauftragte beim Ministerrat der DDR berufen…” Almuth Berger – eine echte Mosambik-Insiderin, mit genügend Autorität, die westdeutsche Seite zur Positionierung, zur Aufklärung in Bezug auf BND und RENAMO-Kindersoldaten, RENAMO-Terror, auf die Destabilisierungspolitik unter Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Willy Brandt aufzufordern. Doch die DDR-Pastorin schweigt dazu in ihrem Text, erwähnt den brisanten BRD&Kindersoldaten-Kontext nicht einmal. Hatten sich die von ihr seelsorgerisch betreuten Mosambikaner nie zur Rolle von BND, NATO & Co. geäußert? Was war da passiert(hinter den Kulissen), hatte man von interessierter Seite Einfluß genommen, Druck gemacht, damit brisante Informationen und Positionierungen nicht veröffentlicht wurden? Oder wollte Almuth Berger  aus den verschiedensten denkbaren Gründen dazu nichts sagen? An eine Pastorin aus der DDR stellen sich viele Fragen zur christlichen Ethik…

Berghof-Foundation, Berlin 2000:”Der Krieg zwischen RENAMO und FAM breitete sich in alle Provinzen aus und forderte bis zu seinem Ende 1992 ungefähr 1.1oo.000 Tote, darunter ca. 600.00 Kinder.

US-Protest 1983 bei Kanzleramtschef Waldemar Schreckenberger(CDU) in Bonn – gegen die Aktivitäten des BND in Mosambik:”Auch sei es nicht hinnehmbar , daß in Bonn Politiker empfangen würden, die in den USA als `faschistisch` eingestuft seien.”

Vom 4. Oktober 1982 bis zum 15. November 1984 war Schreckenberger Chef des Bundeskanzleramtes und zugleich in Personalunion Beauftragter für die Nachrichtendienste des Bundes. Die Funktion als Geheimdienstkoordinator hatte er noch bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundeskanzleramt am 30. April 1989 inne. Wikipedia

Für den Text von Renate Romberg gilt das Gleiche – natürlich werden auch von ihr politisch unkorrekte soziokulturelle Besonderheiten von Mosambik, darunter Polygamie, unter den Tisch gekehrt. Genannt wird die  “Assembleia de Deus – doch daß es sich um eine auf Wunderheilungen und Teufelsaustreibung spezialisierte Sekte handelt(siehe deren Agieren in Brasilien), erfährt der Leser nicht.

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Vergewaltigungskultur in Südafrika:http://www.hart-brasilientexte.de/2010/05/30/erzieherische-vergewaltigung-von-lesbischen-frauen-im-wm-land-sudafrika-laut-brasilianischen-medien/.

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/31/77-prozent-der-manner-sudafrikas-vergewaltigten-uber-zehn-frauen-laut-umfragestudie-machismus-gewalt-gegen-frauen/

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Der Fall Marianne Birthler – positionierte sie sich zu BND&Kindersoldaten, zum tödlichen Terror gegen DDR-Entwicklungshelfer, zu den von der US-Regierung als faschistisch eingestuften Bonn-Besuchern der Renamo?

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“Kämpferin”(DER SPIEGEL 2018) Marianne Birthler/GRÜNE, in Sao Paulo:http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/27/marianne-birthler-bundesbeauftragte-fur-die-stasi-unterlagen-expertenseminar-des-goethe-instituts-sao-paulo-uber-vergangenheitsbewaltigung/

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Ausriß DER SPIEGEL, 14.4. 2018: “…denn sie wurde in den Jahren der DDR, in der Zeit der Wende zu einer Kämpferin, natürlich ist sie für viele auch die Frau, die lange die Stasiakten verwaltet hat und beinahe Bundespräsidentin geworden wäre.”

Birthler – Deutsche Welle:

http://www.dw.com/de/brasilien-h%C3%A4lt-archive-verschlossen/a-4607671

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/27/marianne-birthler-verelendete-brasilianische-obdachlose-an-der-rechtsfakultat-sao-paulos-neben-franziskanerkloster-wahrend-des-expertenseminars-goethe-institut/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/24/marlon-weichert-deutschstammiger-bundesstaatsanwalt-teilnehmer-des-expertenseminars-uber-vergangenheitsbewaltigung-goethe-institut-sao-paulo/

 

“Vom Mut, nicht wegzusehen.  Joachim Gauck erinnert zum 30-jährigen Jubiläum an den Beginn der Wende in der DDR.” Ausriß SZ. Hatte der ostdeutsche Pastor Gauck in Bezug auf BND&Kindersoldaten Mut, nicht wegzusehen – oder verschwieg er das brisante Thema u.a. als Bundespräsident?http://www.hart-brasilientexte.de/2017/01/10/bundespraesident-joachim-gauck-ard-agitprop-film-zeigt-ihn-bei-fussball-wm-in-brasilien-doch-unterschlaegt-gaucks-beredtes-schweigen-zu-gravierenden-menschenrechtsverletzungensystematische-folter/

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Ausriß, Gauck in der Scheiterhaufenstadt Rio de Janeiro.

Menschenrechtssamba anklicken – “Der Irak ist hier”: http://www.youtube.com/watch?v=XkvjkxERac4

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/10/12/o-iraque-e-aqui-der-irak-ist-hier-hit-von-jorge-aragao/

Joachim Gauck und die Menschenrechte in Brasilien – der handverlesene Troß von begleitenden Medienfunktionären und die strengen Zensurvorschriften:  http://www.hart-brasilientexte.de/2013/05/17/brasilien-historischer-besuch-des-deutschen-bundesprasidenten-joachim-gauck-im-tropenland-trotz-gravierender-menschenrechtslage-folter-todesschwadronen-gefangnis-horror-sklavenarbeit-etc-b/

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Von bundesdeutschem Boden den Terror im Mosambik geplant, in: Frankfurter Rundschau, 4.10.1989, S. 18 (Dokumentation)

Siegfried Pater: CSU-Kontakte zur RENAMO bewiesen

UNITA-Vertretung in Bonn

BND und Journalisten als Informanten, Agenten:

Journalisten-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HauptartikelJournalisten-Skandal

Im Jahr 2005 wurde im Rahmen des sogenannten „Journalisten-Skandals“ bekannt, dass der BND im Zeitraum von 1993 bis mindestens 1998, mit Wissen und Billigung seines damaligen Präsidenten Konrad Porzner, mehrere deutsche Journalisten überwachte. In Weilheim (bei München) wurde das dortige „Forschungsinstitut für Friedenspolitik e.V.“ vom Kommando „QC30“ der Abteilung 8 des BND überwacht, da hier der Journalist Erich Schmidt-Eenboom arbeitete, der 1993 ein Enthüllungsbuch über den BND mit dem Titel Schnüffler ohne Nase veröffentlicht hatte. Da das Buch Insider-Informationen aus dem BND enthielt, wollte man „undichte Stellen“ in den eigenen Reihen enttarnen. Das Institut wurde dann jahrelang von der gegenüberliegenden Straßenseite aus observiert, sogar mit Kameras, die in der Sonnenblende eines Autos versteckt waren. Mit zeitweise bis zu 15 BND-Mitarbeitern wurde der Publizist bis ins Privatleben (etwa Saunagänge) überwacht, um BND-Mitarbeiter zu enttarnen, die Eenboom Informationen gaben. Bis ins Jahr 2003 wurde das Altpapier des Instituts vom BND monatlich von der Straße entfernt, gegen andere Tüten ausgetauscht und nachrichtendienstlich auf Informationen hin untersucht. Soweit öffentlich bekannt ist, brachten alle diese Überwachungsmaßnahmen der Behörde jedoch keine verwertbaren Erkenntnisse. Wikipedia

BNDEenboomEcon2

 

BNDEenboomEcon3

Umschlagtext.

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Ausriß – der BND und seine Leute in den Medien.

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Ausriß.

…Auch der Frankfurter TV-Journalist Jürgen Roth beschrieb die westdeutsche Renamo – Hilfe ausführlich ebenso wie die der CIA: “Im März 1983 versammelte sich sogar der gesamte Renamo – Nationalrat in Köln, und, der Höhepunkt, im April 1988 fuhren die Verbrecher aus Mozambique – wieder einmal – in die Bayrische Staatskanzlei zu Franz-Josef Strauß. Alles ging top-secret vor sich, zu anrüchig waren die Repräsentanten der Renamo.“…

“Rechtsstaat” BRD in Aktion:

Autor Jürgen Roth widmet ein ganzes Kapitel unter dem Titel “Der Bundesnachrichtendienst und eine Terrororganisation” – von Seite 69 bis Seite 107 – den Aktivitäten der BRD gegen Mocambiqe. Eine Zwischenüberschrift lautet:”Die Connection der Bundesrepublik zu Terroristen”. Roth stellt Anfragen bei der Bundesregierung, bei der SPD-Fraktion – bekommt leere Antworten. “Ein klares Bekenntnis jedoch kam von der FDP-Fraktion: Die RENAMO ist nach Auffassung der FDP  keine originäre Befreiungs-oder Widerstandsbewegung, sondern als Terrororganisation einzustufen.” Seitenlang beschreibt der Autor, mit welchem  Sadismus die RENAMO gegen die Zivilbevölkerung von Mocambique vorging. Bemerkenswert, welche deutschen Parteien bisher im Bundestag keinerlei Anfrage zu dieser BND-Thematik gestellt haben…

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“Die Mitternachtsregierung” Autor Jürgen Roth:https://www.amazon.de/J%C3%BCrgen-Roth-Mitternachtsregierung-Reportagen-Geheimdienste/dp/B002NLUFX6.

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Mosambik, der Tropensturm Idai, der BND und die RENAMO-Kindersoldaten:http://www.hart-brasilientexte.de/2019/03/21/mosambik-der-tropensturm-idai-2019-und-die-von-deutschen-staats-und-mainstreammedien-weiter-dank-strenger-zensur-verheimlichten-hintergrundinformationen-deutschland-die-usa-und-andere-nato-staa/.

MosambikBerghof1

Ausriß, Berghof-Foundation, Berlin 2000:”Der Krieg zwischen RENAMO und FAM breitete sich in alle Provinzen aus und forderte bis zu seinem Ende 1992 ungefähr 1.1oo.000 Tote, darunter ca. 600.00 Kinder. Weitere 250.000 von ihren Familien getrennte Kinder, 1.5 Millionen Flüchtlinge und 4 – 4,5 Millionen intern Vertriebene sowie die beinahe völlige Zerstörung von Infrastruktur und industriellen Einrichtungen waren die Folge.” Wie jene Medien in Thüringen/Ostdeutschland ticken, die diese BND-Faktenlage permanent verschweigen…http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/12/15/stasi-weiter-grosses-thema-in-thueringen-medien-vor-weihnachten-2019-was-der-bnd-in-der-ddr-in-mosambik-anrichtete-faellt-indessen-offenbar-unter-die-zensur-nach-wie-vor-keine-bnd-akten-behoerd/.

 http://www.hart-brasilientexte.de/2019/04/24/mosambik-dorothea-graefin-razumovsky-bnd-und-kindersoldaten-letzte-hoffnung-am-kap-deutsche-verlags-anstalt-stuttgart-explosive-informationen-zu-denen-maasspd-steinmeierspd-etc-lieber/

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/07/26/nazi-kriegsverbrecher-reinhard-gehlen-aus-erfurt-wieso-wurde-ihm-in-der-brd-nicht-der-prozess-gemacht/

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/05/18/bnd-spitzel-bnd-im-in-der-ddr-auch-30-jahre-nach-der-feindlichen-uebernahme-duerfen-ostdeutsche-nicht-erfahren-von-welchen-spitzeln-westlicher-geheimdienste-sie-damals-ausgehorcht-beschattet-wurde/

Rainer Grajek:

http://www.rainergrajek.de/welche-spuren-haben-wir-hinterlassen-beitrag-zur-tagung-respekt-und-anerkennung-in-magdeburg/

http://www.rainergrajek.de/

http://www.rainergrajek.de/berichte-aus-dem-morgengrauen/

http://www.rainergrajek.de/kreuz-und-quer-durch-afrika/

MosambikGrajek1

“Berichte aus dem Morgengrauen. Als Entwicklungshelfer der DDR in Mosambik”, Rainer Grajek, Bücherwerkstatt & Verlag Ute Vallentin

http://www.hart-brasilientexte.de/2019/09/07/papst-franziskus-blamiert-sich-2019-beim-besuch-in-mosambik-offenkundig-darfkann-er-nicht-mehr-befreiungstheologisch-argumentieren-kein-wort-zum-nato-krieg-gegen-mosambik-zur-rolle-westlicher-geh/

http://www.hart-brasilientexte.de/2019/09/04/papst-franziskus-nach-mosambik-im-september-2019-darf-er-auf-den-nato-krieg-gegen-das-afrikanische-land-auf-die-rolle-des-bnd-hinweisen-in-vorberichten-der-ard-sogar-kirchlicher-deutscher-medien/

Texte von Manfred Grunewald:

Manfred Grunewald

Frauenprießnitz

 

Abschlussbetrachtung

zur Magdeburger Konferenz „Respekt und Anerkennung“  vom 22.-24.02.2019 und vorherigen Auslassungen bezüglich der Ermordung von Spezialisten und Mosambikanern beim Terroranschlag am 06.12.2018 in Unango.

 

Mir sind einige Veröffentlichungen bekannt, die auf dieses Attentat eingehen bzw. dokumentieren.

  • Hans-Joachim Döring „Es geht um unsere Existenz“, 1999, aus Magdeburg
  • Grunewald Manfred, „Die Todesschüsse von Unango Erinnerungen an Mosambik 1984“, 2004 (Eigenverlag begrenzt)
  • Matthias Voß (Hrsg.): „Wir haben Spuren hinterlassen! Die DDR in Mosambik. Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse aus drei Jahrzehnten“, 604 Seiten. Jan. 2005
  • Köhler, Kasper – EXAKT-Film mit vorhergehenden Teilausstrahlungen beim MDR 2009/2010
  • Wikipedia: Der Anschlag von Unango (auch: Attentat von Lichinga) vom 6. Dezember 1984 bei Unango in Mosambik war einer der schwersten terroristischen Anschläge gegen DDR-Bürger. (enthält einige kleine Fehler)
  • Inzwischen findet man dazu Auslassungen in Blogs, in verschiedenen Internet-Seiten, in Büchern, Krimis usw. was immer seltsamere Züge annimmt.

 

Alle Schriften und filmischen Wahrnehmungen und Beurteilungen nehmen relativ spät diese Tatsache von Unango zur Kenntnis. Das wäre sicher anders gewesen, wenn dieses Ereignis nicht im Kontext der DDR-Mosambik-Beziehungen aufgetreten wäre.

Polizei, Justiz und Politik haben es total ausgespart und nicht zur Kenntnis genommen, bis Manfred Grunewald 2007 im Zuge von Filmaufnahmen die Morde erstmalig zur Anzeige gebracht hat. Bis dahin hatten die Betroffenen über 20 Jahre diesen Terrorakt in der Öffentlichkeit nicht thematisiert. Die LKA-Untersuchungen wurden 2009 beendet und es gab keine Versuche, den Staat Mosambik in die Verantwortung zu nehmen, zumindest eine Untersuchung einzuleiten und Täter und Auftrag-geber namhaft zu machen. Die Politik hat diesen Geschichtsteil DDR-Mosambik total vergessen, so dass die jetzige Konferenz in Magdeburg eine Überraschung darstellte und Bedenken der ehrlichen Bearbeitung der Themen meinerseits vorhanden waren. Mit dieser Meinung war ich nicht allein.

Wir nahmen zu sechst aus der Gruppe Lichinga-Unango teil an der Internationalen Konferenz „Respekt und Anerkennung“ in Magdeburg vom 22.-24.02.2019 zum 40. Jahrestag der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages durch Erich Honecker und Samora Moises Machel.

 

Die Dominanz der mosambikanischen Angelegenheiten der Madgermanes (ehemalige Arbeiter und Schüler aus Mosambik in der DDR) ist einerseits verständlich, weil es sich um eine große Anzahl von betroffenen Menschen handelt.

Respekt und Anerkennung muss man aber auch den Spezialisten/Kooperanten von deutscher Seite entgegen bringen, zumal es Tote gab.

 

Rückblick zum EXAKT-Film von Köhler und Kasper 2009/2010.

In Erkner anlässlich der Tagung der Freundschaftsgesellschaft wurde uns der Film erstmalig gezeigt. Wir hatten Interviews und der Begleitung des Kameramannes Thomas Kasper nach Lichinga in Mosambik zugestimmt, weil wir nach 25 Jahren meist schweigsamen Gedenkens innerhalb unserer Gruppe, nun die Öffentlichkeit suchten, verbunden mit der Errichtung eines kleinen Denkmals am Überfallsort in Unango. Zugleich war unser Ansinnen die Ehrung, Achtung und Würdigung unserer toten Kollegen. Uns war nicht bekannt, dass Dr. Döring einen kommentierenden Zwischentext in diesem Film sprechen wird. Die Familien hatten erwartet, dass man mehr auf die einzelnen Toten eingeht und die Ehrung mit mehr Würde begeht. Stattdessen wurden noch nicht einmal die Toten mit Namen genannt.

 

Durch Dr. Döring wurde dagegen die politische Schiene bedient:

  • Unter dem Deckmantel der Solidarität
  • Devisenschwäche der DDR
  • Größtes Projekt mit sozialistischen Musterbetrieben
  • Kriegsgebiet ist heißer Boden – mussten die Teilnehmer wissen
  • Einerseits Aufbauwille, andererseits Risiko
  • Schließlich wurde die Arbeitskraft der DDR-Spezialisten entwertet – wurde richtig festgestellt
  • Scheitern der DDR in Afrika

 

Als sich die Spezialisten ausbilden ließen und in das Einsatzland Mosambik gingen mit Frauen und Kindern, hatte die Bedrohung im Norden von Mosambik keine Relevanz (Entfernung zwischen Maputo und Lichinga etwa 1800 km, keine Aktivitäten der RENAMO).

Die Verquickung von hohen staatlichen Interessen (DDR) mit ganz individuellen Motiven und Ansichten der Experten, die nur auf diese Weise einen anderen Kontinent/Land kennenlernen durften, ist so nicht akzeptabel. Die individuellen Interessen bleiben bei den Betrachtungen ganz außen vor, obwohl wir ja zahlreiche Hürden nehmen mussten, bevor wir Auslandskader wurden. Das ist in dem Film nicht gut rüber gekommen und wird nicht gewürdigt. Also mehr oder weniger – alle selber schuld. Wurde früher in DDR-Zeiten alles politisiert, ging es in dem Film so weiter, obwohl doch hier die Würdigung der Toten und ihrer Familien den Vorrang hätten bekommen müssen.

 Polizei und Justiz haben nach meiner Ansicht nicht alles getan, diese Morde aufzuklären.

Wenn Mosambik Amnestie und Verjährung beschließt, kann doch Deutschland nicht zusehen, dass damit auch ihre Toten einfach unter den Teppich gekehrt werden. Möglicherweise standen auch die Mörder beim Bundesentwicklungsminister in Deutschland an vorderster Stelle, als man Fördermittel verteilte. Das hat doch niemand überprüft.

 Politik und Medien haben nur begrenzte Aufmerksamkeit zugelassen, die Leistungen der Experten in Unango zu würdigen, ihren Tod als Schande einer verfahrenen Politik zwischen rivalisierenden Interessengruppen in Mosambik deutlich zu machen und diesen terroristischen Überfall als unmenschlichen Terrorakt zu verurteilen.

 Wirkungen der NVA, MfS, Kalaschnikow-Munition, Rivalitäten in der mosambikanischen Führungs-spitze, „Machels Streben“ nach stärkeren Waffen mit Inkaufnahme von deutschen Opfern – sind alles nur Spekulationen. Dass man anhand eines Überbleibsels eines Projektils schlussfolgert, dass es sich um eine Kalaschnikow sowjetischer Herkunft handelte ist doch eine echte Irreführung der Zuschauer, wenn man weiß, dass in mehr als 25 Ländern der Erde Kalaschnikows hergestellt wurden und darunter vor allem Südafrika die RENAMO belieferte.

Da kann man andererseits die Rivalitäten der Mächtigen im Kalten Krieg eher als Ursache ansehen, wie das auch bei Mankell und anderen Intellektuellen ziemlich unumwunden analysiert wurde.

 Dass die Konferenz in Magdeburg zuerst den „Madgermanes“ Aufmerksamkeit zuwandte, ist einerseits verständlich, aber Respekt und Anerkennung können auch die DDR-Spezialisten erwarten zumal es Tote gab.

Der deutsche Einigungsvertrag hat vieles „vergessen“, so auch die mosambikanische Schiene. Spätestens der Bundespräsident Horst Köhler (Finanz- und Wirtschaftsexperte) hätte bei seinem großen Schuldenerlass gegenüber Mosambik die paar Millionen für die „Madgermanes“ separat anzeigen müssen, die für die Abfindung dieser Leute zweckgebunden hätten verwendet werden müssen, damit das dortige korrupte Regime nicht über diese Millionen der ehemaligen Arbeiter verfügen kann. Köhler ist genau wie die DDR-Spitze auf die korrumpierten Regierungsvertreter Mosambiks hereingefallen. Heute bleibt am Ende nur die Schaffung eines Hilfsfonds für die „Madgermanes“.

 Alles der DDR im Nachhinein als unseriös in die Schuhe zu schieben, ist nicht korrekt. Wir haben als Spezialisten keine Reichtümer erworben, aber die uns zustehenden finanziellen Mittel sind uns vollständig zuteil geworden. Vergleichen kann man das nicht mit den heutigen Zahlungen an Bundeswehrangehörige oder zivile Experten.

 Die Durchführung der Magdeburger Konferenz halten wir für eine gute Sache, obwohl wir mit Skepsis dorthin gefahren sind. Herrn Dr. Döring und seinen Verbündeten sagen wir daher unsere Anerkennung. Uns war die gesellschaftliche Missachtung der ehemaligen Vertragsarbeiter in Mosambik in dem Maße nicht bekannt. Wir haben immer noch Kontakte zu mosambikanischen Menschen, die von uns ausgebildet wurden und diese sind anerkannte Fachleute ohne Einschränkungen:

  • Paulino Juma Paulo, Lichinga – betreibt eine kleine landwirtschaftliche Kooperative
  • Jaime Jafar Kapungwa, Leipzig – ist Mitarbeiter einer kirchlichen Einrichtung in Leipzig und hat in seinem Heimatort Lione bei Lichinga eine Schule und ein Geburtshaus initiiert.
  • Matias Chissancho, Beira, Lektor, Finanzfachmann (Ehefrau Dr. Franziska Steinbruch stammt aus Jena, beide haben in Freiberg Sa. studiert) Er hat in der Katholischen Universität Beira gelehrt.
  • LKW-Fahrer, Traktoristen, Schlosser, Kaufmann in Lichinga wurden besonders gern in Arbeitsstellen übernommen, weil sie bei den deutschen in Unango ausgebildet wurden.

 

Gedenken für die Terroropfer 1984 und Menschen, die für ihre Erinnerung eingetreten sind.

Wir konnten mehrfach feststellen, dass die Menschen bei Unango, das Denkmal pflegen und unserer Toten gedenken. Die Schweizer Botschafterfrau Maya Litscher aus Mbuna Bay bei Metangula am Niassasee hat sich mehrfach um das Denkmal gekümmert.

Bedauerlich ist, dass der Filmemacher Henry Köhler am 20.06.2013 zusammen mit seinem Vater und einem Kollegen bei einem Verkehrsunfall bei Dessau auf der A 9 im Auto verbrannt ist.

Am 27.01.2019 starb in Lichinga bei einem grässlichen Autounfall der Unternehmer Fazal Camiro Lacá und seine Ehefrau, die uns beide in unserem Dilemma 1984 als ganze Gruppe unterstützten und auch 2009 bei der Errichtung des Denkmals alle Wege ebneten. Er hielt bei der Einweihung die beste Rede, wobei er vor allem die Jugend ansprach und Kriege und Terror geißelte.

 

 

Zusatz

Eigentlich ist ganz Europa in Mosambik und darüber hinaus in Afrika gescheitert, wenn man die Ausführungen des jetzigen Entwicklungsministers Gerd Müller oder die Auslassungen von Sigmar Gabriel analysiert.

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Rede in Erkner am 17.04.2010

gehalten von Manfred Grunewald

zur 7. Konferenz der Freunde von Mosambik

 

Werte Anwesende!

 Wir besuchten Mosambik nach 25 Jahren im Rahmen einer ganz privaten Erinnerungs- und Gedenkreise vom 01. bis 17.12.2009.

An der Reise nahmen teil:

-           Wilfried Meinert, er war drei Jahre in Unango als landtechnischer Ingenieur tätig, ausgereist 2 Monate vor dem Überfall.

-           Edith Skibbe, Ehefrau eines Opfers, arbeitete halbtags für AHB Fortschritt, Dank für ihre Entscheidung, nach Lichinga mitzufahren.

-           Dieter Kienitz, Lebenspartner von Edith Skibbe, Dank für Mitreise und Anteilnahme sowie Interesse.

-           Dieter Obendorfer, Stellv. Leiter der Aufbauleitung für das Projekt 120.000 ha in Maputo und Dank für sein jetziges Engagement im Rahmen dieser Reise.

-           Manfred Grunewald, damals Hauptbuchhalter in Unango (1 Jahr), befand sich in Maputo auf Heimreise und war dadurch nicht im Transport nach Unago am Tage des Überfalls.

 Das Projekt wurde in den 80-er Jahren vorbereitet unter der Regie des Landwirtschafts-ministeriums der DDR, woran auch Dr. Döbel, hier im Saal anwesend, (nicht Dr. Döring aus dem Film), beteiligt war. Bei der Auswahl der Flächen in Unango gab es keine Vertreibungen privater Machamba-Besitzer. Es haben sogar zwischen unseren Flächen einige Privatflächen gelegen, die von der Staatsfarm nicht angetastet wurden.

Die Bedingungen auf der Hochebene von Niassa boten sich auch deshalb an, weil das Land äußerst dünn besiedelt war und bei 1300 bis 1400 Höhenmeter auf der Hochfläche gute Bedingungen zu erwarten waren, was sich auch bestätigte.

Wir waren vor 25 Jahren zumeist vorbereitet worden in landwirtschaftlichen Lehrgängen in Zschortau und Lützschena bei Leipzig. Das hat uns damals von Anfang an geholfen, gute Arbeit vor Ort zu leisten. Wir konnten uns von Anfang an in Portugiesisch direkt verständigen und somit in der täglichen Arbeit mit den Menschen direkt vor Ort wirksam werden. Kooperanten aus anderen Ländern brauchten dazu Übersetzer. (Z.B. Chinesen und Rumänen)

Der jetzige Minister für Transport und Kommunikation in der Zentralregierung in Mosambik und damalige Direktor der Staatsfarm Unago erklärte uns jüngst in Maputo, dass Unango das fortgeschrittenste Projekt gewesen sei und deshalb in den Focus der Widersacher geriet.-

Ich habe eine Broschüre von 100 Seiten 2004 fertiggestellt und den betroffenen Familien verkauft, wobei Geld gesammelt wurde für die Schule in Lione bei Lichinga, welche wir jetzt auch besuchten. (Der Initiator der Schule ist Jaime Jafar Kapungwa aus Leipzig, der so seinen Heimatort unterstützt).

Die Broschüre ist gewidmet der Erinnerung unserer Toten vom 06.12.1984, die in der Nähe von Unango, Provinz Niassa, brutal umgebracht wurden.

Der Einsatz in der Entwicklungshilfe im Empresa Estadal da Agricultura im Rahmen eines Staatsvertrages in der Staatsfarm Unango endete tragisch, da die Gruppe überfallen wurde auf der Fahrt zur Arbeit und fast alle europäischen Entwicklungshelfer, die sich im Transport befanden, getötet wurden. Es waren:

-           Wolfgang Smardz, aus Frauenprießnitz bei Jena (wo auch ich herkomme). Er war Stellv. Chef der Staatsfarm, aber auch Chef der Gruppe Lichinga, denn es wohnten noch weitere Familien in Lichinga, so dass er auch eine Bürgermeisterfunktion hatte.

-           Uwe Wriedt, wohnte in der Nähe von Anklam, war führend in der Pflanzenproduktion und vertrat Wolfgang Smardz bei dessen Abwesenheit. Auch für Sicherheitsfragen war er zuständig.

-           Günter Skibbe, aus Rockensußra bei Sondershausen, Nordthüringen. Er wollte am nächsten Tag in Urlaub fahren mit seiner Frau Edith. Er war zuständig für Rodung, Melioration, Produktion von Holzkohle.

-           Manfred Lindner, Bauingenieur aus Erfurt (er war der älteste der Gruppe). Er hatte bereits nach 3 Jahren Tätigkeit verlängert, denn er wollte auf seinen Nachfolger warten. Ihm waren die guten Fortschritte in der Bautätigkeit auch zum Wohle der sozialen Absicherung mit Wohnungen zu verdanken. Er fand daher große Anerkennung bei den mosambikanischen Mitarbeitern.

-           Klaus Einecke, Agromechanisator und Zimmermann (er war mit 30 Jahren das jüngste Opfer). Er war universell einsetzbar und lernte viele Mosambikaner auch im Bauberuf an.

-           Helmut Liepe, Ingenieur für Landtechnik aus Zeppernick bei Köthen. Er hatte Wilfried Meinert abgelöst und war zuständig für die Werkstatt, die Technik, Ersatzteillager und Ausbildung in technischen Berufen.

-           Hans-Dieter Wagner, Agromechanisator aus Kyhna bei Delitzsch. Er hatte bereits eine volle Ernte als Mähdrescherfahrer geleistet und für die neue Ernte mit bester Feldarbeit die Grundlagen mit gelegt.

-           Hans-Jürgen Michel. Werkstattmeister aus Cottbus (er fuhr den ersten Tag zur Arbeit). Leider haben wir keine Kontakte zu seiner Familie herstellen können, da die Namen und Wohnorte der Verwandten unbekannt sind.

-           und ein jugoslawischer Entwicklungshelfer, Branko Vujovic. Er war in einer jugoslawischen Gruppe, die im Auftrag der UNO tätig war und landwirtschaftliche Versuchsanstellungen absicherte und auswertete.

-           Auch einige Moçambiquaner wurden Opfer dieses Überfalls, darunter der Motorista Manuel Daire, ein treuer Freund, der sehr viel Angst vor der RENAMO hatte. Er war ein ausgezeichneter ambulanter Händler im Auftrage der Farm, der bis zu 15.000 Maiskolben und dazu noch Gemüse an die Bevölkerung an einem Tage verkaufte.

-           und ein Diplomökonom mit amerikanischem Abschluss, Joseph Chemponda, nach wenigen Tagen seiner Tätigkeit, sowie weitere mosambikanische Mitarbeiter der damaligen Staatsfarm, die uns nicht alle mit Namen bekannt sind. Darunter sind 2 Bewacher aus dem Begleitschutz.

 Klaus Pohl aus Zobes bei Plauen wurde durch einen Beindurchschuss verletzt, und überlebte als einziger Europäer. Die Verletzung hatte keine schwerwiegenden körperlichen Folgen, aber seelisch hat es ihn stets belastet. Er war in der Farm zuständig für den Pflanzenschutz und die Düngung auf den Feldern.

 Der Überfall geschah am 06.12.1984 in den Morgenstunden auf der Fahrt zur Arbeit von Lichinga nach Unango, Entfernung 60 Kilometer. Es war ein Kolonnentransport unter Bewachung, aber die Bewacher waren Antigos Compatentes (alte Kämpfer), die keine gute Bewaffnung hatten und sich natürlich nicht offen dem Feuer plötzlicher Gegner aussetzten. Auch von ihnen starben einige. Ich sehe darin kein kapitulantenhaftes Verhalten, wenn man sich schützend zurückzieht in einem Feuergefecht.

Der vorderste LKW wurde von einer Granate getroffen und fuhr dennoch sofort weiter, denn sonst hätte es noch zahlreiche weitere Opfer gegeben. Dieser LKW hatte eine volle Ladung Mitarbeiter stehend auf der Ladefläche und transportierte sie zur Arbeit auf die Farm. Wir können die genaue Anzahl der Opfer auch jetzt nicht benennen, weil exakte mosambikanische Untersuchungen bzw. Berichte nicht vorliegen.

 Die TV-Beiträge von Henry Köhler und Thomas Kasper möchte ich hiermit würdigen, wenn ich auch nicht alle Aussagen und Fragestellungen bejahen kann.

Die Gruppe Lichinga-Unango hat sich jahrelang zurück gehalten und ist nicht an die Öffentlichkeit getreten bezüglich des Attentats und seiner Folgen.

Eine unsensible Wiedergabe eines Fotos mit fehlerhaftem Artikel im Vogtland in einer regionalen Sonntagszeitung hat uns gezeigt, wie fehlerhaft Medien oft mit solchen Themen umgehen.

Erst Herr Köhler und Herr Kasper haben sich mit Bedacht und umsichtiger Recherche dieses Themas angenommen, wir hatten aber Zweifel und Hemmungen. Wir wollten das Andenken an unsere Kollegen nicht beschädigen oder in primitiven Medienberichten wieder finden.

Heute wissen wir mehr, denn Medien stellen auch Bedingungen, wenn sie etwas senden wollen.

Der terroristische Überfall auf unsere Gruppe in Unango hatte für die Frauen und Kinder, für ihre Familien und für die Kollegen wie Meinert und mich traumatische Folgen, weshalb wir fast alle zwei Jahrzehnte das Thema nicht in der großen Öffentlichkeit erörtern wollten. Wir haben zwar unter einigen Familien Freundschaften gepflegt und uns besucht. Es gab auch nach zwanzig Jahren ein Treffen in Frauenprießnitz, das ich organisiert hatte mit meiner Frau, aber auch daran konnten und wollten nicht alle teilnehmen, was man durchaus verstehen kann.

Es gab Familien, die auch nach Afrika noch schwere Schicksalsschläge hinnehmen mussten, wie Krankheiten, Todesfälle, tödliche Unfälle, Arbeitslosigkeit mit schweren Folgen. Es gibt Familien, in denen diese Traumata von Mosambik nie bewältigt wurden. Mitunter ist es das Totschweigen aller Berührungspunkte zu diesem Thema, unausgesprochene Vorwürfe an die Überlebenden, fehlende Kenntnisse über den Einsatz im Ausland, falsche Meinungsmache der Medien über das DDR-Auslandsengagement usw.

Jetzt melden sich Personen aus den Familien beim MDR oder bei uns Beteiligten aus der nächsten Generation. Die Enkelkinder der Getöteten, die damals kleine Kinder waren oder erst später geboren sind, eine jüngere Schwester eines Getöteten, die dringend ein Foto von ihrem Bruder sucht, und vieles andere kommt jetzt nach den EXAKT-Sendungen an uns heran.

 Ich habe es aufgegeben zu schweigen, denn alle Toten von Unango sind es wert, dass man über sie spricht, dass man sich ihrer erinnert und dass man ihrer gedenkt, denn sie haben alle mit einer zutiefst humanen Grundeinstellung, fachlichem Können und einem großen persönlichem Engagement einer guten Sache gedient. Sie alle wollten helfen, ein durch Kolonialismus und Krieg gebeuteltes Land aufzubauen, die Bevölkerung besser mit Nahrungsgütern zu versorgen und bei der Bildung der Menschen einen Beitrag zu leisten. Das alles war in Unango auf einem guten Weg und es gab dort Chancen, ein gutes Beispiel zu schaffen. Heute wird das vielfach anders gesehen. Auch damals gab es schon Stimmen, man solle doch die Afrikaner in Ruhe lassen, denn sie könnten den Fortschritt sowieso nicht begreifen und verkraften.

Dann dürfen wir auch nicht touristisch in diese unterentwickelten Länder reisen. Dann haben wir auch als Touristen dort nichts verloren. Aber ich denke, dass in der Welt von heute sauberes Wasser, Strom, Leben ohne Hunger, gesundheitliche Betreuung und Bildung als Grundbedürfnisse auch jedem Entwicklungsland zugebilligt werden müssen.

 Nach den ersten EXAKT-Sendungen habe ich im April 2007 bei der Staatsanwaltschaft Gera Anzeige erstattet wegen der Toten von Unango. Man wollte es gar nicht glauben, dass dort 1984 acht Deutsche starben, wozu es noch keinerlei Untersuchungen gab. Das Thüringer LKA hat nun den Fall untersucht und auch in Karlsruhe wurde der Fall geprüft, denn Terror und Auslandmorde sind in der BRD eigentlich Aufgaben der Generalbundesanwaltschaft. Der Fall wurde aber zurückgegeben an das Thüringer LKA, wo er weiter untersucht wird.

Die Begründung lautet:

„Der terroristische Überfall auf DDR-Bürger im Jahr 1984 hat die Bundesrepublik Deutschland nicht gefährdet und der Terrorismus-Paragraf wurde erst nach 2001 geschaffen, so dass der Fall beim LKA in Erfurt verbleibt.“ Wir können daran nichts ändern, aber man darf wohl darüber nachdenken.….

 Ich wurde nur einmal von einem Staatsanwalt telefonisch informiert. Dagegen war das LKA mehrfach bei mir und anderen Betroffenen zur Vernehmung.

Am 02.11.2009 erhielt ich die schriftliche Mitteilung, dass der Fall an den Generalstaats-anwalt in Mosambik abgegeben sei und zwar seit August 2009, was mir auch die deutsche Botschaft in Maputo bestätigte. Man stellt sich aber die Frage, warum nicht schon zwei Jahre früher die mosambikanische Seite einbezogen wurde.

Außerdem teilte man mir mit, es gebe leider keine Aussage des damaligen Direktors Paulo Francisco Zucula, der als Schlüsselzeuge von mehreren angesehen wird, weil er im Transport war und auch eine Verletzung davon trug. Mich hat er in den achtziger Jahren in Frauenprieß-nitz besucht und auch Klaus Pohl und Wilfried Meinert hatten persönliche Treffen mit ihm in dieser Zeit. Er wollte unbedingt sehen, wo Wolfgang Smardz gelebt und gearbeitet hat, denn er hatte große Achtung für ihn und seine Leistung empfunden.

Wir haben Paulo Francisco Zucula danach mehrfach im Deutschen Fernsehen erlebt bei Interviews anlässlich der großen Naturkatastrophen in Mosambik, wo deutsche Sender ihn vor Ort aufsuchten, denn er war der Chef der Katastrophenkommission Mosambiks und hatte damit viel Einfluss auf Hilfsmaßnahmen und Hilfsfonds.

Wir haben Paulo Zucula, der heute Minister für Transport und Kommunikation in der Zentralregierung in Maputo ist, auf unserer Reise im Hotel Cordoso am 16.12.2009 in Maputo getroffen, wo er u.a. erklärte, er habe drei Seiten schriftliche Aussage zum Überfall in Unango an die Deutsche Polizei übergeben.

Jetzt muss ich mich fragen, wer die Unwahrheit sagt, die deutsche Staatsanwaltschaft oder Paulo Zucula, oder wo ist diese schriftliche Aussage geblieben?

Ich werde P.Z. erneut kontaktieren, denn er hat uns wiederholt gesagt, dass ein ehemaliger Mitarbeiter unserer damaligen Staatsfarm (1983 Mitarbeiter der Buchhaltung) offensichtlich ein Drahtzieher dieser tödlichen Attacke gegen unsere Gruppe war und daraus auch ökonomisch profitiert habe. P.Z. hatte diesen Kollaborateur nach dem Geschehen in Nampula getroffen, ihn zur Rede gestellt und ihm diese Tatsache vorgehalten, die der vermutliche Verbündete der Angreifer auch unumwunden zugab.

Ich möchte seinen Namen auf der Fahndungsliste Europas sehen, damit dieser Mensch nicht noch als erster in der Reihe der Empfänger beim Entwicklungsminister Niebel in Berlin auf dem Teppich stehen darf, was mich nämlich nicht verwundern würde.

Leider ist es in Mosambik kein Problem, seine Identität zu ändern und seit 17 Jahren gibt es eine Amnestie für aktiv Beteiligte des Bürgerkrieges.

Identität – neuer Ausweis, neuer Name mit zwei Zeugen, keine Standesämter oder Archive – alles Tatsachen, die ehemaligen Tätern die Möglichkeit bieten, sich Befragungen und der Verantwortung zu entziehen.

Amnestie seit 17 Jahren, keine ausreichende Justiz, keine ausreichenden Gefängnisse, ja nicht einmal ausreichende Polizei oder Essen für Gefangene – sind ebenfalls Praxis in Entwick-lungsländern wie Mosambik.

  1. Zucula hat auch bekräftigt, dass die größten Unterstützer für die Renamo aus Südafrika (Apartheid), aus Portugal und der BRD kamen.

Zu diesem Thema gab es ja auch schon Aussagen und offene Fragen in dem Buch „Wir haben Spuren hinterlassen“ und das kann man dort nachlesen. Darin wurden auch die Opfer von Unango gewürdigt.

Hinsichtlich der Täter und der Schuld gibt es keine abschließenden Beweise, im Gegenteil. Verschiedene Vermutungen und Annahmen, die auch in Exakt-Beiträgen anklingen, kann ich nicht befürworten. Unango war mit dem Namen des damaligen Präsidenten Samora Machel verbunden. Daher glaube ich nicht, dass die FRELIMO billigend (und damit wissentlich) die Opfer unserer Gruppe hingenommen habe, um zu schwerer Kampftechnik für die Armee aus DDR-Lieferungen zu kommen. Samora Machel wollte in Unango, also im Norden, wo er den Befreiungskampf so erfolgreich begann, auch ein ökonomisches Projekt zum Erfolg führen. Da bin ich mir gewiss. Dass es in jener Zeit 1984 Richtungskämpfe in der FRELIMO-Spitze gegeben habe, ist meines Wissens bis heute nirgends offen gelegt und demzufolge auch nur Spekulation.

 Dank müssen wir sagen an den Geschäftsmann Fazal Camiro Luca in Lichinga, der uns in unserem Dilemma nach dem Überfall 1984 unterstützt hat und die Versorgung unserer Gruppe bis zum Abflug sicherte. Auch jetzt hat er die entscheidenden Fäden gezogen und persönlich viel aufgewendet, um unseren Aufenthalt mit zu organisieren und abzusichern. Wir haben die Hoffnung, dass wir ihn in Deutschland eines Tages als Gast begrüßen und betreuen können.

Wir haben Hilfe und Unterstützung erfahren durch Paulino Juma Paulo aus Lichinga, sowohl als Dolmetscher und Organisator. Er war unser damaliger Mitarbeiter, lebte zur Ausbildung in Deutschland und hat auch das Grab von Wolfgang Smardz in Steudnitz bei Jena besucht, um alle Opfer zu ehren.

Auch Gabriel Sonjo, Traktoristen, LKW-Fahrer und andere haben wir gern getroffen und danken für ihre Mühen.

Bestens verbrachten wir einige Tage Urlaub in Mbuna Bay am Niassa-See, wo die Frau des Schweizer Botschafters eine Lodge errichtete mit 40 mocambiquanischen Arbeitsplätzen, was man als Urlaubsort unbedenklich weiter empfehlen kann. Informationen dazu können jederzeit von uns abgerufen werden.

 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 Nach dieser Diskussionsrede von Manfred Grunewald gab es mehrere Wortmeldungen und Fragen.

Man ist enttäuscht, dass gar nichts übrig geblieben ist von der damaligen Farm und warum ist das so.

MG hat erläutert, dass der Terror-Überfall eine sehr schnelle kurze Aktion war, wie auch jetzt bei dem Besuch bestätigt wurde. Die Mitarbeiter des Betriebes durften die Machamba und alle Felder nicht mehr betreten, denn sie wurden ständig mit Waffen bedroht (Heckenschützen). Die Maschinen wurden unter militärischer Bewachung nach Matama bei Lichinga gebracht und in diesem ldw. Betrieb weiter genutzt. Auch einige Betriebsangehörige wechselten dorthin. Alles im Betrieb wurde sukzessive zerstört, auch die Wasserstaue. Einer davon wurde inzwischen wieder repariert, was man jetzt auch im Film sah.

Die Benutzung von Kalaschnikows und dazugehöriger Munition durch die Angreifer (Obduktionsergebnis) gibt für mich keinen Hinweis auf die Täter, denn die weltweit am weitesten verbreitete Waffe ist die Kalaschnikow, die auch in zahlreichen Ländern legal und z.T. illegal produziert wird, auch in Südafrika. Auch einige andere (angeführte) Waffen haben die gleiche Munition.

 An der Konferenz in Erkner nahmen teil: Manfred Grunewald, Marion Grunewald, Edith Skibbe, Dieter Kienitz, Dieter Obendorfer. Leider konnte Wilfried Meinert nicht teilnehmen.

Dort gab es Kontakte zu Frau und Herrn Kranz aus Neustrelitz, Dr. Döbel aus Bad Langensalza, Frau Dr. Pittasch aus Cottbus u.a.

Seit 2011 arbeiten Wilfried Meinert und Dieter Obendorfer wieder in einem Mosambik-Projekt. Es geht um Recycling von Metallen, Papier und Plaste usw. Viele moderne Maschinen und andere Stoffe gelangen in die unterentwickelten Länder, aber kaum jemand kümmert sich um Recycling und so sind die ausgedienten Teile meist verunreinigende Überbleibsel, die das Land und den afrikanischen Kontinent immer hässlicher machen.

Wilfried Meinert flog am 20.09.2012 wieder von Frankfurt am Main nach Maputo, wo er stationiert ist und den neuen Betrieb aufbaut. Am 30.08.2013 endete sein Engagement in Maputo. Inzwischen ist er 65 Jahre alt.

 Regisseur Henry Köhler, sein Vater Manfred Köhler und sein Mitarbeiter Andreas Walther  kamen am 20.06.2013 von einem Drehtermin im Mansfelder Land, als alle drei bei Dessau in einem Massenunfall verwickelt wurden und in dem brennenden Auto starben.

 Am 27.01.2019 starb Fazal Camiro Lacá mit seiner Ehefrau bei einem grässlichen Verkehrsunfall in der Nacht 23 Uhr infolge brutalen rücksichtslosen Fahrens eines überholenden Pickup-Fahrzeuges in der Straße vor dem Krankenhaus in Lichinga. 

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Vor 35 Jahren Terrorüberfall in Mosambik auf Deutsche

Völlig unaufgeklärt und ungesühnt sind die Toten von Unango bei Lichinga in der Nordprovinz Niassa, vom 06.12.1984, denn bis heute haben Polizei, Justiz und Politik keine Klärung über Hintergründe und Täter der acht deutschen Entwicklungshelfer erreicht. Den betroffenen Familienangehörigen und den damaligen Kollegen, die dem Massaker entkommen waren, der eine mit einem Beindurchschuss durch Flucht aus der „Kampfzone“, eine andere, weil sie an diesem Tag gerade Haushaltstag hatte, ein Dritter, weil er gerade drei Tage zuvor nach Maputo flog, um in der Heimat den Weihnachtsurlaub mit seiner Familie zu verbringen, und ein weiterer Kollege, der genau 8 Wochen zuvor seinen über 3 Jahre dauernden Einsatz gerade beendet hatte. Alle sie wollen wissen, wer hat zu welchem Zweck mindestens 14 Menschen getötet (die genaue Zahl ist nicht bekannt), die in einer Landwirtschaftsfarm für die Versorgung der Bevölkerung sorgten und den Hunger im Lande bekämpften.

Warum wurden Menschen getötet, die auf 1500 Hektar Mais, Bohnen, Gemüse, Maniok, auch Papaya, Auberginen, Tomaten, Gurken, Kraut, Möhren, Zwiebeln, Ananas und vieles andere mehr anbauten mit erstaunlichem Erfolg. Für die Kooperanten aus der DDR, die Helfer direkt vor Ort, war nicht der Staatsvertrag zwischen Mosambik und DDR immanent wichtig, sondern die direkte Zusammenarbeit vor Ort, wo man jeden Monat sichtbare Fortschritte bei der Bewältigung der Aufgaben erreichen konnte, auch mit Landtechnik von „Fortschritt“ aus der DDR, die auch die Mosambikaner zunehmend beherrschen lernten. Traktoren, LKWs, Mähdrescher zu fahren, war der Wunsch vieler junger Mosambikaner, der sich mehr und mehr erfüllte. Der Bau von Wirtschaftsgebäuden, Wohnungsbau in ganz traditioneller Weise,  Brunnenbau, Alphabetisierung, Ausbildung auf allen Fachgebieten der Landwirtschaft und Buchhaltung und Verwaltung, Betreibung von Verkaufsläden, all das war auf gutem Wege, als die Arbeit und das Zusammenleben von Mosambikanern mit zahlreichen Spezialisten/Kooperanten aus vielen Ländern durch das Attentat völlig zusammenbrach und der jahrelange Krieg sich ausbreitete in den Nordteil von Mosambik, wo man zuvor zahlreiche Jahre eine friedliche Mission verfolgte.

Die acht toten deutschen Spezialisten und ein toter Jugoslawe wurden in ihrer Heimat bestattet. Mit 11 Frauen und 11 Kindern, sowie dem schußverletzten Kollegen, als auch den Särgen seiner Kollegen  ist Manfred Grunewald aus Frauenprießnitz damals am 09.12.1984 in Berlin-Schönefeld mit einer Interflug-Maschine gelandet. Drei Kooperanten aus anderen Bereichen blieben noch 1 Woche vor Ort in Lichinga zwecks Klärung verschiedener Probleme, bis auch sie das Land verließen, wie auch Chinesen, Rumänen, Jugoslawen, Italiener, Norweger, Schweden, Tschechen, Westdeutsche,  sowjetische und kubanische Kooperanten, Portugiesen, Briten, alle verließen das breite Land. Lediglich in der Hauptstadt Maputo blieben verschiedene Helfer auch danach noch tätig, weil man hier die Sicherheit etwas höher einschätzte.

Erst nach 16 Jahren Bürgerkrieg in Mosambik gingen durch Vermittlung die Kontrahenten des Bürgerkrieges aufeinander zu und einigten sich 1992 auf neue Bedingungen, damit die dauernde Flucht, Hungersnot, Vernichtung von Medizinpunkten, Zerstörung von Schulen, von Brücken, Eisenbahnen und Straßen, sowie ganzen Dörfern endlich ein Ende nahm. Fünf Millionen Menschen waren in den Kriegsjahren zur Flucht gezwungen und 900.000 Tote sind zu beklagen, darunter sehr viele Kinder. Leider hat die RENAMO als Widerstandsbewegung massenhaft Kindersoldaten rekrutiert und heute noch sterben Menschen durch Minen oder sie werden verletzt.

Polizei und Justiz haben nach meiner Ansicht nicht alles getan, diese Morde aufzuklären. Wenn Mosambik Amnestie und Verjährung beschließt, nach den Jahren der Gräuel, kann doch Deutschland nicht zusehen, dass damit auch ihre Toten einfach unter den Teppich gekehrt werden. Möglicherweise standen auch die Mörder beim Bundesentwicklungsminister in Deutschland an vorderster Stelle, als man Fördermittel verteilte. Das hat doch niemand überprüft.

Politik und Medien haben nur begrenzte Aufmerksamkeit zugelassen, die Leistungen der Experten in Unango zu würdigen, ihren Tod als Schande einer verfahrenen Politik zwischen rivalisierenden Interessengruppen in Mosambik deutlich zu machen und diesen terroristischen Überfall als unmenschlichen Terrorakt zu verurteilen. Daher habe ich den 35. Jahrestag der Ermordung meiner Kollegen nochmals zum Anlass genommen, die Öffentlichkeit auf ein Stück Geschichte zu lenken, die nicht bewältigt wurde.

 Manfred Grunewald

 

Diesen Artikel habe ich 5 Zeitungen angeboten

Aus Erfurt, Thür. Allgemeine hat sich nur Elena Rauch dafür interessiert und den Artikel selbst neu verfasst. Er erschien am 29.12.2019 in vielen Thüringer Zeitungen.

Ich habe den Artikel von Elena Rauch an zahlreiche Bekannte und Mosambikfreunde gesandt.

Broschüre von Manfred Grunewald, 2004

 

Manfred Grunewald

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Die Todesschüsse von Unango

 Erinnerungen an Moçambique 1984

Manfred Grunewald

Frauenprießnitz

Vorwort

 Die Aufzeichnungen sollen dazu dienen, die Erlebnisse aus dem Jahre 1984 zu dokumentieren und festzuhalten, da die Ereignisse immer mehr in Vergessenheit geraten. Die damals kleinen Kinder sind nunmehr erwachsen und manches von damals ist für sie unerklärbar. Andererseits gehen zahlreiche Dokumente und Schriftstücke im Laufe der Zeit einzeln verloren, ohne sie für Informationen genutzt zu haben.

Mitten in den Bemühungen um die Fertigstellung dieser Aufzeichnungen erhielt Manfred Grunewald einen Brief von dem in Leipzig lebenden Moçambiquaner Jaime Jafar Kapungwa, der hier statt eines Vorwortes stehen soll:

Jaime Kapungwa

Fröbelstraße 10

04229 Leipzig

 

19.07.2000

Lieber Manfred,

ich möchte Dir heute nach langer Zeit einen Brief schreiben. Wie geht es Euch? Mir geht es gut.

Manfred, ich war vor zwei Jahren (1998) in Moçambique für fünf  Wochen, zusammen mit einem Freund aus Leipzig. Wir haben einen Container mit Sachen nach Moçambique gesendet und die Güter an die Bewohner meines Heimatdorfes verteilt. Außerdem installierten wir eine Wasserpumpe am Brunnen. Bis jetzt sammele ich weiter viele Dinge für einen weiteren Container nach Moçambique.

In unserer Provinz Niassa läuft zur Zeit gar nichts. 90 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos und sogar unser ehemaliges Projekt Unango existiert nicht mehr. Die Betriebe Mecanagro und Matama (Landwirtschaftsbetriebe) existieren auch nicht mehr. Matama ist heute ein Sammelquartier für mehr als 2000 Buren aus Südafrika und Simbabwe, die zu uns nach Moçambique flüchteten. Sie kaufen dort in Niassa mehrere Hektar Land, in Unango, Mecaloge, Majune, Muembe. Und im Kreis Mecula, der als Reservat gilt, bauen sie Hotels und Gastronomie für den Tourismus. Sie leben im Wald (Savanne) und bauen dort Tabak, Mais usw. an. Sie planen in Mecaloge eine Stadt für die Buren zu bauen.

Ich habe vor zwei Jahren viele Werkzeuge nach Moçambique d. h. Lichinga geschickt. Weiterhin sandten wir zwei Stromaggregate, Nähmaschinen, Kreissägen, Schweißgeräte, Fotoentwicklungsgeräte, Haarschneidegeräte, usw. Im Dorf habe ich eine Lichterkette installiert und ein Auto für wichtige Transportzwecke hinterlassen, ebenso medizinische Geräte wie Sterilisator, Rollstühle, Gehhilfen und Medikamente.

Meine Absicht ist es, ein Projekt aufzubauen und dazu versuche ich Menschen zu finden, um einen Ver-ein zu gründen, damit sich viele Menschen für dieses Projekt einsetzen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es schon einige Menschen, die sich für dieses Projekt begeistern, mir helfen und Sachen und Geld spenden. Vieles habe ich so inzwischen für den nächsten Container gesammelt, aber das reicht noch nicht, denn die Armut ist zu groß und die Lebenssituation verbessert sich seit Jahren überhaupt nicht.

Zuerst habe ich an das Finanzministerium in Moçambique einen Brief gesendet und darum gebeten, daß ich den nächsten Container zollfrei senden darf, sonst kann man die Finanzierung nicht aufbringen. Sollte ich eine positive Antwort von Maputo erhalten, könnte ich den Container bald senden.

Ich möchte versuchen, meinem Heimatdorf in Niassa zu helfen, da von der Regierung in Maputo nichts zu erwarten ist. In Lichinga gibt es kaum Strom, kein Wasser in der Leitung seit fast 10 Jahren und das ist keine Übertreibung. Seit 15 Jahren ist kein Güterzug und kein Passagierzug verkehrt. Nur einmal in drei Monaten kommen zwei Tanks mit Diesel und Benzin. Manche Privatunternehmer bringen ihren Kraftstoff per LKW-Tanks nach Niassa.

Jetzt möchte ich eine Schule in meinem Heimatdorf bauen, um den Kindern eine Schulbildung zusam-men mit den Nachbardörfern zu ermöglichen. Auch Arbeitsmaterialien und Werkzeuge für den Unter-richt und für das Arbeiten werden dort gebraucht. Die Regierung in Maputo hat uns in den Dörfern fast vergessen. Die Menschen aus Niassa leben mit der Hilfe der Nachbarländer Malawi und Tansania. Es gibt keine moçambiqueschen Produkte auf unseren Märkten. Zucker, Seife, Salz, Kleidung, Fahrräder, Landwirtschaftsgeräte, Düngemittel, Saatgut, Butter, Milch, Bier, Coca Cola, Fanta usw. werden von Malawi herüber geschmuggelt. Alle Geschäfte sind geschlossen und die genannten illegalen Produkte werden auf dem Markt verkauft.

Ja, ich habe viel zu erzählen, schade, daß ich Eure Telefonnummer nicht habe. Unseren Freund Sonjo habe ich zweimal in Lichinga getroffen. Er war zeitweise Verkäufer in einem Kaufhaus.

Manfred, ich mache jetzt Schluss. Viele Grüße an Deine Familie von mir.

Freundliche Grüße sendet

Jaime Kapungwa

In geringer Auflage 2004

© Alle Rechte beim Verfasser 

Widmung

 Gewidmet der Erinnerung unserer Toten vom 06.12.1984

in der Nähe von Unango, Provinz Niassa.

 Der Einsatz in der Entwicklungshilfe im Empresa Estadal da Agricultura in Unango endete tragisch, da die Gruppe überfallen wurde und fast alle europäischen Entwick-lungshelfer den Tod fanden. Es waren Wolfgang Smardz, Uwe Wriedt, Günter Skibbe, Manfred Lindner, Klaus Einecke, Helmut Liepe, H.-Dieter Wagner, Hans-Jürgen Michel und ein jugoslawischer Entwicklungshelfer, Branko Vujovic.

Auch einige Moçambiquaner wurden Opfer dieses Überfalls, darunter der Motorista Manuel, ein treuer Freund, und ein Diplomökonom mit amerikanischem Abschluss, nach wenigen Tagen seiner Tätigkeit.

Klaus Pohl aus Zobes bei Plauen wurde durch einen Beindurchschuß verletzt, was aber keine schwerwiegenden Folgen hatte.

Der Überfall geschah am 06.12.1984 in den Morgenstunden auf der Fahrt zur Arbeit von Lichinga nach Unanga

 Inhalt

 Vorwort

Unvollständige Notizen über die meisten Spezialisten und ihre Familien

Wie konnte man Auslandskader werden

Das Kolonialsystem und besonders die portugiesische Kolonialherrschaft aus unserer Sicht

Die Erringung der nationalen Unabhängigkeit durch die FRELIMO

Wie ging es weiter nach der staatlichen Unabhängigkeit?

Vorstellung der VR Moçambique und der Provinz Niassa

Das Leben der Kooperanten und ihrer Familien in Lichinga

Die Arbeit der Spezialisten in Unango

E.A.U. – der Betrieb Empresa Estadal da Agricultura de Unango

Der Wirtschaftshof

Die Feldwirtschaft mit seinem Anbauplan und die Ernteergebnisse

Die Abteilung „Destronca“ – Rodung, Produktion von Holz- und Holzkohle sowie Beregnung

Mechanisierung und Werkstatt

Die Viehwirtschaft

Die Bauabteilung

Die Buchhaltung und der Handel

Die sozialen Bedingungen

Ergebnisse der Arbeit in Unango seit Beginn im Jahre 1981

Das landwirtschaftliche Projekt 120.000 Hektar, betreut von der DDR (Ausarbeitung von Christian Emmrich und Dr. Fritz Schmidt vorgesehen)

Kalender 1984

Briefe sind wie Reiseberichte

Abschlußberichte von Spezialisten über Moçambique und andere abschließende Bemerkungen

Vortrag über die Arbeit einer Spezialistengruppe im Staatsbetrieb für Landwirtschaft Unango/Niassa von Monika Smardz

Die schweren Stunden des Abschieds von Lichinga nach dem feigen Attentat

Die Todesschüsse von Unango und was kam danach

Ausländische Währung – was konnte man damit anfangen

Was wissen wir von Moçambique nach dem Abbruch unseres Einsatzes?

Informationen aus den Stasiunterlagen im Jahre 2001 und weitere Recherchen ergeben nur teilweise neue Erkenntnisse nach 17 Jahren

Abkürzungen

Literatur

Anmerkung

Fotos und schriftliche Unterlagen über die Arbeit in Unango und Lichinga gibt es von Manfred Grunewald/ Frauenprießnitz, der ebenfalls als Entwicklungshelfer tätig war, aber den Überfall zum Glück nicht erleben mußte, denn er befand sich auf der Heimreise in Maputo. Monika Smardz war ebenfalls täglich mit in Unango, da sie die Tierproduktion leitete. An diesem Tage hatte sie einen Haushaltstag, was ihr vermutlich das Leben rettete. Die anderen Frauen waren nicht als Spezialisten eingesetzt. Sie waren in Moçambique als mitreisende Ehefrauen und weilten in Lichinga, wo fast alle wohnten. Einige Familien hatten ihre Kinder bis zur 4. Klasse mit in Lichinga, die von DDR-Lehrerinnen unterrichtet wurden.

 Unvollständige Notizen über die meisten Spezialisten und ihre Familien

Zu gleicher Zeit waren nachfolgende Personen bzw. Familien aus der DDR in Lichinga ansässig, für die Wolfgang Smardz auch die Funktion des „Bürgermeisters“ ausübte und ggf. auch die notwendigen Kon-takte in die DDR herstellte.

Smardz, Monika – Ehefrau von Wolfgang Smardz, (Spezialistin für Tierproduktion –Pecuária- hatte am Tag des Überfalls einen Haushaltstag)

Wriedt, Doris (geb. am 29.10.1947) und Tochter Steffi (Frau Wriedt kümmerte sich um die wenigen Kaufmöglichkeiten im Kooperantenladen in Lichinga), aus Anklam. Während des Aufenthaltes war auch der ältere Sohn Arne in Lichinga einmal zu Besuch.

Skibbe, Edith, geb. am 31.01.1947, hatte das Funken mit Funkschlüssel übernommen, seit Heidemarie Meinert im Sommer 1984 zu Hause blieb, außerdem führte sie die Bestellung bei Versina und Interfran-ca aus und verteilte die Waren bei Eingang auf die betreffenden Familien. Sie kassierte das Geld für die Waren und beglich die Rechnungen. Auch eine Halbtagsstelle von Fortschritt zur Abrechnung der Arbeitsleistungen führte Edith Skibbe aus. Während des Aufenthaltes weilten auch die Tochter und der Sohn von Skibbes einmal zu Besuch in Lichinga.

Einecke, Edelgard,  geb. am 11.02.1956, und die Söhne Stephan und Nils. Obwohl Frau Einecke Zahn-ärztin ist, verstand sie es auch, das Notstromaggregat und die Wasserpumpen für das Wohnhaus zu bedienen.

Wagner, Gaby mit zwei Töchtern Dana und Bettina. Frau Wagner führte die Stundenabrechnung für die Spezialisten und gab diese weiter zum AHB „Fortschritt“ in Freiberg/Sa. Längere Zeit verteilte sie das Gemüse, die Eier und  manchmal auch Fleisch an die Spezialistenfamilien und rechnete gegenüber dem Betrieb ab.

Liepe, Doris (geb. am 04.04.1952) mit zwei Kindern (Sohn Matthias und Tochter Christine, gest. 1994 bei einem Unfall). Sie kümmerte sich um Einkäufe für das Kollektiv im Kooperantenladen Lichinga.

Lindner Siegrid (war über 3 Jahre mit ihrem Mann in Lichinga, leider starb sie einige Wochen später in Erfurt, wo sie in ihrer Krankheit [Asthma] von beiden erwachsenen Töchtern betreut wurde).

Frau Erika Michel aus Cottbus war erst wenige Tage in Lichinga. Am 25.11.1984 ist sie mit ihrem Ehemann H.-Jürgen Michel erst angereist in Lichinga. Von ihr wissen wir sehr wenig, da die Zeit zum Kennenlernen zu kurz war.

Pohl, Klaus aus Zobes bei Plauen, hatte einen Beindurchschuß bei dem Überfall davon getragen. Seine Frau ist Pohl, Karla (geb. am 03.04.1955, Lehrerin, hielt Unterricht in der Unterstufe für deutsche Kinder, ½ Stelle). Kinder von Pohls: Lars und Vivian.

Grunewald, Manfred aus Frauenprießnitz, kannte sich schon vorher mit der Familie Smardz, da beide in Frauenprießnitz als LPG-Vorsitzende (Tierproduktion bzw. Pflanzenproduktion) tätig waren.

Voß, Peter aus Cottbus (Lehrer einer ldw. Fachschule) – war gerade auf Dienstreise in Nampula, als der Überfall geschah.

Kunath, Klaus und Christel aus Ebersbach, zogen später nach Karl-Marx-Stadt. Er arbeitete in der Agrarverwaltung der Gouverno in Lichinga, (beide Jg. 1941).

Scharfenstein, Arndt aus Nassau bei Freiberg/Sa., Ehefrau Christine und Kinder Jan und Katja, (die Ehefrau war im Sommer wegen Schwangerschaft mit ihren beiden Kindern zu Hause geblieben und entband am 08. Nov. 1984 einen Sohn Jens, wir überbrachten die frohe Botschaft über die Geburt des Sohnes. (Durch eine Karte von mir erfuhr Frau Scharfenstein, daß ihr Mann unversehrt ist, denn sie war nach Bekanntwerden des Überfalls durch die Medien im Ungewissen, da es öfters vorkam, daß Arndt Scharfenstein, Klaus Kunath und andere mit auf die Machamba nach Unango fuhren). Er arbeitete in der Planungsabteilung (Departemento de Plano) der Gouverno in Lichinga.

Schulze, Volker mit Ehefrau Renate und 2 Kindern (Thoralf und Mathias). Schulze, Renate war Lehrerin, hielt Unterricht in der Unterstufe für deutsche Kinder, ½ Stelle. Die Ehe wurde später geschieden.

Volker Schulze betreute Versuchsfelder u.a. mit Weizen im Empresa Estadal da Agricultura in Matama. In Matama war bereits am 16.10.84 ein Überfall von Banditos armados mit Waffengewalt, dem auch 2 moç. Arbeiter dort zum Opfer fielen. Auch 3 oder 4 von den Angreifern wurden getötet. Ich sah kurz danach die Einschüsse der Gewehrkugeln an verschiedenen Gebäuden in Matama, als ich eine bedeutende Mähdrescherrechnung über 670.000 Meticaís am 20.11.84 in Matama kassierte. Die getöteten Banditos armados wurden in Lichinga der Bevölkerung öffentlich gezeigt (Militärgelände nahe dem Zentrum).

Bereits ausgereist waren zum Zeitpunkt des Überfalls:

Wilfried Meinert (war 3 Jahre in Unango) und Ehefrau Heidemarie aus Reichenbach/ Oberlausitz und

Bernd Theilig aus Gräfentonna, Schlosser, reiste im ersten Halbjahr 1984 aus. Er wohnte zuletzt bei Meinerts, da seine Ehefrau bereits vorher heimgereist war.

 Vorher waren noch zahlreiche Spezialisten aus dem Bezirk Erfurt in Lichinga/Unango tätig, darunter Hella und Arno Gündel aus Obernissa. Die anderen Namen sind mir nicht bekannt.

 Kontakte nach Maputo

In Maputo wirkten einige Spezialisten im Büro des Außenhandelsbetriebes (AHB) „Fortschritt“ bzw. in anderen Einrichtungen: Dazu zählten Dieter Obendorfer, Dr. Fritz Schmidt, Günter Krüger und Hans-Joachim Herold. Auch Herrn Dr. Karl-Heinz Miosga und dessen Ehefrau Christa habe ich in Maputo getroffen. Bei Zwischenaufenthalten in Maputo während der Ein- bzw. Ausreise sowie bei Dienstreisen traf man auch noch andere Kooperanten, z.B. Marlis Alter, Lehrer usw.

 

Wie konnte man Auslandskader werden

Zur Vorbereitung eines Auslandskaders gehörte bei den meisten ein halbes Jahr politisch-fachliche Ausbildung. Das waren Lehrgänge, die eine Ausbildung in tropischer Landwirtschaft und politische Ausbil-dung über das Einsatzland und die allgemeinen Erkenntnisse über national befreite Staaten beinhalteten. Dazu kam in der Regel ein halbes Jahr sprachliche Ausbildung.

In den vielen Entwicklungsländern, in denen Spezialisten zum Einsatz kamen, spielte die Sicherung der Ernährung eine bedeutende Rolle und in den meisten dieser Länder ist die Nahrungsgüterproduktion erster und wichtigster Zweig der materiellen Produktion. Allgemein gilt, daß die erste „geschichtliche Tat“ die Erzeugung von Nahrungsgütern ist, die ständig wiederholt werden muß. Ernährungsfragen sind daher auch in erster Linie politische Fragen, auch wenn das gewöhnlich nicht so wahrgenommen wird. Karl Marx schrieb dazu: „Damit die Menschen Geschichte machen können, müssen sie leben, also essen, trinken, sich kleiden und wohnen“. So haben wir das seinerzeit in der DDR gelernt.

Alle Entwicklungshelfer (Kooperanten) wurden auch als Spezialisten bezeichnet. Der AHB Außenhandelsbetrieb „Fortschritt“ in Neustadt / Sa. war der vom Ministerium beauftragte Betrieb der DDR, also der Generallieferant, der den landwirtschaftlichen Teil des Staatsvertrages zwischen der DDR und Moçambique zu realisieren hatte. Das betraf sowohl die technische Ausrüstung, als auch die entsandten Spezialisten. Vorbereitet wurden die Spezialisten vom VEB Interagrarkooperation der Land-, Forst und Nahrungsgüterwirtschaft in Markkleeberg. Dieser nutzte die AGRA Markkleeberg und die Agraringenieurschule Zschortau, ein Weiterbildungszentrum des Ministeriums für Land- Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft von Kadern für das Ausland und deren Zweigschule Lützschena/ Leipzig für die Ausbildungskurse. Hier konnten die Fachkader der Landwirtschaft Kurse in tropischer Landwirtschaft, Ökonomie und Politik der Entwicklungsländer sowie in portugiesischer bzw. englischer Sprache absolvieren und ein Zertifikat erhalten. Die meisten Unterrichtsveranstaltungen wurden von Lehrern des Instituts abgehalten. Die Lehrer für die Sprachlehrgänge hatten oft selbst erst kurz zuvor einen Sprachkurs absolviert. Das Sprachkabinett in Lützschena war eine gute Hilfe in der Ausbildung. Es kamen aber auch Lektoren der Universität Leipzig (Tropisches Institut), verschiedener Hoch- und Fachschulen sowie Diplomaten in den Lektionen und Diskussionsrunden zu Wort. Am Schluß der Lehrgänge hielten auch Mediziner und erfahrene Auslandskader Vorträge, die zur Tropenmedizin und tropischen Krankheiten, zur Ernährung, Wasserversorgung und den allgemeinen Lebensbedingungen sprachen und ihre Erfahrungen darlegten.

In der DDR wurden auch ausländische Bürger in Schulen und Universitäten ausgebildet. Man ging aber dazu über, von den reichen Ölstaaten die Ausbildungskosten erstatten zu lassen und dafür den hilfsbedürftigen Staaten größere Ausbildungsanteile unbezahlt zu überlassen. Moçambique zählte lange zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Deshalb gab es auch einen Staatsvertrag, der die Ausbildung von jungen Fachkadern in großem Maße berücksichtigte und auch realisierte. Zahlreiche Internate z.B. in Dornburg, Silbitz, Erfurt, Plauen, Mifa und Mafa Sangerhausen, Saßnitz-Mukran u.a. beherbergten Mosambikaner, die zu Facharbeitern ausgebildet wurden oder bereits als Facharbeiter in Betrieben tätig waren.

Der langjährige Präsident der afrikanischen Republik São Tomé und Príncipe, Dr. Manuel Pinto da Costa, war beispielsweise Absolvent der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst.

Wichtigste Voraussetzung für Auslandskader in der Wirtschaft waren neben allen anderen Bedingungen langjährige fachliche Erfahrungen. So gab es im Spezialistenkollektiv in Lichinga-Unango befähigte Fachleute in Agrarökonomie, Pflanzenproduktion, Meliorationswesen, Pflanzenschutz, Landtechnik, Mechanisierung, landwirtschaftlichem Bauen, als Baufacharbeiter, als Spezialist für Tierproduktion, Werkstattleiter und im Reparaturwesen. Man mußte Leitungserfahrungen besitzen, improvisieren können, keine Scheu vor neuen Anforderungen haben und auch bei Schwierigkeiten Optimismus behalten und immer wieder Lösungswege suchen, trotz auftretender Komplikationen und Rückschläge.

Es bedurfte auch kaderpolitischer Voraussetzungen. Ohne Zustimmung durch das MfS der DDR konnte kein Spezialist ins Ausland reisen. Der jeweilige Rat des Kreises bzw. Rat des Bezirkes konnte den betreffenden ausgewählten Spezialisten nur dann zielgerecht unterbringen, wenn dieser vom MfS bedenkenlos dafür eingestuft und bestätigt wurde. Meist wurde die Überprüfung und Entscheidung vor Beginn eines Lehrgangs vorgenommen. Es wurden politische Bildung und Klarheit im politischen Denken erwartet. Es kamen nicht nur SED-Mitglieder zum Einsatz. In Lichinga waren auch Mitglieder der DBD und Parteilose als Entwicklungshelfer tätig.

Kenntnisse über die national befreiten Staaten, die Geschichte des Einsatzlandes, die Kolonialzeit, den Befreiungskampf, politische Orientierung des Einsatzlandes, politische Kräfte des Landes, Kraft und Stärke der politischen Kräfte, Parteien, demokratische Entwicklung usw. wurden in den Lehrgängen vermittelt.

Auch die gesundheitlichen Voraussetzungen mußten stimmen. Es wurde ein allgemein guter Gesundheitszustand erwartet. Man befaßte sich in den Lehrgängen einige Stunden mit tropischen Krankheiten. Im St.-Georg-Krankenhaus in Leipzig bekam man u.a. die Schutzimpfung für Gelbfieber, die zehn Jahre Wirkung haben sollte. Die Malariaprophylaxe wurde geschult und bereits vor der Ausreise begonnen. Man sprach über Schlangenbisse, Schlangenbesteck, Fiebererkrankungen, Malaria, Durchfall, usw. Es hieß, daß kleinere Kinder die Umstellung in tropische Umgebung relativ gut vertragen.

 Das Kolonialsystem und besonders die portugiesische Kolonialherrschaft aus unserer Sicht

Einige Leute äußerten bei unserer Vorbereitung auf unseren Auslandeinsatz: „Warum geht ihr dorthin? Laßt doch die Afrikaner in Ruhe. Sie müssen sich aus sich selbst heraus entwickeln. Wer hat denn uns geholfen?“ Diese Meinung kann man nicht akzeptieren, damals nicht und auch heute nicht. Hier muß man aus historischer Sicht mit einigen Fakten antworten:

 

  • Daß sich Europa nicht aus sich selbst heraus entwickelt hat, wird sehr deutlich, wenn man seine Bezüge zur kolonialen Entwicklung untersucht. Europa hat profitiert von den kolonialisierten Ländern und deshalb seine eigene Entwicklung beschleunigen können. Moralisch ist Europa aus diesem Grunde schon verpflichtet, den Entwicklungsländern Hilfe angedeihen zu lassen. Aber auch die willkürliche Grenzziehung, die zeitweilige Missachtung und teilweise Vernichtung der ursprünglichen Kultur in den Kolonien, die zwangsweise Christianisierung der Bevölkerung und der geringe Ausbau von Bildungs- und Gesundheitssystemen sowie einer eigenständigen Volks-wirtschaft bei der Entlassung in die nationale Selbständigkeit enthalten die Verpflichtung, die national befreiten Staaten zu unterstützen.

 

  • Spanien und Portugal hatten im 16. Jh. eine Vorreiterrolle bei der Kolonialisierung der bislang unbekannten Welt übernommen, die sich daraus ergab, dass sie Seefahrernationen waren. England, Frankreich, die Niederlande und Belgien folgten ihrem Beispiel und jagten sich die Kolonialgebiete einander ab. Deutschland stieg fast als letzte europäische Macht in den Kampf um überseeische Besitzungen ein und verlor infolge des Ausgangs des Ersten Weltkrieges, vielleicht zum Glück, relativ zeitig seine kolonialen Eroberungen.

 

-           Nach den Akten des Handelsamtes Sevilla kamen in der Zeit von 1503 bis 1660 (in rund 150 Jahren) 185.000.000 kg Gold und 16.000.000 kg Silber nach Europa, geraubt in den Indianer-

nationen Amerikas. Das übertraf zu dieser Zeit die Silbervorräte Europas um das Dreifache. In dieser Rechnung fehlen die illegalen Einfuhren, denn Schmuggel und Piraterie standen in dieser Zeit hoch im Kurs. Mitte des 17. Jahrhunderts waren 99 Prozent der Mineralausfuhren Latein-amerikas Silber.

 

-           In der Stadt Potosí in Bolivien hatte der spanische König das weltgrößte Silbervorkommen aller Zeiten sein eigen genannt. Kein anderer Herrscher hatte so große Silbervorräte. Der in 4000 Meter Höhe gelegene Silberberg, entdeckt in den Jahren 1545-48, wurde durch Spanien intensiv ausgebeutet. Im Jahre 1573 verfügte die Stadt Potosí über 120.000 Einwohner, 36 Kirchen, 36 Spielbanken usw. Indianische Arbeiter und Negersklaven bezahlten die Ausbeutung der Erz-gruben mit ihrem Leben. Im Verlauf von 300 Jahren kamen 8 Mio. Menschen dort ums Leben. Heute zählt Bolivien zu den ärmsten und unterentwickeltsten Ländern der Welt.

 

-           Die Deutschen Banken (Welser und Fugger) rüsteten u.a. große Schiffe und Expeditionen aus, um die spanische Krone bei der Eroberung Mittel- und Südamerikas zu unterstützen und dabei selbst zu profitieren, denn schließlich landete dadurch viel Geld in ihren Kassen und sie konnten Kaiser und Fürsten Darlehen zu höchsten Zinsen ausreichen. Geld brauchte man in diesen Kreisen immer, wenn es um Kriege, Ausrüstungen und Macht ging.

 

  • Von den altansässigen Kulturen blieben in Amerika lediglich Trümmer und Bruchstücke übrig. Ihre goldenen und silbernen Kunstschätze landeten in den Schmelztiegeln, ihre schriftlichen Zeugnisse auf dem Scheiterhaufen. Vieles geschah im Namen der Heiligen Schrift und des christlichen Gottes.

 

  • Paradoxerweise bezahlten die indianischen Völker den geschichtlichen Fortschritt in Europa, jedenfalls in einem erheblichen Maße. In Europa hatte das seit rund tausend Jahren bestehende Feudalsystem seinen Höhepunkt überschritten, so daß sich erste Ausdrucksformen des Kapita-lismus zeigten.

 

  • Bei Karl Marx kann man im ersten Band „Das Kapital“ lesen: „Die Entdeckung der Gold- und Silberländer in Amerika, die Ausrottung, Versklavung und Vergrabung der eingeborenen Bevöl-kerung in die Bergwerke, die beginnende Eroberung und Ausplünderung von Ostindien, die Verwandlung von Afrika in ein Geheg zur Handelsjagd auf Schwarzhäute, bezeichnen die Morgenröte der kapitalistischen Produktionsära. Diese idyllischen Prozesse sind Hauptmomente der ursprünglichen Akkumulation“.

 

-           Mit anderen Worten, so kann man bei Alfred Antkowiak in seinem Buch „El Dorado-die Suche nach dem Goldland“ lesen: „Die innere wie äußere koloniale Ausplünderung waren das vortrefflichste und wichtigste Mittel zur Erstanhäufung von Kapital, ein historischer Sachverhalt, der durch die Conquista und die darauffolgende Installierung des spanischen Kolonialsystems in Lateinamerika nachgerade blitzhaft erhellt wird.“

 

  • Weitere Schlußfolgerungen bezüglich der Kolonialländer ließen sich auch für andere Kolonialsysteme, wie auch das portugiesische, darstellen.

 

-           „Wenige wissen, daß das kaiserliche Deutschland in nur wenige Jahrzehnte währender Kolonialpolitik grausam gegen die einheimische Bevölkerung vorging. Vor allem Diamanten, Gold, Kupfer und andere Bodenschätze lockten. Die Deutschen führten damals auf dem Territorium des heutigen Namibia (Südafrika) den längsten und teuersten Kolonialkrieg des deutschen Ko-lonialismus. Er war in seinem Umfang für die Kolonialgeschichte aller Länder ein beispielloser Ausrottungsfeldzug gegen das Volk der Herero, das danach aufhörte, ein selbständiger Volks-stamm zu sein.“ (Aus dem Buch „Namibia“ – ein Report von Alfred Babing und Hans-Dieter Bräuer, 1981).

 1982 gab es 4380 Mio. Menschen auf der Erde. Mitte der achtziger Jahre lebten etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung in Entwicklungsländern, die meist als die „dritte Welt“ bezeichnet wurden. Zu gleicher Zeit waren mehr als eine Milliarde Menschen von Hunger und Unterernährung betroffen. Die größte Zunahme der Bevölkerung war damals schon in den Entwicklungsländern zu erwarten. In Asien wurde bereits von einer Bevölkerungsexplosion gesprochen. Flächen in größerem Ausmaß für die Nahrungsgüterproduktion, die noch erschließbar sind, liegen in Afrika und Südamerika. Die Erschließung eines Hektars Bodens (Urbarmachung) kostete etwa 1100 Dollar. Nicht selten haben die Entwicklungsländer nur die Möglichkeit, über die Weltbank Darlehen zu beziehen, die jedoch an strenge Bedingungen ge-knüpft sind und durchschlagen auf die gesamte Wirtschaft des Landes.

 Das portugiesische Kolonialsystem ist das älteste seiner Art und währte trotz Reduzierung am längs-ten, also fast 500 Jahre. Im Sprachkurs erlernte man in der Regel die Sprache der ehemaligen Kolonisatoren, deren Ansehen unmittelbar nach der staatlichen Unabhängigkeit in den ehemaligen Kolonien sehr stark angeschlagen war. Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts errichteten Portugiesen an der mo-çambiquanischen Ostküste befestigte Stützpunkte. Natürlich wurde das Land Jahrhunderte durch die Kolonialmacht genutzt. Auch die Ausbildung in der DDR wies in erster Linie auf die Negativfaktoren hin. Daß es auch zahlreiche positive Faktoren im kolonialen Verbund mit dem Mutterland gab, wurde meist verschwiegen. So mußten wir uns in erster Linie auf unsere eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse stützen. In Angola und Moçambique wurden durch die Afrikaner zum Ende der Kolonialzeit Massaker an den sogenannten „Kolonialherren“ verübt, was zu schweren Ausschreitungen an Portugiesen führte, die völlig unschuldig „gestraft“ wurden. Häufig waren ihre Vorfahren seit Generationen in den Kolonien ansässig und sorgten für wirtschaftliche, verwaltungsmäßige sowie berufliche und bildungspolitische Funktionalität in den Kolonien bzw. in den sogenannten überseeischen Provinzen, wie sie in der letzten Zeit meist hießen.

Auf dieser Welt sprechen etwa 130 Mio. Menschen die portugiesische Sprache. Das sind neben Portugal Angola, Moçambique, die Republik Guinea-Bissau, die Republik Kapo Verde, die Republik São Tomé und Príncipe, sowie die Republik Brasilien. Während die Ersteren in Afrika liegen und Mitte der 70-er Jahre ihre nationale Unabhängigkeit erlangten, ist die südamerikanische Republik Brasilien bereits seit 1822 selbständig.

Die portugiesische Sprache dient in fast allen dieser nachkolonialen Staaten als offizielle Amtssprache in Verwaltungen Schulen usw. und verbindet zum Beispiel in Moçambique die etwa 14 verschieden sprechenden Volksgruppen (Dialekte). Die portugiesische Sprache ist eng verwandt mit der spanischen und wird manchmal spöttisch als das „Sächsische“ unter den romanischen Sprachen bezeichnet. Viele Zischlaute sind typisch. Maßlos viele unregelmäßig konjugierte Verben machen es dem Lernenden schwer. Einen Portugiesen kann man fast gar nicht verstehen, wenn er sich nicht bemüht, etwas nach der Schrift zu sprechen. Für unsere Verständigung im Beruf reichte meist der Sprachkurs von sechs Monaten aus.

Uns war klar, daß die Infrastruktur in Moçambique noch unterentwickelt ist, daß Wasser- und Energieversorgung, Straßenwesen usw. auf sehr niedrigem Niveau sind. Es machte jedoch sehr stutzig, daß wir während unseres Aufenthaltes in Moçambique nicht ein einziges Pferd und auch keine Esel zu Gesicht bekamen, die ja in Südeuropa, also auch in Portugal, zahlreiche Transporte, vor allem im unwegsamen Gelände übernehmen. Hier in Moçambique war dies die Aufgabe von Menschen. Sie trugen alles und zwar über gewaltige Strecken und meist auf dem Kopf. Mit Sicherheit sind das Anzeichen von kolonialen Auswirkungen. Die geringe Alphabetisierung machte uns ebenfalls nachdenklich. Wenn man aber genau zuhörte, gab es vor allem in der letzten Zeit kolonialer Macht in Moçambique auch viele Moçambiquaner, die das Lernen der Sprache der Kolonialherren ablehnten und selbst dort, wo die Möglichkeit des Schulbesuches bestand, auf das Lernen verzichteten. Allerdings gab es auch einige andere positive Beispiele. Z. B. war der Portugiese Braz da Costa in Lichinga ein Freund von Samora Moises Machel, des Präsidenten und Führers der Befreiungsbewegung, und mußte die Unterstützung für die FRELIMO während des Befreiungskampfes mit mehreren Attentaten gegen seine Person teuer bezahlen, so daß er ein schwer verwundeter Mensch war, der u.a. beide Hände einbüßte. Die Schwiegereltern von Direktor Paulo Francisco Zucula aus dem Hause „Casa Pires“ in Lichinga sind auch Portugiesen und leben noch in Moçambique, wo sie sich immer zu Hause fühlten. Der Sohn mit Familie dagegen gab 1984 seinen Wohnsitz in Lichinga endgültig auf und siedelte nach Portugal über. Sie hatten aber offensichtlich keine Probleme in der Zeit des revolutionären Umbruchs. Möglicherweise waren sie aber nicht vor Ort in der Zeit der schlimmsten Auseinandersetzungen.

Mit dem Weggang der Portugiesen kurz vor der staatlichen Selbständigkeit, brach alles, was an wirtschaftlicher Basis existierte, das Verwaltungssystem und das gering ausgebaute Schulsystem zusam-men. Die Abkopplung von der Wirtschaft des „Mutterlandes“ führte zum Exporteinbruch und zu zunehmender Verschuldung in Moçambique. Der anschließende Bürgerkrieg verschlechterte die Situation noch mehr, so daß die Masse der Menschen zunächst schlechtere Bedingungen hatte, als während der Kolonialzeit. Das machte auch viele Menschen dort nachdenklich, denn ihnen fehlte dafür die Erklärung und jegliches Wissen.

 Die Erringung der nationalen Unabhängigkeit durch die FRELIMO

(FRELIMO = Frente da Libertação de Moçambique)

Wie in fast allen portugiesischen Kolonien begann auch in Moçambique relativ spät der nationale Befreiungskampf, wenn man das französische oder britische Kolonialgebiet dazu vergleicht. Das allein deutet schon auf den politischen Bildungsstand und die Entwicklung in diesen Kolonien hin. Direkt im Lande bildete sich bis 1962 überhaupt keine nationale Organisation, die nach der nationalen Befreiung strebte. Nur unter den Emigranten bildeten sich einige patriotische moçambiquanische Gruppen in den afrikanischen Nachbarstaaten. Im Jahr 1962 fand schließlich der I. Kongreß der FRELIMO in Dar es Salam (Tansania) statt, dessen Präsident Eduardo Mondlane wurde. Unter seiner Führung wurde ein „Appell an das Volk Moçambique“ beschlossen, der auch auf den Beginn des bewaffneten Kampfes orientiert. Am 25. September 1964 begann der bewaffnete Kampf vom Norden her (Tansania). Die Nordprovinzen Niassa und Capo Delgado waren zuerst von aufständischen Truppen der FRELIMO erfaßt. Die FRELIMO arbeitete mit Bauern, Landarbeitern und der ganzen Bevölkerung zusammen und fand immer mehr Rückenhalt im Volk. Besonders Angehörige aus der Volksgruppe der Maconde wurden zu treuen Kämpfern für die Sache des moçambiquanischen Volkes. 1968 lagen in Moçambique 40.000 portugiesische Soldaten, während die FRELIMO zu dieser Zeit etwa 9.000 Kämpfer zählte. Im Februar 1969 wurde Eduardo Mondlane durch eine Paketbombe getötet. Das war ein schwerer Schlag gegen die FRELIMO und das moçambiquanische Volk. Danach wurde ein dreiköpfiger Präsidentschaftsrat der FRELIMO gebildet. 1970 wurde Samora Moises Machel Präsident der Befreiungs-organisation. Am 25. April 1974 endete nach 48 Jahren infolge der Aprilrevolution die faschistische Diktatur in Portugal, was in den Kolonien weitere Hoffnungen nährte, selbst bald unabhängig zu werden. 1974 standen in Moçambique noch 70.000 Mann portugiesischer Streitkräfte. In dieser Zeit stießen viele Freiwillige zur FRELIMO, die mit ihren militärischen Aktionen und der Förderung der befreiten Gebiete immer mehr Anklang in der Bevölkerung fand. Der „Vertrag von Lusaka“ (vom 07.09.1974) brachte schließlich die Einigung mit den Portugiesen, daß Moçambique zum 25.06.1975 seine Unabhängigkeit erhält. Die DDR unterstützte die FRELIMO.

 

Wie ging es weiter nach der staatlichen Unabhängigkeit?

Vor jedem national befreitem Land steht nach der politischen bzw. staatlichen Unabhängigkeit die Aufgabe zur Erlangung der ökonomischen Unabhängigkeit. Auch Moçambique stand vor dieser Aufgabe. Es gab aber nur wenige Führungskader und sehr wenige ausgebildete Fachleute für die Wirtschaft und Verwaltung, sicher ein häufig auftretendes nachkoloniales Problem.

Das südafrikanische Rassistenregime unterstützte die RNM-Truppen, die gegen die FRELIMO angetreten sind, um jedwede progressive Entwicklungstendenz zu bekämpfen. Dagegen unterstützte die Partei FRELIMO den ANC in Südafrika, dessen Präsident der eingekerkerte Nelson Mandela war. Der Vertrag von Nkomati 1984 (ein Ort an der Grenze zu Südafrika) sah vor, daß Südafrika darauf verzichtet, die RNM-Kräfte zu unterstützen und dafür auch Mosambik die ANC-Unterstützung einstellt. Ähnliche Vereinbarungen gab es auch mit Malawi.

1979 schloß die DDR einen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit mit der VR Moçambique ab, der mit weiteren Abkommen ergänzt zur Grundlage der Beziehungen wurde.

1986 fand Samora Moises Machel bei einem Flugzeugabsturz über Südafrika den Tod. Neuer Staats-präsident und Präsident der FRELIMO-Partei wurde Joaquim Alberto Chissano. (Die Witwe von S. M. Machel wurde später die Ehefrau des südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela, der nach Abschaffung der Apartheid ein international geachteter Staatsmann in der RSA wurde).

Die Kooperanten aus der DDR arbeiteten auf dem Territorium von Mosambik in der Landwirtschaft, im Bergbau, in Industriebetrieben, im Transport- und Bauwesen. Es halfen auch Lehrer, Lehrausbilder, Dozenten, Ärzte, Verwaltungsfachleute und Vertreter vieler anderer Berufsgruppen.

Wolfgang Smardz äußerte in einem Zeitungsartikel vom 24.02.1984: „Wir wollen unseren Beitrag mit unserer Arbeit dazu leisten, daß die Folgen der kolonialen Vergangenheit überwunden werden und es den Menschen besser geht. Wunderdinge erwartet von uns keiner. Unser Ziel ist es vielmehr, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln den größten Nutzen für das befreundete Moçambique zu erwirtschaften“.

Neben anderen Projekten, auch mit anderen Ländern, setzte Moçambique vor allem auf die Landwirtschaftsprojekte aus der DDR, der VR China und der VR Rumänien, die als anspruchsvolle Zielstellungen galten. In erster Linie sollte die Eigenversorgung verbessert werden und auch Exportprodukte erzeugt werden. In Moçambique gibt es natürliche Voraussetzungen zur Erzeugung von Kaschunüssen, Baumwolle, Zuckerrohr, Tee, Sisal u.a.

Das Agrarprojekt der DDR sah vor, 120.000 Hektar Land in verschiedenen Provinzen zu bewirtschaften. Dazu zählte nicht nur der Standort Unango in der Provinz Niassa, sondern auch der Aufbau der Staatsfarmen Nauela in der Provinz Sambesia und Sussundenga in der Provinz Manica. Diese drei Standorte waren wohl die bedeutendsten. In der Provinz Inhambane, unweit von Maputo gab es auch ein Projekt für Getreidelagerung, welches vom Werk Wutha bei Eisenach ausgestattet und betreut wurde.

Die Chinesen und Rumänen sprachen sogar von größeren Projekten. In erster Linie erwartete man von der DDR Technik, Leitungskader und Spezialisten. Es wurde Unterstützung in der Planung, Leitung und Organisation in Betrieben und in staatlichen Leitungs- und Verwaltungsebenen erwartet. Dem Aufbau von landwirtschaftlichen Staatsfarmen galt der Vorrang, aber auch der genossenschaftliche und private Sektor sollten entwickelt werden. Die staatlichen Landwirtschaftsbetriebe wurden an verschiedenen Standorten in mehreren Provinzen auf Vertragsbasis begonnen. Die bereitgestellte Technik und Leistungen wurden durch die DDR berechnet und dafür Kredite bereitgestellt.

Neben der Technik und den Spezialisten hatte der moçambiquesche Partner auch großes Interesse an Lieferungen von Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln, Dieselkraftstoff und allen notwendigen Produktionsmitteln für das zutreffende Projekt. Das konnte aber die DDR zu dieser Zeit nicht realisieren.

Viele andere Länder halfen ebenfalls in Moçambique beim Aufbau des Landes. So waren in Lichinga anzutreffen: Kubaner für die Sicherheit und Zahnmedizin sowie ein Lehrer, eine westdeutsche Ärztin mit Familie im Gesundheitswesen, eine Engländerin im landwirtschaftlichen Versuchswesen, eine jugoslawische Gruppe von Agrarexperten und Technikern in der Getreidezucht, wozu auch ein DDR-Bürger enge Beziehungen hatte, Norweger für den Staudammbau (z.B. in Matama), Schweden für ein Waldprojekt (vor allem Aufforstung), Russen und Tschechen als Geologen sowie ein Russe als Zahnarzt, Italiener als Tischler, u.a. Auch Portugiesen waren für bestimmte Aufbauleistungen eingesetzt.

 Vorstellung der VR Moçambique und der Provinz Niassa

Moçambique liegt im Südosten des Kontinentes Afrika am Indischen Ozean. Die Nachbarstaaten sind die Republik Südafrika (Apartheid), Swasiland, Sambia, Simbabwe, Malawi und Tansania. Die Straße von Moçambique trennt den Inselstaat Madagaskar vom afrikanischen Kontinent.

Im Süden gibt es ausgedehntes Küstentiefland und Tiefebenen mit Flußdurchläufen, die in der Regen-zeit zu Hochwasser neigen. Im Norden überwiegt Hochland und Gebirge auf 2400 Meter ansteigend. Im Norden ist tropisches Monsunklima, im Süden tropisches Passatklima zu verzeichnen. Es gibt jeweils etwa eine halbjährige Trockenzeit und Regenzeit. Vorherrschend sind Trockenwälder und Savannen.

 

Im Jahre 1984 wurden die Daten des Landes wie folgt angegeben:

Fläche                                                            801.590 km²

Bevölkerung etwa                                          13,3 Mio. Einwohner

Zusammensetzung der Bevölkerung               98 Prozent Bantustämme

Staatssprache                                                  Portugiesisch

Religionen                                                      Christen, Muslime aber noch viele Naturreligionen

Wirtschaft                                                       80 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft (Subsistenzwirtschaft auf niedrigem Niveau)

Hauptstadt                                                      Maputo mit etwa 755.000 Einwohnern

Einwohnerdichte des Landes                          16 Einwohner je km²

Bedeutende Städte                                          Beira, Nampula

Wichtigste Häfen                                            Beira, Maputo, Nacala. Der Hafen Maputo dient auch für Südafrika und der Hafen Beira wird auch für Sim-babwe sowie der Hafen Nacala für Malawi genutzt.

Bedeutende Flüsse                                         Sambesi, Limpopo

Wasserkraft                                                    Staudamm des Sambesi „Cahora Bassa“ – gehört einem internat. Konsortium mit 51 Prozent Anteil der VR Moçambique, den meisten Strom kauft die RSA

Provinz do Niassa                                           Diese Provinz liegt im Nordwesten des Landes und grenzt im Norden an das Land Tansania, im Osten an die Provinz Capo Delgado, im Süden an die Provinz Nampula und im Westen an den Niassasee. Die Grenze liegt hier im See und ist auch die Grenze zum Staat Malawi.

Fläche der Provinz do Niassa                         Die Fläche ist größer als die DDR

Wirtschaft                                                       unterentwickelte Landwirtschaft, fast keine Industrie, wenig Handwerk, es überwiegt Subsistenzwirtschaft

 

Das Leben der Kooperanten und ihrer Familien in Lichinga

-Das Leben vor Ort in Moçambique-

Wir fühlten uns nicht in erster Linie als Spezialisten, sondern als echte Entwicklungshelfer direkt vor Ort. Dafür hatten wir uns auch vorbereitet. Da gefiel uns das Wort „Cooperante“ schon viel besser, ist es doch auf Zusammenarbeit orientiert. Man bezeichnete uns auch in unserem Wohnhaus (Prédio) so.

 Im Erdgeschoss des Prédio „20. Juli“ befanden sich mehrere Läden, darunter eine Apotheke. Die Läden hatten nur sehr wenig Ware zu verkaufen. Selbst die wenigen Zuteilungen an Trockenmilch wurden auf Bezugsschein in der Apotheke verkauft.

Die meisten Familien aus der DDR wohnten im größten Haus von Lichinga. Dieses dreistöckige Wohnhaus mit über 20 Wohnungen und einem Ladentrakt im Erdgeschoss nannte man allgemein Prédio. Es war schon in der Kolonialzeit mit dem Bau begonnen worden und wurde danach von Mosambik fertig-gestellt und später verstaatlicht. Der Bau war in U-Form angelegt, hatte nach außen große Balkons. Es gab breite Treppenhäuser und der Wohnungszugang war stets von der inneren Seite des U angelegt.

Acht Wohnungen bewohnten DDR-Familien. Über die Vergabe entschied Wolfgang Smardz entspre-chend den Erfordernissen der Kooperantenfamilien. Unsere direkten Nachbarn waren mosambikanische Familien sehr unterschiedlichen sozialen Standes. Es wohnte eine Familie im Obergeschoss, dessen Familienchef ein junger Offizier der Armee war. Seine Kinder hatten den Vorteil, dass wir als Nachbarn mit Milchprodukten ein wenig helfen konnten, zumal ein Kind nach der Geburt Ernährungsprobleme hatte und der Vater öfter auf Dienstreise war. In der mittleren Etage wohnte u.a. die Familie Dalsuco. Er war Chef des Zollamtes in Lichinga. Mit ihm gab es ebenfalls gute Kontakte und Gespräche. Häufig kamen Kinder der Nachbarfamilien und baten um etwas Essen und Bonbons.

Viele Aktivitäten spielten sich auf den Balkons ab. Die Wäsche wurde auf dem Balkon getrocknet. So- fern kein Strom da war musste man auf dem Balkon mit Holzkohleöfen kochen, ähnlich unseren Grills in der Heimat. Mosambikaner, die keine Holzkohle hatten, mussten offenes Feuer im Hof anfachen, um sich etwas zu kochen. Auf den Balkons wurden auch von Mosambikanern und Deutschen einige Hühner in eigens dafür angefertigten Käfigen gehalten, da frisches Eiweiß sehr rar war. Man musste das Ei nach dem Legen aber beizeiten wegnehmen, damit es das Huhn nicht selbst auffraß. Im ungenutzten Anbau eines kleinen Nebengelasses auf dem Hof hielt Willi Meinert auch zwei Hühner und einen Hahn unter Verschluss. Wir wunderten uns, dass der Hahn häufig blutete. Schließlich fanden wir heraus, dass vom Haus aus der Nachbarschaft regelmäßig ein anderer Hahn mit seiner Hühnerfamilie erschien und durch das Gitter hindurch seinen vermeintlichen „Rivalen“ attackierte. Im Hof oder in der Tordurchfahrt stell-ten wir nachts unsere B-1000-Busse ab. Viele Arbeiten wurden von den mosambikanischen und deut-schen Familien auch im Hof ausgeführt. So waren stets Berührungspunkte zwischen den Bewohnern gegeben. Das Waschhaus im zweiten Stockwerk benutzten wir Deutschen aber nicht. Wir hatten aus-gesorgt mit unseren Waschmaschinen, die in den Bädern unserer Wohnungen standen. Dagegen wu-schen die Mosambikaner in dem weit oben angelegten Waschhaus ganz manuell ihre Wäsche, denn es gab kaum natürliche Gewässer in der Nähe, die man zum Wäschewaschen nutzen konnte. Oft gab es aber kein Wasser, so dass waschen und auch Toilettennutzung infrage gestellt waren. Kam dann das Wasser, lief es wegen geöffneter Ventile weg. Im Hof wurde auch Maismehl traditionell im Mörser zubereitet und getrocknet.

Sehr freudig wurden immer die LKW am Prédio begrüßt, wenn sie Maçarocas (Maiskolben) geladen hatten und im Hof des Prédio und im angrenzenden Bairo (Wohnviertel) als Ware verkauft wurden. Nicht selten hat man auch um Verkäufe von Holzkohle oder einem Sack Körnermais gebeten, was aber nicht machbar war.

Leider litten die Wohnungen unter der Tatsache, dass sich Wasser in die Wohnungen ergoss, wenn man vergaß den Wasserhahn zu schließen und dann, wenn die Wasserpumpe angestellt wurde, möglicherweise niemand zu Hause war. Auch uns selbst ist das mehrfach passiert. Dann wurde das Wasser über den Balkon oder den Innenzugang mit dem Besen hinausgekehrt. In den mosambikanischen Wohnungen wohnten viele Familienangehörige bzw. kamen auch Gäste zur Übernachtung, wenn sie in Lichinga etwas zu erledigen hatten. Meist diente nur eine Bastmatte als Bett. Auch die Küche wurde nachts zu einem Schlafraum.

Wir hatten auch zu anderen Familien aus der Bevölkerung Kontakte. So besuchten wir die Familie von  Sr. Lucas in Lichinga, der im Landwirtschaftsamt der Provinz arbeitete, aber mit seiner Familie eine sehr gute private Viehhaltung mit Garten und Feld betrieb. Diese Familie erreichte damit eine Selbst-versorgung auf gutem Niveau. Bei Dienstgängen und Spaziergängen wurden wir in der Stadt Lichinga und auch auf den Nachbardörfern sehr freundlich und zuvorkommend in Gespräche einbezogen. Nur sehr selten zeigten Mosambikaner auch ein demütiges Verhalten uns gegenüber, was sicher noch aus der Kolonialzeit herrührte. Ansonsten war die Masse der Menschen selbstbewusst und trat sehr aufgeschlossen und mitteilsam auf. Wenn man Kindern Bonbons oder Kaugummi anbot, wurde man eine große Schar Bedürftiger lange Zeit nicht los. Der Kraftfahrer Manuel und der Empregado Withe Saide luden auch zu sich nach Hause ein, wodurch man das niedrige häusliche Niveau aus nächster Nähe beurteilen konnte. Withe Saide hatte auch Verwandte in Malawi. Er nannte auch den Onkel in Malawi „Pai“ – Vater, weil sein Vater tot war und somit der Bruder des Vaters an seine Stelle trat, wenn es um Entscheidungen ging. Es bestanden enge Beziehungen der Familien über die Grenze und den Niassasee hinweg nach Malawi, dorthin flüchteten zahlreiche Moçambiquer bei Auseinandersetzungen und Gefahren. Die Familien- und Stammesbande sind noch sehr ausgeprägt.

Kontakte zu anderen Kooperanten gab es natürlich auch. In erster Linie gab es Beziehungen zu den DDR-Familien, die in anderen Häusern wohnten, meist entfernt vom Prédio. Aber auch zu anderen Nationalitäten hegte man Beziehungen, z.B. Jugoslawen, Rumänen, Chinesen, Kubaner, sowjetische Bürger, Tschechen, Briten, Italiener, Westdeutsche, Portugiesen.

Es passierte auch in Lichinga und anderswo, dass man von Mosambikanern in deutscher Sprache angesprochen wurde. Dabei handelte es sich immer um junge Leute, die zur Ausbildung in der DDR gewesen sind und nun auf eine Anstellung in Mosambik hofften. In einem Falle wurden wir zu zweit zu Besuch in die Familie eingeladen, wo uns am Sonntagnachmittag dicke Bohnen auf einem Glasteller serviert wurden. Wohlgemerkt aßen wir als Gäste zu zweit von einem Teller, während die mosambikanische Familie zuschaute und Gespräche mit uns führte. Häufig lauteten die Schlagzeilen der Ausgebildeten: „Bockwurst und Kartoffelsalat“, in Erinnerung an die DDR-Zeiten.

Bei Spaziergängen suchten wir auch Pilze. Sie unterschieden sich nicht von denen in Europa. Wilfried Meinert hatte aber eine schwere Pilzvergiftung, weil er auch Pilze aß, die er nicht kannte. Mosambikaner lehnten meist Pilzmahlzeiten ab und warnten vor deren Genuss.

Malaria hatten Monika Smardz und Klaus Pohl trotz sonntäglicher Malariavorbeugung mit Tabletten. Sie hatten späterhin keine Probleme damit. Im nahen Krankenhaus wurden sie mit Medikamenten behandelt. Aber mit Essen mussten wir sie selbst versorgen, denn das Essen im Krankenhaus war fast nicht zumutbar und völlig unzureichend. Ein Rumäne hatte so oft Malaria, dass er Mosambik verlassen musste, um sein Leben nicht weiter zu gefährden.

Wenige Mosambikaner waren verheiratet. Der Eheschein ist für sie nicht vorrangig, denn man lebte zusammen aus Gründen der Liebe, aber wohl mehr aus Gründen der wirtschaftlichen Kooperation. Wer eine alleinstehende Frau nimmt, sorgt auch für die bereits vorhandenen Kinder, denn die Alimente sind kaum geregelt. Die Frau hat dem Anschein nach in der afrikanischen Familie die meisten Pflichten. Wasser holen, waschen, heizen, kochen, Kinder betreuen, Transporte erledigen, Tiere betreuen, säen, hacken, ernten – alles Aufgaben der Frau.

 

Die Arbeit der Spezialisten in Unango

Wolfgang Smardz war der Leiter des DDR-Spezialistenkollektivs und zugleich verantwortlich für alle DDR-Bürger in Lichinga. Er war im Staatsbetrieb Unango der stellvertretende Direktor, ausgerüstet mit allen Rechten und Pflichten eines Leiters im Sinne des Gesetzes über die Staatsbetriebe in Mosambik. Seine Entscheidungen wurden auch dann voll akzeptiert, wenn der Direktor nicht anwesend war oder gar längere Zeit in Maputo weilte. Auch die wichtigsten Kontakte zu anderen Betrieben, staatlichen Einrichtungen und anderen Kooperanten hielt er aufrecht. Entsprechend der Ausbildung und Erfahrung in den Heimatbetrieben leiteten die Spezialisten der DDR eine Abteilung, eine Brigade oder wirkten als Spezialisten in einem Arbeitskollektiv direkt vor Ort. Das war auch in den Verträgen mit Interagrar-kooperation IAK Markkleeberg so konkret vereinbart. Willkürliche Änderungen im Ausland gab es nicht. Lediglich Nebenbeschäftigungen z.B. von mitgereisten Ehefrauen konnten neu vergeben werden, wenn sich vor Ort dafür eine Notwendigkeit ergab. Der AHB „Fortschritt“ und IHK Markkleeberg mußten dazu ihre Zustimmung erteilen. Die Entscheidungen in Moçambique traf Wolfgang Smardz. Er suchte aber in diesen Fällen, wie auch bei der Vorbereitung von Leitungsentscheidungen im Betrieb, stets die Meinung des Spezialistenkollektivs zu erfragen. Er war aber stark genug, eigene Entscheidungen zu treffen und auch unpopuläre Entschlüsse durchzusetzen, wenn er sich davon Vorteile für den Betrieb versprach. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht zur Verteilung der Verantwortung im Be-trieb E.A.U. im Jahre 1984 seitens der DDR-Kooperanten.

 

Empresa Estadal Agrícola de Unango/Niassa

Cooperantes da R.D.A. 1984

NomeName NaçãoNation ProfissãoBeruf Colocação/FunçãoStellung / Funktion InícioBeginn FimEnde
Wolfgang Smardz R.D.A.DDR Engenheiro superiorDiplomingenieur Director AdjuntoStellv. Direktor Nov. ´82 Nov. ´85
Uwe Wriedt R.D.A. Engenheiro superiorDiplomingenieur Produção vegetáriaPflanzenproduktion Set. ´83 Set. ´85
Klaus Pohl R.D.A. Engenheiro médio Ingenieur FitosanidadePflanzenschutz Maio ´83 Abril ´86
Günter Skibbe R.D.A. Engenheiro superiorDiplomingenieur Destronca e HidráulicoRodung u. Bewässerung Jan. ´83 Jan. ´86
Manfred Lindner R.D.A. Engenheiro médioIngenieur ConstruçãoBauabteilung Fev. ´82 Fev. ´85
Wilfried Meinert R.D.A. Engenheiro médioIngenieur Mecanização/OficinaMechanisierung/Werkst. Nov. ´81 Nov. ´84
Monika Smardz R.D.A. Engenheiro médioIngenieur PecuáriaViehwirtschaft Março ´83 Março ´86
Manfred Grunewald R.D.A. Engenheiro superiorDiplomingenieur Contabilidade/LojaBuchhaltung/Laden Jan. ´84 Jan. ´86
H.-Dieter Wagner R.D.A. MestreMeister Mecânico/TécnicoMechanisator Fev. ´84 Fev. ´86
Klaus Einecke R.D.A. MestreMeister ConstruçãoBauabteilung Jan. ´83 Dez. ´85
Helmut Liepe R.D.A. Engenheiro médioIngenieur Mecanização/OficinaMechanisierung/Werkst. Jul. ´84 Jul. ´87
H.-J. Michel R.D.A. …… OficinaWerkstatt Nov. ´84 ….

 

E.A.U. – der Betrieb

Empresa Estadal da Agricultura de Unango

Das Landwirtschaftsprojekt in Moçambique, welches auf Basis eines Staatsvertrages zwischen der DDR und der VRM entwickelt wurde, sah in erster Linie die Schaffung von Staatsbetrieben, d.h. Staatsfarmen auf dem Lande vor. Gleichzeitig war man auch an der Förderung des genossenschaftlichen und privaten Sektors interessiert. Der Betrieb E.A.U. sollte in der Region eine führende Rolle über-nehmen, was im Wesentlichen auch gelang. Es wurden vorwiegend die Projektziele der DDR ange-gangen und im großen und ganzen auch erreicht. Die DDR-Technik, ergänzt durch sowjetische Traktoren, bewährte sich fast ausnahmslos unter den tropischen Bedingungen. Die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Reduzierung der Wohnungsnot, die Verbesserung der Versorgung in der Region Lichinga, die weitere Alphabetisierung, waren konkrete Ergebnisse der Arbeit der Spezialisten im Einvernehmen mit der dortigen Bevölkerung.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit der beiden Landwirtschaftsministerien in Berlin und Maputo vorbereitet. Dazu waren bereits in der Vorbereitungszeit Landwirtschaftsexperten aus der DDR vor Ort.

1997 lernte Manfred Grunewald in Eisenberg Dr. Klaus Döbel (Bad Langensalza, stammt aus einem Dorf bei Apolda) kennen, der u.a. in Moçambique bei der Vorbereitung von Entwicklungsprojekten seitens der DDR-Regierung beteiligt war. Er war im Ministério da Agricultura in Maputo tätig. Er brachte Kopien von Luftaufnahmen aus dieser Zeit von dem Gebiet Lichinga/Unango mit, die über der Savanne um Unango aufgenommen wurden und zum Teil als Grundlage für das Projekt Unango dienten.

1998 hatte Manfred Grunewald wieder Kontakt zu Herrn Dr. Klaus Döbel, der in einem Südthüringer Futterherstellungsbetrieb tätig war. Dr. Döbel gab zur Kenntnis, daß er in mehreren Staaten Afrikas als Projektvorbereiter für das DDR-Landwirtschaftsministerium tätig war. In der Zeit, als er in der Provinz Niassa und in der Provinzhauptstadt Lichinga sowie in Unango weilte, wohnte er zeitweilig in Lichinga in der Nähe des Kinos (Cinema).

 

Der Wirtschaftshof

Auf diesem Areal befand sich schon vorher eine kleinere „Machamba“, wie man in Moçambique einen Landwirtschaftsbetrieb im allgemeinen nennt. Hier wurde ein neuer Ansatz gemacht und die wenigen vorhandenen Einrichtungen und Felder mit einbezogen. Wer die vorhergehende Machamba bewirt-schaftete, ist uns nicht bekannt. Der Wirtschaftshof befand sich auf einer ausgedehnten Fläche mit geringem Gefälle in ein kleineres Tal neigend auf der Hochfläche der Provinz Niassa.

Täglich fuhr das Spezialistenkollektiv etwa 60 Kilometer in einem Kleinbus B 1000, später im Werk-stattwagen, von Lichinga bis Unango zur Arbeit. Kurz vor der Stadt Unango, von der Straßentrasse 500 Meter abseits, ging es über eine Piste in den Wirtschaftshof und Sitz des Betriebes E.A.U. Am kleinen flachen Gebäude der Direktion wurde unter Bäumen der Kleinbus B 1000 abgestellt. Als Fahrer fun-gierten Wilfried Meinert, Klaus Pohl, Helmut Liepe, Wolfgang Smardz  u.a. Die Piste war in der Regenzeit mitunter nicht befahrbar, so daß wir die letzte Strecke mit Gepäck in den Betrieb laufen mußten. Gut beraten war der, der im Auto ein Paar brauchbare Gummistiefel zur Verfügung hatte.

Bei der Einfahrt über die abwärts gerichtete Piste konnte man rechts die neu gebauten Häuser der Arbei-ter sehen, die von der Bauabteilung des Betriebes errichtet wurden. Stets waren auch im Bau befindliche Wohnhäuser und damit der Fortgang der Bauarbeiten im Wohnungswesen sichtbar.

An der Einfahrt zum Wirtschaftshof lag rechts das Verwaltungsgebäude von der Kader- und Personal-abteilung. Häufig warteten davor oder neben der Direktion im Versammlungsgebäude Mitglieder von Produktionsbrigaden, die schon meist einen langen Fußmarsch hinter sich hatten, bevor sie die Arbeit begannen. Meist kamen zu gleicher Zeit auch LKW mit Anhängern im Betrieb an. Die Arbeiter standen dabei dicht gedrängt auf dem Anhänger und waren dankbar, daß sie die Strecken nicht laufen mußten.

Über den vorhandenen Gebäudebestand und die Funktionen der einzelnen Wirtschaftsgebäude wird vor allem in dem Kapitel Bauabteilung einiges wiedergegeben, so daß auf weitere Informationen an dieser Stelle verzichtet werden kann.

 

Die Feldwirtschaft mit seinem Anbauplan und die Ernteergebnisse

Im Zentrum aller Aktivitäten stand die Erzeugung von Nahrungsgütern, um einen spürbaren Beitrag zur besseren Ernährung der Bevölkerung in der Provinz Niassa zu leisten.

Wolfgang Smardz, ein engagierter LPG-Vorsitzender der Pflanzenproduktion „Friedrich Engels“ in Frauenprießnitz, Kreis Jena-Land, war der geeignete stellvertretende Direktor im E.A.U. Unango. Zugleich kamen ihm die umfangreichen fachlichen Erfahrungen als Pflanzenbauer, Traktorist und Gärtner in dieser Tätigkeit sehr zu statten. So paarten sich Fachwissen und Führungseigenschaften, die mithin sehr erfolgreich waren. Aus diesem Grunde hatte die Abteilung Landwirtschaft beim Rat des Bezirkes Gera auch besonders darauf bestanden, daß sich Kollege Smardz mit seiner Ehefrau für diese Aufgabe vorbereitet und dann drei Jahre nach Moçambique fährt, um diese Arbeit zu übernehmen. Er selbst hatte ursprünglich diese Aufgabe abgelehnt, schließlich aber doch nachgegeben und sich ziel-strebig darauf vorbereitet. Sein Ziel war es, danach wieder in Frauenprießnitz die alte Tätigkeit als Vorsitzender zu übernehmen, wozu ihn die Mitglieder dort mehrfach gewählt hatten.

Für die Planungs- und Tagesaufgaben in der Feldwirtschaft und im Gartenbau hier in Unango stand auch Uwe Wriedt als Spezialist seinen Mann, aber Kollege Smardz ließ es sich nicht nehmen, seine Gedanken und Überzeugungen in der Pflanzenproduktion voll einzubringen, was sich wohltuend auf die Organisation und schließlich die Ergebnisse auswirkte. Sein besonderes Interesse galt auch noch dem Gemüseanbau, denn er hatte als junger Mensch in Kahla bei Jena Gärtner gelernt und auch die LPG Pflanzenproduktion Frauenprießnitz verfügte über umfangreiche Gemüse- und Obstkulturen. Da lag es nahe, daß er auch hier seine Erfahrungen einbrachte und neue Vorstellungen durchsetzte. Höchstes Ziel war für ihn zwar die Verbesserung der Ernährung, denn er aß selbst auch sehr gern, was man ihm auch ansah. Schließlich mußte alles in einer guten Ökonomie münden, denn als Diplomagraringenieur-Öko-nom mit einem Abschluß von der Hochschule Meißen, hatte er genügend wissenschaftliche Kenntnisse auch auf diesem Gebiet, um zu begreifen, daß nur eine ökonomische Wirtschaft schließlich der VRM hilft, das Land aufzubauen.

Kollege Smardz war als stellvertretender Direktor für die Disziplin im Betrieb mit verantwortlich. Er wollte stets die gestellten Aufgaben erfüllt sehen, denn davon hingen auch der Kulturzustand der ein-zelnen Früchte, das Ansehen der Felder und die Ernteergebnisse ab. So traf er einmal schon lange vor Arbeitsschluß einige Frauen aus dem Gemüseanbau auf dem Staudamm dem Wirtschaftshof zustreben. Auf seine Frage, warum sie schon die Arbeit beendet haben, erhielt er die Antwort, daß sie leider keine Uhr besäßen und der Annahme seien, daß die Arbeitszeit um ist. Doch Smardz entgegnete ihnen, daß sie sich doch sonst immer nach dem Stand der Sonne richteten. Daraufhin bemerkten die Frauen, daß doch heute keine Sonne scheine und somit die natürliche Uhr nicht zu Rate gezogen werden könne. Er be-gnügte sich mit dieser Antwort.

Wolfgang Smardz und Uwe Wriedt kümmerten sich auch um die Transportkapazitäten. Oft reichten diese nicht aus, um alle Arbeiter zur Arbeit und zurück in die Heimatdörfer zu transportieren. Sie schüttelten auch häufig nur den Kopf, wenn hoch beladene LKW mit Holz und Holzkohle oder Gemüse für Lichinga noch zahlreiche Personen aufnahmen, die dann 60 Kilometer weit, auch bei schlechtem Wetter, oben drauf saßen und damit eine große Gefahr für Leib und Leben dieser „Fahrgäste“ bestand. Leider ließen sich die moç. Verantwortlichen und die Arbeiter kaum belehren, denn es gab auch kaum eine andere Transportmöglichkeit. In solchen Fällen vermieden es die deutschen Spezialisten, selbst den LKW zu steuern. Als die Dieselknappheit zunahm, spitzte sich dieses „Transportsystem“ noch zu.

Aus den Unterlagen von Uwe Wriedt, die seine Ehefrau Doris zusammengepackt hatte beim plötzlichen Weggang und sich somit in ihrem Reisegepäck befanden, als sie wieder in die DDR einreiste, konnte man einige Informationen, vor allem über die Feldwirtschaft und Investitionen, entnehmen. Aus den Unterlagen wird auch deutlich, daß Kollege Wriedt einen exakten Plan erarbeitet hatte. Auch bei den Tagesaufgaben wirkte er zielstrebig in der Vorbereitung und Durchsetzung des Planes und der Arbeitsorganisation. Er koordinierte auch die Arbeiten der Feldwirtschaft mit der Abteilung Technik, der Beregnung und dem Pflanzenschutz, was ziemlich reibungslos funktionierte. Während des Mähdruschs bei Körnermais, Bohnen und Sojabohnen war er häufig vor Ort auf dem Feld. Er benutzte ein Motorrad, um überall nach dem Rechten zu sehen und einzugreifen, damit die Tagesarbeit geschafft würde. Vor allem die Saatgutgewinnung lag ihm sehr am Herzen. Er sorgte dafür, daß die Saatgutreinigung, die häufig von Hand erfolgen mußte, gewissenhaft von statten ging, denn er wußte, daß davon die nächstjährigen Erträge abhingen. Er setzte sich mit Kollegen Smardz auch dafür ein, daß Pflanzgut für Maniok, Süß-kartoffeln, Ananas und Bananen bei der Bevölkerung gekauft oder durch Tausch von Körnermais beschafft wurden, um diesen Kulturen einen höheren Anbau einzuräumen. Er ermittelte die Erträge auf dem Feld und im Gemüseanbau und sorgte für die ordnungsgemäße und sichere Lagerung des Saatgutes für die nächste Kampagne, damit das Saatgut nicht aufgegessen wird. Dennoch passierte es, daß gebeiztes Saatgut gestohlen und gegessen wurde, was bei mehreren Personen zu argen Vergiftungs-erscheinungen führte und Krankenhausaufenthalt zur Folge hatte. Wir erzeugten auch im Haushalt Saatgut mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Viele Früchte und Gemüsearten wurden vor dem endgültigen Verzehr zusätzlich für die Samengewinnung genutzt, z.B. Auberginen, Papaya, Paprika, Piri-Piri u.a. Die Körner wurden gewaschen und dann auf dem Balkon getrocknet, oder bei Gewürzpa-prika aufgefädelt auf Zwirn und danach durch Reiben das Saatgut gewonnen. Diese Methode war sehr erfolgreich, wenn auch nicht ausreichend für alle Gemüsearten. Für den Gemüseanbau nutzten wir auch mitgebrachtes Gemüsesaatgut aus Europa und auch dann, wenn Salat- und Radieschensamen im einfa-chen Brief geschickt wurden, um das Postgewicht auszunutzen. Natürlich kamen auch aus der Bevöl-kerung und von unseren Mitarbeitern kleine Machambabesitzer in den E.A.U., um Saatgut zu erwerben oder zu borgen, denn nicht selten waren das Maissaatgut und auch die Trockenbohnen dem Hunger geopfert worden in der Hoffnung, daß der Staat hilft, wenn die Not groß ist. Da war es schon lobenswert, daß man nicht vergaß zu säen, wenn der Termin heran war und die Regenzeit begann. Auch das mußten so manche Menschen erst noch lernen.

 

Anbauplan 1984/85

Feldfrüchte Hektar Ertrag t/ha Insg. Tonnen
Körnermais SR 52 686,00 4,0 2744
Körnermais, neu gerodete Fläche 200,00 2,5 500
Mais für Saatguterzeugung, Hybride 10,00 1,5 15
Mais für Saatguterzeugung, regional 70,00 3,0 210
Mais für Maiskolben(ausgewählt nach Reifegrad von obigen Flächen) (45,5 ) 10.000 Stück 455.000Stück
Bohnen trocken, für Konsumtion 200,00 0,65 130
Bohnen für Saatgut 92,00 0,75 69
             Anteil für Konsumtion   0,25 23
Sojabohnen für Saatgut 104,00 1,00 104
                   Anteil für Konsumtion   0,5 52
Weizen 30,00 1,0 30
Erdnüsse 20,00 0,5 10
Speisekartoffeln 25,00 15,0 375
Süßkartoffeln 25,00 10,0 250
Maniok 5,00 6,0 30
Crotelária, für Saatgut 27,00 0,45 12
Crotelária grün für Futter als Zwischenfrucht (150,0) 30,0 4500
Futter (Luzerne u.a.) 15,00 15,0 225
Gemüseanbau: Erbsen, Gurken, Melonen, Kürbis 6,75 7,5 51
Gemüseanbau: Tomaten, Porree, Kohl, Salat,Auberginen, Gemüsepaprika, Gewürzpaprika 11,00 13,9 153
Gemüseanbau: Zwiebeln, Möhren 7,50 14,0 105
Gemüseanbau: grüne Bohnen 6,0 5,0 30
Früchte: Ananas, Bananen, Papaya u.a. 16,0 3,5 56
Insgesamt 1556,25    

 

Pflanzenschutz und Düngung

Klaus Pohl war der Spezialist für den Pflanzenschutz im Betrieb und kümmerte sich auch um die Düngemittellagerung und –ausbringung. Dazu hatte er eine Gruppe fester Arbeitskräfte, die nach Bedarf erweitert wurde. Er kümmerte sich mit seinem moç. Partner um einsatzfähige Spritzmaschinen, um die rechtzeitige Behandlung zahlreicher Kulturen gegen Ungeziefer und rechtzeitige Ausbringung von Her-biziden, die als Grundlage für einen unkrautfreien Maisbestand und optimale Erträge gelten können. Die richtige und sehr sparsame Verwendung der Chemikalien war oberstes Gebot, um einen hohen ökono-mischen Effekt zu erzielen. Nur so konnten auch annehmbare Erträge gesichert werden. Dazu mußten die Menschen gut angeleitet werden, um die richtige Spritzbrühe herzustellen und die Ausbringung ohne Lücken und doppeltes Befahren der Flächen zu gewährleisten, denn Fehler wirkten sich in Ertrags-minderungen aus. Das Wasser wurde fast immer aus den Wasserstauen oder vom Fluß geholt. Die mechanische Unkrautbekämpfung wurde aber auch durchgeführt, vor allem im Gemüseanbau.

Aber diese großen Anbauflächen von Mais waren damit nicht unkrautfrei zu halten. Selbst die Gurken und Melonen wurden dermaßen von Raupen und Blattläusen befallen, so daß eine Schädlingsbekämpfung unumgänglich war. Die chemischen Mittel wurden vom Betrieb BOROR auf vertraglicher Grundlage geplant und geliefert. Sie waren fast ausschließlich Produkte des Chemiekonzerns BAYER aus der BRD. Klaus Pohl sorgte mit seinen Mitarbeitern für die Beschaffung, Lagerung und sachgemäße Ausbringung der Pflanzenschutzmittel sowie den Arbeitsschutz. Vor allem beim Vergleich mit dem privaten Anbau von Feldfrüchten wurden die Vorteile der wissenschaftlichen Anbau- und Pflegemethoden im E.A.U. deutlich, was auch die Menschen sehr genau erkannten.

Es standen im E.A.U. nur begrenzte Düngemittel zur Verfügung. Der Boden konnte aber nur vollen Ertrag liefern, wenn er gut mit Nährstoffen versorgt wurde. Das meiste Maisstroh blieb zwar auf den ab-geernteten Flächen liegen und förderte infolge eines schnellen Zersetzungsprozesses unter tropischen Bedingungen die Bodenstruktur und den Humusgehalt, reichte aber nicht für die intensive Bewirtschaf-tung und anspruchsvolle Ertragsziele aus. So mußte jede Möglichkeit der Beschaffung und rechtzeitigen Ausbringung von Düngemitteln genutzt werden. Natürlicher Dünger aus der Viehwirtschaft war nur in geringem Umfang nutzbar, da die Bestände einfach zu gering waren und die Weidetiere eine natürliche Verteilung vornahmen. Der in den Alpendres [Lagerhallen mit Grasdächern] gelagerte Dünger wurde mit sehr primitiven Mitteln durch Handarbeiter aufgeladen und auf dem Feld verteilt. Meist waren die Arbeiter barfuß und gingen nach der Arbeit in den Stausee waschen, denn die Düngemittel ätzten zum Teil Augen und Füße. In einer Halle auf dem Flugplatz in Lichinga lag noch veralterter mineralischer Dünger, wovon Wolfgang Smardz erfuhr. Er ließ diese Düngemittelmengen ebenfalls abholen und ver-wertete sie sofort auf unseren Maisflächen.

 

Die Abteilung „Destronca“ – Rodung, Produktion von Holz- und Holzkohle sowie Beregnung

Unter der Leitung von Günter Skibbe, der ein Spezialist für Meliorationswesen war, arbeitete die relativ kleine Abteilung mit etwa 35 Mitarbeitern als bedeutendes Bindeglied für die Pflanzenproduktion. Sein moçambiquescher Vertreter war Sr. Benjamin, der auch für die Sicherheit des Betriebes Verantwortung mit trug, und hohes Ansehen genoß. Günter Skibbe fuhr fast immer mit einem Motorrad zu den Schwer-punkten der Arbeit. Häufig lief er aber durch die Savanne und traf dabei auch auf Schlangen und andere Tiere. Auch Spuren von Löwen hat er dabei ausfindig gemacht. Günter Skibbe wählte die zu rodenden Flächen mit aus, überwachte den Ablauf der Arbeiten, die der Fremdbetrieb MECANAGRO im Auf-.trage des Staates im E.A.U auszuführen hatte auf den Rodungsflächen. Danach setzte er die Holzbriga-de ein, damit das gerodete Holz einer sinnvollen Verwertung zugeführt wurde. So erhielten das Kran-kenhaus, die Bäcker und auch das bedeutende Hotel „Pousada“ Holz gegen entsprechendes Entgelt geliefert. Günter Skibbe setzte durch, daß möglichst nur Gestrüpp und kleines Geäst verbrannt wurde. Alles Holz, das nicht sofort abtransportiert werden konnte, wurde so vorbereitet, daß es für die Holz-kohleerzeugung nutzbar wurde. Schon die ersten Versuche zeigten diese sinnvolle Verwertung des gesamten Rodungsholzes. Die Holzkohle wurde in Säcken abgepackt und wurde in Unango und in Lichinga zum Verkauf angeboten, wo sie einen reißenden Absatz fand. Oft konnte der hohen Nachfrage nach Holzkohle gar nicht entsprochen werden.

Bei der Herrichtung der Flächen mußten Wurzeln aufgesammelt und beräumt werden, wozu auch Hand-arbeitskräfte der Brigade „Destronca“ eingesetzt wurden. Die Flächen waren drei Jahre nach der Ro-dung voll ertragsfähig. Nicht selten waren dann bereits Düngergaben erforderlich, um das natürlich hohe Ertragsniveau der Flächen auf dem Hochplateau von Niassa auszuschöpfen.

Schließlich sorgte diese Abteilung auch für die Beregnung mit Beregnungsanlagen und die Gravitations-bewässerung. Da kamen vorrangig die Gemüseflächen, Futterflächen während der Trockenzeit aber auch Maisflächen infrage, die am Anfang der Regenzeit noch nicht genügend Feuchtigkeit bekamen, aber für die Ernte von Maiskolben beizeiten vorgesehen waren. Günter Skibbe überwachte auch die Wasserstände der beiden Wasserstaue, denn in der Regenzeit kam es darauf an, daß die optimale Füll-höhe nicht überschritten wurde und möglicherweise Durchbruch- oder Erosionsschäden entstehen könnten. In der Trockenzeit wurde überprüft, welchen Einfluß die Bewässerung/Beregnung auf die Füllstände der Wasserstaue hat. Für das Betriebsdorf Unango am Rande des Wirtschaftshofes ließ Günter Skibbe regelmäßig Wasser von einem relativ sauberen Fluß im Faß anfahren, damit dieses von den Arbeiterfamilien genutzt werden konnte. Auch vom nahe gelegenen Wasserstau am Rande des Wirtschaftshofes holten die Arbeiterfamilien Brauchwasser, badeten darin und wuschen auch ihre Wäsche. Brunnen wurden erst später gebaut, aber diese hielten mit dem Bedarf nicht Schritt in der Trockenzeit (6 Monate).

 Mechanisierung und Werkstatt

Funktionierende Technik ist eine der entscheidenden Voraussetzungen für die Schaffung neuer Betriebe in Moçambique, denn es gibt weder tierische Zugkräfte noch ausreichend menschliche Kraft für die Ro-dung, Urbarmachung, ständige Bodenbearbeitung, Bestellung noch Ernte. Es bleiben dennoch genügend Arbeiten, die nur von Handarbeitskräften auszuführen sind und damit gesicherte Arbeitsplätze für die Menschen darstellen. Annähernd 80 Prozent der moçambiqueschen Bevölkerung leben und arbeiten auf dem Lande. Somit stellte auch die Werkstatt in Unango ein entscheidendes Fundament für den Aufbau und die Instandhaltung der maschinellen Fonds dar. Demzufolge arbeiteten in der Werkstatt, im Repara-turlager, im Tank- und Öllager und bei der Reinigung und Wartung der Traktoren, LKW, Maschinen, Geräte etwa 40 Personen, die zum Teil eine sehr geringe Ahnung hatten und deshalb ausgebildet werden mußten. Dafür zeichneten Wilfried Meinert, Bernd Theilig, Helmut Liepe und H.-Dieter Wagner ver-antwortlich. Viele Arbeitsgänge mußten direkt vorgemacht werden, damit der „Lehrling“ einen Einstieg bekam. Der moç. Werkstattleiter war Sr. Alberto, ein umsichtiger und aufmerksamer Mann, der bereits über einige Erfahrungen verfügte und auch für wichtige Reiseaufträge infrage kam, die er ernsthaft und korrekt abwickelte, z. B. im Hafen Nacala und in Maputo. Er begleitete auch Maschinen- und Waren-transporte auf der Eisenbahn C.F.M.

Im Betrieb waren vorhanden:

  • Traktoren ZT 300 und ZT 303 sowie zahlreiche Anhänger

3  Einige Traktoren des Typs Belorus stammten aus der Sowjetunion

5  Mähdrescher E 512 mit Adapter zum Maisernten

8  LKW W50

1  Werkstatt-LKW

3  Kleinbusse B 1000

4  Motorräder

1  Multicar

1  Dumper Waran

 Zahlreiche Ausrüstungsgegenstände wie Werkbänke, Reparaturwerkzeug, Kreissäge, Motorsäge, Ho-belmaschine, usw. unterstanden ebenfalls der Reparaturabteilung. Leider gab es noch keine ausrei-chende Elektroenergie, so daß die volle Nutzung noch nicht gesichert war.

Fast alle Reparaturen mußten in der eigenen Werkstatt ausgeführt werden. Darüber hinaus wurden Blechtafeln zu Töpfen, Eimern, Holzkohleöfen verarbeitet und Schweißarbeiten für die Arbeiter, vor allem an Fahrrädern, ausgeführt.

 Die Viehwirtschaft

Informationen vorwiegend von Monika Smardz

Viehbestand, Stallsituation, Futterversorgung

Monika Smardz war die einzige Frau im Spezialistenkollektiv, die einen Vertrag erhalten hatte und auf dieser Grundlage die Viehwirtschaft leitete. Sie hatte wie alle anderen einen moçambiqueschen Partner, Sr. Lucas. Er gab sich sehr viel Mühe bei der Durchsetzung der Aufgaben. In der Viehwirtschaft arbei-teten 25 Personen.

Folgender Viehbestand war im Dezember 1984 zu verzeichnen:

  • Rinder

6 Ziegen (die Herde sollte durch Zukäufe schnell aufgebaut werden)

  • Hühner

50   Zuchtenten

320      Kaninchen

Die große Rinderherde wurde in zwei kleinere Herden aufgeteilt. Alle Rinder erhielten eine Zeckenbekämpfung. Die Bullen wurden selektiert und dann kastriert. Nur die Zuchtbullen wurden geschont und liefen ständig in der Herde mit. Die Milch einer Kuh reichte gerade für das eigene Kalb. Eine Milchproduktion gab es in Unango nicht, obwohl diese angestrebt wurde.

Die Futterversorgung der Rinder erfolgte fast ausschließlich über Tagesweide in der Savanne. Die Herden wurden von Pastores (Hirten) zu den Weideflächen geführt und bewacht. Auch um die ordentliche Wasserversorgung an verschiedenen natürlichen Tränken mußten sich die Hirten kümmern.

Wegen Tuberkulose wurden mehrere Rinder ausgesondert und fünf Stück geschlachtet für die Fleischversorgung der Arbeiter. Das Töten und die Enthäutung sowie das Ausnehmen der Schlachtkörper erledigten erfahrene Moçambiquer. Bei der gerechten Verteilung an alle Beschäftigten legten alle Spezialisten mit Hand an. Das begrüßten auch die Arbeiter, weil sie merkten, daß wir eine möglichst gerechte Verteilung durchsetzten und zum Feiertag jeder Berechtigte eine Portion Fleisch mit Knochen kaufen konnte.

Leider war die Ziegenhaltung in unserem Betrieb noch unbedeutend. Wir strebten eine größere Ziegenherde an, da diese schneller zu reproduzieren war als Rinder. Man konnte in den Dörfern sehen, daß einige Familien zahlreiche Ziegen und Fettschwanzschafe hielten und diese entweder frei ums Dorf herum allein weiden ließen oder eine Betreuung durch Hirten sicherten (meist waren es Kinder). Die Gefahr bei Ziegen besteht jedoch darin, daß sie unkontrolliert auch Pflanzenbestände in der Vegetations-zeit beschädigen, was nicht gewollt ist. Schließlich kann bei Überbeweidung der Flächen auch die natürliche Vegetation durch Ziegen zu stark geschädigt werden, was sich negativ auf Wasserhaushalt, Pflan-zenbestand an Gras und Büschen auswirkt. Außerdem ist der Verbiß durch Ziegen oft zu kurz und damit auf die Dauer schädigend. Deshalb müssen die Ziegenbestände klug bemessen werden.

Die Flugenten waren im Hof der Pecuaria zu weit weg und nachts unkontrolliert, obwohl auch Wächter direkt dort in primitiven Hütten wohnten. Es hatten verschiedene Enten Eier gelegt, aber oft waren die Eier am nächsten Tag weg. Man glaubte, es läge an der fehlenden Einzäunung, da Füchse zu leicht Zugang hätten, aber später stellte sich heraus, es waren „zweibeinige Füchse“. Das Entenhaus wurde nun näher am zentralen Wirtschaftshof gebaut und unter Ausnutzung einer natürlichen Quelle ein Pool für die Entenfamilien errichtet. „Füchse“ hatten da keine große Chance mehr.

Die Hühnerhaltung des Betriebes war zwar nicht sehr groß, aber es war ein vernünftiger Anfang. Die Hühner hatten eine gute Bodenhaltung, schattigen Stall und schönen Auslauf. Es wurden vorwiegend Körnermais und grüne Pflanzen aus dem Gemüseanbau gefüttert. Auch Maisblätter wurden verabreicht.  Die Eier wurden in der Loja an die Arbeiter verkauft, reichten aber bei weitem nicht zur Bedarfsdeckung.

Nicht weit von der Buchhaltung entfernt, nahe der Enten- und Hühnerhaltung, wurde auch das Gebäude für die Kaninchenhaltung im zentralen Wirtschaftshof errichtet. Die Buchten waren von oben zu bedienen. Sie waren aus einfachem Rundhölzern, Brettern und Schwarten errichtet. Die Behandlung der Tiere, die Züchtung und der Umgang mit den Tieren war noch neu. Auch in den Familien wurden teilweise Kaninchen und Meerschweinchen gehalten und sehr gern gegessen. Bei einer Familie sah ich ein frisch „gerupftes“ Kaninchen, das auch noch nicht ausgenommen war. Offensichtlich kannten diese Leute das reguläre Schlachten nicht.

Die deutschen Spezialisten hatten auch auf eigene Kosten Kücken gekauft und in Lichinga in einer Wohnung zu Junghühnern aufgezogen. Erst dann wurden sie nach Unango gebracht, wo sie separat als Kooperantenhühner gehalten wurden. Die erzeugten Eier standen nur uns zu und wurden reihum an die deutschen Familien gerecht verteilt. Oft kam es vor, daß am Montag keine Eier von den Kooperantenhühnern da waren. Sie hatten übers Wochenende „pausiert“, sagte man.

 Die Bauabteilung

Manfred Lindner war drei Jahre lang der Leiter dieser Abteilung. Sein moçambiquanischer Partner war ein sehr umsichtiger und vernünftiger Leiter, der schnell dazu lernte, mit dem er auch ein sehr gutes Einvernehmen hatte. Sie ergänzten sich hervorragend in der Arbeit. Manfred Lindner kam zugute, daß er über einen langen Zeitraum ununterbrochen diese Abteilung leitete und seine Planziele den betrieb-lichen und sozialen Bedürfnissen der Menschen entsprachen. Natürlich war er mit seiner Bauabteilung im Wesentlichen auf die Baumaterialien des Landes angewiesen. Nur mit Hilfe dieser natürlichen Res-sourcen des Landes war es möglich, diese Bauleistungen zu erreichen. Es gab auch etwas wie eine natürliche Interessiertheit, denn mit jedem neuen Wohnhaus wurde der Wohnungsbedarf etwas gemil-dert. Es arbeiteten fast ständig 100 Arbeiter in der Bauabteilung.

Gegen Ende 1984 waren insgesamt 60 Wohnhäuser neu errichtet. Einige davon waren in der neuen Stadt Unango aus Backsteinen errichtet, ein anderer Teil als Montagehäuser aus der DDR. Die Montage der Häuser erfolgte unter der Verantwortung von Klaus Einecke, der über sehr gute Fachkenntnisse in der Holzverarbeitung verfügte. Hier sollten in erster Linie der Direktor und die DDR-Spezialisten einziehen. Es gab aber noch keinen elektrischen Strom und die Wasserversorgung war auch noch nicht abgesichert. Die meisten Wohnhäuser waren im Betriebsdorf Unango, direkt neben dem Wirtschaftshof errichtet worden. Hier entstand ein richtiges Dorf mit einem breiten Mittelweg, an dem die Häuser standen. Dahinter wurden die Küchen  und die „Bäder“ (nur Trockentoiletten) in separaten kleinen Häuschen von den Nutzern dazugebaut. Bis zum festen Häuschen taten es zunächst Abtrennungen aus Grasmatten. Die Wohnhäuser waren fast alle aus hiesigem natürlichem Baumaterial errichtet. Es handelt sich dabei um eine traditionelle moçambiquesche Bauweise mit Holzskeletten aus runden Derbstangen und Lehm für die Wände, Bambusstangen und Elefantengras für das Dach. Die Fußböden waren meist etwas erhöht, damit kein Wasser hinein fließen konnte. Türen und Fenster aus Brettern gab es nur solange noch Bretter da waren. Dann mußte man Türen aus Bambus und Elefantengras anfertigen.

Im Betrieb waren bereits drei Lagerhallen in traditioneller Bauweise entstanden. Auch vier Ställe wur-den auf diese Weise errichtet. Die Werkstatthalle für Traktoren und LKW war allerdings aus Backstei-nen mit Eternitdach errichtet. Auch ein Öllager wurde 1984 so hergerichtet. Der Betriebsladen entsprach der Größe eines Wohnhauses und war auch in traditioneller Bauweise errichtet. Darin war es sehr dun-kel. Schließlich gab es noch drei Verwaltungsgebäude (Buchhaltung, Personalabteilung, Schreibbüro) mit Grasdach und einfachen Lehmwänden sowie einen Versammlungsraum, worin auch Alphabetisie-rungskurse stattfanden. Lediglich die Direktion und die dahinter befindliche Trockentoilette waren auch mit Welleternit eingedeckt. In zwei abseits stehenden Baracken, in denen die alleinstehenden Arbeiter (etwa 120 männliche Personen) wohnten, gab es keinerlei Komfort oder Ausstattung. Die Toiletten für diese Leute brannten zweimal ab, so daß nur der hohe Elefantengrasbestand oder das Maisfeld als Toi-lette dienten.

Eine Werkstatthalle für Holzverarbeitung ist 1984 auch errichtet worden, die schon etwas mehr Sicher-heit bot, aber infolge fehlenden Stromes und fehlenden Dieselkraftstoffes konnten die Maschinen nur sehr wenig genutzt werden. Die Zementzuteilung war so gering, daß lediglich sehr wichtige kleine Sa-chen damit errichtet wurden. Eine im Bau befindliche neue Direktion mit Sekretariat und Schreibbüro war im Bau und konnte wegen fehlenden Baumaterials nicht fertiggestellt werden. So blieb es bei den zwei sehr kleinen Zimmern unter einem Eternitdach für den Director Paulo Zucula und den Adjunto (Stellvertretender Direktor) Wolfgang Smardz, die sich einen Schreibtisch teilten und dem daneben liegenden Schreibbüro mit einer Schreibmaschine und einem Platz für einen Schreiber. Ein Haus für Alleinstehende war ebenfalls im Bau, wozu man bereits gebrannte Ziegel verwendet hatte, aber es konnte auch nicht fertiggestellt werden.

Hervorheben muß man die Bemühungen der Bauabteilung, die Wasserversorgung zu verbessern, denn das Flußwasser und das Baragem-Wasser waren hygienisch bedenklich. So wurden vier Brunnen er-richtet, die auch während der Trockenzeit fast alle durchhielten. Die Schöpfeinrichtung war ähnlich wie in Ungarn ein Hebel mit einem Eimer daran.

Das Baumaterial wie Rundhölzer, Bambus, Lehm und Elefantengras mußte von der Bauabteilung selbst gewonnen und herangeschafft werden. Andere Mitarbeiter übernahmen die Aufbauarbeit, die sich bei je-dem neuen Bau verbesserte.

Eine Brigade ging dazu über, aus Lehm Ziegel zu formen und in der Sonne zu trocknen. Dazu mußte der Lehm mit Wasser aus dem Wasserstau in Fässern geholt werden. Der Lehm (Matope) wurde in Gruben angefeuchtet und infolge Tretens durch mehrere Arbeiter geschmeidig gemacht. Dann wurden die Holz-formen gefüllt und abgestrichen. Auf einer Plaste- oder Grasunterlage kamen die herausgedrückten Lehmsteine zum Trocknen. Man hatte bereits mehrere Brennversuche gestartet, um die Steine haltbarer zu machen und einen Vorrat zu erzeugen.

Im privaten Bereich Unango, Lichinga oder auf den Dörfern wurde genauso traditionell gebaut, wie im Betrieb Unango. Der Lehm (rote Erde) wurde fast immer neben dem zu errichtenden Gebäude gewon-nen. Diese Grube diente danach als Müllgrube für die Familie. Casa de Banho und Cozinha (Bad/ Toilette und Küche) wurden als kleine alleinstehende Gebäude dahinter oder daneben errichtet. Man half sich gegenseitig beim Bauen. Vor allem die engen Familien- und Stammesbande hatten hier einen Vorteil.

 

Die Buchhaltung und der Handel

Zu diesem Kapitel wurden umfangreiche Aufzeichnungen im beigefügten Kalender 1984 und ebenfalls in den zitierten Briefen gemacht, so daß auf längere Ausführungen an dieser Stelle verzichtet werden kann.

Bis Ende 1983 war Hella Gündel aus der Erfurter Region als Buchhalterin in Unango tätig. Im Januar 1984 übernahm Manfred Grunewald diese Aufgabe. Er war zuvor Leitungsmitglied in der LPG Tierpro-duktion „Magnus Poser“ Frauenprießnitz. Resultierend aus dieser Tätigkeit war er auch mit der Familie Smardz seit Längerem bekannt.

Aus anderen Teilen dieses Berichtes geht hervor, welche Organisationsformen Kollege Grunewald für die Buchhaltung auswählte und durchsetzte. Hauptproblem bei der Einführung einer minimalen Rech-nungsführung war die geringe Vorbildung der meisten Kollegen in diesem Bereich der Buchhaltung und des Handels. Gute Unterstützung erhielt die Buchhaltung von Seiten des Direktors, der auch seine Vor-stellungen über die Qualitätsverbesserung der Abrechnung mit einbrachte. Auch die Verbesserung der Sicherheit und korrekte Kassenführung lagen ihm genauso am Herzen wie Manfred Grunewald. Die Durchsetzung der Arbeits- und Abrechnungsstruktur in der Buchhaltung war also ihm mit zu verdan-ken. Damit stand täglich die Aufgabe, direkte Anleitung bei der Arbeit zu geben und immer wieder die Einhaltung der einfachsten Grundsätze zu überwachen, damit die gemachten Fortschritte erhalten bleiben und darauf weiter aufgebaut werden kann.

In der Buchhaltung und im Betriebsladen verfügten wir nur über einfache Arbeitsmaterialien. Meist er-schöpfte sich das in einigen Formularen. Rechenmaschinen waren totale Mangelware. Außerdem hätten sie uns auch nicht viel genützt, da kein elektrischer Strom zur Verfügung stand. Eine einzige mechani-sche Additionsmaschine, mit einer Handkurbel zu bedienen, konnte nicht den Bedarf decken. So kam es, daß der einzige elektronische Taschenrechner, den Manfred Grunewald mitgebracht hatte, für sieben Buchhaltungskräfte zum Rechnen zur Verfügung stand. Der Taschenrechner  war ein „ELECTRONIC CALCULATOR MR 12“ vom VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ Mühlhausen, Made in GDR, Baujahr 1983. Er wurde in der DDR meist von den Schülern der oberen Klassen aber auch in der Wirt-schaft benutzt. Damals konnte man in der DDR noch nicht beliebig Taschenrechner und vor allem nicht die Knopfbatterien kaufen. Während des Urlaubs mußte man die Rechner mit nach Hause nehmen, wo in einem Fachgeschäft die Batterien getauscht wurden. Dieser Rechner ist auch nach über 15 Jahren noch voll funktionstüchtig und zeigt sich sehr robust. Bei unserem Weggang blieb auch ein weiterer Taschenrechner dieses Typs dort in Moçambique.

 Die sozialen Bedingungen

In einem Schreiben an die Universität Leipzig vom Jahre 1985 werden die meisten sozialen Bedingungen des staatlichen Betriebes Unango beschrieben, so daß der Brief hier vollständig wiedergegeben wird:

 

Manfred Grunewald

6901 Frauenprießnitz                                                             Frauenprießnitz, den 25.09.1985

Ernst-Thälmann-Str. 6

 

Karl-Marx-Universität Leipzig

Institut für tropische Landwirtschaft

Bereich Ökonomie / Technologie

7113 Markkleeberg

Raschwitzer Straße

 

Werter Herr Dr. H. …!

Meine Erfahrungen speziell zu diesem Themenkomplex der Entlohnung sind nicht umfassend. Dazu reichte mein Auslandeinsatz von [knapp] einem Jahr in der Volksrepublik Moçambique VRM nicht aus. Leider stehen mir auch wenige Unterlagen zur Verfügung, um daraus noch einige Schlußfolgerungen ableiten zu können. Dennoch gehe ich kurz auf Ihre Einzelfragen ein.

  1. In der VRM gibt es ein Tarifsystem zur Entlohnung in den staatlichen Landwirtschaftsbetrieben. Der Lohn lag für die Feldarbeiter sehr niedrig. Zum Zeitpunkt unseres Weggangs gab es gerade eine Angleichung und Überprüfung der Zuordnung der Arbeitskräfte AK zu den Lohngruppe. Mit dieser Maßnahme war beabsichtigt, Kenntnisse und Ausbildungsunterlagen der AK bei der Lohngruppen-einstufung in besserer Weise als bisher zu berücksichtigen. Teilweise mußten mündliche und prak-tische Prüfungen durch die betreffenden Personen abgelegt werden, um den Nachweis für eine an-dere Lohngruppe zu bringen. Schriftliche Prüfungen waren nur sehr selten, da viele Arbeiter gering alphabetisiert oder noch Analphabeten waren. Aus einem Brief aus Unango ist mir bekannt gewor-den, daß einige wesentliche Veränderungen in der Vergütung vorgenommen wurde.

 

  1. Einige Vergütungssätze je Monat vor der Angleichung (MT = Meticais, 20 MT ~ 1 Mark)

( im Juli ´84 war das Verh. 16,33 MT ~ 1 Mark)

Saisonarbeiter                                           1650 MT

Feldarbeiter                                              2100 MT

Traktorist                                      2700 –  4600 MT

LKW-Fahrer                                             5600 MT

Schlosser                                                  6700 MT

Direktor                                                   16000 MT

Fachschulabschluß (Techniker)                4500 MT

Fachschulabschluß                                               5500 MT

Abteilungsleiter Rodung/Melioration        4200 MT

Abteilungsleiter Feldwirtschaft                 7000 MT

Abteilungsleiter Tierproduktion                5500 MT

Hauptbuchhalter (HB)                              7000 MT

Finanzbuchhalter                                    10620 MT (höherer Abschluß als der HB)

Kassierer                                                  4900 MT

Lohnbuchhalter                                        5500 MT

Materialbuchhalter                                               4500 MT

Brigadier Feldwirtschaft                           6900 MT

 

  1. Formen der Arbeitsentlohnung

Es wurden nur Löhne in Form von Geld gezahlt. Der Betrieb hat jedoch auch Pflichten zur Versor-gung mit Naturalien, die jedoch zu Konsumpreisen von den Werktätigen an den Betrieb zu bezahlen sind (vorwiegend Mais, Bohnen und Gemüse). Da die Löhne sehr niedrig liegen, wurde auf Be-schluß der Leitung das Gemüse zum halben Konsumpreis und der Mais zum Erzeugerpreis an die Belegschaft verkauft.

 

  1. Soziale Regelungen

Scheinbar waren diese sehr gering und man hatte leider keine gesetzliche Grundlage in der Hand. Der Direktor und der Chef der Personalabteilung waren vermutlich die einzigen, die sich darüber etwas auskannten.

Ich versuche einiges zu notieren:

  • Bei tödlichem Betriebsunfall: Herstellung von Särgen und kostenlose Bereitstellung von Stoff zur Bespannung, die Möglichkeit für Frau und Kinder, im Betrieb einen Arbeitsplatz zu erhal-ten, für ½ Jahr noch Lohn zu beanspruchen, Unterstützung mit finanziellen Mitteln für die Bestattungszeremonie.
  • Bezahlung von Löhnen für Frauen kurz vor der Entbindung und einige Wochen nach der Entbin-dung (genaue Zeiten sind mir nicht bekannt).
  • Der Betrieb verteilte über seinen Betriebsladen alle Waren, die über den Binnenhandel erworben wurden (sehr begrenzte Zuteilungen, die spontan erfolgten), sowie Mais und Bohnen aus eigener Produktion. Es handelte sich um Streichhölzer, Batterien [für Taschenlampen und Radios], Salz, Zucker, Trockenfisch, Öl, Radios, Trockenmilch, Petroleum, Schlafdecken, gebrauchte Garde-robe (Sammelwäsche aus den USA), neue Garderobe (Lieferung aus der SU) u.a.
  • Die Warenzuteilung an die Arbeiter erfolgte lt. Beschluß der Direktion auf der Grundlage einer Versorgungskarte, die von der Buchhaltung ausgegeben wurde, wenn nicht mehr als zwei unent-schuldigte Fehltage im Monat vorlagen.
  • Fleischverteilung 5 x im Jahr zu Erzeugerpreisen [meist zu bedeutenden Feiertagen], Rinder-schlachtung aus betrieblichem Rinderbestand. [Es wurden auch erlegte Wildtiere meist auf Brigadebasis verteilt, Tiere oft nicht ausgenommen und zu lange zwischengelagert].
  • Bau und Verteilung von Wohnraum.

Bis zu meinem Weggang waren keine Mietverträge abgeschlossen, sie waren noch in Arbeit. Das Wohnungsbauprogramm hatte eine große Bedeutung und wurde prinzipiell bei den Arbei-tern hoch anerkannt. Die Mietsätze waren mir nicht bekannt. Die Nutzung der Wohnhäuser sollte im Mietvertrag folgende Verpflichtungen der Mieter nach sich ziehen:

. Reparatur der Dächer nach Bedarf (mit Elefantengras)

. Anstreichen der Wände, auch außen

. Bau einer Küche und eines Bades am vorgegebenen Standort, Einhaltung der Bauabstände

[Küche und Bad wurden an separatem Standort neben dem Wohnhaus errichtet].

. Nutzung des angrenzenden Landes für Gartenzwecke (Anbau von Mais und Gemüse)

. Jährliches Pflanzen von zwei Bäumen

  • Betreiben einer Betriebsküche für etwa 120 Personen, die keine Familie am Ort hatten, monat-licher Preis 240 MT. Diese Personen erhielten zweimal täglich eine warme Speise in Form von Maisbrei (als Ersatz für Brot anzusehen) und etwa zweimal wöchentlich dicken Bohneneintopf. Auch Gemüse wurde verarbeitet. Wer nicht ausreichte, konnte sich selbst noch Gemüse kaufen und kochen, falls er dazu Geld hatte. Es wurde kein Fleisch, kein Öl oder dgl. eingesetzt, da es fehlte. [Verteilung dieser raren Waren erfolgte nur individuell]. Diese Betriebsküche befand sich im Freien und wurde später überdacht [als Schutz in der Regenzeit]. Es wurde in zwei großen Töpfen auf offenem Feuer gekocht. Die Hygiene war katastrophal. Die Töpfe waren stark ver-schlissen. Wir warteten dringend auf DDR-Solidaritätsgeschenke, denn die meisten dieser ehe-maligen „Inproductivos“ hatten auch kein ausreichendes Geschirr. Es fehlte an Töpfen, Tellern, Tassen und Bestecks.
  • Der Betrieb war lt. Aussagen des Direktors nur zuständig für die direkte Versorgung des Arbei-ters, aber nicht für dessen Familie. Der Betrieb gab aber Vorschüsse auf den zu erwartenden Lohn bei Todesfällen und Feiern in der Familie, wichtigen Reisen zur ärztlichen Behandlung von Familienangehörigen usw. Vielmals gab es seitens solcher Kollegen Spekulationen, daß die Rückzahlung vergessen wird. Man versuchte auch immer auf „Pump“ zu kaufen, auch in der Hoffnung, daß der Abzug vom Monatslohn durch die Buchhaltung vergessen wird.
  • Urlaub wurde auf gesetzlicher Grundlage gewährt. Erstmalig durfte Urlaub nach zwölfmonati-ger Arbeit genommen werden. Der Urlaubsanspruch steigt mit zunehmender Betriebszugehörig-keit an. Vier Wochen Urlaub zu machen und zu verreisen (auch ohne die nötige finanzielle Sicherheit) war legitim. Offensichtlich galt die Gewährung von bezahltem Urlaub als wichtige revolutionäre Errungenschaft. Während des Urlaubs wurde normal Lohn weiter gezahlt.

 

  1. Lohnsystem, Zeitlohn

Es gab seitens des Staates offiziell nur eine Entlohnung in Form des Zeitlohnes. Formen, die vor allem von uns als DDR-Spezialisten zeitweilig genutzt wurden, waren inoffiziell. Überstunden waren prinzipiell nicht erlaubt, aber wir fanden auch Möglichkeiten der Vergütung bei notwendig gewordenen Überstunden. Der Zeitlohn wurde als Monatslohn gewährt. Eine Stundenerfassung gab es nicht [nur Arbeitstage]. Die Direktion veranlaßte lediglich eine Registratur der täglich anwesen-den Kollegen in Kontrollbüchern. Die Kontrolle war oft mangelhaft und so manche Arbeiter waren auch nur zum Zeitpunkt des Aufrufens anwesend. Oft verließen die Kollegen auch vorzeitig den Arbeitsplatz. Fehlende Uhren oder bedeckter Himmel waren dann die Ausrede, weil sie ja so keine Uhrzeit hatten. Bis zu zwei Tagen konnte ein Arbeiter pro Monat von der Arbeit fern bleiben, um familiäre Probleme zu klären. Mit der Einführung der Versorgungskarte wurde die Disziplin erhöht. Monatlich wurden Lohnlisten für über 500 Arbeiter angefertigt. Erst nachdem ein Taschenrechner und Rechenhilfslisten vorhanden waren, bemühte sich der Lohnbuchhalter, die Lohnabrechnung so anzufertigen, daß fehlende Tage zum Abzug gebracht wurden. Vorher war das aus Zeitgründen bei der geringen schulischen Ausbildung sowie fehlendem Rechentraining überhaupt nicht zu erwarten. Korruption, Bevorteilung von Freunden usw. sind als normale Erscheinungen zu bewerten.

 

  1. Eine Art Stücklohn wurde in der Zeit der Ernte angewendet für die Arbeitsgruppen:

Einsacken der Maiskörner

Abwiegen der Säcke (pro Sack 80 kg)

Stapeln der Säcke.

Da es sich hierbei um ein Nadelöhr im Ernteablauf handelte, war eine solche Regelung notwendig.

Der Mehrlohn über den Zeitlohn hinaus wurde auf den Überstundenlisten mit abgerechnet. Ähnliche

Formen sind auch in der Bodenbearbeitung und Bodenbestellung genutzt worden, da auch diese Ar-

beiten sehr dringend und zeitgebunden waren. Die Mähdrescherfahrer erhielten Überstunden be-

zahlt, weil wir den richtigen Schichtbetrieb nicht durchführen konnten, denn es fehlte an Diesel-

kraftstoff und an Vergaserkraftstoff für Arbeitskräftetransporte. Am Feldrand wurde auf Betriebs-

kosten Essen für das Erntekollektiv gekocht und verabreicht.

 

  1. Wir beabsichtigten die Zahlung einer Kampagneabschlußprämie (ähnlich einer Jahresprämie).

Die Kampagne reichte vom 01.09. bis 31.08.. Um an das Geld heranzukommen, waren auch inoffizielle Wege vom Direktor in Augenschein genommen worden, z. B. Gemüseerlöse auf einem Sonderbankkonto des Gemüseladens. Die Kredit- und Bestandsplanung ließ es nicht zu, außerhalb des Kampagnekontos einen Prämien- oder Stimulierungsfonds zu bilden. Offensichtlich waren auch die gesetzlichen Regelungen nicht alle bekannt. Auch im staatlichen Kredit- und Finanzwesen waren Personalschwierigkeiten, aber auch Finanz- und Abrechnungsprobleme deutlich.

Es wurden anläßlich von zwei Vollversammlungen [der Belegschaft] Prämien, materielle Präsente aus dem Betriebsladen und Soliwaren für gute Leistungen verteilt. Sofern es sich um betriebliche Sachen handelte, wurden diese in den Kosten ausgewiesen.

 

  1. Die Arbeitsorganisation wies noch allerhand Schwächen auf, sobald die DDR-Kooperanten in der Kontrolle und in der Durchsetzung Nachsicht übten. Die Direktion entwickelte noch wenig Konse-quenzen, obwohl der Direktor gute Ansichten dazu aufwies. Der Betrieb hatte noch zahlreiche Probleme, um die Arbeitsdisziplin zu erhöhen, obwohl er schon umfangreiche Funktionäre als Gruppenleiter, Brigadiers, Abteilungsleiter usw. eingesetzt hatte. Oft bewiesen die Kollegen noch nicht die notwendige Verantwortung. In der Buchhaltung war die Arbeit oft schwierig, weil das Verantwortungsgefühl gleichfalls gering entwickelt war, technische Mittel fehlten und auch die subjektiven Voraussetzungen ungünstig waren.

 

Im Betrieb Unango zahlten wir zur Zeit meiner Tätigkeit 1.000.000 bis 1.200.000 MT an Löhnen pro Monat. Die Anzahl der Arbeiter betrug im Durchschnitt von 11 Monaten 528.

Nach neuesten Informationen hat sich die AK-Anzahl [nach unserem Weggang] verringert, aber mit der Lohnangleichung und Überprüfung stieg die Lohnsumme auf 2 Mio. MT je Monat an. Die Arbeiter des Betriebes Unango zahlten einheitlich einen Beitrag zu Sozialversicherung und Lohnsteuer wie folgt:

FAST (Sozialversicherung) je Monat und Person 15 MT:

(FAST = Fundo da Associação Social dos Trabalhadores)

IRN (Lohnsteuer) je Monat [gestaffelt]

(IRN = Imposto de Reconstrução Nacional)

bis       2.500 MT                    1 %

von 2.500 bis 10.000 MT       6 %

über 10.000 MT                     15 %

 

Zum Beispiel erhielt der Direktor 16.000 MT Lohn, er zahlte

bis  2.500 MT                                     1%   =         25 MT

für  7.500 MT [bis 10.000 MT]                      6 %  =       450 MT

für  6.000 MT [über 10.000 MT]         15 %  =       900 MT

Summe IRN für den Direktor je Monat                        1.375 MT

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Ich bin auch noch im Besitz von Preislisten für Konsumartikel und dgl. sowie anderer Unterlagen auf betriebsökonomischem Gebiet. In portugiesischer Sprache liegen mir auch Schriftstücke zur Bildung und Zusammensetzung des Lohnfonds und zur Prämiengestaltung vor, die jedoch übersetzt werden müßten. Ich sehe in diesen Schriftstücken noch eine Bereicherung meiner bisherigen Ausführungen. Sollten Sie Interesse an weiteren Konsultationen haben, erreichen Sie mich über meine bisherige Adresse.

Meine berufliche Veränderung führte zur relativ späten Beantwortung Ihres Briefes, was ich zu entschuldigen bitte.

 gez. Grunewald

 Auch an das Institut für die Weiterbildung von Kadern für das Ausland beim Ministerium für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft der DDR in Zschortau, Kreis Delitzsch, hat Manfred Grunewald einige Arbeitsunterlagen für die Buchhaltung und die Planung in Staatsgütern der VRM überlassen. Daraufhin sprach Herr Prof. Dr. Glemnitz seinen Dank aus. Mit den Unterlagen wurde geholfen, den Sonderlehrgang Moçambique (Buchhalter) mit Tabellen und Darstellungen sowie Kontenplänen metho-disch zu bereichern und erfolgreich durchzuführen. (gez. Prof. Dr. Glemnitz 27.02.1986)

 Tabelle über Entwicklung der Arbeitskräftezahl in den Abteilungen 1984

Abteilungen bzw. Brigaden Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov
Verantwortliche und Normer  35    25  28  45  45  37  40  41  39  33
Block 1 Gruppe 1  24    19  17  14  22  25  25  24  17  10
Block 1 Gruppe 2  22    18  16  16  19  25  25  24  18  12
Block 1 Gruppe 3  25    22  22  18  14  27  25  24  22    3
Block 2 Gruppe 1  24    22  18  17  25  24  24  22  25 17
Block 2 Gruppe 2  25    23  13  11  26  26  24  24  24
Block 2 Gruppe 3  24    22  19  19  25  20  24  22  23  13
Versuchstechniker    3      4    4    4    3    3    3    3    3   -
Gemüseproduktion  25    48  45  39  40  25  25  23  29  19
Traktoristen  46    45  45  45  50  48  47  48  48  38
Bewässerung u. Pflanzenschutz    8      6  10    9    9   -   -   -    5  26
Transportarbeiter  14    10  10    9    9  15  15  15  15  12
Betriebsschutz  13    13  28  27  28  15  12  12  12    6
Rodung, Holzarb. u. Holzkohlepr.  26  32  35  37  33  34  35  36  31  33  30
Werkstatt  41    39  36  36  36  42  42  42  43  42
LKW-Fahrer    6      6    5    6    6    7    5    4    4    6
Viehwirtschaft  25  22  22  24  23  23  22  22  22  24  24
Direktion u. Personalabteilung  13  13  13  12  12  12  13  13  12  11  10
Buchhaltung und Handel  10    10  10  10  12  12  12  11  11  10
Hauswirtschaftsgehilfen    6     -    6    6    6    6    6    6    6    5
Bauabteilung 121 119 106 103 101 102 104  94  91  91  90
Gemüseladen Lichinga                3    5    5    5    5
Saisonarbeiter      23  30  26            47
Hilfspersonal für Abt. Technik                      82
Betriebsmiliz                      64
Arbeitskräfte Betrieb insgesamt 536 543 531 538 526 546 534 524 506 508 604

 

Ergebnisse der Arbeit in Unango seit Beginn im Jahre 1981

Fast 1.500 Hektar wurden im Raum Unango nach vorgefertigten Plänen auf Savannenflächen gerodet und somit urbar gemacht. Bereits bei der Besichtigung und Auswahl waren Spezialisten des DDR-Landwirtschaftsministeriums involviert. Man achtete darauf, daß zwischen den Feldarealen Vegetation verblieb und in Hang- und Tallagen keine Rodungen vorgenommen wurden, da in der Regenzeit mit immenser Erosion zu rechnen ist. Im Agrarbetrieb Unango arbeiteten mehr als 500 Arbeitskräfte.

Wichtigste Frucht war der Mais mit 1.000 Hektar. Er diente neben Bohnen und Reis als Grundnah-rungsmittel. Der Reisanbau ist verhältnismäßig gering und auf der Hochfläche von Niassa in 1000 Meter Höhe nicht lohnend. Kurz vor Beginn der Regenzeit im November und danach bis in den Januar hinein konnte man Mais säen. Die ersten bestellten Hektar Mais dienten dazu, schon Ende Januar bis in den Februar hinein Maiskolben zum Frischverbrauch zu ernten. Die Ernte des Körnermaises begann im Mai nach Schluß der Regenzeit. Der Ertrag von Körnermais war erstaunlich hoch und betrug in der Kampagne 1983/84 etwa 4,2 Tonnen je Hektar. Außerdem wurden die Feldfrüchte Speisebohnen, Sojabohnen, Maniok, Süßkartoffeln, Kartoffeln und Erdnüsse angebaut. Die Erträge waren von Jahr zu Jahr sehr verschieden und häufig nicht befriedigend. Es fehlte an gutem Saat- und Pflanzgut. Dagegen waren die Ergebnisse im Gemüseanbau weitestgehend befriedigend bis gut, z. B. bei Zwiebeln, Möhren, Weißkohl, Rotkohl, Tomaten, Gurken, Paprika, Auberginen (Eierfrüchte), Radieschen, grüne Bohnen, Gemüseerbsen, Piri-Piri (scharfer Gewürzpaprika), Melonen, Kürbis, Kohlrabi, verschiedene Gewürz-pflanzen und Erdbeeren. Die Früchtepflanzungen von Bananen, Papaya und Ananas waren für den Anfang vielversprechend.

 Das landwirtschaftliche Projekt 120.000 Hektar, betreut von der DDR

Das Agrarprojekt der DDR sah vor, 120.000 Hektar Land in verschiedenen Provinzen zu bewirtschaften. Dazu zählte nicht nur der Standort Unango in der Provinz Niassa, sondern auch der Aufbau der Staatsfarmen Nauela  und Sussundenga. Diese drei Standorte waren wohl die bedeutendsten.

Ende 1983 wurde von der IAK Markkleeberg bekannt gegeben, dass auf Grund eines  kommerziellen Vertrages (z.B. Fortschritt usw.) 33 Spezialisten der Landwirtschaft aus der DDR  in Moçambique tätig sind, deren Anzahl kurzfristig weiter erhöht werden soll.

Einblicke in die Arbeit anderer Standorte, Nauela in Provinz Sambesia und Sussundenga in der Provinz Manica können leider nicht gegeben werden, da hierfür die Unterlagen fehlten.

 

Kalender 1984

geführt von Manfred Grunewald

beim Einsatz als Entwicklungshelfer in Unango, Provinz Niassa

 

Es werden die einzelnen Eintragungen vollständig wiedergegeben. Geringfügige Ergänzungen, meist in eckigen Klammern, wurden auf Grund von Fotos und eigenen Erinnerungen teilweise zugefügt. Erklärungen für portugiesische Wörter stehen meist in Klammern.

Monika Smardz notierte ab 13.09.1984 ebenfalls wichtige Ereignisse und stellte die Aufzeichnungen zur Verfügung. Soweit sie eine wesentliche Ergänzung darstellen, werden diese unter dem entsprechendem Datum, beginnend mit „M. S.“ ebenfalls aufgeführt.

 

  1. Jan. 1984. Rückschau: Abschluss Sprachlehrgang in Lützschena [bei Leipzig] am 22.12.1983; Tropenuntersuchung am 23.12. und 28.12.1983; Letzter Zahnarztbesuch [Zahn gezogen] am 27.12.1983; Kiste [für Transport] nach Jena am 27.12.1983; Besuch bei Fam. Dr. agr. Wolfgang und Dr. Sabine Haacker in Markweben am 30.12.1983; bei Eltern Grunewald in Ronneburg verabschiedet am 28.12.1983; Silvesterfeier im Lehrlingswohnheim Frauenprießnitz mit meiner Familie und den Schwiegereltern [Weis] sowie einigen Lehrlingen.
  2. Jan. 1984. Letzte Vorbereitungen für die Reise nach Moçambique erledigt. Ich war der erste Kunde im neuen Jahr an der Tankstelle Frauenprießnitz und beim Zahnarzt, Zahnprothese um einen Zahn ergänzt, Fäden gezogen. [Ausreise ohne komplett sanierte Zähne war nicht möglich]. Besuch bei Fam. Bernhard Schröter.
  3. Jan. 1984. Bei Oma und Opa [meine Schwiegereltern] in Frauenprießnitz zum Kaffee und Abendbrot. Eine schöne nette Abschiedsrunde mit den Schwiegereltern, Kindern und mit Marion. Die Stimmung war schon sehr besinnlich im Hinblick auf die längere Trennung.
  4. Jan. 1984. Abschiedsbesuch bei Nachbarn, Abschied in der LPG Tierproduktion Frauenprießnitz, Wandrachs [Nachbarn] kamen alle drei zum Abschied abends zu uns.
  5. Jan. 1984. Abschied in der Schweinezuchtanlage der LPG Frauenprießnitz. Von Karl Kupfer und Hannelore verabschiedet. Nachmittag gemeinsames Kaffeetrinken bei uns mit Oma und Opa sowie Christa. 15.45 Uhr Abfahrt nach Berlin. In rund drei Stunden waren wir auf dem Flugplatz in Berlin-Schönefeld. Kollege Hans-Jürgen Bräuning [LPG-Vorsitzender der Tierproduktion in Frauenprießnitz] hat mich herzlich verabschiedet. Die Kinder und vor allem Marion sind richtige tapfere Partner gewesen. Ich wünsche, dass es so bleibt.
  6. Jan. 1984. Um 0.15 Uhr Abflug von Berlin. Zwischenlandung in Lagos [Nigeria], drei Stunden im Transitraum. Den Äquator auf dem Flug IF 868 am 06.01.84 gegen 12.15 Uhr in südlicher Richtung zwischen Lagos und Luanda überquert. An den Fensterscheiben waren kleine Eissternchen zu sehen. Zwischenlandung in Luanda [Angola], gegen 20 Uhr im Dunkeln in Maputo [Moçambique] eingetroffen. [Herr Dieter Obendorfer will mich abholen, aber ich habe kein Visum. Das in Maputo hinterlegte Visum für mich war bereits abgelaufen. Somit muss erst „verhandelt“ werden, bis ich den Transitraum verlassen darf. Mit einer großen harten Wurst und Seife erhalte ich Durchlass und am nächsten Tag ein 90-Tage-Visum, zunächst].

Ich wohne in einem Hotel in der Baixa (Unterstadt) von Maputo.

  1. Jan. 1984. Morgens in der UDA – Unidade Direcção Agrícola -. Hier arbeiten Günter Krüger und Hans-Joachim Herold, die mich freundlich aufnahmen. Ich erhielt umfangreiche Informationen über die koordinierenden Aufgaben der UDA. Dr. Fritz Schmidt und seine Frau Anne holten mich ab, um im Interfranca für die Gruppe in Lichinga/Unango einzukaufen. Dafür wurde ein Gruppenscheck benutzt, um die bestellten Esswaren einzukaufen und zu verpacken. Per Flugzeug wurden die Waren nach Lichinga versandt. – Nachmittag mit Marlis und Marko Alter [Spezialisten aus der DDR für Getreidelagerung -Wutha- in Inhambane] getroffen und an der Costa de sol mit ihnen gebadet sowie auf der Minigolfanlage gewesen. Bei einem Ehepaar aus der DDR zu Besuch gewesen. Im Hochhaus XENON in der Wohnung bei Alters Kassebuchführung für den Stützpunkt des Getreidelagers mit Marlis Alter geprüft. [Im Lehrgang in Lützschena habe ich bei Marlis stets während des Portugiesischunterrichts abgeguckt]. Endlich Mal eine Dusche ohne Wasserprobleme im XENON nehmen können.
  2. Jan. 1984. Marlis und Marko Alter gratulieren mir um 0 Uhr in meinem Hotel zum Geburtstag. Wir trinken etwas und speisen Frauenprießnitzer Wurst und Schinken. – Morgens Besuch des Naturkundemuseums mit Achim und Günter sowie deren kleinen Söhnen [die großen Kinder sind nicht mit in Moç.] Mittagessen bei Familie Günter Krüger. Nachmittag Treppenpark von Maputo am Indischen Ozean besucht und Spaziergang auf der Uferpromenade unternommen. Kaffeetrinken zur Geburtstagsfeier bei Familie Krüger zusammen mit Familie Herold. Frauenprießnitzer Wurst und Schinken sowie servierter Wodka krönten die Feier.
  3. Jan. 1984. Früh in der Aufbauleitung Maputo des AHB Kombinat „Fortschritt“ bei Dr. Fritz Schmidt dienstliche Aufgaben erledigt. Informationen und viele Briefe für Unango-Gruppe erhalten. Mehrere geschäftliche Aufgaben abgewickelt. Dr. Fritz Schmidt brachte mich zum Flugplatz. Das Ticket erhielt ich von Günter Krüger. Bagagens muito! [viel Gepäck] auch eine Kiste mit 100 Eiern [waren sehr knapp in der Provinz]. Wegen Unwetter waren an den Vortagen alle Flugzeuge ausgefallen, so dass ich nicht fliegen konnte, weil viel zu viele Passagiere mit der gleichen Maschine fliegen wollten. Also, zurück ins Hotel mit muito bagagens! Herzliche Einladung von Karl-Heinz und Christa Miosga zum Abendbrot erhalten. Intensive Gespräche über die Heimat. [Bei Frau Miosga lernte ich in Zschortau bei Leipzig die ersten portugiesischen Worte. são (sind) hörte sich so an wie Sau – da sagte C.M. „wollen Sie mich veräppeln?“… und meine Frau Marion, mit der ich ein einziges Mal auf der Schulbank saß, amüsierte sich köstlich über mein sprachliches Unvermögen, aber sie konnte es kaum besser].
  4. Jan. 1984. Wieder geht es zum Flugplatz und zwar bereits vor 6.00 Uhr früh. Diese Maschine nahm mich auch nicht mit, so dass ich zurück musste ins Hotel, muito bagagens! Später Stadtbummel in der Baixa von Maputo, der Unterstadt, wo ich auch in einem Hotel wohnte. Dort gab es nur hin und wieder fließendes Wasser, was ich mir mit Tauchsieder abkochte und heiß gegen den Durst trank. Das Bad teilte ich mit einem fremden Moçambiquer, der mein eingelassenes Badewasser verbrauchte. Er entschuldigte sich, da ich nun „trocken“ bleiben musste, denn der Wasserhahn brachte nichts. Ca. 25 Ansichtskarten in die DDR geschrieben. Abends bei Familie Joachim Herold zu Gast gewesen. Sehr freundliche Aufnahme, fast bis Mitternacht getagt und noch vor 0 Uhr zum Flugplatz.
  5. Jan. 1984. Von Mitternacht bis früh 6.00 Uhr direkt vor der Abfertigungsschranke auf dem Flugplatz übernachtet. Es kam eine Polizeikontrolle, die sich wunderte und alle Papiere genaustens überprüfte. Sie hatte nichts einzuwenden. Verspätet begann die Abfertigung. Ich war der erste Passagier, primeiro passageiro. Flug nach Nampula, dort Zwischenlandung, dann nach Lichinga, endlich. Flugstrecke fast 1500 km. Herzliche Begrüßung am kleinen Flugplatz in Lichinga durch Wolfgang Smardz, Heidi Meinert und Peter Voß. Nach Verlassen des Transitraumes fehlt aus der Gepäcktasche eine Stange Zigaretten. Mit dem Kleinbus B 1000 Fahrt zum Quartier in Lichinga. Fast alle DDR-Bürger wohnen in einem Wohnblock, der bereits zu portugiesischen Zeiten errichtet wurde. Begrüßung durch Monika Smardz und weitere Kollegen. Das Zimmer ist schön vorbereitet. Der Wohnblock wird als „Prédio vinte e quatro de Julho“ (Haus des 24. Juli – Tag der Verstaatlichung derartiger Gebäude) bezeichnet.
  6. Jan. 1984. Einräumungsarbeiten, Möbel umgeräumt, Zimmer vervollständigt, Gefrierschrank erhalten. Einige Kilogramm Pfirsiche eingefroren. Abfälle am Nachmittag weggebracht. Bad-Überschwemmung. Erst war kein Wasser da, so blieb der Hahn offen und später dachte niemand daran, den Hahn rechtzeitig zu schließen.

Abends Versammlung, offizielle Begrüßung durch alle Kollegen.

Zum wiederholten Male das Licht weg, aber zum Glück eine Wasserreserve in der Badewanne, denn wenn der Strom fehlt, wird auch kein Wasser gepumpt.

  1. Jan. 1984. Es ist ein Freitag. 3.30 Uhr aufgestanden, 4.30 Uhr Abfahrt mit zwei Kleinbussen B 1000 nach Unango. Unterwegs wird es hell. Es ist Regenzeit und wir fahren 60 km durch Savanne an einigen Dörfern vorbei nach Unango. Der rote fruchtbare Boden fällt mir auf. Wir machen an diesem Tag mit einem LKW einen Flurzug durch den Betrieb -die Machamba- und sehen uns die Felder an. Wunderbare Mais- und Gemüsebestände im Anbau zu sehen. Auch Kartoffeln und Sojabohnen werden vorgestellt. So habe ich den Betrieb im Überblick und viele Verantwortliche -Responsáveis- kennengelernt. Am beeindruckendsten sind die großen Flächen mit Mais. Von den ersten Flächen sollen in den nächsten Tagen die ersten Maiskolben geerntet werden für den Frischverbrauch.

Erst gegen 16 Uhr müde zurück im Quartier. Auf dem Rückweg erst noch zum Flugplatz, zu Bekannten und in den Kooperantenladen. Anschließend 3 kg Frischfisch filetiert und vorwiegend eingefroren. Vorbereitung für den nächsten Tag. Mir wird klar, dass die Dörfer und Stadtviertel um Lichinga herum kein Licht und kein fließendes Wasser in ihren Häusern (Casas) haben.

  1. Jan. 1984. Wir fahren wieder zeitig in den Betrieb nach Unango. Heute soll nur bis 10 Uhr gearbeitet werden, weil Sonnabend ist. Habe erstmals das Büro gesehen und mit zwei Kollegen über die Buchhaltung gesprochen. In dem einfachen Bretterregal standen zahlreiche Ordner. Dazwischen verschwand eine Ratte, die es sich hier gemütlich gemacht hatte. Kleine Anfänge einer Buchhaltung sind wahrscheinlich vorhanden, aber keine Konzentration und Ordnungsmäßigkeit der Informationen zu erkennen. Rückkehr nach Lichinga. Die Savanne rechts und links der schmalen Straße fasziniert mich. Nachmittag Schläfchen. Danach Gemüse, wie Bohnen, Paprika und Gurken verarbeitet. Mit Wolfgang Smardz Pfirsiche im Nachbardorf gekauft und danach auf alle Familien aufgeteilt. Die Pfirsichbäume standen direkt neben der Wohnhütte eines Dorfbewohners. Die Pfirsiche sind relativ klein und sind eher eine nicht gezüchtete Natursorte. Im Hof war es sehr schmutzig. Bauchige Tongefäße mit gegorenem Mais waren zu sehen. Ein schöner Abend bei Fam. Smardz, viele Informationen und Diskussionen über die Heimat.
  2. Jan. 1984. Es ist der Gedenksonntag für die 1919 ermordeten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, an dem stets eine Gedenkveranstaltung in Berlin stattfindet.

Erster Durchfall. Zu viel Gemüse, Früchte und Weintrauben genossen.

Tagsüber fast nur Haushaltarbeit. Mangosaft zubereitet für den alsbaldigen Verbrauch. Monika Smardz kocht und wäscht für mich mit. Es gab zu Mittag gebratenes Huhn, welches vom Betrieb hin und wieder gekauft werden kann. Abendessen und Frühstück mache ich mir selbst. Auch Frühstücksschnitten und Getränke für den nächsten Tag müssen abends fertig gemacht werden.

  1. Jan. 1984. Morgens, als wir gegen 3.45 Uhr aufstehen gibt es keinen Strom. Ich merke, dass die Taschenlampe sehr viel wert ist. Ich habe viel zu wenig Kerzen mitgebracht. Sogar Kerzenstummel und -reste werden wieder eingeschmolzen und erneut zu Kerzen geformt. Man wird erfinderisch, wie nach dem Krieg. Mehrere Moçambiquer im Betrieb wollen, dass ich den Fotoapparat mitbringe und sie fotografiere. Ich benutze eine EXA I b, eine kleine Spiegelreflexkamera. Klaus Einecke wird verabschiedet, er fährt nach Hause, vier Briefe mitgegeben,

Uwe Wriedt und Wilfried Meinert halten das Parteilehrjahr. Danach kleiner Umtrunk. Der Whisky schmeckt noch nicht.

  1. Jan. 1984. Wie üblich ist der Strom begrenzt. Pfirsiche und Wildfleisch eingefroren. Es gab Bohnensuppe. Monika hat wieder gebacken. Abends gab es Gurkensalat, undenkbar in der DDR zu dieser Jahreszeit. Auch Paprikafrüchte schmecken sehr gut. Im Betrieb weitere Kontakte geknüpft. Celestino Laurenço Amado ist der Hauptbuchhalter. Er kommt immer zu spät. Er hat ein neues System der Belegablage für 1984 vorgeschlagen. Habe in einer Tabelle Dieselkraftstoff und Vergaserkraftstoff für das Jahr 1983 analysiert.
  2. Jan. 1984. Baustellen im Betrieb Unango besichtigt. War auch in der Pecuária (Viehwirtschaft) und habe Rinder und Enten sowie Wasserstellen und Futterkulturen angesehen. Rinder werden gegen Zecken behandelt. Die ersten kleinen Enten sind geschlüpft, aber das Raubzeug hat die kleinen Entenküken geholt, bis auf 2 Stück. Zum Schutz für die alten und jungen Enten sollen Volieren gebaut werden.

Die Buchhaltung ist ein Rätsel. Es gibt Differenzen mit BOROR (Firma für Saatgut und Pflanzenschutzmittel). Der Hauptbuchhalter muss zur Bank.

  1. Jan. 1984. Heute wurde erstmals im Betrieb Maniok gepflanzt, eine Verpflichtung im soz. Wettbewerb, damit auch dieses Nahrungsmittel in zwei Jahren, solange braucht die Entwicklung bis zur Knolle, verkauft werden kann. Die Pflanzen sind von der Bevölkerung.

Eine ungenutzte Markthalle in Lichinga besichtigt, sie soll als Loja (Laden) de Empresa hergerichtet werden für Gemüseverkauf und Carvão (Holzkohle). Es gab erstmalig seit langer Zeit Zigaretten im Kooperantenladen zu kaufen. 1 Pckg. zu 40 MT (Meticais) konnte jeder Ausländer dort kaufen.

  1. Jan. 1984. Gesetz von 1981 über die Bildung staatlicher Betriebe in Moçambique gelesen, veröffentlicht in einer Zeitung. Der Mitarbeiter der Buchhaltung Gabriel Sonjo, ein sehr freundlicher Mensch, gab mir das Gesetz zum lesen. Sicher wollte er auch feststellen, ob ich Portugiesisch kann. Von der Werkstatt erhielten wir für die Buchhaltung vier Metallschränke, aber nur für drei Schränke sind Doppelschlüssel vorhanden. Der Kraftfahrer Manuel verkaufte auf unserem Hof am Prédio (unser Wohnblock hieß Prédio 24. Julho – nach dem Datum dieses Gesetzes über die Verstaatlichung von Wohngebäuden benannt) in Lichinga Gemüse aus unserem Betrieb Unango an die Bevölkerung vom LKW herunter, was dankbar von den Bürgern angenommen wurde. Ein Responsável (Verantwortlicher) aus der Gemüseabteilung hat 6 kg Gemüse und Kartoffeln gestohlen. Sr. Cossa machte sogleich eine Reunião (Versammlungen sind beliebt). Statt 60 MT kostet dem Dieb das Gemüse nun 600 MT und der Tag Arbeit wird ihm nicht bezahlt, so wurde es beschlossen. Es war fast wie auf dem Gericht, aber die Menschen haben Hunger.
  2. Jan. 1984. Der Hauptbuchhalter Celestino ist nicht zur Arbeit gekommen. Der Schlüssel von der Loja (Betriebsverkaufsstelle) fehlte deshalb auch. Wolfgang Smardz machte Leitungssitzung der Spezialistengruppe. Es wurde der Stand der Arbeiten analysiert und über den weiteren Fortgang der Arbeiten diskutiert. Mit dem Direktor des Betriebes, Paulo Francisco Zucula, war ich in der Viehwirtschaft. Ein Kalb war neu geboren, eine Ente hatte ausgesessen und 4 Küken ausgebrütet. Unsere Hühner (Eigentum der DDR-Spezialisten, selbst angeschafft und aufgezogen, als Küken in einer Wohnung in Lichinga) haben wieder einige Eier gelegt. Auch die Betriebshühner legen, wenn auch noch wenig. Die Eier der Kooperantenhühner werden gerecht auf die DDR-Familien verteilt. Die Eier der Betriebshühner werden über die Loja verkauft. Der Eiweißbedarf ist hoch. Es gibt keine Milch, nur wenig Eier und Geflügel und sehr selten Fleisch. Mangofrüchte gesucht in der Nähe der Machamba (Betrieb), aber die Stelle, wo Wolfgang vorher schon welche geholt hatte, war so gut wie leer. Brief an Omi und Opi (Weis in Frauenprießnitz) geschrieben.
  3. Jan. 1984. Sonntag. Früh 4.35 Uhr ein sonderbares Gefühl: Bett und Schränke, Fenster und Türen, ja das ganze Haus vibrierten, es war das erste Erdbeben, das ich erlebte. Wenige Sekunden später war alles vorbei. Fast alle Kollegen hatten es ebenfalls verspürt. Auch Paulo Zucula bestätigte es. Seine Schwiegereltern (Portugiesen), die schon Jahrzehnte in Lichinga leben, hatten noch nie so ein starkes Beben erlebt wie dieses Mal. Nahe Lichinga Sonntagsspaziergang am Bach, wo Wasser geholt wird und Wäsche gewaschen wird. Viele Moç. sind auf Naturquellen und Bäche in der Gegend angewiesen, um ihre Wasserversorgung für die Familie zu sichern. In großen Latas (Eimern) bis 30 Liter tragen vorwiegend die Frauen das Wasser in die Hütten. Sie haben großes Geschick, solche Lasten auf dem Kopf zu tragen. Bei unserem Kraftfahrer Manuel auf dem Heimweg Visite gemacht. Nachmittag mit Wolfgang und Monika Smardz Flurzug im Territorium des Agrarbetriebes Matama gemacht. Der Betrieb Matama wird von einer chinesischen Spezialistengruppe betreut. Die Chinesen sprechen aber kein Portugiesisch wie wir, sondern sie haben immer Dolmetscher dabei.
  4. Jan. 1984. Gesetz über die staatlichen Betriebe in Moçambique zu Ende studiert. Der Hauptbuchhalter fühlt sich krank. Er hat Grippe oder Malaria. Übers Wochenende sind 2 Kälber geboren. Die zweite Ente hat auch nur 4 Küken ausgebrütet. Heute zum ersten Male ein „Boy“ für Reinigungsarbeiten für 3 Std. in meiner Wohnung. Männliche Hausangestellte werden gewöhnlich so bezeichnet. Es gilt nicht als Schimpfwort. Für die 10 DDR-Familien im Prédio ist ein Boy vom Betrieb angestellt worden, der Hilfsarbeiten im Haushalt ausführt und Wege besorgt. Die Boys haben bisher häufig gewechselt wegen verschiedener Nachlässigkeiten bzw. Unehrlichkeit. Withe Saide hat seine Arbeit ordentlich erledigt. Er wohnt mit seiner Mutter am Rande von Lichinga in Richtung Flugplatz in einer Hüttensiedlung. Er gibt sich Mühe bei der Arbeit und spricht mit mir gutes Portugiesisch, was mir sehr hilft. Seine väterlichen Verwandten wohnen in Malawi, also auf der anderen Seite des Niassasees, wo der gleiche See Lago Malawi genannt wird.
  5. Jan. 1984. Heute hat unser Sohn Gunar seinen 11. Geburtstag. Fernab auf einem anderen Kontinent denke ich an unseren Sohn, der nicht in ein Heim wollte, denn er konnte nicht mehr mit nach Moçambique, weil er schon in die 5. Klasse geht. Auch die Großeltern wollten ihn nicht übernehmen, so dass Marion zu Hause blieb und nicht mit nach Moçambique fahren konnte, obwohl sie sich auch auf den Auslandeinsatz in den Lehrgängen vorbereitet hat.

Der Hauptbuchhalter Celestino ist krank. Einer muss die Kasse übernehmen. Bisher hat Sr. Celestino das Geld einfach aus dem Schreibtisch entnommen. Paulo Zucula entscheidet, dass Sr. António Wemba die Kasse übernimmt. Ich übergab ihm lt. Protokoll 190 TMT (Tausend Meticais bzw. Contos Meticais, denn 1 Conto gleich 1000 MT). Aber es sind massenhaft Meticais und Schecks zum Einlösen vorhanden und es gibt keine Sicherheit für Geld und Schecks in diesem Schreibtisch und in der Buchhaltungshütte. Die Summe des vorhandenen Bargeldes beträgt schätzungsweise fast 1 Million MT, aber das Limit für die Kasse sind nur 10.000 MT. Alles muss morgen weitergehen. Die vielen Unklarheiten müssen beseitigt und das Geld muss sicher auf der Bank deponiert werden.

  1. Jan. 1984. Alles Geld gezählt und mit Schecks zusammen 873.302,60 MT bei der Banco Popular de Moçambique (Volksbank) eingezahlt. Es sind noch mehr Dinheiro (Geld) vorhanden, angeblich Resto do salário (Rest von Lohngeldern, die noch nicht abgeholt wurden). Morgen muss auch das geklärt werden. Sr. Wemba führt ab sofort ein Kassenbuch und führt die Kasse mit Belegnachweis. Habe die Schecks für die Lohnzahlung geschrieben (4 Schecks) 1.217.386 MT. Den Bankdirektor in Lichinga kennen gelernt. Wir dürfen in Zukunft auch Nachmittag Geld einzahlen, wenn wir von Unango kommen. – Mangosaft gekocht.
  2. Jan. 1984. Der Hauptbuchhalter kam plötzlich zur Arbeit und war erstaunt über die Einzahlung des Bargeldes auf der BPM. Nur 3 Schecks für Salários (Löhne) wurden von der Bank eingelöst. Die vielen Fohlas da campanha (Lohnlisten für Produktionsarbeiter der jetzigen Produktionskampagne) enthielten Fehler. Habe mit Sr. Amosse kontrolliert, erstmals Zusammenstellung der Löhne für die einzelnen Departamentos (Abteilungen) vorgenommen. An die anderen Abteilungen wurde bereits Lohn ausgezahlt. Über 54.000 MT waren als Lohnrester aus vorhergehenden Zeiträumen vorhanden, die auf das Bankkonto eingezahlt wurden.
  3. Jan. 1984. Sr. Wemba brachte auch Geld für Salários da campanha von der Bank mit. Ich sollte das Geld auszahlen, was ich ablehnte. Der Hauptbuchhalter scheint verärgert zu sein.

Heute wird meine Schwiegermutter Hilde Weis 60 Jahre alt. Sicher wird in Frauenprießnitz groß gefeiert, wo sie doch endlich das ersehnte Rentenalter erreicht hat. – Habe heute 2,5 kg Bananen, Gurken und Paprika erhalten.

  1. Jan. 1984. Aussprache beim Direktor Paulo Franzisco Zucula über meinen Vorschlag zur neuen Organisation der Buchhaltung. Mein Vorschlag wurde voll akzeptiert. Die Besetzung der Buchhaltung ist noch nicht geklärt. Anwesend waren Sr. Celestino Armado, Patrício und Wemba von der Buchhaltung. Wemba lehnte die Kassenführung ab, der Direktor machte ihm Vorwürfe.
  2. Jan. 1984. Sonntag. Mit Peter Voß ca. 2 Std. Spaziergang im nahen Tal des Baches unternommen. Peter Voß ist Koordinator zwischen dem Betrieb Unango und den staatlichen Stellen in Moçambique. Peter Voß stammt aus Cottbus und ist in der DDR Berufsschullehrer/Landwirtschaft. Peter und ich wohnen gemeinsam in einer Wohnung, da auch er ohne Familie im Auslandeinsatz ist.

Seit Freitag sind die Kühlschränke an das Notstromaggregat angeschlossen, weil die Stromzufuhr stark eingeschränkt ist. Die Kühlschränke dürfen nicht mehr oft geöffnet werden, um den Kühleffekt zu erhalten. Heute Abrechnung der eigenen Stunden im monatlichen Stundennachweis erledigt. Jeder DDR-Spezialist muss seine Arbeitsstunden klar nachweisen.

  1. Jan. 1984. Heute wurde Vendedor (Verkäufer) Aldo in einen anderen Betriebsbereich umgesetzt, da es Schiebereien in der Loja (Laden) gab. Die Lohnabrechnung stimmt nicht. Wahrscheinlich eine Liste vergessen einzubeziehen? Ja so war es. Über 41.000 MT müssen von der Bank nachgefordert werden. Die Leute müssen eben auf ihren Lohn so lange warten. Manche bekommen noch Geld vom November oder Dezember 1983. Lohnlisten nochmals geprüft. Die Handhabung der Geldsachen ist undurchsichtig. Sr. Patrício ist vorläufig Kassierer. Wemba spielt den Lord und man fragt sich, wofür diese Leute Geld bekommen, keine interessierte intensive Arbeit. Sobald etwas Bildung vorhanden ist, kommt Überheblichkeit zum Vorschein.
  2. Feb. 1984. Der Hauptbuchhalter und der Vendedor [Verkäufer] haben 8 Capulanas (große afrikanische Tücher) gestohlen, so heißt es. Mit Sr. Raposo über die neue Arbeit gesprochen. Es regnete stark. Abends kamen der Motorista (Kraftfahrer) Manuel und ein weiterer Motorista mit 45.556 MT Bargeld vom Verkauf der Maçarocas (Maiskolben frisch geerntet). Ein Teil ist noch zu verkaufen. Wir zählten 1 ½ Std. das Bargeld, welches ich in Verwahrung nahm und in meine Schrankwand einschloss. Sr. Direktor Paulo Zucula wies an, dass die beiden Motoristas für ihre gute Verkaufsleistung je eine Prämie von zwei Stück Capulanas erhalten. Das Bargeld nahm ich am nächsten Tag mit Belegnachweis und Unterschriften der Motoristas mit in die Machamba (moç. Bezeichnung für Wirtschaftsstandort auf dem Lande) nach Unango, um es dem Kassierer zu übergeben. Arbeitszeit 4.30 bis 13.00 h und abends 1 ½ Std. Geld gezählt.
  3. Feb. 1984. Ersten Anfang für einen betrieblichen Kontenrahmen gemacht. Kontakt zu Raposo erweitert. Er brachte auch 117.000 MT zur Bank. Er scheint den besten Horizont zu besitzen (hat 10 Klassenabschluss als einer der wenigsten). Der HB Celestino Amado fuhr mit Benjamin einkaufen. Abends ½ Std. Gemüsegeld abgerechnet. Bei Wilfried Meinert Doppelkopf gespielt. Arbeitszeit 4.30 bis 13.00 h, abends ½ Std. Gemüsegeld gezählt.
  4. Feb. 1984. Feiertag. Heute ist „Tag der Helden“ in Moçambique, zugleich eine Erinnerung an Eduardo Mondlane, dessen Todestag sich jährt. Er war der erste Präsident der FRELIMO, als diese 1962 in Tansania gegründet wurde. Er fiel später einem Attentat zum Opfer. Jetzt ist Samora Moises Machel Präsident der FRELIMO und Präsident der Volksrepublik Moçambique, die seit 1975 von der portugiesischen Kolonialherrschaft befreit ist. Die Frente da Libertação de Moçambique (FRELIMO) hat wesentlich dazu beigetragen, die Kolonialmacht abzuschütteln. Der bewaffnete Kampf begann hier im Norden und wurde nach Süden ausgedehnt.

Ich fuhr mit Wilfried Meinert zum Heldentag angeln unterhalb der Quellen der Stadt Lichinga. Kaum zu glauben, dass dieses Wasser hygienisch sauber ist. Ob die Reinigungsaggregate noch funktionieren, ist zu bezweifeln. Wir fangen so gut wie nichts. Unvorstellbar, dass viel Regenwasser aus dem angrenzenden oberhalb liegenden Bairo (Wohnviertel) hierher in die Quellregion fließt. Dabei werden die Toilettengruben der Häuser, es sind nur einfache Erdgruben, immer überschwemmt. Das sind Ursachen für Krankheiten. Mit Manuel Maçarocas-Geld abgerechnet. Es dauerte Stunden, denn von 2 LKW herunter wurden für 107.000 MT Maçarocas verkauft. Wenn ich sehe, wie begierig die Menschen die frisch geernteten Maiskolben kaufen, erinnert mich das an Thüringer Bratwürste. Die Leute hier haben aber keine Vorräte, haben Hunger und freuen sich über das frische Angebot. Kaffeetrinken bei Fam. Smardz, denn Monika hat frische Ananastorte gebacken. Zwei Tüten Zucker bei Heidi Meinert geborgt. Mein Haushalt ist noch nicht komplett. Man hilft mir mit Rat und Tat und mit Borgen.

  1. Feb. 1984. Der HB war nur Minutenweise im Escritório (Büro). Den Scheck von MCANAGRO (Willi) habe ich nicht bekommen, obwohl der Betrag voll bekannt war (jemand hatte vergessen, ihn vom HB in Unango ausstellen zu lassen, denn vermutlich war ich nicht in Unango). MECANAGRO ist ein staatlicher Betrieb, der die Landwirtschaft unterstützt mit Maschinenleistungen. Es ist durch den Verkauf von Maçarocas viel Troco (Bezeichnung für Bargeld/Kleingeld/Wechselgeld) eingegangen. Ich dränge auf Auszahlung von Restgeldern (Löhne) an die Belegschaft, denn es ist kein gutes Zeichen für einen Betrieb, wenn er den Arbeitern Lohngelder schuldet. Sr. Patrício hat wenig Geist, er hat Mühe, die Kasse zu führen. Habe den Mitarbeitern gezeigt, wie Kleingeld gerollt wird, aber sie verstehen noch sehr wenig von Buchhaltung. Abend bei Klaus Pohl Karten gespielt. Arbeitszeit 4.30 bis 10.30 h.
  2. Feb. 1984. Sonntag. Heute empfand ich es erstmals als kühl. Die Menschen frieren hier, obwohl es Sommer und beste Vegetationszeit ist. Die starken Wolken und häufig auch kalter Wind in unserer Region führen zu dieser Kühle. – Habe Briefe und Karten geschrieben. An Traudel (Edeltraud Petzold in Gera ist meine älteste Schwester) fast einen Roman geschrieben. Bei Fam. Smardz bestens zu Mittag gegessen, es gab Wild. Die französischen Kartoffeln bleiben immer etwas hart. Strom kam schon Nachmittag. Gegen Abend hatten wir auch Wasser. Im Hof des Prédio bereiten zwei junge Leute Maismehl in einem Holzmörser und durch Ausbreiten und Trocknen auf Matten. Sie beweisen viel Geschick.
  3. Feb. 1984. Entwurf für den Kontenrahmen fertiggestellt. Klasse 4 ist für Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung vorgesehen. Dieser Teil muss noch erarbeitet werden. Insgesamt sind rund 90 Konten aufgeführt.

Über 90.000 MT (90 Contos Meticais) für Maçarocas eingenommen. Hatte gegensätzliche Auffassung zum HB. Er verlangt, dass der Verkauf von Maçarocas über die Loja abgerechnet wird. Das hieße aber, alles Geld doppelt zu zählen. Das ist nicht angebracht und Unsinn, die Menschen haben so schon Probleme und sind in ihrer Arbeit überfordert. Abends brachte Manuel wieder rd. 36.000 MT aus dem Verkauf von Maçarocas, was etwa 3000 Maçarocas entspricht, denn 12 MT je Maçaroca ist der jetzige Preis. Wir mussten wieder das Geld zählen in Lichinga. Jeder der beiden Verkäufer, Manuel und Enrique, erhielten 2 Capulanas als Prämie aus der Loja. Arbeitszeit 4.30 bis 13.00 h und abends 1 Std. Geld gezählt.

  1. Feb. 1984. Entwurf eines Kontenrahmens kurz mit dem Direktor Paulo Zucula besprochen. Danach mit Sr. Amosse, Raposo und Patrício besprochen. Raposo ist der Verständigste. Er brachte auch rd. 309 CMT zur Bank, die fast ausschließlich aus Maçarocas-Verkäufen stammen. Der HB scheint sich nicht sehr dafür zu interessieren. Raposo gab mir einige fliegende Blätter eines moçambiqueschen Kontenrahmens. Ich muss ihn erst einmal sichten. Sr. Manuel, der sich richtig als Verkäufer entwickelt, brachte rd. 32.000 MT Verkaufsgeld für Maçarocas in unsere Wohnung zum Zählen und Verwahren. Das Geld nehme ich stets am nächsten Tag mit nach Unango zur Kasse. Das Geld zählen dauert seine Zeit – immer 1 bis 1,5 Std. Viele Scheine sind zerschlissen oder mühsam geklebt mit Pflaster, Briefmarkenrändern, Teer, Heftklammern usw. Manche Scheine haben keine Nummer, manche haben die doppelte Nr., weil diese falsch zusammengefügt wurden. Alle möglichen alten Münzen sind mit dabei. Manche haben auch keine Gültigkeit mehr. Wir können nur versuchen, dass die Bank solche Scheine und Münzen eintauscht. Manuel lacht darüber nur. Arbeitszeit 4.30 bis 13.00 h, abends 1 ½ Std. Geld gezählt.
  2. Feb. 1984. Der Vorschlag eines moçambiqueschen Kontenrahmens von der UDA ist viel zu kompliziert für moçambiquesche Verhältnisse. Dieser Vorschlag ist viel zu umfangreich und theoretisch für eine Buchhaltung, die erst aufgebaut werden muss und deren Mitarbeiter noch viel Schulung benötigen. Die Konten sollen sechs- bis zehnstellig sein. Dieser Vorschlag geht auf einen kubanischen Kontenrahmen zurück und berücksichtigt die moçambiquischen Verhältnisse nicht genügend. Er ist zu tief gegliedert und viel zu umfangreich, auch die Kontennummern sind zu lang. Die hiesigen Contabilistas (Buchhalter) konnten trotz Schulung (Raposo war in Maputo) mit den drei Listen Códigos (Codes) nichts anfangen. Sie wissen auch noch nicht, wie man praktisch Konten anlegt und führt. Arbeitszeit 4.30 bis 13.00 h. Abends 1 Std. Geld gezählt. Heute sind Günter und Edith Skibbe angekommen nach ihrem Urlaub in der DDR.
  3. Feb. 1984. Habe den betrieblichen Kontenrahmen auf die Klassen des UDA-Vorschlages umgestellt, aber den Erfordernissen des Betriebes angepasst, kürzere Kontennummern. Regal aufgeräumt, Papier und Formulare in Schränken geschützt deponiert und gesichert. Patrício ist kein geeigneter Kassierer, er ist zu langsam und hat keine Einstellung zu Geld und Kasse. Die Scheine werden jetzt richtig geordnet, aber Moedas (Hartgeld) wird nicht gerollt, denn sie können es nicht, auch wenig Geschick dazu. Heute das erste ND (Neues Deutschland – Zeitung aus der DDR) vom 1.2.84 erhalten. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  4. Feb. 1984. Der Hauptbuchhalter Celestino Amado war zweimal beim Direktor Paulo Zucula vorgeladen. Der Direktor hat neue Entscheidungen getroffen: Celestino Amado ist kein HB mehr. Er wird versetzt als Mitarbeiter in das Departamento Recursos humanos (Personalabteilung). Die neue Buchhaltungsstruktur: Hauptbuchhalter Sr. Raposo, Finanzbuchhaltung Sr. Patrício, Material Sr. Gabriel Sonjo, Lohn Sr. Amosse, Caixa (Kasse) Sr. Inácio Pinto, Loja (Laden) Sr. Chichava, heute aus dem Urlaub zurück. Kontenrahmen ergänzt. Die Kasseführung ist nicht in Ordnung. Abends wieder 1 ½ Std. Geld vom Verkauf der Maçarocas gezählt. Die Kollegen helfen mir meistens dabei, Peter Voß, Wilfried Meinert, Klaus Pohl. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  5. Feb. 1984. Sonnabend. Arbeitszeit 5.30 bis 11.30 Uhr. Celestino ließ sich nur kurz sehen. Patrício und Raposo waren da, Geld übergeben. Mit beiden sowie mit Amosse Organisation und Kontenrahmen sowie Platzverteilung und Zimmeraufteilung besprochen. Das Regal muss repariert werden. Sonjo und Pinto kenne ich noch nicht. Erste Kasseüberprüfung, es fehlen Belege und auch Eintragungen. Vom 24.01.84 beginnend die Kassenbelege nummeriert. Das soll fortgesetzt werden. Motorista Manuel hat Nachmittag Rest abgerechnet. An Alfredo Júlio Lohn für drei Wochen Arbeit (trabalho doméstico) ausgezahlt, täglich 62,50 MT. Abends 1 Std. Geld gezählt aus Verkauf von Gemüse und Maçarocas. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  6. Feb. 1984. Sonntag. Habe eine Tabelle als Rechenhilfe für den Lohnbuchhalter Amosse erarbeitet, damit er unter den Stunden den jeweiligen Lohnbetrag ablesen kann in der entsprechenden Lohngruppe. Rechenmaschinen sind knapp. Geld (dinheiro) gezählt.

Wolfgang Smardz hat heute 45. Geburtstag. Eine nette Feier wie in einer großen Familie. Wolfgang, Monika und ich erinnerten uns an seinen 40. Geburtstag vor 5 Jahren in Steudnitz. Ich hatte ihn mit einem Blumenstrauß besucht und es gab gute Gespräche im Kreise der LPG-Kollegen, die mit anwesend waren. Heute waren auch Sr. Paulo Francisco Zucula und Cossa zur Gratulation erschienen.

  1. Feb. 1984. Direktor Paulo Francisco Zucula muss nach Maputo in die Hauptstadt (Capital) reisen. Er erhielt ein Telegramm des Ministers. Ich beginne vorhandene Formulare auf ihre Verwendbarkeit zu prüfen. Die meisten Formulare werden „wild“ angewendet und zweckentfremdet benutzt. Es ist alles in allem wenig vorhanden, von einigen Blocks abgesehen. Regal erneuert und unseren Zwecken angepasst. Festlegung der Zimmer- und Platzverteilung in unserer Buchhalterhütte vorgenommen. Es ist sehr eng, mit sieben Personen darin die Aufgaben zu erledigen. Das Dach unserer Buchhaltungshütte ist zwar dicht mit Elefantengras gedeckt, aber das Eindringen von Staub ist unvermeidbar, vor allem bei starkem Wind und Wirbelsturm durch Windhosen. Die Fenster sind nachts verschlossen mit primitiven Fensterläden. Es gibt keine Glasscheiben. Häufig stehen Arbeiter oder Kinder am Fenster und schauen mir bei der Arbeit zu und beobachten mich. Viele Kinder sehen in uns die ersten Weißen. Abends 1,5 Std. Abrechnung mit Sr. Manuel über Verkauf von Maçarocas und Gemüse. – Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  2. Feb. 1984. Sr. Celestino Laurenço Amado übergab den Schreibtisch nebst Inhalt an Sábado Luis Raposo (heißt so viel wie Fuchs). Damit scheidet Sr. Celestino aus der Buchhaltung aus. Raposo war schon während der Direktionszeit von Senhora Gertrudes Hauptbuchhalter, aber er hatte wenig Hilfe und trank zeitweise Alkohol. Das Schreibbüro hat den Kontenrahmen des Betriebes (Código da Empresa) in 5 Exemplaren geschrieben, aber schlechte Qualität, da es an Kohlepapier fehlt. Auch das weiße Papier ist bald restlos verbraucht. Patrício lernt nur langsam die Kasseführung, aber ich lasse nicht locker. Wie soll das bloß in der Finanzbuchhaltung etwas werden? Celestino verkaufte 2 Säcke Mais an Fremde, trotz Verbot …. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  3. Feb. 1984. Seit dem 02.02. wurden 68287 Stück Maçarocas mit 660 Contos MT verkauft, das sind durchschnittlich 9,67 MT je St. als Preis (Peça). Hier hat noch nie jemand solche Zwischenrechnungen vorgenommen und als Information weitergegeben an die Direktion. Außer den Schecks funktioniert nichts. Ich habe keine Eröffnungsbilanz, keine Anfangsinventur. Wegen Regen sind wir wieder nach Lichinga zurückgekehrt. Es ist kein Durchkommen mit dem Kleinbus B 1000. Wir machen Arbeitsbesprechung in der DDR-Spezialistengruppe. Einige erledigen Wege in Lichinga. Habe mit Manuel restliche Abrechnung der Maçarocas vorgenommen. Man darf nicht zu lange warten, sonst überschaut er es nicht mehr, denn er muss wissen, das Geld muss stimmen. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  4. Feb. 1984. Einweisung für Sr. Gabriel Lucas Sonjo als neuen Materialbuchhalter vorgenommen. Hinweise an Lohnbuchhalter Amosse gegeben zur Aufarbeitung der Lohnlisten (Folhas de salário) vom September bis Dezember sowie richtige Vorbereitung für Monat (mês) Februar. Erste Kontenkarten für Finanzbuchhaltung geschrieben. Noch fehlt der Kassierer, so dass Patrício noch nicht als Finanzbuchhalter zur Verfügung steht. Heute eine Rechnung (Factura) an Agrarflug bezahlt vom April 1983, kaum zu glauben. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  5. Feb. 1984. Heute begann der Kassierer Inácio António Pinto seine Tätigkeit in der Buchhaltung. Habe ihn in der Kassenarbeit eingewiesen. Patrícios Kasse stimmt bei der Übergabe um 6800 MT nicht. Einige Fehler habe ich zwar behoben, aber es ging nicht alles zu klären. Gabriel Sonjo zunächst mit Arbeiten in der Finanzbuchhaltung beschäftigt, Kartei anlegen für manuelle Buchungsarbeit. Er hat eine gute Schrift, passt gut auf. Er war schon in Kuba zur Ausbildung 3 Jahre lang. Festlegungen über Lohnbuchhaltung getroffen. Verteilung von Mais, Milchpulver, Streichhölzern und Batterien beraten und festgelegt. Der Verkauf erfolgt durch die Loja (Laden) nebenan. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  6. Feb. 1984. Sonnabend. Código für Materialbuchhaltung mit Sonjo begonnen. Mit Willi und Heidi Meinert Gurken eingekauft und Pilze hinter MECANAGRO gesammelt. Die Moçambiquer warnen vor Pilzgenuss, denn sie kennen sie nicht. Willi hat schon eine Art Pilzvergiftung hinter sich. Arbeitszeit 5.30 bis 11.00 h.
  7. Feb. 1984. Sonntag. Lange geschlafen, denn es gibt Regen und Gewitter. Briefe geschrieben an Marion, meine Eltern, Bruder Helmut und Ulrich Hahn (Riesa). Karten an Munzerts und Schröters in Frauenprießnitz geschrieben. Bananen, Mango, Gurken (von der Bevölkerung gekauft), Paprikaschoten, Maçarocas, Kartoffeln und Anananas verarbeitet bzw. zum Essen zubereitet.
  8. Feb. 1984. Kleines Seminar mit Raposo und Patrício gemacht. Arbeitsbesprechung unter Leitung von Wolfgang Smardz mit moçambiquischen Responsávais dos Departamentos (Leitern der Abteilungen). Es war eine gute Sache, denn man bekommt einen Einblick über alle Bereiche. Die Fragen der Alphabetisierung haben mich am meisten gerührt. Das Departamento Recursos humanos (Personalabteilung) ist für die Alphabetisierung der Arbeiter nach Feierabend zuständig. Es sind Erwachsene aller Altersstufen, die das Schreiben und Lesen erlernen. Die Tafel in der Casa de reunião (Versammlungshaus) darf nicht weggenommen werden für andere Zwecke. Für einen weiteren Raum muss die Werkstatt eine Blechtafel zur Verfügung stellen. – Auch die Verteilung der Produkte über die Loja (keine Bezugskarten vorhanden) lassen mir keine Ruhe. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  9. Feb. 1984. Der HB Raposo ist in Lichinga auf der Banco Popular de Moçambique (BPM). Gabriel Sonjo soll nach Maputo zum Buchhalterkurs (Curso para contabilidade). In Unango ist ein Traktor mit Anhänger verunglückt. Außerdem ist noch ein weiterer Anhänger verunglückt. Die Löhne (Gehälter) für einige Verantwortliche (Responsávais) sind völlig verschieden und unverständlich, vor allem für die Leiter der Departamentos. – War heute im Kooperantenladen in Lichinga. Es gab Tee, Aluminiumlöffel und kleine Spiegel. Morgen soll es vielleicht Zucker und Streichhölzer geben. Die Waren werden zugeteilt. – Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  10. Feb. 1984. Mit Inácio Kassenbuch geführt, Belegwesen organisiert. Er hatte keinen blassen Dunst. Die Abgabe IRN (Imposto Reconstrução Nacional = Lohnsteuer) an den Staat wurde falsch von den Arbeitern erhoben. Außerdem wurden seit Oktober 1982 die Lohnkarten nicht weitergeführt. (erstaunlich, dass niemand seit 1982 die primitivsten Voraussetzungen einer Lohnbuchhaltung eingehalten hat). Die Vergütung der Verantwortlichen ist zum Teil unmöglich (eine Art Einzelverträge). Heute erstmalig Durchschreibeverfahren mit Journal in der Finanzbuchhaltung gezeigt.

Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.

  1. Feb. 1984. Kasse des Kollegen Inácio überprüft. Es fehlen ca. 5550 MT. Er hat Mühe mit Belegen und dgl. Erste Buchungen im Rechnungseingangsbuch, welches neu angelegt wurde, und in der FB gemacht. Es fehlen die Anfangsbestände. 15.00 Uhr Versammlung in der DPA Lichinga – es war ein Witz. (DPA = Departamento Produção Agricultura). Es fehlt die nötige Qualifikation in diesem Amt.
  2. Feb. 1984. Sr. Gabriel Sonjo bekam keinen Flug nach Maputo und kehrte zurück. Ablage für Finanzbuchhaltung nach Kontensystem vorbereitet. Die Lohnbuchhaltung bereitet die Lohnauszahlung vor. Habe neuen Vorschlag für Karten der Produtos (Cartão da Alimentação) mit Wolfgang erarbeitet und die Einführung eingeleitet. Somit werden die Produtos (Waren) nach aufgerufenen Kartenabschnitten (wie bei Lebensmittel- und Punktekarten) über die Loja verteilt, d.h. verkauft. Der jeweilige Verkauf soll an der zentralen Tafel an der Direcção bekannt gemacht werden. Es muss aber nach Departamentos aufgerufen werden, denn die Verkäufer (Vendedores) können an einem Tag nicht alle 500 Betriebsangehörigen bedienen, auch wenn es nur Streichhölzer zu verkaufen gibt.

Sr. Dias hatte 19. Geburtstag, er ist der Bote der Buchhaltung und läuft nur barfuss. Er hatte wohl noch niemals Schuhe besessen. Er übt immer das Schreiben. Ich lasse ihn manchmal Listen schreiben, auch wenn die Schrift noch zu wünschen übrig lässt. Er kommt aus sehr armen Verhältnissen und hat kaum Schule besucht.

Zum 5. Jahrestag des Freundschaftsvertrages zwischen Moçambique und DDR war ein Artikel über Unango im ND (Zeitung Neues Deutschland in der DDR) veröffentlicht, der unsere Arbeit beim Aufbau einer Staatsfarm Unango in Moçambique würdigt. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.

  1. Feb. 1984. Sonnabend. Wir mussten zu Fuß in den Betrieb laufen von der Landstraße aus. Der B 1000 konnte nicht auf die unbefestigte Piste zum Empresa fahren, da alles tief verschlammt und feucht ist. Einige Löhne der Verantwortlichen von den Departamentos (Abteilungsleiter) geändert, da die Relationen nicht stimmten. Einige bekamen zu viel, der Chefe da Construção (Bauabteilung) war völlig unterbezahlt bei sehr guter Leistung. Heute war Manfred Lindner wieder im Betrieb, er leitet die Bauabteilung seitens der Spezialisten aus der DDR. Er ist schon das dritte Jahr hier tätig und kam aus dem Urlaub zurück. Heute arbeitete der Mechanisator und Spezialist für Technik Hans-Dieter Wagner aus der DDR das erste mal in Unango. Er reiste mit seiner Ehefrau und zwei Töchtern an. Arbeitszeit 5.30 bis 11.00 h.
  2. Feb. 1984. Sonntag. Den Monteur für Mühlentechnologie, Kurt Hoffmann, vom Flugplatz Lichinga abgeholt. Wir hatten das Flugzeug verpasst, d.h. nicht gehört, weil es diesmal eine andere Schleife flog vor der Landung. Da musste es dann schnell gehen hinaus auf den Flugplatz, ungefähr 4 km. Briefe an meine Schwestern Ursula Bräunlich und Renate Neils sowie an meine Frau Marion geschrieben. Auch an Ulrich Hahn geschrieben.

Früchte verarbeitet: Ananas, Mango, Zitronen, Zwiebeln, Gurken. Abends Doppelkopf gespielt.

  1. Feb. 1984. Lohnzahlung in Unango vorbereitet. Schecks für die Löhne und für Rechnungszahlungen ausgeschrieben. Viele Arbeiter werden nicht kontrolliert, ob sie die angewiesenen Arbeiten auch ausgeführt haben oder ob sie überhaupt am Arbeitsplatz anwesend sind. Es stehen 544 Personen auf der Lohnliste. Habe das Nachtragen der Lohnkarten seit Oktober 1982 organisiert und dafür eine junge Hilfskraft beschäftigt. Die Frau von Inácio hatte einen Unfall und musste ins Krankenhaus. Er kam noch abends in Lichinga in meine Wohnung. Manuel verkaufte für etwa 51400 MT Maçarocas, darunter ein Scheck von 20000 MT. Habe mit Manuel über eine Std. Geld gezählt. Arbeitszeit 5.30 bis 14.00 h.
  2. Feb. 1984. Mit Raposo Lohngelder auf der Bank in Lichinga geholt. Er hatte die erarbeitete Zusammenstellung nicht mit. Wir erhielten per Scheck da Campanha knapp 900 Contos MT für die Lohnzahlung. Der Rest von 350 Contos MT blieb erst mal ungeklärt (Lohnlisten von Dep. Construção, Destronca = Bauabteilung und Urbarmachung). Geldtransport ist ein Risiko, denn es fehlt der Schutz. In Unango Auszahlung begonnen. Es geht sehr langsam. Außerdem sind noch Abzüge von jeweils 226 MT für Comida (Essen für einen Monat) bei den einzelnen Kollegen in den Baracken (über 100 Personen) vorzunehmen. Alles wird vom Stapel gezahlt, keine Lohntüten. Habe Blechbüchsen für Moedas (Münzen) mit in den Betrieb genommen, um die Auszahlung zu verbessern. Abends in meiner Wohnung in Lichinga wieder Geld gezählt und vereinnahmt für verkaufte Maçarocas und Gemüse. Arbeitszeit 7.30 bis 14.00 h.
  3. Feb. 1984. Wir haben ein Schaltjahr und somit einen Tag mehr in diesem Jahr. Von der BPM in Lichinga restliche Lohngelder geholt. Nur die Löhne des Dep. Construção mit 291.000 MT wurden über Crédito Investimentos (Investitionskredit) abgerechnet, alles andere über Crédito da Campanha. Die Löhne von Dep. Destronca (Rodung) betreffen vorwiegend Erzeugung von Brennholz und Holzkohle (Lenha e Carvão) und gehören als Kosten in die Abrechnung Campanha und nicht zu Investitionen. Raposo, Patrício und Amosse wissen alle nicht Bescheid und können mir nicht helfen. Heute bin ich erstmalig selbständig mit dem Kleinbus B 1000 von Lichinga nach Unango gefahren, da ich das Geld rausbringen musste. Linksverkehr ist ungewohnt. Lohnzahlung wurde durch die Kollegen in Unango fortgesetzt. Die Leute warten auf ihr Salário (Lohn). Sonjo hat Ruhe und Geschick beim Auszahlen. Inácio ist sehr unbeholfen. Habe mit Raposo und Patrício über Lohntüten gesprochen. Abends Geld von Manuel für Verkauf von Maçarocas angenommen und verwahrt. Arbeitszeit 7.30 bis 14.00 h. Abends 1 Stunde Geld gezählt, schlechte zerschlissene Scheine dabei.
  4. März 1984. Wir fahren 5.30 Uhr am Prédio in Lichinga los nach Unango. Arbeitsbeginn ist erst 6.30 Uhr. Bisher war alles 1 Std. früher. Heute wurden die ersten Schritte in der Buchung von Kontenkarten mit Journal gemacht. Forderungen und Verbindlichkeiten werden jeweils in Büchern gesammelt. Ich suche nach einfachen Abrechnungs- und Verfahrensweisen. Das Archiv wird nach Kontenklassen und Kontengruppen angelegt in der Finanzbuchhaltung. Die Bezugskarten habe ich zu Hause gestempelt, sortiert und Mängel festgestellt. Differenzen bei Beschäftigten festgestellt:

Lohnlisten                                          543 Personen

Personallisten Recursos humanos       555 Personen (hochschwangere und stillende Mütter enthalten)

Ausgabe von Fichas (Bezugskarte)     515 Personen

Welche Zahl stimmt nun?

Abends in Lichinga in der Wohnung 1 Std. Geld gezählt und dann verwahrt. 1 Std. Karten vorbereitet. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. Geld gezählt und 1 Std. Karten vorbereitet.

  1. März 1984. Die Vorbereitung und Ausgabe von Bezugskarten ist schwierig. Es gibt keine einheitliche Schreibweise der Namen, was zu Problemen führt. Es gab eine schlechte Vorbereitung durch Recursos humanos, die die Karten zu schreiben hatten. Manche Karten fehlen, manche sind doppelt geschrieben und mangelhaft sortiert. Manuel kaufte Ananaspflanzen für den Betrieb und Kartoffeln für die Kooperanten bei der Bevölkerung in den Dörfern. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  2. März 1984. Sonnabend. Es hatte in Unango wieder 60 mm geregnet, das sind 60 Liter Wasser auf einen m². Wir mussten von der Landstraße aus in den Betrieb laufen durch die Schlammpiste. Man konnte aber nach der Seite ausweichen. Wer im Schlamm watete konnte am Baragem (Wassereinstau) seine Füße und Sachen waschen. Der kleine Stausee ist gleich hinter dem Betrieb und damit auch hinter der Buchhaltung. – Heute alle Bezugskarten ausgegeben. Für fast 90 Personen wurden lt. Anweisung des Direktors die Bezugskarten einbehalten, weil diese mehr als drei Tage unentschuldigt von der Arbeit fern blieben. Für zahlreiche Arbeiter wurde nach Anweisung des Direktors der Maisabschnitt (1 Sack Mais mit 60 kg für einen Monat) gesperrt, weil diese täglich zweimal ihr Essen (Massa=Maisbrei) aus der „Betriebsküche“ erhielten. – Heute kamen für uns deutsche Kooperanten per Flugzeug 17 Kisten Versorgungsgüter von Versina und Interfranca (Versina ist das DDR-Versorgungsdepot in Maputo und Interfranca entspricht einem Intershop, wo wir jeweils unsere Bestellisten geschlossen hinschicken). Wir haben einen langen Tag gehabt. Abends Doppelkopf bei Willi Meinert gespielt. Auch der Monteur Kurt Hoffmann spielte mit. Geld mit Manuel gezählt und verwahrt, denn bei Manuel ist in der Hütte keine Sicherheit gegeben. Er wollte die Dinheiro (Geld) immer schnell wieder bei mir los sein, damit er kein Risiko hatte. Er war ängstlich auf seine Sicherheit bedacht. Arbeitszeit 6.30 bis 11.00 h mit ½ Std. Verspätung, abends ½ Std. Geld gezählt.
  3. März 1984. Sonntag. Alle Waren gezeichnet, damit keine Verwechslung zwischen Peters und meinen Beständen erfolgt, [es gehört zur Ordnung]. Ausgezeichnetes Mittagessen bei Monika gehabt, zum Kaffee gab es Pflaumenkuchen, bestens geschmeckt. Kurzer Spaziergang, Gewitter. Manuel hat am Sbd. 8800 Maçarocas (mit Rest am Sonntag) verkauft. Erst Mitternacht kam er zur Abrechnung.

Früchte: Gurken, Limetten [Zitronen], Ananas, Mango.

  1. März 1984. Raposo auf der Bank und 600 Contos [600.000 Meticais aus Verkauf von Produkten] deponiert. Es haben 3650 MT gefehlt. Die Kassierung der eingenommenen Maçarocas-Erlöse bereitet der Kasse Schwierigkeiten. Zu viele Scheine und Münzen erfordern zu viel Zeit. Wir brauchen einen zweiten Kassierer. Die Bezugskarten [Ficha oder Cartão da Alimentação] alle ausgegeben. Bei einigen Personen den Maiskauf auf der Karte gesperrt, weil diese Essen im Betrieb erhalten. [Der Direktor wollte verhindern, dass die Kollegen mit Betriebsküchenanschluss mit dem Sack Mais Schwarzhandel betreiben. Das Gesetz lässt eine doppelte Maislieferung nicht zu]. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.

Wir haben Fasching gefeiert in meiner Wohnung.

  1. März 1984. Heute ist eigentlich Fastnacht. Ich muss in Lichinga bleiben. Zuerst einen Termin beim Gerente [Leiter] der Banco (BPD = Banco Popular de Desenvolvimento = Volksbank für Entwicklung) in Lichinga. Beim Abteilungsleiter der Bank Probleme der Finanzierung und des Kreditsystems beraten. Das Investitionssystem und die Amortisation von Grundmitteln ist hier ganz anders geregelt als in der DDR. Das Wort Amortisation wird hier anders verwendet (u.a. für Receitas). Für die Loja müssen gesonderte Konten u. auch ein extra Konto bei der Bank geführt werden. Arbeitszeit 8.00 bis 14.00 Uhr. Abends 1 Std. Geld gezählt.
  2. März 1984. Gestern zum Teil Versina und Interfranca bezahlt [für pers. Einkäufe]:

Kleine Lieferung Interfranca           974 MT   bez. am 06.03.

Versinalieferung                            6856 MT   bez. am 06.03.        neue Waren für 3 Mon.

Interfrancalieferung                      5934 MT   bez. am 09.03.

an Meinert                                       796 MT   bez. am 06.03.          bezogen 11.01.

an Smardz                                         2507 MT           bez.                                bis Ende Febr.    

Insgesamt Waren                            17067 MT

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Ein LKW wurde infolge Alkoholgenuss des Fahrers zum Unfall gebracht, Totalschaden. Der LKW W50 war erst ein Jahr alt. Er wird uns sehr fehlen beim Transport.

7 Personen kamen wegen Diebstahls von Maçarocas vor ein Tribunal. Aldo der Verkäufer musste ins Gefängnis. Dazu fand eine große Reunião (Versammlung) im Betrieb statt.

Wir haben ein Wildschwein erstanden [und geteilt].

Arbeitszeit von 6.30 h bis 14.00 h. Abends 1 Std. Geld gezählt.

  1. März 1984. Internationaler Frauentag. Wir haben in meinem Wohnzimmer gefeiert. Es gab Pizza, Schnaps und Bier. Mit Manuel habe ich währenddessen in Meinerts Wohnung das Geld für den Verkauf von Maçarocas gezählt.

Eine Frau soll nur die Maçarocas-Kasse in Unango führen, denn der Hauptkassierer schafft die Arbeit nicht alleine. Die Frau hat aber fast nur mit dem Stillen ihres kranken Kindes zu tun, das nicht auf dem Rücken bleiben, sondern immer nur die Brust wollte; es gibt keinen Nuckel.

Arbeitszeit 6.30 h bis 14.00. Abends ½ Std. Geld gezählt.

  1. März 1984. Das viele Geld ohne Wert ist nicht für moçambiquische Köpfe gemacht. Wie sollen sie auch richtig rechnen können bei der [geringen] Schulbildung? Der Kassierer Inácio hatte zunächst 170.000 MT als Plus in der Kasse. Rechen- und Buchungsfehler konnte ich zwar einige klären, aber 24.000 MT sind schließlich als Plusdifferenz geblieben.

Klaus Einecke kam mit Frau [und Kindern aus Maputo] und brachte Geld und Briefe mit.

Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h. Abends 1 Std. Geld gezählt.

  1. März 1984. Sonnabend. Ich bin stark erkältet, das Wetter ist kalt und windig. In Unango ist es fast immer wärmer als in Lichinga. Wir mussten wieder in den Betrieb laufen [von der Chaussee aus, wegen Nässe]. Fast 700.000 MT für Bank vorbereitet. Die Frau [Kassiererin] kann kaum schreiben, lediglich zählen. Die schriftlichen Arbeiten der Maçaroca-Kasse mache ich selbst. Das Zählen und Bündeln [des Geldes] fällt sehr schwer. Mein Taschenrechner [es ist der einzige im Betrieb] ist mehr für die Moçambiquer im Einsatz.

Begrüßungsabend bei Klaus Einecke. Arbeitszeit 6.30 bis 11.00 Uhr.

  1. März 1984. Sonntag. Ich bin stark erkältet. Deshalb blieb ich zu Hause, erledigte viele Briefe und Haushalt. Ein ausgedehnter Nachmittagsschlaf war erholsam. Bei Frau Smardz Kaffee getrunken und abends Doppelkopf bei Willi. Die Frauen sind zu einem Empfang mit anderen Kooperanten anlässlich des Internationalen Frauentages. Abends 1 Std. Geld gezählt.
  2. März 1984. Habe 81.000 MT [81 Contos] Geld zum Betrieb mitgenommen. Heute werden fast 900.000 MT auf der Bank deponiert [Erfolge des Verkaufs von Maçarocas und Gemüse in der Stadt Lichinga sowie in den angrenzenden Dörfern]. Heute wurde über eine Tonne grüne Bohnen geerntet.

Kiste bei der LAM [Fluggesellschaft Linhas Aereas de Moçambique] reklamiert. Wir waren auf dem Flugplatz. Die Firma AGRICOM möchte die Gemüseprodukte zu 15 MT [je kg vom Empresa Unango] kaufen und für 20 MT verkaufen. Wolfgang Smardz gibt die Bohnen nur zu 20 MT ab. Sonjo hat den Código [Kontenrahmen] mit Maschine schreiben lassen, er muss aber noch ergänzt werden.

Arbeitszeit von 6.30 bis 14 h, abends ½ Std. Geld gezählt.

  1. März 1984. Ich blieb in Lichinga. Auf der Bank BPD Bankkonten und ihre Entwicklung abgeschrieben für Rückschlüsse in der Buchhaltung. Es gibt hier keine Bankauszüge, nur nach Abschluss einer Folha [Buchungsseite] wird eine Durchschrift an den Kontoinhaber geschickt. Auf dem Kostenkonto [Ausgabenkonto bei der Bank] waren im November über 46.000 MT falsch gebucht (Rechenfehler der Bank), aber erst im Februar korrigiert worden. Die Bank macht Mittagspause von 12.00 bis 14.30 h. Die BPD erhielt auch 200 kg grüne Bohnen und 350 Maçarocas. [Auch Bankangestellte haben Hunger].

Arbeitszeit 8.00 bis 12.00 h, 14.00 bis 18 h, abends 1 Std. Geld gezählt.

  1. März 1984. Heute war Versammlung der ganzen Belegschaft des Empresa Agrícola de Unango. Der Direktor Paulo Francisco Zucula sprach über die Campanha. [ähnlich wie ein Rechenschaftsbericht]. Es gab Prämien 1500 MT, Capulanas, Radios, und zwei Fahrräder als Auszeichnung, anschließend Fototermin. – Die Frau in der Kasse schafft leider nichts. Sie kann die Zahlen nicht untereinander schreiben und nicht addieren. Es sollen lt. Sonjo noch 86 Tonnen Milho [Körnermais] da sein. Wir müssen bis Ende Mai reichen. Unter Beachtung des Bestandes, einschließlich des Futtermaises, können im April und Mai nur 60 kg je Person als Versorgung verteilt werden. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  2. März 1984. Mehrere Beschäftigte versuchen, die Bezugskarten durch Diskussionen von mir zu bekommen. Zum Direktor getraut sich niemand, sie haben Angst vor ihm. Manche wollen Betrug machen. Abgewaschene, riscar-se [verschwunden], falsche Behauptungen, auch roubar [geraubt] und perder [verloren] werden angeführt.

Arbeitszeit von 6.30 bis 14.00 h.

  1. März 1984. Die ganze Woche regnet es. In Lichinga sind die Niederschläge meist noch höher als in Unango. Sr. Raposo war abends noch bei mir [in Lichinga]. Er erledigte Aufgaben in Lichinga. Es gab Probleme mit Maçarocas und Feijão verde (grüne Bohnen) bei AGRICOM. Auch Manuel war da, aber nur kurz. Nach 22.00 h kam Benjamin. In Unango war ein Unfall geschehen. Ein Traktor ZT 300 und ein Anhänger haben sich überschlagen mit 18 Personen darauf. Es gab 2 Tote, 6 Schwerverletzte und 2 Leichtverletzte. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  2. März 1984. Sonnabend. Besichtigung der Unfallstelle in Unango. Offensichtlich hat der Mann überhaupt nicht gebremst auf dem steilen Berg in Unango. In der Kurve geschah dann das Unglück. Die letzten Bretter des Betriebes müssen für zwei Särge Verwendung finden. Es soll sich bei einigen Verletzten um sehr schwere Verletzungen handeln. Der Traktorist war wahrscheinlich ein Anfänger, denn es war keine Bremsspur zu sehen und der Druckbehälter war noch voll, die Schläuche waren noch angeschlossen. Der Traktor gehörte zu den neuesten und die Anhänger werden auffällig weniger – bald kommt die Ernte. Arbeitszeit 6.30 bis 11.00 h, Manuel kam abends nur kurz vorbei und brachte Geld.
  3. März 1984. Sonntag. Spaziergang durch die Stadt, bestes Wetter, zufällig Withe Saide [unser Empregado] getroffen, der mich mit seinem Freund begleitete. Später Sonnenbad auf dem Balkon. Heute hat Günter Skibbe Geburtstag. Sehr gutes Sonntagessen bei Familie Smardz: Wildschwein-gulasch. Als Gemüse haben wir in dieser Woche Bananen, Zitronen, grünen Salat im Angebot gehabt und auch gekauft. Besonders grüne Bohnen sind gefragt, da eine gute Ernte läuft. In der letzten Woche fast täglich Maçarocas geerntet. Motorista Manuel war kurz hier zur Geldübergabe, zusammen mit Sbd. ½ Std. Arbeitszeit.
  4. März 1984. Der Preis für Maçarocas wurde staatlich reguliert. Als Verkaufspreis an die Bevölkerung gilt jetzt der Preis von 7,50 MT/Stück, für den Produzenten 5 MT/Stück plus ca. 0,50 MT Aufschlag für Transport. Radio Lichinga [dieser Sender hatte nur einige Stunden am Tag Sendezeit] veröffentlichte auch diese Preise. Im Betrieb gibt es einige Kollegen, die ein Radio kaufen möchten. 34 Stück waren zum Verkauf in der Loja vorhanden [alle mit Batterie], 14 Stück für Emulação (Wettbewerb) bestimmt, Rest Verkauf. Raposo und Patrício als erste mit beim Kauf dabei. Abends Parteilehrjahr. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 Uhr.
  5. März 1984. Es sind insgesamt vier Tote als Folge des Unfalls in Unango zu verzeichnen. Die Direcção nimmt wenig Anteil. Manfred Lindner [Chef der Bauabteilung] ist betrübt, weil seine letzten Bretter für Särge verwendet werden. Selbst dabei macht er Verbesserungsvorschläge zur Verwendung von kurzen Brettstücken. Der Traktorist, welcher den Unfall verursachte, wurde eingesperrt. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 Uhr, abends 1 Std. Geld gezählt.
  6. März 1984. Probleme mit Albino, denn er hat keine Ahnung, eine Kasse zu führen. Drei Kollegen halfen auf dem Feld Bohnen hacken. Aus allen Bereichen musste Hilfe gestellt werden [so auch aus der Buchhaltung]. Die Frau eignet sich nicht für die Kasseführung [obwohl wir viel geübt haben]. In Lichinga sprach man davon, dass in der População [Bevölkerung] der Hunger zunimmt und die ersten Kranken wegen Unterernährung starben.. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends ½ Std. Geld gezählt.
  7. März 1984. Heute kam meine Kiste [aus der DDR zur Jahreswende in Jena weggeschickt, zum Glück halfen die anderen Familien]. Auch von Familie Wagner kamen 5 Kisten. Es hatte zwei Monate von Berlin 19.01. nach Maputo und schließlich Lichinga gedauert. Außen am Schinken waren kleine Maden, aber sonst alles in Ordnung. Die zwei Würste sehen gut aus, Schinken mit Salzwasser abgewaschen und getrocknet. – Celestino, Aldo und Fernão wurden vom Gericht Unango abgeurteilt und eingesperrt wegen Betrügereien und Schiebereien in der Loja [Laden]. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  8. März 1984. Ständig gibt es am Fenster der Buchhaltung Nachfragen wegen Cartão de Abaste-cimento [Bezugskarte für Waren]. Einer der Väter von den vier Verunglückten war aus Maputo gekommen. Sein Sohn war schon beerdigt. Es gab noch mal eine Gedenkfeier für ihn in der Werkstatt, wo der Tote gearbeitet hatte. Zwei Kollegen sprachen zu Ehren des Toten. Die Anteilnahme war nur im jeweiligen Kollektiv zu spüren, nicht in der Direktion. Mit Wolfgang Smardz DDR-Schnaps aus der Kiste gekostet. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. Geld gezählt.
  9. März 1984. Sonnabend. Heute erstmalig Kasse kontiert, muss noch eine kleine Differenz suchen. Der Caçador (Jäger) hat einen Bufalo [Büffel=Wildrind] geschossen. Die Kooperanten erhielten eine Keule, 10 schöne Portionen zu je 2 kg reines Fleisch. Der Direktor nahm sich das beste Stück, nicht zu klein. Der Petroleumkocher [aus der Kiste] geht sehr gut. Ein Wildschwein wurde auch heute in der Schlinge gefangen. Abends Doppelkopf bei Willi gespielt. Arbeitszeit 6.30 bis 12.00 h, abends 1 Std. Geld gezählt.
  10. März 1984. Sonntag. Monika und Wolfgang Smardz sind Vormittag spazieren gewesen. Habe das Essen teilweise vorbereitet. Bestes Mittagessen mit Gurkensalat, Bohnengemüse, Rind- und Changufleisch, Bananenkompott mit Zitrone und Vanillezucker. Brief an Marion geschrieben. Diese Woche als Gemüse: grüne Gurken und Bananen. Mittags 12.00 h 25°C, abends 20.00 h 21°C. Abends ½ Std. Geld gezählt. Tagsüber 1 Std. Kasse kontiert.
  11. März 1984. Kasse kontiert, alle Buchhaltungsbereiche angeleitet und Aufgaben gestellt. Sr. Macor [Chef vom Departamento Recurços humanos = Personalabteilung] schlägt vor, die Buchhaltungskräfte im Lohn zu erhöhen und die Loja [Verkäufer] abzusenken. Inácio, Amosse und Sonjo sollen gleichgestellt werden. Motorradfahrt mit Uwe Wriedt [Chef für die Pflanzenproduktion] durch die Felder des Betriebes. Interessante Beobachtungen, beste Feldbestände. 22.30 h 20° C. Abends Parteiversammlung. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. Geld gezählt.
  12. März 1984. Kasse kontiert, Maßnahmen für die Lohnzahlung bestimmt, weitere Buchungen in der Finanzbuchhaltung veranlasst. Der Materialbuchhalter organisiert alte [antigo] Belege für Adubos [Dünger], Semente [Saatgut], Pesticidas [Pflanzenschutzmittel] und Combustivel [Treibstoffe]. Claus Kunath [DDR-Kooperant in der Provinzleitung für Landwirtschaft tätig] war im Betrieb Unango. Macor schlägt vor, dass die Buchhalter Sonjo, Amosse und Inácio auf 6500 MT, Dias und Eduardo [Bote und Helfer] auf 2500 MT erhöht werden und Chichava und Sumbi eine Absenkung auf 5500 MT bzw. 4500 MT erfahren. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends Geld gezählt ½ Std.
  13. März 1984. Erste Abstimmung über Vorschüsse [Vorauszahlungen an Lohn]. Es fehlt jede Übersicht über Vorschüsse und deren Rückzahlung. Schecks und Kontrollliste für Lohnzahlung an Wolfgang Smardz zur Unterschrift vorgelegt. Ich werde jetzt bei vielen Sachen gefragt von den Buchhaltern. [Offensichtlich haben sie Vertrauen in die Sacharbeit]. Rechnung antigo an Paulo persönlich geschrieben, 477,50 MT vom August 1983! Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. Geld gezählt. Früh 6.30 h 18°C, abends 21.30 h 19°C.
  14. März 1984. Heute Auszahlung Salário (Lohn) für die Periodo (Zeit) vom 20.02. bis 19.03.1984. Abzüge für Empréstimo (Vorschuss bzw. Abschlag) vorbereitet. Fast 100 CMT (100.000 MT) sind verborgt. Mängel in der Abrechnung von verauslagten Geldern und Reisekosten festzustellen. – Nur die Kollegen mit vollen Arbeitstagen erhalten die Versorgungskarte. Im Dep. Técnico (Abteilung Technik) haben einige Responsávais (Verantwortliche) Betrug bei der Anwesenheit zugelassen. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. Geld gezählt. 20 h 18°C.
  15. März 1984. Auszahlung Solário fortgesetzt. Wir sind am Ende mit dem Dieselkraftstoff (DK). Die Kasse Nr. 2 für Maçarocas-Receitas (Maiskolbenerlöse) kontiert und in der Finanzbuchhaltung gebucht. Sehr viel Mais im März und schon für April verkauft. Im März betrug der Anspruch 80 kg Milho por Trabalhador (Mais je Arbeiter) und im April 50 kg. Viele haben aufs Geld gewartet und dann gleich gekauft. Von der Bevölkerung kam eine Familie mit einem kranken Kind und bat um Hilfe. Die kranken (verunglückten) Kollegen im Hospital Unango erhielten zum vierten Mal Brot vom Betrieb.

Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 und abends 1 Std. Geld gezählt. 17.00 h in der Sonne 30°C und 21.00  noch 20°C.

  1. März 1984. Sonnabend. 7.00 Uhr Arbeitsbesprechung in meinem Wohnzimmer mit allen Kooperanten, die zu Unango gehören. – Kasse kontiert. Wegen DK-Mangel wurde heute im Betrieb nicht gearbeitet. Der Leutetransport konnte nicht mehr realisiert werden. Diese Nacht ist aber ein Zug mit zwei Tankwaggons angekommen. Es gibt wieder Aussicht. – Klaus Pohl ist noch krank, Malaria und Gelbsucht. Doppelkopf bei Wilfried gespielt. Arbeitszeit 6.30 bis 11.00 h.
  2. April 1984. Sonntag. 8.00 h 19°C. Nebel regnerisch, Zeitungsschau. Briefe an Karl Kupfer und Marion geschrieben. Bei Familie Klaus Einecke zum Kaffee, es gab frische Pfannkuchen, tadellos. Erstmals Rindfleischsalat zubereitet, dazu Gurkensalat. Leider sind die Zwiebeln alle verbraucht. – Wolfgang Smardz hat zu hohen Blutdruck, 220. Um 21.00 h 18°C, sehr windig.
  3. April. 1984. Die beiden Kassierer haben das Geld der beiden Kassen durcheinander gebracht. [So können der Kassenbestand und mögliche Differenzen nicht auf die Person zugeordnet werden]. Albino tem mais pouco cabesa como Inácio [Albino hat noch weniger Kopf als Inácio]. Die Bankeinzahlungen stimmten mit den Kassenabgängen für die Bank nicht überein. Nach der Lohnzahlung viele Verkäufe an Mais. Der Hunger in den Familien scheint doch groß zu sein. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  4. April 1984. Die Kassen stimmten nicht. Bei Kasse 1 fehlten über 5000 MT und bei Kasse 2 über 13000 MT. Ich weiß nicht, was für Belege fehlen oder ob gestohlen wurde. Die sind geistig arm und können nicht logisch denken. Was das wohl werden soll… – Abends Fisch filetiert. Karlas (Pohl) Geburtstag gefeiert, alle waren da. Temperatur nachts nur 16°C. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. Abrechnung mit Manuel.
  5. April 1984. Bei unserer Ankunft aus Unango hier am Prédio wurde gerade ein Dieb mit Schlägen abgeurteilt. Es hat mich sehr traurig gemacht. – Aldo, der ehemalige Vendedor [Verkäufer], muss noch im Gefängnis bleiben, wie auch Celestino [ehemaliger Hauptbuchhalter]. Aldo hat nichts zu essen, er bettelte nach Mais und Bohnen und Kondensmilch für die Kinder. Mabuze der Sanitário [Med-Punkt] muss einsitzen, weil er mit der Frau eines anderen geschlafen hat. – War mit Willi in der Stadt und auf dem Flugplatz. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, Sachen in der Stadt erledigt 1 Std., abends mit Manuel ½ Std. abgerechnet.
  6. April 1984. Im Betrieb Unango zwei Rinder geschlachtet und mit Hilfe aller Cooperanten [DDR-Entwicklungshelfer] und vier Personen aus der Buchhaltung sowie Kollegen aus der Pecuária (Viehwirtschaft) verkauft. Dauer ca. 2,5 Std. Es erhielten die Mitarbeiter des Dep. Técnico, (Abt. Technik), die Oficina (Werkstatt) und Dep. Construção (Abt. Bau) abgewogene Stücke Fleisch mit Knochen (ca. 1 kg). Etwa 500 kg Rohware einschließlich Köpfe und Beine wurden verteilt. Außerdem wurde Fisch verkauft, 4 Stück je Person, ein reichliches halbes Kilo. Carne (Fleisch) – ein Wort mit größter Anziehungskraft. Man darf nicht an die Hygiene denken. In gewöhnliche Tageszeitungen wie Volkswacht und Neues Deutschland sowie Illustrierte wurden Fleisch und Fische eingewickelt. Ich glaube aber, dass nach zwei Stunden bereits alles gegessen war. Abends 21 h 20°C. Arbeitszeit 6.30 bis 15.00 h und abends 1 Std. Abrechnung mit Manuel.
  7. April 1984. Der Verkauf von Fleisch am Vortage brachte Receitas (Erlöse) von 44 CMT. 342 Personen erhielten von dem Rindfleisch, dazu kommen die DDR-Kooperanten, drei Kranke in Lichinga und Sr. Cossa [stellvertr. Direktor seitens Moç.]. Heute ein Rind verteilt. Somit haben erstmalig alle Arbeiter Fleisch bekommen, das gab es noch nie! 1 kg mit Knochen ist auch sehr wenig, wenn es sich um eine größere Familie handelt. 20 h 19°C. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h. Abends war Manuel nur kurz da.
  8. April 1984. Sonnabend. Tag der moçambiquischen Frau. Es fand eine Demonstration in Lichinga statt. Ich war zweimal in der Stadt, auch einmal bei Manfred und Siegrid Lindner zu Besuch. [Das Ehepaar Lindner wohnte als einziges Ehepaar von den Unango-Kooperanten nicht im Prédio]. Peter Voß und Dr. Fritz Schmidt sind in Lichinga eingetroffen. Ich habe 15 Briefe und Karten erhalten, auch die Armbanduhr von Marion war dabei. Die Briefe waren über einen langen Zeitraum nicht nach Lichinga gelangt. Diese Woche hatten wir Gurken und Bananen, aber leider fehlt es an Zwiebeln. Abends 23.00 h 20°C.
  9. April 1984. Sonntag. Den heutigen Ausflug nach Metangula am Niassasee zähle ich zu den schönsten Erlebnissen, eine Strecke etwa 110 km, vielleicht auch noch mehr. Die Fahrt mit dem LKW W50 dauerte 3 ½ Std. Die Hälfte der Zeit fuhren wir auf der Piste zwischen vielen Bergen. Der rote Staub wirbelt durch die Luft. Auf Matratzen machten wir es uns auf der Ladefläche des LKW etwas bequem. Wolfgang Smardz und ein kubanischer Sicherheitschef sowie weitere Kubaner fuhren mit einem Jeep vorneweg. In der hohen Regenzeit kann man diese Fahrt nicht unternehmen, da die Gefahr besteht, dass man im Schlamm stecken bleibt und das ist zu viel Risiko, wenn zahlreiche Frauen und Kinder dabei sind. Unterwegs sahen wir einige Affen, einen großen Laufvogel und viele kleine auffallend bunte Vögel. Metangula ist verhältnismäßig groß und sicher alt besiedelt, nehme ich an. Alle haben Sonnenbrand, obwohl sich die meisten vor der Direkteinstrahlung der Sonne schützten. Wir verleben herrliche Stunden am Strand. Im Wasser sehen wir bunte Fische, wie man sie nur aus Aquarien kennt. Drei junge Burschen ziehen fischend in einem Einbaum vorbei und nehmen Kontakt mit uns auf. In einem großen Topf hatten wir uns Essen mitgebracht und auf offenem Feuer erwärmt. Zerlumpte moçambiquische Jungens freuen sich über die Reste, die wir nicht mehr geschafft haben und kriechen fast in den großen Topf hinein. Sie zeigen uns riesengroße Elefantenbäume, Vögel und Geckos, die wir auch fotografieren. In Richtung Malawi schauend erblicken wir große schwarze Wolken über den Niassasee hinziehend, die sich auf unseren Strand zu bewegen. Die Kinder erklären uns, dass es sich um Moskitos (Insekten) handelt. Eine „Wolke“ landet schließlich ganz in unserer Nähe in großen Bäumen, alles schwirrt, die Bäume werden schwarz eingehüllt, aber offensichtlich sind sie nicht gefährlich. – Auf dem Heimweg versperrt uns ein großer Baum die Durchfahrt. Sr. Sontana nahm die MPi und schoss in die Luft. Wir erschraken fast alle, denn das Wort „Banditos“ kennen wir aus den Belehrungen. Vielleicht wollte er nur deutlich machen, dass wir nicht wehrlos sind. Es kamen aber sofort einige Bauern, die am Morgen hier Brandrodung betrieben, und nun für die Beseitigung des Baumriesen sorgten. Unsere mitgeführten Äxte und Sägen waren dabei eine große Hilfe und Klaus Einecke sorgte als Holzfachmann für eine schnelle Erledigung.
  10. April 1984. Der Sonnenbrand vom Vortag macht fast allen Teilnehmern sehr zu schaffen. Frau Wagner hat ernst zu nehmende Verbrennungen der Beine erlitten. Nicht nur Sonnenbrand der Haut bereitet Probleme, sondern die Beine sind total angeschwollen und fürchterlich verbrannt. Sie kann sich nicht mehr fortbewegen und muss ständig kühlen. Nur die Verdunstungskälte bereitet ein wenig Linderung, aber das hält immer nur Minuten an. – Es gab zwei Versammlungen beim Direktor Paulo Franzisco Zucula. Die erste entschied über viel Lohnveränderungen der Mitarbeiter des EAU. Die zweite betraf die Arbeitsbesprechung, wo die laufenden Arbeiten und Zielstellungen erörtert wurden. Aufgabe der Buchhaltung wird in der neuen Kampagne sein, die Kostenrechnung nach Produkten zu organisieren. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  11. April 1984. Diese Woche hatten wir wieder schönes Gemüse: grüne Gurken, grünen Salat, Dill, Grünkohl, Chinakohl, die ersten Tomaten wurden gepflückt. – In unseren B 1000 wurde eingebrochen. Die Scheibe ist zwar noch ganz, aber die Stiefel von Monika Smardz und der Anorak von Sr. Cossa sind weg. Dabei hat Wolfgang stets gewarnt, keine Sachen im Kleinbus zu lassen. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  12. April 1984. Im Betrieb Unango fand man im Alpendre (Mais- und Materiallager) eine Schlange von 1,30 Meter Länge. Sie wurde durch Arbeiter getötet, denn alle Schlangen gelten als giftig und gefährlich, was nicht immer zutrifft. Vermutlich hat die Schlange unter den Maisstapeln die Ratten als Beute genutzt. So gesehen war sie sehr nützlich. – Ein Kollege der DPA (Departamento Provincial Agrícola = Provinzbehörde für Landwirtschaft), der für Finanzen zuständig ist, war zur Kontrolle in der Buchhaltung und informierte sich. Danach fehlt die Tasche vom Taschenrechner. Er hatte einen Taschenrechner ohne Hülle in der Brusttasche stecken. Cossa meinte nur: grande Malandro [ein großer Taugenichts]. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. Abrechnung mit Manuel.
  13. April 1984. Heute eine Zusammenstellung der Löhne seit dem Kampagnebeginn September 1983 vorgenommen. Der Plan (Lohnfonds) der Campanha wurde weit überschritten: Plan 6650 CMT, Ist 6880 CMT [103,5 %]. Im Betrieb arbeiten lt. Lohnlisten ständig 531 Personen. – Den Einbrecher vom B1000 hat Manuel am Anorak entdeckt und der Polizei übergeben, aber bevor Sr. Cossa dort etwas klären konnte, war der Dieb mit Anorak wieder entwischt. Nachts nur 17°C. Arbeitszeit 6.30 bis 14.30 h, 1 Std. mit Manuel und ½ Std. mit Heidi Meinert gerechnet.
  14. April 1984. Es ist Freitag der Dreizehnte. Es war kein Unglückstag, aber doch sehr gefährlich für Klaus Einecke, denn eine Speikobra war in ein Haus in Unango eingedrungen, während er mit zwei moç. Bauarbeitern dort tätig war. Die Speikobra war angriffslustig und spuckte Sekret durch die Gegend. – Wolfgang Smardz hat mit einem Furunkel am Bauch Probleme. – Habe heute den Eisschrank abgetaut, äußerst kompliziert und schwierig, weil nicht verderben darf. – Peter Voß und Klaus Pohl bereiten sich auf eine Dienstreise nach Nampula und Nacala vor. Dr. Fritz Schmidt hofft seit drei Tagen auf einen Flug nach Maputo. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. Geld gezählt.
  15. April 1984. Sonnabend. Habe die Lohnzusammenstellung vervollständigt. Erstmals Arbeitskräfteplanung eingesehen, die leider nicht vollständig ist. Wolfgang Smardz wurde heute an einem Furunkel am Bauch geschnitten. Manuel war in einem entfernten Dorf zum Maçarocasverkauf. Er konnte nur wenig absetzen, weil die Leute kein Geld haben. . – Abends bei Willi Meinert Doppelkopf gespielt. Arbeitszeit 6.30 bis 11 h, 1 Std. Geld gezählt.
  16. April 1984. Sonntag. Peter Voß und Klaus Pohl sind nach Nampula geflogen, um dienstliche Probleme für den Betrieb zu lösen. Sr. Sontana half, dass auch Dr. Fritz Schmidt mitfliegen konnte nach Maputo. Von 9 – 11 Uhr zum Volleyballspiel. Auch Paulo Zucula war da. Paulo und Cossa haben heute beide Geburtstag. Abends 1 Std. Geld mit Manuel gezählt.
  17. April 1984. Ein Zug mit Maschinen ist auf dem Bahnhof eingetroffen: 3 Multicar, 1 Tankwagen, 1 Werkstattwagen u.a. – alles DDR-Technik. Alberto, der Werkstattleiter ist aus Nampula zurückgekehrt. Er war 8 Wochen dort auf Dienstreise. Henrique und Dias sind noch dort geblieben. Klaus und Peter sind gut in Nampula angekommen. Im Kooperantenladen Seife, wenig Schnaps und einige Batterien gekauft [alles auf Zuteilung]. Die Verkaufskultur ist unmöglich. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00, abends 1 Std. Geld gezählt mit Manuel.
  18. April 1984. Kassen stimmen wieder nicht. Inácio hat ~ 22000 MT mehr in der Kasse und Albino 411,50 MT mehr. Es ist zum Schwarzwerden. – Heute war Erich Grunewaldt in meiner Wohnung und bezahlte 27 CMT für die Maçarocas und Bohnen, die er als Solidaritätssendung für ein Dorf organisierte, gespendet von den Kooperanten verschiedener kapitalistischer Länder. [Erich Grunewaldt ist der Mann der westdeutschen Ärztin Senta, die ebenfalls mit drei Kindern hier weilt und am Krankenhaus arbeitet. Leider dürfen die Kinder nicht in die DDR-Schule, so dass sie die moç. Schule besuchen und gleichzeitig portugiesisch sprechen müssen]. – Alberto erzählte von Übergriffen der Banditen auf der Straße zwischen Nampula und Nacala sowie die Eisenbahn. Zwei DDR-Kooperanten (Geologen) sind im Süden auf Minen gefahren, Todesanzeige im ND vom 28.03.1984. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und abends 2 Std. mit Manuel gezählt und abgerechnet.
  19. April 1984. Die Überprüfung der Kasse bereitet Schwierigkeiten. Bei Inácio noch 16 CMT zu viel. Die Einzahlung auf der Bank durch Sr. Raposo stimmt um 7 CMT mit dem Kasseausgang nicht überein. Darüber Diskussion mit dem Direktor, der verlangt, dass die fehlenden Beträge von den Verantwortlichen abgezogen werden. Außerdem will der Direktor wissen, was Albino 3 Tage lang in Lichinga gemacht hat, er will wissen welche Aufträge es gab und welche Resultate vorliegen. – Wir erhielten 300 kg Fisch für die Loja zum Verkauf an die Mitarbeiter. Wir Kooperanten konnten Fisch im Kooperantenladen in Lichinga auf Zuteilung kaufen. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. Rechnungen geschrieben und Geld gezählt. Nachts 14°C.
  20. April 1984. Verschiedene Mitarbeiter im Betrieb haben ihre empfangenen Gelder nicht mit Rechnungen oder Quittungen belegt, darunter auch Macor, Raposo und Celestino. Jetzt sind in der Kasse 19 CMT zu viel, aber Raposo zahlte beim letzten Mal 7 CMT zu wenig auf der Bank ein, alles Widersprüche. Albino Fernandez musste schriftlich verfassen, was er 3 Tage in Lichinga machte. – Heute kam unsere bestellte Schnapslieferung von Maputo für unsere deutschen Familien. Aus dem Kooperantenladen konnten wir einige Zigaretten kaufen. Diese gab ich meinen Mitarbeitern in Unango. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  21. April 1984. Seit gestern wurden 8 Traktoristen im Prédio in einem Zimmer im Waschhaus einquartiert (2. Etage), denn sie nehmen an einem Lehrgang in Lichinga teil. Die 8 Personen müssen sich selbst versorgen und erhielten dazu vom Betrieb Mais, Gemüse usw. Habe heute Zitronen gekauft. Die DDR-Frauen und Kinder hatten heute einen Besichtigungstag im Betrieb in Unango. Wolfgang Smardz war nach seiner Krankheit heute erstmals wieder im Betrieb zur Arbeit. Ich war mit Uwe Wriedt heute erstmals am Fluss wohin unsere Betriebsflächen bei Unango reichen. Es gibt herrliche Maisbestände, die ersten werden jetzt reif. Auch beste Gemüsebestände, Erdnüsse, Soja, Maniok, Süßkartoffeln und Kürbis bei der Besichtigung gesehen. Das verspricht gute Ernteerträge. Abends Doppelkopf bei Meinerts gespielt. Heidemarie Meinert spielte das letzte Mal mit vor ihrer Heimreise. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und abends mit Manuel gearbeitet für die Geldabrechnung.
  22. April 1984. Wir haben den Feiertag (Ostermontag) auf heute verlegt. Habe Briefe geschrieben, Supermercado (neuer Verkaufsladen) besichtigt, Nésberes (große Beeren vom Baum mit vielen Kernen) geholt und verarbeitet zu Saft. Abschied mit Meinerts gefeiert. 1 Std. Geld gezählt und Rechnungen geschrieben.
  23. April 1984. Ostersonntag. Das Osterwetter ist grausam. Morgens nebelig, nur 17°C. Habe Briefe geschrieben und Filme für Marion zur Mitgabe über Meinerts fertig gemacht. Bestes Mittagessen – Rouladen- bei Monika Smardz gegessen. Monika hat auch Kuchen gebacken. Bei Pohls haben die Kinder Vivian und Lars schon um 6 Uhr Eier gesucht. Auch ich hatte zum Frühstück und Abendbrot jeweils ein Ei. Eier sind hier eine Seltenheit. Saft aus Nésberes zubereitet.
  24. April 1984. Ostermontag. Raposo hat heute Geld auf der Bank deponiert, diesmal stimmte die Einzahlung. Raposo besuchte mich in meiner Wohnung. Habe Traktoristen mit Brot und Tee versorgt, weil sie nicht im Hotel unterkamen. Wolfgang Smardz entschied sich für die Unterbringung der Traktoristen neben dem Waschhaus, weil im Hotel keine Zimmer zu kriegen waren, der Lehrgang aber sehr wichtig zur Qualifizierung ist. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  25. April 1984. Sr. Raposo befindet sich in Lichinga. Er will Probleme mit der Miete für das Prédio (unsere Wohnungen) klären, da angeblich 2 Jahre nichts gezahlt wurde. Die Traktoristen erhielten kein Essen im Haus Rosa Verde, weil angeblich Empresa Agrícola de Unango kein ausreichendes Gemüse liefert. Nachts 16°C. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  26. April 1984. Besuch durch einen Bankvertreter von der BPD. Seit dem 02.02.1984 wurden durch den Betrieb 468.000 Stück Maçarocas (frische Maiskolben in der Milchwachsreife) verkauft und dafür 867.000 MT eingenommen. Das sind im Durchschnitt 8,17 MT/ Maçaroca. Raposo weilte heute in Lichinga. Abends 21 Uhr 18°C. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends 1 Std. zusätzlich gearbeitet.
  27. April 1984. Vorbereitung der Lohnzahlung. Bis 19.00 Uhr in der Wohnung in Lichinga Lohnlisten gerechnet, weil Amosse mit der mechanischen Rechenmaschine nicht zurecht kam. Alberto der Chefe da Oficina (Werkstattchef) war bei mir zum Abendbrot. Dann kamen noch Boaventura und Raposo. Neue Bezugskarten für Versorgung (ähnlich wie Lebensmittelkarten) vorbereitet. Als Markierung wurde ein Stempel „Elefant“ ausgewählt, damit mit den veralteten Karten kein Schwindel gemacht werden kann. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends weiter 3 Std. gearbeitet.
  28. April 1984. Raposo kam erst nach 14.00 Uhr mit dem Geld von der Bank rd. 800.000 MT. Amosse wird wahrscheinlich krank. Sonjo geht fast jeden Tag zum Spritzen in die neue Stadt Unango, da er erkrankt ist . – Heute werden 4 kg Feijão manteiga – (trockene Bohnen zählen nach dem Mais zu den wichtigsten Nahrungsmitteln) verkauft. Auch auf den alten Abschnitt werden noch 3 kg trockene Bohnen verkauft, da diese vorher nicht beliefert werden konnten, es fehlten die Vorräte. Gemüseverkauf in der Loja und erstmals in der Casa da Reunião (Versammlungshaus) durch Joaquim, weil die Loja zu klein ist. Es wird bester Kopfsalat angeboten, je Stück 2,50 MT. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  29. April 1984. Sonnabend. Heute bleiben wir in Lichinga, denn das Benzin ist alle. Zunächst haben wir Versammlung bei Wolfgang Smardz in der Wohnung. Ein neuer Monteur, namens Roland Richter ist eingetroffen und wurde uns vorgestellt. Er nahm an der Versammlung teil. Es wurde eine Sicherheitsbelehrung vorgenommen. Es kommen in letzter Zeit keine Züge mehr in Lichinga an.

Es gibt Planabweichungen beim Lohnfonds und der Inanspruchnahme:

Campanha (Kampagne)   Plan 11400 CMT, Voraussichtliches Ist August  11914 CMT.

Neuer Lohnvorschlag plus 37 CMT auf Campanha.

Arbeitszeit 6.30 bis 11.00 h, später 1½ Std. mit Manuel Geld abgerechnet.

  1. April 1984. Sonntag. Weinansatz bei Willi Meinert in der Wohnung fertig gemacht. Gefäße mit 5 Litern und mehr wurden stets für die Weinzubereitung genutzt. Diese funktionierte bestens. – Monika hat Brot gebacken, denn Lichinga hat kein Mehl mehr in den Bäckereien. Die DDR-Kooperanten erhalten zuerst kein Brot mehr, weil man weiß, dass wir noch eigene Reserven haben und uns selbst versorgen können. Der Treibstoff geht überall zu Ende, weil keine Züge mehr eintreffen, die Lieferungen bringen könnten. – Ich war spazieren in der Stadt. Es gibt neuerdings Passantenkontrollen. Die wenigen Weißen in Lichinga kennt man meist schon vom Ansehen, so dass es keine Probleme gab. – In der nahen Hüttensiedlung feiern sie wahrscheinlich ein Familienfest, es wird ununterbrochen gesungen und getrommelt.
  2. April 1984. Wir fuhren erstmalig mit dem Werkstattwagen nach Unango. Das Benzin ist zur Neige gegangen, so dass nur noch Fahrzeuge für Dieselkraftstoff zur Verfügung stehen. Auch bei DK gibt es nur noch einen Rest, den wir gut einteilen müssen. – 16.00 Uhr ist Rechenschaftslegung anlässlich des 1. Mai im Kollektiv aller DDR-Kooperanten. Abends feiern wir mit kubanischen Freunden. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  3. Mai 1984. Feiertag der Werktätigen in Moçambique. Vormittag Demonstration im Stadtzentrum. Wir treffen zahlreiche Bekannte, auch Kooperanten anderer Länder. Wolfgang Smardz, Uwe Wriedt und Sontana saßen mit auf der Ehrentribüne. Sontana hat gut gesprochen zu den Demonstrationsteilnehmern. – Es werden verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für uns Kooperanten bekannt gegeben. – Motorista Manuel besucht mich mit seiner Frau. – Monika Smardz hat wieder das Bein entzündet.

½ Std. Abr. Arbeiten erledigt.

  1. Mai 1984. Ein Installateur der Wohnungsverwaltung versucht die verstopften Abwasserrohre in meiner Wohnung frei zu bekommen. Edelgard hatte dazu den Schlüssel aus Willis Wohnung besorgt. Das Geld für Mai an die Kooperanten verteilt. Ein Teil der Interfranca-Lieferung aufgeteilt auf die DDR-Kooperanten (Käse, Speck, Bonbons). Kollege Stockhaus vom Ministerium in Berlin brachte diese Lieferung von Maputo mit. Auch Post erhalten. 17 Mal erhielt ich Post, betreffend den Zeitraum 1. April bis 20. April. Helmuts Post nach Gera war 2 Monate gegangen. – Sr. Zeidin Dalsuco war zu Besuch bei mir. Es ist der Chef des Zolls von Lichinga. Wir hatten ein gutes Gespräch über Wirtschaft und Entwicklung. – Amosse und Raposo sind krank. Erkältungs- und Malariakrankheiten treten häufig auf. Die Menschen sind geschwächt und haben kein gutes Immunsystem. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, 1 Std. zusätzlich mit Manuel gearbeitet.
  2. Mai. 1984. Ich bin wegen des Installateurs in Lichinga geblieben. Habe die Kassenbücher zur Aufarbeitung mit hier in der Wohnung. Der Installateur ist nicht erschienen. Die Kassenbücher sind jetzt schon besser in Ordnung, Rechendifferenz nur 3000 MT. Noch wissen die Kassierer nicht, worauf es im Text ankommt, und dass mancher Beleg in zwei Zeilen in getrennten Beträgen eingetragen werden muss (Kontenzuordnung z.B. bei verschiedenen Kostenarten). Habe heute Paulo Zucula 2 Fotos gegeben. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  3. Mai 1984. Ich blieb in Lichinga und hoffte, dass der Installateur käme, denn die Abwässer aus den oberen Etagen landen in meiner Küche, aber heute als ich in Unango war, traf er hier ein. Er ist nicht fertig geworden. – Die Kassen für April abgeschlossen. Eduardo und Patrício sowie Inácio eingewiesen. Aussprache beim Direktor mit Raposo und Inácio, da von Raposo Belege fehlen und eine Bankeinzahlung (Depósito) um 7 CMT nicht stimmte. Zwei Traktoristen waren bei mir und holten Geld für die Fortsetzung des Curso (Lehrgang). Arbeitszeit von 6.30 bis 14.00 h, abends 1 ½ Std. mit Manuel gearbeitet.
  4. Mai 1984. Sonnabend. Wir mussten wegen Kraftstoffmangel in Lichinga bleiben. Im Betrieb Unango arbeiten nur die Leute aus der näheren Umgebung. Alle anderen blieben zu Hause, denn die Anfahrtstrecke ist für viele 10 bis 15 km. – Die Installateure haben in meiner Wohnung den Küchenabfluss mit sehr primitiven Mitteln wieder in Ordnung gebracht. Es gibt kein Reparaturmaterial. – Habe Tabellen für IRN (Imposto Reconstrução Nacional = Lohnsteuer zum Aufbau von Moçambique) erarbeitet, damit der Lohnbuchhalter aus der Tabelle den IRN für jeden Arbeiter ablesen kann, sonst müsste er für über 500 Arbeiter und Angestellte Einzelrechnungen vornehmen, was zu lange dauert. – Abends kam Herr Dalsuco (Zoll) aus der Nachbarschaft mit einer kleinen Flasche Wodka, die wir fast geleert haben. Danach ging er zu Erich Grunewaldt zum Abschied. Ich war noch bei Uwe und Doris Wriedt zu einem Glas Wein und angenehmen Gespräch. Arbeitszeit 6.30 bis 11.00 h.
  5. Mai 1984. Sonntag. Briefe an Marion und Gerfried Seidel (Gernrode Harz) geschrieben. Kaffee getrunken bei Fam. Smardz, danach Spaziergang im nahen Hüttenviertel, wo Manuel wohnt. Es gibt sehr viel Schmutz und Unrat in diesem Bairo (Stadtviertel meist mit Hütten in traditioneller Bauweise). Die Dörfer auf dem Lande sind offensichtlich sauberer als die Bairos von Lichinga. Senta, die westdeutsche Ärztin, und Erich Grunewaldt ihr Ehemann sind mit den drei Kindern heimgereist für immer. Sie wollen der Ausbildung der Kinder mehr Vorrang geben und brechen die Entwicklungshilfe ab.
  6. Mai 1984. Wir fahren mit dem Landrover auf offener Pritsche nach Unango (etwa 60 km eine Strecke). Fremde Leute und Betriebsangehörige wollen außerdem noch mitfahren. – Heute ist wieder ein Zug eingetroffen. Auch Dieselkraftstoff und Maschinen für unseren Betrieb kamen mit. Abends kamen Peter Voß und Klaus Pohl mit dem Flugzeug von Nampula. Neuen E-Herd kombiniert in Gang gesetzt.

Früh waren nur 12°C zu verzeichnen, damit ist es relativ kalt. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.

  1. Mai 1984. 15°C am Morgen. Wieder mit dem Landrover nach Lichinga. Raposo befindet sich in Lichinga, Patrício ist krank. – Es ist noch keine Bilanz möglich. Der Buchungsplan der Finanzbuch-haltung ist immer noch ein Problem. Die Abzugsspalten in der Lohnbuchhaltung stimmen mit den Abschlagslisten nicht überein. (Man muss darauf achten, dass der Betrieb sein Geld am Lohntag wieder bekommt, wenn schon zwischenzeitlich Vorschüsse gezahlt wurden). – Einen weiteren Kühlschrank in der Wohnung angeschlossen, obwohl der Strom knapp ist und oft Stromsperren eintreten. – Auch abends 21 Uhr nur 16°C. Heute Abend besten Chopskasalat (aus Tomaten, Gurken, Paprika, Zwiebeln, Öl und Gewürzen) zubereitet. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und abends mit Manuel ½ Std. gearbeitet.
  2. Mai 1984. Ich unternehme den Versuch, die Finanzbuchhaltung einmal zum Abschluss zu bringen, auch wenn es noch keine komplette Bilanz sein wird. Es gibt immer wieder Probleme mit Celestino Amado. Raposo war heute den zweiten Tag nicht da. Er muss 23 CMT belegen und Macor 77 CMT, es fehlen die Rechnungen bzw. Quittungen dazu. – Kisten Lieferung von Interfranca eingetroffen und in unserer Wohnung verteilt. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends ½ Std. mit Manuel gearbeitet.
  3. Mai 1984. Diese Nacht wurde in Meinerts Wohnung eingebrochen, die zur Zeit von einem Monteur bewohnt wird, weil Meinerts in der DDR weilen. Essen und Garderobe sowie Decken gestohlen. Roland Richter, der Monteur, hat es zu spät gemerkt, auch seine Sachen sind weg. Er hat geschlafen und sogar das Eindringen in sein Schlafzimmer nicht bemerkt. Ich habe ihm eine Hose von mir geborgt, denn er besitzt jetzt nur noch eine Arbeitshose. Fast alle seine Sachen sind weg. – Habe 6511 MT für Waren vom Interfranca an Doris Wriedt bezahlt. Wir haben ständig Probleme mit der Energieversorgung. Die Kühlschränke leiden darunter. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends mit Manuel ½ Std. abgerechnet.
  4. Mai 1984. Heute fahren die Kollegen vom Posto do Sentífico de sereais (Forschungsstützpunkt für Getreide) mit nach Unango in den Betrieb. Sie wollten uns mit dem Landrover abholen, kamen aber zu spät und so fuhren wir mit dem Werkstatt-LKW los und nahmen unterwegs auch die Wissenschaftler mit. Jaime, ein Jugoslawe und Volker Schulze aus der DDR waren präsent. Nachts haben wir jetzt stets um 15°C. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00, abends ½ Abrechnung mit Manuel.
  5. Mai 1984. Sonnabend. Es ist fast unmöglich eine ordentliche Bilanz zu machen. Es fehlt an allem: Belege der Bank, korrekte Abrechnung vom IRN (Lohnsteuer) und FAST (Fondo Social dos Trabalhadores = Fonds für Sozialversicherung der Arbeiter), Nachweise von Cheques (Schecks). Das größte Hindernis sind Faulheit, Desinteresse und Krankheit bei den Buchhaltern. Einer fehlt immer. Fernandez wollte mich um 5490 MT betrügen, denn er trug diesen Beleg nicht in das Kassenbuch ein. (Sogar die Buchhalter sind Betrüger). Arbeitszeit 6.30 bis 11.00 h, mit Manuel ½ Std.
  6. Mai 1984. Sonntag. Am gestrigen Tage war ein junger Mosambikaner namens Zorro bei uns zu Besuch. Er war drei Jahre in der DDR zur Ausbildung in Meißen, als Metallarbeiter im Bauwesen. Er ist jetzt hier bei der Armee und dort für kulturelle Arbeit verantwortlich. Wir haben am Nachmittag seine ganze Familie besucht, 2 Cousinen mit Ehegatten, einen Cousin. Wir wurden wie Freunde empfangen. Es wurden uns Schnaps und dicke Bohnen angeboten. Peter Voß und ich mussten die Feijãoada mit kleinen Löffeln gemeinsam von einem Glasteller speisen, Widerspruch wurde nicht geduldet. Damit boten sie uns ihr bestes Geschirr und ihre beste Speise. Erfreut waren sie über die von uns mitgebrachten Bonbons. Zorro erinnerte sich wohlwollend an seine DDR-Zeit und an Bockwurst mit Kartoffelsalat, vermutlich sein Leibgericht. – In der letzten Nacht gab es einen Einbruchsversuch im Haus der Jugoslawen in Lichinga.
  7. Mai 1984. Wir machen Bilanz, aber es gibt Probleme, denn Patrício hat z.T. schlecht durchgeschrieben auf die Journale. Es gab eine Versammlung in der Casa da Reunião neben der Direktion. Der Direktor sprach über wichtige betriebliche Probleme und Abstimmung mit Kooperanten. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  8. Mai 1984. Raposo hat einen Scheck von 15000 MT im Betrieb abgegeben, um 3000 + 4850 MT zu bezahlen. Ob der Scheck gedeckt ist, zweifle ich an. – Die Saldenbilanz stimmt nicht. – Die Versammlung mit Direktor Paulo Zucula über Kooperantenprobleme hat mir sehr gut gefallen. Danach tagten wir noch in der Gruppe der Kooperanten. Abends kam Sr. Benjamin in unser Prédio, da seine Reise nach Sofala und Maputo nicht ordentlich vorbereitet ist. Arbeitszeit 6.30 bis 14.oo h.
  9. Mai 1984. Gestern kamen zwei Guardas (Bewacher) mit nach Lichinga, um die Sicherheit im Prédio zu erhöhen. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  10. Mai 1984. Klaus Einecke muss als Tischler unsere Wohnungen auf mehr Sicherheit präparieren. Er überprüft alle Türen und Fenster und nimmt Reparaturen vor. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  11. Mai 1984. Erstmalig Bilanz im EAU gemacht, ein erster Erfolg, um die Buchhaltung zu einer ansprechenden Qualität zu führen. Alle Arbeiten wurden von Hand ausgeführt. Selbst die Additionsarbeiten großer Zahlenkolonnen wurden im Kopf vorgenommen. Der kleine Taschenrechner war trotzdem eine Hilfe. Es besteht noch eine kleine Differenz von 351 MT. – Versammlung in der Direktion zu wichtigen Problemen. Caminho da disciplina ferro wurde beschlossen (Weg der eisernen Disziplin, verlangte der Direktor). Die Ernteerträge wurden eingeschätzt. Die Sojaerträge sind gut, die Speisebohnen sehr schlecht. Es zeigt sich, dass das von der Bevölkerung gekaufte und getauschte Saatgut wenig Qualität aufweist. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  12. Mai 1984. Sonnabend. Die Wächter haben im Prédio verhindert, dass zwei Latrões (Diebe) mit 55 Liter Diesel davonkamen. Ich führte eine Versammlung in der Buchhaltung durch. Habe fast eine Stunde in portugiesisch meine Meinung zur Arbeit und zur Verantwortung gesagt. Es gab allgemeine Zustimmung seitens der Kollegen. Arbeitszeit 6.30 bis 11.00 h und außerdem 1 Std. in Lichinga gearbeitet.
  13. Mai 1984. Sonntag. Diese Woche hatten wir Bananen, Tomaten und Gurken im Betrieb zu kaufen bekommen. Habe Briefe an Marion, Bräunlichs und Schillings geschrieben. Postkarten an LPG-Verwaltung, Kälberaufzuchtanlage in Kleinprießnitz, Schweinezuchtanlage Frauenprießnitz, an Gunar, Fiedlers, Rotherts, Grossers und Rettkes gesandt. – Ich bin heute umgezogen in Wilfried Meinerts Wohnung. Er ist noch in der DDR. Morgen will der Monteur Roland Richter, der eine Hammermühle aufstellen sollte nach Maputo fliegen. Gestern hatte es nicht mit dem Flug geklappt. Die Teile der Hammermühle sind nicht komplett, weil diese noch unterwegs sind (per Schiff und Zug), also kein Erfolg. Es fehlt auch der Strom und für ein Stromaggregat fehlt der Dieselkraftstoff. Solidarisch halfen wir Kollegen Richter mit Kleidungsstücken usw., damit er ohne größere Probleme seine Zeit hier verbringen konnte. Er war uns eine Hilfe in der Werkstatt. Abends ½ Std. Abrechnung mit Manuel.
  14. Mai 1984. Roland Richter hat den „Sprung“ nach Maputo geschafft. Habe im Betrieb die Buchhaltungsaufgaben verteilt. Raposo weilt heute in Lichinga. Heute mit Finanzbuchhalter Patrício gut zusammen gearbeitet. Habe für Amosse die Lohnsteuertabelle I.R.N. fertiggestellt. Heute lieferten wir den ersten Mais (Korn) aus der neuen Ernte an AGRICOM. Damit ist Aussicht, dass der Hunger bekämpft werden kann. Die Felder sind in verschiedenen Zeitabständen gesät worden, so dass auch die Ernte in Abständen erfolgen kann und somit Verluste vermieden werden. – Es gab fast eine „Versammlung“ in meiner „neuen Wohnung“, alle wollten mit mir Einzug feiern in Willis Wohnung. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  15. Mai 1984. Sr. Raposo blieb in Lichinga. Die Probleme des Transportes für die Leute nach Unango werden immer schlimmer. Es fahren immer weniger LKW, weil Diesel fehlt. Wolfgang Smardz hatte immer Bedenken zur Sicherheit, wenn die Leute 60 km oben auf der Ware sitzend nach Lichinga fuhren, aber nun gibt es fast gar keine Transporte mehr. Viele Leute wollen in unserem LKW mitgenommen werden. Wolfgang entscheidet nach der Dringlichkeit, sofern überhaupt ein Platz frei ist. – AGRICOM hat die Sojalieferungen vom Jahre 1983 immer noch nicht bezahlt. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  16. Mai 1984. Sr. Raposo ist wieder in Lichinga geblieben. Hoffentlich erledigt er die ihm übertragenen Aufgaben und bringt Schecks von AGRICOM und MECANAGRO mit. Wir bereiten die Lohnlisten vor. Auch Buchungen in der Finanzbuchhaltung fortgeführt. Patrício macht das Relatório. Ich gab ihm die Zahlen für die Löhne. Das war im Vormonat falsch gelaufen. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  17. Mai 1984. Heute früh war Raposo in der Buchhaltung anwesend. Er hat so gut wie nichts in Lichanga erledigt in den letzten Tagen. Er ist auch im Betrieb nicht ein einziges mal interessiert und konzentriert bei der Arbeit. Ein neuer Kollege soll in die Buchhaltung kommen. Er erhielt in Maputo eine dreijährige Ausbildung. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  18. Mai 1984. Die Lohnlisten sind fertig. Diesmal haben wir zwei Spalten für Desconto (Abzugs-spalten) verwendet. 124 Personen essen in unserer „Feldküche“ und zahlen 226 MT pro Monat für das Essen. Es gibt zweimal am Tage fast nur Maisbrei mit Wasser zubereitet, nur selten Bohnen. Für den Essenabzug haben wir eine Abzugsspalte eingerichtet, so dass Kontrolle und Abstimmung leichter fallen. Ich war in Lichinga auf der Bank, weil die Investitionskonten (Darlehen) geschlossen wurden, nach Anweisung von Maputo. Der neue Kollege für die Buchhaltung fuhr mit mir nach Unango. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, 1 Std. Bankarbeit.
  19. Mai 1984. Sonnabend. Die Lohnabrechnung stimmte nicht, Amosse hatte eine Lohnliste vergessen einzurechnen. Sr. Amosse hat aber immer einen guten Willen und viel Einsatz. Er ist von der Buchhaltung am ärmlichsten gekleidet, aber immer sauber. Seine Sandalen sind aus alten Traktorenreifen gefertigt. Oft friert er in seiner leichten Kleidung. Er hat nie eine persönliche Bitte und ist sehr diszipliniert. Viele Leute müssen gänzlich barfuss laufen oder haben nur Schuhe an, wenn sie nach Lichinga fahren. Oft sind diese geliehen. Häufig haben Mann und Frau nur ein Paar Schuhe zusammen. – Heute viele Gurken und Berinjela (Auberginen = Eierfrüchte) im Jardin da Empresa (Garten des Betriebes) geerntet. Auch herrliche Schoten wurden gepflückt. Arbeitszeit 6.30 bis 12.00 h. Abends Doppelkopf in unserer Wohnung gespielt.
  20. Mai 1984. Sonntag. Gurken präpariert für die nächsten Tage. – Rochide und Quida aus dem Betrieb waren hier kurz zu Besuch bei mir. Die Fußballer des Betriebes spielen nachmittags im Stadion Lichinga. – Dieter Obendorfer von der Aufbauleitung und Michael Hentschel von der UDA aus Maputo sind heute hier angekommen. Dieter Obendorfer wohnt bei mir. Von Wilfried Meinert hat auch er noch keine Nachricht. Habe drei Briefe erhalten, von Marion 18.05., von den Eltern gar erst vom 20.05.84. Somit hat dieser Brief von Ronneburg bis Lichinga nur 7 Tage gebraucht.
  21. Mai 1984. Gegen 17.00 Uhr stand Wilfried Meinert plötzlich in der Tür und keiner hatte ihn vorgemeldet. Mit der LAM (Fluggesellschaft: Linhas de Moçambique) kam er über Kopenhagen, Paris, Maputo. In Maputo hatte er nur ½ Std. Aufenthalt. Das gab es noch nie. Abends hielten wir Parteiversammlung. Dieter und Micha haben einen ausgegeben und mit Willi und Dieter ging es dann bis nach Mitternacht. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und abends 1 Std. Abrechnung mit Manuel.
  22. Mai 1984. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und abends 1 Std. Abrechnung.
  23. Mai 1984. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und abends 1,5 Std. Abrechnungsarbeiten.
  24. Mai 1984. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und 1 Std. Abrechnung in Lichinga.
  25. Juni 1984. Heute zum Internationalen Tag des Kindes feiert unsere Tochter Silke ihren 16. Geburtstag. Hier feiern die Kinder diesen Tag mit Spielen und werden mit Luftballons und verschiede-nen kleinen Gaben erfreut. Die Lehrer Karla Pohl und Renate Schulze beziehen auch andere Frauen mit ein. – Wir müssen die Maissäcke alle hier im Betrieb stapeln, weil für den sofortigen Transport nach Lichinga kein Diesel da ist. Dort wird er aber dringend gebraucht. Viele Leute wollen Mais kaufen, aber wir sind nur der Produzent und nicht der Comércio (Verkaufsstelle).
  26. Juni 1984. Sonnabend. Zum ersten Mal selbständig gekocht für Sonntag zu Mittag. Bisher hat Monika Smardz für mich mit gekocht. Jetzt muss ich mit Wilfried haushalten. Es gibt Braten vom Rind. Wegen der Ernte arbeiten wir länger als sonst üblich an Sonnabenden. Ich war bei der Mähdrescherbrigade auf dem Feld. es waren gerade zwei kaputt. Ich war auch auf dem Schlag 12, wo bestes Gemüse angebaut wird. Es gibt auch eine Beregnungsanlage. Verabschiedung von Familie Wriedt, die in Urlaub in die DDR fährt. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends ½ Std. Abrechnung mit Manuel, der wieder Gemüse als fliegender Händler in der Bevölkerung verkaufte.
  27. Juni 1984. Sonntag. Wilfried Meinert und Klaus Pohl waren auch heute in Unango arbeiten, denn die Ernte hat Vorrang. Es ist auch Diesel mit einem Zug angekommen, aber die Zuteilungen sind sehr gering. Familie Wriedt flog heute nach Maputo. 1 Std. Abrechnung mit Manuel. Abends Doppelkopf bei Klaus Pohl gespielt.
  28. Juni 1984. Sr. Raposo ist nicht da, es soll als Fehlschicht registriert werden, sagt der Direktor. Nur wer berechtigt fehlt, kann am Monatsende eine Bezugskarte für Lebensmittel und Waren erhalten. – Mit dem Direktor Sr. Paulo Francisco Zucula über Planung und Abrechnung, Zuordnung der Löhne, Kreditierung, Investitionskonten usw. gesprochen. Habe einen Scheck über 800 CMT für Casa Pires übergeben, da wir von dort Möbel und Ausstattungsgegenstände für unseren Betriebsladen kaufen konnten. Wilfried Meinert fuhr erstmalig mit dem neuen Tankwagen nach Unango. Er fasst 12.000 Liter, aber er transportierte nur 7000 Liter. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, abends Abrechnung mit Manuel ½ Std.
  29. Juni 1984. Heute war ich mit dem Direktor P. F. Zucula in der Finanzdirektion der Provinzregie-rung, in der BPD (Banco Popular de Desenvolvimento) und der BM (Banco de Moçambique). Wir haben Probleme der Finanzierung und des Geldflusses sowie der Investitionen besprochen. Auch die Errichtung eines Ladens in Lichinga wurde debattiert. Es muss ein Loja-Konto bei der BM eingerichtet werden, so lauten die Vorschriften. Wir stellen Antrag auf Regulierung der Finanzen durch die Direcção Finanças (Finanzdirektion). Probleme sollen so geregelt werden, dass Klarheit herrscht in der Abgren-zung von Investitionen, Kosten der aktuellen und vergangenen Kampagne sowie der zukünftigen Kampagne. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und 1 Std. Abrechnung mit Manuel.
  30. Juni 1984. Aufgaben zur Erarbeitung einer Analyse an Raposo und Patrício erteilt. Habe Fehler in der Erfassung von Kosten aufgedeckt. Besonders bei Düngemitteln große Kostenüberschreitungen. (Aber dafür wurden auch überplanmäßige Erträge bei den meisten Feldkulturen erreicht). Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und 2 Std. Abrechnung Gemüse in Lichinga. Abends Doppelkopf bei uns gespielt. Es geht auch bei Kerzenlicht.
  31. Juni 1984. Habe Versammlung in der Buchhaltung unter Leitung des Direktors angesetzt. Zuerst habe ich über die Arbeit und Aufgaben der Buchhaltung referiert. Es stehen viele neue Aufgaben an. Manche kosten sind nicht geplant. Auch vom Kampagne-Konto wurden finanzielle Mittel für Investitio-nen entnommen. Die notwendige Regulierung ist z.Z. nicht möglich, weil die Investitionskonten von Maputo gesperrt wurden. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  32. Juni 1984. Habe die Zahlen für die Abgrenzung von Kampagnekosten und Investitionen erarbeitet. Materialbuchhalter Gabriel Sonjo angeleitet. Er hat eine gute Auffassungsgabe und ist sehr diszipliniert. Es wirkt sich positiv aus, dass er zu einer Ausbildung in Kuba war. Seine kleinen Hilfen in der Sprache verbessern mein portugiesisch. Die Familie Sonjo kommt vom Niassasee, wo auch sein Vater wohnt. Ein Bruder befindet sich zur Ausbildung in der DDR (Erfurt). – Habe Albino den Auftrag erteilt, die Gebäude des Betriebes zu erfassen und zu dokumentieren. Dazu gehören Verwaltungs- und Wirtschafts-gebäude und Wohngebäude. Die meisten sind in traditioneller Bauweise aus Derbstangen und Lehm sowie Elefantengras für Dacheindeckung entstanden. Das ist ein Teil der Grundmittelbuchhaltung. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  33. Juni 1984. Sonnabend. Mit Director Paulo F. Zucula Dienstwege in Lichinga vorgesehen. Zur Finanzdirektion brauchten wir nicht, das ging telefonisch zu erledigen. (Die Provinzhauptstadt Lichinga hat tatsächlich ein kleines Telefonnetz, so hat auch Paulo einen Apparat in seinem Hause). Bei der Bank haben wir die Aussicht auf Regulierung der Kreditkonten zwischen Kampagne und Investitionen. Wir sollen dazu eine Nota (Anweisung) für die Umbuchung schreiben und eine schriftliche Begründung zu den Abweichungen zum Plan der Kampagne verfassen. Bis zum 15. dieses Monats können die Investitionskredite reguliert werden. Arbeitszeit 6.30 bis 11 h und abends Abrechnung mit Manuel 1 Std.
  34. Juni 1984. Pfingstsonntag = Pentecosta. Wir machten als gesamtes Kollektiv eine Pfingsttour auf den Matamaberg. Wie ein rund abgestumpfter Kegel erscheint uns sonst der Matamaberg. Regen, Nebel und somit keine Sicht – das war am Vormittag unser Befinden. Am Stausee von Matama liefen wir an einer Apfelplantage vorbei, die allerdings keinen gepflegten Eindruck machte. Hier war ursprünglich eine Bewässerung vorgesehen. Äpfel sind in Moçambique eine Seltenheit. Der Matamabaragem (Matamastausee) ist geeignet zum Baden. Sein Wasser dient aber vorwiegend dem Agrarbetrieb Matama zur Beregnung und Bewässerung. Im Agrarbetrieb Matama wirken chinesische Kooperanten als Entwicklungshelfer. Sie sprechen kein portugiesisch sondern sind auf Dolmetscher angewiesen, was die Verständigung erschwert. – Unsere Wanderung ist trotz Nebel lustig und macht vor allem den Kindern viel Spaß. Auf dem Matamaberg steht eine Kirche, die für jeden Besucher zugänglich ist. Mit gemischten Gefühlen nehmen wir wahr, dass im Inneren der Kirche die Wände und die Decke großflächig übersät sind mit Käfern, die den Marienkäfern ähneln. Offensichtlich benötigen diese Käfer eine schattige kühle Umgebung und laben sich an den kalkhaltigen Farben. Wir fertigen zum Spaß der Kinder ein kleines Schriftstück an, das wir in einer Flasche „versiegeln“ und auf dem Matamaberg unter einem Baum versteckt ablegen. Vielleicht findet eines Tages jemand diese Flasche und erhält somit Kenntnis von unserer Gruppe, die hier weilte. Auf dem Rückweg lichtet sich der Nebel zusehends und der Nachmittag wird zum schönsten Sonnentag.
  35. Juni 1984. Pfingstmontag. Wir haben normal gearbeitet. Viele Leute wollen in Unango Mais kaufen. Menschen aus Lichinga, die in Unango etwas zu erledigen haben, kommen in unseren Betrieb, um sich Essen für die Familie zu besorgen. – Für das Schreiben an die Bank habe ich die Zahlen vorbereitet. Es findet eine Versammlung in der Direktion statt, in der der Direktor die Probleme der Richtigstellung der Kredite und den Plan-Ist-Vergleich bespricht. Der Kauf und die Eröffnung des Betriebsladens in Lichinga werden besprochen. Das Loja-Konto bei der BM soll eröffnet werden. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, Abrechnung mit Manuel ½ Std.
  36. Juni 1984. Heute ist Tag des Lehrers, wozu die Lehrerinnen Karla Pohl und Renate Schulze besonders von ihren Schulkindern geehrt werden. Das erforderliche Schreiben an die Bank mit Patrício verfasst, um die Umbuchungsbeträge zwischen Kampagne und Investitionen zu transferieren. Den Lohnbeleg mit Sr. David, dem neuen Mitarbeiter, angefertigt. Raposo ist zum zweiten Male in Unango vor dem Tribunal (Gericht) mit Macoa. Raposo ist vermutlich als Zeuge geladen. Celestino ist wieder auf Arbeit nach seiner Strafverbüßung. Er muss jetzt auf dem Feld arbeiten. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  37. Juni 1984. Ich bin mit Monika Smardz und Paulo F. Zucula in Lichinga geblieben, um wichtige Dienstaufgaben zu erfüllen. Wir waren auf dem Flugplatz und auf vielen Dienststellen. Die vorgesehenen und erforderlichen Bankgeschäfte konnten wir nicht erledigen. – Heute kam ein Teil unserer Versinalieferung für Mai, Juni und Juli. Im Kooperantenladen gab es Öl zu kaufen. – Vasco Chichava kaufte für den Betrieb 200 Decken, ein Segen für die Menschen. – Die indischen Monteure (arbeiten für den AHB Fortschritt in der DDR) sind wieder abgereist. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, mit Manuel ½ Std. abgerechnet.
  38. Juni 1984. Ich musste wieder in Lichinga bleiben und war mit Paulo F. Zucula im Casa Pires zum Kauf von Artikeln für die Loja (Laden) und den Betrieb. Die Frau aus dem Geschäft Casa Pires ist eine Schwester von Paulos Frau (beides Portugiesinnen). Casa Pires war ehemals ein Laden in Lichinga, der jetzt aufgelöst wird. Habe Kontakt mit Dona Elisa, der ehemaligen ersten Mitarbeiterin hergestellt, die von der Organisation eines Ladengeschäftes Ahnung hat und uns bei der Abrechnung unserer Loja helfen wird. Casa Pires beendet seine Geschäftstätigkeit in Moçambique. Vor dem Anwesen Casa Pires kann man ein ansehnliches Bäumchen „Weihnachtsstern“ bewundern, den wir zu Hause höchstens als Blumentopf kennen. – Nachmittags war ich erneut bei der Finanzdirektion. Anschließend Kasse kontiert. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, später 2 Std. Kasse kontiert und 1 Std. Abrechnung mit Manuel.
  39. Juni 1984. Wieder im Betrieb in Unango. Mein Fehlen in der Buchhaltung an den letzten zwei Tagen machte sich nachteilig bemerkbar. Habe Vorschläge gemacht zur Verteilung von Textilien und Decken. Etwa 80 % aller Beschäftigten erhalten so die Möglichkeit zum Kauf. Kassenkontrolle : Probleme mit Albino Alvez Fernandez – „falta Cabeça“, ihm fehlt mehr als der Kopf, denn er kann sich nichts merken. Vorbereitung der Lohnlisten, vor allem mit Amosse besprochen. Am 25. Juni ist hier Feiertag [Tag der nationalen Unabhängigkeit], so dass die Lohnzahlung vorher erforderlich wird (21. bis 23.06.). Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h, später eine Std. Kasse gerechnet.
  40. Juni 1984. Sonnabend. Der „Tag des Genossenschaftsbauern“ in der DDR veranlasst uns auch hier zu einer Feier, denn die meisten Spezialisten aus der DDR sind Mitglieder in LPG. Wir verabschieden Familie Pohl in den Urlaub. Paulo F. Zucula war auch mit seiner Frau anwesend. Es war sehr nett und lustig. Wilfried machte viel Spaß und Unterhaltung. Arbeitszeit 6.30 bis 11.00 h.
  41. Juni 1984. Sonntag. Wir haben Familie Pohl mit den beiden Kindern auf dem Flugplatz Lichinga verabschiedet. Wenn alles gut geht, treffen wir uns in 7 Wochen (am 03.08.) in Berlin zum gemeinsamen Rückflug nach Moçambique. Heute Karten gespielt bei Familie Einecke.
  42. Juni 1984. Die Lohnrechnung muss schnell zum Abschluß kommen, da vor dem 25.06. gezahlt werden muss. Da Amosse und Eduardo fehlen, müssen alle Buchhalter mithelfen, die Lohnlisten vorzubereiten. Auch Raposo arbeitet intensiv mit. Er kann, wenn er will. Große Probleme mit Empréstimos (Vorschüsse) und Descontos (Abzügen). Viele Mitarbeiter haben kein Geld und möchten Vorschuss für den Kauf von Textilien und Decken, die sie sich nicht entgehen lassen wollen, denn der Bedarf in den Familien ist äußerst groß. Habe heute etwa 35 kg Kartoffeln kaufen können, endlich. Heute feiert meine jüngste Schwester Renate Neils in der DDR ihren 40. Geburtstag und ich erinnere mich an sie in mehr als 10.000 km Entfernung von ihr. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und ½ Std. Abrechnung mit Manuel unserem Gemüseverkäufer.
  43. Juni 1984. Ich war bei der Bank wegen der Lohnzahlung, aber es gibt Schwierigkeiten mit dem Lohn für die Construção (Bauabteilung), weil die Investitionskonten geschlossen wurden. Heute sind nur 11°C. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  44. Juni 1984. Lohnlisten abgeschlossen. Bei 132 Personen sind Abzüge vorzunehmen für Essen und Unterkunft in den Baracken. Diese Leute sind in ganz einfachen Baracken hinter der Buchhaltung untergebracht. Sie haben nur eine sehr ärmliche Ausstattung und sind nur sehr dürftig gekleidet. Fast alle stammen aus der „Aktion Inproductivos“, in der schon vor Monaten arbeitslose Bettler, Kriminelle, Prostituierte usw. zwangsweise in Produktionsbetriebe verpflichtet wurden, um die betriebe mit aufzubauen und sich selbst eine Existenz zu schaffen. Die meisten kommen der Verpflichtung auch nach und haben teilweise auch schon Häuser gebaut oder Betriebshäuser mit bezogen. Es sind auch geschickte Leute wie Maskenschnitzer und Künstler dabei. – Mit Inácio Geld geholt auf der Bank: 1139 CMT. Es hat alles geklappt. Für 600 MT erhielten wir druckfrisches Geld zu 100 MT-Scheinen. Erst gegen 12 Uhr waren wir in Unango. – Überall spricht man vom bevorstehenden Fest am 25.06.

Arbeitszeit 6.30 bis 14 h. Zwei Std. haben wir bei der Bank zugebracht, denn das Geldzählen sollte man nicht unterlassen.

  1. Juni 1984. Heute begann die Geldauszahlung. Mehrere Buchhalter erhalten je eine Auszahlungsliste und das dazu erforderliche Geld. An den verschiedenen Fensterläden (Schalter) wird gezahlt. Nach der Zahlung muss die Liste mit dem Geld abgerechnet werden. Leider haben wir keine Lohntüten, es wird vom Stapel gezahlt. Sehr gewissenhaft sind Sonjo und Amosse, aber auch Inácio gibt sich immer mehr Mühe. Manche Leute können nicht schreiben. Einige können auch nicht portugiesisch sprechen. Sie reden hier Njanja und Ajauer – einheimische Sprachen, die vor allem in der Nähe des Njassasees gesprochen werden. Sie bringen dann meist einen Übersetzer mit, wenn etwas geklärt werden muss. Ich stelle fest, dass die Leute vorrangig zu mir kommen, da sie vermutlich wissen, dass ich ihnen ihre Rechte nicht beschneide sondern für Gerechtigkeit und Ordnung sorge. – Der Deckenverkauf und der Stoffverkauf in der Loja neben der Buchhaltungshütte sind in vollem Gange. Jeder freut sich über die Einkäufe. Auch Zuckerverkauf ist angeordnet worden. Es ist brauner, sehr feuchter Melassezucker, der aus Zuckerrohr in Moçambique hergestellt wurde und auf den Cartão verteilt wird. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h. Heute sind nur 13°C.
  2. Juni 1984. Geldauszahlung fortgesetzt. Ich will erreichen, dass zum Festtag möglichst alle Beschäftigte ihren Lohn zur Verfügung haben und sich ihre zustehenden Waren kaufen können. Wir haben 2 Rinder geschlachtet. Von 1 Rind sind viele Teile untauglich. Eine veterinärhygienische Untersuchung wie in Europa ist hier nicht möglich. Die geschlachteten Rinder waren tbc-krank. – Raposo ist erneut beim Tribunal. Fast jeden Tag essen die Leute Zuckerrohr. Es ist meist das Frühstück. Auch geröstete Maiskörner werden als mata-bicho (kleine Mahlzeit = Frühstück) gegessen.

Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h und abends 1 Std. Abrechnung mit Manuel.

  1. Juni 1984. Sonnabend. Die Geldauszahlung wird fortgesetzt. An über 500 Personen muss das Geld gezahlt werden. Weiterer Verkauf von Fleisch. Zwei Rinder haben nicht gereicht, so dass noch mal geschlachtet wurde. Auch jedes Bein und die Därme werden gekocht und vor allem mit dicken Bohnen gegessen.

Wir waren zum Fest in der Stadt: Wilfried, Peter und ich. Der Eintritt für einen Vierertisch betrug 2000 MT, dafür wurden das Essen (250 MT) und 1 Flasche Brandy (1000 MT) serviert. Die Kubaner holten zu Hause guten kubanischen Rum. – Heute erhielt ich die Post meiner Schwester Edeltraud Petzold aus Odessa, geschrieben am 04.05.1984. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.

  1. Juni 1984. Sonntag. Heute am Vortag des Feiertages haben wir gearbeitet, da uns sonst zu viel Arbeitszeit verloren geht. Die betrieblichen Abläufe verlangen Kontinuität. Wir mussten noch ein Rind schlachten, damit alle etwas Fleisch zum Festtag haben. Die Verteilung haben wir als Kooperanten zusammen mit Moçambiquern vorgenommen. Es gab vorher wohl niemals so viel Gerechtigkeit bei der Verteilung. Die meisten Moçambiquer möchten, dass wir die Verteilung vornehmen, weil sie wissen, dass wir Gerechtigkeit üben. Arbeitszeit 6.30 bis 12.00 h und 1 Std. Abrechnung mit Manuel. Abends Karten gespielt in unserer Wohnung. Die Musikkassetten von zu Hause, die ich bespielen ließ waren völlig untauglich. Sie sind mangelhaft bespielt.
  2. Juni 1984. Montag. Heute zum großen Feiertag spät aufgestanden. Es gab nach langer Zeit wieder einmal ein Frühstücksei. Edelgard Einecke hat uns eine Pfirsichtorte gebacken. Wir haben uns ein sehr gutes Mittagessen zubereitet. Um bouco descansado. [Ein wenig Ruhe war nötig.]

Die Menschen feiern selbstbewusst den Tag der Unabhängigkeit ihres Landes

  1. Juni 1984. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  2. Juni 1984. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  3. Juni 1984. Der Mähdrescherkomplex fertigt seine Nahrung in einer Art „Feldküche“ draußen selbst an. Der Betrieb liefert Maismehl und Bohnen sowie Salz und einige andere Zutaten, sofern vorhanden. Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  4. Juni 1984. Wir waren bei Familie Einecke zu Besuch. Stephan Einecke hatte seinen 10. Geburts-tag. Ich dachte auch an meine älteste Schwester Edeltraud Petzold in Gera, die heute ihren 47. Geburts-tag feierte. – Arbeitszeit 6.30 bis 14.00 h.
  5. Juni 1984. Sonnabend. Nachts waren 13°C. Seit Mai haben wir Trockenzeit und die Ernte läuft ununterbrochen. Heute ist mein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub. Wir hatten eine Versammlung unter den Kooperanten unter Leitung von Wolfgang Smardz. Anschließend gab es eine Versammlung der Buchhaltung, in der ich die Aufgaben und die Verantwortung der einzelnen Sektoren erläuterte für die Zeit meines Urlaubs. Auch die Ergebnisse der Beratung beim Governador (Gouverneur = Minister-präsident der Provinz Niassa) ausgewertet. Unser Agrarbetrieb in Unango hat einen guten Namen in der Governo. 50 % der Ernte sind schon realisiert und der Ertrag beträgt 4,8 t/ha, das ist hervorragend. Abends Abschiedsfeier in meiner Wohnung. Auch Manfred Lindners Geburtstag haben wir zugleich gefeiert.
  6. Juli 1984. Sonntag. Wilfried Meinert und Klaus Einecke waren in Unango zum Sonntagsdienst. Es wurden weitere Vorbereitungen zur Eröffnung des Ladens getroffen.
  7. Juli 1984. Heute ist für mich Abreisetag nach Maputo. Monika Smardz fliegt mit mir nach Maputo, um ihre Tochter Kerstin abzuholen, die zu Besuch aus der DDR kommt. Eine Maschine ist ausgefallen. Die Sonntagspassagiere fliegen erst heute, aber Paulo F. Zucula organisierte für uns auch ein o.k. Auch Familie Schulze und Familie Scharfenstein flogen mit nach Maputo. Günter Krüger holt uns vom Flugplatz ab. Monika und ich wohnen in Herolds Wohnung und brauchen nicht ins Hotel. Kerstin Smardz kommt erst am Montag den 09.07. mit der LAM über Paris nach Maputo. Ich habe den Scheck für mein Ticket in Lichinga vergessen, sehr ärgerlich.
  8. Juli 1984. Monika und ich waren mit Anne Schmidt im Interfranca einkaufen. Auch die Lieferungen für unser Kollektiv müssen organisiert werden. So kauften wir ein für die Augustlieferung. Das Kaufhaus Interfranca macht jetzt einen guten Eindruck und hat ein relativ gutes Angebot. Wir kauften auch bei Versina ein, weil wir ja bis zum Wochenende hier leben müssen. Auf dem Markt haben wir uns auch umgesehen. Dort haben wir Benjamin getroffen und mit ihm über betriebliche Sachen gesprochen. Er erledigt z.Z. Dienstaufträge einschl. Einkäufe für Beregnung in Maputo. Auch mit Sra. Adelaide von der UDA haben wir ein Gespräch geführt.
  9. Juli 1984. Auch heute wieder für das Kollektiv in Unango eingekauft. Günter Krüger hat für mich einige Masken gekauft auf dem Maskenmarkt an der Universität. Auf dem Markt bieten die Inder sehr teuere Holzsachen an. Die Aufbauleitung gab uns den Lohn für Juli. 44000 MT nahmen wir davon für mein Ticket, denn der vergessene Scheck macht mir nervlich fürchterlich zu schaffen.
  10. Juli 1984. Wieder Aufgaben für das Kollektiv gelöst im Interfranca, in der Aufbauleitung und in der UDA. Ich war mit Benjamin für den Betrieb einkaufen. Er ist sehr ehrgeizig und will seine Pflichten erfüllen. Er sucht immer die besten Entscheidungen für den Betrieb. Benjamin braucht nähere Informationen über das Beregnungssystem, welches er kaufen soll. Sein Scheck reicht nicht für diesen Einkauf. Jetzt wohnt Familie Herz noch mit in unserer Wohnung, so dass ich im Kinderzimmer bei Krügers übernachten muss.
  11. Juli 1984. Erneut im Interfranca gewesen und für das Kollektiv Unango eingekauft. Ich kaufte mir eine japanische digitale Armbanduhr, etwas besonderes. Eduardos Schwager (24) wurde von Banditos umgebracht, heute ist die Bestattung. – Nachmittag letzter Treff mit Benjamin. Wir verabschieden uns an der Bucht nahe der Fähre. Mischa brachte mein Flugticket – zum Glück! Nachts kam Mischa von der Interflugmaschine.
  12. Juli 1984. Sonnabend. Heute ist Heimflugtag – ein erhebendes Gefühl nach einem halben Jahr nach Hause zu fliegen. 7.00 Uhr gehe ich nochmals auf den Maskenmarkt, wo auch Frauen schöne Handarbeiten anbieten, aber vor allem für Babys. Erst kurz nach 11.00 Uhr hebt die Maschine ab. Wir fliegen zunächst nach Lagos in Nigeria und von dort nach Berlin-Schönefeld.
  13. Juli 1984. Mein Vater feiert seinen 73. Geburtstag und hat viele Gäste zu begrüßen. Die Gespräche über Moçambique reißen nicht ab.
  14. Juli 1984. Meine Eltern, Hildegard und Walter Grunewald, feiern ihre „Goldene Hochzeit“ in Ronneburg im Hotel „Glück auf!“ Als Gäste sind ihre acht Kinder mit Ehegatten, 19 Enkel z.T. auch mit Ehegatten und zahlreiche Urenkel erschienen. Auch Geschwister, Nichten und Neffen sowie weitere Verwandte des Jubelpaares sind gekommen zur großen Festtagstafel, an der 62 Gäste Platz genommen haben. Es war ein großes Familienfest für das Jubelpaar, das sich offensichtlich gesundheitlich noch sehr wohl fühlt und noch rege Anteil nimmt am Geschehen in der Familie.
  15. Juli bis 01. August 1984. Während meines Urlaubs mache ich viele Besuche bei Verwandten, Freunden und Bekannten sowie in Brigaden der LPG und auch im Lehrlingswohnheim. Viele interessieren sich für unsere Arbeit als Entwicklungshelfer in Moçambique. An Hand von Fotos und Dia-Positiven kann ich unsere Arbeit und unser Leben auf dem afrikanischen Kontinent veranschaulichen.
  16. August 1984. Gegen Mitternacht Abflug von Berlin-Schönefeld. Jürgen Bräuning, Leiter der Landwirtschaft im Kreis Jena, war mit seiner Frau und einer Flasche Sekt zum Abschied erschienen. Friedhelm Hering von der LPG Frauenprießnitz hat mich sehr gut unterstützt in der ganzen Zeit meines Urlaubs und auch verschiedenes finanziert für meine Tätigkeit in Moçambique, z.B. Schreibminen, Kugelschreiber, Büroutensilien, Taschenrechner. Alles Gepäck hat man gewogen, auch mein Handgepäck musste ich drauf legen. 775 Mark musste ich für Übergepäck bezahlen, obwohl die meisten Sachen für das Kollektiv und für das Projekt benötigt werden. Marion begleitete mich zum Zoll und bis zur Passkontrolle, wo wir uns herzlich verabschiedeten. Familie Pohl habe ich auf dem Flugplatz getroffen und wir sind gemeinsam nach Maputo geflogen.
  17. August 1984. Ankunft in Maputo. Wolfgang Smardz holte mich ab vom Flugplatz in Maputo. Mit Peter Voß wohnte ich im Hotel „Moçambicano“ in der Baixa von Maputo. In Pohls Wohnung trafen wir uns. Kurt Hoffmann (Monteur) fuhr uns dorthin. Einige Gläschen mit Familie Smardz zum Abschied genommen. Sie wollten sehr viel wissen über die Heimat, denn sie fuhren jetzt in den Urlaub.
  18. August 1984. Sonnabend. Auf dem Flugplatz Maputo. Viele DDR-Bürger, die in Moçambique tätig sind, fliegen heim, um Urlaub zu machen in der DDR. Familie Smardz fliegt in Begleitung der Tochter Kerstin, die ein paar Wochen in Lichinga weilte. Familie Dr. Fritz Schmidt und Anne fliegen mit ihren beiden Zwillingssöhnen heim, die ebenfalls in Maputo in den Ferien weilten. Auch Schönwalds, Peter Voß, Kurt Hoffmann u.a. fliegen nach Berlin mit der Interflugmaschine. – Danach war ich eine Std. im Interfranca. Anschließend mit Fam. Herold und Pohl am Strand.
  19. August 1984. Sonntag. Der Flug nach Lichinga ist auf Anhieb geglückt. Wilfried Meinert holt uns vom Flugplatz in Lichinga ab. Der LKW kam direkt vom Niassasee, wo alle den Sonntag beim Baden und Erholen verbrachten. Auch einige Besuchskinder sind dabei. Das elektrische Licht kam erst nach 18 Uhr. Wir aßen alle gemeinsam bei Familie Einecke.
  20. August 1984. Ich blieb in Lichinga und erledigte erste Aufgaben nach dem Urlaub in verschiedenen Ämtern und Betrieben und war auf der Bank.
  21. August 1984. Erstmals fahre ich nach dem Urlaub in den Betrieb nach Unango. Die Arbeit fesselt mich wieder. Die Kollegen berichten mir von ihrer Arbeit. Vieles wurde gut fortgesetzt, aber es gab aber auch Probleme.
  22. August 1984. Die Fotos sind für viele das Wichtigste. Jeder möchte ein Foto von sich haben.
  23. August 1984. Ich muss mich um viele Abstimmungsarbeiten in der Buchhaltung kümmern.
  24. August 1984. Die Arbeiten im Betrieb wurden kontinuierlich fortgesetzt. Vor allem die Bauarbeiten unter Leitung von Manfred Lindner lassen den Fortgang erkennen. Es werden immer mehr Leute von den Baracken in Wohnhäuser umquartiert. Wenn auch die Einrichtungsgegenstände oft fehlen, ist es eine Verbesserung der Wohnqualität. Die von der Bauabteilung errichteten Brunnen haben auch in der Trockenzeit genügend Wasser. Nur zum Wäschewaschen muss Wasser auch vom Stausee genutzt werden.
  25. August 1984. Sonntag. Wilfried Meinert feiert heute seinen 36. Geburtstag. Es gibt bei uns eine Kaffeetafel und auch Abendbrot für Familien Einecke und Pohl. So sind wir 10 Personen. Abends ist ein zünftiges Kooperantentreffen in unserer Wohnung – eine richtig große Geburtstagsfeier.
  26. August 1984. Es gibt Probleme mit dem Amt zum Imposto da Loja (Umsatzsteuer). Sr. Raposo konnte eine Klärung erreichen. Wir müssen 1,5 % vom Umsatz an die Governo abführen.

Problem: Encargos financeiros e Juros vencidos, não estão claro! [Die finanziellen Verpflichtungen und die fälligen Zinsen sind nicht geklärt]. Auch die Abschreibungen sind ungeklärt.

Probleme der Abschreibungen der Grundmittel (Gebäude, Maschinen und Anlagen) sind auch ungeklärt.

  1. August 1984. Diese Woche täglich Planungsarbeiten in Lichinga in der Wohnung von Wolfgang Smardz. Oftmals länger gearbeitet. Sr. Cossa zeigt viel Interesse und Verstand. Raposo, Silverio und Martins haben sehr wenig Disziplin.
  2. August 1984. Sonnabend. Planverteidigung in der DPA mit Uwe Wriedt, Cossa, Macor, Raposo. Danach waren wir auf dem Markt und in unserer neuen Loja (Laden). Die anderen DDR-Kollegen waren heute zur Besteigung des Unangoberges unterwegs. Schade, dass ich nicht daran teilnehmen konnte.
  3. August 1984. Sonntag. Ich war zum Kaffeetrinken bei Familie Einecke. Edelgard bäckt häufig Kuchen.
  4. August 1984. Sr. Raposo fehlt wieder und wir haben keine Information. Die Disziplin der Buchhalter ist schlecht. Die Abzugsliste für den Monat Juli hat Mängel (Confução), obwohl ich sie bereits begonnen hatte vor meiner Urlaubsreise. Es werden einfach keine Prinzipien beachtet bei der Eintragung der Vorschüsse und des Essengeldes. Das ist alles sehr schlecht.
  5. August 1984. Morgens sind 12°C und abends 15°C. Tagsüber waren 25 °C. Wir sind in der kalten Jahreszeit. Es ist hohe Trockenzeit, alles staubig. Sr. Raposo war wieder nicht zur Arbeit im Betrieb erschienen. – Habe Briefe an Marion und meine Eltern geschrieben. Auch Karten an meine Schwiegereltern und an meine Schwester Edith geschrieben.
  6. August 1984. Erneut eine Diskussion über den Plan bei der BPD (Banco Popular de Desenvolvimento).
  7. August 1984. Die Lohngelder von der Bank geholt und an Ort und Stelle mit Raposo gezählt. Wir erhielten viele schlechte 50-MT-Geldscheine. Es gab Differenzen in den Geldpaketen z.B. 500 MT. Danach fuhr ich mit dem Multicar nach Unango, Sr. Raposo begleitete mich. Erst nach 12 Uhr waren wir in Unango. Man ist immer froh, wenn das Geld ohne Probleme im Betrieb angekommen ist. Ich habe auch immer Bedenken, wenn so viel Geld über Nacht in der ungesicherten Buchhaltung lagert. Besser ist es im Blechschrank der Direktion aufgehoben.
  8. August 1984. Die Lohngelder werden genau nach Liste ausgezahlt. Die Buchhalter bemühen sich, korrekt mit den Arbeitern umzugehen, weil ich das verlange. Sie sollen auch die Leute achten, die als Traktoristen arbeiten oder manuelle Arbeiten verrichten. Die Lohngelder sind ihr Anspruch für geleistete Arbeit. – Jeden Tag gibt es Buschfeuer. Heute kommt das Feuer ganz nahe an unsere Machamba (Betrieb) heran. Es mussten Schutzmaßnahmen ergriffen werden.
  9. August 1984. Die Lohngeldauszahlung wird fortgesetzt. Der Lohn kann nicht an einem Tag an mehr als 500 Personen ausgezahlt werden. – Heute war ich auf dem Gemüsefeld. Man kann mit Bewässerung und Beregnung auch in der Trockenzeit gutes Gemüse anbauen. Es zahlt sich aus, dass zwei Baragens (kleine Stauseen) errichtet wurden, die uns ausreichend Wasser für das Gemüse spenden. – Es gab heute eine Versammlung in der Direktion mit allen DDR-Spezialisten und den Responsaveis moçambicano (Verantwortlichen wie Abteilungsleiter und Brigadiers). Danach wurde eine Reunião (Versammlung) mit allen Beschäftigten auf dem Betriebshof abgehalten. – Wilfried Meinert wollte erneut nach Maputo fliegen, aber das Flugzeug flog nicht.
  10. September 1984. Sonnabend. Ich war zu eine Hochzeit von Moçambicanos eingeladen. Die Familie wohnt im ersten Dorf nach der Stadt Lichinga, wenn man in Richtung Unango fährt. Der Noivo (Bräutigam) ist Lehrer und die Noiva (Braut) ist Schülerin in der dortigen Landwirtschaftsschule. Die Braut und der Bräutigam werden getrennt zum Standesamt gefahren. Am Tag zuvor war das Paar bereits in der Kirche getraut worden. Sr. Cossa und seine Frau sind Paten der Braut und kümmerten sich intensiv um die Vorbereitungen. Die Hochzeitstafel stand im Dorf der Braut, wo die Eltern und die große Familie wohnen. Cossa hat auch vom Betrieb Gemüse und andere Waren für die Feier gekauft. Nach dem Standesamt fahren wir in eine Park von Lichinga, um zu fotografieren. Ich habe eine große Serie von Schwarz-weiß-Fotos geschossen (diese habe ich auch dem Paar später zugestellt). Ich fahre mit dem B 1000 zahlreiche Gäste. Auf der Fahrt wird von den zahlreichen Autos ständig gehupt und die Passanten nehmen freundlich Kenntnis von dem Ereignis. In Moçambique sind die meisten Paare nicht offiziell verheiratet. Es sind mehr als 100 Gäste zur Feier, dazu noch viele Schaulustige in Lichinga und draußen auf dem Dorf. Ich sitze nahe dem Brautpaar und habe noch ein Besteck an der Festtafel. Viele nach mir begnügen sich mit einem „Gerät“. Auch die vielen Kinder, die als Schaulustige in Nähe stehen erhalten vom Festmahl. Sie müssen sich im Kreis hinhocken. Zuerst werden die Hände übergossen zum Waschen. Danach werden Töpfe und Schüsseln hingestellt mit Maisbrei und Reis sowie Gemüse. Die Kinder essen mit ihren Fingern, aber es geht sehr anständig und gesittet zu.
  11. September 1984. Sonntag. Die Hochzeit ging weiter in der Agrarschule, wo der Bräutigam zu Hause ist. Ich fuhr wieder den Kleinbus B 1000. Hier trank ich erstmalig selbst gebrannten Schnaps „Catscholima“. Die Gäste tanzen zunächst nach einheimischer Musik. Dabei stehen die Tanzenden im Kreis hintereinander. Manche stehen sich auch gegenüber, aber sie bewegen sich auch innerhalb dieses Kreises, der Partner dann eben rückwärts. Später tanzen die jungen Leute auch nach modernen Schlagern. Dabei gibt es nicht unbedingt Pärchenbetrieb sondern ähnlich der Disco tanzt jeder für sich. Ein Mann spielt den Clown in ganz alter schäbiger Kleidung. Mit einer alten Konservendose mimt er meine Haltung beim Fotografieren nach. Die Kinder haben daran viel Spaß. Es wird auch Fußball gespielt. – Heute habe ich in Lichinga die Gelegenheit, einige schöne Masken zu kaufen.
  12. September 1984. Wilfried Meinert ist endlich mit einer „Antonow“ nach Maputo geflogen. Viele Flugzeuge wurden abgesagt. – Planung in Lichinga. Von der BPD wurde die Trennung von Campanha und Loja angeordnet. Die Kosten und Erlöse mussten getrennt für die landwirtschaftliche Kampagne und den Betriebsladen geplant werden, als wären es zwei verschiedene Unternehmen. Habe eine Trennung vorgenommen.
  13. September 1984. Nochmals Planung in Lichinga mit Sr. Raposo. – Wir müssen Strafe bezahlen an C.F.M. (Caminho Ferro de Moçambique = Eisenbahn von Moçambique) für Container. Der zu zahlende Betrag wurde mit 292.000 MT für Lichinga

und mit             ~    2.504 MT für Nampula angegeben.

Die 92.000 MT wurden angeblich lt. Angaben von Sr. Cossa gestrichen, so dass 200.000 MT für Lichinga verbleiben – eine große Summe. Es ist etwas undurchsichtig, warum das als Strafe (vielleicht Standgeld, Transportgeld, oder ähnlich) bezeichnet wird. – Pohls und Liepes kauften für 972 MT bzw. 970 MT Waren von uns ab, da sie Bedarf haben und bei uns der Vorrat noch zu hoch ist.

  1. September 1984. Vor unserem Wohngebäude „Prédio 24. de Julho“ brennen Nachmittag fünf Hütten ab (Wohngebäude von Moçambicanos). Die Flammen griffen bei den Grasdächern aus Elefantengras sehr schnell um sich. Die persönlichen Sachen und auch Kaninchen sind mit verbrannt. Die Feuerwehr vom Flugplatz gebot Einhalt mit Wasser, das sie im Tank mitbrachten. Die Hütten und Vorratsspeicher sowie Ställe für Kleinvieh sind viel zu dicht aneinander gebaut.
  2. September 1984. Von der staatlichen Leitung wurde angeordnet, dass 125 Moçambicanos 45 Tage lang Traino durchführen. Es geht dabei um Übungen an Waffen und körperliche Ertüchtigung (Kampfgruppen). Das Training übernahmen Antigos Compatentes (alte Kämpfer). Das Training erfolgte häufig mit Holzattrappen, denn sie hatten nicht genügend Gewehre oder MPI. Es erinnerte mich an Spiele unserer Kinder zu Hause. Bei genauer Betrachtung fand man Karabiner, die aus dem Zweiten Weltkrieg stammten. Sie hatten gewiss keine Treffsicherheit mehr. Die Pflege ließ auch zu wünschen übrig.
  3. September 1984. Heute ist Tag da Victória (Tag des Sieges) und eigentlich Feiertag, aber wir arbeiten trotzdem, denn manches drängt auf Erledigung, wenn auch noch Trockenzeit ist. Der Vertrag von Lusaka brachte 1975 das Ende der kolonialen Ära. (1962 hatte sich die FRELIMO gegründet und begann 1964 den militärischen Befreiungskampf vom Norden her in Niassa und Pemba).
  4. September 1984. Sonnabend. Heute ist frei. Habe Kassenunterlagen seit Juli mit nach Hause genommen, um diese zu kontieren. Habe auch nochmals die Kostenzuordnung überprüft. – Ich war bei der Firma Tipografia und habe einen Scheck von 38.200 MT überbracht und somit auch die Telefon-gebühren für Paulo Zucula bezahlt. – Nachmittag war ich mit Familie Wriedt, Wagner und Skibbe am Mini-Cahora-Staudamm in Matama. In diesem Baragem (Stausee) kann man auch baden und sich sonnen. Die Erde ist hier sehr auffallend rot.
  5. September 1984. Sonntag. Ich war bei Klaus und Christine Kunath zum Kaffee eingeladen. Es war ein angenehmer gesprächsreicher Nachmittag. Anschließend waren wir auf dem Flugplatz, aber es kam kein DDR-Kooperant.
  6. September 1984. In Massangulu an der Eisenbahnstrecke zwischen Nampula und Lichinga, etwa 70 km von hier, sollen 40 Banditos armados (bewaffnete RENAMO-Leute) wirksam sein. Man hört jetzt immer wieder mal Gerüchte dieser Art.
  7. September 1984. Wegen DK-Mangel müssen wir in Lichinga bleiben. Der wenige Dieselkraftstoff, über den PETROMOC verfügt, verbleibt für das Notstromaggregat des Krankenhauses und der Governo (Regierung der Provinz). – Wir planen weiter. Auch die Kasse muss weiter kontiert werden. – Die Liste zur Verteilung der Mantas (Decken) muss fertiggestellt werden, denn die Leute warten dringend auf den Verkauf. Nachts ist es relativ kalt. Am Morgen versuchen die Menschen sich erst einmal an der Sonne zu erwärmen. Sie zittern regelrecht vor Kälte, die wir gar nicht so stark empfinden. Es wurden 300 Decken vom Roten Kreuz geliefert, die für einen geringen Preis von 100 MT je Stück verkauft werden. Es soll dabei auch ein wenig der Familienbedarf beachtet werden, was jedoch schwierig zu beurteilen ist.
  8. September 1984. Seit heute gibt es keinen Strom mehr von der Electricidade (Staatlicher Betrieb für Stromerzeugung – per Dieselaggregat). Lichinga hat keine Lieferungen von Dieselkraftstoff erhalten. Auch unser DK-Bestand ist inzwischen so gering, dass wir in den nächsten Tagen nur noch abends einige Stunden das Dieselaggregat betreiben können, damit die Kühlschränke nicht abtauen und das Wasser in die Wohnungen gepumpt wird. Waschmaschinen und Herde können nur teilweise betrieben werden, so dass wir einen Einsatzplan festlegen. Abends und morgens müssen wir mit Kerzen und Taschenlampen auskommen.

Monika Smardz notierte ab 13.09.1984 ebenfalls wichtige Ereignisse, die ab hier als Ergänzung unter M.S. jedes Mal angefügt werden.

M.S.: Monika und Wolfgang Smardz fliegen von Berlin-Schönefeld nach Maputo. Flug verzögert sich, daher längeres Warten im Transitraum in Schönefeld. Erich Honecker kommt von einer Äthiopien-Reise zurück. 15.30 Uhr in Maputo, Flug war normal. M. und W. Smardz wohnen bei Krügers in Maputo. In Maputo gibt es drei Tage keinen Strom, weil Banditen einen Mast gesprengt haben.

  1. September 1984. Wir erfuhren, dass durch Einwirkung von Konterrevolutionären drei Tanks DK verbrannt sind auf dem Eisenbahntransport hierher nach Lichinga. – Wir wollten Sonnabend (morgen) nach Unango in den Betrieb fahren, aber Direktor P. F. Zucula blies alles ab wegen Sicherheit. P. Zucula kam am Mittwoch nach über fünf Wochen von Maputo zurück. Paulo will ab Montag wieder normal arbeiten und DK besorgen. – Wir haben die Planung abgeschlossen. Paulo hat alles gesichtet und hielt viele Tabellen für zwecklos. Wir haben aber als Kooperanten nicht das Recht die Planungs-unterlagen zu kritisieren, denn Einmischung geht nicht.
  2. September 1984. Sonnabend. Kasse kontiert bis Mittag. Seit gestern Abend haben wir eine Notversorgung mit Licht. Das Notstromaggregat ist jetzt genau geplant. Mit dem kleinen VK-Aggregat pumpen wir ca. ½ Std. pro Tag das Wasser in das Prédio. Edelgard Einecke entwickelt sich zum Maschinisten, eine außergewöhnliche Tätigkeit für eine Zahnärztin.
  3. September 1984. Sonntag. Das erhoffte Flugzeug mit Wolfgang Smardz, Peter Voß und Wilfried Meinert kam leider nicht aus Maputo. Mehrere Kooperanten haben einen ausgedehnten Spaziergang in das Tal bei der Firma MECANAGRO unternommen. Unterwegs kamen wir in den Bairo (Stadtviertel) von Abel Lucas, der in der Agrarverwaltung der Provinzregierung arbeitet. Er betreibt zu Hause eine individuelle Viehwirtschaft und produktive Gartenflächen. Die Schweine, Ziegen, Schafe, Geflügel und Kaninchen weisen eine gute Pflege und tadellosen Futterzustand auf. Die Beete sind sehr gut gepflegt und tragen trotz Trockenzeit gute Gemüsebestände, weil Abel, seine Frau und die Kinder Wasser heran schleppen aus den entferntesten Tümpeln und Quellen. Der Kohl entspricht unserem Markstammkohl. Man isst die Blätter und in der Mitte bleibt die Rispe zur Samengewinnung stehen, denn es gibt kaum Saatgut zu kaufen. Familie Lucas hat sehr gute Zwiebelbestände und Gartensalat. Würden noch mehr Familien nach diesem Beispiel verfahren, könnten der Hunger und die Unterernährung weiter verringert werden. – Paulo F. Zucula will nach Wochen am Montag erstmals wieder mit uns nach Unango in den Betrieb fahren.
  4. September 1984. Heute wieder in Unango im Betrieb. Habe versucht, mit Inácio Kassendifferen-zen zu klären, só confução! [nur Konfusion] Belegnummern und eingetragene Nummern im Kassen-buch stimmen nicht überein. 100.000 MT, 500 MT, 960 MT und über 12.000 MT – das sind die erschienenen gravierendsten Fehler. Additionsfehler, Belege falsch eingetragen, usw. Er hat die Kassenarbeit nicht so fortgesetzt, wie ich es ihm lernte. Die Verteilung von 300 Stück Decken wurde abgeschlossen, eine große Hilfe für die Menschen, denn es ist nachts häufig sehr kühl.
  5. September 1984. Am Wochenende wurden 1 Tonne Feijão mantega (trockene Bohnen) und auch einige Kilogramm Soja im Betrieb gestohlen.
  6. September 1984. Es fehlt an Dieselkraftstoff, so können wir nicht nach Unango in den Betrieb fahren. Der Direktor ordnete Arbeit für die dort ansässigen Kollegen an. Vom Ort Unango und den nahen Dörfern muss zu Fuß gegangen werden. LKW können nicht zum Personentransport eingesetzt werden. – Wolfgang und Monika Smardz, Wilfried Meinert und Peter Voß kamen mit dem Flugzeug von Maputo.

M.S.: Flug nach Lichinga war normal. Alle Kollegen waren am Flugplatz Lichinga zur Abholung, da sie wegen Dieselmangel nicht zur Arbeit gefahren waren. Seit 14 Tagen fehlt Diesel und seit einer Woche  gibt es kein Licht vom Elektrizitätsbetrieb in Lichinga. Es erfolgt nur noch Versorgung mit dem Notstromaggregat.

Plan für Stromversorgung wie folgt, da das Dieselaggregat eine begrenzte Kapazität hat:

6 – 8 Uhr Kühlschränke

8-10 Uhr Waschmaschine für 1 Familie

12- 15 Uhr Kühlschränke

15-17 Uhr Brot backen für zwei Familien

18-20 Uhr Licht und Kühlschränke

davon 20 Minuten Wasserpumpe, duschen, abwaschen, Wasserreserve anlegen.

  1. September 1984. Allerhand Probleme in Lichinga bei verschiedenen Dienststellen und Betrieben gelöst.

M.S.: Mit Werkstattwagen erstmals nach dem Urlaub zur Arbeit nach Unango gefahren. Kollegen waren 10 Tage im September nicht im Betrieb. Gemüsefelder fast alles verdorrt, weil nicht beregnet werden konnte.

  1. September 1984. Bis jetzt haben wir noch keinen neuen Kredit für die neue Kampagne (Beginn 01.09.1984) erhalten. Vielleicht können wir den anstehenden Lohn aus dem Investitionskonto bezahlen und später umbuchen. – Feier zum Wiedersehen mit Familie Smardz und Peter Voß, die in der Heimat im Urlaub waren.

M.S.: Wegen Dieselmangel bleiben wir in Lichinga und führen unter Leitung von Wolfgang Smardz eine Arbeitsberatung durch.

  1. September 1984. M.S.: Wir waren in Unango. Zur Vorbereitung des Feiertages (25.09.) zwei Tbc-Kühe geschlachtet und in Portionen verkauft. Auch wir erhielten unseren Anteil.
  2. September 1984. M.S.: In Unango nochmals drei Rinder geschlachtet und auf Cartão de abaste-cimento [Bezugskarte] verteilt. ND, Volkswacht und andere Zeitungen aus der DDR dienten zum Einwickeln des Fleisches für die Arbeiter.
  3. September 1984. Feiertag, Demonstration im Zentrum von Lichinga. Man gedenkt an diesem Tage des Beginns des militärischen Befreiungskampfes, der am 25. September 1964 hier im Norden von Mosambik begann.
  4. September 1984. Wegen DK-Mangel müssen wir in Lichinga bleiben.

M.S.: vom 25. Sept. bis 13. Oktober bleibt Monika Smardz in Lichinga. [Nur an wenigen Tagen fahren einige Kollegen in den Betrieb nach Unango].

  1. September 1984. M.S.: Wolfgang und Monika sind eingeladen in Matama anlässlich des Nationalfeiertages der Chinesen.
  2. Oktober 1984. Wir waren in Unango im Betrieb.
  3. Oktober 1984. Ich war bei der Direcção Finanças in Lichinga (Finanzdirektion der Provinzregierung).
  4. Oktober 1984. Vorbereitung der Ausstellung über die DDR in der F.E.N. in Lichinga, anlässlich des 35. Jahrestages der DDR.
  5. Oktober 1984. Wir hatten die Absicht, nach Unango zu fahren, um Produkte für die Feier am 06.10.84 zu holen, aber aus Gründen der Sicherheit dürfen wir Kooperanten nicht raus fahren. Die Chinesen haben die Zelte in Matama abgebrochen und sind aus Sicherheitsgründen nach Lichinga gezogen. Abschiedsfeier von Wilfried Meinert, der uns nach drei Jahren Arbeit in Moçambique für immer verlässt, fällt zusammen mit der 30. Geburtstagsfeier von Klaus Einecke. Es war eine schöne Feier.
  6. Oktober 1984. Es ist Militär für Unango eingetroffen. Auch ein Waggon Dieselkraftstoff ist mit angekommen, viel zu wenig, um etwas zu lösen.

M.S.: 4.-6.10. Ausstellung zum Jahrestag der DDR in Lichinga mit vorbereitet.

  1. Oktober 1984. Sonnabend. Ein Fest in der F.E.N. (Messe- und Ausstellungsgelände in Lichinga). Die von uns hergerichtete Ausstellung ist gut gelungen. Das Fest mit Auszeichnungen von Arbeitern aus unserem Betrieb Unango war tadellos. Viele Arbeiter erhielten Präsente (Anzüge, Pullover usw.). Essen und Getränke waren wider Erwarten ausreichend. Das Hotel Pousada hat die Aufgabe der Versorgung der vielen Gäste gut gelöst.

M.S.: Es wurden DRR-Anzüge als Auszeichnung für gute Leistungen an mosambikanische Kollegen vergeben.

  1. Oktober 1984. Sonntag. Heute ist der Nationalfeiertag der DDR, den wir nachmittags als Kollektiv bei Familie Skibbe feiern. Wilfried Meinert konnte noch nicht fliegen, denn es kam kein Flugzeug aus Maputo.
  2. Oktober 1984. Heute haben wir nun alle Wilfried Meinert verabschiedet, denn wir fuhren wieder nicht nach Unango. Wilfried hat als erster hier drei Jahre voll erfüllt.
  3. Oktober 1984. Wir fahren endlich wieder nach Unango. Durch antigos Compatentes (alte Kämpfer) wurde die Sicherheit erhöht. Auch drei Waggons Diesel sind eingetroffen, endlich! Unango hat viel „Zuwachs“ bekommen durch die Familien der alten Kämpfer. Viele mussten ihre Hütten für die neuen Familien räumen. Nun gibt es erneut harte Wohnungsprobleme. 30 Familien wohnen hier im Betrieb Unango und 30 Familien sollen an den neuen Standort Unango (Cidade futuro), wo schon neue Häuser für die DDR-Kooperanten gebaut wurden und bald fertig sind.
  4. Oktober 1984. Sonnabend. Heute fuhren wir nicht nach Unango. Ich habe sehr viele geschäftliche Aufgaben bei MECANAGRO, Direcção finanças, DPA und BPD erledigt.

Es ist vorgesehen, dass wir auf unserem täglichen Transport nach Unango ab Bagarila (ein Dorf auf der Hälfte der Strecke) eine Eskorte von Kämpfern erhalten, so wie bereits gestern praktiziert. Die Milícia (Miliz) des Betriebes erfüllt auch allerhand Schutzaufgaben. Sr. Ngliche, Benjamin, Gumende u.a. bewähren sich offensichtlich gut.

M.S.: Nach Wochen kam ein Waggon Diesel per Eisenbahn in Lichinga an.

  1. Oktober 1984. Sonntag. Klaus Pohl und Peter Voß dienstlich nach Nampula verabschiedet. Es war sehr heiß auf dem Flugplatz Lichinga. – Habe wieder einen 25jährigen Moçambiquer getroffen, der vier Jahre in Suhl gearbeitet hat. Er sprach recht gut deutsch.
  2. Oktober 1984. In Unango sind jetzt zwei Gruppen von jeweils 30 Kämpfern aus Macassangiro mit ihren ganzen Familien, allem Hausrat, Hühnern und Enten usw. eingetroffen. Auch in Bagarila sind 40 Familien eingetroffen. Es sind meist Maconde (Volksstamm), die ehemals mit der FRELIMO aus Capo Delgado kamen. Sie sind fest entschlossen, uns und die staatlichen Betriebe, ja die Heimat zu schützen.

M.S.: Seit August fanden ständig Trainingstage für etwa 200 Arbeiter statt, um den Schutz zu sichern. [Selbst Holzattrappen wurden als Trainingsgewehre benutzt.] Durch die fehlenden AK gibt es auch Arbeitsprobleme. Es blieben auch AK einfach zu Hause. Die deutschen Spezialisten werden von Wachkräften begleitet, wenn sie im Betriebsterritorium auf die Felder oder in die Viehwirtschaft fahren. Allein aufs Feld zu fahren ist nicht mehr möglich.

  1. Oktober 1984. In Matama sind Banditen eingefallen. Zwei Arbeiter wurden getötet. Auch 3 oder 4 Banditen wurden getötet. Bei Volker Schulze, der gewöhnlich in Matama arbeitet, und bei den jugoslawischen Genossen gewesen. Volker wusste einiges über Matama.

Auch in Schimbunila gab es Angriffe, so dass auch eine portugiesische Familie nach Lichinga flüchtete. [Wagen und Hausrat der port. Fam. bei Braz da Costa im Hof.]

Die normale Post befindet sich im Schließfach, das auch von den Frauen geleert werden kann. Ich hatte aber Probleme bei der Abholung der eingeschriebenen Post. Paulo muss andere Lösungswege finden, denn man muss warten bis der Gerente de correio (Leiter der Post) endlich erscheint und die Briefe gegen meine Unterschrift herausgibt. Auch beim Verkauf von Postkarten und Briefmarken muss man auf den Leiter warten. Offensichtlich hat kein Postmitarbeiter das Recht, Verkäufe vorzunehmen und das in der Hauptstadt der Provinz, die flächenmäßig größer ist als die DDR.

M.S.: Wir brauchen früh 1 ½ bis 2 Std. Fahrzeit nach Unango, da die Eskorte sehr langsam fährt. Wir sind Nachmittag meist erst 16 bzw. 16.30 Uhr wieder zu Hause in Lichinga. Nachmittags bekommt Wolfgang oftmals Besuch, z. B. Kubaner, Jugoslawen, Paulo Zucula, auch andere Mosambikaner bzw. unsere Kollegen aus der DDR.

  1. Oktober 1984. Wir sind aus Gründen der Sicherheit in Lichinga geblieben und konnten nicht in den Betrieb nach Unango fahren. – Aus der DDR sind drei Monteure eingereist, wovon einer bei mir wohnt.

Im Bataillon, nahe dem Zentrum Lichinga, wurden zwei getötete Banditen der Bevölkerung öffentlich gezeigt. Es gingen relativ viele Bürger dorthin. Ich habe sie mir auch aus gewisser Entfernung angesehen, da ich im Inneren eine gewisse Zurückhaltung empfinde. Ich konnte auch kein Foto davon machen. Offensichtlich will die Armee zeigen, wie es den Anhängern der gegnerischen RENAMO ergeht und auch die Erfolge im Kampf gegen den Gegner dokumentieren. Die Menschen haben offensichtlich wenig Probleme damit, die Toten anzuschauen.  – Es sind drei Waggons mit Dieselkraftstoff eingetroffen. Ich war zweimal bei AVÍCOLA, bei MECANAGRO, BPD und bei der Finanzdirektion, um Probleme zu klären, Schecks zu überbringen usw. Außerdem habe ich Rechnungen in den Hotels Pousada und Residencial bezahlt, die von unserem Betrieb verursacht wurden. Sr. Gabriel Sonjo war mit bei AVÍCOLA und hat mich unterstützt.

M.S.: Weil die Sicherheit nicht gewährleistet ist, waren wir nicht im Betrieb Unango,

  1. Oktober 1984. Zum wiederholten Male übernachteten Kämpfer am Prédio mit ihren von Macassangiro geholten Maisbeständen und Hausrat. Es sind die Lebensgrundlagen der Familien. Dort sollen im Dorf die Schule und erneut Hütten abgebrannt worden sein. – Wir waren heute in Unango. Ein Teil der Kämpfer ist abgerückt nach dem neuen Stadtteil Unango. Die neuen Häuser, die für DDR- Leute mit vorgesehen waren, wurden mit belegt. Die Fertigteilhäuser aus der DDR sollen nicht belegt werden.

M.S.:16 Uhr waren wir wieder in Lichinga.

  1. Oktober 1984. Wieder sind wir in Unango. Kinder der Maconde-Familien stehen oft an meinem Buchhaltungsfenster, denn sie wohnen nur wenige Schritte von hier entfernt. Ich mache sie glücklich mit ein wenig Brot, Bonbons oder Früchten. Die Kinder haben sehr stark verbrauchte Sachen an und frieren an kühlen Tagen. Schon kleine Kinder schleppen ihre jüngeren Geschwister und beaufsichtigen sie.
  2. Oktober 1984. Sonnabend. Diese Nacht war große Aufregung in Unango. Im Nachbarort ca. 7 – 10 km entfernt waren Banditen eingefallen. Sie erbrachen die Loja (Laden), stahlen 11 Ziegen und brannten Wohnhütten ab. Die Kontrollen der Passanten werden nun verstärkt. Es sollen noch 52 bewaffnete Banditen sein, aber mit wenig Munition, so sagt man. Ein Waggon DK ist eingetroffen, viel zu wenig.

M.S.: Bis 13 Uhr waren wir im Betrieb Unango.

  1. Oktober 1984. In einem Dorf wurden zwei Colaboradores (Kollaborateure) gefangen, die insgeheim die RENAMO unterstützten. Sie wurden in Bahia festgesetzt. Sie wurden auch körperlich gestraft (Schläge usw.)
  2. Oktober 1984. Die Sicherheitsmaßnahmen für uns wurden weiter verstärkt. Auf dem Weg nach Unango bleiben Wachen zurück. Armeefahrzeuge fahren in zeitlichen Abständen zur Kontrolle.

M.S.: Monika Smardz [und alle Kollegen] waren heute in Unango im Betrieb. Wolfgang Smardz musste wegen Sicherheitsproblemen nach Maputo fliegen. Auch Probleme der [Container] – Werkstatt sind zu klären.

  1. Oktober 1984. Die DK-Versorgung hat sich weiter verbessert. Es sind zwei Waggons DK und ein Waggon Flugzeugbenzin eingetroffen. – Die Kollaborateure wurden auch in Lichinga gezeigt auf Veranlassung von Cunica. Das ist sicher nicht ganz richtig, meint Paulo Z. – Auf dem Talhão 1 (Feldstück Nr. 1) in Unango gab es Anzeichen, dass dort fremde Personen waren. Wieder ein Alarmzeichen.
  2. Oktober 1984. Wir haben ein bisschen mit selbstgemachtem Wein gefeiert in Erinnerung an Marion, die in der DDR ihren 37. Geburtstag feiert. – Heute blieben wir in Lichinga. Ich war mit Uwe Wriedt bei BOROR. Dort haben wir durch Saatgutlieferungen und Rücklieferungen von Produkten ein Guthaben von 345.500 MT.
  3. Oktober 1984. Sonnabend. Ich wollte Geld holen, aber die Bank gab mir keins. Dort hatte man zu wenig Geld im Tresor, angeblich. Nun muss ich Montag noch mal hier bleiben. –

M.S.: Heute führten die Maconde mit ihren Familien in Unango zu Ehren der DDR-Kooperanten Volkstänze vor, was allen Anwesenden sehr gefiel. [Manfred Grunewald konnte leider nicht dabei sein.] Der Transport traf deshalb erst nach 16.45 Uhr im Prédio ein. Habe 17 Uhr gegessen: Reis mit Gehacktem und Kraut.

  1. Oktober 1984. Sonntag. Wolfgang Smardz war einige Tage in Maputo und kehrte heute zurück. Habe drei Briefe erhalten, von Marion, Silke und Eltern. – Heute war Kaffeetrinken bei mir. War allein zum Spaziergang im Bairo 5 (Bahnhofsviertel).
  2. Oktober 1984. Doris Wriedt hat heute Geburtstag. Sie wird 37 Jahre alt.
  3. Oktober 1984. Die Miliz ist sehr aktiv. Unser Schutz ist verstärkt worden.
  4. Oktober 1984. Fünf Kollaborateure der bewaffneten Banditen wurden von der Miliz und von den alten Kämpfern in der Nähe von Unango gefangen genommen. Man brachte sie zum Bataillon in Lichinga. Auch der Bauer, der am Talhão 12 (Feld Nr. 12) wohnt, ist dabei gewesen. Er versorgte die Banditen, sagt man. Zwei der Leute sollen ehemalige FRELIMO-Kämpfer gewesen sein. Sie wurden sehr hart angefasst. Auf dem weißen LKW wurden sie in unserem Transport mit nach Lichinga gebracht. Alle waren an den Händen gefesselt.

M.S.: Die Banditen waren von einem Dorf hinter dem Baragem [Wasserstau]. Sie hatten den Auftrag, Paulo [Direktor] zu töten und den DDR-Leuten die Sachen zu stehlen. Sie wurden schlecht behandelt von den Antigos Compatentes [Alte Kämpfer].

  1. Nov. 1984. Weitere drei Kollaborateure wurden nahe Unango aufgegriffen und befinden sich im Kommando der Miliz zum Verhör. Auch der Gruppenchef der Subversionsgruppe wurde gefasst, so hieß es. – Wir haben wieder Kassendifferenzen. Fernandez wollte 9900 MT unterschlagen. Auch Inácio hat ein großes Manko. – Ankunft in Lichinga 16.30 Uhr.
  2. Nov. 1984. Nach Überprüfung ist das Manko von Inácio in ein Plus umgeschlagen, 21.000 MT. Nun durfte er in den Urlaub fahren. Ankunft gegen 16.00 Uhr.
  3. Nov. 1984. Sonnabend. Ich war auf der Bank. Es gibt noch ein Konto von nicht abgeholten Löhnen und ein altes Loja-Konto. Bestand Lohnkonto 244.000 MT, Loja-Konto 57.000 MT.

M.S.: Heute wieder in Unango. In Lichinga gab es nach langer Zeit wieder Mal Licht von der Electricidade, von 8 – 12 Uhr und von 14 – 22 Uhr.

  1. Nov. 1984. Sonntag. Die drei Monteure flogen nach Maputo. Günter Fiehn nahm ein Geschenk mit für Silke nach Eberswalde. – Diese Woche gibt es lange Strom. – Mit Sr. Cossa zwei Stunden Diskussion über die Arbeit der Buchhaltung und des Betriebes sowie über den Stand des Kampagne-Kontos.
  2. Nov. 1984. Es gibt viele Probleme mit der Bank. Das Finanzsystem ist zum Teil unverständlich und undurchsichtig. – Versammlung der Direktion des Betriebes erfolgt. Es wurde berichtet über die Abrechnung der Ergebnisse der vergangenen Kampagne. Die Erlöse decken die Kosten etwa ab. Der Umsatz beträgt etwa 34 Mio. MT. Damit wurde ein ansehnliches Ergebnis erzielt. – Ankunft in Lichinga gegen 15.30 h. 1 Std. Abrechnung mit Chichava, Manuel und Enoque.
  3. Nov. 1984. Es erfolgte eine Fortsetzung der Direktionsversammlung, an der die Verantwortlichen des Betriebes (Deutsche und Moçambicanos) teilnahmen. Es wurde eine Kommission für ein Fest benannt. Der Kommandant der alten Kämpfer sprach in Maconde (moç. Sprache) und wurde in portugiesisch übersetzt von einem anderen Kämpfer. Auch Lucas Sindica kann Maconde sprechen. – Heute regnete es in Lichinga. Vielleicht beginnt jetzt die Regenzeit. Ankunft in Lichinga vor 15.30 h. ¼ Std. mit Sr. Chichava beraten, der den neuen Betriebsladen in Lichinga führt. Er hat gute Fähigkeiten und will viel lernen. Trotzdem zählt er zu den selbstbewussten Führungsleuten.
  4. Nov. 1984. Mit Sr. Cossa Dienst in Lichinga gehabt. Bis 17.00 h waren wir bei der Bank zu wichtigen Gesprächen. Danach erfolgte ein Gespräch bei Direktor Paulo Francisco Zucula zusammen mit Wolfgang Smardz. Einige Probleme wurden diskutiert. Somit hatte ich heute 11 h Dienst, einschließlich der Abrechnung und Schecks ausgestellt.
  5. Nov. 1984. Nochmals in Lichinga geblieben, wo ich zwei Std. bei der Bank zu tun hatte. Dreimal war ich bei der DPA, dann bei der Finanzdirektion, beim Wasserbetrieb, beim Elektrobetrieb und beim Keramikbetrieb wegen zwei Sack Zement. – 8 ½ Std. gearbeitet.
  6. Nov. 1984. Ich war wieder in Unango im Betrieb. Fernando Ngliche wurde von Sr. Cunica eingesperrt und erhielt 20 Schläge. Danach wurde er ins Gefängnis nach Lichinga gebracht. Der Klassenkampf spitzt sich zu. 15.30 h in Lichinga.
  7. Nov. 1984. Sonnabend. Der Dirigente (Leiter) des Gefängnisses in Lichinga entließ Fernando Ngliche nachdem Paulo Zucula intervenierte. (Sr. Ngliche konnten keine staatsfeindlichen Aktivitäten oder eine Unterstützung der RENAMO nachgewiesen werden, was auch Paulo und uns als unwahr-scheinlich erschien). – Gegen 15.00 h in Lichinga.

M.S.: Bis 13.30 Uhr haben wir heute in Unango gearbeitet.

  1. Nov.1984. M.S.: Ab 10 Uhr FDGB-Versammlung und anschließend Fasching gefeiert mit gemeinsamen Mittagessen aus Kartoffelsalat, Leber und Würstchen. 15 Uhr gab’s noch Kuchen. Von 16 – 18 Uhr ausgeruht.
  2. Nov.1984. M.S.: Wir waren heute im Betrieb Unango zur Arbeit.
  3. Nov. 1984. Abrechnung mit C.F.M. (Eisenbahn) vorgenommen. Die C.F.M. Mitarbeiter kauften Mais für ihre eigene Versorgung von unserem Betrieb.

M.S.: Wolfgang war in Unango arbeiten und ich [Monika Smardz] bin krank mit Malaria. Wolfgang hat nachmittags noch 3 Std. zu Hause gearbeitet. Das Haus war laufend voll.

  1. Nov. 1984. Mit Helmut Liepe, Gabi Wagner und Sr. Chichava Abrechnungsarbeiten erledigt. 3 Überstd.

M.S.: Wolfgang war in Unango und ich war beim kubanischen Arzt wegen meiner Malaria.

  1. Nov. 1984. M.S.: Wolfgang war in Unango bis 15.30 Uhr. Danach zu Hause noch 2 Std. Bericht geschrieben mit Uwe Wriedt.
  2. Nov. 1984. Ich bin in Lichinga geblieben und habe mit Sr. Cossa viele Wege erledigt und zahlreiche Probleme gelöst. Erneut in der Finanzdirektion, bei der DPA, bei AGRICOM, BPD, MECANAGRO, Electricidade, LAM, BM, Correio (Post), Loja, Comércio interno (Abteilung Binnenhandel). 9 Std. Arbeit. – Arndt Scharfenstein aus Nassau/Sachsen wurde am 08.11.1984 Vater von einem Sohn „Jens“. Wolfgang und ich überbrachten die gute Nachricht. Frau Scharfenstein blieb im Sommer mit den zwei Kindern zu Hause, weil sie ein weiteres Kind erwartete, das nun geboren ist.

M.S.: Wolfgang war in Unango.

  1. Nov. 1984. Sonnabend. Schecks geschrieben, Geldabrechnung vorgenommen.

M.S.: Keine Sicherheit, deshalb blieben wir in Lichinga. 11 Uhr Arbeitsberatung. Nachmittag 1 ½ Std. geschlafen. Habe schönen Kuchen gebacken.

  1. Nov. 1984. Sonntag. Spaziergang mit Familie Pohl. Kaffeetrinken bei Familie Klaus Kunath und Arndt Scharfenstein. – Abends eine Std. Arbeitsbesprechung mit Sr. Cossa. Er will mit dem Dirigente (Provinzchef der Provinz do Niassa) auf Reisen gehen.

M.S.: Uwe Wriedt flog nach Maputo. Wolfgang sollte ihn zum Flugplatz Lichinga transportieren. 8.30 bis 10.30 Uhr Auto repariert, 11.30 nochmals zum Flugplatz, aber Flieger noch nicht da. Viel Regen.

  1. Nov. 1984. Bei Manfred und Siegrid Lindner mit dem Chef des Zollamtes, Sr. Zedin Dalsuco Gespräch geführt. Habe heute mein Bilhete de Avião (Flugticket) [für meine Heimfahrt im Dez.] bei der LAM gekauft.

M.S.: In Unango bis 15.30 Uhr.

  1. Nov. 1984. In der Nacht gab es bei PETROMOC, dem Betrieb für Diesel und Kraftstoffe, Granateneinschläge durch Banditen. PETROMOC ist nur 200 Meter vom Prédio entfernt. – Heute war ich in Landwirtschaftsbetrieb Matama (Chinesen als Kooperanten), um unsere Erntehilfe zu klären. Es ist eine Rechnung für die eingesetzten Mähdrescher von 670.000 MT offen. An der Wand des Werkstattgebäudes sah man noch die Einschüsse des letzten Überfalls durch Banditos armados (Foto gemacht).

M.S.: In Unango gewesen. An der Pecuária [Viehwirtschaft] erstmals richtiger Regen [damit Beginn der Regenzeit]. Aussaat nicht möglich, da der Acker zu feucht.

1.45 Uhr in der Nacht gab es fünf Einschüsse bei Petromoc durch zwei Handgranaten und drei Panzerfäuste infolge Banditenangriff. Es entstand kein großer Schaden. Damit sind aber Banditen in der Nähe von Lichinga. Radio berichtete, es solle wiederholt werden.

Ständig kamen Besucher zu Wolfgang, Sicherheit wurde besprochen: Paulo Zucula, Kubaner, Jugoslawen – bis 20 Uhr. Nachts war Licht im Prédio, es war alles ruhig. Vier Antigos Compatentes schlafen in der Kammer, da sie den LKW verpasst haben. Gebe noch Essen und Tee.

  1. Nov. 1984. Ein neuer Ökonom hat begonnen in unserem Betrieb in Unango zu arbeiten. Er studierte in den USA, er ist Doktor. Ich verstehe sein Portugiesisch sehr schlecht.

M.S.: Neuer Öconomista [Diplomökonom] macht Besuch in der Pecuária [Viehw.]. Er studierte in den USA, ist auch sehr von sich eingenommen. Als ein Milizionär in der Pecuária seine Waffe reinigt, geht ein Schuss ab. 200 Meter vor uns versucht man eine Antilope zu erlegen, aber trotz zweier Schüsse hat man nicht getroffen. –  15.45 Uhr erst in Lichinga angekommen. Kein Strom da bis 17.30 Uhr. Es sind Kisten über die Eisenbahn eingetroffen, aber keine Teile für die Containerwerkstatt dabei. Die eingetroffene Dachkonstruktion der Containerwerkstatt ist für Schneebelastung ausgelegt, nicht für Tropen. Wolfgang war bis 18.30 Uhr am Bahnhof wegen der Entladung [damit nichts abhanden kommt].

Der Tag war sehr heiß. Unterwegs schöne Amaryllisblüten gefunden. Paulo kam spät an, 17.30 Uhr, denn er hatte unterwegs Havarie mit dem Auto.

  1. Nov. 1984. M.S.: Nach Unango gefahren mit drei LKW. Es wurde mit drei Pflügen gearbeitet und es wurde gedrillt.

Wolfgang erfuhr vom Brautgeld „Lobolo“, das hier noch üblich ist: von 500 bis 15.000 MT, auch Anzug, Schuhe, Ziege; auch viele andere Sachen.

Ein Wildschwein wurde geschossen, aber nicht für uns [wurde verteilt an Arbeiter]. 650 kg Tomaten geerntet, auch Berinjela, Paprika, Gurken. Manuel hat nochmals Pfirsiche besorgt. Strom erst 18.00 Uhr.

  1. Nov. 1984. Es gab 28 mm Regen in Unango. Starke Bewachung auf dem Heimweg.

M.S.: Wir warten bei der Rückfahrt immer auf Paulo 10 – 15 Minuten. Wegen vielem Regen konnte die angesetzte Flurbegehung nicht durchgeführt werden. Verkauf von 24 Kaninchen, jedes Departamento [Abteilung] erhält vier Stück. Auf der Straße nach Lichinga wieder Probleme mit Banditos armados. Vorn und hinten fährt Eskorte mit. Der Minister für Import und Export war eine Stunde im Betrieb. Weil Paulo in der Stadt Unango war, musste Wolfgang mit dem Minister sprechen.

In Malica (Machamba von Braz da Costa) gab es Probleme, einige Dörfer [auf der Strecke] sind wie ausgestorben.

  1. Nov. 1984. Sonnabend. Ich bin plötzlich krank, sicher afrikanische Grippe, war aber trotzdem in Unango zur Arbeit.

M.S.: Unsere Unango-Eskorte kommt sehr spät. Auf der Weide steht nur noch wenig Gras. Habe eine wunderbare Pflanze mit großer Zwiebel und roter Blüte ausgegraben.

Die Dörfer auf der Strecke von Unango nach Lichinga heißen der Reihe nach: Miala, Gongote, Nasience, Ndiga, Litschega, Bagarila, Bahia, Nicol (Regendorf), Malica, dann kommt Lichinga [Provinzhauptstadt].

Wie immer Sonnabend eine Std. später abgefahren. 14 Uhr gegessen, dann geschlafen. Danach Saft gekocht von harten Früchten. Essen für Sonntag vorbereitet (Henne).

  1. Nov. 1984. Sonntag. Heute ist unser Hochzeitstag, 17 Jahre ist es her. Saalfeld, wo wir im historischen Rathaus heirateten, liegt in Europa auf der nördlichen Halbkugel, mehr als 10.000 km von hier entfernt.- Heute Nacht gab es wieder Schüsse in der Nähe. – Von Marion sehr passende Post zu Mittag erhalten. Uwe Wriedt brachte sie von Maputo mit. Ich habe Hexenschuß! – Kaffeegäste heute bei mir, letzte Kaffeerunde vor meiner Abreise in die DDR.

M.S.: Uwe Wriedt kommt zurück aus Maputo. Früh kein Licht, Ofen brennt nicht, wie jeden Sonntag. Nach einer Stunde können wir essen, gekocht auf dem Petroleumkocher. 11.45 Uhr ist ein Flugzeug da, das wir gar nicht hörten beim Anflug, weil es sehr leise war, denn es hatte nicht genug Benzin. Es soll vorläufig das letzte Flugzeug sein. Nachmittag mit Uwe Kaffee getrunken und erzählt. Immer die gleichen Probleme mit der Versorgung. Post bekommen. 2 Mal von Kerstin, Andi, Oma, Gaubens und Adelheid. Kinder bleiben zu Hause.

  1. Nov. 1984. Ich habe Ischiasentzündung und muss in Lichinga bleiben, wo ich einige Arbeiten erledigen kann.

M.S.: Wir fuhren nach Unango, vorn und hinten Eskorte, 10.30 Uhr an der Direktion.

Sr. Cunica [Chef der Personalabteilung] hat wieder eine Woche Training angesetzt [für Betriebsmiliz]. Von der Viehwirtschaft gehen vier Arbeiter, die mit Tieren arbeiten. Lucas [Vertreter von Monika Smardz] erhält keinen Urlaub, da erst der Plan und die Lohnabrechnung fertig zu machen sind.

Bis 20.30 Uhr keinen Strom, da großer Schaden bei der Electricidade. heute nach Wochen 7 Zeitungen erhalten. In Mavago 2 war wieder großer Überfall. Die Banditos armados waren schwer bewaffnet. Es gibt keinen Diesel mehr. Daher können erst mal nur die abgedüngten Flächen noch ausgesät werden, um etwas zu erreichen.

  1. Nov. 1984. Ich bleibe wieder wegen des Ischias in Lichinga und arbeite an wichtigen schriftlichen Unterlagen.

M.S.: Wir fahren nach Unango. Dort erfolgt in der Versammlung Einstufung der Arbeiter [nach Lohn-gruppen]. Vasco Chichava hat [angeblich] 4000 MT gestohlen. Dona Lisa informierte Paulo. Sr. Cossa war eine Woche [auf Dienstreise]  mit dem Dirigente [Chef der Provinzregierung] am Niassasee. Er erhält eine andere Funktion.

Bis Nachmittag sind 40 Prozent der Maisflächen gesät. Die Fläche für grüne Bohnen ist schlecht vorbereitet.

19.30 Uhr Versammlung in der Wohnung Smardz, zwecks Auswertung der Festlegungen in Maputo [Sicherheitsfragen]. Jeder erhält eine Büchse Bier [seit Wochen].

  1. Nov. 1984. Habe mit Sr. Sonjo Geld geholt für Lohnzahlung und nach Unango gebracht. Er ist ein gescheiter, umsichtiger und zuverlässiger Mitarbeiter. Im Regendorf kam uns eine Eskorte entgegen, aber es waren wenige Personen. – Familie Michel ist eingereist und bezieht meine Wohnung. Ich muss bis zur Abreise am 02.12.84 bei Familie Wriedt im Kinderzimmer wohnen.

M.S.: Wir waren in Unango, aber Paulo war nicht mit. Wir mussten in der Viehwirtschaft den Bienen Zucker füttern.

Es ist eine neue Familie eingereist [Hans-Jürgen und Erika Michel]. Wolfgang musste das Problem Wohnung klären. Manfred Grunewald wohnt noch drei Tage bei Uwe Wriedt und danach bei Einecke  vor Wagners. – Mit der Eisenbahn kamen Kisten an, aber keine Düngemittel.

Die Kubaner [Sicherheitsleute] informieren uns, dass eine Attacke durch Banditen auf uns geplant sei in der Nähe des Steinbruchs [nahe Bagarila]. Die Armee ist deshalb bereits ausgerückt. Treibstoffe sind fast zu Ende.

  1. Nov. 1984. Wir wollten früher nach Lichinga zurückkehren, aber es gab gewaltige Verzögerungen. Ein privater LKW fuhr für Comércio interno (Abteilung Handel) Mais von unserer Machamba (Betrieb) nach Lichinga (60 km). Der voll beladene LKW wurde von Banditos armados überfallen und angebrannt. Der Fahrer wurde getötet und der Beifahrer schwer verletzt. Ein folgender LKW fuhr zurück zum Betrieb und informierte die Miliz und uns. Die Miliz und die Antigos Combatentes (alte Kämpfer) schützten uns. Auf der Landstraße kamen uns Soldaten vom Bataillon Lichinga entgegen. Die große Verspätung gab auch Edith Skibbe und Klaus Kunath in Lichinga Anlass, möglicherweise Hilfe für uns zu organisieren.

M.S.: Wir waren in Unango. 9.30 Uhr wieder Versammlung über Löhne [Lohngruppen].

10.45 Uhr Information über [aktive] Banditos armados auf der Straße [nach Lichinga]. Wir warten im Betrieb Unango bis 14 Uhr. Wir holen noch Papaya [Eierfrüchte] und anderes auf dem Gemüseland  hinten Günter und ich mit Manfred. 14.00 Uhr fährt großer Konvoi bis zum Dorf Gongote. Vor Nacience treffen wir die Miliztruppen des Betriebes. Die Banditen sind geflüchtet. Von Lichinga kommt uns die Força [Armee] entgegen. Ein kleiner LKW ist abgebrannt. Der Fahrer mit Holz erschlagen, Beifahrer schwer verletzt. Schaukeln bis 17.00 Uhr in dem LKW bis Lichinga – eine Qual. In Lichinga will Kunath mit Guinica ausrücken, mit zwei Std. Verspätung. Information über die Attacke war bekannt, aber es wurde nichts unternommen. 19.30 Uhr Fest der Jugoslawen im Hotel Pousada. Ein verrückter Tag.

  1. Nov. 1984. Ich habe Freitag in Lichinga gearbeitet – mein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub.

M.S.: Wir sind in Lichinga. Die Männer entladen Waggons. Ich schreibe und habe Plan zu machen [für die Viehw.]. In den Kisten von der Eisenbahn waren Waschmaschine, Kühlschrank 3 Aufsätze, alte Nähmaschine, 10 Fahrräder und andere Sachen. Wolfgang hat bis 21 Uhr geschrieben.

  1. Dez. 1984. Sonnabend. Es ist schon umständlich, wenn man keine eigene Wohnung hat. Alles ist in Kisten verpackt.

M.S.: Wir bleiben in Lichinga. 10 Uhr ist Arbeitsberatung. Wolfgang hat wieder einen Sicherheits-bericht geschrieben. 15.00 Uhr bei Klaus Kunath. Abschied für Grunewald und Einstand für Familie Michel.

  1. Dez. 1984. Sonntag. Heute wollte ich nach Maputo fliegen, aber es kam kein Flugzeug. Es ist sonst üblich, dass man vor der Abreise in die DDR noch Aufgaben in Maputo erledigt bei den verschiedenen Ämtern und Einrichtungen, die mit unserem Projekt (DDR-Projekt insgesamt 120.000 Hektar in verschiedenen Provinzen, dar. Nauela in Sambesia und Sussundenga in Manica) zu tun haben.

M.S.: Sonntag ohne Licht, große Wärme, nicht wie 1. Advent. Grunewald fliegt heim, wollen 15.30 h noch zum Flugplatz. Eisenbahnzug angekommen mit Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln. Bei uns war nur Rennerei. Flugzeug ist nicht geflogen, Manfred G. ist noch da. Es mussten 9 Antigos Compatentes versorgt werden, Doris Wriedt kocht für sie Spaghetti.

  1. Dez. 1984. Bis Mittag war noch keine Zeit für den Abflug des Flugzeuges bekannt. Die Maschine flog nach 15 Uhr ab, über Beira nach Maputo. Günter Krüger und Hans-Joachim Herold holten mich ab. Ich wohne im Hotel „Tourismo“ in der Baixa (Unterstadt von Maputo).

M.S.: Wollen 7.30 Uhr nach Unango. Bis 8.15 Uhr hat die Armee noch kein Benzin für die Eskorte. Wir transportieren die Kisten nach Unango. Wolfgang organisiert in Lichinga die Entladung von Düngemitteln. Er hat seit Sonntag Durchfall. Bis 10 Uhr in Lichinga gewartet, 11.30 Uhr in Unango, nur Anhänger abgeladen und nun warten wir auf Paulo, er war in der neuen Stadt Unango. Es fahren 5 LKW in Kolonne nach Lichinga zurück. 16.30 Uhr waren wir in Lichinga. Dünger ausgeladen bis 22.30 Uhr. Unsere Stromphase ist wieder kaputt.

  1. Dez. 1984. M.S.: Abfahrt 5.30 Uhr nach Unango mit 5 LKW, beladen mit Düngemitteln. Diskussion im Auto über ungenügende Sicherheit. In Unango ½ Std. Pullover verteilt an Arbeiter für gute Leistungen beim Gras mähen. 14 Uhr waren wir wieder in Lichinga. Wolfgang hat noch Durchfall. Er hat viel geschrieben und nichts im Haushalt geholfen. 18.30 Uhr Parteileitungssitzung und 19.00 Uhr Sicherheitsversammlung für alle, die arbeiten. Keiner hat den Mut zu sagen, ich habe Angst, obwohl jedem frei gestellt ist und war, dass er in Lichinga bleiben kann oder nach Hause fahren kann.
  2. Dez. 1984. M.S.: Kommen erst 6.10 Uhr vom Hof in Lichinga weg. LKW springen nicht an. In Malica erwartet uns keine Eskorte, warten 1 ½ Std. Fahren weiter bis Bahia. Heute ist ein Fest der Moslems (islamischer Glauben). Deshalb ist heute viel Gesang und Tanz bei der Bevölkerung. 10 Uhr stehen wir noch in Bahia. Wir fahren zurück nach Lichinga und sind 12 Uhr zu Hause. Wolfgang hat noch Durchfall. Ich gehe zu BOROR und Wolfgang zum Pioniergeburtstag. Paulo war da, Bemerkung vielleicht raus nach Unango. Große Ungewissheit.
  3. Dez. bis 05. Dez. 1984. Manfred Grunewald Aufenthalt in Maputo.
  4. Dez. 1984. M.S.: Wolfgang fährt nach Unango. LKW hatten noch Dünger geladen, deshalb so spät. Habe die Maler im Hause und bleibe in Lichinga, grande Confução [großes Durcheinander].

Monika Smardz schreibt die folgenden Aufzeichnungen weiter (am 13.12.84):  15.30 war alles so weit fertig, Tisch gedeckt und ich warte auf das Auto. Withe Saide [unser Empregado] kommt und sagt, Klaus Pohl ist unten mit Schuss im Bein. Klaus Kunath kommt – ich frage, ob sie die Banditos haben. Er sagt ja, aber alle [gemeint sind unsere DDR-Bürger] sind tot.

In Karlas [Pohls] Wohnung spielt sich alles ab. Ich gehe zum Hospital und will Wolfgang sehen, jeder will mich beruhigen. Carmen [Paulos Frau] hilft mir sehr. Paulo sieht plötzlich 10 Jahre älter aus. Viele Mosambikaner kommen in meine Wohnung. Um 21 Uhr gehe ich zu Gabi [Wagner] schlafen.

  1. Dez. 1984 noch in Maputo. Habe heute Radio (Kompaktanlage „International“ mit Plattenspieler, MC und Radio) gekauft im „Interfranca“ Maputo. Abschied bei Familie Günter Krüger und Joachim Herold in Maputo vorgesehen. …..

Dr. Fritz Schmidt überbrachte in den Abendstunden die Schreckensnachricht des Banditenüberfalls auf meine Kollegen von Unango. Ermordet wurden Wolfgang Smardz, Günter Skibbe, H.-Dieter Wagner, Klaus Einecke, Manfred Lindner, Helmut Liepe und H.-Jürgen Michel. Schwer verletzt ist Uwe Wriedt, verletzt ist Klaus Pohl.

  1. Dez. 1984. M.S.: 5.00 Uhr aufgestanden, Koffer gepackt, es gab auch nachts Licht von der Electricidade Lichinga wegen uns. Zwei Flugzeuge kommen von Maputo. Uwe Wriedt transportfähig – nach Maputo geflogen. Wir dürfen die [toten] Männer nicht mehr sehen wegen des Volksauflaufes von Mosambikanern. 16.00 Uhr alle zum Flugplatz. Warten bis 0.30 Uhr, bis alle Särge zu sind und nun kommen. Am Abend zuvor habe ich gute Sachen für Wolfgang rausgegeben. Habe noch sehr viel mit Paulo [Zucula] gesprochen.
  2. Dez. 1984. Ich flog mit einer Boeing nach Lichinga zurück. Auf dem Flugplatz Maputo werden leere Särge an Bord genommen – eine deprimierende Situation. Dr. Fritz Schmidt, der DDR-Konsul und einige Botschaftsangehörige haben uns begleitet. Auch Senhora Gertrudes (Vorgängerin von Paulo Zucula im E.A.U.) flog mit nach Lichinga. Ich will in Lichinga bleiben und alle nachfolgenden Probleme klären. Klaus Kunath holte uns vom Flugplatz ab und fuhr mich sofort ins Prédio zu meinem Kollektiv. Der schwer verletzte Uwe Wriedt war bereits mit einem kleinen Flugzeug unter ärztlicher Betreuung nach Maputo ins Krankenhaus geflogen worden. Er hat eine schwere Kopfverletzung durch ein Explosivgeschoss erlitten. Unvergessen bleibt mir das Wiedersehen mit den Frauen und Kindern und mit dem verletzten Klaus Pohl bei meinem Eintreffen im Prédio, das ich erst vor wenigen Tagen verließ, um in den Weihnachtsurlaub zu meiner Familie in der DDR zu reisen. Nun bin ich zurückgekehrt, um mit allen zusammen das Land auf dem schnellsten Wege zu verlassen. Klaus Pohl ist nicht nur durch einen Beinschuss verletzt. Auch sein ganzer Körper ist im Brustbereich, an Armen und Beinen vollständig zerschunden und wund, vermutlich durch die angstvolle Flucht, fest angedrückt auf den Erdboden in der Savanne. Aber die Seele ist auch verletzt und nicht nur bei Klaus. …..

Alle Frauen sind mit ihren Kindern bereits reisebereit und waren froh über meine Rückkehr. 18.00 Uhr waren wir bereits alle auf dem Flugplatz Lichinga. Nach 24 Uhr kamen 8 Särge, denn auch der Sarg eines Jugoslawen und seine Witwe flogen mit nach Maputo. Jeder Sarg war einzeln auf einem Auto zum Flugplatz transportiert worden. Einige Frauen sahen zu, wie die Särge verladen wurden. Nach der Verladung stiegen erst die Passagiere ein. Withe Saide – unser Boy und Helfer im Haushalt – begleitete uns unter Tränen bis in die Flugkabine. – Die Anteilnahme in Lichinga seitens der Bevölkerung und der zahlreichen Freunde und Bekannten war hervorragend. Herr Feisal vom Hotel Pousada kümmerte sich uneigennützig um unsere Versorgung. Auch italienische Kooperanten gaben ein Beispiel für Solidarität und kümmerten sich über viele Stunden um Frauen und Kinder aus der DDR. Wir hörten aus der Ferne mehrmals Schüsse, was uns teilweise beunruhigte. Es gab nur wenig Licht auf dem Flugplatz durch einen Generator. Nachts können in Lichinga keine Flugzeuge landen und auch kaum starten wegen fehlender Beleuchtung. Paulo Francisco Zucula begleitete uns bis Maputo. Er war leicht verletzt. Er ist alt geworden über Nacht. Auch der DPA-Chef Sr. Silva war neben anderen in unserer Begleitung.

  1. Dez. 1984. Gegen 3.00 Uhr früh waren wir auf dem Flugplatz in Maputo gelandet. Auch die Särge unserer Toten waren mit an Bord. Alle Familien aus Lichinga erhielten Betreuung durch DDR-Familien in Maputo. Die DDR-Organisation macht sich positiv bemerkbar. Gegen 13.00 Uhr Flug nach Berlin-Schönefeld über Harare und Lagos. Harare mußte angeflogen werden, weil Maputo nicht genügend Flugbenzin bieten konnte. Bei den Zwischenlandungen blieb die Gruppe Unango im Flugzeug (11 Frauen, 11 Kinder, Klaus Pohl und ich). Die Särge waren auch hier mit an Bord. Auch die jugoslawische Witwe flog über Berlin nach Belgrad. Ungewöhnlich leise verlassen die anderen Reisenden aus der DDR, alles Spezialisten aus dem Lande, die nur Weihnachten und den Jahreswechsel zu Hause verbringen wollen, das Flugzeug. Viele andere mussten ihr Ticket abgeben, weil die Gruppe Unango den Vorrang beim Transport erhielt. Fast bis zur letzten Minute war nicht klar, ob ich selbst auch einen Platz in dieser Maschine bekomme.

M.S.: Doris Wriedt mit Tochter und ich wurden bei Krügers aufgenommen. Habe noch paar Stunden geschlafen. Geldabrechnung und 12 Uhr Mittag zum Flugplatz in Maputo. Habe Gespräche mit Botschafter Sperlich u.a. geführt. Im Gespräch mit dem mosambikanischen Landwirtschaftsminister spreche ich eine „Pedido für Paulo“ [Bitte für Paulo Francisco Zucula] aus, der uns ein besonderer Freund gewesen ist. 13 Uhr fliegt die Maschine über Simbabwe [Harare], weil Benzin fehlt. In Lagos können wir in der Maschine drin bleiben.

Landung in Berlin am 09.12.1984 gegen 4.28 Uhr auf dem Flughafen in Berlin-Schönefeld. Diplomatenflugplatz, die Bergarbeiter und anderen Spezialisten, welche auf Weihnachtsurlaub nach Hause flogen, verlassen zuerst fast geräuschlos und nachdenklich das Flugzeug. Danach verlässt der verletzte Klaus Pohl mit seiner Frau und seinen zwei Kindern die Maschine. Ich sehe von meinem Platz aus, wie Klaus von DRK-Helfern die Gangway hinab begleitet wird und in einem Rettungswagen verschwindet. In der Charité Berlin wird Klaus Pohl anschließend behandelt. Die Angehörigen durften bis zur Gangway heran und holten somit ihre Angehörigen direkt am Flugzeug ab. Für viele die erschütterndsten Szenen ihres Lebens. Herzliche Umarmungen über das Wiedersehen, aber auch in der Gewissheit, dass der Vater, der Sohn, der Bruder nicht lebend zurückkehrt und dass der Einsatz für die gute Sache, einem Volk bei der Nahrungsproduktion und dem Aufbau der Wirtschaft zu helfen, mit dem Leben bezahlt wurde. Als letzter Passagier verlasse ich das Flugzeug.

Am Schluss vermisse ich in der Empfangshalle mein Handgepäck. In der ganzen Aufregung habe ich es im Flugzeug vergessen. Das Flugzeug hat seine Entladeposition auf dem Diplomatenteil des Flugplatzes bereits verlassen und ist inzwischen weit entfernt abgestellt. Immerhin hatten wir neben vollen Passagierabteilungen auch acht Särge an Bord (7 Deutsche, 1 Jugoslawe), die an anderer Stelle entladen und in die Gerichtsmedizin Berlin übergeführt werden mussten. Der jugoslawische Sarg musste umgeladen werden in eine Maschine nach Belgrad. Er wurde begleitet von der Witwe des Toten und von einem jugoslawischen Arbeitskollegen.

Viele Telefonanrufe und Verständigungsversuche mit Mitarbeitern des Flugplatzes ermöglichten schließlich, dass ich mit einem PKW des Flugplatzes zum Flugzeug fahren darf und mein Handgepäck aus dem Flugzeug holen kann. Erst danach ordnet sich alles so, dass wir schließlich nach Frauenprießnitz abfahren.

Ich habe zu wenig Kleidung an und friere im B 1000. Obwohl das Fahrzeug beheizt wird, friere ich in meiner dünnen Kleidung und sogar an die Füße friere ich, denn ich habe nur Sandalen an. Ich hatte in Maputo keine Zeit mich auf die Winterzeit in Berlin vorzubereiten, wie man das sonst tut, wenn man in die Tropen oder zurück fliegt in das gemäßigte Winterklima.

Meine Mutter hat heute am 09. Dezember ihren 71. Geburtstag. Marion und ich fahren nach Ronneburg, wo meine Eltern und zahlreichen Geschwister sowie weitere Verwandte auf uns warten. Herzlich werden wir aufgenommen. In die Freude des Wiedersehens mischt sich große Trauer um die vielen Toten meines Kollektivs, die für eine gute Sache als Entwicklungshelfer nach Moçambique gegangen waren und von Konterrevolutionären erschossen wurden auf der Fahrt zur Arbeit. Mit tiefem Gefühl denken wir an die zahlreichen Ehefrauen und Kinder, die jetzt ohne Ehemann bzw. Vater zurückgekehrt sind und diesen schmerzlichen Verlust mit zahlreichen Verwandten ertragen müssen. Wir bleiben zwei Stunden bei meiner Mutter. Ihr Geburtstag tritt völlig in den Hintergrund. Zu ihr sind alle acht Kinder zur Gratulation erschienen, auch jener Sohn, um dessen Leben man gebangt hatte, denn Ungewissheit hatte auch meine Eltern befallen, als die Nachrichten aus Mosambik die Runde machten. –  Ich war völlig erschöpft. Es waren die schwersten Tage in meinem Leben.

M.S.: Gegen 4.45 Uhr landen wir in Berlin. Nochmals große Aufregung. 9.30 Uhr alle ins Bett, bis 15.00 Uhr geschlafen vor lauter Erschöpfung.

 

Briefe sind wie Reiseberichte

Briefe aus jener Zeit sind Zeugnisse unseres Aufenthaltes in Moçambique. Sie lesen sich nach Jahren wie Reiseberichte, denn man war bemüht, vor allem am Anfang der Tätigkeit viel an die daheim befind-liche Familie über die Menschen, das Land, die Natur und sonstige Ereignisse mitzuteilen. Bereits am 15.01.1984 schrieb ich einen Brief von vier Seiten an die LPG. Einen der längsten Briefe von zehn Seiten schrieb ich am 13.03.1984 an die Kollegen der Buchhaltung, der Betriebsküche, des Kultur-hauses und der Verwaltung der LPG „Magnus Poser“ in Frauenprießnitz. Beide Briefe gebe ich hier wörtlich wieder.

 

Erster Brief an die LPG Tierproduktion in Frauenprießnitz

Lichinga, den 15.01.1984

Liebe Kollegen!

Schon den dritten Brief schreibe ich heute zum Sonntag. Vor allem will ich Euch herzliche Grüße aus dem fernen Afrika senden. Ich bedanke mich nochmals bei allen Kollegen, die mich bei der Ausbildung für die Auslandsarbeit, bei der Reisevorbereitung und auch auf anderen Gebieten unterstützt haben. Es zeigt sich schon nach wenigen Tagen in diesem sonst so herrlichem Lande, daß die Menschen hier Hilfe durch die entwickelten Länder brauchen. Fast 500 Jahre Kolonialzeit haben ein trauriges Erbe hinterlas-sen und es ist unvorstellbar für uns Mitteleuropäer im allgemeinen und für uns DDR-Bürger im beson-deren, weil wir tatsächlich das beste Gesundheits- und Sozialsystem besitzen, denn es gibt keine Armen und alle Menschen haben in der DDR täglich genügend zu essen.-

Die Reise habe ich glücklich überstanden. Kurz nach 0 Uhr bin ich am 06.01.84 in Berlin weggeflogen. Wir sind in Lagos/Nigeria zwischengelandet. Es ist wohl der beste und modernste Flugplatz in Afrika. Nachdem wir dort außerplanmäßig zwei Stunden länger warten mußten, ging es dann weiter nach Luanda/Angola. Auch hier eine Stunde Aufenthalt und weitere Passagiere stiegen aus. Auf dieser Strecke überflog ich gegen 12.15 Uhr Mittag den Äquator in südlicher Richtung. Nach dem Aufenthalt in Luanda flogen wir nach Maputo/ Moçambique. Dort landeten wir gegen 20 Uhr (da war es bei Euch erst 19 Uhr). Insgesamt dauerte die Reise fast 20 Stunden mit 14 Stunden in der Luft. In Maputo holten mich DDR- Bürger ab, dort wohnte ich 4 Tage im Hotel und konnte mir das interessante Heimatmuse-um mit afrikanischer Tierwelt, den herrlichen Treppenpark am Meeresufer [Indischer Ozean] und die Uferpromenade ansehen. Am 07. Januar war ich baden im Indik, sicher war ich der Weißeste von allen. Man bekommt schnell Sonnenbrand. Obwohl die Regenzeit vom 15. November bis Anfang Mai dauert, gab es tagsüber in Maputo nur Sonne und nachts Gewitter mit ergiebigem Regen. Manchmal hört die Regenzeit schon im März auf, dann gedeiht zu wenig oder in einigen Südprovinzen gab es 2 Jahre keinen ordentlichen Regen, so daß dort Hunger herrscht.

Ich flog am 11.01.1984 endlich mit „Linhas Aereas de Moçambique“ – der staatlichen Fluggesellschaft –  mit Verspätung von Maputo nach Lichinga mit Zwischenlandung in Nampula. Es sind kleine aber ordentliche Flugplätze. In Lichinga holte mich Wolfgang [Smardz] mit noch zwei Kollegen und einem kleinen Mädchen von einer DDR-Familie ab. Es war heißes Wetter.

In einem mehrstöckigem Haus erhielt ich, zwei Stockwerke unter der Familie Smardz, eine Wohnung, die auch ganz gut, meist mit moçambiqueschen Möbeln, ausgestattet ist. Es wohnt noch ein weiterer Kollege [Peter Voß] in dieser Wohnung, mit dem ich mich gut verstehe. Die meisten sind jedoch mit Ehefrau und auch kleinen Kindern hier. Wir haben Kühl- und Gefrierschränke aus der DDR – ganz wichtig für uns Europäer, denn vieles muß eingefroren werden. Die Versorgung über Bestellungen in Maputo und mit Gemüse und Kartoffeln vom Betrieb sowie einen Laden in Lichinga ist verhältnismäßig gut für die DDR-Bürger. Aber die moç. Bürger haben natürlich bei weitem nicht so eine Versorgung. Das Land produziert ja von allem zu wenig und die Kolonialisten haben nichts für die Bildung, das Gesundheitswesen und viel zu wenig für die Infrastruktur getan. Im Norden hier gibt es zwar für die Menschen annähernd genug zu essen (vorwiegend Mais und Maniok), aber Vitamine und Eiweiß fehlen in der Nahrung. So gibt es eben große Anfälligkeit für Krankheiten, hohe Kindersterblichkeit und viele sind kraftlos. Über die Lebensbedingungen zu schreiben ist schwierig, denn kaum einer von uns hat Vorstellungen vom Leben in einer mit Gras bedeckten Lehmhütte, offenem Feuer, keine Möbel. Auch hier muß durch Wohnungsbau, Energieerzeugung und Wassergewinnung sehr viel getan werden. Der Kolonialismus hat überall seine Spuren hinterlassen.

An meinem ersten Arbeitstag, Freitag, den 13.01.84, war eine Flurbegehung durch Wolfgang angesetzt. Auf einem W-50-Kipper fanden 30 Personen Platz und wir besichtigten die Felder, Gemüseland, zwei Wasserstaubecken, die Tierproduktion usw. Hauptanbau ist der Mais. Seit November wurden bis jetzt über 1000 Hektar Mais gesät, trotz Treibstoffmangel. Die agrotechnisch-günstigen Termine wurden eingehalten. Der Mais steht prächtig, auf manchen Feldern schon höher als ein Mann. Bohnenanbau für die Ernährung, Soja, Elefantengras und Crotolária für Tierfutter, aber auch Getreide [kleine Fläche] und Kartoffeln sind im Anbau.

Vieles Gemüse kann ganzjährig angebaut werden, wenn man in der Trockenzeit beregnen kann. Unter Wolfgangs Regie, unterstützt von allen Spezialisten, werden Erbsen, grüne Bohnen, Zwiebeln, Möhren, Radies, Gurken, Paprika, Chinakohl, Weißkraut, Auberginen u.v.a.m. angebaut. Ich habe frische Gur-ken, grüne Bohnen und herrlichen Paprika da u. z. T. eingefroren. Mangofrüchte und Pfirsiche haben wir gekauft, auch Bananen habe ich gegessen. Im Betrieb wurde mit dem Anbau von Bananenstauden, Ananas und anderen Früchten begonnen. Auch Erdbeeren aus Frauenpriessnitz sind angewachsen und sollen vermehrt werden.

Die Tierproduktion verfügt über eine Herde von 124 Zebu-Rindern, die sich nicht zur Milchproduktion eignen. Die Kälber saufen monatelang an der Mutterkuh. Die Bullen waren fast alle nicht kastriert, als Monika [Smardz]  hier anfing, es fehlten auch die Geräte usw. Die Ziegen- und Schafhaltung sollen entwickelt werden. Es sind sehr kleine Rassen. Hier müßten DDR-Ziegen importiert werden. Einige Flugenten werden gehalten, 4 Stück brüten z. Z. Auch eine kleine Hühnerhaltung wurde aufgebaut und die ersten Tiere legen schon. Mit 50 Kaninchen soll eine Kaninchenzucht aufgebaut werden. Daran wird emsig gearbeitet. In der Regenzeit ist genügend Futter vorhanden und für die Trockenzeit müssen Fut-terreserven angelegt werden. Auch Schweine sollen in Zukunft produziert werden.

Mein Büro ist eine mit Gras gedeckte Hütte ohne Elektroenergie, aber mit drei Schreibtischen, viel Pa-pier und Formularen aber ohne finanzwirtschaftliches System. Wir bauen z. Z. eine neue Verwaltung, natürlich auch klein und bescheiden. Mein moç. Kollege hat vermutlich einige Kenntnisse, aber wenig über Buchhaltung, Kostenrechnung u. dgl. Wir werden sehen, daß daraus ein einfaches aber wirksames Abrechnungssystem entsteht, das die moç. Kollegen auch weiterführen können. Mir fällt aber das Sprechen [portugiesisch] noch schwer, viele Vokabeln fehlen im Kopf.

Täglich fahren wir 60 Kilometer zur Arbeit nach Unango und wieder zurück auf einer gut befestigten Asphaltstraße. Bereits 4.30 Uhr fahren wir los. Gegen 14.00 Uhr beenden wir die Arbeit im Betrieb. In den Kampagnen wird auf dem Feld in Schicht gearbeitet. Das Wetter ist schwül und warm wie vor einem Gewitter in Europa. Es regnet oft. Die Menschen bekleiden sich, wenn möglich, mit wärmerer Kleidung. Auf dem Lande wird fast nur barfuß gelaufen, da Schuhe geschont werden müssen. Die Hütten ohne Licht, offener Feuerstelle und ohne ausreichende Einrichtungsgegenstände und Haushalt-geräte, kaum ausreichendes und genießbares Wasser, das deprimiert wenn man nicht helfen kann. Es muß eben auf allen Gebieten geholfen werden, um das koloniale Erbe zu überwinden.

Ich habe Wolfgang und Monika [Smardz] viele Grüße und Neuigkeiten berichtet. Er hat sich sehr über die Ergebnisse der Betriebe 1983 gefreut und hofft genau wie ich, daß alle Frauenpriessnitzer Kollektive auch 1984 gut voran kommen. Von Monika und Wolfgang übermittele ich beste Grüße an alle.

Zur bevorstehenden Jahresabschlußversammlung und zum Fest wünsche ich Euch besten Erfolg. Mit den allerbesten Grüßen verbleibt Euer Kollege

Manfred Grunewald

Urlaubstermine:

07.07.1984 – 03.08.1984

06.12.1984 – 03.01.1985

Inge [Weber], teile diese beiden Termine bitte meiner Frau mit, weil ich ihren Brief schon zuklebte.

Manfred

 

Längster Brief an die LPG Tierproduktion in Frauenprießnitz

Lichinga, den 13.03.1984

 

Liebe Kollegen der Buchhaltung, der Betriebsküche, des Kulturhauses und der Verwaltung!

 

Nun bin ich schon auf den Tag zwei Monate im staatlichen Landwirtschaftsbetrieb Unango tätig. Über Langeweile kann ich mich natürlich nicht beklagen. Ganz im Gegenteil, jeden Tag gibt es etwas neues. Noch kann ich auch nicht von einer Buchhaltung sprechen, denn dazu fehlt noch so manches. Ein Kulturhaus haben wir auch nicht und die zwei großen Töpfe, in denen täglich der Maisbrei oder die Suppe für fast 200 alleinstehende Personen gekocht wird, kann wohl schlecht als Betriebsküche bezei-chnet werden. Wenn diese Leute einmal die Fleischtöpfe der DDR, vor allem in Frauenprießnitz sehen würden, sie würden es wahrscheinlich nicht für möglich halten.

Zuerst etwas über die Buchhaltung. Zuerst war es nur ein Zimmer und drei moç. Kollegen, darunter ein Aufräumer. Jetzt haben wir die ganze „Casa“ [Haus] mit drei Zimmern. Die Fenster haben nur Läden, das ist gut, wenn es warm ist, für den Luftzug. Decken haben die Zimmer nicht. Türen und Fensterläden haben Gummi als Bänder [Scharniere] und die Schlösser sind ein Problem für sich. Trotzdem haben wir ganz ordentliche Schreibtische, für jeden einen, einige Schränke, z.T. sind sie von der „Fortschritt“-Werkstatt und auch Aktenordner und Formulare verschiedener Art sind da. Als ich ankam, lag alles auf einem einfachen Regal, verschmutzt und die Ratten tummelten sich darauf. Jetzt ist alles in Schränken und zumeist unter Verschluß. Das Schreibpapier ist bald verbraucht, denn solange etwas da ist, wird immer voll weggenommen. Jedes kleine Schreiben interno wurde mit zahlreichen Durchschriften verfaßt. Jetzt unterschreibt Wolfgang [Smardz] nur noch halbe Bögen und bald kann er die drei Leute aus dem Schreibbüro auf das Feld abkommandieren, sobald das letzte Papier verschrieben ist.

Die Buchhaltung braucht vor allem Formulare. An Blöcken für Kasse, Lieferscheinen und Rechnungen ist genug da, fast bessere Formulários als bei uns zu Hause. Auch eine Kartei für die Finanzbuchhal-tung, wie vor 20 Jahren [bei uns], konnte ich einrichten. Es fehlt aber an Journalen, Blaupapier und Karteien für die Materialbuchhaltung und die Lagerfachkarteien. Es fehlt Leim, Klebpapier, Schere, Messer, Heftklammern u. a. Einen Klammeraffen [Bürohefter] haben sie, auch Klammern, da wird ge-klammert, alles was geht, solange der Vorrat reicht …. Meine Vorschläge zur Organisation der Buch-haltung wurden akzeptiert. Jetzt haben wir folgendes Organisationsschema vorgesehen:

Hauptbuchhalter (1 Moç., 1 Alemão)

 

 

Finanzbuchhaltung

 

 

Grundmittel                 Sector Material            Kasse              Lohnbuchhaltung       Betriebsladen

Investitionen

Eigentum

 

Der Hauptbuchhalter wurde neu eingesetzt. Er war es schon einmal, hat aber zeitweilig Alkohol getrunken. Er hat wohl 9 Klassen besucht und auch einige Erfahrung. Vom Kontenplan und dergleichen und wie man das alles organisiert, dazu fehlt jede Ausbildung und Erfahrung. Der Sektor Grundmittel ist noch nicht besetzt, das eilt auch nicht, denn  ich kann ja nicht alle zugleich ausbilden. Weil die Kasse hier eine sehr bedeutende Stellung hat, mußte ich sehr viel helfen und habe jetzt auch noch eine Frau eingestellt, welche einen Teil der Kasse übernehmen soll. Eine Person schafft das nicht. Dazu aber später noch etwas.

Der erste Hauptbuchhalter hatte mir lediglich das Gesetz über die staatlichen Betriebe gegeben. Mit Mühe habe ich es übersetzt. Er mußte eine andere Aufgabe bekommen, weil er Sachen verschoben hat. Der Verkäufer mußte ins Gefängnis. Von Buchhaltung hatte dieser Hauptbuchhalter auch keine Ah-nung. In seinem Schreibtisch lagen 900.000 MT und 10.000 Meticais beträgt nur das zulässige Limit. Es war völlig ungeordnet, nicht registriert auf Belegen oder in einem Kassenbuch. Jetzt habe ich den vierten Kassierer und noch die neue Frau dazu. Die Kasse hat noch nie gestimmt. Hier in Moçambique verbringen die Betriebe viel Zeit mit Geldbewegung und Geld zählen, viel Geld ohne Wert. Als ich ankam gab es mehrere Lohn-Restlisten, außerdem viele Listen über „Troco“ – das ist Wechselgeld, welches der Betrieb mehrere Monate den Arbeitern nicht auszahlen konnte, weil Mangel an Münzen und kleinen Scheinen herrscht. Kleine Scheine sind 50 MT oder 100 MT. Auch im Laden gab es eine Liste, wonach viele Leute noch Wechselgeld zu kriegen hatten. Die Arbeiter wurden von den „Herren Buch-haltern“ abfällig behandelt. Bei mir hatten sie mit solchen Methoden kein Glück. Traktoristen oder Melker in Frauenprießnitz hätten solche Buchhalter längst eines anderen belehrt. Auch die Lohnzahlung ging schleppend und fragt nicht, mit welchen Methoden. Hier kann nichts gestimmt haben. Wir legten fest, daß die Buchhaltung erst dann Geld erhält, wenn die anderen Werktätigen ordentlich ausgezahlt wurden und siehe da, es ging besser. Es gab viele zerrissene und zerschlissene Noten. Wechselgeld gab die Buchhaltung nur wenn sie wollte. Inzwischen darf kein schlechtes Geld mehr an die Arbeiter gege-ben werden und täglich ist jetzt Kassendienst für Wechselgeld und andere Kassengeschäfte. Mit der Bank habe ich einiges abgemacht, damit wir wöchentlich zweimal Geld am Nachmittag, nach der Kassenzeit der Bank, einzahlen dürfen. Im Betrieb habe ich einen ordentlichen Geldumlauf organisiert. Das ist wichtig, denn das einzige „Geschäft“ gehört dem Betrieb, Verkäufe von Mais, Gemüse u. dgl. erfolgen täglich. Zur Zeit verkaufen wir täglich 15 bis 20.000 frisch geerntete Maiskolben an die Bevöl-kerung und einen Teil an „Agricom“, eine Art VEAB. Abends bringt mir dann Manuel 40 – 60.000 MT in die Wohnung. Da sitzen wir und sortieren, zählen und rollen. Vorher wurde das nicht gemacht. Ständig muß ich mir etwas neues einfallen lassen, um die Organisation zu verbessern und die Arbeit effektiver zu machen. Weil der Maiskolbenverkauf viel Geldbewegung mit sich bringt, mußte ich noch einen zweiten Kassierer, eine Frau, einstellen. Sie hat aber Probleme, denn das fast einjährige Kind ist immer mit auf Arbeit, hat Hunger und keinen Nuckel, da muß die Mutti stets die Brust geben. „Zählen“ tut der Kleine auch schon. Die Frau kann aber nicht das Kassenbuch schreiben, dazu fehlt das Geschick, in Zeilen und Spalten zu schreiben. Auch Training half da nicht und so schreibe ich die Belege vorläufig selbst ein.

Der Finanzbuchhalter hat eine ziemlich gute Bildung und bleibt sicher mal nicht im Betrieb. Zur Zeit lerne ich ihm die Benutzung des neuen Kontenrahmens, die Anwendung der Kartei im Durchschreibe-verfahren und die Benutzung eines Rechnungseingangsbuches. Den Kontenrahmen hatte ich zunächst aus dem DDR-Kontenrahmen abgeleitet. So kam ich anhand des „Planes“ des Betriebes auf etwa 100 Konten, meist mit drei oder vier Stellen. Als das fertig war, brachte der Hauptbuchhalter einen Konten-rahmen, der vom moç. Staat nach Kubamuster vorgeschlagen wurde. Keiner wußte hier im Betrieb damit etwas anzufangen. Leider werden auch Konten mit 6 und 10 Stellen vorgeschlagen, viel zu kom-pliziert für diese Köpfe. Deshalb habe ich zwar die Kontenklassen nach moç. Muster übernommen, auch so manches Konto, aber bei meinem einfachen System bin ich geblieben und hoffe damit voranzukom-men. Mit dem Materialbuchhalter habe ich das Gerüst für den Material-Código erarbeitet. Er [Gabriel Sonjo] ist ziemlich intelligent und hat diesen weitgehend ergänzt. Er war schon längere Zeit in Kuba und auch schon vier Wochen in Berlin zum Lehrgang, als Técnico für die Feldwirtschaft. In einem Kollektiv kann er sich nicht durchsetzen als Leiter. Mit Inventuren will ich erst einmal die wichtigsten Konten des Materials eröffnen und schrittweise ergänzen und ausbauen. Alles sehr kompliziert, denn das Rechnen ist bei keinem eine Stärke.

Die Lohnbuchhaltung gehörte vor meiner Zeit zur Abteilung Kader, Aus- und Weiterbildung und wurde nun kurzerhand der Buchhaltung unterstellt. Bezahlt [Löhne] wurde nach Kategorien, die staatlich fest-gelegt wurden. Auf dem Felde als Handarbeitskraft gibt es nur 81 bis 105 Mark im Monat. Ein Trakto-rist erhält 135 bis 230 Mark oder ein Schlosser 335 Mark.

Ein Abteilungsleiter erhält 350 bis 400 Mark im Monat, der Direktor hat ca. 800 Mark. Natürlich kos-tet ein Kilogramm Mais auch ziemlich wenig – die Hauptnahrung. 100 kg Mais kosten etwa 32,50 Mark Ich habe zu Euerem Verständnis alles in Mark umgerechnet, denn Metical oder Meticais sagen Euch ja sehr wenig. Die Kontrolle über die Anwesenheit, noch viel weniger über die Arbeitsleistungen, ist hier nicht gegeben. Wir haben zwar über 30 Verantwortliche, aber bei denen geht es ja schon los mit der Disziplinlosigkeit. Und wenn ein einziger Lohnbuchhalter in vier Tagen für 540 Personen die Lohnlisten schreiben soll, einschließlich Lohnsteuer und SV (vergleichsweise), dann schreibt er lieber die vollen Beträge hin, da braucht er nicht zu rechnen. Inzwischen habe ich alle Lohnkategorien auf die Arbeitstage umgerechnet, so daß der Lohnbuchhalter eine bedeutende Rechenhilfe hat. Mein Taschen-rechner ist nicht wegzudenken, alle bis zur Loja rechnen damit. Es ist zwar noch eine elektrische Rechenmaschine da, aber dazu fehlt noch die Elektroenergie. Viele Monate wurde die Lohnsteuer falsch berechnet. 15 Monate lang wurden die Lohnzeilen nicht auf die Lohnkarten übertragen. Da habe ich jetzt noch einen „Lehrling“ eingestellt, der die Übertragungen vornimmt. Die Buchhalter haben, wie so oft auch andere, nicht viel Lust zur Arbeit. Sobald sie etwas können, werden sie faul oder haben Kopf-schmerzen. Sie sind überhaupt alle sehr schnell krank. – Jetzt muß ich noch für jeden Kollegen die Aufgaben schriftlich fixieren und monatlich abrechnen. Nur das Geld oder die „Lebensmittelkarte“ hilft, Disziplin und materielle Interessiertheit zu organisieren, reden hilft nicht.-

Da mir auch die Loja – der Laden – mit untersteht, haben wir auch Einfluß auf die Verteilung der Wa-ren. Es wird viel geschrieben, aber trotzdem falsch gerechnet und verschoben, weil ja niemand ein Kon-trollsystem organisiert hat, vieles ist nur Beschäftigungstheorie. In Abwesenheit vom Direktor, habe ich mit dem Director Adjunto – Wolfgang Smardz – eine Bezugskarte [ähnlich einer Lebensmittelkarte] eingeführt. Ich lege Euch eine bei. Da sowieso alle Waren erst nach Aufruf am schwarzen Brett verteilt werde, natürlich verkauft werden, gibt es jetzt für jeden neuen Aufruf eine Nummer und beim Kauf wird diese gestrichen. Eine solche Karte erhält nur derjenige, der höchstens drei Tage im Monat am Arbeits-platz gefehlt hat. Das erzieht jetzt schon ein bißchen, wenn die Familie keinen Mais bekommt, oder derjenige kein Öl, kein Petroleum usw. kaufen kann. Nur solche Karten haben Gültigkeit, die von mir mit einem besonderen Stempel versehen sind. Eine schwere Aufgabe, wenn sie an meinem Bürofenster wegen Hunger jammern, aber was soll ich machen…… [der Direktor verlangt höhere Disziplin]. Die Erfahrungen der Lebensmittelkarten helfen uns bei der Organisation. Wer gut arbeitet darf ein Fahrrad oder Radio kaufen, oder erhält es als Prämie.

Der Mais muß bis zur Ernte reichen. In diesem Monat konnte jeder Arbeiter noch 80 kg kaufen. Näch-sten Monat müssen wir auf 60 kg kürzen, weil der Lagerverwalter eine falsche Einschätzung gab. Jetzt gibt es aber viele Maiskolben zu kaufen [freier Verkauf ohne Karte auch an betriebsfremde Personen in den Dörfern und in Lichinga]. Täglich kommt neues Gemüse hinzu, so daß erst einmal niemand zu hungern braucht, wenn er immer zur Arbeit kommt oder einen Krankenschein vorlegt. Jetzt haben wir in Unango auch kubanische Ärzte, so daß auch dieses abgesichert ist.

Vor ein paar Tagen war ich zwecks Information bei der Bank. Es gibt viele Bankkonten. Ähnlich wie wir vor paar Jahren getrennte Einnahme- und Ausgabekonten hatten, so ist es hier. Der Plan der Cam-panha 1983/84 reicht von September bis August. Der Plan geht nicht auf, denn die Planer waren über-fordert. Der Betrieb hat viele Kredite für Investitionen aufgenommen. Da sehe ich noch nicht durch. Ein Grundmittelrechnung ist hier nicht vorgesehen. Damit fehlen die Abschreibungen in den Kosten und das Ergebnis wird verschleiert. Von dem „höheren“ Ergebnis, sollen die Investitionskredite getilgt werden. Prämien- und Investitionsfonds gibt es nicht gesondert. Bei der Bank habe ich einige Kreditentwick-lungen abgeschrieben, vor allem für diese Campanha. Aber auch bei der Bank werden Fehler gemacht und es wird Zeit, daß wir die Bankbuchungen auch kontrollieren. Leider gibt es hier keine Bankauszüge. Wie bei den portugiesischen Privatbanken muß man eben hingehen und die Geldentwicklung auf dem Konto selbst ablesen und kontrollieren. Es wird fast nur mit Schecks bezahlt, weil keiner dem anderen traut. Natürlich sind auch Überweisungen möglich, aber sie werden kaum gemacht. Heute kommen noch Betriebe zu uns und wollen Rechnungen von 1982 und 1983 bezahlt haben. Keiner weiß, ob sie bezahlt sind und ob diese Forderung zu Recht bestehen. Ich hoffe, die neue Organisation hilft, die Kontrolle über alle neuen Rechnungen zu bekommen.

Alles in allem erlebt man hier etwas neues und ich bin froh, diese Aufgabe übernommen zu haben. Vor allem alte Erfahrungen, einfache simple Abrechnungsformen sind hier gefragt. Viele Leute, auch in der Buchhaltung, haben nicht die achte Klasse oder eine tiefgründige Ausbildung. Ich müßte unsere Buch-haltung aus Frauenprießnitz hier haben! Wir würden ihnen schon zeigen, wie man etwas ordentlich or-ganisiert. Trotzdem kommen wir DDR-Kooperanten ganz gut zurecht. In anderen Betrieben leisten die Kooperanten anderer Länder lediglich Beratungsdienste. Wir haben uns dagegen überall im Betrieb voll eingeschaltet und der Direktor schenkt uns volles Vertrauen, was wir auch rechtfertigen. –

Einige andere Probleme. Im Betrieb wohnen noch viele Leute in zwei Baracken. Es sind Menschen aus den großen Städten, die dort keine Arbeit oder Wohnung nachweisen konnten. Im Süden des Landes, wo Hunger und Banditos große Sorgen bereiten, jetzt auch noch schlimmes Hochwasser in Maputo war, konnten diese „Inproductivos“ nicht bleiben. Hier im Norden gibt es genug Land, genug Arbeit und genügend zu essen. Wir bauen Wohnungen, aber es geht langsam, weil nur einheimisches Material Anwendung findet: Rundholz [Derbstangen], Lehm, Elefantengras für das Dach, Bambusstäbe. Einige Volksseuchen wie Tbc, auch Malaria u.a. haben auch ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung, der vor allem Eiweiß und Vitamine fehlen.

Die Dörfer hier im Norden sind schon stark konzentriert und vorwiegend an „befestigten Straßen“ ange-legt. Das heißt nicht gleich alles Asphaltdecke, sondern entspricht mehr unseren Feldwegen daheim. Es gibt Busverkehr, sofern Diesel da ist und auch eine funktionierende Eisenbahnlinie. Auch die Flugzeuge kommen regelmäßig, als Brücke nach Maputo. Das Land hat viele Probleme und man hat den Eindruck, daß nach der starken Errungenschaft der Befreiung jetzt die Ernüchterung in der wenig funktionierenden Wirtschaft kommt. Wir haben  ja in der DDR auch mit diesen Problemen zu tun gehabt. Hunger, Schie-bereien, Pseudorevolutionäre und auch Faulenzerei usw., all das gab es auch bei uns. Hier fehlt aber vor allem die Arbeiterklasse und die volle Wirkung der revolutionären Partei. Hier begreift man Lenin mit seiner Lehre erst richtig. Der Sector familiar [bäuerliche Familienwirtschaften] auf den Dörfern müßte gefördert werden, um Mehrproduktion zu erzielen. Immerhin gab es in der DDR eine Veranlagung der Bauern, freie Spitzen und auch Berechtigungsscheine zum Kauf von Kleidung, Kohlen und anderen Sachen. Hier müßte in jedem Dorf eine Art VEAB/BHG organisiert werden, Düngereinsatz und Unkraut- und Schädlingsbekämpfung auch auf kleinen Familienflächen in Gang gesetzt werden. Die vielen freien und fruchtbaren Flächen müßten für staatliche Betriebe und Cooperativas gerodet und genutzt werden. Hier müßte niemand hungern und der Export könnte blühen, um Rohöl und industrielle Produkte einführen zu können.

Das kollektiv der DDR-Bürger ist ganz in Ordnung. Monika Smardz versorgt mich bestens mit Mittag-essen und auch die Wäsche erledigt sie mit der Waschmaschine. Wir sind gut versorgt über die Beliefe-rungen von Maputo. Gemüse und Eier (sehr wenige) erhalten wir vom Betrieb, wie die Arbeiter auch. Hier am Standort wirken 11 Spezialisten der DDR, fast alle mit Frau oder Familie hier ansässig. Die Kinder werden hier ordentlich unterrichtet [bis zur 4. Klasse]. Sie spielen mit den moç. Kindern. Da gibt es keine Probleme. Wir wohnen Tür an Tür mit moç. Familien. In unserem „Prédio 24 de Julho“ woh-nen insgesamt 25 Familien, davon 8 DDR-Wohnungen. Ich wohne mit einem anderen „Strohwitwer“ zusammen, der z.Z. auf Urlaub in der DDR weilt.

Sobald die Häuser in Unango fertig sind, ziehen wir dorthin. Das hat Vorteile, weil dann die tägliche weite Fahrt (60 km eine Strecke) wegfällt. Man kann dann dort selbst Garten anlegen und die Freizeit besser nutzen. Wir können zwar jetzt viele Dinge in Lichinga nach Arbeitsschluß für Unango erledigen, weil ja die Geschäftsbeziehungen alle nach Lichinga reichen, aber dann müssen wir eben auch öfters hierher fahren, von Unango aus.

Wir wollen hier auch einen Laden in Lichinga einrichten und ständig unsere Produkte verkaufen, weil der hiesige Handel noch viele Probleme hat.

Nun ist schon Sonntag, der 18.03.84. In dieser Woche ist wieder sehr viel passiert. Ein fast neuer Trak-tor ZT 300 ist mit einem HW 80-Anhänger umgekippt, weil der Fahrer das Fahrzeug am steilen Abhang nicht beherrschte. Keine Bremsspur war zu sehen. Sie erliegen leicht dem Geschwindigkeitsrausch und wissen nicht, was sie damit anrichten können, denn das Kräftespiel der Technik, die große Last eines Traktors oder Anhängers geht nicht in diese Köpfe. Resultat: von den 18 Personen auf dem Anhänger waren zwei tot, sechs sehr schwer verletzt und zwei leichter verletzt. Hautabschürfungen und Prellungen zählen hier nicht als Verletzungen. Die meisten Leute lagen direkt unter dem Anhänger, der sich auf die Ladefläche gestellt hatte. Viele Leute mußten diese über 3 Tonnen erst mit Knüppeln hochheben, um die Verletzten und Toten zu bergen. Wir erfuhren erst später davon. Der Direktor hat sich die Unfallstelle gar nicht erst angesehen, er mußte aus anderen Gründen in Lichinga bleiben. Das erledigt hier alles die Polizei und Justiz, nicht die Direktion des Betriebes. Vorige Woche erst hat ein angetrunkener Motorista [LKW-Fahrer] einen fast neuen LKW W 50 zum Totalschaden gemacht. Vier Personen saßen im Führerhaus, zwei waren verletzt.

Ich habe viele Dias gemacht und hoffe, sie Euch zeigen zu können, wobei sie jedoch niemals die Wirk-lichkeit voll widerspiegeln.

Vielmals erinnere ich mich gern an zu Hause und auch an die LPG. Hiermit bedanke ich mich auch herzlich für den Brief von Hans-Jürgen Bräuning. In der Zeitung lese ich alle Neuigkeiten auch über Euch. Hoffentlich setzt einer von Euch meine VK-Tätigkeit etwas fort, damit ich noch mehr erfahre.

Sehr herzliche Grüße aus Moçambique sendet Euch allen

Euer Manfred Grunewald

 

Brief von Manfred Grunewald an seine Schwester und an seinen Schwager in Gera:

 

Lichinga, den 21.09.1984

Liebe Tr…. und lieber M…..!

Am 19.09. erhielt ich Eure Briefe, die Familie Smardz von Maputo kommend, mitbrachte. Sie waren in Urlaub [zu Hause in der DDR]. Alle warteten schon lange auf Post. Auch von den Eltern aus Ronne-burg, von Marion, Silke und Renate erhielt ich Post. Vielen Dank für Eure Briefe und auch die schönen Fotos. Ich habe mich sehr über alles gefreut. Wenn man so weit weg ist, sind es doch sehr schöne Er-innerungen. Überhaupt war ja mein Urlaub [im Juli 1984] sehr schön, aber eben viel zu kurz.

Hier gibt es allerhand zu tun, denn manche begonnene Arbeit wurde nicht wie notwendig fortgesetzt. Hier weiß man nicht, ob schon  morgen wieder ein anderer Floh im Kopf der Kollegen das bisher Auf-gebaute wieder zunichte macht. Auch die Verantwortlichen haben oft nur einen geistigen Horizont wie Kinder [kein Wunder bei den geringen Bildungsmöglichkeiten].

Wir sind noch gut mit Lebensmitteln versorgt, aber wegen fehlendem Dieselkraftstoff kann kein Holz mehr zu den Bäckern transportiert werden und so fehlt jetzt das Brot. Auch Licht gibt es nicht mehr. In der Trockenzeit fehlt die Wasserkraft und die letzten Züge brachten keinen Dieselkraftstoff. Unsere letzten kleinen Reserven müssen wir zur Kühlschrankbetreibung einteilen. Dazu haben wir für unsere Wohnungen ein kleines Notstromaggregat [stundenweise in Betrieb]. Wir kochen alles auf Holzkohle. Wegen DK-Mangel sind wir auch schon einige Zeit nicht täglich in Unango. Ich habe auch hier viel Arbeit in Lichinga. –

Die Natur ist jetzt völlig grau [Trockenzeit]. Täglich brennt es in der Savanne. Alles wird niedergebrannt [da die Bevölkerung jetzt neue kleine Feldflächen anlegt]. Neulich mußten wir Schutz-maßnahmen für unseren Wirtschaftshof [in Unango] ergreifen. Eine große Feuerfront näherte sich uns. Aber zum Glück halfen die Maßnahmen. Fast alle Gebäude haben ja Grasdächer, auch die vielen neuen Wohnungen in Unango. Auch hier in Lichinga, direkt vor unserem Mietshaus sind in kurzer Zeit an einem Nachmittag acht Hütten z. T. mit Inventar abgebrannt. -

Ja so könnte ich viele Begebenheiten schildern, die so recht typisch für Afrika sind. Die Entwicklung ist eben noch sehr weit zurück. –

………….

Bleibt alle gesund und seid herzlich gegrüßt von Eurem Manfred in Moçambique

 

Abschlußberichte über Moçambique und andere abschließende Bemerkungen

An den delegierenden Betrieb Interagrarkooperation (IAK) in Leipzig, von dem die Auslandskader vor-bereitet und im Ausland teilweise betreut wurden, mußte ein Abschlußbericht abgegeben werden. Der Kopf und die Gliederung des Berichtes waren in einem Schema vorgeschrieben. Die folgenden Abschlußberichte von Manfred Grunewald, Monika Smardz und Wilfried Meinert machen aber deutlich, daß nicht in jedem Fall nach diesem einheitlichen Schema verfahren wurde. Man kann davon ausgehen, daß auch die Staatssicherheit diese Berichte las und auswertete.

Die IAK forderte auch die für Notfälle unterwegs übergebenen 40 $ zurück. Manfred Grunewald gab seine 40 $ und auch die Dollar der Familie Smardz zurück, da wir keine Quittungen hatten, die mög-licherweise die Verwendung unterwegs hätten belegen können.

 
A b s c h l u ß b e r i c h t

 

Name, Vorname:                                Grunewald, Manfred

Einsatzland:                                        Moçambique

Einsatzdauer:                                      05.01.1984 – 09.12.1984

Eingesetzt in:                                      Staatlicher Landwirtschaftsbetrieb Unango

Tätigkeit:                                            Hauptbuchhalter

Name, Vorname des Ehepartners:      Grunewald, Marion

 

I.                   Politische Lage

Während meines einjährigen Einsatzes in der Volksrepublik Moçambique hat sich die politische Lage dort weiter kompliziert. Obwohl Moçambique mit dem Abschluß des Vertrages von Nkomati (Nichtangriffspakt) mit Südafrika beabsichtigte, die innenpolitische Lage zugunsten der revolutionären Entwicklung zu ändern, gelang dieses offensichtlich nicht. Trotzdem unterstützte Südafrika weiterhin die RENAMO. Auch die an den Vertrag geknüpften Hoffnungen auf wirtschaftlichem Gebiet erfüllten sich nicht. In der Nordprovinz Niassa war offensichtlich die staatliche Leitung nicht immer Herr der Lage auf wirtschaftlichem und sicherheitspolitischem Gebiet. Die ständige Störung der einzigen Eisen-bahnstrecke von Nacala-Nampula durch bewaffnete Banditen, an deren Endpunkt die Provinzhaupt-stadt Lichinga liegt, führte zu empfindlicher Störung der Wirtschaft. Viele lebensnotwendige Güter können nur über diese Eisenbahn herangeführt werden. Im Normalfall kommt wöchentlich ein Zug an, aber es gab Zeiten (August bis Oktober 1984), als 3- bis 4-wöchige Zwischenräume auftraten. Mangel auf allen Gebieten waren die Auswirkungen. Es fehlte an Dieselkraftstoff, Düngemitteln, Seife, Mehl, Salz u.a. Wahrscheinlich ist die technische Ausrüstung der Armee im Raum Lichinga nicht ausrei-chend, um gut bewaffneten Banditeneinheiten erfolgreich zu begegnen. Die Ernährung der Soldaten ist schlecht. Ich sah einen einzigen Panzer, keinen Hubschrauber oder kein Flugzeug für militärische Zwecke. In den weiträumigen Savannengebieten ist jedoch eine bessere militärische Bewaffnung und Ausbildung erforderlich. Das Verhältnis FRELIMO- und Staatsfunktionäre der Provinz Niassa zu unserem DDR-Spezialistenkollektiv schätze ich sehr positiv ein, was sich u.a. besonders bei der Vorbereitung und Durchführung unserer Ausstellung und Veranstaltung zum 35. Jahrestag der DDR zeigte.

 

  1. Einschätzung über die Erfüllung der Aufgaben

Bei Beginn meiner Tätigkeit fand ich ein sehr reges, auf Erfüllung der Aufgaben eingeschworenes Kol-lektiv vor, das mit einer voll bestellten Fläche, gezielten Pflanzenschutzmaßnahmen, sorgfältiger Nut-zung der Wasserstaue, Einführung materieller Stimuli für die Arbeitskollektive und einer klaren poli-tischen Orientierung aufwartete. Auseinandersetzungen zur Lösung der anstehenden Probleme und Nutzung aller möglichen wirtschaftlichen Vorteile unter den gegebenen Bedingungen wurden im Kol-lektiv geführt und stärkten so den Kollektivgeist und die wirtschaftlichen Ergebnisse. Obwohl jeder Spezialist eigenständige Aufgaben zu lösen hatte, dazu im wesentlichen das jeweilige moçambiquesche Arbeitskollektiv nutzen und entwickeln mußte, gab es dennoch Unterstützung zwischen den Spezialisten, um Schwerpunkte zu meistern oder dringende Probleme schnell zu lösen. Hervorzuheben ist die Tat-sache, daß ein sehr enges Verhältnis zwischen dem moçambiqueschen Leitungskollektiv und dem DDR-Spezialistenkollektiv bestand, was auch wesentlich zur Durchsetzung der von den DDR-Spezialisten herausgearbeiteten Aufgabenstellungen beitrug.

Die erreichten Erträge bei Mais, Soja, und Gemüse machten u.a. deutlich, daß die vom DDR-Kollektiv angestrebten Lösungen erfolgversprechend sind, was das Verhältnis zu den DDR-Spezialisten sehr gut förderte. Es gab also stets eine einheitliche Linie in der Leitung.

Auf dem Gebiet der Planung und Abrechnung lagen zum Zeitpunkt meines Arbeitsbeginns nur äußerst geringe Erfahrungen und Unterlagen vor. Es gab nur geringe fehlerhafte Planungsunterlagen und keiner-lei Kontenführung sowie Kassenabrechnung.

Im einzelnen wurden folgende Aufgaben begonnen und zum Teil durchgesetzt:

  1. Tägliche Kassenführung mit Belegen und Kassenbuch sowie Sicherstellung des Bargeldes.
  2. Ausarbeitung eines betrieblichen Kontenrahmens für die Finanzbuchhaltung.
  3. Ausarbeitung eines Kontenrahmens für die Materialbuchhaltung.
  4. Konkretisierung und Kontrolle der Lohnabrechnung entsprechend der täglichen Arbeitsteilnahme.
  5. Erarbeitung einer Lohnsteuertabelle und Erarbeitung von Rechenhilfen (Tabellen) für die Lohnbuchhaltung.
  6. Einführung von Abzugsspalten in den Lohnlisten und Kontrolle der einzubehaltenden Forderungen des Betriebes.
  7. Führung eines Forderungsbuches und eines Verbindlichkeitsbuches (Rechnungseingang).
  8. Führung einer Kontrollkartei für Bankkonten.
  9. Führung einer Kontrolliste der verbrauchten Kostenarten (vereinfachtes Schema des Kostenverbrauchs).
  10. Verkaufskontrolle der verkauften Waren, wie Maiskolben, Gemüse, Mais, Bohnen usw.
  11. Ausgabe und Kontrolle von Lebensmittel- und Warenbezugskarten für die Arbeiter zwecks gerechter Verteilung der Fonds.
  12. Abstimmung mit der Bank über Erfüllungsstand von Kosten und Erlösen sowie Nutzung der Investitionslimite.
  13. Ausarbeitung des Anbau-, Produktions- und Finanzplanes für die Kampagne 1984/85 vorwiegend im Spezialistenkollektiv.
  14. Anfertigung von Inventarlisten und erste Vorstellungen für einen Kontenrahmen der Grundmittel.
  15. Inventur der Umlaufmittel zum Abschluß der Kampagne 1983/84.
  16. Unterstützung zur Vorbereitung, Eröffnung und Betreibung einer Gemüseverkaufsstelle in Lichinga.
  17. Kontrollsystem über die Bezahlung der Finanzverpflichtungen durch Schecks.

Zahlreiche Aufgaben konnten nur unter ständiger Kontrolle durch mich realisiert und aufrecht erhalten werden. Die geringe Qualifikation und teilweise Gleichgültigkeit der moçambiqueschen Kollegen ließen es nicht zu, kurzfristig und ohne Rückschläge ein Problem zu lösen.

Selbst teilweise qualifizierte moç. Kollegen glaubten, daß ein Bankkonto zur Aufnahme von Ausgaben und Einnahmen zur Darstellung der ökonomischen Tätigkeit des Betriebes genüge. Es fehlten im Kollektiv der Buchhalter: ökonomisches Verständnis, Kenntnis der politökonomischen Zusammenhänge, die Achtung des staatlichen Eigentums und häufig auch der Wille, etwas zu lernen. Von großem Nachteil war, daß die Funktion des Hauptbuchhalters mehrfach neu besetzt wurde. Neben Unterschlagung von Geld und Kleidung im Betriebsladen sowie Alkoholismus, lag bei mehreren Buchhaltern auch Desinteresse vor, ein modernes System der Abrechnung und Kontrolle anzuwenden. Das führte zum wiederholten Wechsel der Kader und verhinderte so die Ausbildung eines gereiften, interessierten und verantwortungsbewußten Hauptbuchhalters. Für mich war vom Vorteil, daß ich in meiner beruflichen Ent-wicklung einfache Formen der Planung und Abrechnung zu Beginn der kollektivwirtschaftlichen Entwicklung in LPG und auch im VEG in der DDR kennengelernt hatte und so diese Erfahrungen bei meiner Tätigkeit in Moçambique anwenden konnte. Auch fehlende Formulare  u.a. fehlendes Material mußte häufig mit Improvisieren überbrückt werden.

 

III.             Wirtschaftliche Situation des Betriebes

Die ökonomische Situation des staatlichen Betriebes Unango wurde von der Finanzdirektion der Provinz Niassa und auch von der Entwicklungsbank Moçambiques, Provinzfiliale Lichinga, sehr positiv einge-schätzt. Durch die gewaltige Übererfüllung der gesteckten Ziele in der Maisproduktion, den Verkauf von Maiskolben und umfangreichen Gemüses, gab es direkt positive Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung in Lichinga und das Arbeitskollektiv des Betriebes sowie deren Familien. Obwohl eine klare abgrenzende Form der Rechnungsführung zwischen den Kampagnen noch nicht existierte und auch Kostenbelastungen aus vergangenen Zeiträumen auf das Kostengeschehen der Kampagne 1983/84 wirkten, waren die Kosten und Erlöse im wesentlichen ausgeglichen und damit für moçambiquesche Verhältnisse ein ansprechendes ökonomisches Ergebnis erreicht. Besonders die Erträge bei Mais, der Verkauf von Maiskolben und Gemüse wirken sich positiv aus. Der Ertrag von Speisebohnen war auf Grund des abgebauten und schlechten Saatgutes nicht zufriedenstellend. Wie auch bei verschiedenen anderen Kulturen, wurde im Betrieb die Vermehrung von qualitätsgerechtem Bohnensaatgut betrieben, um die Erträge in der kommenden Kampagne entscheidend zu erhöhen. Das ist deshalb von großer Be-deutung, weil die Bohnen nach Mais als zweitwichtigstes Nahrungsmittel anzusehen sind. Das erforderliche Pflanzgut für Kartoffeln traf nicht ein, so daß die geplanten Kartoffelflächen nicht realisiert werden konnten. Der Anbau von Maniok, Süßkartoffeln und Erdnüssen sowie Soja wurde teilweise auf größeren Flächen ausprobiert und mit Erfolg betrieben.

Fehlender Dieselkraftstoff und mangelnde Initiativen der zuständigen moç. Stellen verhinderten seit ca. 10 Monaten die Erweiterung der Nutzflächen. Positiv wirkte die Nutzung des Holzes für Brennzwecke [Rodungsrückstände, die nicht sinnlos abgebrannt wurden] und Holzkohleproduktion. Das hatte Vorteile für die Betriebsangehörigen und auch die Hotels und Krankenhäuser [sowie Bäcker].

Hervorzuheben ist der Bau von zwei Wasserstauen. In der Kampagne 1983/84 erfolgte erstmalig der volle Stau und auch die entsprechende Nutzung des Wassers für den Gemüseanbau in der Trockenzeit. Leider verhinderte fehlender DK die kontinuierliche Wassergabe auf den Beregnungsflächen, so daß ein noch höherer Nutzeffekt erreichbar gewesen wäre.

Die Technik unterliegt auf Grund geringerer technischer Erfahrungen und mangelnder Qualifikation einem höheren Verschleiß als in der DDR. Nicht immer waren die erforderlichen Ersatzteile in aus-reichendem Maße greifbar. Improvisation und auch zahlreiche zeitweilig stillgelegte Traktoren waren dann die Folge. Für die Bestellung, Pflege und Ernte waren jedoch ausreichend Zugkräfte und Mäh-drescher vorhanden. Positiv wirkte, daß in der Ernte sehr schnell alle verfügbaren Mähdrescher nach einem Ernteplan eingesetzt wurden. Damit wurde Verlusten durch Abbrechen der Kolben und Termi-tenfraß vorgebeugt. Positiv wirkte auch die kollegiale Hilfe unseres Betriebes im landwirtschaftlichem Betrieb Matama [chinesische Kooperanten] mit zwei Mähdreschern.

Die Werkstatt des Betriebes unterstützte auch die Arbeiter mit Schweißarbeiten an Fahrrädern, der Pro-duktion von Eimern, Töpfen und Holzkohleherden, was zur Verbesserung des Lebens des Arbeitskol-lektivs beitrug.

Probleme bereitete die unvollständige Information seitens der DDR über die Lieferung der Container-werkstatt. Bei Einreise des Monteurs war lediglich Baufreiheit gefordert worden. Der Betrieb und das Spezialistenkollektiv hatten aber keine Zeichnung über die zu errichtende Werkstatt und auch keine Informationen über die abgesandten Teile, Kisten, Collis.

Der schnellen Erweiterung der Tierproduktion standen mehrere objektive Ursachen im Wege. Es be-stand keine Möglichkeit zum Kauf von Jungtieren, Milchkühen oder Zuchtschweinen. 1984 mußten zahlreiche Rinder wegen Tbc gemerzt werden, was dem schnelleren Aufbau der Mastrinderherde ent-gegen wirkte. Dennoch gab es einen deutlichen Fortschritt bei allen Tierarten und auch positive Wir-kungen auf die Ernährung des Arbeitskollektivs unter den dortigen Bedingungen, die jedoch keinesfalls mit den Ernährungsgepflogenheiten von DDR-Bürgern vergleichbar sind.

Besonders große Bedeutung hatte die Entwicklung des Bauwesens. Das Arbeitskollektiv des Betriebes setzte sich im wesentlichen aus vier Gruppen zusammen:

  1. Amnestierte ehemalige Strafgefangene
  2. Bevölkerung aus Unango und nahe gelegenen Dörfern (bis 30 Kilometer Entfernung)
  3. Ehemalige inproduktive Personen, die vorwiegend aus der Hauptstadt mit der „Aktion Produktion“ nach Unango gelangten
  4. Qualifizierte Arbeitskräfte von den Schulen des Landes als Leitungskader

Die Masse dieser Personen benötigte dringend Wohnraum, so daß dem Wohnungsbau auf traditionelle Weise der Vorrang im Bauwesen gegeben werden mußte.

Ca. 90 bis 100 Arbeitskräfte waren ständig im Bau beschäftigt. So entstand ein ganzes Betriebsdorf, wodurch die Wohnungsnot beseitigt wurde. Außerdem entstanden Ställe, Werkstätten, Lagerhallen und Brunnen. Vor allem für die Wasser- und Energieversorgung fehlen noch geeignetere Lösungen.

 

  1. Zusammenarbeit mit dem Generallieferanten und anderen DDR-Partnern im Ausland

Zu diesem Komplex kann ich keine näheren Ausführungen machen, da ich kaum Kenntnisse dazu besitze.

 

  1. Zusammenarbeit mit dem ausländischen Partner und anderen ausländischen Kooperanten auf gleichem Projekt/Vorhaben.

Die Staatsfarm Unango hatte ständig Probleme bei der Finanzierung der Rechnungen über eingegangene Technik und Ausrüstungen aus der DDR.

Das „Projekt 120.000 Hektar“ ist ein zentrales Projekt und müßte Finanzierungsquellen planmäßig durch das Ministerium für Landwirtschaft eingeräumt bekommen. Die Gewährung von Limiten erfolgte aber unkontinuierlich und nicht planmäßig. Es gab also ständig Probleme mit der Bank bei der Bezah-lung von Rechnungen, einschließlich der monatlichen Rechnungen über den Spezialisteneinsatz. Die Provinzdirektion für Finanzen vertrat die Auffassung, daß diese Leitungskosten für die DDR-Spezia-listen in den Kampagnekosten zu tragen sind und nicht als Investitionen abgerechnet werden dürften. Mit dem Ministerium und dem Zentralkabinett des Projektes in Maputo gab es aber darüber keine Abstimmung und Lösung des Problems.

 

  1. Situation im Auslandskollektiv

Das Spezialistenkollektiv Unango arbeitete zielstrebig unter Leitung des Gen. Wolfgang Smardz und erreichte sehr positive Ergebnisse auf allen Gebieten. Herausragend war die Fähigkeit des Gen. Smardz, daß er sehr schnell erkannte, welche Erkenntnisse der tropischen Landwirtschaft können unter den na-türlichen Bedingungen von Niassa mit welchen subjektiven Faktoren und technisch-organisatorischen Mitteln umgesetzt werden. Da Gen. Smardz stets mit dem Kollektiv die Situation analysierte, Möglich-keiten der Umsetzung von Erkenntnissen und Erfahrungen erörterte, gelang es auch mit Hilfe des kol-lektiven Meinungsstreites Wege zu finden und Lösungen auch in komplizierten Situationen zu erreichen, die arbeitsökonomisch vorteilhaft und erfolgversprechend waren. Die Zielstrebigkeit, politische Klarheit, Festigkeit bei der Durchsetzung und auch Überzeugungskraft des Gen. Smardz übertrug sich auch in schwierigen Situationen auf das Kollektiv und förderte so die Leistungsfähigkeit des Kollektivs. Häufig wurde auch anhand der realen positiven Ergebnisse bei der Lösung eines bestimmten Problems bewie-sen, daß anfängliche Zweifel unberechtigt waren und immer aufs Neue Schwierigkeiten gemeistert wer-den müssen in einem Land wie Moçambique. Alle Spezia-listen bewiesen eine hohe politische Reife, waren überzeugt von der Richtigkeit des beschrittenen Weges zum Aufbau von Staatsfarmen in Moçam-bique und setzten ihr Wissen und Können zum Gelingen dieser Aufgabe ein. Die Zusammensetzung des Kollektivs halte ich für sehr gut. Dabei war für mich immer entscheidend, daß trotz der Spezialkennt-nisse auf fachlichem Gebiet Kader mit politischer Reife, Interesse für das Ganze und auch Bereitschaft zur Hilfe und Unterstützung anderer Genossen vorherrschten.

 

  • Familiäre Probleme

Da ich ohne meine Ehefrau als Spezialist tätig war und somit einzeln im Kollektiv lebte, war ich auf Hilfe verschiedener Genossen angewiesen. In der Hausarbeit muß man als Mann gleichermaßen Qua-litäten aufweisen, da sonst ein Leben ohne Probleme kaum denkbar ist. Aus der Sicht der umfangreichen Hausarbeit und Bewältigung anderer Probleme, ist die gemeinsame Ausreise von Ehepaaren zu befür-worten, aber das fehlende Angebot von Arbeitsverträgen für Frauen wird das auch weiterhin sicherlich erschweren. In meiner Familie zu Hause gab es nur wenige Probleme, die meine Frau selbständig zu lösen in der Lage war.

 

VIII.        Sicherheitsprobleme

Bis gegen Ende September 1984 war die Sicherheitslage als erträglich anzusehen. Obwohl mehrfach, seit August in stärkerem Maße, die Zugverbindung zwischen Nampula und Lichinga von bewaffneten Banditen gestört wurde, waren die Einschränkungen für uns noch erträglich. Während der Dunkelheit gab es keinen Ausgang mehr, der Bewegungsradius war auf die Stadt Lichinga begrenzt und allein durf-te kein Erwachsener längere Zeit oder weitere Strecken passieren. An- und Abmeldung waren erforder-lich geworden. Für Kinder galten noch strengere Sicherheitsmaßnahmen. Im Oktober und November wurden die Sicherheitsmaßnahmen noch weiter verstärkt, da auf der Strecke zwischen Lichinga und Unango Banditen gesehen worden sind, in entfernteren Dörfern und auch im landwirtschaftlichen Be-trieb Matama Attacken gegen die einheimische Bevölkerung auftraten. Seit dem 12. Oktober hatten wir einen militärischen Begleitschutz aus Angehörigen der Betriebsmiliz und alten FRELIMO-Kämpfern. Man hatte im Betrieb 30, in der neuen Stadt Unango 30 und in Bagarila (auf der halben Strecke zwi-schen Lichinga und Unango gelegen) 40 FRELIMO-Kämpfer mit Familien neu angesiedelt, um unsere Sicherheit und die des Betriebes zu erhöhen. Auch bei Fahrten auf die Felder wurde seit diesem Zeit-punkt stets ein bewaffneter Begleitschutz, vorwiegend durch FRELIMO-Kämpfer gewährleistet. Uns war bekannt, daß eine Gruppe schlecht bewaffneter Banditen (erst hieß es 20, dann später 50) in der Nähe existieren sollen, die jedoch am 16.10.1984 im landwirtschaftlichen Betrieb Matama eine Schlap-pe erlitten hatten. Die toten Banditen wurden im Bataillon Lichinga der Bevölkerung gezeigt. Die An-gehörigen der FRELIMO und der Betriebsmiliz observierten unter der Bevölkerung und nahmen Kolla-borateure fest (am 31.10.1984 fünf Personen). Von diesen Kollaborateuren sollen früher zwei zur FRELIMO gehört haben. Auch in Bagarila wurden durch die dortigen FRELIMO-Kämpfer zwei Ban-diten festgesetzt. Sie wurden alle dem Bataillon Lichinga zugestellt. Am 29.11.1984 gab es die erste direkte Attacke durch bewaffnete Banditen gegen die Straße nach Unango. Ein Privat-LKW, der Mais von unserem Betrieb nach Lichinga transportierte, wurde verbrannt und die beiden Fahrer getötet. Ein folgender LKW entging der Attacke, kehrte um und informierte uns in Unango. Mit verstärkter Bewa-chung fuhren wir an diesem Tag nach Lichinga. Das war mein letzter Arbeitstag in Unango. Die Nachricht vom Tode meiner sieben Genossen sowie zwei Verletzten erreichte mich am 06.12.1984 [abends] in Maputo. [Nachdem ein weiterer Verletzter starb, hatten wir 8 Tode zu beklagen. Außerdem wurde ein jugoslawischer Spezialist getötet und mehrere Moçambiquer. Durch die Flucht des LKW mit den Landarbeitern konnte ein noch größeres Massaker verhütet werden. Die Bewachungsmannschaft war fast wirkungslos.]

Aus heutiger Sicht muß ich konstatieren, daß offensichtlich die Informationen über Anzahl, Bewaffnung und den Aktionsradius der bewaffneten Banditen nicht exakt waren. Die Bemühungen von Direktor Paulo Francisco Zucula und der Genossen Wolfgang Smardz und Uwe Wriedt, täglich die Sicherheits-lage einzuschätzen und über den Fortgang der Arbeit zu entscheiden, ist positiv einzuschätzen.

Selbstverständlich waren wir alle keine militärisch gebildeten Kader und auch keine Sicherheits-spezialisten. Erfahrungen mit Konterrevolutionären hatten wir nicht. Uns bestärkte immer der Glaube, daß die bewaffneten Banditen uns als DDR-Bürger nicht angreifen würden, höchstens daß wir der Sachen beraubt würden. Sicherlich widerspricht diese Auffassung jeder Lehre und Logik, denn Faschisten und Terroristen haben niemals nach der Nationalität oder anderen Merkmalen  gefragt, wenn es galt, ihre Ziele durchzusetzen. Heute würde ich unbedingt eine Waffe benutzen und mich auch einer  militärischen Ausbildung vor dem Auslandseinsatz unterziehen.

 

  1. Hinweise im Zusammenhang mit den Reisen zum bzw. vom Einsatzland

Vor meiner Abreise von Maputo nach Berlin gab es Probleme mit der Erlangung eines Tickets für mei-nen Flug mit „Interflug“ nach Berlin. Da der Partner diesen Flug bezahlt, legt Moçambique Wert darauf, daß die Tickets auch auf der LAM [Linhas Aéreas de Moçambique] abgeflogen werden und nicht auf „Interflug“ umgebucht werden. Hier müßten Regelungen getroffen werden, die die Erlangung eines sicheren Tickets termingemäß gewährleisten.

 

gez. Manfred Grunewald

21.01.1985

 

Monika Smardz stellte ihren Abschlußbericht ebenfalls zur Verfügung, der sich zwar in einigen Pas-sagen mit den bisherigen Ausführungen deckt, aber auch ganz andere Aspekte aufgreift:

 

A b s c h l u ß b e r i c h t

 

Smardz, Monika

Moçambique

vom 03.03.1983 – 06.12.1984

Staatsfarm Unango

Abteilungsleiter Viehwirtschaft

Steudnitz, den 25.02.1985

 

Seit dem Jahr 1984 war eine ständige Verschlechterung der politischen Lage zu verzeichnen. In allen Provinzen. In allen Provinzen breiteten sich die Banditos aus und terrorisierten die Bevölkerung. Da die Provinz Niassa nur eine Zugverbindung zum Hafen Nacala hat, wurde immer wieder versucht, den Transport von Diesel, Benzin, Dünger, Mehl, Salz, Zucker, Öl zu sabotieren. Wochenlang kamen keine Züge in Lichinga an und damit verschlechterte sich die Lage der moçambiquanischen Menschen und unseres Kollektivs (monatelang von 18.00 – 21.00 Uhr Strom und Wasser).

Die Moçambiquaner erhielten monatelang keine Seife, Öl oder Zucker; Kleidung gab es fast nicht zu kaufen. Daß dadurch die Unzufriedenheit wächst, ist verständlich. Trotzdem gab es keine negativen Meinungen über unsere Republik.

Eine Verwirklichung der Arbeitsaufgaben laut Vertrag war nicht möglich.

Die Viehwirtschaft bestand [zunächst] aus 110 Rindern. Zukäufe in der Provinz oder in anderen Provin-zen waren wegen Transportproblemen nicht möglich (überall Banditos).

Durch den Bau von Kaninchenstall, Hühnerstall, Entenstall und Ziegenstall konnten wir mit der Auf-zucht dieser Tierarten beginnen. Einige Tiere, wie Enten und Ziegen, konnten wir bei der Bevölkerung kaufen bzw. tauschen. Wir hatten im Dezember 1984  50 Zuchtenten, 100 Hühner, 320 Kaninchen und 130 Rinder. Durch Verkauf von Zuchttieren versuchten wir, die Produktion von Fleisch für unsere Arbeiter schneller zu erhöhen. Eine kontinuierliche Versorgung unserer 500 Arbeiter mit Fleisch und Eiern war bis jetzt nicht möglich.

Futterreserven, wie getrockneter Grünmais oder Elefantengras sowie Maisschrot und Sojaschrot, wur-den für die Trockenzeit angelegt.

Die Jahresplanung wurde durchgeführt. Monatliche und wöchentliche Planung sowie regelmäßige Aus-wertung der Arbeit in der Viehwirtschaft wurde vorgenommen. Jeder Spezialist mußte sehr vielseitig arbeiten und mit primitiven Mitteln Großes leisten. Alle Spezialisten erfüllten die ihnen gestellten Auf-gaben zur Zufriedenheit.

Auch die wirtschaftliche Situation unseres Vorhabens verschlechterte sich. Im Jahr 1984 war es nicht möglich, die geplanten Hektar zu roden, da kein Diesel vorhanden war. Durch sehr gute Organisation war es trotzdem möglich, diese hohen Erträge bei Mais, Soja und bei Gemüse zu erreichen.

Uns fehlte ständig ausreichend Diesel; Dünger hatten wir nur schlechten, der schon zwei Jahre im Hafen gelegen hatte. Die Pflanzenschutzmittel wurden ebenfalls nicht geliefert und unser Problem war das Gras [Verunkrautung in den Feldkulturen]. Viele Maschinen waren kaputt und wir hatten oftmals keine entsprechenden Ersatzteile.

Die Zusammenarbeit mit dem Generallieferanten kann nicht als ausreichend bezeichnet werden. 1984 erhielten wir erst die Ersatzteile, die 1982 fällig waren. Auch wurden Ersatzteile geliefert, die nicht nötig waren – aber schnell verschleißbare Teile fehlten. Auch die Lieferung einer Containerwerkstatt mit Schneedach für Afrika ist wohl nicht ganz passend. Es gibt viele Beispiele, aber unsere technischen Leiter Meinert und Theilig wissen mehr darüber.

Die Zusammenarbeit mit dem ausländischen Partner war sehr gut. Unsere Vorschläge und Ideen wurden gemeinsam mit dem Partner beraten und dann danach gearbeitet.

Die Zusammenarbeit unseres jetzigen Kollektivs war gut. Jeder Spezialist war in der Lage, auch andere Aufgaben zu übernehmen und diese Vielseitigkeit wird unter diesen komplizierten Bedingungen ge-braucht. Traten Probleme auf, wurden sie im Kollektiv beraten und geklärt. Ich glaube, einer war für den anderen da, wodurch eine gute Arbeit möglich war.

In unserem Betrieb arbeiteten fast nur Menschen, die vor Jahren noch Diebe, Mörder oder Schmuggler waren. Sie hatten von Landwirtschaft keine Ahnung und eine geregelte Arbeit  war für sie ein Problem. Im Juli 1983 erhielten wir nochmals 150 neue Arbeiter, die man in Maputo auf der Straße aufgesammelt hatte. Ich glaube, damit hat man die Banditos in die Provinz Niassa transportiert. Trotzdem hat sich in den zwei Jahren ein guter Stamm von Technikern und Arbeitern herausgebildet, die lernen wollten und gelernt haben.

Kontakte hatten wir mit drei Jugoslawen, die Versuche [Anbauversuche von verschiedenen Pflanzen-arten und –sorten] in unserem Betrieb durchführten.

Seit September 1984 gab es mehrere Überfälle von Banditos auf die Bevölkerung, auch auf den Staats-betrieb Matama und auf das Diesellager „Petromoc“. Seit dieser Zeit hatten wir im Betrieb 150 Arbeiter als Miliz und 30 alte Kämpfer zu unserer Sicherheit. Jeden Tag wurden wir von den Kämpfern und der Miliz begleitet. Auch die Armee unterstützte uns, aber der Kampfgeist aller Moçambiquaner war ge-schwächt durch Not, Elend und Hunger. In Lichinga wurden wir von der Sicherheit Kubaner) nicht richtig bzw. nicht ausreichend informiert. Wir waren uns oftmals selbst überlassen, obwohl unser Di-rektor Paulo Zucula immer wieder versuchte, richtige Informationen zu erhalten und uns benachrich-tigte.

Ich bin der Meinung, daß 20 Kilogramm Gepäck pro Spezialist für 10 bis 11 Monate Arbeit im Land bzw. in der Landwirtschaft nicht ausreichend sind.

 gez. Monika Smardz

 

 An dieser Stelle soll der Abschlußbericht von Wilfried Meinert folgen, der noch andere Beobachtungen und Erkenntnisse niedergeschrieben hat als M. Grunewald und M. Smardz.

Die Einsatzdauer von Wilfried Meinert als Leiter der Technik erstreckte sich auf eine wesentlich längere Zeitdauer. Auch er war für die gesamte Einsatzzeit in Lichinga vor Ort, abgesehen von einigen Dienst-reisen und Unterbrechungen durch Urlaub. Meinerts hatten auch eine Zeitlang einen Sohn mit vor Ort.

 

A b s c h l u ß b e r i c h t

 

Name, Vorname:                                Meinert, Wilfried

Einsatzland:                                        Moçambique

Einsatzdauer:                                      vom 12.12.1981 bis 14.10.1984

Eingesetzt in:                                      Lichinga

Tätigkeit:                                            Leiter der Technik

Name, Vorname des Ehepartners:      Meinert, Heidemarie

 

Der Distrikt Lichinga galt bis Ende 1983 als „banditenfrei“. Anfang Oktober 1984 wurde uns durch den „Chefe do Conselho Executivo“ offiziell, befristet verboten, von Lichinga aus auf die Farm in Unango zu fahren. Als Grund wurden Aktionen gegen die Banditen nordöstlich von Unango genannt. Zum glei-chen Zeitpunkt etwa traf in Lichinga ein größeres Truppenkontingent ein ( 4 Geschütze mit LKW und 2 SPW). 20 dieser Soldaten waren nach Aussage unseres Direktors als ständiges Truppenkontingent für unseren Betrieb vorgesehen. In der ersten Oktoberwoche kam es 15 km von Lichinga zu Aktionen der Konterrevolutionäre, wobei Hütten angesteckt und die Bevölkerung bedroht und geschlagen wurden. Nach Aussagen der Sicherheitskräfte in Lichinga fehlte es den Banditen zu diesem Zeitpunkt an Muni-tion. In und um Lichinga wurden in verstärktem Maße Volksmilizen ausgebildet, die sich aus Arbeitern, Angestellten und Direktoren zusammen setzten. Auf Grund des Fehlens dieser Kräfte in den entspre-chenden Betrieben [für Produktionszwecke] kam es dort zu Produktionsausfällen oder sogar zum Er-liegen der Produktion. Den militärischen Aktionen der regulären Streitkräfte und Volksmilizen fehlte es an der grundlegenden Organisation. Die in jüngster Zeit in der Zeitschrift „Notícia“ und auch in der DDR-Presse veröffentlichten Zahlen über die 30 bei Aktionen der regulären Streitkräfte getöteten oder gefangenen Banditen nehmen sich bescheiden aus. Laut Gerüchten bewegte sich die Zahl der in der Um-gebung von Lichinga operierenden Konterrevolutionäre zwischen 60 und 600. In Lichinga selbst und auf dem Gelände der Staatsfarm (Unango) sowie in Alt- und Neu-Unango kam es bis zum 08.10.1984 zu keinerlei öffentlichen militärischen Aktionen der Konterrevolution.

In engem Zusammenhang mit den Aktionen der Banditen und ihren Auswirkungen auf unsere Arbeit in der Staatsfarm steht die Frage der Versorgung mit Diesel. Wenn im Hafen von Nacala schon Diesel da war, bereitete es dem Partner große Schwierigkeiten, diesen bis Lichinga zu transportieren [Entfernung über 600 km]. Auf Grund der ständigen Attacken durch die Banditen, funktionierten noch zwei Loks und höchstens drei Tankwagen.

Wegen des Fehlens von Diesel, war es uns schon von Anfang September an nicht mehr möglich, jeden Tag nach Unango zu fahren. Von den zur Aussaat vorgesehenen Flächen ist nur noch ein geringer Teil gepflügt worden. Mit dem wenigen noch vorhandenen Kraftstoff wurde versucht, die Beregnung der Gemüsekulturen zu sichern. Sollte es nicht gelingen, Diesel in größeren Mengen bereitzustellen, ist die Neubestellung der Flächen nicht mehr möglich.

Die sehr guten Ergebnisse der Staatsfarm (Unango) in der Kampagne 83/84 hatten ihre Basis in der hohen persönlichen Einsatzbereitschaft aller Mitglieder des DDR-Kollektivs. Dazu muß aber bemerkt  werden, daß das DDR-Kollektiv die Leitung der Staatsfarm in fast allen Bereichen fest im Griff hatte und von Seiten des mosambikanischen Direktors nicht versucht wurde, diese Verhältnisse zu ändern. Er versuchte lediglich, die mosambikanischen Leitungskader zu größerer Kritik, zu mehr eigener Initiative, im Sinne eines ausgewogenen Gleichgewichts bei der Entscheidungsfindung, zu bewegen. Ohne diese jederzeit klare Stellung des mos. Direktors hätte es uns oft mehr Schwierigkeiten bereitet, oder es wäre oftmals nicht möglich gewesen, die Farm in dieser Form zu leiten.

Sehr positiv hat sich auch der Einsatz eines echten Praktikers als Leiter der Gruppe (Spezialisten) aus-gewirkt. Der Einsatz von echten Praktikern ist erste Voraussetzung für die Bewältigung der oft sehr diffizilen Aufgaben. Speziell für den Bereich Technik muß man sagen, daß es nur durch unsere prak-tischen Erfahrungen und Fähigkeiten möglich war, daß sich unsere Farm schon in der Frage der Ein-satzbereitschaft der Technik deutlich von allen anderen Betrieben der Provinz abhob.

Der Hauptanteil der zu bewältigenden Schwierigkeiten resultierte aus den im Land bestehenden Bedin-gungen und Voraussetzungen, ein nicht geringer Teil aber wurde von „Fortschritt“ mit exportiert. Halb auf Mais, halb auf Weizen ausgerüstete Mähdrescher, zum Inlandverkauf in der DDR vorgesehene Maschinen, die zum Export als Decksladung verschifft wurden, ungenaue und unmögliche Adressen auf Ladungen und in Schiffspapieren, nach DDR-Möglichkeiten und nicht nach Notwendigkeit zusam-mengestellte Ersatzteillieferungen, fehlerhafte Ersatzteilkataloge oder gar keine Unterlagen, sind nur einige Beispiele für Unzulänglichkeiten, die schnell den Namen einer Firma in Verruf bringen und für das Personal vor Ort den Arbeitstag schnell auf zehn Stunden ansteigen lassen.

Die Überstunden und die Anrechnung des Entschädigungsaufwandes stellen eines der finstersten Kapitel beim Aufbau der Staatsfarm dar.

Wir erhielten das Vertrauen und die Ehre, die DDR im Ausland zu vertreten. Wir taten und tun das mit aller Kraft und unter Zurücksetzung persönlicher Belange, wir haben aber nicht das Recht, dieses vergütet zu bekommen. Dazu kommt, daß der Transfer im Rahmen der Vergütung mit einer Verspätung von über einem Jahr überwiesen wurde. Mich persönlich kann auch die jetzt funktionierende Lösung der vierteljährlichen Überweisung nicht befriedigen. Im Zeitalter der Mikroelektronik ist das „Mittelalter“.

Die Stimmung des Kollektivs ist trotz der einschneidenden Beschränkungen in bezug auf den Ausgang und die mißliche Energielage noch als gut zu bezeichnen. Es wurden Mittel und Wege gefunden, über ein umgebautes Notstromaggregat das Backen, Waschen und die Funktion der Kühlschränke aufrecht zu erhalten. Zur Ablenkung vom täglichen Trott ist natürlich für die nicht arbeitenden Ehefrauen und Kinder fast gar nichts da. Warum wird nicht in einem solch großen Kollektiv, wie es in Lichinga existiert, z.B. ein Videorecorder stationiert? Den hatten sogar die sehr bescheiden lebenden chinesischen Kooperanten mit vor Ort in Lichinga.

Die Zusammenarbeit mit dem mosambikanischen Partner, speziell in meinem Bereich der Technik, war sehr gut. Als ungenaue, aber sehr oft zutreffende Faustregel, kann für den Partner (Mosambik) gesagt werden, daß mit steigender Funktion des betreffenden Partners (Funktionsträgers) die Bereitschaft zur Zusammenarbeit abnimmt. Für alle anderen ausländischen Kooperanten muß man sagen, daß die Zu-sammenarbeit durchweg sehr gut war.

 November 1984, gez. Wilfried Meinert

 

Vortrag

über die Arbeit einer Spezialistengruppe im Staatsbetrieb für Landwirtschaft Unango/Niassa

Gehalten wurde der Vortrag von Monika Smardz anläßlich eines Treffens zahlreicher im Ausland tätiger Spezialisten im Jahre 1986. Das Treffen wurde organisiert vom Betrieb IAK Markkleeberg.

Dieser Vortrag kann dem Inhalt nach gewissermaßen als Zusammenfassung der Aktivitäten und Ergebnisse seitens der DDR-Spezialisten in Unango betrachtet werden.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

In diesen Tagen jährt sich zum siebenten Mal, daß Erich Honecker und Samora Machel in Maputo den Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit unterzeichneten. Anläßlich des 5. Jahrestages wurde im ND vom 24.02.1984 auch die Arbeit unseres Kollektivs der Staatsfarm Unango erwähnt. Im gleichen Artikel äußerte mein Mann: „Wir wollen einen Beitrag mit unserer Arbeit dazu leisten, daß die Folgen der kolonialen Vergangenheit überwunden werden und es den Menschen besser geht.“ Er sagte weiter: „Wunderdinge erwartet von uns keiner. Unser Ziel ist es vielmehr, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, den größten Nutzen für Moçambique zu erwirtschaften. Entsprechend des abgeschlossenen Regierungsabkommens zwischen der DDR und der VRM wurde im Oktober 1981 mit dem Aufbau der Staatsfarm in Unango begonnen.

Die Aufgabe bestand darin, in der Provinz Niassa, im Norden von Moçambique, 20.000 ha Savanne zu roden und Staatsfarmen aufzubauen. Seit dieser Zeit war auch ein Spezialistenkollektiv der DDR in Unango tätig. Der Betriebsstandort befand sich 60 Kilometer von der Provinzhauptstadt Lichinga ent-fernt.

Wir Spezialisten wohnten mit unseren Familien in Lichinga. Zusammen mit weiteren DDR-Bürgern, die in der Provinzregierung und Forschung tätig waren, lebten zeitweilig 38 DDR-Bürger in Lichinga. [Diese Zahl betrifft sowohl die Spezialisten, Ehefrauen und Kinder].

Unser elfköpfiges Spezialistenkollektiv fuhr täglich ca. 60 Kilometer mit dem Kleinbus B 1000 nach  Unango und zurück. Diese 120 Fahrkilometer täglich waren eine große Belastung, die sich jedoch später noch steigerte, weil wir infolge VK-Mangels mit dem LKW bzw. Werkstattwagen fuhren und dazu die Disziplin der Kolonnenfahrt einhalten mußten. An der Fertigstellung der aus der DDR gelieferten Fertigteilhäuser und weiterer Bauten wurde gearbeitet, um die Spezialisten mit ihren Familien vor Ort unterzubringen. Die Energie- und Wasserversorgung waren jedoch noch nicht geklärt.

Unsere mosambikanischen Arbeitskräfte waren vorwiegend amnestierte Häftlinge, ehemalige Arbeits-lose und Bevölkerung aus der Umgebung, die oft noch gar nicht der portugiesischen Sprache kundig waren. Schrittweise wurden später mittlere Kader, die an Schulen des Landes ausgebildet waren, zugeführt. Etwa 500 Arbeitskräfte waren im Betrieb tätig. Da für die größte Anzahl dieser Menschen Wohnraum geschaffen werden mußte, waren etwa 100 Personen im Bauwesen beschäftigt.

Unser Betrieb bearbeitete im 3. Wirtschaftsjahr etwa 1300 Hektar. Davon wurden ca. 1000 Hektar für den Maisanbau genutzt. Unsere Hauptaufgabe war es, Mais für die Versorgung der Bevölkerung zu produzieren. Mit 43 dt/ha erreichten wir im dritten Anbaujahr einen Ertrag, der vordem in dieser Region nie erreicht worden ist. Außerdem begannen wir bereits während der Vegetationsperiode Maiskolben (Maçaroca) zu ernten, die dringend für die notleidende Bevölkerung gebraucht wurden. Aller zwei Tage ernteten wir 15 – 20.000 Maiskolben, die unmittelbar vom LKW herunter an die Bevölkerung der Um-gebung verkauft wurden.

Nach dem Anbau von Mais hatte der Anbau von Bohnen und Soja eine große Bedeutung. Bei Speise-bohnen erreichten wir keine guten Erträge, da abgebautes Saatgut aus der Bevölkerung angekauft wer-den mußte. Dagegen war der Sojaertrag mit 2,2 t/ha sehr gut. Maniok, Süßkartoffeln und Erdnüsse haben wir zusätzlich angebaut, um die Arbeiter des Betriebes besser zu versorgen. Das Pflanzgut besorgten wir ebenfalls aus der Bevölkerung.

Wichtig für den Erfolg war die konsequente Einhaltung der agrotechnischen Termine, worauf wir trotz DK-Mangels größtes Augenmerk legten. Wir organisierten allen verfügbaren Dünger, auch wenn er schon jahrelang im Hafen lag, qualitätsgemindert war und nur noch per Hand ausgebracht werden konnte. Äußerst wichtig war auch die Arbeit des Pflanzenschutzes, von dessen Wirksamkeit das Er-tragsniveau mit beeinflußt wurde.

Wir errichteten zwei Staudämme mit einem ansehnlichen Wasservorrat. Dadurch waren wir in der Lage, den Gemüseanbau in großem Umfang zu organisieren. Hier kamen uns die Erfahrungen meines Mannes sehr zustatten, denn er hatte auch Gärtner gelernt und verfügte über tiefgründige Kenntnisse. Auf einer Anbaufläche von 50 Hektar gediehen Bananen, Ananas, Paprika, Blumenkohl, Erbsen, Gurken, Toma-ten, Zwiebeln, Kohlrabi, Möhren, Salat, Kürbis, Rot- und Weißkohl, Piri-Piri, grüne Bohnen, Eierfrüch-te und Papaya. Leider bekamen wir keinen Zitrus oder andere Pflanzen zu kaufen. So manches Kilo-gramm Saatgut gelangte im Gepäck der Spezialisten nach Mosambik.

Zunächst war an die Versorgung der Arbeiter des Betriebes gedacht, aber schon bald konnten wir auch die Bevölkerung der Provinzhauptstadt Lichinga zusätzlich mit Gemüse versorgen. Schließlich erhielten wir eine Erlaubnis für die Betreibung eines Gemüseladens im Zentrum von Lichinga. Durch unsere Staudämme waren wir in der Lage, auch in der Trockenzeit einen umfangreichen Gemüseanbau zu betreiben und konnten so das ganze Jahr über versorgen. Günstig erwies es sich, daß ca. 7 Hektar über Gräben bewässert werden konnten, da die Dieselsituation von Jahr zu Jahr immer schlechter wurde und dadurch die Beregnung über Regner eingeschränkt werden mußte.

Für die Viehwirtschaft betrieben wir in geringem Umfang einen Futteranbau, der für die Überbrückung der Trockenzeit notwendig war. Grünmais und Elefantengras wurden mit dem Buschmesser gehauen, danach getrocknet und als Vorrat aufbewahrt.

Wir verfügten zuletzt über 130 Rinder in einem Rindergral, 120 Hühner, 65 Enten, 300 Kaninchen und wenige Ziegen in Stallungen nach afrikanischer Bauart. Durch unseren Futtervorrat waren die Tiere in einem guten Ernährungszustand. Die Rinderherde wurde von uns nach neuen Prinzipien selektiert und organisiert, um den Fleischzuwachs und den Gesundheitszustand zu verbessern. Nur die besten Bullen wurden zur Zucht belassen, alle anderen männlichen Tiere wurden kastriert. Leider gab es in Niassa keinerlei Tiere zu kaufen und so mußten wir mit dem wenigen Bestand züchten und reproduzieren. Für Niassa war solch eine Studie, wie sie vorher von DDR-Kadern auch für die Tierproduktion erarbeitet wurde, noch eine reine Illusion.

Zur Technik ist Folgendes zu sagen. Im Allgemeinen hat sich die DDR-Technik auch in Unango be-währt. Der Einsatz in der Bodenvorbereitung, Düngung und Ernte erfolgte ausnahmslos jeweils im Komplex. Hier haben sich vor allem Hektarvorgaben bewährt. Fehlende Ersatzteile und mangelhafte Qualifizierung der mosambikanischen Traktoristen und Schlosser für diese komplizierten Maschinen schränkten die Einsatzfähigkeit ein. Trotzdem gelang es unseren Technikspezialisten aus der DDR immer wieder, die notwendige Einsatzbereitschaft zur rechten Zeit herzustellen und den Fortgang der Arbeiten zu sichern.

Im Bauwesen mußten wir fast ausschließlich auf traditionelle Bauweise der Afrikaner zurückgreifen, da bei weitem nicht genügend Zement und anderes Baumaterial zur Verfügung standen. Dennoch gelang es unter Anleitung der DDR-Spezialisten, das Betriebsdorf Unango (55 Häuser) zu errichten und für alle Arbeiter eine Unterkunft zu schaffen. Darüber hinaus wurden Ställe und Wirtschaftsgebäude errichtet. Auch an den fünf Fertigteilhäusern [aus der DDR] wurde gearbeitet.

Unser Spezialistenkollektiv hatte auch Einfluß auf die Ökonomie, die Planung und Verteilung von Le-bensmitteln an die Arbeiter des Betriebes. Wichtig war, daß unsere Staatsfarm ökonomische Stabilität erreichte, was beim Partner und der Bank Anerkennung fand. Wir DDR-Bürger sorgten auch für eine gerechte Verteilung der Waren im Betriebsladen für alle Beschäftigten sowie bei der Verteilung von Fleisch, wo wir selbst mit Hand anlegten. Da bedienten wir uns einer Verteilungskarte, ähnlich einer Lebensmittelkarte, was vor allem bei den ehrlichen einfachen Menschen Anerkennung fand.

Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, daß unser Spezialistenkollektiv in sehr engem Kontakt mit dem Partner täglich diszipliniert vor Ort die Arbeit organisierte. Schon vor Arbeitsbeginn waren wir alle im Betrieb zur Stelle, um mit unserem jeweiligen mosambikanischen Partner die Tagesziele zu besprechen und die notwendigen Maßnahmen konkret einzuleiten. Es hatte sich ein angenehmes Vertrauensver-hältnis zwischen den mosambikanischen Kollegen und uns entwickelt. In Zeiten der Abwesenheit des Direktors vertrat Gen. Smardz auch bei den staatlichen und wirtschaftlichen Organen die Staatsfarm in voller Kompetenz.

In regelmäßigen kurzen Abständen fanden gemeinsame Beratungen mit den mosambikanischen und DDR-Leitungskadern statt. Hier wurden alle Probleme ausdiskutiert und vielfach fanden die Erfah-rungen der DDR-Spezialisten Anerkennung bei den Lösungswegen.

Der Ausbildungsstand in Hinsicht auf tropische Landwirtschaft war in unserem Kollektiv als gut einzu-schätzen. Dagegen wäre für einige Spezialisten sicher besser gewesen, wenn vorher eine halbjährige Sprachausbildung erfolgt wäre. Das erhöht in jedem Fall die Sicherheit im Auftreten und die Wirk-samkeit des Spezialisten. Dabei mache ich keinen Unterschied zwischen Facharbeiter und Diplomland-wirt. Die Sprache braucht jeder.

Unsere Arbeit in Afrika wurde bekanntlich jäh abgebrochen infolge eines feigen Banditenüberfalls, dem acht DDR-Spezialisten auf ihrer Fahrt zur Arbeit zum Opfer fielen.

Daraus ergab sich für uns Frauen eine äußerst komplizierte Situation, waren wir doch plötzlich von den konterrevolutionären Anschlägen direkt betroffen. Alle Frauen bewiesen auch in dieser Situation Stand-haftigkeit und Lebenskraft. Wir wollten vor allem die Kinder gesund nach Hause bringen und sind bis heute dafür dankbar, daß uns viel mosambikanische Freunde und Kooperanten dabei behilflich waren.

Wir alle wissen wohl zu unterscheiden zwischen dem mosambikanischen Volk, das Hilfe braucht, und den konterrevolutionären Banden, die von imperialistischen Kräften Unterstützung erhalten. Deshalb begrüßen wir auch weiterhin die Hilfe und Solidarität für junge Nationalstaaten durch unsere Republik.

Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.

 

 

Die schweren Stunden des Abschieds von Lichinga nach dem feigen Attentat

Die Kenntnisse über den Ablauf des Überfalls auf einen LKW-Kolonnentransport bei Unango am 06.12.1984 sind von Klaus Pohl, der selbst durch einen Beinschuß verletzt wurde, aber fliehen konnte und von Direktor Paulo Francisco Zucula, der leicht verletzt worden war. [Später erfuhren wir, dass die Verletzung schwerer war, als bisher bekannt.] Eine offizielle Erklärung seitens der VR Moçambique ist uns nicht bekannt geworden. Sicher beruht das Staatstelegramm der VRM auf den realen Tatsachen. Sicher ist auch, daß die Bewaffnung und die Ausbildung der Wachmannschaft unserer LKW-Kolonne den aus dem Hinterhalt agierenden RNM-Truppen mit bester Bewaffnung und schnöder Auffassung zum Leben ihrer unbewaffneten Gegner nicht gewappnet waren. Die DDR-Spezialisten waren von allen in der Kolonne am wenigsten geschützt, nachdem die Wachmannschaft selbst in Deckung gehen mußte und nur wenige überhaupt Gegenwehr leisteten.

Der Transport wurde in den Vormittagsstunden etwa gegen 9.30 Uhr überfallen, als die LKW-Kolonne von Lichinga aus nach Unango fuhr. In Bagarila, etwa auf der halben Strecke, wurden meist die Wach-mannschaften verstärkt. Kurz vor Unango, nahe dem Betrieb, kam das „Aus“ für unsere unbewaffneten Entwicklungshelfer, die nur Gutes für Moçambique im Sinne hatten und teilweise auch bereits realisiert hatten. Eine Geiselnahme wäre doch das Mindeste gewesen, wenn in der RNM-Führung ein wenig Klugheit vorhanden gewesen wäre. Wir hatten auch keineswegs mit einem tödlich endenden Überfall gerechnet. Selbst solche lebenserfahrenen Kollegen wie Manfred Lindner, der bereits im zweiten Weltkrieg gedient hatte, war offensichtlich zu keiner Zeit auf den Gedanken gekommen, daß unser Einsatz tödlich enden könnte, da er trotz innerer Ängste stets wieder mit auf den Transport ging. Dabei hatte er seinen dreijährigen Einsatz nur um einige Wochen verlängert, damit ein nahtloser Anschluß für den neu zu erwartenden Leiter der Bauabteilung gegeben sein sollte.

Wolfgang Smardz und Uwe Wriedt wiesen bei den Sicherheitsbelehrungen in letzter Zeit stets darauf hin, daß der Einsatz in Unango vor Ort für jeden freiwillig ist. Bei Ablehnung des weiteren Einsatzes in Unango, wäre keinem ein Vorwurf gemacht worden. Leider waren das Engagement und das Interesse am Fortgang der Arbeit so groß, daß keiner eine Ablehnung aussprach.

Die Armee patrouillierte kurze Zeit später die Straße nach Unango, so daß sich die RNM-Einheit sofort zurückzog. Nach unserer Kenntnis wurden die Täter niemals gefaßt und nicht bestraft.

Vom Betrieb Unango rückten ebenfalls Hilfskräfte aus und halfen den Tatort abzusichern.

Klaus Pohl und Paulo F. Zucula hatten sich mit Mühe in der Savanne vor weiteren Schüssen dieser Scharfschützen in Sicherheit gebracht. Sie bewegten sich zurück in Richtung Bagarila. Dort trafen Armeeangehörige auf LKW ein. Zunächst glaubte Klaus Pohl, daß sich auch die anderen Kollegen vom Ort des Geschehens entfernen und in Sicherheit bringen konnten. Es stellte sich aber heraus, daß sieben seiner Kollegen, sowie ein Jugoslawe getötet wurden und Uwe Wriedt eine schwere Kopfverletzung davon trug. Klaus Pohl identifizierte nacheinander seine toten Kollegen. Völlig erschöpft, am ganzen Körper und den Beinen total von Haut abgeschunden, wurde er mit einem Jeep der Armee ins Quartier im „Prédio 24. Julho“ gebracht, wo er gegen 15.00 Uhr eintraf. Aus dem Fenster sah seine Ehefrau Karla Pohl und war in der Annahme, es habe womöglich einen Verkehrsunfall gegeben. Kurz darauf wurde für die im Hause lebenden Frauen und Kinder sowie etwas abseits lebenden DDR-Kooperanten in den anderen Häusern klar, daß hier das Schlimmste passiert war, was man sich je denken konnte. Gab es am Anfang noch Hoffnung, daß es noch weitere Überlebende geben könnte, wich diese Hoffnung immer mehr totalem Schmerz und Trauer in dem Maße wie die toten Kollegen in das Leichenhaus des Krankenhauses gebracht wurden. Monika Smardz wurde trotz einiger Versuche nicht erlaubt, das Leichenhaus zu betreten. Der schwer verletzte Uwe Wriedt wurde bereits zu früherer Zeit mit einem kleinen Flugzeug nach Maputo ins Krankenhaus geflogen.

Obwohl an diesem Tage keine Funkzeit mit der Botschaft bestand, wußte Edith Skibbe, daß andere Standorte im Land Funkzeit hatten. Somit versuchte sie mit Erfolg, die Botschaft vom dramatischen Geschehen in Unango/Lichinga zu informieren. Auch über die moçambiqueschen staatlichen Stellen wurden die Informationen nach Maputo gegeben, die danach auch der DDR-Botschaft übermittelt wurden.

Die DDR-Botschaft schaltete sich nunmehr ein, damit eine schnelle Evakuierung, zunächst aller Frauen und Kinder in Lichinga, vonstatten gehen konnte. Dazu wurde am 07.12.1984 ein Flugzeug nach Li-chinga geschickt, in dem auch Dr. Fritz Schmidt, Manfred Grunewald und weitere DDR-Verantwort-liche mitflogen. Auf dem Flugplatz Maputo wurden einige Särge eingeladen, zu wenige für die hohe Zahl der Toten, wie sich noch herausstellen sollte.

Als Manfred Grunewald in den Vormittagstunden in Lichinga im Prédio anlangte, fand er Frauen und Kinder vor, die, gezeichnet vom Erlebten der letzten Stunden und einer fast durchwachten Nacht, auf eine schnelle Evakuierung warteten. Das Wiedersehen von Manfred Grunewald mit dem verletzten Klaus Pohl und dem Direktor Paulo F. Zucula wird wohl den Beteiligten in steter Erinnerung bleiben. Man kann auch nicht vergessen, wie traurig aber dennoch gefaßt und voller Verantwortung für alles Kommende die Ehefrauen der Toten jetzt ihre Pflichten erfüllten, um die Kinder gesund nach Hause zu bringen. Jede wußte, daß der unwiederbringliche Verlust des Ehemannes neue Verantwortung auf sie selbst zur Folge hatte. Mit einem Sarg nach Hause zu reisen, statt gesund und froh über eine gelungene Mission der Entwicklungshilfe in einem der ärmsten Länder der Welt zu resümieren, wurde wohl jeder Ehefrau und Mutter bewußt in den Stunden bis nach Berlin. Fast alle Frauen und Kinder waren bereits abreisefertig. Auch Siegrid Lindner und die Ehefrauen sowie Kinder einiger anderer Kooperanten aus der DDR warteten auf die Abfahrt zum Flugplatz. Im Laufe des Nachmittags wurde erst das Gepäck zum Flugplatz in Lichinga transportiert.

Tagsüber waren die teuren Toten auf dem zentralen Platz in Lichinga öffentlich aufgebahrt worden.  Mitarbeiter der DDR-Botschaft und verschiedene Kooperanten auch aus anderen Ländern nahmen die Gelegenheit, Abschied zu nehmen. Wie uns von Direktor Paulo F. Zucula bekannt wurde, bezeugte eine überwältigende Mehrheit der Bewohner Lichingas ihre Ehrerbietung gegenüber den sieben Toten aus der DDR, einem jugoslawischen Kooperanten und mehreren moçambiquescher Bürgern, die ebenfalls den Tod fanden. Im Vorbeidefilieren an den teuren Toten nahm man schweigend und oft unter Tränen Abschied, wissend, daß nun eine wichtige Hilfe für das moçambiquesche Volk abrupt zu Ende geht. Viele staatliche Stellen und Vertreter von Betrieben und gesellschaftlichen Organisationen waren voll des Dankes für die gebrachten Leistungen und tief bewegt von dem gewaltigen Verlust infolge dieses teuflischen Überfalls auf das Spezialistenkollektiv.

Abends beim Dunkelwerden wurden auch die Frauen und Kinder sowie der verletzte Klaus Pohl und auch Manfred Grunewald zum Flugplatz gebracht.

Jetzt hieß es aber auf dem Flugplatz in Lichinga erst einmal warten, denn noch waren die Särge mit un-seren Verstorbenen nicht eingetroffen. Es war drückend warm in den niedrigen Gebäuden des Flugplat-zes. Man hatte mit Dieselaggregaten für Licht in den Räumen gesorgt. Moçambiquesche Bürger und italienische Kooperanten kümmerten sich um unsere Versorgung. Selbst uns völlig fremde Menschen nahmen Anteil an unserem Schicksal und gaben Zeichen ihrer Trauer.

Erst gegen Mitternacht wurden die Särge unserer Toten auf den Flugplatz gefahren. Jeder einzelne Sarg stand auf jeweils einem Transporter und wurde unter Anteilnahme vieler Menschen in dieser Nacht in das Flugzeug gehoben. Erst danach konnten die Angehörigen und die weiteren Passagiere die Maschine betreten. Man war bemüht zu helfen, wo man nur konnte. Auch unser Empregado Withe Saide teilte unseren Schmerz und betreute uns bis wir schließlich nach Mitternacht ins Flugzeug stiegen. Voller Tränen und Erschöpfung verließ er selbst das Flugzeug in das er uns hinein begleitet hatte, um das Ge-päck zu befördern.

Geringe spätere Informationen deuten darauf hin, daß die DDR-Spezialisten nach dem Verlassen des Werkstatt-LKW in der Nähe lagen, um sich zu schützen. Die Einschüsse lassen aber die Vermutung zu, daß die meisten Männer in der Deckung gezielt abgeschossen wurden, was die Kopf- und Brustschüsse bestätigen. Der Motorista (LKW-Fahrer) Manuel, der sehr gewissenhaft arbeitete und große Fähigkeiten als ambulanter Gemüseverkäufer entwickelte, wurde als erster getötet, als er seinen LKW verlassen wollte. Er hatte uns mehrfach erklärt, daß er große Angst vor den RENAMO-Leuten hat. Vermutlich kannte er ihr rigoroses Vorgehen. So sollen sie vor allem sehr junge Menschen auch zwangsweise in den Dörfern rekrutiert haben. Sie zwangen die Jungen, die führenden Leute des Dorfes mit Schüssen zu liquidieren, so daß sie sich nie wieder in dem Dorf sehen lassen konnten und damit zwangsläufig bei der RENAMO bleiben mußten. Damit blieb ihnen nur die zweifelhafte „Karriere” in den RNM-Truppen, wenn sie nicht ohne Quartier und Essen zugrunde gehen wollten. Außerdem verhieß die Zugehörigkeit zu RENAMO auch Sachen, wie Kleidung, Uhren, Schuhe usw.

 

Die Todesschüsse von Unango und was kam danach

Auswirkungen auf Kinder

Familie Lindner, Familie Liepe, Familie Einecke – weitere Todesfälle

 Den allerersten Brief schrieb Christine Scharfenstein aus Nassau bei Freiberg i. Sa. am 11.12.1984 an Manfred Grunewald in Frauenprießnitz. Sie war bis Mitte des Jahres 1984 mit ihren zwei ältesten Kin-dern bei ihrem Mann Arndt Scharfenstein in Lichinga. Nach dem Urlaub blieb sie mit ihren Kindern zu Hause und entband im November einen weiteren Sohn, der nun gerade vier Wochen alt war. Sie kannte die Bedingungen in Lichinga und Unango sehr gut und wußte auch, daß ihr Ehemann öfters mit nach Unango fuhr. So mußte sie auch Schlimmeres befürchten. Sie kannte fast alle Betroffenen. Manfred Grunewald schrieb ihr eine Karte, die bei Ankunft in Berlin sofort in den Postkasten gelangte, was schließlich bei ihr zu folgendem Antwortbrief führte:

 

Lieber Manfred!

Ich möchte mich bei Dir recht herzlich für Deine Information von dem Überfall auf unsere Leute bedan-ken. Als ich davon in Radio erfuhr, war ich dermaßen schockiert, wie so etwas passieren kann. Ich bin froh, daß Arndt wohlauf ist, hoffentlich kommt er ebenfalls bald nach Hause. Oder muß er weiterhin in Lichinga seine Arbeit fortsetzen?

Ich selbst wurde vom Rat des Kreises informiert, daß Arndt in Sicherheit wäre aber Näheres konnte man mir auch nicht sagen. Ich rief auch sofort beim Rat des Bezirkes Karl-Marx-Stadt an, aber man konnte mir auch keine Auskunft geben. So waren wir bis heute im Ungewissen über den Hergang des Überfalls. Jan und ich, wir können es immer noch nicht fassen, daß nun sieben Menschen von uns tot sind. In der Nacht fand ich auch keine Ruhe. Jan ging es ebenso. [Jan ist der älteste Sohn]. Als wir in der „Aktuellen Kamera“ weiteres erfuhren, fing er dann an zu weinen und ich konnte ihn nicht beruhigen. Ich war dann froh, als er endlich eingeschlafen war. Wir drei sind tief erschüttert über diesen Überfall und können es immer noch nicht fassen, daß die Männer tot sind.

Lieber Manfred, könntest Du Näheres über den Überfall schreiben? Hat man den B 1000 beschossen? Eigentlich fuhren sie doch in letzter Zeit immer in Armeebegleitung nach Unango. Wie konnte dann der feige Überfall geschehen. Hoffentlich schreibt mir Arndt bald, denn mir und den Kindern geht das alles sehr zu Herzen. Ich darf gar nicht an die hinterbliebenen Kinder und Frauen denken. Hast Du die Adressen der Frauen und könntest Du sie mir bitte mitteilen?

Lieber Manfred, nochmals vielen Dank für Deine Zeilen.

Es grüßen Dich, Deine Frau und Deine Kinder recht herzlich

Christine, Jan, Katja und unser kleinster Nachwuchs Jens.

 

Die Ehegatten und Angehörigen der Auslandsspezialisten waren vor der Ausreise ins Ausland so orien-tiert, dass im Falle eines unvorhergesehenen Unfalls oder anderer Umstände zuallererst die Familien-angehörigen in der Heimat Kenntnis erhalten, bevor die Öffentlichkeit etwas erfährt. Als aber die Töch-ter von Monika und Wolfgang Smardz am 07.12.1984 gegen Mittag im Kulturraum ihres Heimes in Berlin den Fernseher anschalteten, kam die Nachricht von einem Überfall auf DDR-Spezialisten in der Provinz Niassa über den DDR-Sender. Die Töchter wußten sofort, daß es sich um den Einsatzort ihrer Eltern handelte, denn Kerstin Smardz war vorher als Besucherin bei den Eltern in Lichinga gewesen. Ähnlich erging es auch anderen Familienangehörigen. Die Nachricht verwundert nicht, denn in Maputo weilten auch Journalisten und Korrespondenten (ADN). Das Außenministerium der DDR stellte danach die Informationen an die Bezirke und Kreise, aber auch an die Familien und Betriebe durch. Sicher gab es bis zu den endgültigen bestätigten Nachrichten in den Familien Ungewißheit und zunächst viel Ban-gen, verbunden mit der Hoffnung, es möge nicht den Vater, Sohn usw. betreffen, aber die Attentäter hatten keine Gnade walten lassen.

In Zeitungsinformationen gab die Regierung der DDR ihr Bedauern zu dem tödlichen Anschlag auf die DDR-Spezialisten bekannt und drückte den Angehörigen das Beileid aus. Präsident Samora Machel sprach von einem unerklärten Krieg gegen die VR Moçambique und bezichtigte Südafrika [Apartheid-Regime] der Verletzung des Nkomati-Vertrages. Die Führung des Staates und der FRELIMO-Partei in Moçambique veröffentlichten ihr Beileid an die DDR-Führung und die betroffenen Familien.

Auch ein Artikel in einer mosambikanischen Zeitung befaßte sich mit dem Überfall. Der Artikel war überschrieben: „Na Estrada Lichinga-Unango“ Der Text lautet: „Auf der Straße Lichinga-Unango – Dreizehn ermordete Personen durch BA´s [Banditos Armados]. Dreizehn Personen wurden am letzten Donnerstag [06.12.1984] durch bewaffnete Banditen ermordet, als diese auf der Straße von der Stadt Lichinga nach Unango in Niassa fuhren. Man weiß, daß es auch Verletzte gab, einige davon schwer. Fünf sind ermordete Mosambikaner und acht sind Ausländer, davon sieben Bürger der DDR und ein Jugoslawe. Von den ermordeten mosambikanischen Personen gehörten zwei zur Miliz und ein anderer ist ein Mitglied der Direktion des Agrarbetriebes Unango. Die ermordeten ausländischen Bürger sind Helmut Liepe, Hans-Dieter Wagner, Klaus Einecke, Günter Skibbe, Hans-Jürgen Michel, Wolfgang Smardz und Manfred Lindner, alle aus der DDR, sowie Branko Vujovic mit jugoslawischer Nationalität. Es gibt noch zwei verletzte Deutsche, einer davon ist schwer verletzt. Die Bürger der DDR waren zum Arbeiten im Projekt Landwirtschaft Unango als Techniker tätig und der Jugoslawe war Mitglied eines Spezialistenteams der UNO. Die sterblichen Überreste der DDR-Bürger befinden sich zum Transport auf dem Flugweg von Lichinga nach Maputo. Im gleichen Flugzeug reisten auch die Familien der Opfer, ihre Ehegatten und Kinder mit. Ein anderes Flugzeug transportierte von Lichinga zur Hauptstadt des Landes einen verletzten DDR-Bürger, der durch zwei Gewehrkugeln schwer am Kopf verwundet ist. Die von Provinznotizen aus Lichinga kommenden Nachrichten weisen darauf hin, daß es in der Provinzhauptstadt tiefe Trauer und Entsetzen bei der Bevölkerung gibt, denn der Überfall führte spontan zum Abbruch aller Aktivitäten der DDR-Techniker und anderer ausländischer Helfer. Lichinga ist in Trauer versetzt, sagte einer der Piloten, der bei der Evakuierung des Verletzten und bei der Überführung der sterblichen Hüllen nach Maputo teilnahm, zur dortigen Situation. Die Menschen von Lichinga sind emotional stark belastet durch die Ereignisse. Auch während einer halben Stunde strömenden Regens wich die Bevölkerung nicht von der Seite der trauernden Familienangehörigen beim Abschied auf dem Flugplatz Lichinga, bis die Maschine abhob. Die sterblichen Hüllen der sieben deutschen Techniker und des jugoslawischen Bürgers wurden am folgenden Sonnabend in die entsprechenden Länder geflogen. Der Transport der Särge und der Familien wurde begleitet von hohen Funktionären der Botschaft der DDR und Jugoslawiens, dem Minister für Landwirtschaft Moçambiques, João Ferreira, dem Vice-Minister der Landwirtschaft, Francisco Tateguana, und dem Generalsekretär der Organisation der mosambikanischen Arbeiter, Augusto Macamo.“

Soweit die inhaltliche Wiedergabe besagten Artikels.

Die zurückgekehrten Spezialisten und die Ehefrauen der Getöteten hatten die Absicht, in der DDR-Zeitung „Neues Deutschland“ eine Traueranzeige mit allen sieben bzw. acht Toten zu veröffentlichen. Auch die IAK in Markkleeberg hatte eine solche Absicht unterstützt. Diese Veröffentlichung wurde aber nicht zugelassen. Lediglich in der Bezirkspresse durften Traueranzeigen erscheinen. Auch die Partei-führung der betroffenen Bezirke sowie Kreise als auch die staatlichen Leitungsstellen auf dieser Ebene gaben Traueranzeigen bekannt. So erschienen Manfred Lindner und Günter Skibbe zusammen in einer Traueranzeige der Bezirksleitung der SED und des Rates des Bezirkes Erfurt im Bezirksblatt „Das Volk“. In den anderen Bezirken waren jeweils Einzelanzeigen erschienen. Die Bezirksverwaltungen kümmerten sich auch maßgeblich um die Vorbereitung und Durchführung der Trauerfeierlichkeiten und stimmten sich mit den Kreisstellen, Betrieben und Familien ab. Offensichtlich war es den Familien freigestellt über eine Erdbestattung bzw. über eine Feuerbestattung selbst zu entscheiden. Die Traueransprachen hielten Staatsfunktionäre aus den Räten der Bezirke.

Die Trauerfeier für Wolfgang Smardz fand am 14.12.1984 im Saal des Kulturhauses Frauenprießnitz statt. Seine engsten Arbeitskollegen, die seine sehr fruchtbare Arbeit in den letzten Jahren begleiteten, waren auch zahlreich zur Trauerfeier erschienen. Nicht alle konnten daran teilnehmen, weil der Saal zu klein war. Die meisten Vorsitzenden der LPG aus dem Kreis Jena-Land und viele Berufskollegen aus dem Bezirk Gera waren ebenfalls voller Trauer erschienen. Wilfried Meinert, Bernd Theilig, Dr. Fritz Schmidt, Christian Emmrich und zahlreiche andere Berufskollegen, die als Spezialisten ebenfalls in Moçambique weilten, kamen nach Frauenprießnitz, um damit Wolfgang Smardz und mit ihm auch die anderen Toten zu ehren. Seine sterblichen Überreste fanden auf dem Friedhof in Steudnitz in einem Urnengrab ihre letzte Ruhe. Zahlreiche Mosambikaner besuchten später diese Grabstätte und ehrten damit auch die anderen Toten.

Am 14.12.1984 fanden auch die Trauerfeierlichkeiten für Manfred Lindner auf dem Hauptfriedhof in Erfurt und für Günter Skibbe auf dem Hauptfriedhof in Sondershausen statt. Das Urnengrab für Manfred Lindner wurde auf dem Erfurter Friedhof eingerichtet und die Urne von Günter Skibbe wurde auf dem Friedhof in Theißen bei Zeitz beigesetzt, wo die Ehefrau Edith Skibbe ihre Eltern hatte und wo sie auch zunächst mit ihren Kindern blieb. Bereits während des Auslandeinsatzes weilten die Kinder bei den Großeltern in Theißen.

Ähnlich verlief auch wenige Tage später die Trauerfeier in der Feierhalle eines Friedhofs in Leipzig für den Traktoristen aus der LPG Kyhna im Kreis Delitzsch, Hans-Dieter Wagner, an der auch Manfred Grunewald mit Ehefrau teilnahm.

Klaus Einecke, der Zimmermann und Mechanisator aus der LPG Hayn im Kreis Sangerhausen, wurde am 13.12.1984 auf dem Friedhof Dankerode/Harz, dem Wohnort seiner Eltern, in einem Grab erdbestattet. Die Trauerfeierlichkeiten überschnitten sich teilweise zeitlich, so daß es nicht möglich war, daß die Mitstreiter aus Moçambique bei allen Bestattungen zugegen sein konnten.

(Bestattungen: 14.12.1984 Wolfgang Smardz, Günter Skibbe, Manfred Lindner, Helmut Liepe; 15.12.1984 Hans-Jürgen Michel in Senftenberg: 19.12.1984 Hans-Dieter Wagner Südfriedhof Leipzig; 04.01.1985 Ernst-Uwe Wriedt in Anklam. M. Grunewald nahm an drei Bestattungen teil: Smardz, Wagner, Wriedt)

Uwe Wriedt starb zehn Tage nach dem Überfall im Klinikum Maputo, wo ihn sowjetische Ärzte noch operiert hatten. Seine Ehefrau, Doris Wriedt, wollte gerade erneut nach Moçambique fliegen, als sie die Nachricht von seinem Tode am 16.12.1984 erfuhr. Die Trauerfeier fand somit erst am 04.01.1985 statt.  In einer öffentlichen Trauerfeier für Uwe Wriedt im Theater Anklam wurde seiner Persönlichkeit ehrenvoll gedacht, woran auch Manfred Grunewald mit Ehefrau und zahlreiche andere Spezialisten teilnahmen. Anschließend wurde bei Schneesturm auch die Beisetzung der Urne auf dem Ehrenfriedhof in Anklam vollzogen.

Alle Toten erhielten somit würdige Trauerfeiern, in denen Raum für die Trauer der Familien und Ver-wandten, der Kollegen und Mitstreiter, aber auch für die Öffentlichkeit eingeräumt wurde. Ihre Leis-tungen und ihre Persönlichkeiten wurden jeweils gewürdigt und ihrer ehrenvoll gedacht.

Dieses einschneidende schwerwiegende tödliche Ereignis wirkte aber auch nach, denn die Frauen muß-ten nunmehr ohne den jeweiligen Ehegatten, das Leben der Familie organisieren. Leider erhielten die Frauen und Kinder kaum Betreuung durch Psychologen, wenn auch die heimischen Ärzte sich intensiv um die Betroffenen kümmerten. Siegrid Lindner aus Erfurt erkrankte kurz nach ihrer Rückkehr aus Moçambique und starb trotz fürsorglicher Pflege durch ihre Töchter wenige Wochen danach. Zahlreiche Mitstreiter aus der Gruppe der DDR-Bürger in Lichinga weilten zu ihrer Trauerfeier in Erfurt und betteten die Urne neben ihren Ehemann Manfred Lindner. Weitere schwere Schicksalsschläge mußten auch die Familien Einecke und Liepe in den folgenden Jahren hinnehmen, denn der Tod riß weitere Familienmitglieder aus ihrer Mitte, darunter auch infolge eines schweren Verkehrsunfalls im Jahre 1994 die Tochter der Familie Liepe, Christine, die als kleines Mädchen mit in Moçambique weilte.

 

In ihren Heimatbetrieben waren die Spezialisten weiterhin voll verankert. Die Arbeitsplätze der Spezia-listen und ihrer mitfahrenden Ehefrauen blieben vertraglich gesichert. Sie galten als delegiert.

 

Nach der Rückkehr hat M. Grunewald Vorträge über Moçambique gehalten im Betrieb, in Schulen, in Instituten und in Verwaltungen. Meist wurden die Vorträge von der URANIA Jena angefordert. Das Thema Moçambique hat viele Menschen interessiert, wie die Lebensweise der Afrikaner überhaupt jung und alt faszinierte. Mit Sicherheit beförderten diese Informationen auch den Solidaritätsgedanken bei den Zuhörern und führten auch zu regelmäßigen Spenden im Rahmen verschiedener Organisationen.

 

Ausländische Währung – was konnte man damit anfangen

Das Gehalt in Moçambique betrug für jeden Spezialisten je Monat gleichermaßen etwa 725 Mark  und diente der Versorgung vor Ort. Die mitgereisten Familienangehörigen erhielten jeweils nur einen sehr viel geringeren Teilbetrag als Unterhalt gezahlt. Die Wohnungen bezahlte im wesentlichen der Betrieb im Gastland. Das Geld wurde in mosambikanischer Währung, in Meticais, gezahlt. Sparte jemand von dem Geld in Moçambique etwas, konnte er es in die DDR transferieren. Davon wurden nochmals 20% von der Staatsbank der DDR für den Staat vereinnahmt, der Rest ging auf ein separates „Forumkonto“ bei der Staatsbank. Davon konnten vom Kontoinhaber Forumschecks zum Einkauf in Intershopläden verwendet werden, die beispielsweise auf dem Hermsdorfer Kreuz und in größeren Städten eingerichtet waren. In der Heimat erhielten die DDR-Spezialisten etwa 80 % ihres ursprünglichen Gehaltes weiter, so dass die Familie abgesichert war und auch etwas gespart werden konnte. Reichtümer wurden dabei nicht angehäuft.

 

Manfred Grunewald kaufte 1985 für die transferierten Meticais mit Forumschecks auf dem Hermsdorfer Kreuz einen Sharp-Fernseher für 1250 DM, einen Radiorecorder, eine kleine Standuhr für den Wohnzimmerschrank, zwei Kettchen für Frau und Tochter und Matchbox-Autos für den Sohn. Da blieb nur noch soviel übrig, daß er 1986 noch ein Autoradio (Herkunft Malaysia) im Intershop Rudolstadt kaufen konnte. Am 24.01.1986 kaufte er einen PKW Trabant wenige Monate vor Ablauf der Bestellzeit (8 oder 9 Jahre), aber für das Auto reichten die Forums natürlich nicht. Eine Bevorzugung und damit frühere Auslieferung der Auto-Bestellungen erfolgte für die wenigsten der Zurückgekehrten.

Die Anfrage von Manfred Grunewald auf vorzeitige Lieferung einer Forst-Heizung beim Bestellbüro im VEB Baustoffversorgung Gera, Dornaer Straße, im Jahre 1985 wurde abschlägig beschieden. Sein Hinweis auf einige Jahre Vorbereitung und Einsatz im Ausland im Interesse der Gesellschaft und des Staates spielte keine Rolle. Die Antwort war: „Warum haben Sie nicht vorher bestellt?“ Diese Worte ließen mich verstummen, in Erinnerung an meine toten Kollegen, wozu ich ebenfalls hätte gehören können. Ich wartete gehorsam, bis die Bestellung wirksam wurde. Dann lagerten wir die Heizung ein Jahr lang in die Garage ein, bis endlich die Heizungsbaufirma G. von Jena diese Heizung einbaute. Dazu mußte ich noch häufig vorsprechen. Man muß aber bescheinigen, daß die Forst-Heizung eine sehr preiswerte und technisch hochwertige Anschaffung war, wenn man sie mit späteren Anlagen vergleicht. Die Forumschecks reichten auch nicht für diese Anschaffung. Manche Leute stellten sich vor, daß ein Auslandskader doch über genug „harte Währung“ verfügen würde und hofften auch auf „Trinkgelder“ aus deren Kasse, wenn sie behilflich waren.

Wilfried Meinert bekam seine zuletzt transferierten Beträge lange Zeit gar nicht, obwohl er drei Jahre in Mosambik vor Ort sein Bestes gab. Eine Stelle beim AHB „Fortschritt“ teilte ihm dann mit, daß der hohe transferierte Schlußbetrag wohl nicht aus seinem normalen Verdienst in Mosambik stammen könne und somit Bedenken und Zweifel bestünden über die Herkunft des Geldes. Da man sich nicht im Klaren sei, aber Anhaltspunkte für Betrug nicht gefunden worden wären, käme nur ein Umtausch in Mark der DDR infrage und kein Umtausch in Forumschecks. Die betreffenden Bearbeiter hatten völlig übersehen, daß Herr Meinert mit seiner Familie umfangreiche Warenbestände haben mußte, die er bei seinem Weggang an andere Kollegen, vorwiegend an M. Grunewald, weiter verkaufte. Darüber gibt es sogar eine detaillierte Abrechnung, denn die beiden hatten ja ein halbes Jahr einen gemeinsamen Haushalt führen müssen. Da war nichts von Betrug oder Spekulation im Gange. Im Gegenteil wurden die vielen Kleidungs- und Ausstattungsgegenstände beim Weggang stets großzügig an die mosambikanischen Kollegen verteilt, eine Art Abschlußprämie für gute Mitarbeit. Ein Tausch von Gegenständen und Kleidung gegen mosambikanische Waren war so gut wie nicht möglich und auch verboten. Lediglich volkskünstlerische Kleinigkeiten, wie Holzmasken, Holzfiguren, kleine Elfenbeinfiguren, geschnitzte Schweinezähne, Armreifen usw. wurden als Mitbringsel und Erinnerungsstücke legal erworben.

Manchmal baten die mosambikanischen Schnitzer um ein Hemd oder dgl. statt Geld zu nehmen, was aber dann nicht im Beisein von Dritten verhandelt wurde. So kam es, daß Klaus Pohl mit seiner Familie dem Elfenbeinschnitzer auf dem Flugplatz Lichinga begegnete. Pohls kleiner Sohn Lars äußerte in seiner spontanen lauten Art: „Guck mal Papa, der Elfenbeinschnitzer hat deine Schuhe an.“ Wolfgang Smardz, daneben stehend, hörte die Äußerung zwangsläufig mit und mußte Klaus Pohl nachhaltig belehren und zugleich auch die anderen Spezialisten.

 

Was wissen wir von Moçambique nach dem Abbruch unseres Einsatzes

Am 11.10.1996 sah Manfred Grunewald in Jena einen Videofilm aus der Arbeit der Ärztin Dorothea Appenroth aus Jena, Lutherstraße 58, die in Moçambique dieses Video aufgenommen hatte. Es wird der Bauer Paulino bei der Arbeit gezeigt und seine moralischen und ökonomischen Motive zur Entwicklung einer landwirtschaftlichen Produktion in Massengere, bei Lichinga / Niassa, verdeutlicht. Er erzeugt landwirtschaftliche Produkte, betreibt Gemüseanbau und Saatgutvermehrung.

Paulino Juma Paulo war in der DDR zur Ausbildung. Er gehörte zum Empresa Estadal da Agricultura in    Unango. Während der Studienzeit in der DDR besuchte er auch Manfred Grunewald in Frauenprießnitz und legte am Grab von Wolfgang Smardz in Steudnitz in tiefer Betroffenheit Blumen nieder, und gedachte der Opfer vom 06.12.1984 bei Unango / Niassa. Er verehrte Wolfgang Smardz und drückte der Familie Pohl aus Zobes und Manfred Grunewald seine tiefe Trauer über das terroristische Vorgehen der RENAMO gegenüber den Kooperanten aus. Für alle Leidtragenden und Betroffenen trug er Worte der Kondolenz auf. Seine heutige Tätigkeit drückt den Willen aus, das Gelernte anzuwenden, seine Familie gut zu versorgen und anderen zu helfen, ebenfalls die Möglichkeiten von Moçambique auszuschöpfen und den deutschen Kooperanten nachzueifern bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen und der eingeräumten ökonomischen Umstände. Man kann davon ausgehen, daß er damit auch die deutschen Opfer ehren will, die in Mosambik unschuldig getötet wurden. Von ihm kamen Briefe und Fotos über seine Tätigkeit zu Manfred Grunewald. Er bestellte auch Grüße an die betroffenen Familien, als Besucher bei ihm in Moçambique weilten.

 

Anläßlich einer Foto- und Bilderausstellung am 20.03.1997 in der Ärztegemeinschaftspraxis Lassalle-straße 8 in Jena, die von Frau Appenroth aufgenommen worden waren bzw. von dem moçambiquischen Maler João Tinga aus Maputo gemalt waren, traf ich einen Jenaer Professor – Pathologe- (Danz), der 1984 nach dem Überfall in Lichinga war, und die Toten sowie den verletzten Uwe Wriedt sah und untersuchte. Er wußte noch viele Einzelheiten über die Vorgänge in Lichinga und die Verletzungen der Opfer, die M. Grunewald bis dahin nicht alle bekannt waren.

 

Es gibt ein Foto von Jaime Jafar Kapungwa während seiner Ausbildung und Arbeit im Stahlwerk Silbitz bei Gera. Er war Angehöriger des Empresa Estadal da Agricultura in Unango. Seine Arbeit hatte er in der Verwaltung des E.A.U. Er wurde zur Ausbildung in die DDR delegiert. M. Grunewald hatte beim Abschied im Prédio in Lichinga ein Gespräch mit ihm, in dem er sich nach den Bedingungen in der DDR erkundigte. Da er Moslem war, interessierten ihn auch die Bedingungen für Gläubige. Er lernte mit Paulino Juma Paulo in der Landwirtschaft der DDR und war anschließend im Stahlwerk Silbitz in der Gießerei beschäftigt. Er lernte in der DDR seine spätere deutsche Frau kennen, heiratete und blieb in Deutschland. Er wohnt in Leipzig und hat drei Töchter sowie einen Sohn. Zuletzt war er Hausmeister in einer Leipziger Kirche. Er legte seinen islamischen Glauben ab und ließ sich christlich taufen.

Sr. Jaime Jafar Kapungwa aus Leipzig telefonierte am 17.07.00 mit M. Grunewald in Frauenprießnitz. Er sucht wieder Kontakt zu uns, was durchaus verständlich ist. Er möchte auch die Dia-Reihen von Lichinga und Unango, die M. Grunewald damals anfertigte, seinen Kindern zeigen.

 

Längere Zeit hatte Manfred Grunewald auch Kontakt zu Jacob Lucas Sonjo, der zu DDR-Zeiten in Erfurt bei der Deutschen Reichsbahn lernte. Er ist der Bruder von Gabriel Lucas Sonjo, mit dem er in Unango in der Buchhaltung arbeitete. Schon im Sommer 1984, als M. G. zu Hause in Urlaub war, besuchte er Jacob Sonjo in seinem moçambiquischen Internat in Erfurt. Dieser Kantakt zu ihm und zu seinen Freunden riß viele Jahr nicht mehr ab. Oft waren er und seine Freunde in Frauenprießnitz zu Besuch. Gabriel Sonjo hatte auch eine Ausbildung in Kuba erhalten. Sein Bruder Jacobe Sonjo war ein zweites Mal in der DDR und arbeitete längere Zeit auf der Insel Rügen am neuen Eisenbahnfährhafen Saßnitz-Mukran, von wo die Züge nach Klaipeda über die Ostsee verschifft wurden. Er hat uns auch dann mehrmals besucht. Gabriel Sonjo sandte ein wunderschönes Foto von seiner Hochzeit und viele herzliche Briefe zu Manfred Grunewalds Familie. Die Frau von Gabriel Sonjo arbeitete auch im E.A.U.

 

Matias Domingos Chissancho war 11 Jahre Student in Freiberg/Sa.

Er ist geboren am 08.01.1967, aber das Geburtsjahr müßte 1966 heißen. Die Jahreszahl wurde bei einer Paßausstellung in Moçambique einmal falsch notiert, so daß es bei dem falschen Geburtsdatum blieb.

Der Student Matias Domingos Chissancho stammt aus Metangula am Niassasee. Er studierte in Freiberg/Sa. zunächst Geologie und wechselte nach der Wende 1990 in die Fachrichtung Ökonomie.

Die Familie Kranz aus Neustrelitz kannte Verwandte von Matias durch ihre Tätigkeit in Mosambik. Frau Helga Kranz war auch eine kurze Zeit in Lichinga. Sie unterstützte Matias so gut sie konnte und ersetzte ihm teilweise die Mutter. In der Familie Kranz fühlte sich Matias fast wie zu Hause. Durch Edith Skibbe und Wilfried Meinert wurde Matias Chissancho an Manfred Grunewald vermittelt, der Geschäftsführer bzw. Prokurist in der Futtermischwerk GmbH Eisenberg war. Bei der Familie Grunewald in Frauenprießnitz wurde er auch gut aufgenommen und fand weitere Freunde in dem Ort, wo er auch gern in die Fußballmannschaft integriert wurde. Bald waren jene, die Schwarze ursprünglich ablehnten, Freunde von Matias geworden.

Matias absolvierte in der Futtermischwerk GmbH Eisenberg Praktika in Ökonomie und Betriebsführung unter Anleitung von Manfred Grunewald, denn zu dieser Zeit nach der Wende war es schwer, einen Praktikumsbetrieb im Osten für einen schwarzen Studenten zu finden.

1997 war er zu Besuch in Moçambique, wo er seinen Vater, seine Schwestern und Verwandten besuch-te. Seine Mutter ist bereits gestorben. Er wurde begleitet von Franziska Steinbruch aus Cospeda bei Jena, die in Freiberg Geologie (Markscheider) studierte. Er versuchte in Maputo Paulo Francisco Zucula zu treffen, was jedoch nicht gelang. Er traf lediglich einen Kollegen von Paulo im Ministerium.

In Lichinga hatte er keine Zeit, um Paulino Juma Paulo oder Gabriel Lucas Sonjo zu treffen, aber er wohnte im Prédio und viele Leute aus Lichinga konnten sich noch gut an die Alemãos erinnern. Er war in Metangula am Niassasee, wo lediglich noch eine Tante von ihm wohnt. Dort stellte er Antrag auf 600 Quadratmeter Land für sein zukünftiges Wohnhaus, weil aus dieser Gegend seine Familie stammt. Ob er jemals dort bauen und leben wird, ist damit noch nicht entschieden.

Notiz vom 05.08.98: Matias Domingos Chissancho studiert immer noch in Freiberg/Sa. Er war im Juni/Juli 1998 erneut in Moçambique, um noch Informationen für seine Diplomarbeit einzuholen und Material zu sammeln. Er war nicht in Lichinga aber in Maputo und in Beira. Voraussichtlich kehrt er nach Abschluß des Studiums nach Moçambique zurück.

Matias heiratete am 23.09.1998 in Hoyer / Dänemark Frau Franziska Steinbruch aus Cospeda bei Jena. Franziska arbeitet seit Oktober 1998 in Stellenbosch bei Kapstadt in Südafrika als Geologin in einem Projekt. Matias hat seine Diplomarbeit an der Universität in Freiberg/Sa. eingereicht und wird nach Beira in Moçambique reisen und dort eine Anstellung in der Katholischen Universität annehmen.

Von Matias Chissancho und seiner Ehefrau Franziska wissen wir, daß in Moçambique für Ausländer neue Möglichkeiten zur Entwicklung der Landwirtschaft eingeräumt wurden. Vor allem aus Südafrika und aus Simbabwe werden weiße Siedler angeworben, die eine gewisse Förderung in Mosambik erhal-ten.

Klaus und Karla Pohl aus Zobes weilten 1999 zu einem Besuch in Moçambique, wo sie unter anderem Paulo Francisco Zucula, seine geschiedene Frau und den Sohn (1984 Baby) sowie Matias Chissancho in Beira trafen.

Matias Chissancho und seine Ehefrau Franziska Steinbruch wohnen nun in Beira. Inzwischen arbeitet er in einer Bank und hält noch Abendvorlesungen an der Katholischen Universität Beira. Am 11.11.2000 wurde ihre Tochter Helga Tabina geboren, die nun schon ein Jahr alt ist und sich bester Gesundheit erfreut. Sie besuchte mit ihren Eltern die in Malawi lebende Großmutter von Matias, wovon eindrucksvolle Fotos nach Europa kamen.

 

Gedenken

Immer wieder gab es Menschen, die sich für die Arbeit und das Schicksal jener interessierte, die in Moçambique Entwicklungshilfe leisteten und durch „Contras“ infolge eines Attentats das Leben verloren. Fast alle Mosambikaner, die in Frauenprießnitz weilten, suchten das Grab von Wolfgang Smardz in Steudnitz auf und würdigten die Gruppe der getöteten Entwicklungshelfer. Darunter befanden sich vor allem Paulino Paulo Juma, Jaime Jafar Kapungwa, Matias Domingos Chissancho, Jakobe Sonjo, Paulo Franzisco Zucula u.a. Der ehemalige Direktor des E.A.U. Paulo Zucula war besonders interessiert, die ehemalige Wirkungsstätte von Wolfgang Smardz einmal in Augenschein zu nehmen. Als Mitarbeiter des Präsidenten von Moçambique weilte er  …… in den USA und nahm über Frankfurt a. M. seine Heimflugrute. So hatte er Klaus Pohl nach Frankfurt zum Flugplatz bestellt und fuhr mit ihm nach Frauenprießnitz, wo er Manfred Grunewald überraschte, der gerade nach einer Knieoperation zu Hause rekonvaleszent war. Herzliche Gespräche füllten diesen Abend aus. Viele Erinnerungen wurden geweckt. Das Bemühen auch Kontakt zu Wilfried Meinert herzustellen war an diesem Abend nicht möglich, was alle sehr bedauerten, denn Sr. Zucula musste wieder zurück nach Frankfurt a. M.

Manfred Grunewald weilte im Laufe der Jahre auch an den Grabstätten von Klaus Einecke, Manfred Lindner und Helmut Liepe.

Am 04.07.2000 befanden sich Manfred und Marion Grunewald auf einer Fahrt zur Insel Rügen. In An-klam suchten sie die Grabstätte von Ernst-Uwe Wriedt (geb. am 09.06.1946) auf, die sich in einem Ehrenhain „Für Frieden und Sozialismus“ befindet. Da wir den Friedhof nicht sofort fanden, fragten wir einen Passanten, der uns sehr freundlich den Weg zeigte. Es stellte sich heraus, daß er die Familie Wriedt gut kannte und seine Frau sogar mit Doris Wriedt zusammen arbeitete. Wir legten im Gedenken an die Ermordeten vom 06.12.1984 Blumen am Grab von Uwe Wriedt nieder. Es ist uns noch in Erinnerung, daß wir Anfang Januar 1985 an einer öffentlichen Trauerfeier für Uwe Wriedt im Theater Anklam teilnahmen und anschließend bei Schneesturm auch bei der Beisetzung der Urne auf dem Ehrenfriedhof zugegen waren. Danach mußten wir fluchtartig den Norden verlassen, um nicht einzuschneien. Uwe Wriedt wurde bei dem Überfall nahe Unango am 06.12.1984 damals schwer am Kopf verletzt. Er starb am 16.12.1984 in einem Krankenhaus in Maputo. Die Trauerfeier fand somit erst am 04.01.1985 statt. Das sind genau 15 Jahre und 6 Monate her.

 

Informationen aus den Stasiunterlagen im Jahre 2001 und 2003 und weitere Recherchen ergeben nur teilweise neue Erkenntnisse nach 17 Jahren

Fast alle Betroffenen der Ereignisse vom 06.12.1984 in Unango zeigten kaum Interesse, ihre eigenen bzw. die Stasi-Unterlagen der Getöteten bei den Stellen des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR zu beantragen.

Monika Smardz hat ihre eigene Stasi-Akte bisher nicht beantragt. Als sie vor Jahren die Stasi-Akte für Wolfgang Smardz beantragte, hieß es, es sei keine Akte von ihm vorhanden.

Stephan Einecke aus Sangerhausen war vermutlich der Erste und lange Zeit der Einzige, der sich um die Stasi-Unterlagen seines Vaters, Klaus Einecke, bemühte. Jahrelang waren diese Bemühungen aus uner-gründlichen Belangen erfolglos verlaufen. Erst im Jahre 2001 führten weitere Initiativen von Stephan und nunmehr auch seiner Mutter Edelgard Einecke, zur Erlangung der Einsicht in diese Stasi-Akte. Vermutlich wäre die Herausgabe und Auswertung viel schneller erfolgt, wenn ein zünftiger Medien-spektakel daraus abzuleiten wäre. Aber wer hat denn nach 17 Jahren noch Interesse an den zahlreichen Toten, die es damals in Afrika gegeben hat?

Lediglich eine regionale Zeitung in Plauen hat nach einer Recherche bei Klaus Pohl 1998 dieses Thema mal verarbeitet, aber dabei auch gravierende Fehldeutungen eines Fotos publiziert. So veröffentlichte man ein Foto mit Schwarzen, Weißen und Indern, das einst in Unango belichtet wurde. Kurzerhand wurde von der Redaktion in Plauen über alle Weißen, bis auf Klaus Pohl, ein Kreuz als Zeichen für deren Tod, angebracht. Dabei wurden auch Manfred Grunewald und Wilfried Meinert zu Toten erklärt, obwohl beide nicht direkt in das Attentatsgeschehen involviert waren und heute noch leben. Wie kann denn eine Zeitung so maßlos oberflächlich ein vergangenes Geschehen so unsensibel recherchieren? Es gab doch keinerlei Zeitnot, dieses Thema ordnungsgemäß zu bearbeiten und bei Klaus Pohl die Genehmigung für den Abdruck einzuholen. Es gibt offensichtlich in dieser Berufssparte gewaltige Qualitätsunterschiede.

Von Edelgard Einecke sind keine Stasi-Akten archiviert, so erfuhr sie vom zuständigen Amt. Man vermutet, daß diese in Leuna mit verbrannt wurde, wie so viele andere auch. Ungeschwärzte Namen könne sie in den Akten ihres getöteten Ehemannes nur erwarten, wenn sie dafür einen Nachweis liefert, daß eine Aufarbeitung der Angelegenheit im allgemeinen Interesse liege. Dazu müßte ein entsprechen-der schriftlicher Forschungsantrag gestellt werden. Daraufhin stellten Edelgard Einecke und Manfred Grunewald gemeinsam diesen Forschungsantrag

Manfred Grunewald hat seine Stasi-Unterlagen erst im Dezember 1999 beantragt. Es wurde zwar kurz danach bestätigt, daß eine Akte vorliegt, aber erst im Dezember 2002 wurde die Einsicht ermöglicht. Die vorgelegten persönlichen Akten von Manfred Grunewald waren völlig unspektakulär. Keine IM zu erkennen, keine Dosiers, keine Denunziationen. Im Wesentlichen handelte es sich um die Kaderakten, die Manfred Grunewald bereits zur Wende von seinem Betrieb erhalten hatte. Lediglich die Bestätigung als Auslandskader durch einen Sicherheitsbeauftragten und den Vorsitzenden des Rates des Bezirkes Gera war neu, aber nicht ungewöhnlich. Nur bei Zustimmung durch den Rat des Bezirkes war es seiner-zeit möglich, überhaupt in das Ausland zu reisen.

Monika Smardz war bekannterweise die einzige betroffene Ehefrau, die nach der Wende in der Gerichts-medizin Berlin Einsicht in die Obduktionsunterlagen ihres getöteten Ehemannes, Wolfgang Smardz, verlangte und auch erhielt. In der DDR-Zeit war eine Einsicht seinerzeit nicht möglich.

 

Die Stasi-Unterlagen von Klaus Einecke wurden dankenswerter Weise durch die Familie Einecke 2001 zur Verfügung gestellt, so daß die neuen Informationen an dieser Stelle eingearbeitet werden können. Klaus Einecke war mit 30 Jahren das jüngste deutsche Opfer des bewaffneten Anschlags.

Aus den Unterlagen kann man entnehmen, daß bereits der Anschlag mit Granaten auf das Treibstoff-lager von PETROMOC am 20. November 1984 in der Provinzhauptstadt Lichinga, ganz in der Nähe des Wohnhauses der meisten deutschen Spezialisten, der Vernichtung der DDR-Kooperanten, einschließlich der Frauen und Kinder, galt.

 

Zum Transport und Tathergang am 06. Dezember 1984 läßt sich folgendes zusammenfassen:

Bevor sich der Konvoi von Fahrzeugen auf die Fahrt von Lichinga nach Unango gegen 7.15 Uhr früh in Bewegung setzte, mußten vorher noch Düngemittel und Pflanzenschutzmittel auf LKW´s geladen wer-den. An der Spitze fuhr ein LKW W50 als Führungsfahrzeug. Danach folgte ein Multicar, gefahren vom Direktor Zucula. Dann fuhr der Werkstattwagen (mit Kofferaufbau), in dem die neun DDR-Spezialisten, wie jeden anderen Tag auch, Platz nahmen. Auch ein jugoslawischer Spezialist und ein mosambikani-scher Ökonom nahmen darin mit Platz. Das war nichts Ungewöhnliches. Im Fahrerhaus saßen H.- Dieter Wagner als Fahrer und Klaus Pohl als Beifahrer. Hinter dem Werkstattwagen fuhr zunächst ein LKW mit Düngemitteln und danach der Tankwagen des Betriebes. Ihm folgte nochmals ein LKW mit Dünge-mitteln beladen. Die Transportkolonne bestand aus fünf LKW W50 und einem Multicar, als diese von Lichinga abfuhr.

Ab Bagarila fuhr mit der Erlaubnis des mosambikanischen Direktors P. F. Zucula noch ein fremder LKW W50 als letzter im Konvoi mit, der auch Schutz suchte. Bis zum Dorf Bagarila, etwa der Hälfte der Wegstrecke bis Unango, waren meistens wenige oder gar keine Bewachungsmannschaften beim Konvoi. Lediglich einige Betriebsmilizionäre, die gewöhnlich auch in der Stadt Lichinga etwas zu tun hatten und der Direktor waren bewaffnet und befanden sich bereits auf der ersten Hälfte beim Transport. Die Abfahrtzeiten des Konvois waren täglich verschieden, während man früher die Uhr nach den Deutschen stellen konnte. Mit zeitlichen Unregelmäßigkeiten sollten nun mögliche Angreifer irritiert werden. Es gab aber nur die eine befestigte Straße in Richtung Unango, was natürlich auch mögliche Angreifer wußten, denn es gab bekannterweise auch Kollaborateure unter der Bevölkerung.

In Bagarila waren seit Mitte Oktober 40 Familien „alter Kämpfer“ kurzfristig zum Schutz der Strecke und der ganzen Region angesiedelt worden. Hinzu kamen weitere Familien im Betrieb und im Ort Unan-go. Diese Familien mußten sich erst neue Hütten bauen und um die Kinder, Haustiere usw. kümmern, denn schon bald war die Regenzeit zu erwarten. In Bagarila konnten sie nicht in vorhandene Hütten einquartiert werden, denn es gab dort keine. Einige alte Kämpfer waren auch mehrfach unterwegs, um von ihrem vorhergehenden Wohnort die Haushaltgegenstände, Tiere und Nahrung zu holen. Dabei half die Staatsfarm E.A.U. auch mit Fahrzeugen.

Ab Bagarila wurden am 06. Dezember 1984 etwa 21 Milizionäre, darunter vier „alte Kämpfer“, als militärische Sicherungskräfte für die Bewachung des Konvois eingesetzt. Die Ausrüstung bestand aus je einem SMG und LMG, Panzerfäusten und MPi´s. Auf dem Führungsfahrzeug befanden sich etwa 10 Milizionäre, bewaffnet mit einem LMG und MPi´s sowie 10 mosambikanische Arbeiter. Auf dem Dach befand sich ein Maschinengewehr. Das zweite Fahrzeug war der Multicar, gefahren vom Direktor der Staatsfarm. Darauf befanden sich 7 bis 8 Milizionäre, bewaffnet mit einem SMG und MPi´s. An dritter Stelle fuhr der Werkstattwagen (W 50-Kofferfahrzeug) mit den DDR-Spezialisten, die auch stets den LKW selbst fuhren. Auf ihm befanden sich keine Milizionäre. Die Spezialisten aus der DDR waren zu allen Zeiten unbewaffnet. Auch der mitfahrende neue mosambikanische Ökonom (mit amerikanischem Diplom) und der jugoslawische Spezialist waren nicht bewaffnet. Die bewaffneten Milizionäre befanden sich somit auf den beiden vorderen Fahrzeugen. Kurz nach 8.00 Uhr fuhr die Kolonne in Bagarila ab. Die Entfernung von Bagarila nach Unango beträgt etwa 30 Kilometer. Zwischen Bagarila und Unango befinden sich drei Dörfer. Das Dorf Nasience, etwa 10 Kilometer vor Unango, ist seit zwei Wochen nicht mehr bewohnt, da die Banditen die Bevölkerung zum Verlassen der Ortschaft gezwungen haben.

Nachdem der Ort Nasience hinter der Kolonne lag, wurde das feindliche Feuer zunächst auf das Füh-rungsfahrzeug eröffnet. Die Insassen des Führungsfahrzeuges ergriffen sofort die Flucht. Andere Infor-mationen sprachen von einer Granate, die zu Verlusten unter den Arbeitern geführt hätte, aber durch die Weiterfahrt (Flucht) größere Verluste verhindert worden wären. Auch die Insassen des Multicars konnten gegen zirka 45 wirksam eingesetzte Waffen des Gegners aus dem Hinterhalt nichts ausrichten und ergriffen die Flucht unter Zurücklassung des LMG. Der Direktor wurde durch einen Streifschuß leicht verletzt.

Die als Fahrer und Beifahrer des Werkstattwagens mit DDR-Spezialisten fungierenden Männer, Hans-Dieter Wagner und Klaus Pohl, verließen nach Feuereröffnung sofort den LKW. H.-Dieter Wagner öffnete die hintere Tür des Kofferaufbaus und forderte die Insassen zum Verlassen des LKW auf. Einige verließen den LKW, andere sind möglicherweise im LKW verblieben. Der LKW wurde kurz danach bereits direkt beschossen. Klaus Pohl entfernte sich vom Werkstattwagen, als er den Direktbeschuß des Werkstattwagens und des Tankwagens zusammen mit Helmut Liepe feststellte, der neben ihm zum Liegen kam. Nahe dem Tankwagen erwiderte ein Mitglied des Begleitschutzes das Feuer auf die Banditen mit seiner MPi. Als Klaus Pohl unter dem Tankwagen hindurch glitt, lief aus den Lecks Dieselkraftstoff auf ihn. Klaus Pohl kroch etwa 50 Meter rückwärts der Fahrtrichtung in dem sehr flach angelegten Straßengraben davon, wobei er am rechten Unterschenkel einen Durchschuß erlitt. Diese schmerzhafte Verletzung veranlaßte ihn, noch schneller und noch besser nach Schutz suchend, diesen Ort des Terrors zu verlassen. Seine Angst trieb ihn an. Er war der Meinung, daß sich die anderen Spezialisten ebenfalls davon machen würden. Angeblich haben vier Milizionäre Widerstand mit der Waffe geleistet. Es soll auch untaugliche Waffen gegeben haben.

Klaus Pohl gelang es, sich kriechend und im Laufschritt unter Ausnutzung schützenden Buschwerks in diesem Savannengebiet vom Überfallort in Richtung des Dorfes Nasience zu entfernen. Nach zirka drei  Kilometern kamen ihm zwei SPW der Armee entgegen, die in Richtung des Überfallortes fuhren. Die RNM-Leute stellten bei Annäherung der Armee-SPW, die aus einer Bordkanone schossen, das Feuer ein und verschwanden im Busch, ohne daß es zu einem Schußwechsel kam. Eine sofortige Verfolgung der Gegner ist offenkundig nicht eingeleitet worden.

Im Ergebnis befanden sich fast alle Spezialisten außerhalb des Werkstattwagens, als man sie tötete. Man hatte einige im „Gefecht“ und einige angeblich aus Nahdistanz erschossen. Bis auf Uwe Wriedt waren alle tot, auch der jugoslawische Spezialist und der neue mosambikanische Ökonom, der erst wenige Tage mit in den Betrieb fuhr und in den USA studiert hatte. Man sprach davon, er habe auch eine Doktorarbeit verfaßt.

Etwa 5 Kilometer vom Überfallort entfernt bekam Klaus Pohl Hilfe durch nun auftauchende Milizionäre und den Direktor und wurde nach Bagarila gebracht. Er war der Hoffnung, daß sich noch weitere Kolle-gen retten konnten, sah aber bereits auf diesem LKW fünf Leichen und den schwer verletzten Uwe Wriedt liegen. Uwe Wriedt war vermutlich durch ein Explosivgeschoß am Kopf schwer verletzt und wurde unter ärztlicher Betreuung von Lichinga mit einem kleinen Flugzeug nach Maputo geflogen, wo ihn sowjetische Ärzte operierten. Er starb am 16.12.1984 im Krankenhaus Maputo.

Das lange Warten und Hoffen der Frauen und Kinder in Lichinga, daß einige Verletzte doch noch über-lebt haben könnten, hat sich nicht erfüllt. Einige Zeit hoffte man vor allem, daß Günter Skibbe und Hel-mut Liepe möglicherweise überlebt haben, da sie angeblich mit Lebenszeichen in den Betrieb Unango gebracht worden waren.

Nach Angaben der mosambikanischen Seite sind bei dem Überfall des weiteren fünf Bürger der VRM, darunter zwei Angehörige des Begleitschutzes, getötet worden. Der Kraftfahrer Manuel zählte auch dazu. Es gab auch Verletzte, so hieß es damals.

Klaus Pohl hat bei seiner medizinischen Versorgung im Krankenhaus Lichinga auch verletzte Mosam-bikaner getroffen. Einer berichtete, daß die bewaffneten Banditen nicht nur aus ferner Distanz schossen, sondern auch bis zu den Fahrzeugen und Verletzten vordrangen. Der Kommandeur dieser Terrortruppe gab angeblich Anweisung, keine Lebenden zu hinterlassen und befahl Nahschüsse, falls es noch Lebens-zeichen geben sollte.

Die genauen Verletzungen der Toten des DDR-Spezialistenkollektivs wurden in der Gerichtsmedizin Berlin bei den Obduktionen einzeln festgestellt. Auch ein Ballistiker soll dabei zu Rate gezogen worden sein. Weil die Wunden in Mosambik zum Teil vernäht worden waren und die Leichen nicht mehr die Originalkleidung an hatten, sowie gewaschen waren, konnten nur begrenzte Aussagen hinsichtlich der Waffeneinwirkung getroffen werden. Mit ziemlicher Gewißheit waren aber bei allen Opfern die Verlet-zungen zahlreich und so massiv, daß sofort der Tod eintrat. Das intakte Projektil einer Infanteriepatrone M 43 wurde von dem hinzu gezogenen Ballistiker mit Kaliber 7,65 mm eingestuft. Derartige Projektile werden in einer Vielzahl unterschiedlicher Maschinenwaffen verschossen.

Man geht davon aus, daß die RNM-Leute vom Süden kamen und unter Umgehung von Lichinga in die nördliche Region gelangten. Seit es dafür Anhaltspunkte gab, wurde der Begleitschutz ab Bagarila organisiert. Mehrfach wurde von geschwächten RNM-Kräften gesprochen, die auch keine ausreichende Munition hätten. Vermutlich waren das alles nur Gerüchte.

 

Ein Blitztelegramm des damaligen Botschafters Matthes vom 09.12.1984 in Maputo an die DDR-Stellen in Berlin (auch an Schalck) belegt, daß die Führung der VR Mosambik den Überfall auf die DDR-Spezialisten zutiefst bedauerte. Vermutlich hatte die mosambikanische Seite mit der Aktivierung alter Kämpfer und deren Umsetzung in den Raum Unango bereits geforderten Schritten der DDR-Seite zur Erhöhung der Sicherheit für die DDR-Projekte entsprechen wollen, denn die DDR hatte einige Zeit zuvor Forderungen dieser Art an den Generalstab der Armee (Chissano) gegeben und die betreffenden Projekte mitgeteilt. Möglicherweise wurde die Wirksamkeit solcher alter Kämpfer und der Betriebsmilizen überschätzt, denn Chissano soll sich wohlwollend dazu geäußert haben, für den Selbstschutz von ausländischen Spezialisten auch an diese Waffen auszugeben, um den Kampf gegen die Banditen effektiver zu machen und die eigenen Sicherheitsmaßnahmen für Spezialisten zu erhöhen. Zu diesem mosambikanischen Angebot hat es aber seitens der DDR keine Reaktion gegeben.

Die LKW-Kolonne wurde offenkundig von den RNM-Leuten erwartet und an einem aus der Sicht der Banditen geeigneten Hinterhalt gezielt überfallen. An dem Überfall waren etwa 45 Banditen beteiligt, ausgerüstet mit SMG, Panzerfäusten und MPi. Sie waren sich vermutlich sicher, daß die Bewachungs-kräfte zu schwach waren und die Armee nicht für den direkten Schutz zuständig war.

Alle vorliegenden Erkenntnisse lassen den Schluß zu, daß der terroristische Überfall eine gezielte Aktion zur Ermordung der DDR-Spezialisten war. Die RNM-Leute hatten ausreichende Informationen über den Einsatz dieser Spezialisten auf der Staatsfarm Unango und versetzten mit dem Attentat der VR Mosambik einen schweren Schlag, da nach dieser Attacke die meisten Entwicklungshelfer aus der DDR und anderen Staaten zurückgezogen wurden.

Aus den Stasi-Unterlagen von Klaus Einecke ist ersichtlich, daß sein Vater und sein Schwiegervater heftige Kritik an den staatlichen Einrichtungen der DDR übten, weil nach ihrer Ansicht offensichtlich falsche bzw. oberflächliche Einschätzungen zur Sicherheitslage in Mosambik und insbesondere zu Lichinga vorgelegen haben und somit diese Opfer in Kauf genommen wurden. Die erst jetzt zugängliche Stasi-Akte von Klaus Einecke gibt den Vermutungen seiner Verwandten weitestgehend im Nachhinein recht.

 

Die getöteten Entwicklungshelfer wurden postum mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold geehrt. Klaus Pohl erhielt den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze und Monika Smardz und Manfred Grunewald die Verdienstmedaille der DDR.

 

Wußte die Stasi besser Bescheid?

Bemerkungen am 22.11.2001

Die Stasi-Unterlagen für Klaus Einecke wurden wahrscheinlich aus anderen Unterlagen zusammen- gestellt. Vermutlich gab es keine komplette Akte für ihn. Möglicherweise kam es deshalb erst nach Jah-ren zu einer Bereitstellung und Einsicht der Unterlagen. Die Namen anderer Personen konnte Edelgard Einecke bei der Einsicht teilweise zwar lesen, durfte aber nichts notieren. Die Namen sind bei allen ko-pierten Seiten, die sie schließlich erhielt, geschwärzt, außer bei der Überschrift von Klaus Pohls Verneh-mung.

Klaus Pohl hat seine eigene Stasi-Akte bisher nicht beantragt. Er bezeichnet einige Textpassagen in den Stasi-Unterlagen Klaus Eineckes als Erfindungen. Er hat sich z.B. niemals tot gestellt und sich auch nicht so geäußert. Die Befragung von Klaus Pohl erfolgte unmittelbar nach der Landung in Berlin, bevor er in die Charité gebracht wurde zur Behandlung seiner Schussverletzung am Bein.

 

Für die Auffindung von Akten sollten Manfred Grunewald und Edelgard Einecke im Rahmen des ge-stellten Forschungsantrages eine Liste der Betroffenen für die Birthler-Behörde zusammenstellen:

 

 Name  Damaliger Wohnort  Geb. am  Gestorben am Name Ehegatte/in 
Smardz, Wolfgang Steudnitz, Bez. Gera 12.02.1939 06.12.1984 Monika
Wriedt, Uwe Anklam 09.06.1946 16.12.1984starb 10 Tage nach dem Attentat an Verletzung Doris
Pohl, Klaus Zobes bei Plauen 03.07.1951 War verletzt, lebt Karla
Skibbe, Günter Rockensußra, bei Sondershn. 18.03.1945 06.12.1984 Edith
Lindner, Manfred Erfurt 30.06.1930 06.12.1984 Sigrid gest.´85
Meinert, Wilfried Reichenbach, bei Görlitz 12.08.1948 War nicht betroffen Heidemarie
Smardz, Monika Steudnitz, Bez. Gera 11.09.1940 War nicht im Transport Wolfgang
Grunewald, Manfred Frauenprießnitz 08.01.1941 War nicht im Transport Marion, war nicht in Moç.
Wagner, Hans-Dieter LPG Kyhna, Kreis Delitzsch 15.09.1951 06.12.1984 Gaby
Einecke, Klaus Hayn (Harz) 04.10.1954 06.12.1984 Edelgard
Liepe, Helmut Zeppernick, Kreis Köthen 09.11.1951 06.12.1984 Doris
Michel, Hans-Jürgen Rückersdorf bei Cottbus 21.08.1941 06.12.1984 Erika
Theilig, Bernd Gräfentonna, Bez. Erfurt   War nicht betroffen nicht bekannt

 

In der Forschung und zur Unterstützung in der staatlichen Tätigkeit waren in Lichinga bzw. in Maputo mit unserem Projekt verbunden oder kontaktiert: Peter Voß aus Cottbus, Klaus Kunath, jetzt Chemnitz, Arndt Scharfenstein, Nassau/ Sa., Volker Schulze, Zella-Mehlis, Günter Krüger aus Anklam, Hans-Joachim Herold aus Mihla, Dr. Fritz Schmidt aus Neustrelitz (heute Brandenburg-Kirchmöser) und Günter Fiehn (zeitweilig eingereister Monteur) aus Eberswalde.

 

Aktenfreigabe der Mosambik-Unterlagen nach einem Antrag für Edelgard Einecke und Manfred Grunewald

Am 06.01.2003 waren Edelgard Einecke und Manfred Grunewald in Gera zur Einsicht von Unterlagen der Stasi über Mosambik, die zwar mit Verzögerung nach einem Forschungsantrag an die Birthler-Behörde zusammengestellt wurden, aber nun eingesehen werden durften. Auch Kopien konnten davon beantragt werden.

Es gab im Bereich der Landwirtschaft nur einen einzigen bekannten Entwicklungshelfer in Maputo, der explizit für die Stasi Berichte abgegeben hat. Offensichtlich war das auch eine Bedingung für ihn, sonst hätte er möglicherweise überhaupt nicht ins Ausland reisen dürfen. Seine Berichte sind sachlich zu den einzelnen Themen und Vorkommnissen erfolgt. Er hat die Berichte meist mündlich abgegeben bei einer MfS-Kreisstelle in der DDR, die dort unter einem Decknamen protokolliert wurden. Eine gezielte Be-spitzelung von Personen ist nicht zu erkennen. Die Stasi hatte aus ihren eigenen Reihen einige Mitar-beiter in Mosambik, aber es ist aus den Unterlagen nicht ersichtlich, dass diese direkt vor Ort in Li-chinga gewesen sind. Man kann auch nicht erkennen, ob solche Mitarbeiter in Lichinga geweilt haben, ohne dass sich diese bei Smardz gemeldet hatten. Einen solchen Verdacht konnten wir bei der Einsicht der Unterlagen nicht abklären. Es ist auch nicht aus anderen Bezügen zu erkennen, dass die Stasi bessere Informationen über die Sicherheit hatte als die zuständigen Sicherheitsleute vor Ort. Man kann nicht erkennen, daß die Informationen an die Stasi jemand geschadet hätten. Somit ist die Namensnennung des IM auch nicht von uns beabsichtigt und wird bewusst unterlassen.

 Bekannte Namen tauchten in Berichten auf: Günter Krüger, Karl-Heinz Miosga, Dr. Döbel. Alle drei sind Manfred Grunewald persönlich bekannt und hatten mit Landwirtschaftsprojekten zu tun. Hinzu kommen fast alle Namen, die auch in diesen Darlegungen enthalten sind.

 Die Toten vom 06.12.1984 und ihre Verletzungen waren auf Schriftstücken aufgeschrieben. Auf den beantragten Kopien wurden diese Stellen geschwärzt. Aus dem Gelesenen kann man schlußfolgern, dass bis auf eine Person, alle anderen den LKW beim Beschuß verlassen haben und offensichtlich bei ihrer Flucht jeweils tödlich getroffen wurden. Einer wurde im LKW tödlich verletzt. Man kann nicht erken-nen, dass gezielte Nahschüsse aus wenigen Metern Entfernung, ähnlich einer Hinrichtung, gesetzt wurden. Die Verletzungen waren in allen Fällen so gravierend, dass eine mögliche Rettung nicht denkbar ist. Nur in einem Falle wäre bezüglich der Verletzung (großer Gefäßriß) eine Rettung für einen DDR-Entwicklungshelfer denkbar gewesen, aber dazu hätten faire Kampfbedingungen herrschen müssen und die gibt es bekanntlich in keinem Krieg. Dazu kommt, dass auch keine entsprechende Ausbildung für die Hilfe bei Schußverletzungen erfolgt war und es war auch kein DDR-Bürger übrig oder in der Nähe des Verletzten, der diese erste Hilfe hätte leisten können.

Andererseits konnte man in den Stasi-Unterlagen eine Einschätzung lesen, dass die Entwicklungshelfer sich darüber im Klaren sein mussten, möglicherweise auch in Kampfgeschehen zu gelangen. Nur ein Fall war erkennbar, dass vorher im IAK Leipzig über die schlechte Sicherheit in Unango gesprochen wurde und zwar durch Klaus Einecke im Februar 1984. In der Gruppe Unango hat Klaus Einecke diese Meinung nicht offen kundgetan. Offensichtlich wollte er weder seine Frau, die zu dieser Zeit mit zwei Kindern nach Lichinga einreiste, noch die anderen Entwicklungshelfer verunsichern.

 

Karten

Abkürzungen:

AGRICOM                  Firma für Handel mit landwirtschaftl. Erzeugnissen (Aufkauf und Verkauf)

AGRA                         Agrarausstellung Markkleeberg

AHB                           Außenhandelsbetrieb

ANC                           Afrikanischer Nationalkongress (Südafrika)

AVÍCOLA                  Geflügelzucht, hier Geflügelbetrieb

B 1000                                    Kleinbus von IFA

BA                              Banditos Armados (Bewaffnete Banditen)

BAYER                       Chemiekonzern

Belorus                       Traktorentyp aus der SU (Belorußland)

BM                              Banco de Moçambique

BOROR                      Firma für Saatgut und Pflanzenschutzmittel

BPD                            Banco Popular de Desenvolvimento

BPM                            Banco Popular de Moçambique (Volksbank)

BRD                            Bundesrepublik Deutschland

C.F.M.                         Caminho Ferro de Moçambique

CMT                           Conto Meticais (1000 MT)

DBD                           Demokratische Bauernpartei Deutschlands

DDR                           Deutsche Demokratische Republik

DK                              Dieselkraftstoff

DM                             Deutsche Mark

DPA                            Departamento Produção Agricultura

DRK                           Deutsches Rotes Kreuz

E 512                          Mähdreschertyp vom VEB Fortschritt in der DDR

E.A.U.                         Empresa Agrícola de Unango

FAST                          Fundo da Associação Social dos Trabalhadores = Sozialversicherung

FDGB                         Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (Organisation in der DDR)

F.E.N.                         Messe- und Ausstellungsgelände in Lichinga

FRELIMO                   Frente da Libertação de Moçambique

GmbH                         Gesellschaft mit beschränkter Haftung

ha                                Hektar

HB                              Hauptbuchhalter

HW 80                        Anhängertyp für Traktoren aus der DDR

IAK                             Interagrarkooperation (Organisationsbetrieb in Leipzig zur Ausbildung und Verschickung von Landwirtschaftsspezialisten)

IFA                             Fahrzeugwerk in der DDR

IM                               Inoffizieller Mitarbeiter (des MfS der DDR)

IRN                             Ímposto de Reconstrução Nacional = Lohnsteuer

KIM                            Kombinat für industrielle Mast

kt                                Kilotonnen

LAM                           Linhas Aéreas de Moçambique

LKW                           Lastkraftwagen

LMG                           Leichtes Maschinengewehr

LPG                            Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft

M                                Mark (der DDR)

Mafa                           Maschinenfabrik

MECANAGRO           Mecanização Agrikultura (Betrieb)

MfS                             Ministerium für Staatssicherheit (in der DDR)

Mifa                            Mitteldeutsche Fahrradfabrik

MPi                             Maschinenpistole

MT                              Metical, Meticais (mosambikanische Währungseinheit)

ND                              Neues Deutschland (Zeitung in der DDR)

PETROMOC               Petrolchemischer Betrieb (Handel von DK, VK, Ölen)

PKW                           Personenkraftwagen

R.D.A.                        República Democrática Alemã

RENAMO                   Resistência Nacional Moçambicana

RNM                           RENAMO

RSA                            Republik Südafrika

SED                            Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

SMG                           Schweres Maschinengewehr

SPW                            Schützenpanzerwagen

Stasi                            Staatssicherheit (in der DDR)

SU                               Sowjetunion

t                                  Tonne

UDA                           Unidade Direcção Agrícola

URANIA                     Name der Gesellschaft zur Verbreitung wissensch. Kenntnisse in der DDR

VbE                            Vollbeschäftigte Einheiten (volle Arbeitskraft)

VEB                            Volkseigener Betrieb

VEG                            Volkseigenes Gut

VK                              Vergaserkraftstoff

VRM                           Volksrepublik Mosambik

W 50                           Häufigster LKW-Typ aus der DDR

ZT 300                        Traktorentyp aus der DDR

 

 

Literatur

Döring, Hans-Joachim, „Es geht um unsere Existenz“, Ch. Links Verlag, Berlin, 1999

 

Dank

Bei der Ausarbeitung gaben verschiedene Spezialisten Material und Informationen, wofür ich mich auf diesem Wege herzlich bedanke.

 

Spätere Nachträge und Betrachtungen von Manfred Grunewald

 

Die Provinz Niassa liegt im Norden Mosambiks. Sie hat eine Fläche von ca. 129.056 km². Auf dieser Fläche leben ca. 901.900 (Stand 2004) Menschen.

Die Hauptstadt der Provinz Niassa ist die Stadt Lichinga mit etwa 85.758 Einwohnern. Niassa ist die größte und fruchtbarste Provinz Mosambiks, zugleich aber auch die am dünnsten besiedelte. Nach der Unabhängigkeit der Landes im Jahr 1975 wurde versucht, Menschen aus anderen Provinzen in Niassa anzusiedeln. Diese Versuche blieben aber erfolglos. 1980 hatte Niassa lediglich 300.000 Einwohner, 16 Jahre später wurde die Bevölkerung auf immerhin 782.365 Menschen geschätzt.

1996 wurde nach einer von Präsident Chissano und dem südafrikanischen Präsident Mandela unterzeichneten Vereinbarung südafrikanischen Farmern unbesiedeltes Land zur Verfügung gestellt.

Niassa ist auch die am höchsten gelegene Provinz Mosambiks und liegt in einer durchschnittliche Höhe von 700 m ü. NN. Das Lichinga Plateau, das etwa ein Viertel der Provinz einnimmt, erreicht Höhen von bis zu 1500 m. Der Mount Txitonga ist mit 1848 m der höchstgelegen Punkt der Provinz.

 

Der größte Teil der Bevölkerung stammt aus der Volksgruppe der Yao. Viele Menschen sprechen Yao, Nyanja oder Makua.

 

Sprach- und Volksgruppen

 

Es gibt noch mehrere Sprachen in Mosambik. Im Internet liest man vo 40, vorwiegend Bantusprachen.

Portugiesisch ist die Amtssprache, wird von nur etwas über 2,5 % (vornehmlich in Städten) der Gesamtbevölkerung als Muttersprache gesprochen. Weitere 20 % beherrschen sie als Fremdsprache neben ihrer einheimischen Sprache. Die meisten Mosambikaner sprechen mehr als eine Sprache. Zu den wichtigsten Sprachen gehören neben der Amtssprache Portugiesisch unter anderem (sortiert von Norden nach Süden):

 

Makua – die wichtigste Sprache im Norden Mosambiks

 

Njanja muß wohl richtig heißen: Nyanja

Chichewa – auch Nyanja genannt; im Westen (Provinz Tete), das Gebiet grenzt an Sambia und Malawi an, wo diese Sprache ebenfalls gesprochen wird.

 

Ajauer, sagte man uns, sei eine eiheimische Sprache am Niassasee. Vermutlich ist Yao gemeint.

Die Yao oder Wayao sind eine ethnisch-linguistische Gruppe in der Region des Malawisees, mit etwa einer Million Angehörigen in Malawi und jeweils etwas weniger als einer halben Million in Nordmosambik und im Süden Tansanias. Ihre Sprache ist die Bantusprache Yao, auch Chiyao genannt.

 

Makonde

Die Makonde sind ein Bantuvolk im Südosten Tansanias. Ein weiterer beachtlicher Teil des Makonde-Volkes siedelt seit langer Zeit jenseits des Rovuma-Grenzflusses in Mosambik.

 

Es gibt noch weitere einheimische Sprachen.

 

Anfrage 2009 aus Mosambik nach Mitarbeitern im Jahre 1984 im E.A.U.

 

Colaboradores/colegas no Empresa Agricola de Unango e pessoas conheicidas

 

  1. Contabilista de secção material Gabriel Lucas Sonjo, (um Amigo), agora vendedor ao perto do Centro de Lichinga, Centro Comercial de Lichinga, Caixa Postal No 5. Coisas da construção, Generatores.
  2. Gabriel Sonjo foi na Contabilidade em Unango. O seu irmao Jacobe Lucas Sonjo foi na Alemanha, RDA.

E tambem na Contabilidade e outras funcçao:

  1. Sr. Sabado Louis Raposo Contabilista principal
  2. Sr. João Wite Patrício Contabilista financeiro
  3. Sr. António Josefa Amosse para Solario
  4. Sr. Inácio Pinto, Caixa (Kasse)
  5. Sr. Vasco Chichava,  Loja (Laden)
  6. Sr. Paulino Juma Paulo tem projeito ao perto de Lichinga em Massengeiro, foi em Alemanha
  7. Sr. Alberto, Chefe da Ofcina
  8. Sr. Abel Lucas, Disposição e Plano no Departamento da Agricultura no Gouverno em

Lichinga, foi no Televisão agora em Alemanha

 

Outras Nomes:

Sr. Gumende

Sr. Silvério

Sr. Mabai, Construcão

Sr. Benjamin (Segurança)

Sr. Tembe

Sr. Paulo Almeida Valério

Sr. Lucas, Chefe da Pecuária

Sr. Sumbi

Sr. Matusse

Sr. Vasco João

Sr. Nota

Sr. Madeira

 

Endereço do Paulino e importante:

Paulino Juma Paulo

  1. HOFRUMA

Massengero

Caixa Postal 117

 

 

Frage im Jahre 2013 von Wilfried Meinert: Wie hieß der Forscher, der für die FAO in Lichinga 1983 tätig war in der Getreidezucht? Edith Skibbe hat den Namen noch gewusst nach 30 Jahren, denn ich hatte ihn nicht notiert: Dr. Hagen Herdan hat Versuche mit Weizenanbau in Lichinga gemacht. Er war 1984 nur noch kurze Zeit präsent.

Frage von Meinert 2015 nach zwei Buchhaltern auf einem Foto mit Manfred Grunewald, links dahinter B1000 und kaputtem Reifen: Links Celestino Laurenço Amado, er wurde nur Celestino genannt, war korrupt wie Raposo auch. Das waren ja die Hauptbuchhalter in meiner Zeit.

Rechts Amosse  – war der Lohnbuchhalter gewissenhaft und ehrlich, denn er wollte etwas lernen. Sr. António Josefa Amosse para Solario.

Ich suche die kompletten Namen in meiner Broschüre, meist im Tagebuch erwähnt aber auch bei der Vorstellung der Abteilungen.

 

Grab in Steudnitz

Bei meinen Besuchen des Grabes gingen meine Gedanken immer

zurück an alle Opfer vom 06.12.1984. MG

Das Grab gibt es nicht mehr.

 

Neue große Erfolge der westdeutschen Thüringer Allgemeinen(Funke-Medienkonzern Essen/NRW) bei der Kostensenkung 2019: Deutlich weniger Textinformation ohne Preissenkung(sogar Preiserhöhung!!!), größere Fotos, größere unbedruckte Zeitungsfläche, Mehrfachabdruck von Texten. Viele gute Ideen der TA-Neuererkollektive umgesetzt:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/11/23/neue-grosse-erfolge-der-westdeutschen-thueringer-allgemeinenfunke-medienkonzern-essennrw-bei-der-kostensenkung-2019-deutlich-weniger-textinformation-ohne-preissenkung-groessere-fotos-groessere-u/

http://www.hart-brasilientexte.de/2019/12/23/usa-sanktionen-gegen-nord-stream-2-mehrere-tage-nach-verhaengung-immer-noch-keine-adaequate-groko-antwort-in-relation-zum-wertvolumen-des-deutsch-russischen-gasgeschaefts-thueringen-ministerpraeside/

“Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute”.

DahnBuch191

Dürfen ostdeutsche Lehrer, die von oben verordnete offizielle Geschichtsschreibung Kindern, Jugendlichen einpauken müssen,  wenigstens auch auf die nichtoffizielle hinweisen(darunter auf den Fall Mosambik) – oder droht da sofort der Rausschmiß? Ostdeutsche glauben weit weniger als Westdeutsche, was in der Zeitung steht, was Staats-und Mainstreammedien berichten. Was Ossis in  Medien als lächerlich und absurd einstufen, wird von Wessis gewöhnlich sehr ernst genommen, selbst von westdeutschen Parteifunktionären. Dies schafft beim Zusammentreffen von Ostdeutschen und Westdeutschen kuriose Situationen, da Wessis üblicherweise auf ihrer Deutungs-und Interpretationshoheit bestehen. 2019 haben sich in diesem Sinne die Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West offenbar deutlich vergrößert.

http://www.hart-brasilientexte.de/2019/05/31/sichtweisen-ueber-honecker-sichtweisen-ueber-westdeutsche-politiker-die-honecker-trafen-schmidtspd-kohlcdu-von-weizsaeckercdu-strausscsu-schaeublecdu-vogelcdu-etc/

“Chilenisches Metall” (Renft):https://www.youtube.com/watch?v=fKK82EKaWz8

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/12/13/groko-weihnachtsklima-2019-klima-wandel-der-anderen-art-40-messer-attacken-in-den-letzten-tagen-zu-heiss-fuer-dezember/.

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IS-Miliz köpft elf gefangene Christen – wie der Westen den  IS aufbaute, so den IS-Terror erst möglich machte:

https://www.blick.ch/news/ausland/rache-fuer-terrorfuerst-baghdadi-is-miliz-koepft-elf-gefangene-christen-id15681900.html?fbclid=IwAR1dYWF4FjErIGiV83GOB3ox1gHdPGLMxw4qT9I8q6Fn84TAE4vtBgt-zEI

Afghanistan und Manipulationsmethoden. Deutsches Staatsfernsehen unterschlägt, daß es ohne die massive USA-NATO-Unterstützung für Islamisten das IS-und Taliban-Problem überhaupt nicht gäbe. “Deutschland half Islamisten in Afghanistan…Damit wurde der Islamismus massiv gefördert.”(N24):http://www.hart-brasilientexte.de/2016/07/31/afghanistan-und-manipulationsmethoden-2016-deutsches-staatsfernsehen-unterschlaegt-dass-es-ohne-die-massive-usa-nato-unterstuetzung-fuer-islamisten-das-is-und-taliban-problem-ueberhaupt-nicht-gaebe/

Kabarett “Die Anstalt”: “Sie rüsten radikale Islamisten auf…Radikale Islamisten – gegen die Russen – toll!..Anführer in Afghanistan.,.Osama bin Laden…”

-Afghanistan – Anwesenheit der Bundeswehr:http://www.hart-brasilientexte.de/2015/03/20/islamisierung-in-deutschland-und-afghanistan-2015-nato-besatzer-und-von-ihnen-geschulte-polizisten-schauen-zu-wie-eine-frau-lebendig-verbrannt-wird-die-angeblich-ein-koranbuch-verbrannte/

Christenkiller  nach Syrien – aus dem NATO-Staat Deutschland, unter den Augen der deutschen Staats-und Regierungskirchen – die großen Erfolge deutscher Autoritäten bei der Islamisierung:http://www.hart-brasilientexte.de/2014/01/23/die-syrien-intervention-wieviele-bewohner-syriens-wurden-durch-eingedrungene-kampfer-aus-deutschland-ermordet/

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2016/12/22/thueringen-2016-und-politik-resultateerfurt-mauert-weihnachtsmarkt-ein-der-is-ist-in-thueringen-angekommen-bjoern-hoecke/

ErfurtMerkelsperre191

Erfurt – Merkelsperre am Weihnachtsmarkt 2019. Im Jahr davor gab es nur eine Betonblock-Reihe – hat sich die Terrorgefahr also erhöht? Die Ramelow-Regierung gibt den Bürgern dazu keine Antwort…Ob sich Ramelow mal mit dem Mikro davorstellt?

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/07/26/frankreich-kommt-2016-bei-islamisierung-viel-schneller-voran-als-deutschland-mehr-attentate-und-geiselnahmen-neuester-fall-in-saint-etienne-du-rouvray26-7-2016/

MaazgestürzteVolk

Hans-Joachim Maaz: “Das gestürzte Volk. Die unglückliche Einheit”, Argon-Verlag.

“So sind auch unsere Hoffnungen, die Sehnsucht, die großartige Begeisterung des Aufbruchs im Herbst `89 geronnen zu einer müden, bisweilen auch verzweifelten Geste der Anpassung an eine neue, harte Struktur. Im Grunde genommen ist nicht die Regierung gestürzt, sondern nur ausgetauscht, aber die Macht des Volkes ist erneut und diesmal wesentlich effizienter denn je gestürzt worden.”http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/09/27/ddr-ostdeutsche-dichtung-und-wahrheit-in-den-letzten-30-jahren-ist-auffaellig-viel-literatur-entstanden-die-offiziellen-denkvorschriften-der-neuen-machthaber-ddr-klischees-widerspricht/.

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 http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/10/02/tag-der-einheit-tag-der-teilung-westdeutsche-thueringer-allgemeine-mit-noch-unlaengst-undenkbaren-bewertungen-zum-3-oktober-die-ersten-massenentlassungen-liefen-und-es-vollzog-sich-das-was/.

 http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/12/05/der-mdr-trennt-sich-von-uwe-steimle-achgut/

Syrien – Afghanistan – Jugoslawien, Dichtung und Wahrheit. Wie westliche Demokratie(Eppler-Birthler-Demokratie) funktioniert:

CIA und Hilfe für syrische Terroristen – laut Washington Post wird sie gestoppt(“Trump nennt Obama den Gründer von ISIS”): “The program was a central plank of a policy begun by the Obama administration in 2013 to put pressure on Assad to step aside, but even its backers have questioned its efficacy since Russia deployed forces in Syria two years later.” Massive Unterstützung westdeutscher Regierungen und der NATO für islamistische Terrororganisationen Afghanistans allgemein bekannt. Warum Geheimdienst-gesteuerte deutsche Medien so gegen Trump hetzen… **

TrumpObamaIs16

Ausriß – Präsidentschaftskandidat Donald Trump übernimmt uralte Erkenntnisse zur massiven westlichen IS-Aufbauhilfe in den Wahlkampf. “Trump nennt Obama den Gründer von ISIS”. Welche hochrangigen deutschen Politmarionetten zur Terroristenunterstützung typischerweise schwiegen – laut Google-Suche rasch zu finden. 

Ohne die massive USA-NATO-Unterstützung für Islamisten gäbe es das IS-und Taliban-Problem überhaupt nicht. “Deutschland half Islamisten in Afghanistan…Damit wurde der Islamismus massiv gefördert.”(N24) Islamisten werden sogar massiv nach Deutschland importiert.

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/08/12/afghanistan-2016-deutsches-staatsfernsehen-was-alles-fehlt-ohne-die-massive-usa-nato-unterstuetzung-fuer-islamisten-gaebe-es-das-is-und-taliban-problem-ueberhaupt-nicht-deutschland-half/

“Märtyrerrenten”:http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/29165

Merkel-Kandidatur 2017, völkerrechtswidriger Irakkrieg, Syrienkrieg:

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/11/21/angela-merkel-was-auftraggebenden-machteliten-westdeutschlands-sowie-der-nato-an-ihr-gefaellt/

Helmut Kohl(1930-2017):http://www.hart-brasilientexte.de/2017/07/02/helmut-kohl1930-2017/

“President Trump has decided to end the CIA’s covert program to arm and train moderate Syrian rebels battling the government of Bashar al-Assad, a move long sought by Russia, according to U.S. officials.

The program was a central plank of a policy begun by the Obama administration in 2013 to put pressure on Assad to step aside, but even its backers have questioned its efficacy since Russia deployed forces in Syria two years later.

Officials said the phasing out of the secret program reflects Trump’s interest in finding ways to work with Russia, which saw the anti-Assad program as an assault on its interests. The shuttering of the program is also an acknowledgment of Washington’s limited leverage and desire to remove Assad from power.” Washington Post

Hatte die ARD ausführlich über die US-Hilfe für islamische Terroristen berichtet? 

“US-Präsident Donald Trump hat laut einem Zeitungsbericht die verdeckten Waffenlieferungen der CIA an syrische Rebellen stoppen lassen. Die Entscheidung habe Trump vor knapp einem Monat nach einem Treffen mit CIA-Direktor Mike Pompeo und seinem Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster getroffen, berichtete die “Washington Post” unter Berufung auf Regierungskreise.

Die CIA hatte 2013 unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama ein verdecktes Programm mit Waffenlieferungen begonnen.”

http://www.hart-brasilientexte.de/2017/07/20/cia-und-hilfe-fuer-syrische-terroristen-laut-washington-post-wird-sie-gestoppt-the-program-was-a-central-plank-of-a-policy-begun-by-the-obama-administration-in-2013-to-put-pressure-on-assad-to-st/

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“In Afghanistan bildete die CIA nicht nur die Taliban aus, sondern gab auch zu, 25.000 arabische Freiwillige zum Kampf gegen die Rote Armee aufgestellt zu haben, wie die Financial Times berichtete…

…Zumindest ebenso Besorgnis erregend ist die Unterstützung fundamentalistischer Politik durch den so genannten “freien Westen”. Diese Hilfe, gewährt unter dem Vorwand der Verteidigung der Demokratie, ist nichts Neues. Imam Khomeini hielt sich 1978 mehrere Monate in Frankreich auf, bevor er in den Iran zurückkehrte, um die Führung der “islamischen” Revolution zu übernehmen. ” Österreichische Drittwelt-Zeitschrift Südwind-Magazin 11/2000

Der sowjetische Anti-Terror-Einsatz in Afghanistan  – die Garantierung von Frauenrechten als wichtige Aufgabe.

Mancher wird sich noch erinnern, wie die “Unterstützung fundamentalistischer Politik..unter dem Vorwand der Verteidigung der Demokratie” aussah. CDUCSUSPDFDPGrüne stellten sich vorbehaltlos u.a. auf die Seite der afghanischen Taliban/Mudschahedin und anderer islamistischer Terroristenorganisationen, stuften diese als Kämpfer für die Freiheit ein. Wer damals Veranstalter, Aktivisten von Pro-Taliban-Veranstaltungen direkt, persönlich auf die Wertvorstellungen dieser “Freiheitskämpfer” ansprach, machte eine sehr interessante Erfahrung: Jenen deutschen Taliban-Sympathisanten war bestens bekannt, daß die  Islamisten beispielsweise in Afghanistan u.a. Frauen extrem brutal unterdrückten, steinigten, lebendig verbrannten – genauso mit Homosexuellen verfuhren. Und in nahezu allen Geschäftsfeldern des organisierten Verbrechens intensiv tätig waren: Rauschgifthandel weltweit, illegaler Waffenhandel, Auftragsmorde, Lösegeld-Geiselnahmen, Anschläge etc. Absolute politische Priorität war damals, gegen die Anti-Terror-Einsätze der sowjetischen Armee in Afghanistan Front zu machen – im Kontext der ideologischen Leitlinien des Kalten Krieges. Das Herausstellen der islamistischen Ziele und Wertvorstellungen wäre da politisch äußerst kontraproduktiv gewesen – also folgte man der US-Reagan-Linie(Reagan-Doktrin). Daß beispielsweise die Grünen heute  an ihre damalige Kooperation mit Islamisten nicht erinnert werden wollen, ist mehr als verständlich. Die Parallelen zum NATO-Stellvertreterkrieg in Syrien sind überdeutlich.

Wikipedia: “…wurde der militärische Widerstand von islamistischen Gruppen dominiert, die nur über wenig Rückhalt in der Bevölkerung verfügten. Sie allein hatten Zugang zu den vorwiegend amerikanischen und saudischen Finanz- und Waffenhilfen, die einen Wert von bis zu einer Milliarde Dollar im Jahr erreichten. Die Lieferungen wurden vom pakistanischen Geheimdienst ISI nach Afghanistan geschleust, der sie ausschließlich an islamistisch ausgerichtete, sunnitische Parteien weitergab, die bereits vor dem sowjetischen Einmarsch als pakistanische Klienten aufgebaut worden waren.[6]

Als Mudschahedin bezeichneten sich die verschiedenen Guerilla-Gruppierungen, die von 1979 bis 1989 in Afghanistangegen die sowjetischen Truppen und die von ihnen gestützte kommunistische Regierung (Sowjetische Intervention in Afghanistan) kämpften. Sie erhielten finanzielle und materielle Unterstützung vor allem von den Vereinigten Staaten,Pakistan und Saudi-Arabien. Die Waffenlieferungen und die Ausbildung vieler Kämpfer wurden vor allem vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA und dem pakistanischen Geheimdienst ISI organisiert. Die CIA investierte, in Zusammenarbeit mit dem Maktab al-Chadam?t, im Rahmen der verdeckten Operation Operation Cyclonemehrere Milliarden US-Dollar in die islamistischen Aufständischen. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1989 kam es zumBürgerkrieg zwischen den verschiedenen Mudschahedin-Gruppierungen.

Um den Widerstand gegen die sowjetische Besatzung in Afghanistan anzuspornen, hatten die USA unter anderem mehrere Millionen Dollar in gewaltverherrlichende Lehrbücher investiert. Mittels dieser Bücher, die mit Gewaltdarstellungen, islamistischen Lehren und aus dem Zusammenhang gerissenen Koranversengefüllt waren, wurde den afghanischen Schulkindern die Lehre vom Dschihad (Heiliger Krieg) nahegebracht.[2] Diese Bücher wurden ebenfalls in Lagern für afghanische Flüchtlinge in Pakistan im Unterricht eingesetzt. Auch die Taliban verwendeten die von den USA produzierten Bücher. Um die Bücher mit ihrer Ideologie des Bilderverbots in Einklang zu bringen, wurden die menschlichen Gesichter darin herausgeschnitten.[2]

 

GRÜNE, SPD, Schulterschluß mit Terroristen ?

Mudschahedin in den Jugoslawienkriegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wikipedia

Auch im Bosnienkrieg kämpften ausländische Freiwillige, größtenteils ehemalige Afghanistankämpfer, als sogenannte Mudschahedin (mudžahedin) ab 1992 auf Seiten der bosnisch-muslimischen Streitkräfte.

Während des Bosnienkrieges kam es zu zahlreichen Gräueltaten von Mudschahedin, unter anderem unter der Führung des Oberbefehlshabers der bosnischen ArmeeRasim Deli?, an Serben und Kroaten in Zentralbosnien und der Region von Ozren. Auf Befehl von Osama bin Laden kämpften die al-Qaida-Anhänger während des gesamten Krieges mit der bosnischen Armee an vorderster Front.[3]

Ebenso kämpften al-Qaida-Anhänger im Kosovo an der Seite der albanischenparamilitärischenOrganisation UÇK.

https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Cyclone

Deutscher Bundestag und sowjetischer Anti-Terror-Einsatz in Afghanistan, Würdigung der “afghanischen Mudjahedin” – was im “Antrag der Fraktionen der CDU/CSU, FDP und der Fraktion DIE GRÜNEN ” alles fehlt. DIE GRÜNEN bei der Islamisten-Unterstützung im Schulterschluß mit westdeutschen Rechtsparteien:http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/11/015/1101500.pdf.

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/10/28/terrorismusfoerderung-durch-deutsche-autoritaeten-2016-folgerichtiger-import-mutmasslicher-taliban-kaempfer-massive-unterstuetzung-westdeutscher-regierungen-und-der-nato-fuer-islamistische-terroror/

Warum das Amri-Netzwerk in Deutschland frei agieren konnte:http://www.hart-brasilientexte.de/2019/07/10/berlin-attentaeter-anis-amri-und-sein-europaweites-netzwerk-rechtsterrorist-linksterrorist-offenbar-ist-staats-und-mainstreammedien-just-in-zeiten-der-instrumentalisierte-debatte-ueber-den-luebcke/#more-121338

WiedereinreiseverbotTerroristen18

Ausriß – die Wertvorstellungen der Merkel-GroKo.

Thüringen, ganz Ostdeutschland – fremdbeherrscht, wirtschaftlich und kulturell kolonisiert seit der feindlichen Übernahme von 1990? Der auffällig hohe Anteil von Westdeutschen in der Funktionselite von Ostdeutschland:http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/03/28/thueringen-ganz-ostdeutschland-fremdbeherrscht-kulturell-kolonisiert-seit-der-feindlichen-uebernahme-von-1990-der-auffaellig-hohe-anteil-von-westdeutschen-in-der-funktionselite-von-ostdeutschland/.

-

 http://www.hart-brasilientexte.de/2019/11/25/beuteland-die-millionengeschaefte-krimineller-clans-ard-doku-2019-was-wir-der-merkel-groko-den-kriminellen-deutschen-machteliten-verdanken-was-diese-unter-kulturbereicherung-vers/

:http://www.hart-brasilientexte.de/2019/05/02/das-odessa-massaker-vom-2-mai-2014/

http://www.hart-brasilientexte.de/2019/05/31/sichtweisen-ueber-honecker-sichtweisen-ueber-westdeutsche-politiker-die-honecker-trafen-schmidtspd-kohlcdu-von-weizsaeckercdu-strausscsu-schaeublecdu-vogelcdu-etc/

Thüringen.“Ich wünsche mir für meine Kirche: Nie wieder einen Kirchentag mit einem amerikanischen Kriegsverbrecher.”http://www.hart-brasilientexte.de/2017/08/05/ich-wuensche-mir-fuer-meine-kirche-nie-wieder-einen-kirchentag-mit-einem-amerikanischen-kriegsverbrecher-die-evangelische-kirche-sankt-martin-in-heiligenstadtthueringen-2017-das-eichsfeld-ei/

MerkelObamaKir

Ausriß.

MeinungsfreiheitZEIT19

“63% der Deutschen glauben, man müsse sehr aufpassen, wenn man seine Meinung öffentlich äußert. Wie kann das sein?” DIE ZEIT 2019.http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2019/11/10/was-wollen-die-ostdeutschen-denn-noch-mehr-es-gibt-fuer-sie-keinen-grund-zu-jammern-spd-momper-6-11-2019-faz-in-tv-dokus-zum-mauerfall-massiv-interviewterzitierter-ex-frontstadtbuergerm/#more-40096

Welche Ressourcen die DDR gemeinsam mit Mosambik ausbeuten wollte – wie dies die Rohstoff- und Devisensituation der DDR grundlegend verbessert hätte. Wie die Renamo dafür sorgte, daß nun westliche Konzerne den großen Reibach machen:

https://library.fes.de/pdf-files/iez/09288.pdf

https://www.zeit.de/2013/06/Mosambik-Rohstoffe-Gas-Gold

https://taz.de/Gasvorkommen-in-Mosambik/!5094612/

http://www.kkmosambik.de/projekte/korruption-und-partizipation/downloads/KKM_Korruptionsstudie_Rohstoffindustrie.pdf

https://www.neues-deutschland.de/artikel/88700.erdoelbohrungen-im-oranjebecken.html

Bonk1 (2)

…Die Erdgaslagerstätten im Gebiet Pande/Temane(Provinz Inhamba), die nach unserem “Ausscheiden”später von westlichen Firmen weiter erkundet wurden, sind inzwischen für Mosambik wirtschaftlich bedeutend. So wurde im Jahre 2004 eine 865 Kilometer lange Gaspipeline nach Südafrika fertiggestellt, die die Gasfelder mit dem Nordosten Südafrikas verbindet…Allerdings hat Mosambik im Rahmen von sogenannten “Product Sharing Agreements” lediglich das Recht, fünf Prozent des in Pande und Temane geförderten Gases innerhalb Mosambiks zu vermarkten, wenn keine weiteren kommerziell nutzbaren Gasvorkommen erschlossen werden – eine Blüte des schon damals wieder “in Mode” gekommenen Neokolonialismus…Es kann also durchaus der Eindruck entstehen, dass einige, die heute mit dem mosambikanischen Erdgas das große Geld machen, schon damals ihre Hände mit im Spiel hatten…Gerd Bonk, Sangerhausen – damals Limex-Leipzig-Rohstofferkundungsexperte

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Ausriß.

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“Gasreserven, die sich mit Iran, Katar vergleichen lassen”. (Bonk)

Bonk6

Ausriß: “Pande/Temane Gas: `SASOL will contiue to milk Mozambique` – CIP report”. “Pande-Temane`s natural gas exploration project by the South African multination after 10 years contributed only with 7 % of projected revenues für the 25 year project duration(US 2 billion)”

 

“Die grössten Investoren in Moçambique sind nicht die Chinesen, sondern Konzerne, die Öl und Gas fördern, wie Exxon aus den USA oder Eni aus Italien. Meine Sorge ist, dass sich durch die ausländischen Investoren eine Kolonialwirtschaft erhält, die auf dem Verkauf von Rohstoffen basiert und keinen Wohlstand im Land generiert.” Mia Couto in DER BUND, Schweiz

“Mosambik ist ein Land, dessen Name allerhöchstens ein paar Henning-Mankell-Fans aufhorchen lässt. Arm, aber nicht notleidend genug für eine Randspalte im Vermischten der öffentlichen Presse. Mosambik belegt Platz 178 von 187 auf dem Human Development Index. Bei Wahlen beobachten die internationalen Beobachter offensichtliche Unregelmäßigkeiten, die aber trotzdem keine Zweifel am Wahlausgang schüren. Und doch wird von diesem Land, in dem die Hälfte der Menschen nicht lesen und schreiben kann, in Zukunft noch viel zu hören sein. Es hat eine der am rasantesten wachsenden Wirtschaften weltweit und besitzt das, was alle wollen, aber nicht haben: unangetastete Energiereserven en masse – Kohle und vor allem Erdgas. Acht Prozent der weltweiten Nachfrage könnten damit gedeckt werden, berechneten Experten des Geopolitical Information Service (GIS) kürzlich. Und die Investoren lassen nicht auf sich warten: Von 700 Millionen US-Dollar 2009 stiegen Zahlungen ausländischer Unternehmen, wie dem US-Erdgasförderer Anadarko und der italienischen ENI, auf 5,2 Milliarden. Weitere 50 Milliarden sind in Aussicht. Ein Geldsegen, von dem vor allem die einheimische Unternehmen profitieren, die führenden Regierungspolitikern gehören, während horrende steigende Grundnahrungsmittelpreise die Unterschicht beuteln. Das BIP freut’s.” Zitat TONIC 2014.

“Mosambik zwischen Gas und Djihad”: https://www.lemonde.fr/afrique/article/2019/11/15/le-mozambique-entre-gaz-et-djihad_6019330_3212.html

Regierungssender Deutsche Welle: …Moçambique tem reservas de gás natural estimadas em cerca de 270 triliões de metros cúbicos. Ainda não há exploração de Gás Natural Liquefeito. A exploração na Bacia do Rovuma, em Cabo Delgado, terá início nos próximos anos, mas já se explora gás natural em Pande, Temane e Inhassoro em Inhambane…

https://www.dw.com/pt-002/mo%C3%A7ambique-n%C3%A3o-beneficia-como-devia-do-g%C3%A1s-de-pande-e-temane-diz-o-cip/a-17226687

https://www.dw.com/pt-002/mo%C3%A7ambique-vai-distribuir-g%C3%A1s-natural-a-partir-de-2012/a-15629357

https://www.dw.com/pt-002/jo%C3%A3o-mosca-cabo-delgado-j%C3%A1-vive-maldi%C3%A7%C3%A3o-dos-recursos-naturais/a-51711555

https://www.dw.com/pt-002/jo%C3%A3o-mosca-cabo-delgado-j%C3%A1-vive-maldi%C3%A7%C3%A3o-dos-recursos-naturais/a-51711555

https://www.dw.com/pt-002/mo%C3%A7ambicanos-afastados-das-minas-em-cabo-delgado/av-51711609

http://www.acismoz.com/wp-content/uploads/2017/06/Sasols%20Response%20to%20CIPs%20Claim%20of%20a%20Bad%20Deal%20for%20Mozambique.pdf

Bonk9

DDR erkundet landesweit Rohstoffvorkommen von Mosambik. Bohrgerät von LIMEX (VEB Geophysik Leipzig) mit miltärischem Schutz im Messgebiet.

 

Dieser Beitrag wurde am Samstag, 28. Dezember 2019 um 15:25 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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